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Ein Spiel von Katz' und Maus

von Spamano
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
20.03.2017
04.06.2022
16
54.913
3
Alle Kapitel
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20.03.2017 4.053
 
1. Kapitel


Der Anruf kam an einem regnerischen Montagmorgen kurz nach 7 Uhr früh und er riss Antonio aus seinem wohlverdienten Schlaf.
Er brauchte eine Sekunde um sich zu orientieren, sich zu erinnern, dann nahm er sein Telefon, von dem er wusste es liegt auf dem Beistelltisch. Ohne wirklich auf das Display zu sehen, ging er ran. Der Klingelton hatte ihm bereits verraten, dass Francis, ein sehr guter Freund und Kollege von ihm, anrief. Er vermutete, dass er ihn fragen wollte, was am Vorabend passiert war oder er brauchte Hilfe um - erneut - aus einem Haus zu entkommen. Andernfalls konnte er sich nicht erklären, weshalb er ihn an seinem freien Tag um diese unheilige Zeit belästigte.
Müde und verkatert brummte er das Telefon: "Sí?"
Seine Stimme war rau, fühlte sich kratzig an in seinem Hals. Sein Kopf tat ihm weh, sein Bauch schmerzte und ihm war übel. Vielleicht hätte er gestern nicht so viel trinken sollen, andererseits hatten sie einen Grund zum feiern gehabt und das hatte er ausgenutzt. (Und er hatte nicht so viel getrunken wie Gilbert.)
Leise seufzte er auf. Eigentlich wollte er direkt wieder einschlafen, die Schmerzen vergessen, trotzdem quälte er sich langsam hoch und setzte sich auf. Ein kleiner Gähner entwich ihm.
"Antonio, du musst aufs Revier. Sofort!", hörte er den Franzosen sprechen. Er klang beunruhigt und ehrlich gesagt wäre der Braunhaarige etwas empört gewesen, weil er nicht einmal eine Begrüßung bekommen hatte.. Wäre die Stimme seines besten Freundes nicht so ernst.
"Francis, beruhige dich. Erzähl mir doch erst einmal, was passiert ist?", fragte der Mann, strich sich dabei seine wilden Locken aus dem Gesicht.
"» Seraph « .. Er hat es wieder getan, Tonio."
Der Spanier brauchte keine weiteren Erklärungen, wusste allein dadurch wie ernst die Lage war.
Seine Müdigkeit war verschwunden, seine Beschwerden vergessen als er antwortete: "Ich bin auf dem Weg."

Der junge Detektiv legte auf, richtete sich schlecht gelaunt auf. Dieser verdammte Mörder musste unbedingt an seinem freien Tag, um diese Uhrzeit zuschlagen.
Er streckte sich kurz, dann machte er sich in Rekordzeit fertig. Viel Zeit hatte er nicht bevor der Regen die Spuren - im schlimmsten Fall - verwischen würde und das konnten sie sich einfach nicht leisten. Sie hatten sowieso schon wenig bis gar keine Anhaltspunkte. Sein Bett ließ er unordentlich zurück, an Frühstück war nicht einmal zu denken und auch seine Haare brachte er nicht weiter in Ordnung, erfahrungsgemäß hatte es sowieso keinen Sinn.
Nach knappen zehn Minuten fand er sich in seinem Auto wieder. Er schnallte sich an und fuhr los, wollte nicht noch mehr Minuten vertrödeln. Es war eine Fahrt von ungefähr zwanzig Minuten, doch er schaffte es in fünfzehn. Um nicht in der Stille zu sitzen, schaltete er das Radio ein.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Als er an seinem Arbeitsplatz ankam, bemerkte er gleich die angespannte Lage. Seine Kollegen waren allesamt gestresst. Die, die ihn normalerweise immer begrüßten, sahen ihn heute nicht einmal an während er sich seinen Weg zu seinem Büro bahnte. Weit kam er jedoch nicht, da sein Partner, Ludwig Beilschmidt, ihm entgegen kam.
Ludwig Beilschmidt ist ein blonder, relativ großer Mann, der gut gebaut ist. Er wurde in Deutschland geboren und kam mit seinem Bruder, Gilbert, und seinem Vater vor mehreren Jahren hierher. Mit seinen 24 Jahren ist er einer der jüngsten Detektive auf ihrem Revier und er vollbringt wahrliche Wunder. Mit seinen blauen Augen, die dem Himmel Konkurrenz bieten, sieht er viele Dinge, die sonst als "unwichtig" abgestempelt werden. Er ist konzentriert und nimmt seine Arbeit sehr ernst. Kurz gesagt: Er ist das komplette Gegenteil von dem Spanier, der die Sachen gerne etwas lockerer anging und auch bereit war, Regeln zu brechen, wenn es sie in ihrem Fall weiterbrachte.

"Buenos días, Ludwig."
Der Deutsche nickte zur Begrüßung und erklärte ihm ohne zu zögern die Sachlage: "Das Opfer ist männlich, 19 Jahre alt. Er wurde als Allen Jones identifiziert. Seine Familie wurde bereits über seinen Tod informiert und befragt. Er wurde von ihnen das letzte Mal um ca. 17:45 Uhr beim Abendessen gesehen. Danach verließ er das Haus und kam nicht mehr zurück." - "Die Todesursache?", fragte Antonio. Seine Laune war deutlich gesunken. Ludwig stieß einen leisen Seufzer aus und entgegnete: "Ein Kopfschuss und sieben Messerstiche, verteilt auf Brust und Abdomen."
Der ältere Detektiv dachte nach. Die Todesursache passte zu den anderen Opfern des gesuchten Mörders 'Seraph'. Sie fahndeten bereits seit Monaten nach ihm, dennoch hatten sie erst wenige Informationen über ihn herausgefunden:
Sie nahmen an, dass der Täter ein Mann sein musste, aufgrund der tiefen Wunden. Außerdem schien er in irgendeiner Verbindung zur italienischen Mafia zu stehen. Manchmal schnitt er seinen Opfern erst die Kehle auf, von links nach rechts. Also war er 'wahrscheinlich' Rechtshänder. Öfter entschied er sich allerdings für einen Kopfschuss.
Das war alles. Es war ziemlich wenig Information, wenn sie bedachten, wie lange sie schon an diesem Fall arbeiteten. Doch der Mörder war geschickt und wusste genau, wie er seine Spuren verwischen musste. Er war sehr vorsichtig, hinterließ weder Fuß-, noch Fingerabdruck. Sie hatten absolut keinen Anhaltspunkt, der ihnen einen Tipp auf seine wahre Identität geben konnte. Oder anders gesagt: Es war zum verzweifeln.
Selbst den Namen, 'Seraph', hatte der Killer nur von einem jüngeren Polizisten erhalten. Weshalb sich ausgerechnet dieser Name soweit verbreitet hatte, wusste Antonio nicht. Jedenfalls klang es besser als "unbekannter Mafia-Killer".

"Mhm, hat er irgendwelche Gemeinsamkeiten mit den restlichen Opfern?", stellte Antonio die nächste Frage. Ludwig war schnell darin, Fakten herauszufinden und miteinander zu kombinieren. Er hat sichtlich seine Hausaufgaben gemacht und recherchiert, so viel über das Opfer herausgefunden, wie nur möglich. Die Vorarbeit war somit getan - sehr zur Erleichterung Antonios, der den ganzen Papierkram nicht ausstehen konnte.
"Nur eine. Er hat Drogen vertickt für die Mafia." - "Ist bekannt ob er irgendeine Information weitergegeben hat?", Ludwig schüttelte den Kopf.
"Gut, dann schauen wir uns doch mal den Tatort an." Die Detektive verließen das Gebäude, stiegen dann in Beilschmidts Auto. Ein schwarzer Audi A3. Sie konnten natürlich auch ein Polizeiwagen nehmen, allerdings war dieses Auto viel unauffällig, weshalb sie häufig zu diesem griffen. Antonio machte es ich auf seinem üblichen Platz, dem Beifahrersitz, bequem und schnallte sich an. Er blickte aus dem Fenster, versank in seinen Gedanken. Vielleicht hatten sie Glück. Vielleicht war 'Seraph' heute unvorsichtig geworden.. Vielleicht, vielleicht.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Das Gebäude, vor dem Ludwig einige Minuten später hielt, war alt, vor mindestens 50 Jahren erbaut und zusätzlich noch mitten im Niemandsland.
Viele Fenster wurden eingeschlagen, einige waren mit Holzbalken wieder verschlossen worden. Vermutlich um neugierige Teenager daranzuhindern, einzudringen. Die Tür stand sperrangelweit offen, da die Polizei wohl schon mehrfach ihre Runden gedreht hatte. Ein Zaun aus Holz verlief um das Haus, markierte das Grundstück und überall wucherte sowohl Efeu, als auch Moos. Es schien vor mehreren Jahren verlassen worden zu sein und Antonio erinnerte sich an einige Gesichten, die er vor längerer Zeit aufgeschnappt hatte. Einige Kinder, nicht älter als 15 Jahre, hatten sich hierher geschlichen um eine dämliche Mutprobe zumachen und daraufhin berichteten sie, es solle hier spuken. Vor allem nachts soll es furchtbar sein, hieß es. Wer sich hierher verirrte, hörte heulende Stimmen und es ertönten laute Geräusche.
Auf den zweiten Blick machte es allerdings Sinn und statt Geister, kamen mehr Abhängige ins Bild. Klar, wenn sie hier die Leiche eines Drogendealers gefunden hatten, dann waren wohl auch viele Süchtige in diesem Haus, die nach dem Konsum herumpolterten und jammerten.
Sie stiegen aus dem Wagen und mussten, trotz ihrer Bekanntheit, ihre Ausweise vorzeigen. Wissen ist gut, aber Kontrolle ist besser, wie es so schön heißt. Der Regen hatte Gottseidank für den Moment aufgehört und sie konnten beruhigt arbeiten, auch wenn die Straßen nass und matschig waren. Stumm betraten sie das Gebäude, putzten sich vorher auf die Schuhe an einer Fußmatte ab. Dicht gefolgt wurden sie von dem Namensgeber des Mörders.

Feliciano Vargas war ein 21 Jähriger Italiener. Er hatte kurze, braune Haare und eine lange Locke, die nach links verlief. (Sie war sowas wie sein Markenzeichen.) Seine Augen hatten die Farbe von zwei Bernsteinen. Der junge Mann war insgesamt ein sehr fröhlicher Mensch, den man gerne um sich hatte, da er gesprächig und aufgeschlossen ist. Mit ihm Zeit zu verbringen, brachte eine Menge Spaß mit sich, doch natürlich gab es auch Mängel an ihm. Er war relativ schwach und bekam es leicht mit der Angst zutun. Somit passte diese Art von Arbeit eigentlich überhaupt nicht zu ihm, worauf er schon mehrfach hingewiesen worden ist. Als Antwort bekamen sie allerdings nur ein simples: "Per mio fratello." Als würden dieser Satz ihnen alles erklären können, obwohl noch mehr Fragen aufkamen. Warum tat er das für seinen Bruder und was war mit ihm? Meistens versank er allerdings in Gedanken und war für die nächsten Stunden kaum ansprechbar. Viele hatten bereits aufgegeben, eine richtige Antwort zu bekommen, da Feliciano nur sehr ungerne darüber redete. Das Letzte, was die Leute hier wollten war, dass der Kleinere sein Lächeln und seine gute Laune verlor.

"Wer hatte die Leiche gefunden?", fragte Antonio.
Der Auszubildende blickte auf und lächelte traurig.
"Ein Käufer, Oliver Kirkland. Er kannte, nach eigenen Angaben, das Opfer gut und schien ein regelmäßiger Kunde zu sein." - "Hat der Zeuge irgendetwas ungewöhnliches bemerkt in den letzten Tagen?", erkundigte sich der Spanier weiter.
Feliciano entgegnete: "Allen hatte sich ein wenig merkwürdig verhalten. Er schien ängstlich und fühlte sich verfolgt. Der Zeuge nahm an, es käme von einer neuen Droge, die er ausprobiert hatte. Das wäre nicht das erste Mal gewesen. Momentan befindet sich Herr Kirkland allerdings im Verhör und danach wissen wir, hoffentlich, etwas mehr."
Antonio nickte zufrieden. Er zog seine Jacke aus, drückte sie dem Kleineren in die Hände und holte seine Untersuchungshandschuhe heraus, ehe er sich diese anzog. Er wollte keine möglichen Beweise zerstören.
"Wurden Fingerabdrücke oder andere Spuren gefunden?"
"Nein, nur die des Opfers und einigen Abhängigen." - "Nehmt sie fest und befragt sie. Vielleicht weiß jemand den Grund, für Jones Verhalten."
Tonio betrat den Tatort und sah sich um. Auf den ersten Blick schien nichts ungewöhnlich zu sein, abgesehen von einigen Blutspritzern an der Wand und der weißen Farbe, die die Position des Leiche markierte. Er war mehr als nur froh, dass er ihn nicht mit eigenen Augen hatte sehen müssen. Mittlerweile war er zwar daran gewöhnt, doch es war trotzdem kein schöner Anblick. Im Raum lag ein unangenehmer Geruch. Die Fenster waren hier mit Holzbalken verriegelt und es war stickig. Es machte Sinn, dass es hier nicht gerade angenehm roch, wenn man bedachte, wie viele Leute sich versammelten um Drogen zu konsumieren und wer weiß wie lange, sich hier aufhielten.

Erneut ließ Tonio seinen Blick herumschweifen. Er ging dabei etwas tiefer in den Raum hinein bis er etwas kleines auf dem Boden bemerkte. Es sah aus wie eine kleine Kugel, doch noch bevor er sich genauer anschauen konnte, klingelte sein Handy. "Kesesese~", ertönte die alberne Lache seines anderen guten Freundes immer und immer wieder. Er entschuldigte sich für einen Moment, zog sich einen Handschuh aus und holte das Telefon aus seiner Hosentasche. Natürlich entging ihm dabei der genervte Blick seines Partners nicht. Verständlich, er hörte diese Lache vermutlich mehr als es ihm Recht war.
"Sí?", ging er ran.
"Tonio, du und mein Bruder müsst unbedingt zum Kirchplatz in der Stadt kommen. Jetzt sofort!", sagte sein Freund. Es beunruhigte ihn, wie er das ohne den Hauch eines Grinsen sagte.
"Gil', ich verstehe nicht. Was ist los?" - "Es gab einen weiteren Mord."
Antonios Augen weiteten sich. Er blickte zum jüngeren Beilschmidt-Bruder, deutete zum Ausgang und sein Partner verstand. Das mögliche Beweisstück war wie vergessen. "Wir sind auf dem Weg."
Im Auto versank der Spanier erneut in seinen Gedanken. Selbst für einen Mörder wie 'Seraph' war es ungewöhnlich, dass es an einem Tag zwei Morde gab und für einen kurzen Augenblick bezweifelte er, dass es tatsächlich etwas mit ihm zutun hatte. Andererseits.. Wer hätte es sonst sein können?

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Ludwig war so schnell wie möglich gefahren und so standen sie innerhalb sieben Minuten inmitten des Platzes vor der alten Kirche. Es waren bereits einige Kollegen Vorort, die alles absperrten und neugierige Bürger zurückhielten. Sie wollten ihnen den Anblick ersparen. Verständig, fand Antonio. Er konnte sowieso nicht verstehen, weshalb sich diese Leute für eine Leiche so sehr begeisterten. Es war eine tote Person, was sollte daran interessant sein?
Der erste Schritt war, dass die Detektive zu Gilbert gingen. Das ging schnell, da man ihn kaum übersehen konnte mit seinen weißen Haaren die in der Menge hervortraten. Er blickte auf und erklärte ihnen kurz, was geschehen war. Sein Partner, Matthew, und er waren ihre gewöhnlichen Patrouillen gegangen als plötzlich ein lauter Knall ertönte, gefolgt von einem spitzen Schrei. Sie waren augenblicklich los gerannt und hatten die Frau dort liegen sehen. Gilbert hatte gleich den Krankenwagen und im Revier angerufen. Danach auch Antonio, da er vermutete das 'Seraph' hinter dem Angriff steckte. Er hatte auch versucht seine Position ausfindig zumachen, aber es war ihm nicht gelungen.

"Wurde die Leiche schon identifiziert?", fragte Antonio einen weiteren Polizisten während er das Opfer begutachtete.
Es war eine junge Frau mit langen, blonden Haaren. Sie war relativ blass im Gegensatz zu den anderen Opfern, die er normalerweise sah. Sie lag auf dem Bauch, also hatte der Täter ihr vermutlich in den Hinterkopf geschossen. Am Boden lag ein Kreuz, anscheinend eine Art Haarklammer, welche sich gelöst hatte als sie gefallen war. An ihrem rechten Ringfinger steckte ein Ring, der ihn praktisch anzog. Erneut zog er sich ein - neues - Paar seiner Handschuhe an und kam näher.  Sacht nahm er die Hand der Dame, betrachtete das Accessoire genauer und stellte fest, dass ein Schildknoten darauf abgebildet war. Ein Schutzsymbol aus der nordischen Mythologie, wenn er sich richtig erinnerte. Ludwig tauchte hinter ihm auf, blickte über seine Schulter. "Hast du etwas gefunden?", fragte er und versuchte dabei nicht neugierig zu klingen. Zögerlich schüttelte der Spanier seinen Kopf. "Ich glaube nicht, dass es von Bedeutung ist. Nur ein simples Symbol. Vermutlich glaubte sie an die germanischen Götter." Der Deutsche gab einen undefinierbaren Laut von sich, drehte sich dann um und untersuchte den restlichen Tatort. Antonio wusste nicht was, doch irgendetwas kam ihm merkwürdig vor. Sanft legte er die Hand der Frau zurück und richtete sich langsam auf. Er verdrängte das Gefühl für den Moment und half stattdessen seinem Partner bei der Suche nach Hinweisen. Zu seinem Bedauern fanden sie allerdings auch hier nichts und bevor sie weitere Maßnahmen einleiten konnten, hörten sie eine männliche Stimme hinter ihnen rufen: "Lag mig igennem! Lucia!!"

Antonio wechselte einen Blick mit Ludwig, verzog den Mund und betrachtete dann den Fremden. Es war ein blonder Mann, dessen Haare nach oben gestylt waren. Er schien in seinem Alter zu sein.
Verzweifelt versuchte er an den Wachposten vorbei zukommen. Diese machten seine Arbeit ausgezeichnet und ließen ihn deshalb nicht durch, weshalb er nur noch mehr fluchte.
Der Spanier wusste nicht, welche Sprache er sprach und verstand dementsprechend nicht, was er sagte. Doch er war sich sicher, dass der Ausländer in irgendeiner Verbindung zu der Frau zu stehen schien. Noch einmal blickte er zum Deutschen, der ein kleines Nicken zurückgab. Sie hatten vermutlich das Selbe gedacht.
Er kam näher, befahl den Wachmännern ihn durchzulassen. Der Blonde schien für einen Augenblick sehr dankbar, dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder besorgt, wenn nicht sogar verzweifelt.
"Hvor er min kone? Hvordan er hun? Er alt i orden?", fing der Fremde erneut an zu reden. Antonio zog die Augenbrauen zusammen.
"Ich verstehe sie nicht", teilte er dem Anderen mit. Nun war dieser derjenige, der ihn irritiert ansah. Großartig, wahrscheinlich sprach er diese Sprache nicht. Heute war nicht sein Tag..
Glücklicherweise fiel ihm schnell eine Lösung auf das Problem ein: "English? Can you speak English?"
Der Fremde nickte. "What's your name?" - "Mathias.. Mathias Køhler. Where is my wife? Is everything alright?"
"I'm really sorry, Mr. Køhler, but your wife..", er wurde von den Rufen Felicianos unterbrochen: "PULS. Ich spüre einen leichten Puls! Wir brauchen einen Krankenwagen, sofort!!"

Die beiden Detektive warfen sich einen vielsagenden Blick zu, dann drehte sich Ludwig weg und holte den Notarzt.

Wann hatte der Italiener geschafft hierher zu gelangen?
Und wieso war er der einzige Polizist aus seiner Einheit?

Er würde ihnen später wohl einiges erklären müssen.

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩


Drei Stunden später saßen Antonio und Ludwig im örtlichen Krankenhaus und warteten auf den Befund der Ärzte. Gleichzeitig versuchten sie dabei den aufgebrachten Dänen zu beruhigen. Er hatte ihnen einige wichtigen Daten über die Frau nennen können. (Logischerweise, immerhin war es seine Ehefrau.)
Ihr Name ist Lucia Køhler, geboren Bondevik.
Sie stammt aus Norwegen, lebt allerdings seit mehreren Jahren mit ihrem Mann, Mathias, in Dänemark. Die Beiden sind hierher gereist um gute Freunde zu besuchen und der Taufe des Kindes beizuwohnen.
Während der Mann ihnen diese Fakten erzählte, machte sich in Antonio ein immer größer werdender Gedanke breit: Irgendetwas stimmt nicht.
Natürlich glaubte er dem Blonden, da er auch zahlreiche Beweise hatte wie z. B. die Flugtickets oder die Einladung zur Taufe. Auch der Ausweis, der im Portmonnaie der jungen Frau gefunden wurde, sprach eindeutig für die Glaubwürdigkeit der Geschichte. Also was störte ihn so sehr an der Sache?
Er richtete sich auf und lief auf und ab, so konnte er sich besser konzentrieren, auch wenn es Ludwig nervte.

Plötzlich machte es im Gehirn des Älteren 'Klick'. Natürlich, er hätte es schon viel früher sehen müssen.
Diese Frau hatte absolut nichts mit den anderen Opfern zutun. Keine Gemeinsamkeiten, keinerlei Verbindung zur Mafia. Wie konnte sie auch?
Wie kam es dann dazu, dass » Seraph « sie töten wollte?
Ein weiterer Gedanke kam ihm, der ihn zum stehen brachte. Er hatte es nicht geschafft, sein Ziel verfehlt. Sowas hatte er vorher nur ein einziges Mal erlebt. Es hätte ihm bereits früher einfallen müssen. Der Mafia-Killer war absolut skrupellos mit seinen Opfern, schien auch Gefallen den Morden zu haben, aber niemals legte er Hand an eine unschuldige Seele. Jedenfalls nicht mit Absicht. Das war ein Fakt, den sie mit Sicherheit wussten.
Das erste und letzte Mal hatte er versehentlich eine unschuldige, ältere Dame erwischt. Als Entschuldigung hatte er ihr Rosen zukommen lassen. Sie hatten leider nicht herausfinden können, woher er diese hatte, konnten dementsprechend seine Spur nicht zurückverfolgen, doch das war damals nicht ganz so wichtig gewesen wie dieses neu gewonnene Wissen, dass ein Mörder tatsächlich um Vergebung bat.

Vermutlich war es in diesem Fall wieder exakt das Selbe. Er hatte sein geplantes Ziel verfehlt und würde ihr Blumen zukommen lassen. Vielleicht konnten sie dieses Mal herausfinden, woher sie stammten. Ganz so viele Blumengeschäfte gab es nicht in der Stadt. Aber wenn diese Theorie stimmte, dann bedeutete es, dass das richtige Opfer noch immer lebte.
Antonio blickte zu Ludwig, der ihn verwirrt ansah. Ohne auf die Frage zu warten, erklärte er ihm seine Bedenken.
Es ergab Sinn.
"Du hast Recht", murmelte der Blonde erstaunt und dachte nach, "Aber wenn er tatsächlich verfehlt hat, weshalb hat er nicht noch einen Versuch gestartet?"

Der Mann, der in Spanien geboren wurde, überlegte einen Augenblick ehe er langsam anfing zu sprechen: "Vielleicht hat das richtige Opfer Verdacht geschöpft und ist geflüchtet? Oder er befürchtete seine Lokalisation Preis zugeben, wenn er eine weitere Kugel abfeuert. Erinnerst du dich daran, was Gilbert gesagt hatte? Es gab einen Schuss, dann einen Schrei und schon waren sie beim Opfer. Er muss gesehen haben, dass die Polizei Vorort ist und hat deshalb den Schwanz eingezogen."
"Es ergibt auf jeden Fall Sinn, aber wenn er das Opfer dieses Mal nicht erwischt hat, dann wird er es wieder versuchen", sagte Ludwig, "Also müssen wir herausfinden, wer die eigentliche Zielscheibe war und das möglichst schnell, denn er wird sicherlich nicht lange warten."
Antonio nickte und fügte murmelnd hinzu: "Es muss jemand sein, der in der Nähe von Fräulein Køhler stand."
Sein Partner dachte einen Augenblick nach.
"Vielleicht hat sie eine Idee, wer es sein könnte. Wir könnten warten bis sie aufwacht oder.."
"Es sind Kameras auf dem ganzen Kirchplatz verteilt. Wir können die Bänder anfordern!", kam dem Deutschen die Idee.

Sie nickten sich zu, entschuldigten sich dann bei Mathias, der die Beiden nur verwirrt beobachtet hatte, und machten sich augenblicklich auf den Weg. Vielleicht hatten sie endlich mal Glück. Vielleicht würden sie heute endlich ein Menschenleben retten können. Und falls das der Fall sein sollte, dann konnten Francis und Gilbert sich auf etwas gefasst machen. Dann würde er gleich feiern gehen. Mit seinen besten Freunden, seinem Partner und natürlich auch dem süßen Barmann Lovino aus der » Teufelshöhle «.

✩ ✩ ✩ Ende - Kapitel 1 ✩ ✩ ✩

- Übersetzung -

[Spanisch]
"Buenos días" - "Guten Morgen"
"Sí" - "Ja"

[Italienisch]
"Per mio fratello." - "Für meinen Bruder"

[Dänisch]
"Lad mig igennem!" - Lass mich durch!
"Hvor er min kone?" - Wo ist meine Frau?
"Hvordan er hun?" - "Wie geht es ihr?"
"Er alt i orden?" - "Ist alles in Ordnung?"

[Englisch]
"Can you speak english?" - "Kannst du auf Englisch sprechen?" / Können Sie Englisch sprechen?"
"What's your name?" - "Wie ist dein / Ihr Name?"
"Where is my wife?" - "Wo ist meine (Ehe)-Frau?"
"Is everything okey?" - "Ist alles okey?"
"I'm really sorry, Mr. Køhler but your wife.." - "Es tut mir wirklich leid, Herr Køhler, aber Ihre (Ehe)-Frau.."

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩

Überarbeitet: 07'17

✩ ✩ ✩ ✩ ✩ ✩

Spoiler:

Ein kleiner Comic, den ich vor ungefähr einer Woche gesehen habe, inspirierte mich zu dieser Geschichte. Leider finde ich dieses verdammte Bild nirgends mehr. (Es ist wirklich zum verzweifeln. Ich suche seit circa 2 Tagen immer wieder danach und ich finde es einfach nicht. Egal welche Schlagwörter ich eingebe, es kommt nichts raus.)
Es war ungefähr wie folgend aufgebaut:
Im ersten Bild war Antonio zusehen, der als Detektiv dargestellt wurde. Er sah nachdenklich oder verzweifelt aus. (Ich kann mich nicht mehr sehr gut daran erinnern.)
Im zweiten Bild war Feliciano, wie er jemanden anlächelte. Dieser jemand war in einer Menschenmenge verborgen und im dritten Bild sah man, wer es war.
Im dritten Bild war dann Fem!Romano zusehen, wie sie zurücklächelte.
Im letzten Bild war dann Ludwig abgebildet, der das Ganze beobachtet hatte und nun Feliciano misstrauisch musterte.

Dazu habe ich eine Geschichte, aber ich weiß nicht mehr ob es Teil des Bildes war oder ob ich das einfach dazu geträumt habe. Na ja, und da ich sowieso schon ziemlich lange eine Spamano-Geschichte schreiben wollte, die irgendetwas mit der Mafia zutun hat.. hab ich mir gedacht: Warum nicht?
Sollte ich das Bild jemals irgendwie wieder finden, dann werde ich es auf jeden Fall auf meinem Profil verlinken.

Ich versuche den nächsten Teil morgen (spätestens Ende dieser Woche) zu schreiben. Eine gewisse Vorstellung, wie es weiter geht, habe ich bereits, aber ich verrate natürlich nichts.
Übrigens kann es sehr gut möglich sein, dass einige Sachen unrealistisch sind. Ich bemühe mich, die Dinge realistisch zu gestalten, aber ich bin auch nur ein Mensch, deshalb hoffe ich, dass ihr drüber hinweg sehen könnt.

Ah, ja. Wie immer bitte ich euch um eure Mithilfe. Solltet ihr einen Rechtschreib- oder Grammatik-Fehler finden wäre ich sehr, sehr dankbar, wenn ihr mir das sagen könntet. Ich würde es so schnell wie möglich verbessern, weil ich sowas nicht wirklich mag, allerdings keinen Beta-Leser für die Story's habe. Genau das Selbe gilbt für die Fremdsprachen. Bitte scheut euch nicht davor mich zu verbessern. Auch über Kritik (egal ob negativ oder positiv) und Verbesserungsvorschläge wäre ich sehr dankbar. (:

Ansonsten bis zum nächsten Kapitel~
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