Number 6

von Yuno
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
18.03.2017
10.03.2018
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„Ich würde dir davon abraten, Prinzessin. Jeder zweitklassige Soldat wäre besser.“ Revali sah zu Zelda, welche nachdenklich den Blick in die Ferne gerichtet hatte. „Jeder hat eine Chance verdient, findest du nicht, Revali?“ Daruk hatte die Konversationen zwischen Revali, Zelda und Urbosa nun schon eine Weile mit angehört. Und wie sollte es anders sein, der Orni war natürlich davon überzeugt, dass ein weiterer Recke überflüssig wäre. Immerhin hatten sie ihn!

„Ich stimme Daruk zu. Warten wir doch einfach ab. Danach können wir die Dinge immer noch ändern“, warf Mipha ein. „Sie hat Recht, Revali. Finde dich endlich damit ab. Immerhin sollen wir Ganon bezwingen, da können wir jede helfende Hand gebrauchen.“ Selbst Urbosa war damit einverstanden. Es war zwar schwierig, immerhin waren die fünf Recken bereits ein Team seit längerer Zeit, aber was sein musste, musste sein. Der Orni wand sich schnaubend ab. „Wie ihr meint“, waren seine letzten Worte zu diesem Thema. Unterdessen war jemand ganz anderes dabei den alten Festplatz zu erreichen, auf dem sich die Recken und die Prinzessin befanden.

Die junge Frau erreichte ihn und zog sämtliche Blicke auf sich. Ihr silberweißes, kurzes Haar flog im Wind, ebenso wie der blaue Schal mit dem sie sich als Recke zu erkennen gab. Ihre Miene zeigte allerdings keine Freude - im Gegenteil. Selbst ihr Auftreten machte den Eindruck, als wäre sie von dem Ganzen nicht begeistert. Zelda stellte sich zu der mehr oder weniger unbekannten und räusperte sich. „Darf ich euch den sechsten Recken vorstellen? Das ist Raisa.“ Eben jene verdrehte die Augen, machte nicht grade den besten Eindruck. Der eindringliche Blick von Zelda brachte sie jedoch dazu wenigstens etwas Manier zu zeigen. „Es freut mich eure Bekanntschaft zu machen…oder so.“
Raisa blickte zu den anderen fünf Recken. Mipha zeigte ihr einen aufmunternden Blick, Urbosa einen amüsanten, Daruk einen freundlichen und Link einen emotionslosen. Der einzige Blick, den Raisa prompt frech erwiderte, war Revalis. Ein hasserfüllter Ausdruck lag auf seinem Gesicht.
Raisa kannte den Orni, hatte bereits so einige Geschichten von ihm gehört. Ein selbstverliebter Angeber war er, der mit seinen Fähigkeiten selbst in seiner Heimat herum prahlte. Aus unerfindlichen Gründen war er im Dorf der Orni dennoch beliebt. Raisa war fast das komplette Gegenteil. Sie prahlte nicht und erzählte auch sonst nichts über ihre Fähigkeiten, was allerdings daran lag, dass sie kaum mit anderen sprach und in Hyrule auch nicht wirklich beliebt war.

Die Recken und fast Hyrule kannten Raisa als die ,rasende Schwertkämpferin‘. Diesen Namen gab man ihr, weil sie das Schwert so schnell schwingen konnte, wie kein anderer. Man sagte sich, dass ihre Hiebe so schnell wie Blitze wären… Diesem Umstand war es zu verdanken, dass sämtliche Straßenkämpfe Seiten ihres gewonnen wurden. Aber wer blickte schon zu einem verzogenen, besser gesagt ungezogenem, Straßenkind auf? Niemand bei normalem Verstand.

„Möget ihr Recken mit vereinten Kräften die Verheerung Ganon bezwingen können.“ Zelda blickte zu ihren Untergebenen. Das Bild, welches sie vor sich hatte, entsprach nicht ganz ihrer Vorstellung, aber es war annehmbar. Sechs Recken, dabei fünf auf einem Haufen und einer Abseits.
Raisa mochte keine Menschen, oder so etwas Ähnliches, um sich herum haben. Straßenkinder waren immer alleine, sie war fast immer alleine und sie kam gut ohne die Hilfe anderer zurecht. Wieso sollte sie also ihre Prinzipien über den Haufen werfen? Nur weil Zelda ihre herrische Art heraushängen ließ? Das konnte sie auch, wenn sie wollte!

„Gibt es sonst noch was? Ich würde mich sonst gerne von hier entfernen.“ Revali hatte Spott in seine Stimme gelegt und blickte zu dem Neuling herüber. Er hasste sie, einfach nur, weil in ihr das Potenzial eines weiteren Rivalen war. Und der Tatsache, dass sie ein Niemand war und es wagte, sich den Titel eines Recken anzueignen. Ein Titel, dem vorher nur den besten Kriegern Hyrules verliehen wurde. Aber sie war keine Kriegerin. Sie war wie eine streunende Katze. Heimatlos, ungezogen und harsch. „Nein, ich habe euch nichts weiter zu erzählen.“ Zelda war mit ihren Worten noch nicht einmal fertig, schon hatte der Orni sich in die Lüfte begeben und steuerte seinen Titan an.

„Widerling“, bezeichnete Raisa ihn, nachdem sie sich sicher war, dass er es nicht mehr hören konnte. „Er kann ziemlich anstrengend sein. Es gibt Tage, da könnte auch ich ihm das Gefieder rupfen. Mach dir nichts daraus.“ Urbosa lachte und verließ den Platz auch allmählich. „Und hast du deinem Titanen schon einen Namen gegeben?“, fragte Mipha Raisa. Eine Antwort erwartete die Zora nicht, aber sie wollte auf keinen Fall einen Eindruck wie Revali hinterlassen.
„Vah Inazuma.“ Ein passender Name, wie Raisa fand. Ihr Titan hatte die Form eines Löwen und Inazuma war zwar ein klangvoller Name, aber gleichzeitig barg er auch etwas Geheimnisvolles. Zumindest empfand sie das so.

„Solltest du dich hier nicht zurechtfinden, scheue dich nicht mich zu fragen. Ich helfe gerne.“ Der Platz leerte sich langsam. Letzten Endes befanden sich dort nur noch Raisa, Zelda und ihr Leibwächter Link. „Vergib mir, dass ich dich her gerufen hatte. Mir blieb keine andere Wahl.“ Zelda versuchte die richtigen Worte zu fassen, allerdings fiel ihr das schwerer als gedacht. „Es gibt nichts zu entschuldigen. Ich will niemanden etwas schuldig sein und wenn ich dafür mit diesen Bastarden ,zusammenarbeiten‘ muss, dann sei es so.“

Wie bereits erwähnt, besaß Raisa nicht den Hauch von Anstand. Woher denn auch? Niemand hatte ihr beigebracht, wie man sich einer Prinzessin gegenüber verhielt und um ehrlich zu sein, war es ihr auch egal. Sie würde sich wahrscheinlich auch dann daneben benehmen, wenn man es ihr beigebracht hätte.
„Ich gebe alles, um diesem Land, meinem Land, dienlich zu sein. Ich möchte Hyrule vom ganzen Herzen beschützen, du doch auch, nicht wahr?“, fragte Zelda. Raisa lachte dabei leicht auf. Es war kein freundliches Lachen. „Wenn es nach mir ginge, dann könnte dieses Land, diese Welt untergehen. Sie bedeutet mir nichts. Der Grund, warum ich das hier mache, ich denke, ich habe ihn dir bereits genannt.“

Zelda schwieg nun, Link wollte sich in dieses Gespräch erst gar nicht einmischen. „Ich werde nach dir sehen, in deinem Titan. Ich bete zu den Göttern, dass du es schaffst, ihn für dich zu gewinnen.“ Zelda und Link verließen den Platz nun auch. Raisa war nun allein, dies war etwas, was sie besonders wertschätzte. Endlich keine eingebildeten Vögel und aufdringlichen Prinzessinnen mehr.
Raisa setzte sich gegen einen Pfahl und sah zum Sternenhimmel auf. Das ,Spiel‘, welches über das Schicksal dieser Welt entscheiden sollte, würde nun beginnen. Entweder Ganon siegte oder die Recken Hyrules…
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