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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
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04.06.2022 3.111
 
16. Kapitel


Antonios Sicht


In der Wohnung war alles dunkel als Antonio nachhause kam. Draußen hatte die Dämmerung bereits begonnen. Enttäuschung machte sich in seiner Brust breit, gefolgt von einem Hauch von Panik, das Lovino noch nicht von der Universität zurückgekommen zu sein schien. Beide Gefühle wurden jedoch schnell erstickt von der anhaltenden Wut. Er konnte die Worte Romas nicht glauben.

Gilbert soll etwas mit der Mafia zutun gehabt haben?

Das war absolut unmöglich.

Natürlich war sein Freund bereit gewesen, gewisse Risiken einzugehen – das wusste Antonio nur zu gut – aber er würde sich niemals auf die Ebene dieser Kriminellen begeben. Gilbert hatte schon immer eine klare moralische Einstellung und Grenzen, die er nicht überschreiten würde, nicht konnte.

Der Spanier warf einen Blick auf die Uhr. Lovino hätte bereits zuhause sein sollen, aber vermutlich war er direkt zur Arbeit gegangen. Seine Routine änderte sich regelmäßig, weshalb Antonio schon lange den Überblick verloren hatte. Nichtsdestotrotz wusste er, dass er mindestens eine Stunde hatte, bevor Lovino zurückkam. Das sollte genug Zeit sein, um seine Wut zu bändigen. Ansonsten war es möglich, dass sie sich schon wieder stritten und das war das Letzte, was er jetzt brauchte.

Antonio hielt seinen Atem für einige Sekunden an und atmete anschließend tief aus.

Womit sollte er beginnen?

Normalerweise würde er um diese Uhrzeit anfangen das Abendessen zu kochen. Aber in seinem gegenwärtigen Zustand konnte er sich nicht zutrauen vorsichtig mit einem scharfen Gegenstand umzugehen. Somit war Kochen erst einmal vom Tisch.

Fernsehen würde ihn ebenfalls nur weiter aufregen, denn die Nachrichten berichteten in letzter Zeit gerne über Roma und vor allem über Gilbert. Schließlich hatte sein verstorbener Freund schon einige Zeit lang gedient. Er war durchaus bekannt in dieser Stadt.

Er könnte seine Mutter anrufen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Lebensgefährte rangehen könnte, war ihm zu hoch. Das würde seine Stimmung nur noch weiter runterziehen.

Schließlich kam ihm die perfekte Idee. Er hatte seine Gitarre schon seit einiger Zeit nicht mehr in den Händen gehalten. Augenblicklich ging er in sein Schlafzimmer und öffnete die Schranktür. Er schnappte sich die Gitarrentasche, die recht weit hinten versteckt war.
Mit der Gitarre in der Hand ging er ins Wohnzimmer, wo er es sich auf dem Sofa bequem machte, bevor er einige Akkorde spielte. Er war vielleicht ein wenig eingerostet, aber er wusste, dass dies die beste Möglichkeit war, um sich zu beruhigen.

Er fing an zu spielen.

--------------


So leise wie möglich, öffnete Lovino die Tür zu Antonios Wohnung. Er hatte sich noch immer nicht dran gewöhnt mit dem Spanier zusammen zu leben, aber ihm ist bewusst, dass es seine eigene Schuld war, dass es so weit kam. Innerlich hoffte er, dass Antonio noch nicht zuhause war. Andererseits wusste er, dass die Mittagszeit bereits lange zurück lag, und in der Bar war er nicht gewesen.

Dos Oruguitas auf Wolke sieben. Sie lernten täglich sich neu zu lieben. Von ihrer Sehnsucht war’n sie getrieben.

Die warme Stimme des Spaniers drang aus dem Wohnzimmer heraus. Automatisch hielt Lovino inne und lauschte. Es war zweifellos Antonio, gefolgt von dem sanften Klang einer Gitarre. War jemand zu Besuch gekommen? Er war sich sicher, dass er nirgends in der Wohnung eine Gitarre gefunden hatte. Lovino blickte auf den Boden und suchte den Flur nach einem weiteren Paar Schuhen ab. Er konnte jedoch keine finden. Antonio schien allein zu sein.

Leise schloss er die Tür hinter sich und lehnte sich dagegen, während er lauschte. Antonio schien ihn noch nicht gehört zu haben, denn dieser spielte unbeirrt weiter. Vermutlich war er wieder zu tief in seinen Gedanken.

Dos Oruguitas, die Stürme wüten. Doch nichts geschieht, weil sie sich behüten. Sie sind verbunden, für sie nicht greifbar.

Für gewöhnlich hatte Antonio keinen Akzent, wenn er sprach. Doch in diesem Moment schlich sich doch das ein oder andere Wort mit ein, indem man deutlich heraushörte, dass er nicht aus dieser Gegend stammte. Lovino hatte diese Erfahrung bisher nur gemacht, wenn der Spanier etwas zu viel getrunken hatte. Die Befürchtung, dass Antonio sich an dem Alkohol vergriffen hatte, machte sich breit. Er war unerträglich, wenn er betrunken war. Diese Sorge verflog schnell, als der Beamte weiter sang.

Ay, Oruguitas, haltet euch nicht zu fest. Die Zeit ist bald reif, ihr blüht und begreift und findet das, was man verlässt.

Die Melodie mit Antonios Stimme ließ Lovino die Luft anhalten. Seine Stimme war sanft und doch gefühlvoll. Es ließ Lovino Dinge fühlen, die er nicht fühlen sollte.

Auf euch warten Wunder, fliegt nur aus eurem Nest. Habt das Vertrau’n, ihr könnt darauf bau’n. Es kommt etwas Neues.

Sein Herz schlug schneller. Diese Situation wurde zu gefährlich. Er empfand mehr für den Spanier als eine simple platonische Freundschaft und er wusste, dass Antonio seine Gefühle zu erwidern schien.

Dos Oruguitas warten auf morgen. In ihr’n Kokons sind sie noch verborgen. Was kommt danach und wie wird es werden? Ihr habt noch davor Angst, vor’m steten Wandel auf Erden.

Aber Antonio war die eine Person, mit der er absolut nichts anfangen durfte. Die einzige Person für die er nichts empfinden durfte. Es war zu gefährlich solche Gefühle zu hegen. Für sie beide. Lovino würde sich niemals verzeihen können, wenn ihm etwas passieren sollte. Egal wie oft er etwas anderes behauptete.
Er biss auf seine Unterlippe, um sich ein höhnisches Lachen zu verkneifen. Er hatte nicht einmal gemerkt, wie wichtig Antonio ihm geworden war. Es schien, als wären diese Gefühle von einem Tag auf den nächsten erschienen.

Ay, Mariposas, haltet euch nicht zu fest. Ihr beide erkennt, dass die Zeit euch nun trennt, ihr findet euch im Hier und Jetzt.

Antonios Stimme wurde lauter, gefühlvoller. Lovino schloss seine Augen. Er konnte sich den älteren Mann bildlich vorstellen: Bequem auf der Couch sitzend, singend. Diese unverschämt grünen Augen auf den Boden fokussiert – oder waren sie doch geschlossen? – während seine großen, warmen Hände an den Saiten der Gitarre zupften.

Lovino öffnete die Augen und stieß erneut einen leisen Atemzug aus. Er spürte, wie die Röte ihm in die Wangen schoss beim Gedanken, wie Antonios ungeteilte Aufmerksamkeit sich auf ihn richtete, sobald er das Zimmer betreten würde.

Ein Wunder umgibt euch, fliegt nur aus eurem Nest. Habt das Vertrau’n, ihr könnt darauf bau’n. Es kommt etwas Neues.

Antonios Gesang verstummte und auch die Melodie wurde sanfter und sanfter bis sie vollständig aufhörte. Lovino schluckte schwer. Er versuchte seinen Herzschlag unter Kontrolle zu bringen und auch die Röte musste verschwinden. Es war notwendig, dass er jetzt das Wohnzimmer betrat, sonst könnten zwei Dinge passieren.

Entweder würde Lovino Antonio stundenlang zuhören und im schlimmsten Fall etwas Impulsives tun, oder Antonio würde ihn erwischen, wie er ihn belauschte. Bei seinem Glück wäre es Zweiteres und das wäre unvorstellbar peinlich.

Hastig öffnete er die Tür, gegen die er sich eben noch gelehnt hatte, und ließ diese lautstark wieder ins Schloss fallen. Anschließend zog er sich seine Jacke und Schuhe aus. Somit gab er Antonio genug Zeit, um alles zu verstecken, was er vor ihm verstecken wollte. Nicht das es eine Rolle spielte. Er würde es früher oder später sowieso herausfinden. Überraschenderweise hörte er keinen weiteren Mucks aus dem Wohnzimmer.

Natürlich nicht, dachte Lovino bitter, Antonio ist mir gegenüber zu ehrlich, zu naiv.

--------------


Die Tür, die ins Schloss fiel, zwang Antonio aus seinem Stupor. Er verstummte und lauschte, wie sich die Person seiner Jacke entledigte. Kurze Zeit darauf fand er seine Stimme wieder: „Lovi? Bist du das?“

„Nein, ein sehr untalentierter Einbrecher. Vollidiot“, ertönte die Stimme des Italieners.

Er klang ein Ticken defensiver als normalerweise. Vermutlich, so dachte Antonio, war er noch immer wütend wegen ihrem Streit gestern. Unbeirrt fuhr er fort: „Nun, geehrter untalentierter Einbrecher, hast du Hunger? Willst du Pizza bestellen? Oder vielleicht doch lieber Nudeln?“

Der Italiener schnaubte verächtlich, während er ins Wohnzimmer kam, seine Arme vor der Brust verschränkt. „Die Lieferdienste in der Nähe sind furchtbar. Da mach ich es lieber selbst!“

„Dann lass uns gemeinsam kochen“, schlug Antonio vor.
„Von mir aus“, kam die Antwort augenblicklich, bevor Lovino mit schnellen Schritten weiter in die Küche ging. Antonio sprang auf und folgte ihm.

Die erste Zeit blieb es still zwischen ihnen. Es war unfassbar unangenehm, aber Antonio wagte es nicht, die Stille zu brechen. Lovino war manchmal wie eine tickende Zeitbombe und vor allem heute wollte er ihn nicht versehentlich triggern.

Im Endeffekt war es Lovino, der die Stille brach: „Gib mir mal das Salz.“

Es war als hätte er mit diesen simplen Worten die unsichtbare Wand zwischen ihnen gebrochen. Antonio fing mit seinen üblichen harmlosen Fragen an. Fragen, die er ihm jeden Abend stellte. Wie war es in der Universität und der Arbeit, war etwas Aufregendes oder Ungewöhnliches geschehen, was war das Interessanteste, das er heute gelernt hatte, hatte er etwas Neues von Feliciano gehört. Lovino antwortete kurz und knapp, so wie er es immer tat und Antonio spürte, wie ihm ein großer Stein vom Herzen genommen wurde.

„Also gut, spuck es endlich aus“, sagte Lovino schließlich, nachdem sie sämtliche Fragen durchgegangen waren. Antonio legte den Kopf schief und blickte ihn fragend an. Er verstand nicht worauf sein Gegenüber sich bezog.

Der Italiener rollte mit den Augen, sichtbar genervt. „Das Treffen. Wie war es?“

Antonio lächelte sanft, nachdem er sich von der erst überraschten Reaktion erholt hatte. Glücklicherweise wusste er auch ganz genau, was Lovino hören wollte und er konnte nicht einmal bestreiten, dass es die Wahrheit war. „Furchtbar. Du hattest Recht.“

„Sag bloß“, erwiderte Lovino mit einem zynischen Unterton. Genau so, wie Antonio es mochte. „Ich nehme an, er hat dich nicht verletzt, sonst würdest du kaum vor mir stehen. Hat er dich bedroht?“

„Mehr oder weniger. Er hat eher gedroht jemanden zu verletzen, der mir wichtig ist.“

Lovino drehte seinen Kopf zum Spanier und betrachtete sein Gesicht kurzzeitig. Antonio hatte ein Talent dafür viele Dinge zu kommunizieren ohne Gebrauch von seinem Mund zu machen. Das wusste er und selbst wenn er könnte, würde er es in diesem Moment nicht verstecken wollen. Unweigerlich zeigte er die Zuneigung, die er für seinen Gegenüber empfand und drückte dadurch deutlich aus, wer diese wichtige Person war.
Die Wangen des Italieners fingen an zu glühen und es kostete Antonio viel Selbstbeherrschung keinen Kommentar abzugeben. Hastig drehte sich Lovino zurück zum Kochtopf und wechselte das Thema: „Essen ist fertig.“

Nachdem sie aufgegessen hatten, begaben sich die Beiden zurück ins Wohnzimmer und entschieden sich den Abend mit einem Film ausklingen zu lassen. Sobald sie sich für ein Programm entschieden hatten, kehrte die unangenehme Stille wieder ein. Es machte Antonio wahnsinnig, aber er wusste nicht, was er sagen könnte. Ein falsches Wort und er könnte Lovino verdrängen. Das wollte er nicht.
Umso überraschender war es, dass es erneut Lovino war, der die Ruhe brach. „Ich wusste nicht, dass du Gitarre spielst.“

Antonio wagte einen kurzen Blick zu seiner Gitarre. Sie war alt und hatte schon einiges erlebt. Tatsächlich war es ein Erbstück seines Vaters. „Oh, ja. Meine Mutter dachte, ich könnte den Tod meines Vaters durch Musik besser verarbeiten, deshalb hat sie mich damals in einem Kurs angemeldet.“

„Hatte sie Recht?“ – „Ganz und gar nicht. Aber es ist trotzdem ein unterhaltsames Hobby geworden, dass mich für einen Moment alles vergessen lässt.“

Erneut kehrte die Stille zurück.

„Roma hat dir sehr zugesetzt.“
Die Stimme des Italieners war sanft und hätte Antonio nicht all seine Sinne auf ihn fixiert, hätte er es vermutlich überhört. Den Film hatte er schon lange vergessen.

„Ich schätze schon.“

„Worüber habt ihr genau gesprochen, wenn ich fragen darf?“

Antonio verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Noch bevor Lovino sich für die Frage entschuldigen konnte, antwortete er: „Er behauptet das Gilbert selbst Schuld ist an seinem Mord. Er soll mit der Mafia zusammengearbeitet haben.“

„Stimmt es?“ – „Nein, das kann absolut nicht sein.“

„Und wenn doch?“ – „Nein, du kanntest Gilbert nicht so wie ich, Lovi. Er würde niemals mit denen zusammenarbeiten. Nicht einmal wegen einem Undercover-Job. Es muss eine Lüge gewesen sein, um seine eigene Haut zu retten.“

Lovino antwortete nicht, deshalb nahm Antonio dies als Zeichen, das er fortfahren konnte. „Er hat außerdem gemeint, wenn ich ihm zu Nahe komme, hätte er kein Problem sich meiner zu entledigen. Wie hat er es formuliert? ‚Familie kommt vor‘. Als wäre diese Organisation voller Krimineller eine richtige Familie.“

„Sich deiner zu entledigen?“, fragte Lovino. Er runzelte die Stirn in Sorge. „Dich zu töten?“

„Na ja, nicht direkt. Eigentlich meinte er eher, dass er mich mental foltern würde. Er kennt die Urlaubspläne meiner Mutter und ich habe keine Zweifel, dass er noch mehr weiß. Er weiß das auch von einer.. anderen Person, die mir Nahe steht.“

„Welche andere Person?“, forderte Lovino zu wissen. Antonio war nicht sicher, ob er ihm die Wahrheit sagen sollte. Schließlich wusste er noch immer nicht zu hundert Prozent, ob sein Gegenüber dieselben Gefühle hegte. Andererseits hatte er seine Reaktion in der Küche gesehen.
Lovino zögerte, bevor er erneut forderte: „Sag es.“

„Er weiß Bescheid wo du bist und hat gedroht dir weh zutun“, erwiderte Antonio leise.
„Pah! Soll er doch! Ich hab keine Angst vor ihm“, meinte Lovino selbstsicher. Es brachte ein kleines, vorsichtiges Lächeln auf die Lippen des Spaniers.

„Lovi, das ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen kann. Ich könnte mir niemals verzeihen, wenn dir etwas geschieht. Schon gar nicht, wenn es wegen mir passiert.“

Lovino runzelte die Stirn. Erneut musste sich Antonio einen Kommentar verkneifen. Sein Gegenüber war zu niedlich für sein eigenes Wohl. „Wieso?“

Antonio wandte seine Augen ab und schluckte schwer. Entweder er würde es jetzt direkt sagen oder er ließ sich innerhalb der nächsten zwei Sekunden eine sehr gute Erklärung einfallen. Er entschloss sich für die erste Variante, obwohl er nicht das genaue Ausmaß seiner Gefühle offenbarte.
„Na ja, du bist mir eben wichtig.“

Als Antonio wieder zurück zum Italiener sah, bemerkte er, dass dessen Blick auf seinen Lippen ruhte. Als der Jüngere bemerkte, dass er beim Starren erwischt worden war, schoss ihm die Röte ins Gesicht. Jegliche Zweifel über Lovinos Gefühle in Antonios Kopf wurde aus dem Fenster geschmissen. Er nahm dies als Zeichen, dass er sich langsam vorlehnen konnte. Beinahe in Zeitlupe lehnte er sich näher, sodass Lovino jederzeit zurückweichen konnte, wenn er dies nicht wollte. Aber er sah, dass Lovino nichts dergleichen tat. Er blieb wie versteinert sitzen.

Als sich ihre Lippen trafen, spürte er kein Feuerwerk in sich. Der Raum wurde nicht plötzlich heller. Er hatte kein Flattern in seinem Bauch, obwohl sein Puls sich durchaus beschleunigte. Er nahm keine übertriebenen äußerlichen Reaktionen war, wie es gerne in Film und Serie dargestellt wurde. Das hatte er aber auch noch nie mit einem vorherigen Partner gehabt. Ein durchaus neues Erlebnis war jedoch das Gefühl, dass er in diesem Moment genau richtig war. Als hätte er all sein Leben nur für diesen Moment gelebt.

Schnell wurde aus dem erst harmlosen Kuss, eine durchaus intensivere Geschichte. Antonio platzierte seine Hände vorsichtig an Lovinos Wangen, während sein Gegenüber sich an sein Oberteil klammerte. Aus einem Kuss wurden zwei, dann drei, dann verlor Antonio den Überblick.
Als er bemerkte, dass Lovino versuchte sich zurückzulehnen, folgte sein Körper ihm unweigerlich und Antonio presste seine Lippen stärker gegen die Lovinos.

„Tonio“, seufzte der Jüngere gegen seine Lippen. Antonio bekam eine Gänsehaut, die sich über seine Wirbelsäule bis zu den Zehen ausbreitete. Es fühlte sich gut an, den Spitznamen aus Lovinos Mund zu hören, während er gleichzeitig atemlos klang. „Wir-… Wir können nicht. Es ist-… Nein.“

Augenblicklich lehnte sich Antonio zurück. „Willst du nicht?“
Er konnte die Enttäuschung nicht verbergen. Gerade noch hatte sein Gegenüber sehr enthusiastisch gewirkt. Er hatte am Anfang sehr zögerlich gewirkt, aber im Anschluss hatte er auch mehrere der Küsse initialisiert. Da war sich Antonio sicher. Wieso versuchte er ihn jetzt also zu stoppen? Hatte er vielleicht etwas Falsches getan?

Lovino sah den Konflikt in Antonios Augen und lehnte sich noch einmal vor, um ihre Lippen ein weiteres Mal miteinander zu verbinden. Noch bevor Antonio den Kuss erwidern konnte, war der Moment schon wieder vorüber. „Das ist es nicht. Es liegt nicht an dir, Antonio. Die Situation ist nur-“
Lovino stockte und versuchte die richtigen Worte zu finden. Antonio gab sein Bestes, um geduldig zu bleiben. „Wir können nicht. Die Situation ist kompliziert. Ich sollte nicht-… Es ist falsch.“

„Wovon sprichst du Lovino?“, fragte Antonio. Er runzelte seine Stirn. Diese Worte ergaben für ihn keinen Sinn. „Du bist ein erwachsener Mann, ich bin es auch. Wir Beide wollen es. Wieso ist es falsch? Ist es, weil wir beide Männer sind?“

„Was? Nein, Gott. Nein, das ist es nicht. Ich-“
Erneut musste Lovino pausieren, um die richtigen Worte zu finden. Dieses Mal gelang es ihm nicht, also fuhr er fort. „Du bist ein Idiot, aber es liegt nicht an dir. Es geht einfach nicht. Ich kann dich nicht in diese Situation-“, Lovino stockte.
„Ich könnte niemals-… Ich würde mir niemals-… Was wenn du so endest wie-…“

Umso mehr Lovino versuchte die richtigen Worte zu finden, umso weniger Sinn ergaben die neuen Sätze. Tränen bildeten sich in Lovinos Augen und Antonio war schnell zur Stelle, um diese mit seinen Daumen von seinen Wangen zu wischen.

„Shh, es ist okay. Du musst es mir nicht erklären“, sagte Antonio, obwohl er doch gerne eine Erklärung hätte. Für ihn ergab das Verhalten seines Gegenübers keinen Sinn. Es war eindeutig, dass Lovino es wollte, dass er dasselbe empfand. Wieso verweigerte er ihnen dieses Glück? Aber egal wie sehr er unter dieser Entscheidung litt, er würde es sich nicht verzeihen, wenn er Lovino in etwas zwingen würde, was er nicht wollte. „Es ist okay. Ich bin nicht böse.“

Lovino schluchzte und es fühlte sich an, als würde alles in Antonio brechen. Er schloss seine Arme um ihn und zog ihn näher an seine Brust.

Und so blieben sie auch, bis Lovino sich in den Schlaf geweint hatte.

----- Fortsetzung folgt -----


Wie versprochen, kommt das neue Kapitel noch diese Woche. Was Romantik angeht, bin ich ziemlich eingerostet, aber ich hoffe, es hat Euch trotzdem gefallen. Tatsächlich wollte ich das Kapitel auch morgen nochmal etwas bearbeiten, aber da ich sehr spontan als Babysitter einspringen muss, werde ich kaum dazu kommen. Deshalb, wenn Euch ein Grammatik- oder Rechtschreibfehler auffällt, oder etwas das absolut keinen Sinn ergibt, sagt mir bitte Bescheid!

Ach, das Lied, das Antonio spielt ist "Dos Oruguitas" von Lin-Manuel Miranda aus dem wunderschönen Film "Encanto". Die deutsche Synchronisation ist von Alvaro Soler. Das Lied habe ich während dieses Kapitels rauf und runter gehört.
https://www.youtube.com/watch?v=y-_dGxmbR2A

Ansonsten wünsche ich Euch eine wundervolle Zeit und wir sehen uns beim nächsten Kapitel, ganz regulär am 26.06.2022.
Passt auf Euch auf, trinkt und esst genug, vergesst nicht Eure Medikamente zu nehmen (wenn Ihr welche habt!)
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