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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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02.04.2017 4.039
 
Ludwig's Sicht


Noch am Vortag

Die Augen des Blonden weiteten sich als sein Partner plötzlich aufstand und aus dem Raum eilte. "Wohin gehst du?", fragte er.
Antonio blieb nicht stehen, ging einfach den Gang weiter. Zumindest hatte er aber Anstand genug um ihn noch eine Antwort zu zurufen: "Ich brauch' jetzt unbedingt Tequila oder ich verliere den Verstand!"

Seufzend sah er dem Anderen nach bis er ihn nicht mehr sehen konnte, dann schüttelte er den Kopf. Einerseits konnte er Antonio verstehen. Auch er würde jetzt ein kühl gelagertes Bier und einen erholsamen Schlaf gut vertragen können. (Auch wenn Antonio garantiert weniger schlafen und mehr saufen würde. Allerdings war ihm das relativ egal, solange er am nächsten Tag funktionstüchtig auf die Arbeit kam.) Andererseits konnten sie nicht einfach aufgeben. Zugegeben, die Information, die sie von Anya bekommen hatten, waren mehr als nur enttäuschend. Natürlich war es besser als nichts, aber mit einem weiteren Spitznamen und dem ungefähren Alter des Mörders konnten sie nicht viel anfangen. Trotzdem versuchte Ludwig es positiv zu nehmen. Sie hatten es immerhin geschafft, eine Person zu schützen, sie zu retten. Ein Menschenleben war viel wert.

Er legte eine Hand in seinen Nacken, massierte diesen etwas um sich zu entspannen. Vielleicht hatte Toni Recht und auch er sollte für heute nachhause gehen, eine Runde schlafen. Mit neuer Energie könnte er besser denken und würde die Sache von einem anderen Blickwinkel betrachten können. Es würde ihm nicht wegrennen.
Stumm nickte er sich selbst zu. Es war beschlossen.

Hastig verabschiedete er sich von einigen Kollegen, ehe er das Gebäude verlief. Ein Blick auf seine Armbanduhr verriet ihm, dass es bereits 19:48 Uhr war. Dadurch das sie heute viel herumfahren und warten mussten, war der Tag ziemlich schnell vergangen. Er durfte sich daran jedoch nicht hindern lassen noch einige Aufgaben zu erledigen. Einkaufen, zum Beispiel. Sein Bruder hatte sich - erneut - in seiner Wohnung eingenistet und - mal wieder - seinen Biervorrat geplündert ohne zu fragen oder zumindest Bescheid zugeben.
Draußen atmete er einmal tief ein und aus. Es war angenehm kühl, aber er wollte nicht krank werden, deshalb zog er sich seine Jacke über. Das würde ihm jetzt noch fehlen. Aus seiner Jackentasche zog er eine Zigarettenverpackung heraus, fischte sich eine heraus und zündete diese an. Anschließend nahm er einen Zug.
Versteht es bitte nicht falsch, Ludwig raucht nicht oft, da er wusste wie ungesund es war. Aber manchmal brauchte er einfach diesen Geruch und Geschmack der Zigarette. Es beruhigte ihn und erinnerte ihn gleichzeitig an seinen Vater, der ständig geraucht hatte. Der Gedanke an ihn ließ ihn lächeln. Auch er war ein Detektiv gewesen, ein sehr guter sogar. Beide seiner Söhne waren in seine Fußstapfen getreten. Leider verstarb er früh, da er vom Don der Mafia erschossen wurde. Er hatte es geschickt angestellt, man konnte ihm nichts nachweisen, also hatte die Polizei ihn auch laufen lassen.

Nachdenklich blickte er auf den Boden, versunken in seine Erinnerungen an die schreckliche Nacht. Doch noch bevor er weiter in seine Gedanken versinken konnte, erhob sich eine Stimme, nicht weit von ihm, und riss ihn zurück in die Realität. Unauffällig spähte er zu der Person, die sich als ihr Auszubildenden herausstellte.
"Hörst du mich!?", so ein ernster Tonfall passte überhaupt nicht zum immer fröhlichen Feliciano, deshalb war es wohl keine Überraschung als Ludwig aufmerksamer wurde. Er wollte nicht lauschen, immerhin gehörte sich das nicht, aber er konnte die Stimme unmöglich ausblenden. Er wurde immer lauter.
"Bitte, hör auf! Wir finden einen anderen Weg. Einen, wo wir beide glücklich werden", er wandelte von wütend auf traurig. Der Blonde nahm erneut einen Zug, beobachtete den Jüngeren aus dem Augenwinkel und dachte nach. Die Person, mit der er telefonierte, stand ihm anscheinend nah. Aber was hatten diese Worte zu bedeuten?
Der Italiener verhielt sich sowieso schon ziemlich merkwürdig, seiner Meinung nach. Vielleicht bekam er jetzt ein paar Antworten darauf.
"Na ja, wir können zum Beispiel die Detektivs um Hilfe bitten. Sie können uns sicher helfen."
Feliciano schwieg einen Moment, dann murmelte er leise: "Okey, okey. Mi dispiace. Bitte, sei nicht böse. Ich will doch nur das Beste."
Erneut eine kleine Pause. "Okey, verstanden.. Ti amo.."

Sobald er aufgelegt hatte, hörte der Deutsche sich selber sprechen: "Ist alles in Ordnung?"
Quickend drehte sich der Kleinere um. Anscheinend hatte er gedacht, er wäre alleine. Eilig fing er an zu stammeln, sich zu erklären: "J-Ja, Sir. Alles gut."
Er setzte ein Lächeln auf, doch selbst er bemerkte, wie erzwungen es aussah.
"Du kannst mich Ludwig nennen", entgegnete der Detektiv ruhig, widmete sich anschließend wieder seiner Zigarette. Er konnte kein Italienisch, aber Bruchstücke wie "Ti amo" verstand er. Wahrscheinlich hatte Feliciano mit jemanden telefoniert, dem er sehr Nahe stand. Vielleicht mit seiner Freundin oder so etwas in der Art. Es könnte sein, dass sie versucht hatte ihn abzuservieren. Einerseits würde das einiges erklären, aber andererseits würde es das auch nicht. Was hatten die Detektive mit einer zerbrechenden Beziehung zutun? Er verstand es nicht.

"Okey, Ludwig", erneut wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Der andere Mann lächelte ihn an, dieses Mal ehrlich.
Ludwig verstand die unausgesprochene Frage und beruhigte ihn gleich: "Ich habe nichts gehört. Du sahst nur besorgt aus, deshalb habe ich dich gefragt." Es war zwar eine Lüge, aber mit den Informationen, die er erhalten hatte, konnte er sowieso nicht viel anfangen. Der Azubi stieß einen erleichterten Seufzer aus.
"Ich wusste gar nicht, das du rauchst", meinte Feliciano.
Der Größere zuckte mit den Schultern, ließ sich auf den Themawechsel ein: "Gelegentlich schon."
Es herrschte eine unangenehme Stille zwischen ihnen bis Ludwig schließlich seine Zigarette zu Ende geraucht hatte. Sobald er sie ausgetreten hatte, verabschiedete er sich von seinem Kollegen und stieg dann in sein Auto ein.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Zuhause verräumte der Deutsche seine Einkäufe ordentlich, nahm sich dann noch das letzte Bier aus dem Kühlschrank heraus und setzte sich im Wohnzimmer auf die Couch. Sein Bruder war noch nicht da, deshalb hatte er noch ein paar Minuten Ruhe, die er voll und ganz genießen würde. Er nippte an der Flasche und seufzte entspannt auf. Dann öffnete er seine Krawatte, legte sie ordentlich beiseite für den nächsten Tag. Seinen Kopf legte er in den Nacken. Innerlich ging er noch einmal die einzelnen Geschehnisse von heute durch, überlegte in Ruhe. Er nahm seine Tasche für die Arbeit, die er vorher schon neben dem Beistelltisch abgestellt hatte und zog zwei Akten heraus. Dieses Gefühl, das ihm verriet, er hätte etwas übersehen, wurde stärker und stärker. Also öffnete er die erste Akte und las es sich gründlich durch.

Fakten des Opfers
Allen L. Jones wurde am 04.07.1997 in New York, Amerika, im "NYC Healt + Hospitals/Kings County" geboren. 2004 flüchtete seine Familie von dort. Gründe sind nicht angegeben. († 20.03.2017)
Seine Familie besteht aus seiner Mutter, Ayiana Jones (39 Jahre alt; arbeitslos) und seinem Halbbruder, Mathieu Williams-Jones (17 Jahre alt; Schüler). Daten über seinen leiblichen Vater sind unbekannt.

Todesursache:
Das Opfer verstarb an einer Kopfverletzung, ausgelöst durch das Projektil einer Handfeuerwaffe. Die Kugel wurde identifiziert. Sie gehört zu einer HK P8.
Der Brustkorb zeigte drei Messerstiche. Vier weitere waren auf dem Abdomen verteilt. Die Stiche waren unregelmäßig und jeweils zwischen 3 cm bis 5 cm tief. Es gab keinen Hinweis auf einen Kampf.

Tatort:
Allen L. Jones wurde am 20.03.2017 gegen 5:30 Uhr von einem regelmäßigen Kunden, Oliver Kirkland, in dem verlassenen Beyer-Grundstück am Stadtrand gefunden. Dieser verständigte augenblicklich die Polizei, die den Tatort um 6 Uhr morgens erreichte und absicherte. Der Gerichtsmediziner vor Ort erfasste, dass das Opfer vor ungefähr vier Stunden tot war. Die Leichenstarre war noch nicht eingetreten. Die Körpertemperatur war deutlich gesunken. Vor dem Angriff war er mit dem Rücken zur Tür gestanden, fiel voraus als der Schuss kam. Vermutlich hatte er den Mörder nicht gehört.
Er war die einzige Person in dem Haus. Weitere Zeugen sind keine bekannt.
Das Opfer war in der rechten Ecke der ehemaligen Küche gefunden, direkt neben dem Balkon. Die Tür war verschlossen. Sämtliche Fenster waren verriegelt worden. Der Mörder musste durch die Eingangstür gekommen sein.
Im Raum war ein unangenehmer Geruch in der Luft, der auf Drogen zurück zuführen ist. Das Blut des Opfers war einerseits auf dem Boden verteilt, aber auch an der Wand hinter ihm. Es gab einen Handabdruck neben dem Opfer, der nicht identifiziert werden konnte. Weitere Hinweise auf den Mörder gab es nicht.

Die Familie des Opfers konnte verständigt werden.


An dem Befund waren noch mehrere Bilder angeheftet, doch schenkte er diesen keine Beachtung. Viel mehr interessierte ihn dieser Handabdruck. Wie konnte es sein, dass es nicht möglich war herauszufinden, von dem wer stammte? Mit der heutigen Technik dürfte das doch absolut kein Problem sein. Er beschloss, seine Kollegen am nächsten Tag zu fragen.
Er runzelte die Stirn und dachte weiter nach. Die Waffe, die der Mörder benutzt haben soll, wurde erneut ausgetauscht. Sie mussten sich erkundigen, ob jemand in letzter Zeit eine HK P8 gekauft hatte. Vielleicht sollten sie auch nochmal überprüfen, wer in ihrer schönen kleinen Stadt einen Waffenschein besaß. Es waren nicht viele Leute, aber es konnte sein, dass noch jemand hinzugekommen war.

Er hörte, wie die Tür aufging und wieder ins Schloss fiel. Wieso hatte er seinem Bruder nochmal einen Zweitschlüssel gegeben?
Er seufzte leise auf und blickte erneut zu den Akten. Doch lange dauerte es nicht, bevor Gilbert schon ins Wohnzimmer getorkelt kam. Der Albino betrachtete die Szene einen Augenblick.
"Man, West, du brauchst echt eine Freundin", neckte er seinen Bruder nach einer kleinen Schweigeminute, "Oder ein Hobby. Wie wäre es mit Ballett?"
Ludwig konnte es sich nicht verkneifen und schmiss dem Älteren ein Kissen entgegen. Dieser reagierte nicht schnell genug und es landete in seinem Gesicht.
"Hey!!", rief er, wenn auch verzögert da er hörbar angetrunken war, "Na warte, duuuu!!" Das war es wohl mit der Arbeit.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Gut erholt und voller Tatendrang betrat Ludwig das Revier um Punkt 8 Uhr. Jetzt musste er nur noch auf seinen Partner warten, der erfahrungsgemäß erst in ungefähr zwei Stunden hier aufkreuzen würde. Zumindest gab ihm dies Zeit um sich in den Waffengeschäften in der Nähe zu informieren. Vielleicht konnte er noch ein paar Leute befragen, die einen Waffenschein besaßen. So sah sein Plan für den Morgen aus, doch es kam ganz anders. Als er das Gebäude betrat, bemerkte er das etwas nicht stimmte. In der Luft hing eine Spannung und eine unangenehme Stille. Er hielt einen der untergeordneten Beamten an, fragte nach dem Grund für diese Stimmung. Dieser sah ihn mit großen Augen an, führte ihn dann stumm zum Verhör. Was er dort sah, erschrank ihn.
"Nein, das kann doch nicht sein..", murmelte er leise vor sich hin.
Der Beamte nickte zustimmend, drehte sich dann allerdings um und eilte davon. Anscheinend konnte er den Anblick nicht ertragen, was Ludwig durchaus verstand.

Anya Bradinskaya war nicht mehr und sie war mehr als nur übel zugerichtet. Der Mörder hatte sich vermutlich aufgeregt über ihr Entkommen und hatte somit seine Wut an ihr ausgelassen, wie sooft. In ihren leblosen Augen lag die Angst und es tat ihm so leid. Sie hatten sie beschützen wollen. Sie hätte ihr sicher sein müssen. Wie zur Hölle war » Seraph « hier überhaupt hinein gekommen? Noch bevor er anfing weiter zu recherchieren, sollte er jedoch seinen Partner informieren, beschloss er. Er holte sein Mobiltelefon aus der Hosentasche und rief Antonio an.
Es klingelte.. und klingelte.. Verdammt, wieso ging er nicht ran? Schlief er etwa noch?
"Verdammt, Toni, das ist ein sehr ungünstiger Moment um nicht ans Telefon zu gehen", dachte Ludwig genervt, doch kaum hatte er den Gedanken beendet, hörte er ein leises: "?"
Er klang müde, als wäre er erst aufgewacht.
"Antonio, endlich. Komm her, sofort!", sagte er ernst. Hoffentlich bemerkte sein Partner durch seinen Tonfall, das etwas nicht stimmte.
"Ludwig, was ist los?", fragte er, dieses Mal deutlich wacher.

Der Blonde hatte keine Zeit für lange Erklärungen, deshalb sagte er einfach das, was relevant war: "Toni, Anya ist tot."
Es herrschte eine kurze Stille, dann kam ein ernstes "Ich hab verstanden. Bin auf dem Weg" zurück. Anschließend legte er auf.


Antonio brauchte eine gute halbe Stunde um auf die Arbeit zu kommen. Seine Haare sahen aus wie ein Vogelnest. Er hatte sich nicht einmal das Gesicht gewaschen, sondern war gleich hierher gekommen.
Stumm begutachtete er die Leiche, die noch um keinen Zentimeter verschoben wurde. Ludwig stand neben ihm, tat sich den grauenvollen Anblick erneut an.
"Das kann nicht sein..", murmelte der Spanier leise, ungläubig, "Wie ist er hier rein gekommen? Es hätten doch Beamte hier sein müssen."
"Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß ist, dass er nicht dumm ist. Die Kameras wurden vorher alle ausgeschalten."
"Jetzt kann er auch noch hacken!?", Antonio erhob nur selten seine Stimme, doch wenn es um diesen Fall ging, so war er eine tickende Zeitbombe. Das hatte Ludwig mittlerweile öfter zuspüren bekommen.
"Muss nicht sein. Vielleicht hatte er auch einfach einen Komplizen", versuchte er seinen Partner - vergeblich - zu beruhigen.

"Gibt es irgendwelche Spuren?", grummelte der Braunhaarige, obwohl er die Antwort schon befürchtete. Doch heute lag er falsch.
"Es gibt erneut einen Handabdruck und wir haben ein Haar gefunden, was möglicherweise vom Täter kommt", berichtete ihm Ludwig die guten Neuigkeiten. Er hatte sich erkundigt, weshalb der Beweis vom Vortag nicht identifiziert werden konnte und die Antwort hatte ihm überhaupt nicht gefallen. Anscheinend war einer seiner Kollegen zu unvorsichtig gewesen und hatte diesen verschmiert. Namen hatten sie keine genannt also konnte der Blonde, leider, niemanden deshalb anmotzen. Aber dieses Mal hatten sie wieder einen und er würde nicht zulassen, dass irgendein hirnloser Idiot erneut diese Spur zerstörte.
"Wirklich?"
Der Deutsche nickte und entgegnete: "Befindet sich momentan alles in Untersuchung. Un mir ist noch was eingefallen, Tonio. Ich habe gestern nochmal die Akte von Jones durchgeschaut.  » Seraph « oder » Roma « hat seine Waffe wieder gewechselt. Er hat ihn vermutlich mit einer HK P8 erledigt. Wir sollten uns informieren, ob irgendetwas in der Art gekauft wurde in letzter Zeit." Eine kleine Pause folgte. "Und vielleicht sollten wir nochmal überprüfen, wer alles einen Waffenschein hat. Irgendwas stimmt nämlich nicht."
"Was, wenn er gar keinen besitzt?", fragte Antonio. Er runzelte die Stirn dabei.
Ludwig schüttelte den Kopf und meinte: "Er muss. Wo bekommt er denn sonst seine Waffen her?"
"Keine Ahnung. Schwarzmarkt oder Internet?"
"Kennst du hier in der Nähe einen? Und wie soll eine Waffe bitte durch den Zoll kommen."
"Okey, du hast gewonnen. Wir schauen nochmal alles durch."

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Beide Detektive saßen jeweils an ihrem Schreibtisch, die vollgestellt waren mit Papieren und Akten.
Sie waren so voll, dass Antonio langsam anfing zu jammern. Er war einfach nicht geschaffen für den Papierkram, meinte er immer und immer wieder, aber Ludwig konnte daraufhin nur seufzen und ihm sagen, er solle weniger meckern und mehr arbeiten. An irgendeinem Punkt brachte der Spanier das Gespräch jedoch auf den hübschen Barmann, den er gestern erneut getroffen hatte. Die Informationen, die er unweigerlich mitanhören musste, waren absolut nutzlos. Die Augen des Blonden blieben auf die Akten gerichtet, hin und wieder gab er allerdings ein leises "Hm", "Mhm" oder "Ist das so" von sich. Er war nicht gerade daran interessiert seinen Partner beim Schwärmen zuzuhören. Egal ob es um einen Mann oder eine Frau ging.
Außerdem glaubte er wohl kaum, dass dieser Mann tatsächlich so hübsch sein soll, wie ein Sonnenuntergang und Augen hatte, die zwei Bernsteinen glichen. Diese lange Locke, von der er ihm erzählte, die hin und wieder seine Stimmung oder Gefühle Preis gab, klang auch eher ausgedacht.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus.

"Kannst du dich bitte einfach nur auf die Arbeit konzentrieren?", unterbrach der den Braunhaarigen gereizt.
Dieser seufzte leise auf und entgegnete: "Aber Ludwig.. Es geht um Lovi. Ich kann nicht aufhören über ihn zu reden oder an ihn zu denken. Was soll ich jetzt machen?"
"Dich auf deine Arbeit konzentrieren und es ihm später, wenn du fertig bist die Akten anzuschauen, vielleicht sagen."
"Ich kann ihm das doch nicht einfach so sagen. Wie kommt das denn rüber? Wir hatten nicht einmal ein Date, obwohl.. Kann man es als Date bezeichnen, wenn ich ihn in der Bar sehe?" - "Toni?" - "Ja?" - "Halt die Klappe."
"Okey, wow. Ich weiß jetzt, weshalb du keine Freundin hast."
"Weil ich kein Interesse habe und mich lieber erst einmal auf meine Karriere konzentriere?"
"Spießer." - "Halt endlich den Rand. Anya ist tot und wir sind es ihr schuldig zumindest den Mörder zu finden. Es ist unsere Schuld."
Damit verstummte der Spanier und konzentrierte sich - endlich!! - auf die Unterlagen. Bei solch einem Thema war er immer sehr sensibel, hatte Ludwig festgestellt, und mit ein paar gut formulierten Sätzen konnte man ihn ganz leicht zum arbeiten überreden.

Allerdings haben die Schwärmereien seines Partners irgendetwas in ihm geregt, weshalb er plötzlich an den Auszubildenden denken musste und an das Gespräch, das er gestern mitangehört hatte. Er hielt es immer noch für sehr ungewöhnlich.
Stumm blickte er aus dem Augenwinkel zu dem anderen Mann herüber, der schon wieder ablenken ließ.
Er nutzte diese Gelegenheit und sprach es an, auch wenn es absolut nichts mit dem Fall zutun hatte. Aber er wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte und das Feliciano, für seinen Teil, die Hilfe der Detektive sehr wohl wollte. Nur die andere Person hielt ihn zurück.
"Toni?", fing er also an. Dieses Mal antwortete der Spanier nur mit einem leisen undefinierbaren Geräusch, das ihm bestätigte, dass er seine Aufmerksamkeit hatte.
"Ich habe gestern versehentlich ein Telefonat mitangehört, mehr oder weniger. Und ich würde gerne deine Meinung dazu hören." - "Versehentlich? Okey. Zwischen wem war das Gespräch?"
"Du kennst doch sicherlich Feliciano. Zwischen ihm und noch einer anderen Person", er räusperte sich kurz und fing dann an zu erzählen. Antonio hörte ihm zu, dachte nach. Sobald die Ereignisse im vollsten Umfang erklärt worden sind, bildete sich eine Stille zwischen ihnen. Ludwig hatte schon die Befürchtung, der Andere wäre einfach eingeschlafen.
"Was denkst du?", fragte er schließlich nachdem er es wirklich nicht mehr aushalten konnte.
Der Braunhaarige brauchte einen Moment ehe er antwortete: "Ich denke, du hast Recht. Es stimmt irgendetwas nicht. Aber wir sollten uns vermutlich nicht einmischen, wenn die andere Person es nicht möchte und solange Feliciano uns nicht direkt darauf anspricht, können wir sowieso nichts tun. Die Information sind nicht gerade vielsagend. Sollte Feli unsere Hilfe wirklich dringend brauchen, würde er mit uns reden. Da bin ich mir sicher."

Dem jüngeren Beilschmidt-Bruder gefiel die Antwort nicht ganz, aber er nickte und ließ es schweifen. Er machte sich wieder an die Arbeit, aber sein Kopf war noch immer bei dem Telefonat und insgesamt auch bei Feliciano. Der Italiener versteckte etwas.
Dann fiel ihm noch etwas ein.
"Hast du nicht gesagt, dein 'Lovi' hat eine lange Locke auf der rechten Seite?", fragte der Deutsche. Antonio nickte etwas.
"So ähnlich wie bei Feliciano?"
Erneut nickte er, dann dämmerte es ihm, worauf sein Partner hinaus wollte. "Du meinst, es könnte Felis Bruder sein?"
"Ja, wäre doch möglich, oder?" - "Mhm.."

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


"Ja, in Ordnung. Vielen Dank", Antonio legte auf und sah seufzend zu Ludwig auf.
"Und?", fragte dieser mit hoffnungsvoller Stimme.
Der Spanier schüttelte nur den Kopf. "Nichts. Es wurde in letzter Zeit fast keine Pistole gekauft bei ihm und wenn, dann garantiert nicht von dieser Sorte."
"Verdammt..", murmelte der Jüngere. Auch er stieß einen Seufzer aus. Es war zumindest ein Versuch wert gewesen.
Sie waren gerade auf dem Weg zur Gerichtsmedizinerin, die den Handabdruck, sowie das gefundene Haar untersuchte. Vielleicht wusste sie etwas. Vielleicht hatte sie schon etwas herausfinden können, das sie weiter brachte in ihrem Fall.

Der Name der Gerichtsmedizinerin war Elizabeta Héderváry. Sie ist eine Frau in ihren späten 30ern, die in Ungarn geboren wurde, allerdings den Großteil ihres Lebens hier verbracht hatte. Vom Charakter her war sie freundlich, man konnte durchaus mit ihr reden und ihr vertrauen, aber sie wusste auch, ihren Willen durchzusetzen und konnte auch mal zur Gewalt greifen, wenn es denn notwendig war. Außerdem war sie die Kindheitsfreundin seines Bruders.
Insgesamt hatte Elizabeta schon oft bei ihren Fällen geholfen und nicht zu selten auch bei denen, die mit » Seraph « oder auch » Hitman Jones « zutun hatten. Sie wusste am besten Bescheid, kannte sich in ihrem Fachgebiet sehr gut aus und empfand wie die zwei Detektive. Auch sie wollte diese Mistkerle so schnell wie möglich erwischen und sie hinter Gittern sehen.

Die Neuigkeiten, sie sie heute erfuhren, gefielen ihnen allerdings ganz und gar nicht. Auch die Ungarin war nicht sehr begeistert davon. Das Opfer hatte Angst gehabt, was man deutlich an ihrem Gesichtsausdruck feststellen konnte. Ihre Augen waren geweitet gewesen, ihr Mund geöffnet als hätte sie jemanden warnen wollen. Es war furchtbar.
Was sie allerdings am meisten verärgerte war, dass sie anhand des Handabdruckes nichts über den Mörder herausfinden konnte. Es gab keinen Eintrag in ihrer Datenbank, die zu dieser Person passte. Fast schon, als würde er gar nicht existieren, als würden sie einem Phantom hinterher jagen. Es war irritierend und frustrierend.

Irgendwann leistete ihn eine weitere Person Gesellschaft, was Ludwig noch mehr verwirrte. Feliciano, ihr Auszubildender, stand plötzlich da und unterhielt sich ganz aufgeregt mit der Gerichtsmedizinerin über den Fall » Seraph « und ob sie schon etwas neues herausgefunden hatte. Eigentlich hatte er keine Befugnis hierher zukommen, aber anscheinend verstand er sich ziemlich gut mit Elizabeta, weshalb er wohl schon öfter hierher gekommen war.
Die ganzen Gedanken bereiteten Ludwig Kopfschmerzen. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er konnte allerdings einfach nicht sagen, was es war.

Vielleicht war es die Art, wie er so frei mit Eliza umgehen konnte, obwohl er sie noch gar nicht solange kannte wie er.

Oder wie jeder ihm zu vertrauen schien und er überall hin kam, selbst wenn er keine Befugnis dazu hatte.

Vielleicht war es aber auch die Art, wie sich immer eine Kleinigkeit am Tatort veränderte, wenn er auftauchte.

Es konnte aber auch sein, dass ihn die Tatsache irritierte, dass der zweite Beweis - das Haar, das eventuell vom Mörder stammte - verschwunden war, sobald auch Feliciano gegangen war.

✩ ✩ ✩ Ende - Kapitel 3 ✩ ✩ ✩

Überarbeitet: 08'17

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩

[Italienisch]

"Mi dispiace" - Es tut mir leid
"Ti amo" - Ich liebe dich

- - - - - - -

Ich habe mich entschlossen, zwischen den beiden Detektiven, Tonio und Ludwig, herzuspringen. Einmal ein Kapitel in der Sicht vom einen, dann das nächste wieder in der Sicht des Anderen. Vor allem bei Ludwig werde ich mich vermutlich schwer tun, aber ich hoffe, es ist nicht sehr schlecht. Mal schauen, wie weit ich damit komme. So kann ich einfach das GerIta besser intrigieren.

Als nächstes würde ich mich gerne wegen den Befunden des Gerichtsmediziners entschuldigen. Ich hatte noch nie die Ehre einen solchen Befund in der Hand halten zu dürfen bzw. zu lesen, deshalb weiß ich natürlich nicht, wie diese aufgebaut sind. Das ist jetzt einfach unprofessionell und spontan aufgeschrieben. Es wurden keine Fachwörter benutzt wie in den üblichen Befunden. (Obwohl ich durchaus welche kenne, aber zu faul bin um in meinem Hinterkopf und Ordnern zu kramen.)
Tut mir also wirklich leid, wenn sich jemand mit sowas auskennt, vielleicht selbst auch solche Befunde schreiben muss, und dann liest wie ich es komplett falsch ausgedrückt habe. Ich möchte damit wirklich niemanden beleidigen. Also sorry!!

Solltet ihr Rechtschreib- oder Grammatik-Fehler finden oder sollte irgendetwas keinen Sinn ergeben, dann lasst es mich bitte wissen. Vielen Dank. ((:
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