Broken from the start

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
McCree Reaper Soldier:76
18.03.2017
18.03.2017
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Until the sun goes down


'Wann findet ein Soldat seinen Frieden…wenn er kämpfend auf dem Schlachtfeld sein Leben verliert, oder wenn er in den Armen einer geliebten Person einfach seine letzten Atemzüge in völliger Ruhe genießt?'…Gabriel wusste nicht mehr, wer genau ihn diese Frage gestellt hatte, aber jetzt tauchte sie doch wieder in seinen Gedankengängen auf. Er selbst hatte sich seinen Tod immer auf dem Schlachtfeld vorgestellt, umringt von Schreien und der vertraute Laut seiner Schrotflinten, bis sein sterbender Körper schließlich den Kampf endgültig für ihn beendete.
Eine realistische Vorstellung, die jetzt allerdings wie das Wunschdenken eines unerfahrenen Soldaten wirkte. Gabriel befand sich nicht auf dem Schlachtfeld, er riss keine Gegner mit in den Tod und es war niemand da, mit dem er die letzten Minuten seines Lebens teilen konnte. Stattdessen saß er auf den kalten Boden irgendeines komischen Labors, kaum bei Bewusstsein und verblutete an einer Wunde, die rechts am Rücken nahe der Niere lag. Dieser Bastard hatte ihn von hinten angeschossen, während Gabriel die Forscher zur Kapitulation zwang.
Eigentlich ein verdammter Witz, dass ausgerechnet seine Spezialität leise und aus dem Hinterhalt anzugreifen ihm jetzt zum Verhängnis wurde. Der gegnerische Soldat überlebte danach keine Minute, doch durch seine panische Reaktion lagen nun auch die drei Forscher leblos um ihn herum auf den Boden – niedergeschossen wegen der Inkompetenz ihrer eigenen Wachen.
Ein kleines Zwischen entwich Gabriels Lippen, als sich ein brennender Schmerz durch seinen Körper zog und er instinktiv seine Hand stärker auf die Wunde drückte. Es machte keinen Sinn, selbst der Körper eines Supersoldaten konnte den Schaden einer zerfetzen Niere nicht auffangen. Träge wanderte sein Blick auch zu dem biotischen Feld, welches wahrscheinlich der Grund war, warum er überhaupt noch lebte. Jack hatte ihn vor Wochen den Emitter kurz nach einer Mission in die Hand gedrückt, mit der Information, dass Gabriel seinen Arsch das nächste Mal ohne schwere Verletzungen nach Hause schleppen sollte.
Das ganze Gespräch artete wie so oft in einen Streit aus, da Strike-Commander Morrison hinter seinem Schreibtisch offenbar vergessen hatte, welche Risiken der Beruf eines richtigen Kommandanten mit sich brachte. 'Schlachtfeld oder in den Armen einer geliebten Person?', schallte es Gabriel plötzlich erneut durch den Kopf und er biss die Zähne zusammen, um nicht zum zweiten Mal in diese sinnlosen Gedankengänge abzutauchen.
Sein Kommunikationsgerät lag schon länger in seiner rechten Hand und ein lauter Knall draußen machte ihm bewusst, was jetzt wirklich wichtig war. Zwischen Jack und Gabriel gab es nichts mehr zu retten, aber es existierten noch andere Personen, für die er als Kommandant einen letzten Dienst erweisen musste…

Jack lag regungslos auf seinem großen Bett, die Computer zur ersten Mal seit Tagen komplett abgeschaltet, sein signifikantes Outfit als Strike-Commander weit weg in einen Schrank am anderen Ende des Zimmers gelegt. Solche Tage waren selten und dennoch ein wichtiger Part seines jetzigen Lebens. Jack liebte seinen Job, war der festen Überzeugung, dass Overwatch einen großen Part zum Wohl der Menschheit beitrug. Dennoch wurde die Last auf seinen Schultern manchmal zu schwer, die endlosen Diskussionen ermüdend und seine positive Ausstrahlung zu einer unechten Fassade.
Viele vergaßen in ihrer Euphorie, dass er auch nur ein Mensch war, der zudem keine Wunder vollbringen konnte – zumindest nicht alleine. Hinter dem Erfolg von Overwatch steckte schon immer eine Gruppe von besonderen Personen, von denen die Meisten ihn auch heute noch tatkräftig unterstützten. Seine jetzige Position hatte Jack die Chance gegeben, weiterhin an ihren Zielen zu arbeiten, selbst wenn er auf privater Ebene dafür einen herben Verlust einstecken musste.
Gabriels Reaktion auf seine Beförderung hatte einen tiefen Krater hinterlassen, der sich bis hin zum Grundpfeiler ihrer Freundschaft zog. Es raubte ihn teilweise nächtelang den Schlaf, weshalb Jack auch jetzt genervt mit der Zunge schnalzte, als sein Kommunikationsgerät auf dem Nachttisch rot aufleuchtete.
Teilweise tat ihm sein Verhalten im nächsten Moment schon wieder leid, zu der späten Stunde brauchte wahrscheinlich wirklich jemand seine Hilfe oder zumindest uneingeschränkte Aufmerksamkeit, weshalb er das Gespräch ohne weitere Verzögerungen annahm, „Morrison“. Gedämpfte Schüsse war das Erste, was Jack durch die leicht verzerrte Verbindung wahrnehmen konnte, bevor eine raue Stimme seinen Namen sagt, „Jack“.
Es war nur ein verdammtes Wort und dennoch fühlte sich Jack so, als ob ihn jemand mit Eiswasser übergossen hätte. Gabriel benutzte schon lange nicht mehr seinen Vornamen, was allerdings nur ein flüchtiger Gedanke war. Stattdessen fiel ihm eher dieser seltsame Stimmton auf, den Jack mit erschwerter Atmung und noch etwas anderem in Verbindung brachte. 'Wässrig…Blutig', warf sein Unterbewusstsein mit ein, als der Strike-Commander sich ruckartig aufsetzte.  „Gabe?“, kam die leicht verzögerte Antwort, aber da wurde Jack schon unterbrochen.
„Hör zu, ich habe keine Zeit und hier geht es um das Leben meiner Truppe“, knurrte Gabriel über das Kommunikationsgerät, bevor er seine Situation weiter erläuterte, „Die Mission war ein Fehlschlag, vier meiner Männer wurden bei einem Hinterhalt getötet und wir haben…eine weitere Komplikation“.
Der gesamte Anruf machte Jack etwas stutzig, doch bei Gabriels letzten Worten machte sich plötzlich ein lähmendes Gefühl in ihm breit. „Wie ist dein Status, Gabe?“, fragte der Strike-Commander leise, aber dennoch mit einem ernsten Unterton.
„Der restlichen Gruppe geht es gut, aber sie verweigern meinen Befehl zum Rückzug“, Reyes hätte so etwas nie freiwillig zugegeben, was jedoch komplett an Jacks Aufmerksamkeit vorbeirauschte, „Ich hab nicht-“, erneut wurde der jüngere Kommandant unterbrochen, als Gabriel weiterhin seine Einwände ignorierte, „Ich habe dir die Koordinaten bereits geschickt, schaff diese nutzlosen Idioten zurück zu Basis, wenn es sein muss auch mit Gewalt“.
„Wie ist dein verdammter Status, Reyes?“, brüllte Jack nun fast schon in das kleine, graue Gerät, woraufhin eiserne Stille folgte. Der Strike-Commander war schon längst aufgestanden um seine Sachen zusammenzusuchen, stoppte jedoch bei seinem Tun, da weiterhin keine Antwort folgte. „Bring meine Männer einfach Nachhause, Jack“, kam dann die leise Stimme von Gabriel und Jack starrte fassungslos das Kommunikationsgerät an, als daraufhin nur noch der dumpfe Laut einer unterbrochenen Verbindung im dunklen Zimmer widerhallte.

Gabriel schloss die Augen, bevor er mit einer aggressiven Bewegung das kleine Gerät in seiner Hand gegen die nächste Wand schleuderte. Der Gegenstand zerbrach in viele Einzelteile und der Kommandant von Blackwatch holte einmal tief Luft, um sein Gefühlschaos wieder in den Griff zu bekommen. Jack hatte ihn klar und deutlich verstanden, in jeder nur möglichen Hinsicht - warum veranstaltete er so ein Theater?
So etwas passierte in ihrem Beruf fast täglich, trotzdem schien diese Information bei keiner Person in seinem Umfeld richtig in den Kopf zu gehen. Er war eine Komplikation mit zu viel Risiko und zu wenig Überlebenschance, um was genau kämpften seine Männer da draußen also überhaupt?
Seufzend lehnte Gabriel seinen Kopf gegen die Wand, als seine Sicht leicht verschwamm und ein Gefühl der Benommenheit sich über ihn legte. Jack würde seine Leute sicher Nachhause bringen, dennoch erwischte Gabe sich dabei, wie er unbewusst den Druck auf seine Wunde erhöhte.
'Als ob das die Blutung stoppen würde', schoss es ihm monoton durch den Kopf, bevor ein lautes Scheppern ihn ruckartig in die Realität zurückzerrte. Ein seltsamer Schatten huschte unter den Schreibtischen hindurch und blieb dann in einer Ecke stehen, was Gabriel dazu veranlasste das Ding genauer zu mustern.
Es war klein, nur zwei leuchtend rote Punkte funkelten ihm entgegen, während der Rest eher nach schwarzem Rauch aussah. Gabe fragte sich kurz, ob er nun endgültig wegen dem Blutverlust anfing zu halluzinieren, aber dann fiel ihm seine eigentliche Mission wieder ein.
Im Untergrund machte sich ein Gerücht breit, welches von verbotenen Forschungen sprach und unter den Namen 'Projekt Reaper' bekannt war. Blackwatch sollte dem Ganzen ein Ende setzen, nachdem in verlassenen Forschungsstationen einige Leichen in einem monströsen Zustand gefunden wurden.
Instinktiv behielt Reyes das Ding ganz genau im Auge, als es langsam über den Boden kroch und schließlich bei einer toten Forscherin stoppte. Es schien kurz zu zögern, bevor schwarzer Rauch fließend in den leicht geöffneten Mund der Frau eindrang und keine Sekunde danach die Leiche mit einem abrupten Atemzug die Augen aufriss.
Ihre Haut war nach wie vor kränklich blass und ihr Blick schnellte wie im Fieberwahn hektisch von einem Punkt zum anderen. Selbst das Gesicht der Frau verzog sich vor Schmerz, bis ihr gesamter Körper auf einmal wieder erschlaffte und emotionslose Augen nun in seine Richtung starrten.
„Hm…sie hatten Angst vor euch, dabei seid ihr auch nur Menschen“, murmelte die Forscherin dann, wobei ihre Stimme viel verzerrter klang, als sie eigentlich sollte.
„Projekt Reaper...nehme ich an“, erwiderte Gabriel schwerfällig, da allein bei Bewusstsein bleiben langsam zu eine schwierigen Aufgabe wurde. Die Frau schaute kurz zur Seite, als ob sie nachdenken würde, nur um ihn dann wieder anzustarren. „Ich würde nur Reaper sagen, so wurde ich zumindest immer angesprochen“, antwortete der Geist im fremden Körper und streckte dann die Hand aus, damit das gelbe Licht des Emitters sanft auf ihre Haut strahlen konnte, „Stirbst du jetzt?“.

Die Frage brachte Gabriel etwas aus dem Konzept, da sie so vorsichtig gestellt wurde, als ob sie von einem verunsicherten Kind kommen würde, „…Warum interessiert dich das?“. Die Forscherin seufzte und zog ihre Hand wieder zu sich, um dann langsam mit einem Zeigefinger über die Schusswunden an ihren Oberkörper zu fahren, „Diese Frau ist tot, hier gibt es nichts zu holen…bei keinen von ihnen. Ich wurde nicht geschaffen, um alleine zu existieren“. Reyes dachte an die ausgetrockneten Körper zurück, die im Grunde so aussahen, als ob man ihnen sämtliches Leben entzogen hätte. Wurde Reaper dafür erschaffen, sozusagen als biochemische Waffe?
Eine erneute Welle des Schmerzes brach über Gabriel hinein und er krümmte sich leicht nach vorne, was nur weiter an seiner offenen Wunde zerrte. „Mit anderen Worten du verreckst also auch, wenn du niemanden findest, den du aufsaugen kannst?“, presste der Kommandant zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, woraufhin die Frau ihn nur mit einem kühlen Blick musterte. Gabriel konnte sich schöneres vorstellen, als hier mit diesem Vieh zu sterben, anderseits beruhigte ihn der Gedanke irgendwie, dass Reaper mit ihm verschwinden würde.
„Das würde ich, ja“, antwortete die Forscherin schlussendlich doch, nur hatte sich plötzlich etwas an ihren Augen verändert. Das einst glasige Blau war nun eine Art Orange und sie blickte Gabriel an, als ob sie jeden einzelnen seiner Gedanken lesen könnte. „Aber ich will nicht sterben…und du genauso wenig“, meinte der Geist dann, was Reyes fast schon nach seinen leeren Schrotflinten greifen ließ. Sie lagen nutzlos ein paar Zentimeter von seinem linken Bein entfernt, dennoch hatte Gabe den seltsamen Drang sich irgendwie verteidigen zu müssen.
Ein kleines Lächeln schlich sich auf die kalten Lippen der Forscherin und sie nahm ein Stück vom Kommunikationsgerät in die Hand, welches dicht neben ihren eigentlich leblosen Körper gelandet war. „Jack scheint eine besondere Person zu sein und ich habe gehört, wie du deinen Leuten befohlen hast, sich in Sicherheit zu bringen“, führte der Geist das mittlerweile recht einseitige Gespräch fort, während Gabe nach und nach den Kampf gegen die Bewusstlosigkeit verlor, „Hast du dir so deinen Tod vorgestellt?“.
'Auf dem Schlachtfeld oder in den Armen einer geliebten Person'….dieser verfluchte Satz entwickelte sich auf einmal zu einem Mantra, welches zuvor nie eine Bedeutung gehabt hatte. „Sei endlich still“, knurrte Gabe schließlich und versucht dabei zu ignorieren, wie der Emitter seinen Dienst endgültig aufgab, womit der Raum in eine tiefe Dunkelheit getaucht wurde.  
Einzig allein diese rot glühenden Augen funkelten ihm noch entgegen, selbst wenn die Stimme der Frau nun ebenfalls leicht geschwächt klang, „Ich könnte dich retten…du könntest alle diese Personen wiedersehen. Ich verlange nichts im Gegenzug, außer die Gelegenheit, durch dich zu lernen“.
Ein verächtliches Schnauben verließ Gabriels Kehle und er lehnte den Kopf wieder gegen die Wand, da sich alles plötzlich sehr leicht anfühlte und sämtliche Sinne wie benebelt waren. „Was willst du lernen? Wie man Leute….effizienter umbringt?“, stellte er trotzdem seine Frage, woraufhin eine unerwartete Antwort folgte, „Nein…ich will das Leben kennenlernen und die Sonne sehen“. 'Die Sonne‘, schalte es dumpf in Gabriels Gedanken wieder und er schmunzelte, als schwarze Punkte sich in sein verschwommenes Blickfeld fraßen, während ein junger Soldat mit blonden Haaren ihn in seinen Erinnerungen entgegen grinste, 'Ja…die Sonne wäre zum Schluss tatsächlich nochmal ein schöner Anblick gewesen'.  

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Wettschulden sind Ehrenschulden und jeder der daran beteiligt war, weiß wahrscheinlich wovon ich rede xD
Aber ich habe mir natürlich Gedanken gemacht  und hoffe, dass euch diese kleine Reaper76 Geschichte gefallen wird. Es ist ein alternatives Universum, wobei die größte Veränderung wirklich bei der Trennung von Reaper und Gabe an sich liegt ^^
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