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Diner Impressions

von - Leela -
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Hank Kohler Mikey Randall Nick Comstock Parker Lewis
16.03.2017
20.10.2017
9
11.086
 
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16.03.2017 1.377
 
Willkommen in Nicks Diner!
In dieser Kurzgeschichtensammlung werden ihr alle Kapitel zum Wettbewerb Wörterwirbel von Panayota finden. Den Wettbewerb mache ich im Schwierigkeitsgrad »Anspruchsvoll« mit, die Vorgaben aus »Simpel« und »Normal« schreibe ich nach und nach als Projekt auch. In den Vorgaben findet ihr jeweils gekennzeichnet, ob es sich um ein Wettbewerbskapitel handelt oder nicht. Dieses Kapitel ist das Startkapitel, und das erste Wettbewerbskapitel.
Ihr seid herzlich auf einen Drink eingeladen! ^^

Vorgaben:
Runde: 1
Schwierigkeitsgrad / Kapitelart: Anspruchsvoll / Wettbewerb
Wortvorgabe (Abstrakta): Sanftmut | Desinteresse | Missgunst | Sicherheit | Hingabe
Auswahl: Fünf von fünf Wörtern müssen unverändert im Text verarbeitet werden.

Hinweis: Da ich nach alter Rechtschreibung schreibe, findet ihr den Begriff »Missgunst« regelkonform unter »Mißgunst«! ^^

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- F O R   S A L E -

Prolog

Seit langer Zeit schien hinter den Fenstern des alten »Atlas Diners« wieder Licht.
      Fast ein Jahr hatte das Gebäude leergestanden, vergessen, heruntergekommen, den Glanz seiner besten Tage weit hinter sich gelassen.
      Einst war das Diner zentraler Treffplatz für alle Bewohner von Santo Domingo gewesen. Vor allem die Schüler der nahen Santo Domingo High School waren Stammgäste hier gewesen – das alles war gewesen, bevor der neue Inhaber, Couch Hank Kohler, das Lokal aufgekauft und systematisch zugrundegewirtschaftet hatte, bis es schließen mußte.
      Über Monate war das Gebäude zu Verkauf angeboten worden, ohne Erfolg. Und mit jedem Tag, an dem die Zeit ihre Spuren hinterließ und Nostalgie in Schrott verwandelte, schwanden die Chancen mehr. Nun stand es zum Abriß bereit, um einem neuen Einkaufszentrum Platz zu machen.
      Nun… So wäre es gekommen, hätte sich nicht in letzter Minute doch noch ein Käufer für das Objekt gefunden.
      Nur ein Verrückter würde eine solche Bruchbude kaufen, sagen Sie? Ein Wahnsinniger? Jemand, der den Verstand verloren hatte? Oder vielleicht jemand, dessen Herz an diesem Ort hing…

Coming Home

Nick Comstock stand zwischen zerbrochenen Barstühlen, Glasscherben und Kisten mit undefinierbarem Inhalt auf dem klebrigen Boden, dessen Geruch unter anderem vage an verschiedene Alkoholsorten erinnerte. Für einen Moment wirkte er, als wüßte er nicht, was er tun sollte. Er war wie gelähmt.
      Es schien noch gar nicht so lange her, daß er hier, im Atlas Diner, als Barkeeper gearbeitet hatte. Dies war noch zu Zeiten des alten Eigentümers gewesen, bevor Coach Kohler, der eigentlich Trainer an der Santo Domingo High School war, das Objekt aus einer Laune heraus gekauft hatte.
      Zu Nicks Zeiten war das Diner etwas besonderes gewesen. Es war ein Ort voller Leben gewesen, voller Freude und Harmonie, ein Ort mit magischem Flair. Hier wurden Freundschaften geknüpft, Beziehungen begonnen, geselliges Beisammensein gelebt. Es war die beste Zeit seines Lebens gewesen, auch wenn er dies erst gemerkt hatte, als er weitergezogen war.
      Was dann passiert war, konnte der große Dunkelhaarige nur erahnen. Viel zu lange war er nicht hier gewesen.
      Lange nachdem das Diner aufgegeben worden war, hatte es den attraktiven, weit herumgekommenen Mann wieder in die Gegend von Santo Domingo verschlagen – sein Ansinnen, aus Nostalgie heraus im Atlas Diner etwas trinken zu gehen und nach alten Freunden Ausschau zu halten, hatte aber in einem jähen Schock geendet, als er ohne jede Vorwarnung festgestellt hatte, was aus seinem großartigsten Arbeitsplatz geworden war.
      Er hatte gehört, daß das Diner später von einem anderen Besitzer übernommen worden war, der keine Ahnung davon hatte, wie ein Diner zu führen war. Dies war jedoch nichts im Vergleich zu dem Anblick des dem Untergang geweihten Diners. Nick war jemand von der Sorte, den nichts so leicht aus den Socken hob. Doch das, was sich ihm hier offenbarte, trieb selbst ihm die Tränen in die Augen. Mit welchem Recht hatte ausgerechnet dieser Ort, der romantischste, an den er sich erinnern konnte, solch ein Desinteresse verdient…?
      Als er davon gehört hatte, was sich hier ereignet hatte, und wie die Zukunftsplänen für diesen einst bezaubernden Ort aussahen, hatte er gar nicht mehr anders gekonnt, als das Schicksal in die Hand zu nehmen. Ohne groß zu überlegen hatte er das alte Diner gekauft, kurz bevor die Pläne für das Einkaufszentrum besiegelt worden waren. Und er würde es wieder aufbauen, koste es, was es wolle!
      „Dann wollen wir mal!“ murmelte er, ging einen Schritt in den verdreckten Innenraum herein, der von Staub, Spinnweben und bröckelndem Putz dominiert wurde und versuchte, sich nicht von den saugenden Geräuschen ablenken zu lassen, die seine Schuhe bei jedem Schritt verursachten. Resigniert hob er einen zersplitterten Barhocker vom Boden auf. Es lag ein gutes Stück Arbeit vor ihm. Er wußte, es würde ihn an seine Grenzen bringen. Doch im Inneren wußte er genauso, es war die Sache wert!

An diesem Abend wurden noch zwei andere auf das alte Diner aufmerksam. Mikey und Parker waren gut gelaunt auf dem Weg vom Kino nach Hause, – wie jedes Mal überkam sie aber ein bedrückendes Gefühl, als sie über das Gelände des ehemaligen Atlas Diners kamen. Hier hatten sie so viele schöne Stunden verbracht, mit ihren Freunden, die erste große Liebe, der erste Flirt, das erste Bier…
      Diesmal war allerdings etwas anders als in den vergangenen Monaten. Mikey faßte seinen besten Freund beim Arm. „Parker, da ist Licht…“
      Der blonde junge Mann an seiner Seite spürte ein unangenehmes Gefühl durch seinen Körper strömen. „Dann ist es jetzt sicher soweit. Das Diner wird abgerissen.“
      Mikey sah ihn ungläubig an. „Müssen sie dafür Licht in der Bude anmachen?“
      Parker machte eine hilflose Geste. „Was soll es denn sonst zu bedeuten haben?“
      In den dunklen Augen des Rebellen glomm es gefährlich auf. „Das werden wir jetzt herausfinden. Komm!“
      Parker verdrehte die Augen, als sein Kamerad schon losstürmte und versuchte, zu ihm aufzuschließen.

Nick hatte sich gerade einen groben Überblick verschafft und im Geiste eine Liste mit zu erledigenden Dingen erstellt. Er wischte sich den Putz von der Jacke und seufzte schwer. Es würde eine Herausforderung werden, dies alles allein wieder auf Vordermann zu bringen.
      Er überlegte sich gerade, wo er anfangen wollte, als das Geräusch eines umkippenden Blecheimers bei der Tür ihn erschrocken herumwirbeln ließ. Dort stand Mikey, atemlos. „Nick?“
      Der beruhigte sich gerade von dem Schrecken und lächelte. „Mikey! Schön, dich zu sehen!“
      Hinter dem jungen Rebellen schob sich Parker in’s Bild. „Nick, was machst du hier?“
      Der machte eine umfassende Geste. „Ich werde versuchen, das Diner wieder aufzubauen! Was sonst?“
      Den beiden Freunden blieb sprachlos der Mund offen stehen. „Ist das dein Ernst?“
      „Was haltet ihr davon?“ Nick lächelte blitzend.
      „Ja!“ Mikey ging, ungeachtet des völlig verwahrlosten Fußbodens, mit einem Jubelschrei auf die Knie. „Du bist die Rettung, Nick!“ Von einem zum anderen Moment dominierte Euphorie die Stimmung des jungen Mannes. Aufgeregt sprang er wieder auf. „Kannst du Hilfe gebrauchen?“
      „Alle, die ich kriegen kann!“ schmunzelte Nick.
      Parker lehnte sich in die Tür des Lokals und beobachtete seinen besten Freund und den früheren Barkeeper des Diners mit einem Lächeln. Dies waren die besten Nachrichten, seit Coach Kohler das Diner damals übernommen hatte. Wenn Parker von einer Sache überzeugt war, dann, daß Santo Domingo nichts besseres hätte passieren können. Er wußte: Mit Nicks Hingabe wurde die Eröffnung des neuen Diners mit Sicherheit ein voller Erfolg.
      „Du hättest nie weggehen dürfen!“ In Mikeys Stimme klang eine Erleichterung durch, die ihresgleichen suchte. Gerade er hatte das Diner vermißt, hatte er doch seinerzeit sogar unter Nick hier gearbeitet, und die phantastischste Zeit seines Lebens hier verbracht. „Wenn du das Diner damals übernommen hättest, wäre das Desaster mit Kohler nie passiert.“
      Nick lächelte. „Mit Mißgunst kommst du nicht weiter, Mikey. Er hat es versucht und ist gescheitert. Und wir können jetzt nur das beste daraus machen und in die Zukunft schauen.“
      Parker sah Mikey an, daß er trotzdem noch wütend war, auf Kohler, darauf, daß Nick weggegangen war und auf die aktuelle Situation überhaupt, aber er sagte nichts mehr. Nick war einer der wenigen, vor denen der Rebell immer Respekt gehabt hatte, und daran hatte sich nichts geändert. Und auch Nick hatte sich nicht geändert. Mit seiner Sanftmut und Weisheit hatte er immer die Schärfe aus jedem Konflikt nehmen können. Santo Domingo standen wundervolle Zeiten bevor. Er stieß sich von der Tür ab und ging zu den beiden herüber, schnappte sich einen Putzeimer und begann, die Tische zu polieren.
      Nick nahm das vergilbte, kaum noch lesbare »Zu verkaufen!«-Schild aus dem Fenster und warf es auf den Haufen zu dem anderen Müll. Dies brauchten sie nun nicht mehr.

- S O L D ! -
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