Mitten ins Herz

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
19.03.2017
19.03.2017
9
137568
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Brennende Hitze hing über den Dächern der Stadt, als Phineas Flynn an diesem Nachmittag zusammen mit seinem Stiefbruder Ferb Fletcher die Straßen von Danville entlangradelte und mit jedem neuen Atemzug die frische, süßliche Sommerluft, die ihm von einer federleichten Brise entgegengeweht wurde, ganz tief in sich aufsog.
Wolkenlos blau erstreckte sich der Himmel über ihnen und golden schimmerte die Sonne auf dem Asphalt, während sie in gleichmäßigem Tempo darüber hinwegpreschten, um möglichst schnell das Stadtzentrum zu erreichen und sich im alltäglichen, kunterbunten Trubel der Danville Mall ihre lang ersehnte, wohlverdiente Abkühlung zu holen.
Schon seit Jahren kamen sie jeden Samstag dorthin und vertrieben sich die Zeit bei einem gemeinsamen Eiskaffee, beim Schlendern durch die unterschiedlichsten Drogerien und Geschäfte oder auch bei einem unterhaltsamen Film im städtischen Kino. Hin und wieder statteten sie auch ihrer Schwester Candace, die jedes Wochenende in der örtlichen Boutique jobbte, einen Spontanbesuch ab und erkundigten sich nach dem neuesten Klatsch und Tratsch, der unter den Leuten gerade die Runde machte.
Über all die Zeit hinweg, die Phineas mittlerweile regelmäßig mit Ferb hierherkam, hatte die Mall sich quasi zu einer zweiten Heimat für ihn entwickelt und war, sowohl für die Flucht aus dem typischen Alltagstrott, als auch für sein ganz persönliches Seelenwohl, nahezu unverzichtbar geworden.
Dieser Überzeugung, an die er selbst seit nunmehr zwei Jahren ganz fest glaubte, lagen diverse Dinge zugrunde, die ihm bereits beim bloßen Gedanken daran das Herz aufgehen ließen und ihm ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Allen voran stand jedoch eine Sehnsucht, die ihn nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit verfolgte, sich jedoch bis zum heutigen Tag noch nicht gelegt hatte. Eine Sehnsucht, die manchmal so stark und unerbittlich sein konnte, dass er das Gefühl bekam, mit Leib und Seele in ihr gefangen zu sein.
Es war eine Sehnsucht, die mit absoluter Sicherheit jeden Jungen in seinem Alter hier und da mal überwältigte, die sich einfach ganz unbemerkt heranschlich und einen mit ihrer unnachgiebigen Art verrückt machen konnte.
Dieses Gefühl, voll und ganz von ihr ergriffen zu werden, in ihren Fesseln zu liegen und wehrlos gegen sie zu sein, kannte Phineas nur allzu gut. Denn auch wenn er nun schon zwei Jahre lang auf der Suche war, sich bereits seit zwei Jahren ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und nach allen Richtungen umgesehen, alle verfügbaren Wege eingeschlagen und wieder verlassen hatte – der Wunsch, der sein Herz jede einzelne Nacht laut zum Klopfen brachte, war noch immer nicht in Erfüllung gegangen. Auch wenn er schon oft mit seiner Familie und seinen Freunden die Zeit zerredet und sich selbst nach dem Sinn seiner Sehnsucht gefragt hatte, war er trotzdem bis heute zu keinem vernünftigen, geschweige denn brauchbaren Ergebnis gekommen.
Egal, wie sehr er sich auch bemühte und wie verbissen er seine Suche in alle möglichen Richtungen ausweitete – das Resultat daraus war schlicht und ergreifend immer dasselbe, nämlich keines. Und auch wenn er sich schon mindestens eine Million Mal fest vorgenommen hatte, seine Spekulationen zu diesem Thema komplett abzustellen und die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie kamen – jeden Samstag, wenn er zusammen mit Ferb in die Mall radelte, kehrten sie unweigerlich wieder in seinen Kopf zurück.
Phineas wusste ganz genau, dass auch der heutige Tag keine Ausnahme von dieser Regel bilden würde. Er wusste, dass er heute sein Glück ein weiteres Mal probieren, mit den Augen eines Adlers Ausschau halten, jeden einzelnen Jungen, der ihm begegnete, genaustens unter die Lupe nehmen und dabei stillschweigend hoffen würde, dass unter den tausend Menschen, die sich im Einkaufszentrum tummelten, endlich sein Glücksritter mit dabei war.
Gedankenversunken stieß er einen leisen Seufzer aus, den Himmel über ihm still darum bittend, seine Gebete endlich zu erhören und ihm den Engel zu schicken, auf den er jetzt schon so lange Zeit warten musste. Ferb, der nach wie vor ganz dicht neben ihm radelte, bekam diesen stummen Akt seines Stiefbruders natürlich mehr als deutlich mit und legte ein unbeholfenes Schmunzeln auf sein Gesicht.
Der Grünhaarige wusste ganz genau, welche Überlegungen Phineas in diesem Augenblick durch den Kopf gingen und worum sich seine Gedanken seit heute Morgen drehten. Er wusste, wie sehr er sich einen Freund wünschte, wie stark seine Sehnsucht nach einer echten, festen Beziehung war. Er kannte die Hoffnung, die ihn jeden Samstag aufs Neue in die Mall trieb. Die leise Hoffnung darauf, endlich jemanden kennenzulernen, mit dem er sich mehr vorstellen konnte als nur die übliche Freundschaftskiste. Sich endlich Hals über Kopf zu verlieben und das berühmte Gefühl der Schwerelosigkeit am eigenen Leib zu erfahren. Romeo suchte ganz verzweifelt nach seinem Julian.
Als das Einkaufszentrum in Sicht kam, ließ Ferb seinem Stiefbruder schließlich ein durch und durch optimistisches Lächeln zukommen und holte ihn damit aus seinen Tagträumen zurück in die Realität. „Alles klar, Phin?“, fragte er dann, wenngleich er die Antwort auf diese Frage bereits mehr als deutlich kannte. „Mmh“, murmelte Phineas leise und schüttelte kurz den Kopf, bevor er Ferb einen Blick zuwarf und versuchte, sein Lächeln zu erwidern. „Ja. Ja, klar, Ferb. Ich... ich hab nur kurz über was nachgedacht“.
„So?“, wollte dieser darauf wissen und tat so, als wäre er gespannt. „Worüber denn?“. „Ach... nichts Wichtiges“, antwortete er schnell, um seine Gedanken nicht näher bestimmen zu müssen, obgleich ihm klar war, dass Ferb ohnehin Bescheid wusste, worum sie sich drehten. Abrupt hielt Ferb an, als Phineas diese Worte gesagt hatte, und stieg im Anschluss daran von seinem Rad ab.
Lächelnd bedeutete er Phineas mit einer kurzen Geste, dasselbe zu tun und ihm einen kurzen Moment seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu widmen. Mit einem Seufzer kam der Rothaarige schließlich dieser Bitte nach und stieg ebenfalls ab, während Ferb ihm aufmunternd zuschmunzelte. „Mach dir nicht immer so einen Kopf darum“, erklärte er ihm und streichelte ganz fürsorglich über seine Hand. „Glaub mir, Phin: Eines Tages wirst auch du deinen Deckel finden“.
Phineas rollte kurz mit den Augen, da er diese abgedroschene Floskel mittlerweile im Schlaf aufsagen konnte und stieß ein weiteres Seufzen aus, weil er ganz tief in sich natürlich wusste, dass Ferb irgendwie auch Recht hatte. Vielleicht steigerte er sich ja wirklich zu sehr in die ganze Sache hinein. Vielleicht beharrte er ja wirklich so verbissen darauf, jemanden zu finden, dass er für alles andere um sich herum absolut blind war. Vielleicht würde es ihm ja guttun, seine Gedanken einfach mal Gedanken sein zu lassen und sich auf die schönen Dinge zu freuen, die dieser Tag noch für ihn bereithalten würde.
„Ja“, erklärte er seinem Stiefbruder schließlich und setzte ein Lächeln auf. „Ja, Ferb, du hast ja Recht. Womöglich denke ich wirklich zu viel darüber nach“. „Eben“, erwiderte dieser und legte ihm seine Hand auf die Schulter. „Eben das ist es, Phin. Du denkst viel zu viel nach. Warte doch einfach mal ab und lass die Dinge auf dich zukommen. Denn wer weiß? Wenn du deinen Traumprinzen nicht findest, findet dein Traumprinz ja vielleicht dich“.
„Ja, meinst du?“, erkundigte sich Phineas möglichst zuversichtlich, woraufhin Ferb sein Lächeln erwiderte und dann zurück auf sein Rad stieg. „Bestimmt, Bruderherz“, versicherte er ihm ganz deutlich und zwinkerte. „Eines Tages ganz bestimmt“. „Wenn du das sagst“, entgegnete Phineas schulterzuckend und schwang sich dann ebenfalls zurück auf seinen Sattel. „Dann wird schon was Wahres dran sein“.

„Cosmo, kannst du mir erklären, wo zum Teufel wir hier sind?“, wollte Timmy Turner von seinem grünhaarigen Zauberpaten wissen, während er mit seinem Blick die Umgebung erkundete und seinen Kopf nach allen Seiten hin- und herwandte. „Was hast du denn dieses Mal schon wieder mit uns angestellt?“. „Gar nichts, Timmy“, erklärte ihm die Elfe und nahm rasch seine menschliche Gestalt an, um in der breiten Masse an Leuten, die sich um sie beide herum tummelten, nicht aufzufallen. „Ich hab nur deinen Wunsch erfüllt. Schließlich hast du dich ja in die größte Einkaufsmetropole der Welt gewünscht, oder nicht?“.
„Doch“, gab Timmy ihm Recht und stieß einen Seufzer aus, versuchte, sich irgendwie an irgendetwas zu orientieren. Aber egal, wohin sein Blick auch fiel, alles um ihn herum war ihm vollkommen fremd und neu. Dass dies nicht mehr sein Heimatort Dimmsdale war, lag mehr als nur eindeutig auf der Hand. Cosmo hatte ihn mal wieder in eine andere Stadt, womöglich sogar in ein anderes Land verfrachtet.
„Wo sind wir?“, fragte er seinen Zauberpaten schließlich noch einmal und fixierte sich dabei wie gebannt auf all die Menschen, die geschäftig an ihnen vorbeistürmten, einige lachend, andere tratschend und wiederum andere mit völlig ausdrucksloser Miene. „Ähm...“, antwortete Cosmo ihm und schloss seine Augen, um sich besser konzentrieren zu können. „Warte, wie heißt diese Stadt noch gleich? Äh... Danburgh... nein, nein... mmh... Danville“.
„Danville“, wiederholte Timmy für sich selbst und drehte sich einmal im Kreis herum, um die gesamte Szene überblicken zu können. „Noch nie was davon gehört“. „Ich auch nicht“, musste Cosmo zugeben und zuckte kurz mit den Schultern, um seine Aussage demonstrativ zu unterstreichen. „Aber das scheint ganz offensichtlich die Stadt mit der größten Einkaufsmetropole der Welt zu sein. Sonst wären wir nämlich nicht hier gelandet“.
„Was du nicht sagst“, entgegnete Timmy sarkastisch und musste grinsen, wieder einmal amüsiert über Cosmos blitzschnelle Auffassungsgabe. Im Anschluss sah er ihn kurz an und machte ihm mit einem Wink verständlich, dass er vorhatte, sich ein bisschen in dem riesigen Gebäude umzuschauen. Wenn auch mit anfänglicher Unsicherheit, kam die Elfe schließlich der Aufforderung des Jungen nach und folgte ihm, als dieser damit begann, an den zahlreichen Geschäften vorbeizuschlendern.
„Wahnsinn“, stieß er dabei immer wieder hervor und presste seinen Körper neugierig gegen jedes einzelne Schaufenster, das ihren Weg durch die Masse kreuzte. „Echt Wahnsinn. Hier kriegt man ja so gut wie alles. Ich glaub's nicht“. Hellauf begeistert, fing er an zu laufen, sodass die grünhaarige Elfe Mühe damit hatte, einigermaßen mit ihm Schritt zu halten. „Timmy...“, rief Cosmo ihm zu, bereits nach kurzer Zeit außer Atem, und bedeutete dem Jungen, einen Moment lang stehenzubleiben. „Wonach... wonach suchen wir denn eigentlich?“.
„Das weiß ich auch noch nicht“, informierte der Braunhaarige ihn und grinste breit. „Aber ich denke, wir werden schon was finden. Komm“. Eilig nahm er ihn an die Hand und begann wieder zu rennen, zog dabei, wenn auch nicht in bewusster Absicht, ein paar verwunderte Blicke von Passanten auf sich. Sie kamen an diversen Boutiquen und einem Möbelgeschäft vorbei, ließen ziemlich rasch auch ein paar Friseure, Musikläden und Cafés hinter sich, bis Timmy schließlich vor einem Sportartikelgeschäft mit dem kurzen und einprägsamen Namen 'Goal Store' Halt machte.
„Da müssen wir rein, Cosmo!“, informierte er seine Elfe total aufgeregt und grinste. „Ich brauch nämlich ganz dringend ne neue Tennisausrüstung, seit Sparky meine alte zu Schrott verarbeitet hat“. „Ja, aber Timmy...“, wollte Cosmo sich zur Wehr setzen, gab jedoch ziemlich schnell seinen Widerstand auf, als er registrierte, dass der braunhaarige Junge Feuer und Flamme war. Um nichts in der Welt ließ er sich jetzt bremsen, das war ihm ganz eindeutig klar. Welchen Sinn konnte es da schon haben, sich gegen ihn aufzulehnen? Mit einem Seufzen ließ Cosmo sich schließlich von Timmy in den Laden schleifen und wusste dabei sehr genau, dass dies mit Sicherheit nicht die letzte Station auf ihrer Erkundungstour durch Danville bleiben würde.

„Achtunddreißig Dollar fünfundneunzig, bitte“, sagte Candace wie immer in freundlichstem Tonfall, die gerade eine Kundin fortgeschritteneren Alters bediente und ihr ein kleines Täschchen mit ihren Einkäufen überreichte. „So, vielen Dank“, fügte sie lächelnd hinzu und packte ihr neben dem Kassenbeleg noch ein kleines Geschenk des Hauses mit in die Tüte. „Noch einen angenehmen Tag wünsche ich. Und beehren Sie uns bald wieder“.
Phineas und Ferb hatten in der Zwischenzeit damit begonnen, sich ein bisschen im Laden umzusehen und sich ein Bild von dem neuen Sortiment zu machen, das seit ihrem letzten Besuch hier eingetroffen war. „Entschuldigt, Jungs“, meinte Candace und zuckte kurz die Schultern, während sie Phineas dabei beobachtete, wie er eine Kleiderstange voll Herrenjeans durchwühlte. Ferbs Interesse dagegen galt einem Regalfach ordentlich zusammengefalteter Hemden, sowie einem Stapel verschiedenfarbiger Sweatshirts. Vorsichtig wühlte er beides mehrfach durch, musste dann allerdings ziemlich rasch feststellen, dass sein Stil unter diesen Kleidungsstücken nicht vertreten war.
„Kein Problem“, sagte Phineas unterdessen zu Candace und lächelte ihr zu, während er sich zwei Herrenjeans aus dem Schwung herauspickte und sie sich vor die Hüften hielt. „Zu lang“, musste er feststellen und lachte, bevor er sie wieder zurück an ihren Platz hängte und zu seiner Schwester hinüber an die Kasse ging. Sie zuckte daraufhin nur mit den Schultern, während auch Ferb von seinem Vorhaben abließ und sich ebenfalls zu den beiden gesellte.
„Wart ihr schon in eurem Stammcafé?“, erkundigte Candace sich interessiert und überflog währenddessen kurz die Liste mit den Bestellungen, die sie entweder per Telefon oder E-Mail erhalten hatte. „Noch nicht“, erklärte ihr Bruder und warf Ferb ein Grinsen zu. „Wir wollten erst einmal bei dir reinschauen und fragen, was es Neues gibt“. „Nicht viel“, antwortete sie und nahm rasch einen Stift zur Hand. „Stacy war vorhin kurz da und hat sich ein neues Oberteil gegönnt. Madame trägt neuerdings gern Knallorange müsst ihr wissen. Ihr Freund scheint darauf wohl ziemlich abzufahren“.
„Ihr Freund“, wiederholte Phineas mit einem leisen Seufzen, da ihm bei diesem Wort unweigerlich die Gedanken an sein eigenes, nicht vorhandenes Liebesglück in den Sinn kamen, wenngleich er sich fest vorgenommen hatte, Ferbs Ratschlag zu befolgen und nicht mehr darüber zu spekulieren. „Oh, entschuldige“, erwiderte Candace und räusperte sich kurz, da auch ihr dieses Thema bestens vertraut war. „Das hätte ich jetzt vermutlich nicht sagen sollen, stimmt's?“.
„Nein... nein, schon okay“, entgegnete Phineas und versuchte, ein bisschen zu schmunzeln. „Alles okay, wirklich. Ferb und ich haben vorhin auf dem Weg hierher noch einmal ganz in Ruhe darüber gesprochen und mir ist klargeworden, dass ich mich nicht so stark in die ganze Angelegenheit hineinsteigern darf. Ich muss einfach nur ein bisschen Geduld haben und abwarten. Irgendwann werd auch ich noch den Richtigen finden. Ist doch so, Ferb, oder?“.
„Ganz bestimmt“, versicherte ihm sein Stiefbruder noch einmal und legte ihm lächelnd die Hand auf die Schulter. „Ganz bestimmt wirst du das. Wie pflege ich doch immer so schön zu sagen? Jeder Topf hat...“. „...einen Deckel“, beendete Phineas seinen Spruch und lachte, woraufhin auch Candace ein Schmunzeln über die Lippen huschte. „Das ist die richtige Einstellung, Bruderherz“, erklärte sie ihm und griff im Anschluss daran über den Kassentresen hinweg nach seiner Hand.
„Ja, find ich auch“, gab er ihr Recht und nickte kurz zur Bestätigung. „Ich hab mich jetzt schon viel zu lange Zeit damit verrückt gemacht, dass scheinbar alle in festen Beziehungen sind, bis auf mich. Deswegen werde ich die Sache ab heute ganz entspannt angehen und einfach mal abwarten. Irgendwann muss ja schließlich auch mal mein Traumprinz vorbeihuschen. Und glaubt mir, wenn es so weit ist, dann werde ich ihn niemals wieder in meinem ganzen Leben gehen lassen“.
„So ist es gut, Phin“, bestärkte Ferb seinen Stiefbruder und fuhr mit den Fingerspitzen durch seinen roten Haarschopf. „Immer positiv denken und ja nicht aufgeben. Du wirst schon sehen – irgendwann, da bist du so was von bis über beide Ohren verknallt, dass du es gar nicht glauben können wirst. Und wer weiß – vielleicht ist es ja viel schneller so weit als du denkst“.

Nachdem Timmy und Cosmo insgesamt acht verschiedene Geschäfte abgeklappert hatten und der braunhaarige Junge schließlich mit seinem breitgefächerten Repertoire an Souvenirs und Geschenken zufrieden war, welches sich – trotz der vielfältigen Auswahl – aufgrund mangelndem Budgets relativ klein hielt, entschlossen die beiden sich dazu, in einem der zahlreichen Cafés eine kleine Pause einzulegen, ehe sie ihren Bummel noch eine Weile fortsetzen würden.
'Coffee Break' verkündete die dunkelgrüne Leuchtschrift über der Tür, deren Buchstaben man ihr Alter überdeutlich ansehen konnte. Vermutlich handelte es sich hierbei um einen dieser Schuppen, der bereits seit Anbeginn der Zeit existierte und daher seinem Beinamen 'Break' mit Sicherheit alle Ehre machte. Für einen kurzen Moment spielte Timmy mit der Idee, sich einen anderen Coffeeshop zu suchen, überlegte es sich dann allerdings wieder anders und betrat, dicht gefolgt von Cosmo, schließlich den Laden.
Entgegen seiner Erwartung fand er allerdings ein stilvoll eingerichtetes Kaffeehaus vor, das keineswegs den Eindruck erweckte als würde es jeden Augenblick vom Zerfall heimgesucht werden. Ganz im Gegenteil: Das kleine Geschäft, welches, wie der riesengroßen Bestellkarte unschwer zu entnehmen war, neben diversen heißen und kalten Getränkesorten auch ein paar einfachere Snacks im Angebot hatte, musste der Renner der Stadt sein, wenn man sich vor Augen führte, wie viele Menschen sich aktuell hier aufhielten. Nur noch wenige Plätze waren frei und Timmy hatte wahrlich Mühe damit, sich an den unzählig vielen Menschen vorbeizukämpfen, die sich rundum den Bestelltresen scharten und möglichst rasch ihre Bestellung loszuwerden versuchten.
Cosmo blieb dabei immer dicht hinter ihm und fasste ihn schließlich an die Hand, aus Angst, ihn in dem ganzen Trubel aus den Augen zu verlieren. Wenngleich er nicht sonderlich begeistert davon war, leistete der braunhaarige Junge keinerlei Widerstand gegen diese Geste und war, wenn er sich selbst gegenüber mit offenen Karten spielte, insgeheim sogar froh, seine Elfe so nah bei sich zu spüren. Zwar hatte er nicht die geringste Ahnung, woran es lag, aber größere Menschenansammlungen wie diese hatten ihn schon immer ein bisschen nervös gemacht.
Umso erleichterter war er, als er nach einigem Drängeln und Huschen schließlich einen freien Tisch am hinteren Ende des Cafés erreichte und sich direkt gegenüber Cosmo auf die Sitzbank fallen ließ. „Voll hier“, kommentierte sein Zauberpate das Gedränge im Lokal, was Timmy unweigerlich dazu veranlasste, sanft zu schmunzeln. Er erwiderte jedoch nichts darauf, schenkte dem Grünhaarigen nur ein Lächeln und nahm dann rasch die Angebotskarte im Kleinformat zur Hand, die vor ihm auf dem Tischchen lag.
„Für mich nichts, Timmy“, erklärte Cosmo, während er die Beine übereinanderschlug und einen Blick aus dem Fenster neben ihm warf. „Ach komm“, entgegnete der Junge und lächelte ihn freundlich an. „Irgendetwas wird doch für dich dabei sein, oder? Jetzt komm schon, Cosmo. Ich lad dich auch ein, okay?“. „Echt?“, wollte dieser überrascht wissen und erwiderte schnell sein Lächeln.
„Klar“, stimmte Timmy ihm mit einem Nicken zu. „Dafür, dass du mich hierhergebracht hast, hast du dir das wirklich mehr als verdient“. „Lass es bitte nur Wanda nicht mitkriegen“, antwortete Cosmo und schluckte. „Wenn sie jemals herausfindet, dass ich dich wieder mal in der Welt herumgezaubert habe, dann hackt sie mir garantiert den Kopf ab“. Timmy konnte nicht anders als heftig zu lachen, während er sich diese Szene bildlich vor Augen führte.
Nachdem er sich wieder ein bisschen gefangen hatte, nahm er schließlich Cosmos Hand, schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Ich sag nichts“, erklärte er ihm verständnisvoll und schob ihm mit einer gekonnten Bewegung seiner anderen Hand die Karte zu. „Ehrenwort, Cosmo. Ich halte hundertprozentig dicht. Versprochen“.

Es war bereits später am Nachmittag, als Phineas und Ferb sich auf den Weg zu ihrem Stammcafé machten, nachdem sie sich in den vergangenen zwei Stunden ausgiebig mit Candace unterhalten und ihr darüber hinaus ein bisschen im Laden geholfen hatten. Noch immer herrschte Trubel ringsherum, der, wie die beiden Stiefbrüder aus eigener Erfahrung nur allzu genau wussten, so schnell auch kein Ende finden würde. Viel zu beliebt war dafür die Einkaufsmetropole in Danville, viel zu angesehen ihr Status bis über die Grenzen des Landes hinaus.
Menschen aus aller Welt kamen hierher, nur um ein einziges Mal in ihrem Leben einen heißbegehrten Blick auf die unzählig vielen Läden, Bars und Cafés werfen zu können und einige Souvenirs für zu Hause mitgehen zu lassen. Leute aller Altersklassen tummelten sich von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein über die Straßen und ließen sich dabei keines der zahlreichen Schnäppchen entgehen, die man in so manchem Geschäft ausfindig machen konnte.
Auch für Phineas und Ferb war ihr samstäglicher Ausflug hierher jedes Mal aufs Neue ein einzigartiges Erlebnis – daran änderten auch die vielen Jahre, die sie dieses Ritual bereits durchführten, nichts. Das lag zum Großteil allerdings daran, dass kein Samstag so war wie der andere. Jede Woche aufs Neue ließ sich trotz aller Gewohnheiten die ein oder andere Attraktion entdecken, die man bis dato noch überhaupt nicht zu Gesicht bekommen hatte.
Dies war besonders dann der Fall, wenn sich ausnahmsweise mal ein Prominenter hierher verirrte, was sich so ungefähr zwei- bis dreimal pro Jahr beobachten ließ. Wenn man dann noch ganz viel Glück hatte und es einem gelang, sich durch die ohnehin schon breiten Menschenansammlungen zu kämpfen, konnte es vorkommen, dass man direkt hinter so einem Promi an der Kasse stand. Um das zu schaffen brauchte man allerdings wirklich eine Menge Glück, viel Geduld und vor allen Dingen Nerven aus Stahl.
Phineas wusste genau, dass er über alle drei dieser Eigenschaften ausreichend verfügte, doch trotzdem hatte er bis heute nicht ein einziges Mal mit der Idee gespielt, sich vor den zahlreichen Shops auf die Lauer zu legen und auf ein einzigartiges Phänomen dieser Art zu warten. Dafür war ihm seine Zeit eindeutig viel zu kostbar. Niemals, sagte er sich, würde er sich wegen einer prominenten Person derart verrückt machen lassen und tagein, tagaus die Metropole beobachten, nur um zu sehen, was sich tat.
Ihm reichte es schon mehr als aus, einmal pro Woche hier vorbeizuschauen, ein bisschen zu bummeln, sich von Candace den neuesten Klatsch erzählen zu lassen und zum krönenden Abschluss zusammen mit Ferb in ihr Stammcafé zu gehen. Mehr, das wusste er genau, war für sein ganz persönliches Glück überhaupt nicht von Nöten. Nun gut, wenn er ganz ehrlich war, dann gab es da schon noch den einen Wunsch, der seine Welt rundum perfekt machen würde – aber wie Ferb und Candace ihm noch einmal sehr deutlich gemacht hatten, brauchte er dafür nur ein kleines bisschen Geduld. Irgendwann musste schließlich der eine kommen, in den er sich verliebte. Und dann, das versprach er sich selbst, ließ er sich durch nichts und niemanden mehr halten.
Glücklich mit dieser Überlegung, kehrte er schließlich zurück in die Wirklichkeit und schenkte Ferb, der ihm den Arm um die Schultern gelegt hatte, ein zufriedenes Lächeln. Der grünhaarige Junge erwiderte es, sagte allerdings nichts dazu, da er auch ganz ohne Worte ahnte, was Phineas in diesem Augenblick durch den Kopf ging. Er hatte schon immer ein gutes Gespür gehabt, immer schon das Talent, sich in seinen Stiefbruder hineinzuversetzen. Deswegen konnte er auch mit absoluter Sicherheit sagen, dass Phineas im Augenblick froh war. Sehr froh sogar.

Als die beiden wenige Momente später ihr Stammlokal, das 'Coffee Break', betraten, saßen Cosmo und Timmy noch immer auf ihren Plätzen in der hintersten Ecke und lachten ganz und gar unbeschwert über die Witze des jeweils anderen. Inzwischen hatte der braunhaarige Junge zwei Espressi und einen Eiskaffee getrunken, sowie einen der vielfältigen Snacks probiert und war vollends gut gelaunt. Cosmo hingegen hatte sich mit einem Cappuccino zufriedengegeben und konsequent abgelehnt, als Timmy ihm angeboten hatte, noch etwas für ihn zu bestellen. Seiner ausgelassenen Stimmung tat dies allerdings keinerlei Abbruch. Ganz im Gegenteil: Mehr und mehr hatte er das Gefühl, dass es absolut die richtige Entscheidung gewesen war, mit Timmy hierherzukommen und ihm dadurch einen seiner lang ersehnten Wünsche zu erfüllen.
Phineas und Ferb unterdessen, quetschten sich angestrengt an den vielen Gästen vorbei, die es vorzogen, ihren Feierabendkaffee im Stehen einzunehmen, anstatt sich auf einem der noch unbesetzten Tische niederzulassen. Mit viel Ausdauer gelang es ihnen schließlich, einen Platz in der hinteren Ecke zu ergattern, um sich in aller Seelenruhe der obligatorischen Bestellfrage widmen zu können.
Entspannt setzten sie sich einander gegenüber und Phineas stieß ein kurzes, erleichtertes Seufzen aus, mit dem er Ferb zum Schmunzeln brachte. „Du kannst ruhig schon einmal schauen, was du möchtest“, erklärte sein Stiefbruder ihm, bevor er sich rasch noch einmal erhob. „Ich muss mal ganz kurz wohin, ja? Bin sofort wieder bei dir. Such dir in der Zwischenzeit doch schon mal etwas aus. Und falls die Bedienung kommt, bestell einfach einmal Espresso für mich, ja?“. „Alles klar“, entgegnete Phineas und nickte ihm kurz zu, bevor er schließlich die Karte zur Hand nahm und damit begann, das breitgefächerte Angebot zu studieren.
Als er sich nach kurzem Überlegen entschieden hatte, klappte er sie zu und legte sie wieder beiseite, während er seinen Blick zunächst aus dem Fenster neben ihm, sowie im Anschluss daran einmal durch das gesamte Lokal gleiten ließ. Langsam musterte er die unzählig vielen Gesichter, die sich ringsum ihn erstreckten, bis seine Augen schließlich zu dem Tisch direkt gegenüber dem seinen schweiften und sich, ohne dass Phineas selbst es richtig wahrnahm, daran festklammerten.
Er blinzelte einmal ganz kurz, um sich zu vergewissern, dass dieser Augenblick tatsächlich Realität war und fixierte sich dann wie gebannt auf den Jungen mit den braunen Haaren, der so in etwa sein Alter haben musste und direkt gegenüber am Tisch saß. Der Junge mit den braunen Haaren und der pinkfarbenen Mütze, der sich angeregt mit seinem Gesprächspartner unterhielt und bei jedem glockenhellen Lachen seine schimmernden, diamantengleichen Zähne freilegte. Der Junge, der die strahlendsten und klarsten Augen besaß, die Phineas in seinem ganzen Leben gesehen hatte.
Ohne seinen Blick auch nur eine einzige Sekunde lang von ihm abzuwenden, fühlte der Rothaarige sein Herz brennen, fühle ganz deutlich den Blitz einschlagen, der seinen gesamten Körper unter Strom setzte, während der Junge am Tisch gegenüber seinen Kopf mit der Hand abstützte und seinen Gesprächspartner lässig anlächelte. Sich mit einer kurzen Bewegung die schokoladenbraune Mähne aus dem Gesicht strich und vermutlich über einen Witz kicherte.
Heftiges Herzklopfen überkam Phineas, während er ihn noch einmal musterte und dabei ganz genau spürte, dass das der Moment war, auf den er seit einer Ewigkeit vergeblich gewartet hatte. Das war der Augenblick, den seine Freunde ihm so oft beschrieben hatten und den nachzuvollziehen er bis heute nicht in der Lage gewesen war. Bei dem er stets geglaubt hatte, dass sie maßlos übertrieben, wenn sie sagten, man käme sich dabei vor wie unter Strom.
Doch jetzt, da er es am eigenen Leib spürte, wusste er, dass es keine Übertreibung gewesen war. Jetzt wusste er, dass es sich um nichts als die vollkommene Wahrheit handelte, die man ihm erzählt hatte. Er wusste, dass es das Märchen von der Liebe auf den ersten Blick wirklich gab. Denn er hatte sich verliebt. Er hatte sich ohne den geringsten Zweifel gerade verliebt. In den namenlosen Jungen vom Tisch gegenüber.
Als Ferb wenige Momente später zurückkam, starrte Phineas noch immer zu dem Braunhaarigen hinüber, der sich inzwischen lässig auf der Sitzbank zurückgelehnt und seine Arme vor der Brust verschränkt hatte. Die markante, pinke Kappe auf seinem Kopf war dadurch ein Stückchen zur Seite verrutscht und verlieh ihm, auch wenn er ganz bestimmt nichts davon wusste, in Phineas' Augen einen zusätzlichen, eleganten und darüber hinaus ziemlich sexy Touch.
„Phin?“. Die Stimme seines Stiefbruders drang zwar zu ihm durch, doch trotzdem war der rothaarige Junge nicht in der Lage, darauf zu reagieren. Stattdessen konnte er nichts weiter tun als den Unbekannten vom Tisch gegenüber zu mustern und stumm in sich hineinzulächeln, während er sich mit jedem einzelnen Wimpernschlag mehr in ihn verliebte. Phineas spürte genau, dass er sich das nicht nur einredete, sondern dass die Gefühle und vor allen Dingen die Schmetterlinge in seinem Bauch echt waren. Sie waren genauso echt wie die glasklaren Augen des Fremden, die so schimmernd hell leuchteten wie ein See, auf dem sich die glitzernden Strahlen des Sommersonnenlichts fingen.
Liebe auf den ersten Blick. Ein Schuss ganz tief ins Herz, gegen den man sich nicht einmal mit der stärksten Waffe zur Wehr setzen konnte. Ein verzauberter Moment, der die eigene, bis eben noch völlig heile Welt total aus dem Gleichgewicht brachte und auf den Kopf stellte. Phineas glaubte daran. Seit dieser Sekunde glaubte er unerschütterlich daran. Denn der Junge vom Tisch gegenüber war sein Prinz. Der Märchenprinz, auf den er so lange Zeit gewartet hatte. Das spürte er. Er spürte es einfach.
„Phin? Hey Phin“. Ferb versuchte es noch einmal, als er merkte, dass sein Stiefbruder allem Anschein nach völlig abwesend war, und rüttelte ganz sanft seine Schulter. Doch erst nach ein paar Momenten gelang es ihm, Phineas aus seinem tranceähnlichen Zustand zurück in die Wirklichkeit zu holen und zumindest ein Stück weit seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Phin, was ist los? Geht es dir nicht gut?“.
Ein überglückliches Grinsen zog sich über das Gesicht des Rothaarigen, während er Ferb ganz tief in die Augen sah und ein leises Lachen zurückhielt. „Doch“, erklärte er seinem Stiefbruder schließlich und spürte die Hitze, die nach wie vor durch seinen ganzen Körper rauschte. „Doch, alles gut. Mir ging's niemals besser“. Kaum hatte er diese Worte gesagt, überkam ihn das dringende Bedürfnis danach, sich einfach fallen zu lassen und sich davonzuträumen. Irgendwohin, weit fort von hier – an einen Ort, an dem es nur ihn und diesen Jungen gab. Diesen namenlosen, zum Anbeißen süßen Jungen mit der pinken Mütze.
„Phineas...“, drang Ferbs Stimme schließlich wieder in seine Gedanken ein und ließ ihn überrascht die Augen aufschlagen. „Phineas, was hast du? Was ist los mit dir?“. „Ich... ich glaub, ich hab... ich hab Schmetterlinge...“, wollte er erklären, brach jedoch mitten im Satz ab, als sein Blick noch einmal zu dem Fremden hinüberglitt und ihn einen langen Moment fixierte. Noch immer war er in seine Unterhaltung vertieft und hatte nicht das Geringste davon mitgekriegt, dass er für Phineas gerade zum Mittelpunkt seiner Welt geworden war.
„Schmetterlinge?“, erwiderte Ferb, zugegebenermaßen ziemlich verwundert über das eigenartige Verhalten seines Stiefbruders, und beugte sich tief zu ihm hinunter, versuchte, zumindest eine kleine Spur von Augenkontakt mit ihm zu bekommen. Doch das gestaltete sich weitaus schwieriger als gedacht, denn Phineas schien mit seinen Gedanken kilometerweit entfernt zu sein.
„Ja, Schmetterlinge“, bestätigte er schließlich tagträumend die Nachfrage seines Bruders und führte rasch eine Hand über seine Brust hinab. „Ganz viele Schmetterlinge. Hier. Tief hier drin“. Ferb begann zu begreifen, worauf der Rothaarige hinauswollte, und blickte ihn total erstaunt an. „Schmetterlinge im Bauch?“, fragte er dann schließlich, was Phineas durch ein mehrfaches Nicken bestätigte. „Ganz viele“, erklärte er ihm noch einmal, nach wie vor nicht in der Lage dazu, sich von seinen atemberaubenden Fantasien loszureißen. „Ganz viele Schmetterlinge“.
„Aber Phin...“, entgegnete Ferb daraufhin und schaute ihn noch verwirrter an als zuvor. „Das würde ja bedeuten, dass du dich verliebt hast“. Ein lang gezogenes, tiefes „Mhm“ war alles, was Phineas in diesem Augenblick antworten konnte, als er mit einer Kopfbewegung einmal kurz in Richtung Nachbartisch hinüberwies.
„Siehst du den Jungen da?“, wollte er von dem Grünhaarigen wissen, während sich das Lächeln auf seinen Lippen immer weiter ausdehnte. „Den Jungen da drüben am Fenster?“. Rasch drehte Ferb sich herum und folgte seinem Blick, wenngleich er sich noch immer nicht ganz sicher darüber war, ob Phineas tatsächlich ernst meinte, was er da sagte.
„Den mit der pinken Kappe?“, erkundigte er sich schließlich, woraufhin der Rothaarige noch einmal begann, so heftig er konnte zu nicken. „Genau der“, erklärte er mit vor Spannung zitternder Stimme und presste fest die Lippen zusammen, um nicht aus Versehen zu kichern. „Ganz genau der“.
„Und?“, erwiderte Ferb, während er kurz mit den Schultern zuckte. „Was ist mit ihm?“. „Das ist er“, antwortete sein Stiefbruder flüsternd und spürte, dass die Welle an Gefühlen, die seinen ganzen Körper durchströmte, ihn langsam aber sicher mit sich fortschwemmte. „Das ist der eine, auf den ich gewartet habe“. „Ja, aber Phineas...“, erhob Ferb Einspruch gegen dieses Argument und zog verwundert eine Augenbraue hoch. „Woher willst du das denn so genau wissen?“.
„Ich weiß es“, antwortete Phineas mit felsenfester Überzeugung und ließ sich von dem Beben seines Herzens, sowie dem starken Zittern seines gesamten Körpers bedenkenlos anstecken. „Glaub mir, Ferb. Ich weiß es einfach“.

„Jetzt komm schon, Cosmo, hab dich doch nicht so“, drängelte Timmy unterdessen seinen ihm gegenübersitzenden, grünhaarigen Zauberpaten und bekam natürlich von der heftigen Explosion, die seine Anwesenheit gerade bei dem Jungen am Tisch neben ihm ausgelöst hatte, nicht das geringste Bisschen mit.
„Also, ich... ich weiß nicht, Timmy“, äußerte Cosmo schließlich zum inzwischen fünften Mal seine Bedenken. „Ich bin nicht sicher, ob das wirklich so eine gute Idee ist“. „Komm schon“, wiederholte der Junge unnachgiebig und grinste die Elfe breit an. „Jetzt tu mir doch den kleinen Gefallen. Diese Stadt hier ist einfach der Wahnsinn. Viel zu groß, um sie innerhalb eines Tages vollständig erkunden zu können“.
„Ja, schon, Timmy, aber...“, wollte Cosmo erneut einwenden, unterbrach sich allerdings sehr schnell, als sein Patenkind einen glasigen, mitleiderregenden Blick, sowie einen Schmollmund aufsetzte. „Bitte, Cosmo“, wiederholte Timmy flehend und machte ein paar gekonnte Augenaufschläge, von denen er ganz genau wusste, dass sie hundertprozentig funktionieren würden. „Bitte, bitte, ja? Dieses Danville ist einfach der Hammer. Ich will nicht jetzt schon wieder nach Hause zurück, weil es noch so vieles gibt, was ich überhaupt noch nicht gesehen habe. Darum tu mir doch bitte den kleinen Gefallen. Lass uns die nächsten vier Wochen lang hier bleiben und uns die unzähligen Geschäfte in aller Ruhe ansehen. Unsere Heimreise läuft uns ja schließlich nicht weg“.
„Ich weiß nicht so recht, Timmy“, erklärte der Elfenjunge ein weiteres Mal und stieß ein unsicheres Seufzen aus. „Ich weiß nicht, ob es in deinem Alter so klug ist, einen ganzen Monat lang allein in einer völlig fremden Stadt zu verbringen“. „Cosmo, ich bin siebzehn“, protestierte Timmy heftig, dem diese Aussage alles andere als schmeichelte. „Und keine sieben mehr. Ich kann wirklich sehr gut auf mich selbst aufpassen, mach dir da mal keine Sorgen. Außerdem bin ich doch auch nicht ganz allein. Immerhin habe ich ja dich dabei, nicht wahr?“.
„Ja, schon“, stimmte Cosmo ihm schließlich nach einigem Zögern zu, weil ihm bereits zu diesem Zeitpunkt mehr als deutlich klar war, dass Timmy nicht lockerlassen würde, bis er nicht seinen Willen durchgesetzt hatte. „Trotzdem hab ich kein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Ich... ich meine, für einen Tag geht das ja mal in Ordnung. Aber volle vier Wochen in dieser aufgedrehten Stadt verbringen? Ich weiß nicht, ob ich das so lange aushalte“.
„Feigling“, neckte Timmy ihn geschickt, um ihn ein bisschen zu provozieren und seinen Plan auf diese Weise in die Tat umzusetzen. „Du bist ein Feigling, Cosmo. Ein richtiger, kleiner Feigling“. „Bin ich nicht!“, wehrte sich die Elfe schnell, konnte es allerdings nicht verhindern, dass sie bei diesen Worten rot im Gesicht wurde. „Ich... ich mach mir nur Sorgen um Wanda und Sparky. Was ist, wenn die beiden früher aus ihrem Urlaub zurückkommen und herausfinden, dass wir nicht da sind?“.
„Ach, papperlapapp“, lehnte der Siebzehnjährige rasch ab und schüttelte seinen Kopf, bevor sich ein breites Grinsen über seine Lippen ausbreitete. „Die zwei kommen schon gut alleine zurecht. Und außerdem hat Wanda so lange von diesem Urlaub geschwärmt, dass sie unter Garantie nicht früher zurückkommen wird. Ganz im Gegenteil: Ich vermute eher, dass sie noch eine Woche dranhängt. Also mach dir darum bitte keine Gedanken“.
„Und... und was ist mit deinen Eltern?“, wandte Cosmo schnell ein, dabei mit der stillen Hoffnung, dass wenigstens dieser Protest seine Wirkung nicht verfehlen würde. „Was ist, wenn die beiden dich überraschend anrufen oder sich dazu entschließen, dir einen spontanen Besuch abzustatten? Immerhin haben sie ja schon lange davon geredet, sich endlich mal deine Wohnung anzusehen“. „Und?“, meinte Timmy beinahe gleichgültig und zuckte mit den Schultern. „Dann bin ich eben ganz einfach nicht da. Was ist denn schon dabei? Immerhin können die beiden nicht erwarten, dass sie mich zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Hause antreffen. Außerdem glaube ich kaum, dass mein Dad daran großes Interesse hat. Dafür müsste glaube ich zuerst mal ein Wunder geschehen“.
Die Logik eines Teenagers, dachte Cosmo enttäuscht und stieß ein Seufzen aus, sich voll und ganz darüber bewusst, dass ihm langsam aber sicher die vernünftigen Gegenargumente ausgingen. Er wusste, dass er drauf und dran war, diese Diskussion zu verlieren – und darüber war er wirklich alles andere als glücklich.
Denn auch wenn es im Prinzip vollkommen albern war und er es gegenüber dem Jungen niemals offen zugeben wollte, aber diese ganze Stadt behagte ihm aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht. Irgendetwas schien schwer auf ihr zu lasten, das konnte die Elfe mehr als eindeutig wahrnehmen.
„Jetzt sei kein Spielverderber, Cos“, unterbrach Timmy letztendlich seine Gedanken und schenkte ihm ein offenes Lächeln. „Vertrau mir einfach und lass uns die nächsten vier Wochen hier verbringen. Glaub mir, wenn du erst einmal so wie ich den Zauber dieses Ortes gesehen hast, dann wirst du gar nicht mehr von hier weg wollen“.
„Naja...“, meinte er schließlich, nachdem er noch einmal darüber nachgedacht hatte und nagte nervös an seiner Unterlippe. „Interessant ist diese Stadt auf jeden Fall schon. Aber wie um alles in der Welt sollen wir es denn ohne genügend Bares schaffen, vier Wochen lang über die Runden zu kommen? Immerhin hast du so gut wie alles für diese billigen Souvenirs ausgegeben. Du kannst allerhöchstens noch fünf Dollar in der Tasche haben. Und die reichen nie und nimmer, um einen Monat lang auszukommen“.
Timmy blieb gänzlich unbeeindruckt von diesem Einwand und warf seinem Zauberpaten lediglich ein kurzes Zwinkern zu. „Kein Problem, Cos“, erklärte er dann siegessicher. „Alles überhaupt kein Problem“. Cosmo atmete überrascht auf, als ihn ein Verdacht beschlich, worauf sein Patenkind mit dieser Aussage anspielte. „Oh nein, Timmy“, erklärte er ihm und schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, nein und nochmals nein. Du weißt ganz genau, dass du dir kein Geld von mir wünschen kannst. Das ist gegen die Regeln“.
„Cosmo, Dummchen“, erwiderte Timmy grinsend und ließ eine Hand in der rechten Tasche seiner Jeans verschwinden. „Das habe ich damit ja auch überhaupt nicht gemeint. Ich habe mich anderweitig um ein ausreichendes Budget gekümmert. Hast du denn etwa allen Ernstes geglaubt, dass ich mit dir auf Reisen gehe, ohne mich vorher um die entsprechende Finanzierung zu kümmern?“.
Kaum hatte er diese Worte verlauten lassen, zog er beinahe in Zeitlupe die Kreditkarte seines Vaters hervor und wedelte kurz vor Cosmos Nase damit herum. „Alles geregelt“, erklärte er dem Elfenjungen und schenkte ihm ein kurzes Zwinkern. „Du siehst also, es gibt nicht den geringsten Anlass dazu, dir über irgendetwas Sorgen zu machen“.
Seufzend gab Cosmo seinen Widerstand schließlich auf und nickte dem Braunhaarigen zu, beugte sich mit dieser raschen Geste seiner hartnäckigen Forderung und probierte dann ebenfalls ein Lächeln. „Was soll's“, meinte er so optimistisch wie nur möglich und zuckte kurz mit seinen schmalen Schultern. „Wird schon schiefgehen, oder?“.
Timmy reckte daraufhin triumphierend einen Arm in die Luft und stieß ein mehr als zufriedenes Lachen aus, während er sich in seinem Kopf all die Dinge ausmalte, die er in den nächsten vier Wochen hier erleben würde.
Cosmo versuchte ehrlich, sich mit ihm zu freuen und seine Bedenken abzuschalten, was allerdings viel leichter gesagt als getan war. Denn auch wenn er nicht genau wusste, woher es kam oder was genau dem zugrunde lag, aber ganz tief im Inneren hatte er ein Gefühl, welches ihm deutlich vermittelte, dass seine Zustimmung mit absoluter Sicherheit nicht ohne Folgen für sie beide bleiben würde.
Etwas würde passieren, das wusste er. Etwas, das nicht nur Timmys, sondern auch seine bisherige Welt vollkommen aus der Bahn werfen würde. Etwas, das selbst die Grenzen der herausragendsten Vorstellungskraft um Längen überstieg. Cosmo spürte, dass Timmy in dieser Stadt relativ bald eine Begegnung haben würde. Und zwar eine, die er so schnell nicht wieder vergessen konnte.

„Ach Phin, nun sei doch bitte nicht so schüchtern“. Bereits seit einer Viertelstunde versuchte Ferb jetzt schon vergeblich, seinen Stiefbruder dazu zu überreden, an den anderen Tisch hinüberzugehen und den Braunhaarigen einfach anzusprechen. Denn nachdem Phineas ihm erklärt hatte, was er fühlte, was beim Anblick dieses einzigartigen Jungen in ihm vorgegangen war, war auch er langsam aber sicher davon überzeugt, dass es sich bei dieser Empfindung tatsächlich um die berüchtigte Liebe auf den ersten Blick handelte. Auch wenn er selbst niemals so recht daran geglaubt hatte – die Gefühle, die Phineas ihm schilderte, sprachen eindeutig für sich. Sie waren viel zu deutlich, zu klar formuliert, als dass man sie einfach nur als natürliche Begeisterung oder Faszination abtun konnte und gingen viel tiefer als Sympathie, das wusste Ferb ganz genau. Sein Stiefbrüderchen hatte sich tatsächlich verliebt. Zum allerersten Mal in seinem Leben.
„Vergiss es, Ferb“, lehnte der Rothaarige erneut Ferbs Vorschlag ab und schüttelte seinen Kopf. „Auf keinen Fall werde ich da jetzt rübergehen. Wie sieht das denn bitte aus? Was soll er denn bitte von mir denken, wenn ich ihn einfach so wie aus dem Nichts anquatsche, hm? Außerdem habe ich nicht die leiseste Ahnung, was ich eigentlich zu ihm sagen soll. Ich bin mir ja noch nicht mal sicher, ob ich überhaupt ein Wort herausbringen würde“.
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, Bruderherz“, rezitierte Ferb daraufhin mal wieder eine seiner allseits bekannten Lebensweisheiten und brachte den Rothaarigen dazu, einen Moment lang mit den Augen zu rollen. „Das sagt sich leicht“, erwiderte er dann leise seufzend, während er damit anfing, mit seinen Fingern leicht gegen die Tischplatte vor ihm zu trommeln, und sein Blick erneut ganz verstohlen zum anderen Tisch hinüberschielte.
Prinz Unbekannt spielte lässig an seinen seidigen, glänzenden Haarsträhnen herum und lachte wieder, hatte nach wie vor nicht die leiseste Notiz von seinem heimlichen Bewunderer genommen, sondern war stattdessen voll und ganz fixiert auf sein Gegenüber, das allem Anschein nach ein ausgesprochenes Talent für Humor zu haben schien. Im Anschluss daran legte er sich eine Hand auf den Bauch und kratzte sich, wodurch sein Sweatshirt leicht nach oben rutschte und Phineas die Möglichkeit bekam, einen kurzen Blick auf seine nackte Haut zu erhaschen.
Dabei konnte er ganz deutlich spüren, dass ihm heiß wurde und die Röte sein Gesicht im wahrsten Sinne des Wortes überflutete. So süß, dachte er vollkommen verzückt und sah vor seinem inneren Auge ein weiteres Mal die Tagträume ablaufen, die sich seit dem ersten Anblick dieses Jungen in seinem Unterbewusstsein entwickelt hatten.
Erst, als Ferb einige Male mit den Fingern schnippte und grinsend eine Augenbraue nach oben zog, kehrte er wieder zurück in die Realität. „Wie lange willst du hier eigentlich noch rumsitzen und zu ihm rübergaffen, bis du dich endlich traust, auf ihn zuzugehen?“, wollte sein Stiefbruder wissen und lachte, woraufhin Phineas sich leise räusperte und seine Füße ein paar Male nervös auf- und abwippen ließ.
„Das... das kann ich nicht, Ferb“, erklärte er dem Grünhaarigen und schüttelte heftig den Kopf. „Das kann ich einfach nicht. Dazu bin ich viel zu aufgeregt. Mir ist jetzt schon total komisch zumute. Wenn ich auch nur einen weiteren Meter näher an ihn herankomme, dann kippe ich ganz sicher um“.
„Mein Gott, dich hat's ja voll erwischt“, stellte dieser daraufhin fest und warf ihm ein begeistertes Grinsen zu. „Aber echt sowas von. Wer hätte das denn gedacht?“. Leise kicherte er in sich hinein, was Phineas unweigerlich rot werden und seinen Blick zu Boden sinken ließ. Ein bisschen peinlich berührt, klopfte er mit seinen Fingerspitzen gegeneinander und stieß ein kaum vernehmbares Seufzen aus.
Abermals schloss er ganz fest die Augen und gab sich kurzerhand den Träumereien hin, die mittlerweile seine gesamte Wahrnehmung überblendeten und ihm dadurch die Konzentration auf irgendetwas anderes unmöglich machten. Er lehnte seinen Kopf zurück und tauchte ab, ließ sich von den Flügeln seiner Träume davontragen, hinein in eine Abenteuerreise, in einen Rausch an Bildern und Gefühlen, der sein Herz so laut zum Klopfen brachte, dass es vermutlich jeder Anwesende im Lokal überdeutlich hören konnte.
„Entschuldigung“. Eine warme, herzliche Stimme zerbrach ganz plötzlich seine atemberaubenden Vorstellungen und ließ ihn überrascht hochschrecken. Enttäuscht darüber, dass seine einmalige Fantasie verblasst war, wollte Phineas sich an seinen Stiefbruder wenden und sich erkundigen, aus welchem Grund er einfach seine Schwärmerei gestört und ihn zurück in die Realität geholt hatte, schüttelte dieses Vorhaben jedoch schleunigst wieder ab, als er registrierte, dass nicht Ferb es gewesen war, der da gerade eben gesprochen hatte.
Mit zitternden Knien wandte der Rothaarige sich schließlich um und blickte zum ersten Mal ganz nah in das himmelblaue, diamantenreine Augenpaar, dessen Besitzer kein Geringerer war als der Junge vom Tisch gegenüber. Auch wenn Phineas es gar nicht richtig glauben konnte, aber direkt neben ihm stand tatsächlich Prinz Unbekannt und schenkte ihm ein freundliches Lächeln.
„Entschuldigung, wenn ich störe“, wiederholte er mit einer Stimme, die in Phineas' Ohren einen so sanften und melodischen Klang besaß wie er ihn in seinem gesamten Leben noch niemals vernommen hatte. „Aber könntet ihr mir bitte kurz sagen, wo hier die Toiletten sind? Ich bin heute zum ersten Mal in diesem Café“.
Mit größter Mühe und Willenskraft versuchte Phineas, einen Satz über seine Lippen zu bewegen und damit die Frage seines Angebeteten zu beantworten, doch nicht einmal der kleinste Ansatz eines Flüsterns wollte aus ihm herauskommen. Er war viel zu aufgeregt, um klar denken, geschweige denn, sprechen zu können. Das Einzige, wozu er in diesem Moment imstande war, war einfach nur dazusitzen und in diese zwei funkelnden Diamanten zu starren, die dem Jungen sein Augenlicht verliehen. In diese zwei hellen Kristalle, in denen Phineas am allerliebsten für alle Zeit versinken wollte.
„Die Toiletten sind da hinten“, ergriff Ferb schließlich das Wort und wies rasch mit seiner Hand in die Richtung. „Einfach geradeaus durch und dann links“. „Danke“, entgegnete Prinz Unbekannt mit einem Lächeln, ehe er sich abwandte und nach wenigen Momenten vollständig außer Sichtweite verschwand.
Phineas schmolz noch immer wie Wachs vor sich hin, war nicht in der Lage dazu, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, konnte noch nicht einmal ganz flüchtig blinzeln, während die weiche, herzliche Stimme des braunhaarigen Jungen in seinen Ohren nachklang und ihm den Grad seiner Verliebtheit mehr als deutlich bewusst werden ließ.
Erst, als Ferb sich durch mehrmaliges Räuspern bemerkbar machte, schreckte er aus seinen Gedanken auf und schüttelte heftig den Kopf. „Phin, alles okay?“, erkundigte sich sein Stiefbruder und tastete über den Tisch hinweg nach seiner Hand, die vor Aufregung immer noch zitterte wie unter Strom.
„Das war er“, erwiderte der Rothaarige leise und drehte rasch seinen Kopf herum, blickte genau in die Richtung, in die der Junge verschwunden war. „Das war er, Ferb. Er war ganz nah bei mir. Ganz nah“. „Allerdings“, bestätigte der Brite sein Argument und konnte ein verzücktes Schmunzeln nicht unterdrücken. „Allerdings, Phin. Das war er“.
„Hast du diese Augen gesehen?“, wollte der Rothaarige daraufhin wissen und seufzte glücklich auf. „Hast du diese strahlenden Augen gesehen? Diese zwei blauen, endlos tiefen Augen? Sie haben so hell gefunkelt. So hell“. Wie in Hypnose sagte Phineas diese Worte und veranlasste Ferb dazu, ein verzücktes Kichern auszustoßen. „Auweia, auweia“, meinte er schließlich und zwinkerte seinem Stiefbruder kurz zu. „Dich hat's ja echt mächtig erwischt. Wie niedlich“.
„Er ist es, Ferb“, erklärte Phineas daraufhin und strahlte dabei wie ein kleines Kind. „Er ist der Richtige für mich. Er ist der, nach dem ich suche. Das weiß ich. Das weiß ich ganz genau“. Der Grünhaarige schmunzelte nur, freute sich ganz einfach mit ihm, wenngleich er diese Aussage seines Stiefbruders zugegebenermaßen ein kleines bisschen amüsant fand.
Immerhin kannte Phineas diesen Jungen überhaupt nicht, hatte keine Ahnung von ihm, von seinen Interessen und seiner Persönlichkeit. Er hatte ihn noch niemals zuvor in seinem Leben gesehen, war ihm vor knapp zwei Stunden das erste Mal begegnet – und trotzdem schien er sich seiner Sache absolut sicher zu sein.
Er schien aus tiefster Überzeugung heraus daran zu glauben, dass dieser Fremde seine ganz große Liebe war. Und diesen Glauben wollte Ferb ihm unter keinen Umständen zerstören, auch wenn er die Hartnäckigkeit, mit der sein Stiefbruder auf seiner Aussage beharrte, ein bisschen belächeln musste. Er wollte ihm seine Träume lassen und ihn nicht durch unnötige Bedenken in Unsicherheit bringen. Schließlich war der Rothaarige alt genug, um seine eigenen Entscheidungen zu treffen, seine eigenen Gefühle zu entwickeln und seinen Weg so zu gehen, wie er das für richtig hielt. Deswegen nahm der Brite sich auch ganz fest vor, sich nicht einzumischen und es in Phineas' Hände zu legen, was sich aus dieser Begegnung heraus noch entwickeln würde.
Eine kleine Starthilfe hatte er ihm immerhin bereits gegeben. Nun war es ganz allein an dem Rothaarigen, etwas daraus zu machen und vielleicht doch noch an den Tisch des Fremden hinüberzugehen, um ein erstes Gespräch mit ihm anzufangen. Ferb für seinen Teil würde sich ab jetzt vollständig zurückziehen und lediglich stillschweigend seine Beobachtungen anstellen. Mehr konnte er für seinen Stiefbruder nicht mehr tun.
Dieser schwärmte gedanklich noch immer vor sich hin, wie das breite Lächeln, das sich über seine Lippen zog, unschwer erkennen ließ, malte sich die aufregendsten und atemberaubendsten Szenen in seinem Kopf aus. Ferb sah ihm zufrieden eine Weile dabei zu, als er schließlich bemerkte, dass der braunhaarige Junge zurückkam. Rasch gab er Phineas einen kurzen Wink mit seiner Hand, doch dieser schien das überhaupt nicht richtig wahrzunehmen.
Erst, als der Fremde dicht an ihrem Tisch vorüberging und ihnen dabei ein höfliches Lächeln schenkte, kehrte er in die Realität zurück und fixierte ein weiteres Mal seine Augen auf ihn, beobachtete ihn verträumt dabei, wie er sich zurück auf seinen Platz fallen ließ und seinem Gegenüber irgendetwas zumurmelte.
Ferb schüttelte flüchtig seinen Kopf, die offenkundige Hilflosigkeit seines Stiefbruders auf ganzer Linie bedauernd, und rang sich, trotz des Vorsatzes, den er sich selbst vor wenigen Momenten auferlegt hatte, dazu durch, es noch ein letztes Mal zu versuchen und Phineas einen deutlichen Stupser in die richtige Richtung zu geben.
„Phin“, sagte er zu ihm und suchte den Blickkontakt, während er ganz behutsam nach seiner Hand griff, deren Finger zitternd gegen die Tischplatte klopften. „Hm?“, erwiderte dieser gedankenversunken und schreckte auf, als Ferb ihn sanft berührte. „Jetzt mach schon“, erklärte ihm der Brite schmunzelnd und machte eine kurze Kopfbewegung zu dem Tisch hinter sich. „Geh endlich zu ihm rüber und sprich ihn an. Oder willst du damit bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, hm?“.
„Aber Ferb“, legte Phineas erneut Protest gegen den Vorschlag des Grünhaarigen ein. „Ich kann doch nicht einfach...“. „Wieso denn bitte nicht?“, wollte sein Stiefbruder wissen und zuckte lächelnd mit den Schultern. „Er gefällt dir doch, oder? Worauf wartest du dann bitte noch? Trau dich endlich und mach den ersten Schritt. Wer weiß, vielleicht hat er ja auch ein Auge auf dich geworfen“.
„Ach Quatsch“, lehnte Phineas schnell ab und schüttelte seinen Kopf. „Das hat er ganz bestimmt nicht. Denn wenn dem wirklich so wäre, hätte er doch vorhin, als er zu uns an den Tisch gekommen ist, etwas gesagt, oder?“. „Vielleicht ist er ja auch ziemlich schüchtern und hat sich einfach nicht getraut“, argumentierte Ferb und zwinkerte kurz. „Vielleicht wartet er ja nur darauf, dass du endlich mal rübergehst und ihn ansprichst. Vielleicht ist es ja das, was er sich wünscht“.
„Ja?“, entgegnete Phineas unsicher und versuchte, aus Ferbs Worten Mut und Hoffnung zu schöpfen. „Meinst du wirklich?“. „Du kannst es rausfinden“, antwortete der britische Junge mit einem Grinsen. „Aber nur, wenn du ihn ansprichst“. „Mmmh...“, überlegte der Rotschopf laut und nagte dabei auf seiner Unterlippe herum. „Ich weiß nicht...“.
„Jetzt komm schon, Phin“, beharrte Ferb optimistisch. „Trau dich doch einfach. Mach den ersten Schritt. Dann siehst du schon, was sich daraus ergibt. Oder willst du das etwa nicht?“. „Doch“, bestätigte Phineas ihm schnell. „Doch, wollen würde ich schon. Unglaublich gern sogar. Ich... ich weiß nur nicht so richtig, was ich ihm sagen soll. Ich meine, was ist, wenn ich erstarre, so wie vorhin, als er an unseren Tisch gekommen ist? Was mache ich denn dann?“.
„Also, zuallererst atmest du jetzt mal ganz tief durch“, erklärte Ferb ihm schmunzelnd und streichelte fürsorglich seine Hand. „Du holst ganz tief Luft und nimmst all deinen Mut zusammen. Und dann gehst du ganz einfach da rüber und sprichst ihn an. Das ist doch wirklich nicht so schwer, oder?“. „Nicht schwer?“, entgegnete Phineas sarkastisch und rollte kurz mit den Augen. „Ist das wirklich dein Ernst, Ferb?“.
„Aber klar“, bestätigte sein Stiefbruder mit einem Schulterzucken. „Es ist doch überhaupt nicht viel dabei. Rübergehen, ansprechen und ins Gespräch kommen. So schwierig ist das doch nicht. Du musst einfach nur deinen Mut zusammennehmen und dich trauen. Der Rest wird sich dann bestimmt ganz von allein ergeben“. „Du hast gut reden“, entgegnete der Rotschopf angespannt und lachte gezwungen. „Woher soll ich den Mut denn bitteschön nehmen? Soll ich ihn mir aus den Rippen schneiden, oder was?“.
„Ach Phin, nun sei nicht so schüchtern“, antwortete Ferb ruhig und schenkte ihm abermals ein zuversichtliches Lächeln. „Du hast doch sehr viel Mut. Und das weißt du auch ganz genau. Also geh jetzt endlich zu ihm rüber und fang ein Gespräch mit ihm an. Wenn du nämlich nur weiter hier herumsitzt, wirst du niemals herausfinden, ob du eine Chance bei ihm hast oder nicht“.
„Mmmh, naja...“, überlegte Phineas und schmunzelte kurz. „Also versuchen würd ich es ja schon gern. Es ist nur...“. „Ja?“, erkundigte sich der Brite erwartungsvoll, sein Lächeln deutlich erwidernd. „Ich... ich hab keine Ahnung, wie“, gab der Rotschopf schließlich zu und seufzte. „Ich meine, ich weiß überhaupt nicht, was ich ihm sagen soll. Wie soll es mir da denn gelingen, ein Gespräch mit ihm anzufangen?“.
„Phin, soll ich dir nen Rat geben?“, entgegnete Ferb grinsend, ein bisschen verzückt von der Unsicherheit seines Stiefbruders. „Ja!“, rief dieser zur Antwort aus und nickte heftig. „Ja, bitte!“. Rasch legte Ferb eine Hand an Phineas' Brust und blickte ihm dann einen langen Moment ins Gesicht. „Hör auf dein Herz“, gab er schließlich bekannt, während er ihm sanft zuzwinkerte. „Hör einfach nur auf dein Herz. Es wird ganz sicher die richtigen Worte für dich finden“.
„Toll, darauf wäre ich ja nie gekommen!“, seufzte der rothaarige Junge enttäuscht und ließ kurz den Kopf hängen. „Wie soll ich denn bitte auf mein Herz hören, wenn es die ganze Zeit über verrückt spielt? Wie hast du dir das vorgestellt, Ferb?“. „Mann, Phineas“, rief Ferb amüsiert aus, der langsam aber sicher mit seinem Latein am Ende war. „Jetzt mach es dir selbst doch bitte nicht so schwer. Hör endlich damit auf, darüber zu spekulieren und pack deinen ganzen Mut zusammen. Sprich ihn an und finde heraus, wie er drauf ist. Setz dich zu ihm rüber und unterhalte dich mit ihm. Ganz locker und ohne jegliche Hemmungen“.
„Meinst du?“, fragte der Rotschopf wieder und nagte aufgeregt an seiner Unterlippe. „Meinst du wirklich, das sollte ich tun?“. „Ja“, bestätigte Ferb rasch und nickte. „Hab einfach nur Mut, Phin. Du schaffst das schon. Sei nur du selbst und lass dich von deinem Herzen lenken. Geh auf ihn zu und flirte ihn ein bisschen an. Der Rest ergibt sich ganz von allein, du wirst schon sehen“.
„Mmh... na, also gut“, gab Phineas schlussendlich nach und holte ein letztes Mal tief Luft. „Gut, Ferb, ich mach's. Aber nur damit du eine Sache jetzt schon weißt: Wenn ich mich total blamiere, dann ist das ganz allein deine Schuld, hast du kapiert?“. „Keine Sorge“, beschwichtigte sein Stiefbruder ihn optimistisch und lächelte aufmunternd. „Das wird ganz sicher nicht passieren“.
„Okay“, meinte er und versuchte trotz aller Aufregung, das Lächeln zu erwidern. Im Anschluss daran erhob er sich langsam von seinem Platz und ließ Ferb einen letzten Blick zukommen, bevor er sich schließlich ein Herz fasste und mit zitternden Knien zum Tisch seines Schwarms hinüberging.

Timmy beobachtete den rothaarigen Jungen, der mit offensichtlich zielstrebigen Schritten auf ihn zusteuerte, mit den Augen eines Adlers und versuchte, möglichst lässig und cool zu tun, wenngleich er in Wahrheit ziemlich aufgeregt war und sich stillschweigend fragte, was dieser Typ wohl von ihm wollen konnte. Immerhin war ihm keineswegs entgangen, dass er schon die ganze Zeit über verstohlen zu ihm herübergeschaut, ihn möglicherweise sogar richtig beobachtet hatte. Die entscheidende Frage war nur, warum.
Rasch wandte der Siebzehnjährige seinen Blick von ihm ab und tat so, als wäre er gerade in eine angeregte Unterhaltung mit Cosmo vertieft, um seine Aufregung bestmöglich zu kaschieren. Dieser machte daraufhin einen leicht verwirrten Eindruck und zog eine Augenbraue hoch, da ihm die plötzliche Nervosität seines Patenkindes selbstverständlich nicht verborgen blieb.
„Was hast du, Timmy?“, erkundigte er sich gespannt, als er sich ein Stückchen nach vorne beugte und die Arme auf dem Tisch verschränkte. „Ist irgendetwas nicht in Ordnung mit dir?“. „Doch“, erklärte der Braunhaarige schnell und nickte zur Bestätigung dieser Aussage kurz mit dem Kopf. „Doch, Cosmo. Alles klar, wirklich. Ich hab mich nur grade...“.
Er unterbrach sich angespannt, als der Unbekannte seinen Tisch erreichte und ihn mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht anschaute. Und jetzt erkannte Timmy ihn auch wieder: Es handelte sich um einen der Jungs vom Tisch gegenüber, bei denen er sich kurz zuvor nach dem Weg zur Herrentoilette erkundigt hatte. Erleichtert über diese Erkenntnis, stieß er einen leisen Seufzer aus und erwiderte dann das Lächeln des Jungen.
„Hi“, sagte dieser daraufhin mit schüchterner Stimme, als er neben ihm stehenblieb und ihn dabei ausführlich zu mustern schien. „Hi“, entgegnete der Siebzehnjährige höflich und legte dabei beide Hände auf der Tischplatte ab, versuchte, so lässig wie nur irgendwie möglich rüberzukommen, wenngleich er gar nicht wusste, aus welchem Grund überhaupt. „Kann... kann ich dir irgendwie weiterhelfen?“.
„Ich... ich weiß nicht“, antwortete der Rothaarige schließlich nach einigem Zögern und hielt seine Augen dabei zu Boden geheftet. „Ich... ich hab nur gesehen, dass du ganz allein hier herumsitzt und dachte... naja... vielleicht hättest du gern ein bisschen Gesellschaft“. „Hab ich doch schon“, erwiderte Timmy schmunzelnd und wies mit seiner Hand auf den Platz ihm gegenüber.
„Oh“, entgegnete der Junge, offensichtlich ganz verlegen und räusperte sich, als er einen Blick auf seinen Gesprächspartner warf. „Oh, tut... tut mir sehr Leid. Ich hab gedacht, du wärst allein. Bin schon wieder weg“. Mit diesen Worten wollte er sich umdrehen und gehen, doch der Braunhaarige hielt ihn mit einem Lächeln zurück. „Warte“, erklärte er ihm, ein bisschen verzückt von seiner Schüchternheit, und schaute ihm dabei direkt in die Augen. „Warte doch bitte. Nur, weil ich in Begleitung bin, bedeutet das doch noch lange nicht, dass ich mich nicht über ein bisschen zusätzliche Gesellschaft freue“.
„Was?“, erwiderte der rothaarige Junge und schüttelte kurz seinen Kopf, war allem Anschein nach gerade in Gedanken gewesen, was Timmy noch breiter schmunzeln ließ. „Ich bin gern in Gesellschaft“, erklärte er ihm noch einmal. „Macht immer Spaß, neue Leute kennenzulernen. Deswegen: Wenn du Lust hast, darfst du dich sehr gerne ein bisschen zu uns setzen“.
„Wirklich?“, fragte der Andere aufgeregt, der durch und durch begeistert von diesem Angebot zu sein schien. „Klar“, bestätigte Timmy ihm schnell, von Sekunde zu Sekunde mehr verzückt von der zurückhaltenden Art des Rothaarigen. „Sofern dein Freund da hinten nichts dagegen hat“. „Bestimmt nicht“, meinte der Junge und rieb dabei nervös seine Hände aneinander. „Na dann ist es ja gut“, scherzte Timmy schulterzuckend und grinste ihn an, während er ihm mit einer kurzen Geste nochmals bedeutete, Platz zu nehmen.
Ein bisschen unsicher kam der Rotschopf seiner Anweisung schließlich nach und ließ sich auf dem freien Stuhl nieder, während er seinen Blick kurz hin- und herschweifen ließ. „Achso, ja, natürlich“, meinte Timmy daraufhin und grinste ihm zu. „Ich hab dir ja noch überhaupt nicht meinen Namen verraten. Wie unhöflich von mir“. Mit diesen Worten streckte er dem Jungen die Hand entgegen, der sich einen Augenblick lang darauf fixierte, ehe er schließlich ganz zurückhaltend einschlug.
„Timmy Turner“, stellte er sich lächelnd vor und fühlte dabei die Finger des Rothaarigen ein kleines bisschen zittern. „Phi... Phineas Flynn“, gab er beinahe geflüstert bekannt und hielt seinen Blick auf Timmys Hand gerichtet. „Freut mich, Phineas“, erwiderte Timmy zuvorkommend und ließ ihn wieder los, während er mit einer kurzen Bewegung auf den Sitzplatz gegenüber dem seinen deutete.
„Das ist Cosmo“, erklärte er, woraufhin Phineas dem grünhaarigen Elfenjungen einen kurzen Blick zuwarf. „Er ist ein wirklich guter Freund von mir“. „Sehr erfreut“, äußerte der Benannte mit einem Lächeln und reichte dem Rotschopf ebenfalls kurz die Hand. „Ganz meinerseits“, erwiderte dieser, nach wie vor scheu, und räusperte sich vor Aufregung.
Der Braunhaarige musste ein Kichern unterdrücken, während er ihn dabei beobachtete und von Augenblick zu Augenblick mehr in Verzückung geriet. Auch wenn er nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen konnte, woher dieser Gedanke kam, aber irgendwie, fand Timmy, hatte der Junge etwas an sich. Irgendetwas Sympathisches, Besonderes, Aufregendes. Etwas, das ihm in dieser Form bisher noch niemals in seinem Leben begegnet war.
Erwartungsvoll sah er Phineas an, wartete darauf, dass dieser ein Gespräch mit ihm anfangen würde, musste jedoch bereits nach wenigen Momenten feststellen, dass er dazu allem Anschein nach viel zu aufgeregt war. Aus diesem Grund entschloss Timmy sich schnell dazu, ihm die Aufgabe abzunehmen und ein bisschen Small Talk mit ihm zu machen. Das kam schließlich immer gut an – egal wann und wo.
„Also, Phineas“, begann er und schenkte dem Rothaarigen ein herzliches Lächeln. „Dann erzähl mir doch mal: Was treibt dich an einem so schönen Tag in ein überladenes Café wie dieses hier?“. „Ich... ich bin mit meinem Stiefbruder Ferb hier“, erklärte der Angesprochene und wies mit einer kurzen Handbewegung zu seinem Tisch hinüber. „Wir kommen so gut wie jeden Samstag hierher. Ist quasi unser Stammlokal, verstehst du?“.
„Alles klar“, entgegnete Timmy freundlich. „Dann kommst du also von hier, ja?“. „Mhm“, bestätigte Phineas seine Vermutung und nickte kurz. „Ich wohne schon mein ganzes Leben lang in Danville. Diese Stadt hat einfach was“. „Ja, das stimmt“, gab der Siebzehnjährige ihm Recht und grinste Cosmo kurz zu. „Ich bin zwar erst vor ein paar Stunden hier angekommen und hab noch nicht viel gesehen, aber eines kann ich mit Sicherheit jetzt schon sagen: Danville ist der absolute Knaller“.
„Vor ein paar Stunden?“, fragte Phineas interessiert nach. „Dann machst du hier Urlaub?“. „Ja, so etwas in der Art“, erklärte Timmy ihm und wandte abermals den Blick zu seiner Elfe um. „Ich musste einfach mal raus aus dem typischen Alltagstrott, verstehst du? Mal ein bisschen was anderes sehen als immer nur die eigenen vier Wände. Neue und interessante Menschen kennenlernen. Wie dich zum Beispiel“.
„Woher willst du denn wissen, dass ich ein interessanter Mensch bin?“, erkundigte Phineas sich grinsend, konnte es allerdings nicht vermeiden, dass er bei diesen Worten ein bisschen rot wurde. „Ich hab eine gute Intuition“, erklärte Timmy ihm. „Ich kann so etwas ganz deutlich fühlen. Und mein Gefühl sagt mir, dass du so ein Mensch bist und ein aufregendes Leben führst. Stimmt's oder hab ich Recht?“.
„Also aufregend würde ich es jetzt nicht nennen“, entgegnete der Rotschopf und lachte. „Eher ziemlich durchschnittlich. In meinem Leben ereignen sich nur relativ selten wirklich spannende oder erwähnenswerte Dinge. Deshalb ist es vermutlich auch besser, wenn ich euch nicht zu viel daraus erzähle. Schließlich will ich eure gute Laune nicht mit Langeweile trüben“.
„Ach Unsinn“, lehnte Timmy ab, amüsiert und begeistert zugleich. „Ich bin mir absolut sicher, dass du das überhaupt nicht könntest. Du bist kein langweiliger Mensch. Du bist aufregend. Das kann ich doch in deinen Augen lesen“. Diese Worte ließen Phineas wieder rot werden, dieses Mal jedoch noch viel deutlicher als zuvor, und er senkte rasch seinen Blick, während sich ein verlegenes Lächeln über seine Lippen zog.
„Denkst du das wirklich?“, wollte er dann von Timmy wissen und fühlte erneut sein Herz laut klopfen, als dieser ihm ein sexy Zwinkern zuwarf. „Aber hallo“, erklärte er dem Rotschopf und schnalzte danach anerkennend mit der Zunge. „Glaub mir. Ich musste dich nur einmal ansehen und schon wusste ich, dass du ein durch und durch interessanter Mensch bist. Und weißt du, was ich außerdem noch erkennen konnte?“.
„Nein“, antwortete Phineas und zuckte kurz mit den Schultern. „Was denn?“. „Dass du ein bisschen schüchtern bist“, antwortete Timmy und schmunzelte ihn an. „Du bist ein bisschen scheu und traust dich nicht so recht, auf jemanden zuzugehen. Hab ich nicht Recht?“. „Ja“, bestätigte Phineas ihm ehrlich erstaunt. „Ja, das stimmt. Woher hast du das denn gewusst?“.
„Alles reine Intuition“, erwiderte der Braunhaarige und legte sich eine Hand auf die Brust. „Das mag sich jetzt bestimmt ein bisschen albern anhören, aber tief hier drin spüre ich immer ganz genau, wie jemand drauf ist. Ich spüre, ob derjenige mir sympathisch ist, ob er einen ehrlichen, charmanten Charakter hat oder ob ich besser nicht mit ihm ins Gespräch kommen sollte. Und du, Phineas – du bist mir ganz ohne Zweifel sympathisch. Vielleicht liegt das aber auch an deiner zurückhaltenden Art“.
Phineas kicherte leise, über alle Maßen geschmeichelt von diesem Kompliment, und warf noch einmal einen Blick in Timmys diamantengleiche, himmelblaue Augen, die ihn bereits beim ersten Hinschauen in ihren Bann gezogen hatten. Er tauchte mitten in sie hinein, verlor sich, ließ sich von ihnen davontragen, während sich über sein ganzes Gesicht ein verträumtes Lächeln ausbreitete.
„Sag mal“, meinte Timmy schließlich, der von Phineas' kleiner Tagträumerei so gut wie gar nichts mitbekam. „Darf ich dich mal etwas ganz Persönliches fragen?“. „Alles“, antwortete der andere Junge gedankenversunken und strahlte leise vor sich hin. „Alles, was du willst, Timmy“. „Warum ausgerechnet ich?“, wollte der Braune gespannt wissen und grinste den Anderen an.
„Bitte?“, erwiderte dieser und schüttelte kurz den Kopf, um seinen Träumereien Einhalt zu gebieten und in die Realität zurückzukehren. „Bitte was?“. „Warum hast du dich ausgerechnet zu mir gesetzt?“, wiederholte Timmy seine Frage etwas deutlicher. „Ich meine, in diesem Café treiben sich gefühlte tausend Menschen herum. Warum sprichst du da ausgerechnet mich an?“.
„Weil du mir gefällst“, sprudelte es aus dem Rotschopf heraus, noch ehe er auch nur das Geringste dagegen unternehmen konnte. Timmy zog daraufhin eine Augenbraue hoch und Phineas lief blutrot an. Still und heimlich wünschte er sich, auf der Stelle im Erdboden versinken zu können und verfluchte schweigend sein vorlautes Mundwerk, doch der Braunhaarige schmunzelte nur und stützte seinen Kopf lässig mit einer Hand ab.
„Soso“, meinte er dann und schenkte dem Anderen ein kurzes Zwinkern. „Ich gefalle dir also, ja?“. „Ja... ich meine nein... ich meine...“, versuchte Phineas zu antworten, brachte jedoch vor lauter Aufregung und Herzklopfen keinen vernünftigen Satz zustande. Beschämt über seine große Klappe, senkte er den Blick und verspürte das dringende Bedürfnis danach, auf der Stelle wegzurennen.
Doch Timmy fasste diese Bekanntgabe völlig entspannt auf und war insgeheim sogar ziemlich froh über die offenen Worte seines Gegenübers. Denn auch er musste zugeben, dass Phineas ihm mehr als nur sympathisch war, dass er etwas weitaus Bedeutenderes in ihm sah als nur eine nette Bekanntschaft aus dem Café. Schon, als der Junge zu ihm an den Tisch gekommen war, hatte er etwas ganz Besonderes an ihm gespürt, hatte gewusst, dass sich aus diesem Gespräch weitaus mehr entwickeln würde als ein flüchtiger Urlaubskontakt.
Und nach diesen aufrichtigen, eindeutigen Worten, die der Rotschopf da gerade geäußert hatte, wusste Timmy, dass seine Intuition ihn auch dieses Mal nicht im Stich gelassen hatte.  Ohne sich lange mit unnötigen Erklärungen für ein mögliches Wie oder Warum herumzuschlagen, ließ der Braune seine Hand ganz langsam über die Tischplatte wandern und legte sie dann geschickt über die des Anderen, wodurch er sich einen mehr als verwunderten Blick seitens Phineas sicherte.
„Ich gefalle dir also, ja?“, wiederholte er schmunzelnd seine Frage und war versucht zu kichern, beherrschte sich allerdings, um sein Gegenüber nicht noch mehr in Verlegenheit zu bringen als es ohnehin bereits der Fall war. „Ähm...“, entgegnete Phineas leise und machte Anstalten, seine Hand zurückzuziehen, was Timmy jedoch geschickt unterbinden konnte. „Was jetzt?“, wollte er wissen und warf dem Jungen einen erwartungsvollen Blick zu. „Ja oder Nein?“.
„Und... und wenn es so wäre?“, erwiderte Phineas aufgeregt und hätte sich im selben Moment am liebsten die Zunge abgebissen für diese bescheuerte Frage. Doch entgegen seiner Erwartung, ausgelacht zu werden, schmunzelte Timmy ihn nur zufrieden an und streichelte ganz behutsam seine vor Anspannung zitternde Hand. „Wenn das so wäre“, gab er schließlich bekannt und musste geschmeichelt grinsen. „Dann würde ich dir sagen, dass du mir auch gefällst. Ziemlich sogar“.
Das Herz des rothaarigen Jungen sprang, als der Braune diese Worte ausgesprochen hatte und ließ ihn vor Verblüffung weit die Augen aufreißen. „W-was?“, fragte er mit zitternder Stimme nach und schluckte schwer, war sich nicht ganz sicher darüber, ob er tatsächlich richtig gehört hatte. „Hast mich schon verstanden“, erklärte Timmy ihm, als hätte er seine Gedanken gelesen, und warf ihm ein verspieltes Zwinkern zu. „Du gefällst mir, Phineas. Ziemlich gut sogar, wenn ich ehrlich bin“.
Mit diesen Worten ließ er seine Hand los und griff kurz in die Tasche seiner Jeans, aus der einen Moment später ein blauer Stift, sowie ein kleines Zettelchen zum Vorschein kamen. Nach wie vor verspielt lächelnd, kritzelte Timmy etwas darauf nieder und überreichte dem Rothaarigen im Anschluss das weiße Stückchen Papier. „Meine Nummer“, klärte er ihn auf und zwinkerte noch einmal. „Ich bin noch mindestens vier Wochen in der Stadt. Kannst mich ja mal anrufen, wenn du Lust dazu hast. Vielleicht lässt sich diese Unterhaltung ja dann ein bisschen vertiefen“.
Kaum hatte er diesen Satz zu Ende gesprochen, formte er seine Lippen zu einem eindeutigen Kuss und warf Cosmo, der nach wie vor auf seinem Platz saß und stillschweigend dem Gespräch zugehört hatte, einen flüchtigen Blick zu. „Komm“, sagte er zu ihm, als er sich erhob und wies ihn mit einem kurzen Wink dazu an, ihm zu folgen.
Die Elfe, die sich absolut keinen Reim darauf machen konnte, was genau sich zwischen seinem Patenkind und dem rothaarigen Jungen gerade abgespielt hatte, brauchte einen Moment, bis sie seiner Anweisung schließlich Folge leistete und sich rasch von der Sitzbank erhob.
„Wir seh'n uns, Süßer“, sagte Timmy mit einem Lächeln, als er ganz dicht an Phineas vorüberging und dabei sexy mit der Zunge schnalzte. Dann wandte er sich ab und ließ den Jungen, mit seiner Nummer in der Hand und Millionen Schmetterlingen im Bauch, allein zurück.
Der Rotschopf sah ihm noch lange nach, beobachtete ihn dabei, wie er am Tresen seine Bestellung bezahlte und im Anschluss daran zusammen mit seinem grünhaarigen Kollegen das Café verließ. Nachdem er außer Sichtweite verschwunden war, legte Phineas den Blick auf das weiße Zettelchen, das er ihm als Souvenir hinterlassen hatte, und hätte am allerliebsten vor Freude geschrien, versuchte jedoch sein Möglichstes, um sich zu beherrschen und nicht unnötig Aufsehen zu erregen.
Er hatte seine Nummer. Er hatte tatsächlich seine Nummer. Der Rothaarige konnte es gar nicht richtig fassen. Ausgerechnet der Junge, in den er sich Hals über Kopf verschossen hatte, hatte ihm seine Nummer gegeben. Hatte auf das Heftigste mit ihm geflirtet und ihm Komplimente gemacht. Ausgerechnet er. Ausgerechnet Timmy. Der Junge mit den vermutlich strahlendsten und klarsten Augen des gesamten Universums.
In seiner ganzen Euphorie bemerkte Phineas gar nicht, dass Ferb inzwischen seinen Tisch verlassen hatte und zu ihm herübergelaufen kam. Erst, als er sich mit einer raschen Bewegung auf den jetzt leeren Platz ihm gegenüber sinken ließ, nahm er ihn richtig wahr und kehrte in die Realität zurück.
„Na, Phin“, erkundigte er sich mit einem neugierigen Grinsen und verschränkte rasch die Arme auf der Tischplatte vor ihm. „Wie ist es gelaufen?“.

„Timmy, was genau ist eigentlich da drin passiert?“. Cosmo wiederholte diese Frage nun schon zum dritten Mal, während sie zusammen die menschenüberfluteten Straßen entlangwandern und der Siebzehnjährige vor jedem Schaufenster Halt machte, das ihren Weg kreuzte. Still in sich hineinlächelnd, schenkte er der Elfe schließlich ein kurzes Zwinkern und vergrub lässig die Hände in den Taschen seiner Jeans.
„Was soll passiert sein?“, entgegnete er dann Cosmos Frage und zuckte nur kurz mit den Schultern. „Zwischen dir und diesem Jungen“, antwortete dieser und wies ihn durch ein kurzes Drücken seines Arms dazu an, einen Moment lang stehenzubleiben. „Zwischen dir und... wie heißt er noch gleich...?“. „Phineas“, erklärte Timmy, der sich den Namen mehr als deutlich eingeprägt hatte, und musste lächeln, als ein Bild von ihm vor seinem inneren Auge aufblitzte.
„Ja, genau. Phineas“, bestätigte der Elfenjunge seine Aussage und setzte einen verwirrten Blick auf, hatte so wie immer keine Ahnung von gar nichts. „Was war das zwischen euch? Was ist da eigentlich passiert?“. „So etwas nennt man in der Regel flirten“, antwortete Timmy und gluckste leise. „Ist ne ganz tolle Sache und macht auch ziemlichen Spaß, weißt du“.
„Mir ist klar, was flirten bedeutet“, verteidigte sich Cosmo schnell und stieß ein Seufzen aus. „Ich weiß nur nicht, warum du das gemacht hast“. „Hallo? Hast du dir dieses Sahneschnittchen mal genau angesehen?“, entgegnete der Siebzehnjährige mit einem glücklichen Grinsen und ließ ein anerkennendes Pfeifen verlauten. „Der ist doch wirklich zum Anbeißen süß. Ich hoffe bloß, dass er mich ganz bald anruft. Ich kann's nämlich jetzt schon kaum erwarten, ihn wiederzusehen“.
Schlagartig dämmerte es dem Elfenjungen, wenngleich er sonst ziemlich begriffsstutzig war, und er atmete teils überrascht, teils ein bisschen schockiert auf. „Nein, Timmy“, rief er dann aus und blickte sein Patenkind eindringlich an. „Oh nein. Sag mir jetzt bitte nicht...“.
„Doch“, fiel der Braunhaarige ihm ins Wort, noch ehe er dazu kam, seinen Satz richtig zu beenden, und ein überglückliches Lächeln zog sich dabei über sein ganzes Gesicht. „Doch, Cosmo. Ich glaube, ich hab mich grad bis über beide Ohren verliebt“.
Review schreiben