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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
Alle Kapitel
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27.02.2022 3.094
 
12. Kapitel

Antonios Sicht


Der Verlust eines Freundes war nicht einfach zu verarbeiten. Antonio wusste dies, jedoch spielte es keine Rolle für ihn. Er stürzte sich direkt zurück in die Arbeit, getrieben von seinem Zorn, die ihm unermessliche Kraft gab. Dies hatte jedoch zur Folge, dass er seinen geliebten Lovino nur noch selten zu Gesicht bekam. Es war tragisch, aber er redete sich ein, dass er diesen Weg gehen musste, um eine Zukunft mit dem Italiener zu ermöglichen. Dieser Fall musste endlich gelöst werden damit Antonio wieder glücklich sein konnte, deshalb zögerte er nicht, seinen Racheplan in die Tat umzusetzen.

Eine geeignete Person aus dem Untergrund zu organisieren, war keine schwere Sache. Antonio übte seinen Beruf seit mehreren Jahren aus und er war schon immer gewillt gewesen, kleinere Verbrechen für einen zukünftigen Gefallen zu „übersehen“. Ludwig hatte seine Methoden verurteilt, aber der Spanier hatte gewusst, dass er früher oder später gewisse Kontakte benötigen würde. Bereits in älteren Fällen hatten diese sich als nützlich gezeigt, doch noch nie war es wichtiger gewesen als jetzt. Demnach hatte er schon bald einen passende Person kontaktieren können, die eine Korrespondenz mit Emma ermöglichte.

Emma war eine durchaus beschäftigte Frau, die zudem gut bewacht wurde. Holland war besonders vorsichtig, wenn es um seine jüngere Schwester ging, denn sie war sein einziger bekannter Schwachpunkt. Dennoch hatte die Frau genug Verstand und Kraft um sich alleine schützen zu können. Ihre Autorität erinnerte an Elizabeta und doch war sie gleichzeitig auf einem anderen Level. Durch die Berufung ihres Bruders hatte sie schon einige Dinge zu Gesicht bekommen und war demnach abgehärtet. Antonio hatte schon einige Male das Vergnügen gehabt und die letzten Treffen hatten einen großen Eindruck hinterlassen.
Aber auch wenn es schwer war an sie heranzukommen, so war es nicht schier unmöglich. Schon gar nicht für jemanden wie Antonio. Und erst Recht nicht, wenn er von Rage getrieben war.

Es benötigte nur einige wenige Briefe, um ein festes Treffen zu organisieren und doch strapazierte es Antonios Geduld. Es half nicht, dass Lovino versuchte ihn zu beruhigen wann immer sie sich sahen. Würde er es nicht besser wissen, hätte er die Vermutung, dass der Jüngere ihn von seinem Vorhaben abzuhalten versuchte. Das war aber nicht möglich. Lovino wusste, wie wichtig ihm diese Mission war. Er musste sich an Roma rächen, für Gilbert. Roma musste fallen damit Gilbert Frieden finden konnte. Roma musste fallen damit Antonio Frieden finden konnte. Er war zu tief in seiner Trauer und Rachsucht als das er sich einfach damit abfinden könnte.

Als Treffpunkt einigten sie sich auf eine der extravaganten Feiern, die Emma gerne gab. Der Großteil der Teilnehmer stammte aus hohen Machtverhältnissen und waren wichtige Sponsoren. Demnach müsste Lars lange genug abgelenkt sein, dass Antonio in Ruhe mit Emma sprechen konnte. Außerdem war die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass der Bruder der Gastgeberin eine Szene veranstalten würde falls er sie doch gemeinsam erwischen sollte. Zwar war Lars sehr impulsiv, doch selbst er hatte genug Verstand um sich in bestimmten Situationen im Griff zu halten. Vor allem vor gut zahlenden Gönner.
So fand Antonio sich schließlich auch alleine mit Emma in einem der zahlreichen Hinterzimmern des anschaulichen Hauses.

„Emma, es ist schön dich zu sehen“, begrüßte er seine Partnerin.

„Das Selbe könnte ich über dich sagen, Antonio. Aber kommen wir zum geschäftlichen. Was war so dringend, dass du mit mir persönlich darüber sprechen musst?“, erwiderte die Jüngere.

Ihr charmantes Lächeln bezauberte Antonio immer wieder aufs Neue. Sie war eine gutaussehende junge Frau. Bereits bei früheren Begegnungen hatte Antonio ihre katzenähnlichen Züge als sehr attraktiv empfunden. Jetzt wo er Lovino kannte, wusste er auch, dass er generell eher ein Katzenmensch zu sein schien. Schließlich ähnelte auch der Italiener einer Katze. Sein Charakter schien kompliziert und es war schwer herauszusagen, was er als nächstes tun würde.

„Oh, ich kenne diesen Blick. Wer ist dieses Mal die Glückliche?“
„Eigentlich.. ist es ein Glücklicher. Und ich weiß nicht, ob er sich wirklich als so glücklich schätzt“, gab Antonio zurück.
In seiner Stimme lag ein amüsierter Unterton.
Lovino war eine introvertierte Person und Antonio konnte nicht herausfiltern, ob der Italiener romantischen Gefühle für ihn hegte oder ihn doch lediglich als einen simplen Freund ansah. Gleichzeitig war es ihm nicht möglich direkt zu fragen, denn er hatte Sorge, dass er Jüngere sich zurückziehen würde, wenn er etwas falsches sagte oder täte.

„Oh, erzähl mir alles!“

„Vielleicht später. Eigentlich bin ich hier, um dich um Hilfe zu bitten, Bella.“

Das weckte das Interesse in der jungen Frau. Sie legte den Kopf schief und Antonio musste sich zusammen reißen, um diese niedliche Geste nicht zu kommentieren.
„Das habe ich mir schon gedacht. Aber du weißt, dass ich meine Hilfe nicht ohne einen Preis anbieten kann.“
„Das ist mir bewusst, aber ich muss es riskieren.“

Antonio mochte diese Spiele nicht, die Emma spielte. Ihr Preis bestand immer aus einem „Gefallen“, ähnlich wie die Angebote, die Antonio mehreren Verbrechern geboten hatte. Normalerweise würde er dieses Risiko nicht eingehen, aber er war an einen Punkt gekommen, wo er keinen anderen Weg sah. Er musste mit Lars zusammenarbeiten oder zumindest mit ihm sprechen. Wenn er hierfür mit Bella verhandeln musste, war es ihm mehr als Recht. Dennoch ließ es ein bitteren Nachgeschmack in ihm zurück.

„Hm, in Ordnung. Du kennst die Regeln. Ein Gefallen gegen meine Hilfe. Also, worum geht es?“
„Es geht um Lars. Ich brauche ein Treffen mit ihm, beziehungsweise musst du ihn überzeugen mit mir zusammen zu arbeiten.“

Emmas grüne Augen weiteten sich überrascht. „Mein Bruder? Oh, du weißt, dass das schwierig wird, Antonio, selbst für mich. Er kann dich nicht gerade besonders gut leiden.“ Sie musterte den Spanier von oben bis unten. „Und das beruht offensichtlich auf Gegenseitigkeit.“

„Ich leugne es nicht, aber es muss sein. Ich bin mir sicher, dass du das.. mit Gilbert gehört hast.“ Eine Untertreibung. Es wurde in allen Medien erwähnt. Sie musste davon gehört haben.

„Ja, das habe ich. Es tut mir leid für deinen Freund, Antonio. Er war ein guter Mann.“
Bella kannte Gilbert nicht besonders gut. Sie hatten nicht viel miteinander zu tun. Aber sie hatte genug Kontakt mit Antonio gehabt, dass sie zumindest einen Bruchteil über den Albino gewusst hatte. Vor allem wusste sie allerdings, wie nahe sie sich gestanden haben.

„Er wurde ermordet von Roma.“

Bellas Gesichtsausdruck verfinsterte sich. „Bist du dir sicher, dass es Roma war?“
Sie verstand augenblicklich, wen er mit diesem Namen gemeint hatte. Obwohl sich zunächst „Seraph“ durchgesetzt hatte, wurde dieser Spitzname nunmehr durch den eigentlichen Namen des Mörders verdrängt. Es klang weniger kitschig, sagten viele Nachrichtensprecher.

„Absolut. Es kann niemand sonst gewesen sein. Vermutlich sind wir ihm zu gefährlich geworden und er hat beschlossen ein Beispiel zu statuieren indem er eine Person verletzt, die Ludwig und mir Nahe stand. Außerdem habe ich Informationen, dass Gilberts Begleitperson zu der Zeit, ein Dorn im Auge der Mafia ist.“

„Woher hast du diese Informationen?“

„Ah, du weißt, ich verrate meine Quellen nicht“, sagte Antonio augenblicklich. Auch wenn es die Sache vermutlich etwas vereinfachen würde, wenn er ehrlich zu ihr wäre. Aber es war gegenwärtig noch ein gut behütetes Geheimnis, dass Antonio sich mit Roma getroffen hatte und auch wenn er Bellas Hilfe benötigte, so war sein Vertrauen zu ihr sehr niedrig.

„Na schön“, erwiderte Bella, obwohl ihr diese Antwort offensichtlich nicht gefiel. „Was lässt dich glauben, dass Lars bereit wäre mit dir zusammen zu arbeiten?“

Antonio zuckte leicht mit den Schultern und lehnte sich nun an die Wand. Das ganze Thema machte ihn nervös. Er hoffte dies verstecken zu können, indem er Schutz im Schatten suchte. „Ich weiß, dass er große Verluste zu melden hat dank der Mafia. Das sollte Grund genug sein.“

„Guter Punkt, aber ich weiß nicht, ob das reichen wird. Außerdem ist das noch lange kein ausgearbeiteter Plan. Du kennst meinen Bruder. Er geht keine unnötigen Risiken ein“, sagte Bella. Sie verschränkte die Arme vor der Brust während sie den Spanier beobachtete. Antonio musste ein Lachen verkneifen beim Gedanken, dass sie einem Raubtier ähnelte, welches sich noch nicht entschieden hatte, ob ihr Gegenüber eine saftige Mahlzeit ergeben würde oder nicht.

„Wenn die Mafia erfährt, dass die Polizei mit Lars zusammenarbeitet, werden sie sicherlich nicht einfach still sitzen und nichts tun. Sie werden ihren besten Mann auf uns ansetzen: Roma. Oder zumindest auf mich. Selbst die Mafia würde es nicht wagen Lars anzuvisieren“, erklärte Antonio seinen halbfertigen Plan. Natürlich ließ er aus, dass Roma auch ihm nichts tun würde. Er hoffte allerdings, dass es zu einem weiteren Treffen kommen konnte und von dort an würde er improvisieren.

„Nein, sie würden nicht wagen Lars zu bedrohen. Aber ich möchte auch nicht, dass sie dich bedrohen, Antonio“, sagte sein Gegenüber. Ihre Stimme war sanfter geworden und in ihren Augen lag deutliche Sorge. In letzter Zeit hatte Antonio diese Emotion schon oft in den Augen seiner Mitmenschen gesehen, zu oft. „Das Ganze sieht mir zu sehr nach einer Suizidmission aus.“

„Oh, glaub mir, ich habe nicht die Absicht zu sterben“, gab Antonio augenblicklich zurück. Gleichzeitig wusste er jedoch, dass er durchaus bereit wäre soweit zu gehen, wenn es bedeutete, dass Roma ebenfalls ausgeschaltet wurde. Ihm waren alle Mittel recht, selbst wenn er sein eigenes Leben im Verlauf verlieren würde.

Bella schwieg eine Weile während sie den Spanier erneut musterte. „Du hast dich geändert.“

„Der Tod eines Freundes kann viel ausmachen.“

Sie schüttelte den Kopf, doch erwiderte darauf nichts. Stattdessen stieß sie einen leisen Seufzer aus. „In Ordnung, ich helfe dir. Gib mir ein paar Tage, um ihn an den Gedanken zu gewöhnen. Dann organisieren wir ein Treffen.“
Sie stieß einen weiteren Seufzer aus. „Aber es wird nicht einfach. Ich kann Lars auf das Gespräch vorbereiten, aber du musst ihn mit ordentlichen Argumenten überzeugen oder mit einem ausgearbeiteten Plan. Denk dran, er geht keine unnötigen Risiken ein.“

Antonios Gesicht erstrahlte. „Du bist die Beste, Bella!“

„Ich weiß. Du schuldest mir einen großen Gefallen dafür. Das wird wirklich nicht einfach.“
Antonio wusste das nur zu gut. Bella mag vielleicht Lars‘ einzige Schwachstelle sein, aber selbst sie konnte keine Wunder vollbringen. Dennoch war es einen Versuch wert. Und selbst wenn sich das als Reinfall herausstellte, würden sich die Gerüchte, dass er sich mit Bella getroffen hatte, schnell verbreiten. Vielleicht würde das genügen, um Roma aus seinem Versteck zu locken.

--------------


Das zweite Mal als Antonio das extravagante Gebäude betrat, war nur eine Woche später. Emma hatte großartige Arbeit geleistet, wofür er dankbar war. Seine Geduld war heutzutage sehr gering und die Tage zogen sich, da er und Ludwig für einige Zeit freigestellt worden waren, um professionelle Hilfe zu suchen damit sie den Schock schneller verarbeiten konnten. Antonio nahm dies jedoch nicht in Anspruch und es zerrte an ihm, dass er seine Arbeit nicht ordnungsgemäß verrichten konnte.

Direkt nach dem Betreten wurde er von einem Butler begrüßt, der ihm seine Jacke abnahm und ihn anschließend in einen Warteraum geleitete. Es war absurd wie sehr Hollands Organisation ihren Wohlstand darstellten. Das Zimmer in dem er sich befand, glich einem aus dem Buckingham Palace. Nicht das Antonio jemals dort gewesen war, aber so ähnlich stellte er es sich vor. Die Tapeten und Böden waren eindeutig aus dem feinsten Material, das es gab. Die Möbel extravagant. Die Dekoration bis aufs Detail ausgearbeitet.
Antonio verdrehte die Augen, aber zugleich war er dankbar für die Ablenkung, die ihm dieses Zimmer bat. Er war „dezent“ nervös. Jedes Treffen mit Lars war bisher in einem Streit geendet, aber heute musste er sich zusammenreißen. Selbst wenn sein Gegenüber ihn provozierte, musste er darauf achten, dass er sich beherrschte. Er durfte heute nur mit guten Resultaten dieses Haus wieder verlassen.

Die Minuten tickten bei und Antonios Nervosität wandelte sich stetig in Irritation um. Er wusste, dass Lars nur ungerne mit ihm sprechen wollte, aber so behandelte man keinen Gast und schon gar nicht einen zukünftigen Geschäftspartner. Noch bevor er sich darüber jedoch beschweren konnte, betrat der Butler von vorher das Zimmer. Er kündigte sich mit einem leisen Räuspern an. „Monsieur De Vries wäre nun bereit Sie zu empfangen.“

Das ließ sich der Spanier nicht zweimal sagen. Er stand augenblicklich auf und folgte dem Bediensteten aus dem Wartezimmer. Für eine Weile versuchte er sich den Weg zu merken. Sollte eine Situation entstehen in der er schnell fliehen musste, wäre es gut sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Schnell bemerkte er jedoch, dass der Butler ihn einige Zeit im Kreis herumführte und unnötige Verlängerungen des Weges nahm. Vermutlich war es gewollt, dass Antonio sich wie in einem Labyrinth vorkam und obwohl seine Orientierung gut war, war sie doch nicht ausreichend genug.

Letztlich kamen sie vor einer großen Doppeltür zum stehen und der Butler deutete ihm hineinzugehen. Auch hier zögerte Antonio keineswegs und betrat das Zimmer, welches sich als großes Büro herausstellte. Sein Gesprächspartner saß bereits in einem großen Stuhl hinter dem Schreibtisch platziert und beobachtete Antonio während dieser sich näherte. Das alles erinnerte den Spanier an einen geradezu an eine stereotypische Begegnung mit dem Bösewicht aus einem furchtbaren Action-Film. Er kommentierte dies jedoch nicht, sondern setzte sich lieber in einen der bequem aussehenden Sessel vor dem Schreibtisch. Währenddessen hielten beide Parteien den Blickkontakt.
Die Situation war eindeutig angespannt und keiner von Beiden wollte nachgeben indem sie die ersten Worte sprachen. Es wäre vermutlich noch ewig so weiter gegangen, wenn es nicht ein Räuspern aus einer anderen Ecke im Zimmer gegeben hätte.

„Ihr Beide seid die reinste Katastrophe“, sagte Bella.
Antonio richtete seinen Blick auf die junge Frau, musterte sie für einen Moment. Sie war noch bezaubernder als bei ihrem letzten Treffen, auch wenn es schwer vorstellbar war.

„Begaff nicht meine Schwester“, knurrte Lars leise, wodurch Antonio seine Aufmerksamkeit wieder auf diesen richtete. Es kostete ihn einiges an Selbstbeherrschung um keinen zynischen Kommentar zurückzugeben, aber er musste letztlich an sein Ziel denken. Die Zusammenarbeit war wichtig.
„Schön dich zu sehen, Lars. Ich bin sicher, Emma hat dir schon einige Einzelheiten erzählt, weshalb ich mit dir sprechen wollte.“

„Mhm, sie hat mir von deiner Suizidmission erzählt dich als Zielscheibe für die Mafia auszugeben. Was ich nicht begreife, ist warum du ausgerechnet meine Hilfe dafür benötigst. Du bist dumm genug, es alleine hinzubekommen“, erwiderte Lars.
„Lars..“, ermahnte ihn Emma streng, aber der Blonde verdrehte nur seine Augen.

Antonio biss sich auf die Zunge. Er war froh, dass die Jüngere sich entschlossen hatte diesem Gespräch beizuwohnen. Sie würde dafür sorgen, dass die Situation nicht so schnell eskalieren konnte.
„Wie dem auch sei, nenn‘ mir einen Grund warum ich ausgerechnet mit dir zusammenarbeiten sollte.“

Antonio schluckte leise. Dann setzte er sich ordentlich auf, wodurch er selbstsicherer erschien. „Ich kann dir sogar mehrere nennen, aber fangen mir dem Offensichtlichen an. Es muss belastend sein, dass die Mafia immer weiter in dein Gebiet eindringt und deine Geschäfte gefährdet.“
Holland zog eine Augenbraue hoch. „Sie stören mich nicht bei meinen Geschäften. Tatsächlich lassen sie mich und meine Leute in Ruhe.“

„Tun sie das?“, erwiderte Antonio. In seinem Unterton lagen deutliche Zweifel an Hollands Aussage. Glücklicherweise war er nicht ohne Vorbereitung erschienen, dank Emma. „Ich habe Informationen über mehrfache Diebstähle von deinen Schwarzmärkten in den letzten drei Monaten. Wertvolle Sachen, wie es schien.“

Lars zuckte leicht zusammen. Es war eine solch kleine Geste, dass Antonio es sich genauso gut nur einbilden konnte. Dennoch stachelte ihn das weiter an seine Liste fortzuführen: „Ich weiß auch über die geplatzten Geschäfte, weil die Mafia deinen Partnern ‚bessere Ware‘ angeboten haben.“

Der Spanier hielt direkten Augenkontakt und er glaubte eine Bestätigung in Lars‘ Augen zu finden. Ein weiterer Punkt, der ihn anstachelte.
„Und ich weiß, dass sie dich und deine Leute immer weiter in den Westen drängen wollen. Du bist einer der mächtigsten Leute in dieser Stadt und das bedroht sie, auch wenn sie wissen, dass du machtlos wärst, wenn sie auf Ernst machen.“

Lars schwieg einen Moment. Schließlich räusperte er sich leicht und erwiderte: „Sie würden es niemals wagen mich anzugreifen.“

„Du bist eine Bedrohung für sie, Lars. Ihre Angst wird wachsen bis sie es wagen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Das gab Holland erneut zudenken. Dieses Mal dauerte die Stille länger an. Er blickte zu Emma, die dem Gespräch bisher nur stumm gefolgt war. Das war ein gutes Zeichen in Antonios Augen. Er wusste, dass Lars kaum Wahl in dieser Angelegenheit hatte.
„Na schön. Nehmen wir an, du hast Recht. Was genau planst du dagegen zu tun?“

„Es ist ganz einfach. Wir müssen sie nach und nach ausschalten, aber wir können nicht direkt die hochrangingen Bosse anvisieren. Wir müssen mit den Marionetten anfangen, sonst werden sie uns nur im Weg stehen“, erklärte Antonio.
Zugegeben, es war kein konkreter Plan, aber er hoffte, es würde genügen.
„Unsere ersten Ziele müssen Hitman Jones und Roma sein.“

Das schien Lars zu überraschen. Er zog seine Augenbrauen hoch und fragte: „Du willst Roma töten?“
Es schien jedoch nicht als wolle er eine tatsächliche Antwort vom Spanier. Vielmehr wandte er sich an seine Schwester bis diese leicht ihren Kopf schüttelte.

Diese Reaktion verwirrte Antonio. Er war sich ziemlich sicher gewesen, dass Lars und Roma nicht in Kontakt gekommen waren. Zumindest nicht direkt. Dennoch fuhr er fort indem er auf die Frage antwortete, denn der Gedanke an den Mörder seines besten Freundes ließ die Wut in ihm erneut aufkochen: „Ich möchte ihn nicht nur töten. Er wird leiden für das, was er getan hat.“

Lars sah den jüngeren Mann einige Zeit lang sprachlos an. Er lehnte sich zurück und verdeckte seinen Mund mit seiner Hand. Antonio würde seine Reaktion noch fragwürdiger finden, wenn die aufsteigende Wut nicht sein Urteilsvermögen blenden würde. Erst als sein Gegenüber anfing leise zu lachen, richtete er seine vollste Aufmerksamkeit wieder auf diesen.
„Du willst also Roma töten. Emma wollte mir nicht sagen, was dein genaues Ziel ist, aber jetzt verstehe ich. Du willst nur Roma, die Mafia an sich ist dir egal.“

Lars lachte erneut auf. „Weißt du was, Fernandéz? Ich werde dir helfen. Einzig und allein um zu sehen, wie du bei dem Versuch untergehst, aber ich werde es tun.“

--- Fortsetzung folgt ---

Ein sehr sprachlastiges Kapitel heute. Wenn es etwas gehetzt wird, das tut mir leid. Aber ich wollte es alles unbedingt unter einen Hut bekommen. Nächstes Kapitel sehen wir dann, wie es Ludwig in der gegenwärtigen Situation geht und vielleicht erfahren wir auch ein bisschen mehr über Feliciano.

Ansonsten möchte ich noch zur Regelmäßigkeit der Updates etwas sagen. Ich habe mich entschlossen, dass ich die Kapitel ab sofort am letzten Sonntag im Monat veröffentlichen werde solange ich die Geschichte in meinen Drafts noch nicht vollständig beendet habe. Das sollte ein machbarer Rhythmus sein, selbst für mich.

Ich wünsche einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.
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