where no man has gone before

von morgana
KurzgeschichteSci-Fi / P12
Jean-Luc Picard
19.03.2017
19.03.2017
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Where no man has gone before


Es regnete. Ein sanfter, warmer Regen, der alles in ein weiches,silbernes Licht tauchte;von dem Sichtfenster abperlte und in langen Streifen herunterrann wie Teherlaschleim in der Blütezeit auf Relia III.

Die Bar: Ein altes Gebäude am Rand eines Parks, der früher mal ein Raumflughafen war. Der gesamte Überbau, bis inHöhe der kleinen Sitzgruppen, bestand aus Glas. Richtigem dicken, kalten, leicht zernarbten Glas.
Der Bartresen: den einzigsten freien Platz gab es dort.

Mein Transfer nach Eldivara würde erst in zwei Stunden sein. Zeit genug, um einen Wihaitee zu trinken.
Ich schritt durch die engen Passagen zwischen den kleinen,runden Tischen mit den ovalen Sitzgelegenheiten. Fast am Ende der Bar, wo sie schwungvoll um die Ecke führte, war der freie Platz.
"Einen Wihaitee, bitte."
Ein Hulai, der genauso grün war wiedie indirekten, sich ständig verändernden Leuchtelemente auf dem Tresen, nickte. Seine sechs Vorderextremitäten schossen in verschiedene Richtungen unterhalb des Ausschankes und schon stand mein Tee vor mir. Der warme Geruch schmeichelte meiner Nase und das dunkle Blau des Tees, das fast ein Schwarz war, ließ das Farbenspiels der Bar verblassen.
"Pa-ass-een Si-ie a-auuf." Sagte der Hulai zu mir und sein mittlerer Mund öffnete sich und die Unterlippe zog sich nach innen, was einem Lächeln gleich kam. Er deutete auf die Tischplatte.
Und wirklich. Die grünen Ornamente verblassten und um meinen Tee bildete sich ein Wirbel wie von blauen Wolken, die sich direkt unter meinem Becher fokussierten.
"Be-ei jed-eem Ge-etr-äänk i-ist e-es aa-n-de-ers." Er nickte nachdrücklich und wandte sich dann einem anderen Gast zu.
Die Wolke unter meinem Becher glich nun einem schweren Gewittersturm auf Helios Prime. In dem dunklen Wabern fehlten nur noch die leuchtend roten Blitze.

"Earl Grey!"
"So-o-fort Cap-atain!"

Das leise Geplauder, welches den Raum erfüllte, nahm ich kaum wahr, aber die letzten Worte drangen in die geruhsame Abgeschiedenheit meiner Gedanken.
Der Hulai hatte doch tatsächlich den Menschen neben mir mitCaptainangeredet.
Verstohlen glitt mein Blick nach rechts.
Haarloser Kopf, aber dafür einen weißen Bart; ein markantes Gesicht:spitz, ernst, streng, mit tiefen Furchen; aufrechte Statur, schlank;schwarze enge Hose, schwarze Jacke über einem schwarz-rotem engem Oberteil.
Es erinnerte mich an etwas, es fiel mir aber nicht ein, was mir hätte doch einfallen sollen.
In der Regel bin ich eher nicht neugierig und die Belange anderer und deren Geschäfte -wenn sie nicht mit den meinen zusammenhängen -gehörten in die individuelle Privatsphäre, aber wenn das, was ich vermutete, stimmte, so war das eine Begegnung, die mir sicher nicht noch einmal widerfahren würde.
Ich räusperte mich: "Entschuldigung!- Man hat Sie eben mitCaptainbetitelt. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass es mir wirklich eine Ehre ist,jemanden vonder Überwachung zu treffen."

Pause.

Ich saß neben einem Standbild, wie es mir nun schien undaugenblicklich bereute ichmeinGesagtes. War ich zu dreist gewesen, hatte ich die falschen Worte gewählt, war mein Ausdruck zu ... aufdringlich?
Hätte ich bloß nichts gesagt, was auch sonst eher nicht meinem Naturell entsprach.
Sollte ich mich vielleicht entschuldigen?
Verstohlen sah ich mich nach einem anderen Platz um, aber es war alles besetzt.

"Sie sind im Irrtum."

Freundlich, doch bestimmt kamen die Wortebei mir an.
Langsam wandte der alte Mann sich mir zu. Seine Lippen waren schmal, seine Augen stachen eindringlich in die meinen. Eine frische Narbe schlängelte sich über seine Wange.
"Verzeihen Sie," sagte ich, " ich wollte nicht..."
"Sie sind ein Daruner?"
"Ursprünglich ja, aber ich bin von Eldivara."
Sein fragender Blick, ließ mich fortfahren "Vierter Sektor, Talaxia System."
"Ah!" Ein Lächeln schob seine Augen zu noch kleineren Schlitzen zusammen. "Natürlich, der Deltaquadrant. - Im Talaxia System war ich noch nicht. Es zieht mich immer wieder hierher zurück...." Pause "Der Tee. Nirgends in derGalaxie schmeckt er so gut, wie hier." Langsam, beinahe behutsam,trank er einen Schluck und schloß die Augen.

Pause.

Ich dachte schon er wolle sie nie wieder aufmachen.
"Talax 3 hat wunderbare Parks." Sagte ich, mehr nur, um was zu sagen.

Pause.

Ich sagte: "Die Transferstation ist nur fünf Minuten von hier."

Pause.

Er murmelte gedankenverloren: "Transferstationen......" Und dann: "Kennen Sie die Brücken vonDeneb 5?"
"Natürlich. Die Brücken sieht man durch die Wolken und des Nachts ist es wie ein helles Band am Himmel. Ein Kunstwerk." Sagte ich, froh, dass ich ihn wohl nicht verärgert hatte.
Er antwortete gedehnt:"Eher ein technisches Meisterwerk, um den Planeten stabil zu halten und den Schiffsverkehr von der Oberfläche fern."
Ich räusperte mich:"Nun ja, aber es gibt ja jetzt keinen Schiffsverkehr mehr und die Stabilität des Planeten wird durch das Verbundnetz der Mehoriumstrahlen von den Monden stabil gehalten."
"Oh ja, natürlich und das kam aus dem Talaxia System, nicht wahr?!"
"So ist es." Antworteteich kurz, doch mit einer Spur Stolz in der Stimme.
Er fragte, doch es war wohl eher eine versteckte Feststellung: "Die Mehoriumstrahlen haben auch den Transportern ihre größerer Reichweite und Stabilität gegeben, nicht wahr?"
"Ja!" sagte ichweiterhin stolz. "Inzwischen kann jeder Planet und Mond im gesamten Föderationsraum mit den Transportern erreicht werden. Wir beamen einen Transporter hin, der sich selbst aktiviert, dann werden die Einheiten für eine Biosphäre hingebeamt und dem folgen dann die ersten Techniker. Keine langwierigen Verladungen auf Raumschiffe, keine langen Reisezeiten. Und wir sind dabei die Transporterreichweite noch zu vergrößern, so dass wir in noch unerforschte Systeme vordringen können. - Sehen sie, vor einer Stunde war ich noch auf Vulkan und in einer Stunde öffnet sich mein Transferpunkt nach Eldivara. Und dann bin ich in einer Sekunde zu Hause, wo ich sonst durch die halbe Galaxie reisen müßte. Sie können jederzeit eine Ausflug überall hin machen..."
"Ja," lächelte er, "das hörte ich. Und auch, das die Tempel auf Vulkan nun nur noch Touristenattraktionen sind. Die alten Lehren werden an normalen Schulen gelehrt, die jeder besuchen kann, natürlich allesin vereinfachter Form und irgendwann wird nicht mehr vulkanisch gesprochen und kein klingonisch..."Er brach ab, er hatte meinen etwas irritierten Ausdruck gesehen.
Er lächelte wieder. "Natürlich, dass wäre sowieso so gekommen, wie uns die Statistiker vorgerechnet haben, bloß dass es nun um ein paar Hundert Jahre eher passiert."
Ich erwiderte:"Aber es ist alles erhalten und für die Nachwelt aufgezeichnet. Es wird nichts in Vergessenheit geraten."
"Aber es wird nicht mehr gelebt werden."

Pause.

"Haben sie die Brücken von Deneb 5 schon einmal von oben gesehen?" Ein Lächeln glitt über seine Züge als er wieder kurz von seinem Tee trank.
"Was?" brachte ich lediglich heraus. Es kam mir plötzlichvor, als wäre ich in einer Zeitschleife gefangen, hinsichtlich des plötzlichen Themenwechsels, auf etwas, was schon angesprochen worden war.
"Die Brücken von Deneb 5!Haben Sie sie schon einmal von oben gesehen?"
Ich schaute wohl etwas irritiert.
"Aus demWeltraum." Setzte er nach.
"Oh...äh, nein, natürlich nicht."
"Haben Sie etwa nie die Sterne ohne die verschleiernde Sicht einer Atmosphäre gesehen?"
"Doch, doch!"Ich hatte das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen. "Auf dem4.Mond von Opastus haben wir eine Mine und dieser Mond hat keine Atmosphäre und auch keine künstliche Biosphäre."
"Und wie empfanden Sie es?"
"Nun, man konnte entfernte Sonnen wie Punktleuchten sehen, ohne den verzerrenden Strahlenkranz, den eine dichte Atmosphäre bewirkte." So recht wußte ich nicht, was er als Antwort von mir erwartete.
Belehrend fuhr er fort:"Opastus istzerstört. Ein Mond istauf seine Oberfläche gestürzt und hat den Planeten fast in Stücke gerissen. Es scheint so, als hätte eine riesige Bestie ein Stück herausgebissen, es als ungenießbar eingestuft und die Bruchstücke wieder ausgespuckt, die nun den Planeten auf unsteten Bahnen umkreisen, so dass jede Annäherung äußerst gefährlich ist." Sein Blick verlor sich zwischen den schwebenden Regalen hinter dem Ausschank, in denen zahlreiche mit ausdrucksstarkfarbigen Flüssigkeiten, Gasen, Gels gefüllte Gefäße auf und abglitten.
"Nun... ja, " ich hüstelte, " mein Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. In den Minen gibt es nur transportable Transferstationen, die nicht so viele Koordinaten zur Auswahl haben und da muß man sich schon sehr an die Zeiten halten...."
Als hätte er mir gar nicht zugehört, erzählte er weiter: "Die Bruchstücke von Opastus tauchen so plötzlich auf, dass man es schwer hat,sie rechtzeitig auszumachen und auszuweichen odersie zu eliminieren. Da bedarf es eines hervorragenden Navigators und eines sehr treffsicheren Waffenoffiziers, auch wenn man nur mit einem kleinen Schiff dort hindurchmanövriert.-Und dann fliegt mandurch die tiefenSchluchten aus Gestein und Erz;bizarren Formen erstarrter heißer Gase und flüssiger Lava,entlang an den zerborstenen Kanten eines Kontinents..." Seine Augen waren verengt und seine Finger schienen den Flug zu simulieren zwischen toten Steinen, die allenfalls noch dazu dienen mochtenihnenihre Bestandteile zu entziehen für Baustoffe und Energie.
"Nun, ich dachte immer, die Bewacher sitzen in Orbitalstationen und achten auf Meldungen über das Sondennetz, dass die Föderationswelten umspannt. Alle Wartungsarbeiten werden doch von Robotschiffen erledigt. Es gibt doch gar keine Raumschiffe mehr, nicht einmal für die Versorgungstransporte, das letzte wurde vor einem Monat außer Dienst gestellt." Ereiferte ich mich.

Pause.

"Ich sagte schon, dass ich nicht von den Überwachern bin."

Pause.

Nun schien er ehrlich verärgert und dieses geheimnisvolle Gerede ließ mich auch nicht ganz ungerührt. Ich beschloßaber,es auf sich beruhen zu lassen. Für mich war dieses Gespräch somit beendet. Mein Tee war auchkalt, was mich noch mißmutiger stimmte.

"Wie traurig."

Ich zuckte beinahe zusammen bei den Worten neben mir. Eher weniger wegen des Inhaltes als viel mehr, dass noch einmal Worte gesprochen wurden.
"Was?" entfuhr es mir, ohne mir über die Bedeutung des Wortes 'Was' in dem Moment bewußt zu sein.
"Nun, ich meinte, wie traurig, dass Sie noch nie die Schönheit einer Sonne von Nahem gesehen haben, wie sie ihre gewaltigen Energien direkt an einem vorbei ins All schleudert; noch nie dem feinenKlingen von Asteroidenstaub auf der Hülle eines Schiffes gelauscht haben; noch nie in einen Nebel mit seinemwechselnden Farbenspiel eingetaucht sind; noch nie dunkle Materiewolken erhellt haben; zwischen ehrfurchtgebietenden Planeten hindurchgeflogen sind, die so alt sind wie die Galaxie selbst! -Den Schauer der Winzigkeit unserer eigenen kümmerlichen Existenz und Kurzlebigkeit gespürt haben, am Rande der Föderation, wenn man auf unerforschte Sterne blickt, so weit, dass man es nicht mehr in Worten auszusprechen vermag, noch in Jahrhunderten, bis wir sie erreichen könnten und es beruhigt mich, dass dies auch die Grenze ist, die solchen Leuten wie Ihnen gegeben sein wird, mit ihren Transportern, während ich mich bereits auf dem Weg dorthin befinde." Mit diesen Worten erhob er sich und steifgängig doch stolz und autoritätsbeladen verließ er die Bar.



Einige Zeit später. Mein Wegführte mich wieder in diese Bar.
Ich hatte die Begegnung mit dem komischen, alten Mann eigentlich schon vergessen, als mir beim Betreten, an der Tafel, die über die Geschichte dieses Ortes in ständig wechselnden Abrufeinheiten berichtete, für einen kurzen Moment sein Bild erschien. Ich hielt inne. Noch nie hatte es mich interessiert hier an der Tür zu verweilen und etwas, was mit diesem Ort in Verbindung stand, nachzulesen.Doch dieses Bild brachte mir wieder dasseltsame Gespräch mit diesem kauzigen Mann in Erinnerung.
Ich blieb stehen und suchte das kurze Aufleuchten des Informationsflusses wieder zurückzuholen.
Ich ging die einzelnen Artikel rückwärts und beim sechsten hatte ich es.
Nur eine kurze Notiz, eigentlich abgespeichert in Geschichte der Föderation, was ich am Rande bemerkte.
Der Mann auf dem Bild galt als verschollen. Er hatte den Föderationsraum verlassen und alle Aufforderungen der Überwachungssonden zurückzukehren,waren unbeantwortet geblieben. Man hatte sogar ein Robotschiff nachgesandt, doch auch dieses konnte seinem Raumschiff....seinem Raumschiff!!- Er hatte ein eigenes Schiff!- Dieser Artikel stand unter Geschichte der Föderation...
Ich erinnerte mich an vergangene Unterrichtsstunden, an langweilige Vorträge und an Uniformen und jetzt fiel mir auch wieder ein, wo ich seine Bekleidung schon einmal gesehen hatte: In Geschichte der Föderation!Ein langweiliges Fach.
Ich las weiter..."Sein Schiff,die Enterprise und Captain Jean-Luc Picard galten als verschollen im unbekannten Raum und hatten laut Aufzeichnungen der Langstreckensensoren die Galaxie bereits verlassen.."
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