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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
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30.05.2022 2.078
 
15. Kapitel


Antonios Sicht


Es waren einige Stunden vergangen, seitdem Antonio nach einem erneut unspektakulären Tag nachhause gekommen war und sich in seinem Zimmer eingesperrt hatte. Seine tägliche Routine war stark durcheinandergebracht worden, nachdem er für eine unbefristete Zeit freigestellt worden war. Arthur hatte von ihm gefordert sich psychologische Hilfe zu suchen, bevor er die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Natürlich hatte er sich noch nicht darum gekümmert. Hauptsächlich weil Antonio der Meinung war, dass er dies nicht benötigte. Viel mehr waren seine Gedanken wo anders.

Er hatte sich eine schnelle Reaktion Romas erhofft, nachdem er den endgültigen Pakt mit Holland abgeschlossen hatte. Zwei Tage des qualvollen Wartens waren vergangen und er hatte noch immer keinerlei Signale erhalten, dass sein Ziel seine Entscheidung missbilligte. Aus diesem Grund verschlechterte sich seine Laune zunehmend und er war beinahe so weit, die Hoffnung aufzugeben. Schließlich war Roma keineswegs die Art von Person, die ihn warten ließ.

„Toni?“, hörte er Lovinos Stimme aus dem Wohnzimmer rufen.

Ohne zu zögern, richtete er sich auf und folgte dem Ruf des Italieners. Er wusste nicht, wie lange Lovino bereits zuhause war, aber er beklagte sich nicht. Es war noch schönes Gefühl zu wissen, dass er nicht allein in dieser Wohnung bleiben müsse.
„Was ist los, Lovi?“, fragte der Spanier als er den Jüngeren erblickte.

„Das soll ich dir geben“, erwiderte Lovino. Er hielt ihm einen Umschlag entgegen, der an ihn adressiert war.
Antonio zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe. „Woher hast du den?“
„Irgendein merkwürdiger Typ hat mich heute angerempelt und ihn mir in die Hand gedrückt“, erwiderte der Italiener mit einem Schulterzucken.

Diese Antwort gefiel Antonio ganz und gar nicht. „Und wo war Francis?“

„Ah, sei nicht immer so paranoid. Mir ist nichts passiert“, entgegnete Lovino, nachdem er die Augen verdreht hatte. Antonio wusste, dass er in letzter Zeit sehr übervorsichtig geworden ist, wenn es um den Jüngeren ging. Aber es konnte ihm wohl niemand verübeln, nachdem er erst kürzlich eine wichtige Person auf solch tragische Art verloren hatte.

Noch immer zweifelnd, senkte er seinen Blick auf den Umschlag. Er öffnete diesen und las die Botschaft auf dem zerknitterten Papier.

Morgen, Mittagszeit, Allen Jones

Sein Gesicht strahlte auf. Automatisch glitten seine Augen über das gesamte Papier, auf der Suche nach möglichen Beweisen. Doch auf den ersten Blick schien der Verbrecher so gründlich gewesen zu sein wie immer. Selbst die Nachricht war mit einem Computer verfasst worden. Er würde es trotzdem ins Labor weitergeben. Früher oder später würde Roma einen Fehler machen, der ihn verriet. Aber selbst, wenn sie nichts finden würden, spielte es absolut keine Rolle. Er hatte eine Antwort erhalten und das war sehr viel wert. Ja, es hatte länger gedauert als erhofft, aber das war egal. Wichtig war der Fakt, dass er durch die Zusammenarbeit mit Holland tatsächlich seine Aufmerksamkeit erlangen konnte. Das war sehr viel wert.

Er spürte, wie das Adrenalin in seine Adern schoss beim bloßen Gedanken, dass er seinen Täter morgen wiedersehen würde. Natürlich musste er sich einen guten Plan überlegen, damit er in keine Falle tappen würde. Andererseits erwartete er nicht, dass er ernsthaft in Gefahr sein würde. Es wäre dumm von Roma, ihn zu verletzen.

Lovinos Stimme zerrte ihn zurück in die bittere Realität. „Du hast nicht ernsthaft vor dorthin zu gehen, oder?“

Das Grinsen des Spaniers wandelte sich umgehend in ein strahlendes Lächeln. Seine Augen wurden sanfter beim Anblick des Jüngeren. „Es wäre unhöflich einer solchen Einladung nicht nachzugehen.“

Der Blick des Italieners verfinsterte sich. Das passierte in letzter Zeit sehr häufig. „Es ist viel zu gefährlich! ER ist zu gefährlich!“

„Er wird mir nichts tun, Lovi. Es ist offensichtlich, dass ich eine wichtige Schachfigur in seinem Spiel bin. Roma ist nicht dumm genug sich meiner zu entledigen, bevor ich meine Rolle perfekt gespielt habe.“

Lovino verdrehte die Augen. Dann verschränkte er die Augen und zog die Schultern defensiv in die Höhe. „Du tust immer, als wüsstest du ganz genau was in seinem Kopf vorgeht. Als wüsstest du was er denkt, was er plant. Dabei weißt du rein gar nichts! Du setzt dein Leben leichtsinnig aufs Spiel!“

„Lovi-“, begann der Spanier in einem ruhigen Ton. Lovino ignorierte ihn.

„Du kennst ihn nicht, Antonio! Wenn du ihn kennen würdest, würdest du schon längst verstehen, wieso er all das tut. Aber du weißt weder wer er ist, noch was er tut oder warum er es tut. Du weißt absolut nichts! Gar nichts!“

Die Tränen des Jüngeren ließen jegliche Instinkte in ihm Alarm schlagen. Er wollte ihn in den Arm nehmen und ihn bis an sein Lebensende beschützen. Er wollte Lovinos Angst nehmen und ihm versprechen, dass alles gut werden würde. Doch als er einen Schritt nähertrat, erhob Lovino die Hände und signalisierte ihm, dass er Abstand halten solle.

„Lovino, du weißt ich muss das tun“, versuchte der Ältere erneut zu seinem Gegenüber durchzudringen. Aber es hatte keinen Zweck.

„Raus. Ich will dich jetzt gerade nicht sehen!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, schob Lovino ihn aus dem Wohnzimmer. Es gelang ihm nur, weil Antonio in diesem Moment zu überrascht war. Abermals öffnete er seinen Mund, um etwas zu erwidern. Er schaffte es nicht rechtzeitig, bevor die Tür des Wohnzimmers ihm vor der Nase zugeschlagen wurde.

Antonio seufzte leise. Diese Streitigkeiten kamen in letzter Zeit sehr häufig vor und sie störten ihn sehr. Aber er konnte es nicht ändern. Er musste das tun. Für Gilbert und für sich selbst. Er hoffte nur, dass Lovino es eines Tages verstehen würde.

--------------


Den Tatort von Allen Jones als Treffpunkt zu nehmen, war ein gut kalkulierter Schachzug. Es war nicht ungewöhnlich für einen Polizisten einen Schauplatz wie diesen erneut zu besuchen, um nach weiteren Spuren zu suchen, deshalb würde keiner Verdacht schöpfen, wenn sie Antonio hier antreffen sollten. Gleichzeitig war es offensichtlich, dass Roma gut mit diesem Ort vertraut war, sodass er schnellstmöglich entkommen konnte, falls etwas nicht nach Plan verlaufen sollte.

Punkt 12 Uhr stand Antonio in dem Raum, indem sie Jones‘ Leiche gefunden hatten. Es war beinahe überraschend, dass er darin keine andere Person vorgefunden hatte, als er diesen betrat. Andererseits war er sich sicher, dass es nur eine Frage der Zeit war und Roma vermutlich schon hier war, sich allerdings bedeckt hielt.

„Bist du wahnsinnig deine Karriere so aufs Spiel zu setzen?!“

Wenn man vom Teufel sprach.

„Was, nicht einmal ein freundliches ‚Hallo, wie geht es dir?‘. Und ich dachte, dir liegt etwas an mir. Na ja, dann kommen wir eben gleich zur Sache.“
Antonios Miene verdüsterte sich. „Ich werde tun was notwendig ist, um deine wahre Identität ans Licht zu bringen und ich werde nicht eher ruhen, bis jeder deinen wahren Namen kennt.“

Trotz der großzügigen Klamotten sah er wie sich Romas Armmuskeln anspannten und er einen langen, doch lautlosen Atem ausstieß. Eine Möglichkeit sich schnell zu beruhigen, die viele in seinem Umfeld nutzten. Er fragte sich, ob das bedeutete, dass Roma aufgeregt, vielleicht sogar nervös war. „Das wirst du nicht schaffen.“

Das Gespräch hatte gerade erst angefangen und Antonio hatte jetzt schon die Schnauze voll von Romas Stimmverzerrer. Es juckte ihn am ganzen Körper, die Stimme hinter der Maske zu hören. Aber sein Gegenüber würde ihn niemals so Nahe an sich lassen.

„Du jagst mich jetzt schon seit Monaten und hast nicht die leiseste Ahnung, wo du anfangen sollst nach mir zu suchen. Du hast keinerlei Hinweise und ich werde dir auch keine geben. Wann verstehst du das endlich? Es ist hoffnungslos für dich.“

„Fühlst du eigentlich auch nur den Hauch einer Reue?“, wechselte Antonio plötzlich das Thema.
Roma schwieg eine ganze Weile bevor er antwortete: „Ich tue nur meine Arbeit. So, wie du deine tust.“

„Du tötest Unschuldige! Da kann man wirklich nicht von Arbeit sprechen.“

„Du weißt genauso gut, wie ich, dass ich die Finger von Unschuldigen lasse. Meine Ziele haben die Regeln gebrochen, obwohl sie die Konsequenzen kannten. Sie sind selbst für ihr Schicksal verantwortlich.“

„Gilbert hatte absolut gar nichts mit euch zutun!“ – „Das ist deine Perspektive, Fernández.“

Antonio stieß einen hektischen Atemzug aus, der ihm sämtliche Luft aus den Lungen stieß. Er war für einige Sekunden sprachlos über diese dreiste Behauptung sein Freund hätte auch nur irgendetwas mit dieser Organisation voller Verbrecher zutun. „Du entschuldigst dich augenblicklich dafür!“

„Ich entschuldige mich für rein gar nichts! Und schon gar nicht, wenn es die Wahrheit ist. Du glaubst mir nicht? Frag diesen Berg von einem Kollegen, den du hast. Er sollte mittlerweile die Beweismittel gefunden haben. Vorausgesetzt seine Inkompetenz hat ihm nicht wieder den Kopf vernebelt.“

„Das wirst du bereuen!“
Antonio bereute auch etwas. Und zwar die Tatsache, dass er seine Waffe nicht bei sich trug. Eigentlich hatte er nur eine ähnliche Situation wie letztes Mal verhindern wollen, hätte er sie allerdings bei sich, hätte er seinen Gegenüber vermutlich schon auf der Stelle getötet. Aber das war nicht der Tod, den er sich für Roma erhoffte. Nein, er wünschte ihm etwas viel Grausameres.

„Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Fakt ist, du solltest dein Leben nicht so leichtsinnig aufs Spiel setzten für ein ‚vielleicht‘. Denkst du nicht, dass es Leute gibt, die über deinen Tod betrübt wären?“

Mutter. Joao. Francis. Lovi.

„Und ich bin ehrlich gesagt auch nicht sonderlich erpicht darauf dich zu töten. Solltest du aber zu Nahe kommen und die Mission gefährden, habe ich keine andere Wahl. Familie geht vor, Antonio. Ich bin sicher, du verstehst das.“

Eine Organisation voller Verbrecher als Familie zu bezeichnen, war in seinen Augen lächerlich. Sie hatten nichts gemeinsam, außer denselben Drang nach Macht und die Gier, die sie antrieb. In seinen Augen gab es Familie nur unter Blutsverwandten. In diesem Falle musste er zugeben, dass auch er vieles für seine Mutter und seinen Bruder opfern würde. Vieles, aber noch lange nicht alles.

„Zwing mich nicht dazu dir weh zutun“, sprach Roma weiter. Antonios Augen verengten sich. Kam es ihm nur so vor oder klang er tatsächlich beinahe verzweifelt? Nein, das musste er sich einbilden. So viel Empathie hatte dieses Monster nicht, dass ihm gegenüberstand.

„Oh, und selbst wenn du mir weh tun würdest, was dann? Ich bin nicht der Letzte, der auf dich Jagd machen wird“, erwiderte Antonio hämisch.

„Du weißt das unsere Methoden dich nicht.. physisch betreffen würden. Du hättest deine Schwächen besser verstecken sollen. Weißt du, ich hab gehört, es soll im Süden recht schön sein zu dieser Jahreszeit.“

Antonios Herz schlug schneller. Er zog seine Augenbrauen zusammen. „Was willst du damit andeuten?“

„Deine Mutter macht gerne Urlaub in Barcelona, ist was ich damit sagen möchte. Ich bin sicher, dass ich mich sehr gut mit ihr verstehen würde.“

„Lass sie bloß raus aus der Sache.“ – „Oh, das werde ich. Mein erstes Ziel wäre viel näher. Die Universität hat sehr viele interessante Kurse, hab ich gehört.“

Sein Gesicht verlor sämtliche Farbe. „Das würdest du nicht wagen. Du kennst Feliciano, also kennst du auch.. auch ihn. Wenn du Feli beschützen möchtest, dann musst du auch ihn beschützen.“

„Tue ich. Aber ich werde tun was notwendig ist. Überlege dir deine nächsten Schritte also gut, Antonio.“

„Nenn‘ mich nicht bei meinem Namen. Nicht nachdem du ihn bedrohst.“
Mit jeder Minute wuchs Antonios Hass und es war klar in seiner Stimme zu hören.

Roma schien dies nicht weiter zu beunruhigen. „Schön. Wenn das also der einzige Grund war, weshalb du dich mit mir treffen wolltest, Fernández, dann werde ich jetzt gehen. Viel Glück bei deiner hoffnungslosen Mission.“

Antonio ballte seine Hände zu Fäusten. Er wollte Roma packen und ihm seine Maske aus dem Gesicht reißen. Er wollte ihn zusammen schlagen bis er sein Bewusstsein verlor. Er wollte ihn foltern. Er wollte schreien und ihn endgültig zerstören. Er wollte ihn einfach nur noch hinter Gittern sehen, oder besser noch, tot.

Aber viel mehr wollte er in diesem Moment Lovino beschützen. Also riss er sich zusammen und ließ seine Wut erst aus, nachdem Roma gegangen war.

----- Fortsetzung folgt -----


Hallo, hallo. Ich hoffe euch geht es gut soweit! Ich habe nicht wirklich etwas zu sagen zu diesem Kapitel, außer das ich hoffe, dass es euch gefallen hat. Es war heute wieder besonders sprachlastig. Solltet ihr irgendwelche Fehler finden, lasst es mich bitte wissen. Da es schon sehr spät ist (einen Applaus an meine Prokrastination an dieser Stelle) wähle ich tatsächlich eher den Schlaf für heute.

Anyway, das nächste Kapitel wird vermutlich ausnahmsweise früher erscheinen (im Laufe der Woche). Hauptsächlich, weil ich das Kapitel schon vor Ewigkeiten geschrieben habe und einfach nicht mehr warten kann es zu veröffentlichen, haha. Und mit diesen Worten: Passt auf euch auf, trinkt und esst genug. Bis zum nächsten Mal!
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