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Göttliches Verlangen - Alte Narben

von Fenikkusa
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Fantasy / P18 / Het
16.03.2017
07.11.2021
57
127.618
29
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
17.03.2017 6.344
 
Kian


***


Ich ließ mich genervt auf mein Bett fallen, während ich auf meine Mutter oder meinen Vater und deren Standpauke wartete. Als jedoch keiner rein kam, seufzte ich, griff in meine Hosentasche und zog ein silbernes Armband hervor. Ich konnte sie einfach nicht vergessen. Ich konnte gestern nicht mal eine Halbgöttin flachlegen, weil es sich so falsch anfühlte. Ich hielt das Armband über mein Gesicht ins Sonnenlicht, betrachtete verträumt den glitzernden Schmuck und erinnerte mich dann an meine vergangen Tage zurück, wo ich mal wieder ausgerissen war.



„Nimm mich mit, Ray!“, beschwerte ich mich, da der Kumpel meiner Mutter mich versetzte, anstatt mit mir zu trainieren wie versprochen.
„Du hast Schule. Außerdem ist die Grenze kein Ort für dich“, meinte er trocken und verschwand mit diesen Worten.

Ich war sichtlich angepisst von ihm. Es interessierte mich nicht, ob er Pflichten an der Grenze hatte. Ray sollte gefälligst sein verdammtes Versprechen halten und mich trainieren, damit ich bald stärker war als meine Mutter. Ich wollte sie übertreffen, um sie und meine Schwester beschützen zu können. Ich liebte meine Familie, auch, wenn ich es nicht immer zeigte und ich wusste, im Gegensatz zu Liv, dass unsere Eltern mit sehr zwielichtigen Personen zu tun hatten. Ich hatte es zufällig mal herausgefunden, als ich einen Streit meiner Eltern belauscht hatte. Ich wusste nicht warum sie mit solchen Personen verkehrten, doch ich wusste, dass ich nur für den Fall der Fälle bereit sein wollte und meine Mutter und meine Schwester beschützen können wollte. Mein Vater war ein Monster, der konnte gut auf sich alleine aufpassen, dass bezweifelte ich nicht, denn ich hatte ihn einmal ernsthaft mit Ray kämpfen sehen und es war alles andere als schön gewesen. Es war beängstigend gewesen und selbst für Halbgötter war dieser Kampf nicht mehr normal gewesen. Außerdem hatte ich keine Lust auf Schule. Ich hatte keine Lust auf die ganzen dummen Bitches, die nur zum ficken gut waren und vor allem hatte ich keine Lust auf Nick und den Schwanzvergleich mit ihm. Ich hatte es nicht nötig mich mit ihm um irgendeinen Titel zu streiten. Dieser Titel wurde mir einfach gegeben, ich hatte nicht darum gebeten. Es war mir doch egal, ob ich der heißeste Kerl des Jahrgangs war oder nicht. Ich wollte nur meinen Spaß, wie war mir egal und ob ich dabei den Frauen gefiel oder nicht, war mir auch ziemlich egal. Die umschwärmten mich eh, egal was ich tat. Außerdem brauchte ich auch mal eine Pause davon ständig ein Auge auf Liv zu haben. Meine Schwester war stark, dass war auch mir klar, manchmal war sie wirklich beängstigend stark und sie wusste sich ganz sicher zu helfen, aber ich wusste auch, dass sie schüchtern und naiv war. Diese Charakterzüge waren nicht zu Letzt die Schuld meines Vaters. Er ließ sie nie irgendetwas tun, wobei sie sich auch nur einen Kratzer holen könnte, der wohlgemerkt sofort heilen würde, dabei wollte Liv so gerne. Sie beneidete mich um meine Freiheit und das konnte ich verstehen. Das eigentliche Problem war aber, dass ich wusste, dass die Kerle an der Schule nach ihr gierten, vor allem Nick, was mir ganz und gar nicht passte. Liv selbst merkte es nicht. Durch die fürsorgliche Art unseres Vaters war es nämlich so weit gekommen, dass Liv jedem Kerl unterbewusst die kalte Schulter zeigte, weil sie ja eh keinen Kontakt haben durfte. Sie war wunderschön, wirkte würdevoll, elegant, grazil und geheimnisvoll und sie war stark, intelligent und sportlich  und genau das machte sie begehrenswert für so viele Männer. Liv hingegen bekam das selbst nicht mit. Sie selbst hielt sich für hässlich und durch und durch unattraktiv und so kam es, dass alle Typen, die gut für sie wären, sich nicht trauten sie an zu sprechen, zumal diese auch von Nick jedes Mal einen warnenden Blick kassierten. Ich wusste, dass Nick schon lange nach meiner Schwester gierte. Er wollte sich damit brüsten sie flachgelegt zu haben, weil sie ja angeblich so unerreichbar war und mir damit zugleich eins auswischen. Aber ich würde meine Schwester diesem Wichser bestimmt nicht überlassen. Ich wollte nicht, dass er ihr das Herz brach. So viel Liv und ich auch stritten, sie war immer noch meine Schwester und ich liebte sie über alles. Auf jeden Fall war ich immer hinter her, dass Arschlöcher wie Nick sie nicht ansprachen und sie in Gefahr lief sich in so einen zu verlieben, denn durch ihre unnahbare Art sprachen sie eben nur solche Arschlöcher an, was mir wirklich leid für Liv tat. Ich wusste nicht, ob es wirklich so schlimm war unberührt zu sein, denn ich war es sicher schon lange nicht mehr, aber sie hatte es wahrscheinlich schon nicht leicht damit.

Mit diesen Gedanken packte ich schließlich mein Zeug und lief Ray stundenlang nach, bis ich die Grenze erreichte. Zu meinem Glück bemerkte er mich nicht, zu meinem Pech verlor ich ihn jedoch nahe der Grenze aus den Augen und sah mich etwas verloren nach ihm um. Plötzlich erkannte ich in einem laubgrünen Baum eine Frau in meinem Alter, vielleicht etwas jünger. Sie reckte sich in den Ästen nach einem Ball, den sie einfach nicht gegriffen bekam und stürzte schließlich mit einem lauten Schrei, als sie abrutschte. Ihr silbernes Armband wurde ihr durch einen Ast vom Handgelenk gerissen und fiel zu Boden. Instinktiv schmiss ich mein Zeug an die Seite, schoss los und fing sie auf, bevor sie am Boden aufschlagen konnte. Als mir jedoch auffiel, dass von ihr keine Halbgötterkräfte ausgingen, erschrak ich. Ich realisierte, dass ich ein Menschlein in meinen Armen hielt, was auch erklärte, warum sie sich so doof angestellt hatte. Mutter hatte mir mal gesagt, dass Menschen waren, wie wir auch, nur in schwach. Ich hatte noch nie zuvor in meinem Leben einen Menschen gesehen, da uns jeglicher Kontakt strengstens untersagt war, warum auch immer, meine Eltern wollten es uns nicht verraten. Umso faszinierter war ich jetzt von dieser Menschenfrau, vor allem weil Mutter mir nie gesagt hatte, wie wunderschön menschliche Frauen waren. Sie war so ganz anders, als all die anderen Weiber, die ich normal nur vögelte und dann fallen ließ. Sie sah mir genau so schockiert in die Augen wie ich ihr. Sie hatte rotes, welliges, langes Haar und tiefblaue Augen, in denen man sich verlor, wenn man zu lange hinein sah. Sie trug einen weißen, kurzen, sommerlichen Jumpsuit und hatte einen sehr zierlichen Körper. Ich hatte tatsächlich kurz Angst, dass sie mir zerbrechen könnte, wenn ich mit meinen monströsen Kräften nicht aufpasste. Sie war ein gutes Stück kleiner als ich, hatte eine wohlgeformte, kurvige Hüfte, eine sehr schmale Taille und einen relativ kleinen Busen. Als ich mich wieder gefangen und fertig gestarrt hatte, obwohl mir nicht entging, dass sie mich auch mehr als nur genau musterte, stellte ich sie vorsichtig wieder ihre Füße, fast so, als könnte sie zerbrechen.

„Du hast mich einfach so gefangen, als wäre ich nichts…Du hältst mich einfach so im Arm, als würde ich nichts wiegen…Du warst einfach plötzlich da, wie aus dem Nichts…“, stammelte sie ängstlich und doch mit einer engelsgleichen Stimme, ehe sie zurück wich.
„Ich habe dich gerettet. Hab keine Angst, ich will dir nicht weh tun“, bat ich fasziniert und ließ sie nicht aus den Augen, ging jedoch auch nicht auf sie zu, da ich nicht wollte, dass sie sich bedrängt fühlte.    

Ich wusste nicht so recht, wie mir geschah, aber ich wollte mit ihr sprechen und ihr einige Fragen stellen. Ich wollte wissen, warum sie Angst vor mir hatte und warum die Menschen und die Halbgötter sich mieden, vielleicht wusste sie es ja.

„D-D-Das stimmt…Danke“, flüsterte sie ängstlich.
„Warum hast du solche Angst vor mir?“, fragte ich sanft und wagte einen kleinen Schritt auf sie zu.
„Weil du ein Halbgott bist! Du musst einer sein!“, entgegnete sie und ihre Stimme bebte vor Angst, woraufhin ich in meiner Bewegung sofort inne hielt.
„Ja, das stimmt wohl…Ich bin ein Halbgott…Aber warum hast du Angst vor mir? Ich habe dir doch geholfen. Ich habe nicht vor dir irgendwas zu tun“, erklärte ich ruhig.
„Weil alle sagen, dass ihr brutale Monster seid, die sich untereinander und auch Menschen herzlos abschlachten…Weil alle sagen ihr wollt uns versklaven und unterwerfen und dass ihr uns vergewaltigt und so…Ihr seid Monster, Bestien…Das sagen alle…“, wimmerte sie und kauerte sich zitternd am Boden zusammen.
„Bin ich das, was alle sagen?“, fragte ich ernst und verstand nun, warum uns jeglicher Kontakt untersagt war.

Die Menschen fürchteten uns warum auch immer und sie erzählten Lügen über uns…Wir waren keine Monster und auch nicht herzlos…Ich sah die Frau einfach nur verletzt an. Es war nicht wahr, was sie sagte. Irgendwann erkannte ich, wie sie leicht mit den Schultern zuckte, es aber nicht wagte mich an zu sehen. Ich seufzte und hob eine Hand, woraufhin der Baum sich zu mir beugte. Ich nahm den Ball für sie aus dem Geäst, ehe ich den Baum sich wieder aufrichten ließ und legte ihn vor ihr ab, um dann wieder einen Schritt von ihr weg zu machen.

„Siehst du. Du lebst immer noch und bist auch nicht versklavt oder vergewaltigt worden. Stattdessen habe ich dir das zweite Mal geholfen“, versuchte ich sie zu beruhigen.

Überrascht blickte sie auf, da sie langsam verstand, dass ich ihr wirklich nichts Böses wollte. Sie schien zu verstehen, dass vielleicht nicht alles so wahr war, was alle sagten.

„Danke“, murmelte sie unsicher und nahm den Ball an sich, ehe sie mich wieder fasziniert musterte.
„Darf ich fragen wer alle sind? Weißt du, es tut weh als herzloses Monster beschimpft zu werden, wenn man nichts getan hat“, entgegnete ich ruhig und setzte mich vor ihr auf den Boden.
„Naja…Die Erwachsenen…Ich wurde aufgezogen in dem Glauben, dass ihr Monster seid und ich mich von den Grenzen fernhalten muss“, antwortete sie und hörte auf zu zittern.

Ich spürte, dass ihre Angst von Neugierde abgelöst wurde und lächelte sanft.

„Warum? Ich bekomme zuhause nur gesagt, dass ich keinen Kontakt zu den Menschen haben darf, aber nicht, dass ihr Monster seid oder so“, entgegnete ich ruhig.
„Ich weiß es nicht…“, murmelte sie verlegen, schaute zu Boden und zeigte Reue dafür, dass sie mich grundlos so behandelt hatte.
„Denkst du ich bin ein Monster?“, fragte ich sie sanft und legte ihr meine Hand auf die Wange, damit sie ihren Blick wieder hob und ich in ihre schönen Augen schauen konnte.
„Ich denke mal nicht“, lächelte sie dann warm und wurde leicht rot, als ich meine Hand nicht direkt wieder wag nahm.
„Na siehst du. Du musst keine Angst haben“, grinste ich freundlich, zog meine Hand zu mir zurück und fragte dann: „Was machst du eigentlich hier, auf unserer Seite der Grenze, wenn du so große Angst hast?“
„Den Ball holen“, murmelte sie bedrückt und ich ertappte sie lächelnd dabei, wie sie immer wieder über die Stelle strich, die meine Hand berührt hatte.
„Das habe ich gesehen“, scherzte ich nur, woraufhin sie leicht schmollte.
„Naja, ich werde in der Schule geärgert und wir sind gerade in den Bergen auf Klassenfahrt. Die Jungs meinten ich bekomme meine Tasche nur wieder, wenn ich den Ball für sie holen gehe…Dann haben sie den Ball extra hinter die Grenze geschossen…“, gab sie leise zu.
„Aber du hattest doch solche Angst vor uns Halbgöttern…Was ist in der Tasche so wichtiges drin?“, fragte ich überrascht und es machte mich irgendwo sauer, dass sie geärgert wurde, warum auch immer.
„So Mädchenkram halt…“, nuschelte sie verlegen.
„Musst nicht weiter reden, ich hab ne Schwester“, lachte ich nur und wusste, dass sie wahrscheinlich ihre Erdbeerwoche hatte und das laut Liv alles andere als schön war.
„Auf jeden Fall…Danke für alles…Ehm…“, stockte sie und sah mich fragend an.
„Kian“, grinste ich nur, woraufhin sie mit verriet, dass sie Juna hieß, sich nochmal bei mir bedankte und dann zurück zu ihrer Klasse ging.

Ich sah ihr noch ewig nach. Ich fand sie einfach total faszinierend. Meine Aufmerksamkeit wurde erst von ihr weg gelenkt, als mich etwas Silbriges blendete und ich überrascht ihr Armband vom Boden aufhob. Ich betrachtete es vorsichtig, zuckte dann mit den Schultern und folgte ihr. Ich überschritt einfach, ohne mit der Wimper zu zucken, die Grenze und fand einige Minuten später die Jugendherberge vor, in der sie und ihre Mitschüler wahrscheinlich untergebracht waren. Ich hielt mich im Schutz des Waldes und des Gestrüpps auf und schritt vorsichtig näher. Ich erkannte auf einem Platz, der an den Wald grenzte, eine Gruppe von halbstarken, menschlichen Kerlen und Juna, die total eingeschüchtert vor ihnen stand und ihnen den Ball hin hielt. Sie lachten nur, rissen ihr den Ball aus der Hand und warfen ihr ihre Tasche so fest zu, dass sie umfiel. Juna sah nur stumm und traurig zu Boden, was mich wirklich wütend machte. Ich erkannte, wie die Männer auf zwei verschiedene Bänke zeigten und dann begannen Fußball zu spielen. Zufälliger Weise stolperten sie immer wieder über Wurzeln oder der Boden bebte ganz leicht unter einem ihrer Füße, was sie immer wieder umfallen ließ. Ich persönlich hatte den Spaß meines Lebens, bis Juna realisierte, dass hier etwas faul sein musste. Sie schaute sich nach mir um und als sie meinen Schopf erblickte, lächelte sie sanft, deutete mir aber auch streng, dass ich gehen sollte. Ich wollte nicht, doch irgendwann kam ihr Lehrer und sie ging mit ihm und ihren Mitschülern rein. Ich seufzte, betrachtete ihr Armband und suchte dann geschlagen Ray, den ich auch fand und meine Trainingstage dann doch bekam. Ich stahl mich immer wieder davon und beobachtete Juna. Sie waren viel im Wald unterwegs, ihr Lehrer hetzte gegen uns Halbgötter und sie bekamen erklärt, wo genau die Grenze war. Ich verstand, dass Juna vor ein paar Tagen normal reagiert hatte, wie sollte sie auch sonst reagieren, bei all den Lügen? Immer wenn diese Penner sie ärgerten, ärgerte ich sie aus der Ferne, sodass sie sich jedes Mal schön blamierten. Juna wusste, woher der Wind wehte, doch wir sprachen kein Wort mehr und sie bekam mich auch nicht mehr zu Gesicht. Sie wusste nur, dass ich da war und aufpasste…Doch ich musste mit Ray zurückkehren und auch ihre Klassenfahrt hatte bald ein Ende…


„Kian…Erde an Kian…“, lächelte meine Mutter, ich schreckte hoch, wurde knall rot und versteckte das Armband schnell wieder, doch sie hatte es schon gesehen, wahrscheinlich stand sie schon lange in meinem Zimmer und rief nach mir, doch ich war einfach so in Gedanken versunken gewesen, dass ich sie nicht bemerkt hatte.
„Was ist denn, Mum?“, seufzte ich und klang angepisster, als ich eigentlich klingen wollte.
„Eigentlich wollte ich mit dir über dein Verhalten sprechen, aber jetzt bin ich anderweitig neugierig“, grinste meine Mutter wissend.
„MUM! Raus aus meinem Privatleben“, brummte ich verlegen.
„Okay…Ist ja gut, Kian…Aber lass dir eins gesagt sein…Eine Frau, die dich so aus dem Konzept bringt, findest du so schnell nicht wieder, da bist du nämlich wie dein Vater…Halt sie fest…“, lächelte meine Mutter sanft und verließ dann wieder mein Zimmer.

Zu meinem Glück verzichtete sie auf die Standpauke und ich dachte lange über ihre Worte nach, bis ich zu dem Schluss kam, dass sie recht hatte. Ich wusste nicht warum, aber ich wollte Juna wieder sehen. Um jeden Preis. Ich wusste nicht, ob das Liebe war…Ich wusste nicht mal was genau Liebe war, aber ich wollte sie wieder sehen.

„MUM?! DAD?! Ich bin weg! Ich komme eventuell erst Sonntag wieder! Mal sehen!“, rief ich durchs Haus, wartete nicht auf eine Antwort und verschwand dann.

Ich lief mit Hilfe meiner Götterkraft innerhalb weniger Stunden an die Westgrenze. Ich wusste schon genau was ich vorhatte und wie ich an die Informationen kam, die ich brauchte. Ich wartete bis mich niemand sah, brach dann in die Jugendherberge ein, suchte am PC nach der Schulklasse von Juna und fand auch schnell die Daten der Buchung und somit den Ort und den Namen ihrer Schule. Ich grinste zufrieden und verschwand dann auch wieder, nachdem ich alle meine Spuren beseitig hatte. Die Stadt, aus der sie kam hieß Atari und ich wusste sogar wo diese lag, da sie eine der Grenzstädte war und ich musste die irgendwann mal für die Schule lernen. Eine Grenzstadt war eine Menschenstadt, die nur wenige Kilometer von einer Halbgötterstadt entfernt war. Und Atari war die südliche Grenzstadt zu Taian, was hieß, dass sie gar nicht so weit weg von mir wohnte. Das Problem, was sich mir stellte, waren nur die Grenzwachen unsererseits und wahrscheinlich die Grenzwachen der Menschen. Ich wusste nicht, ob die Menschen auch Grenzwachen hatten, aber das, was ich gelernt und gehört hatte, ließ darauf schließen. Zwischen zwei solchen Städten gab es nichts, nicht mal Straßen oder Wege. Das einzige, was es dazwischen gab, waren Wiesen oder Wälder, die nicht genutzt wurden. Ich lief zurück nach Taian, unserem mini Olymp, wie ich die Stadt gerne nannte, da die Region, in der wir lebten einfach eine gigantische, kreisrunde Fläche war, die mitten in einem großen Menschenbereich lag. Taian war sowas ähnliches, wie das Gelbe vom Spiegelei oder so und ich grinste frech, als ich eine Lücke in unserer Grenzbewachung fand. Ich schlüpfte hindurch und machte mich über das unberührte Land auf nach Atari. Ein bisschen mulmig wurde mir schon, als ich tatsächlich in der Ferne eine riesige Mauer erblickte, die Atari Richtung Norden von uns abgrenzte. Ich konzentrierte mich kurz auf alle Schwingungen in der Erde und fand dann eine unbewachte Stelle, wo ich kurz mit einem Fuß auf den Boden tippte, woraufhin mich eine Säule aus Erzen erfasste, auf die Mauer trug und sofort wieder verschwand. Runter ging es deutlich schneller, da ich einfach sprang. Ich war immerhin ein Halbgott. Es tat nur ein bisschen weh, als ich landete und ich heilte auch sofort wieder. Ein Mensch hätte sich aus dieser Höhe ganz böse etwas gebrochen, da war ich mir sicher. Ich schlenderte einfach zwischen den Menschen hindurch und suchte nach der Schule, in die ich auch einbrechen wollte, um an Junas Daten zu kommen. Sie konnten nicht wissen, dass ich ein Halbgott war, wie sollten sie auch? Ich sah aus wie sie und verhielt mich ruhig. Irgendwann fragte ich einfach eine nette, alte Dame, die mir den Weg beschrieb. Als ich vor dem Gebäude stand, pfiff ich einmal beeindruckt und verwarf den Plan ein zu brechen, da es ein schickes, edles Internat war. Es war ein gigantischer Campus mit einem riesigen Schulgebäude, zwei Wohnblöcken und drei Sporthallen, wie ich feststellte, als ich hinüber spazierte. Ich schaute mich immer wieder neugierig um und kam zu dem Schluss, dass ich nur Juna faszinierend fand, die anderen Weiber, die mich beobachteten und die Köpfe zusammen stecken, waren wie die Halbgöttinnen die ich kannte, vollkommen uninteressant. Ich fand durch das Beobachten der Frauen schnell heraus welches Wohnhaus das der Mädchen war, doch ich wusste nicht, ob ich da einfach so reingehen konnte. Ich wollte wirklich nicht als Perverser oder als Einbrecher abgestempelt werden, weil wie sollte ich Mum dann erklären, dass sie mich in Atari bei der Polizei abholen musste und nicht wie immer in Taian. Das würde bestimmt alles andere als lustig werden. Ich stand vor dem Komplex und seufzte deprimiert, da mir echt nichts einfiel.

„Du wirkst deprimiert…Suchst du jemanden?“, fragte eine weibliche Stimme und ich blickte desinteressiert auf.
„Ja…Ich suche nach Juna. Kannst du mir helfen?“, entgegnete ich dann freundlich und hoffte, dass mir dieses aufreizende Etwas vor mir mir helfen konnte.  

Vor mir stand eine Frau deren Brüste garantiert aufgespritzt waren, genauso wie ihr Gesicht und ihr Arsch auch. Sie sah durch und durch unnatürlich aus, hatte dafür aber bestimmt auch perfekte Barbiemaße, Verzeihung, Modellmaße. Ihr Gesicht sah aus wie in den Farbtopf gefallen und ihr Haar war kaputt blondiert.

„Juna? Ich wusste gar nicht, dass sie einen Freund hat“, lächelte sie freundlich und winkte mich hinter sich her ins Mädchenwohnheim.
„Ich bin nur ein Freund“, stellte ich schnell klar, da ich keine Schwierigkeiten machen wollte.
„Hätte mich auch gewundert, wenn du dich mit einer wie ihr abgeben würdest…Magst du später was mit mir trinken gehen, als Danke dafür, dass ich dir geholfen habe“, grinste sie dann gehässig, leckte sich lasziv über die Lippen und stoppte vor der achten Tür im dritten Stock.
„Normal würde ich ja sagen und dich auch flachlegen, aber du hast bestimmt Geschlechtskrankheiten, weil du es mit jedem treibst…Und das finde ich eklig…“, seufzte ich theatralisch, klopfte an, betrat das Zimmer und wank die Barbie ab.

Da ich nicht auf ein ,,Herein" gewartet hatte, war Juna auch dementsprechend geschockt, dass ich da war und sah mich mit großen, verheulten Augen an.

„Was hast du denn?“, fragte ich sofort besorgt, schenkte mir die Begrüßung und ging vorsichtig auf sie zu.
„Was machst du hier, Kian?“, fragte sie leise und wischte sich schnell die Tränen weg.
„Eigentlich wollte ich dich nur sehen. Ich weiß es selbst nicht so genau, aber hey hier bin ich“, lächelte ich, setzte mich zu ihr auf ihr Bett und fragte: „Warum weinst du, Juna?“
„Ist egal“, murmelte sie leise, woraufhin ich sie einfach in meinen Arm zog.

Ich konnte nicht sagen, warum ich es tat, aber es fühlte sich richtig an und ich strich ihr beruhigend über ihren Kopf.

„Warum weinst du?“, fragte ich nochmal sanft.

Zuerst lag sie wie erstarrt in meinem Arm, doch nach einer Weile begann sie sich an mich zu schmiegen und erzählte: „Ich habe mein Armband verloren…Ich habe es von meiner Mutter bekommen…Es ist das Einzige, was ich noch von ihr habe…Zuerst dachte ich, dass ich es irgendwo eingepackt hätte, aber es ist weg…“

Juna erregte tiefes Mitleid in mir. Sie sprach so, als wäre ihre Mutter tot und das tat mir leid, zumal ich sie einfach nicht weinen sehen konnte. Doch ich musste auch etwas schmunzeln, da sie wirklich dappig war.

„Hör auf zu weinen und schau mal. Du hast es verloren, als du vom Baum gefallen bist. Ich wollte es dir schon an die Jugendherberge bringen, aber da hast du mich ja abgewiesen…“, lächelte ich sanft, griff in meine Hosentasche und hielt ihr ihr Armband vor die Nase.
„Danke, Kian…Vielen Dank…Wie kann ich mich bei dir revanchieren?“, fragte sie leise und kuschelte sich an mich.
„Geh mit mir aus“, entgegnete ich und war selbst überrascht über meine Worte.

Ich hatte noch nie ein Date gehabt, wenn ich ehrlich war, doch ich wollte Juan besser kennenlernen. Sie interessierte mich, weil sie so anders war, als alle anderen.

„Jetzt?“, fragte sie überrascht, woraufhin ich nur mit den Schultern zuckte, aber dann nickte und lächelte: „Ich bezahle auch. Sag du mir nur, was du machen willst und was man hier machen kann.“
„Ich würde gerne mal klettern gehen…Es gibt hier so einen Outdoor Kletterpark…Aber ich darf normal nicht, von meinem Vater aus“, lächelte sie verlegen und wickelte sich ihre Haarsträhne um den Finger, ehe sie fort fuhr: „Aber wenn du zahlst, dann sieht er ja keine Ausgaben auf meinem Konto, also würde er es nie erfahren.“
„Klar, wir können gerne klettern gehen“, lächelte ich sanft und wartete auf ihrem Bett, während sie kurz ins Bad verschwand und sich umzog.

Ich fragte mich, warum ihr Vater ihre Finanzen kontrollierte und warum sie nicht klettern gehen durfte. Die Kletterparks waren doch immer alle gesichert und es konnte quasi nichts passieren. Was mir jedoch sehr gut gefiel war, dass sie auf keinen Fall langweilig war. Ich fand das war ein relativ ausgefallenes Date und nicht sowas wie Kino oder so. Sie war sich scheinbar für nichts zu schade und das gefiel mir. Als sie wieder aus dem Bad kam trug sie eine Jeanshotpants, ein schwarzes, einfaches Top und Sneakers. Ich lächelte zufrieden und verließ dann mit Juna ihr Zimmer, welches sie sicherheitshalber abschloss und wir liefen über den Campus zu einer Bushaltestelle. Wir fuhren ein paar Minuten, ehe wir noch ein Stück laufen mussten und liehen uns dann die Kletterausrüstung aus.

Ich kletterte immer etwas hinter Juna die den Spaß ihres Lebens hatte, stützte sie ab und an und half ihr. Aber vor allem passte ich auf, dass sie sich nichts tat. Ich wusste selbst nicht warum, es war mir einfach wichtig. Ich fühlte mich so anders als sonst, wenn ich in ihrer Nähe war.

„Warum kontrolliert dein Vater deine Finanzen und verbietet dir das Klettern?“, fragte ich irgendwann, als ich sie mal wieder packte, einfach nur um sie zu berühren, ihre Wärme zu spüren und ihren süßen Durf ein zu atmen.

Ich sehnte mich nach Körperkontakt mit ihr und solange sie nicht sagte, dass es sie störte, war es ja okay. Ich genoss jede Berührung, vor allem dann, wenn sie mich von sich aus berührte.

„Weil ich so früh wie möglich, taktisch klug für sein Geschäft, also reich, heiraten und Kinder bekommen soll…Er will einen Erben für die Firma und hütet mich deshalb wie seinen Augapfel…Ich bin ein Geschäftsmittel für ihn…Ich bin schon lange kein Mensch mehr in seinen Augen, wahrscheinlich war ich für ihn noch nie ein Lebewesen mit Gefühlen…“, lächelte sie bitter und lehnte sich an mich, als wir die nächste Plattform erreicht hatten.  
„Tut mir leid…Und deine Mutter?“, fragte ich betroffen und strich ihr sanft über den Kopf.
„Sie ist vor zehn Jahren bei einem Zugunglück umgekommen...Das Armband habe ich zu meinem fünften Geburtstag von ihr bekommen und es seit dem nie abgelegt...“, flüsterte sie, betrachtete ihr Armband und schmiegte sich dichter an mich.
„Tut mir leid…“, entgegnete ich entschuldigend.
„Muss es nicht…Lass und weiter klettern ja?“, lächelte sie und überspielte ihren Kummer.

Ich bewunderte ihre Stärke und sie schlug sich wacker durch den schwersten Parcours, auch wenn ich etwas nachhalf. Vor dem Tarzansprung stoppte sie jedoch und sah ungläubig runter auf den Waldboden.

„Hast du Angst?“, fragte ich und strich kurz beruhigend über ihre Seiten.
„Ja…schon“, gestand sie kleinlaut.
„Soll ich zuerst runter und dich unten fangen?“, bot ich an.
„Wenns dir nichts ausmacht und keiner rausfindet, dass du in Wirklichkeit ein Halbgott bist“, murmelte sie verlegen und drehte wieder ihre Haarsträhne um ihren Finger.
„Passt schon“, versicherte ich, rutschte vor ihr runter und wartete unten auf sie.

Juna hatte wirklich große Angst, dass sah man ihr an, doch schließlich gab sie sich einen Ruck und sprang. Als sie unten ankam, bremste ich wie versprochen ihren Fall und hielt sie in meinem Arm. Ich hatte sie an der Taille gepackt und trug sie ein gutes Stück über mir her.

„Du musst sagen, wenn ich dir weh tue“, grinste ich freudig, als sie sich absicherte und sich von mir durch die Gegend tragen ließ.
„Du tust mir nicht weh. Wie kommst du drauf?“, kicherte sie und hielt sich in meinem Haar fest.
„Weil ich nicht weiß, wie viel ihr Menschen vertragt…Ich fasse dich wirklich jede Sekunde mit Samthandschuhen an“, gab ich zu, als wir die Ausrüstung wieder ab gaben und in die Stadt fuhren, da Juna noch Eis essen wollte.
„Du hast mir nicht weh getan“, versicherte sie, als sie glücklich ihr Eis aß, während wir in der Abenddämmerung zurück zum Campus liefen.
„Das beruhigt mich“, seufzte ich erleichtert, als ich sie unbemerkt bis auf ihr Zimmer begleitete.
„Wie würdest du mich anfassen, wenn ich eine Halbgöttin wäre?“, fragte sie plötzlich und blickte mir tief in die Augen, als ihre Tür hinter mir ins Schloss fiel.
„Ich will dir nicht weh tun, Juna…Wirklich nicht…Ich kann mich zwar gut kontrollieren, aber ich bin nicht ganz Herr meiner Kräfte…Sie sind eigentlich noch zu stark für mich…“, erklärte ich wahrheitsgemäß.

Liv und ich hatten beide dasselbe Problem. Wir waren mit gigantischen Kräften geboren worden und waren bis heute immer noch nicht vollkommen in sie hineingewachsen. Doch unter den Halbgöttern war das egal. Wenn ich meiner Mutter oder meinem Vater ausversehen etwas brach, wenn ich in Rage war, heilte es innerhalb weniger Minuten wieder komplett, doch Juna war keine Halbgöttin, sie konnte an einer falschen Bewegung meinerseits sterben und das war mir heute den ganzen Tag lang immer bewusster geworden. Sie war so zerbrechlich…

„Kian…Bitte…Ich will doch nur verstehen…Ich glaube nicht, dass du mich jemals ernsthaft verletzten könntest…“, bat sie und trat näher an mich heran.
„Du willst also, dass ich dich so anpacke, als wärst du eine Halbgöttin?“, fragte ich und rang mit mir selbst.

Ich wollte ihr den Wunsch nicht ausschlagen, ich wollte Juna noch näher kommen, aber ich hatte ernsthafte Angst um sie und wollte sie auch nicht verschrecken. Sie an zu fassen, wie eine Halbgöttin…Ich wusste nicht, ob ich das konnte, zumal ich merkte, wie sehr ich sie begehrte und sie garantiert nicht flachlegen wollte. Nicht heute. Es war mir ernst mit ihr und ich wollte nicht, dass sie ein falsches Gefühl bekam. Ich wollte es langsam angehen lassen…Das erste Mal in meinem Leben hatte ich Schmetterlinge im Bauch und sowas…Ich liebte Juna, egal wie sehr ich gegen dieses Gefühl ankämpfte und es leugnete…

„Ja“, meinte sie fest entschlossen und sah mir tief in die Augen.
„Okay…Du sagst sofort stopp, wenn es dir zu viel wird…“, seufzte ich ergeben, woraufhin sie nur ernst nickte.

Ich trat noch einen Schritt auf sie zu, packte sie dann blitzschnell und drückte sie gegen die nächste Wand. Ich nagelte ihre Hände über ihrem Kopf fest und hatte mein rechtes Bein zwischen ihre Schenkel geschoben. Sie sah mich überrascht an und hatte keine Ahnung was gerade passiert war. Ich war zu schnell für ihr menschliches Auge gewesen. Ich spürte, wie tief in mir ungeahnte Lust aufstieg und brauchte all meine Selbstbeherrschung, um ihr nicht die Kleidung vom Leib zu reißen und sie zu hart zu nehmen. Ich senkte meinen Blick und sah Juna tief in die Augen, ehe ich meinen Druck um ihre Handgelenke verstärkte, bis sie kurz schmerzerfüllt zuckte. Doch zu meiner Überraschung hielt sie meinem Blick stand. In ihren Augen stand kein bisschen Furcht geschrieben, sowie vor ein paar Tagen bei unserer ersten Begegnung noch, es war viel mehr Neugierde und Wärme. Sie atmete etwas erschwert und ich wusste nicht, ob es Lust oder Schmerz war. Ich senkte meine Stirn sanft an ihre und genoss einfach den Moment.

„Mehr kannst du heute nicht haben, Juna…“, hauchte ich leise, nahm mein Bein zwischen ihren weg und ließ ihre Hände vorsichtig los, doch mein Kopf blieb, wo er war.

Ich erkannte, dass ihre Handgelenke leicht gerötet waren, doch sie beschwerte sich nicht, erwiderte meinen Blick nur und umfasste dann mit ihren Händen vorsichtig mein Gesicht.

„Ich habe keine Angst vor dir, Kian…“, versicherte sie nur.
„Das freut mich, aber ich sollte jetzt wirklich gehen…Sonst kommst du nicht mehr heil aus der Nummer raus…“, schluckte ich schwer, da diese Frau mich jegliche Selbstbeherrschung kostete.
„Vielleicht will ich aus der Nummer nicht mehr heil raus kommen…“, flüsterte sie nur und kam mir noch etwas näher, indem sie sich auf die Zehenspitzen stellte.
„Lass es Juna…“, bat ich, fasste sanft mit meinen Händen an ihre Hüfte und drückte sie nach unten, sodass sie wieder komplett auf ihren Füßen stand.
„Werde ich dich wieder sehen oder wirst du für immer aus meinem Leben verschwinden, weil du Angst hast mich zu verletzten, weil du dich nicht immer perfekt kontrollieren kannst?“, fragte sie leise.

Das war eine gute Frage die sie da stellte. Konnte ich Juna vergessen? Ich überlegte kurz und die Antwort war nein, doch ich würde sie nicht anrühren, solange ich mich nicht voll und ganz im Griff hatte…Das konnte ich ihr nicht antun…

„Du wirst mich wiedersehen“, versprach ich leise und küsste sie dann vorsichtig.

Sie war überrascht und ihre Augen wurden groß, doch im nächsten Moment schloss sie verliebt ihre Lieder, bewegte ihre Lippen sanft auf meinen und öffnete ihren Mund ein kleines Stück für mich. Ich schob vorsichtig meine Zunge in ihre Mundhöhle und erkundete jeden Millimeter von ihr, während ich einen Arm um ihre Taille schlang und sie dicht an mich zog, um mit meiner anderen freien Hand verlangend in ihr Haar zu greifen. Ich verdammte meinen Körper dafür, dass er sofort massig Blut in mein Unterleib pumpte und es entging auch Juna nicht, doch es schien sie nicht zu stören. Im Gegenteil, sie drängte sich noch dichter an mich und ihre Hände glitten langsam zu der Beule in meiner Hose. Ich schreckte von ihr weg und presste mich in die andere Ecke des Zimmers. Ich krallte mich schwer atmend in die Wand, woraufhin diese unter meinem Druck ein bisschen zerbarst und sich Risse bis in die Decke und zum Boden bildeten.

„Hab ich was falsch gemacht?“, fragte Juna total verunsichert und war knallrot geworden.
„Nein…Nein…Ganz und gar nicht, aber wie du siehst, breche ich dir gleich jeden Knochen einzeln, wenn ich mich nicht jetzt stoppe“, seufzte ich, als ich verzweifelt meine Augen schloss und versuchte runter zu kommen, während die Wand noch etwas unter meinen Kräften litt.  
„Du würdest mir nicht weh tun, Kian“, entgegnete sie nur sanft, beobachtete aber dennoch ehrfürchtig den Schaden, den ich anrichtete.
„Doch…Glaub mir…“, flehte ich, woraufhin sie brav auf Abstand blieb.

Ich versuchte in mich zu gehen und mein Verlangen zu bremsen, bis mir urplötzlich eiskalt wurde. Ich erschrak mich so sehr, dass sofort all meine Lust schwand und ich runter kam. Ich hatte mich wieder im Griff und öffnete irritiert meine Augen. Vor mir stand Juna, die mir tatsächlich einfach einen Putzeimer mit eiskaltem Wasser übergeschüttet hatte.

„Besser?“, fragte sie besorgt, woraufhin ich nur zu Boden sackte und herzlich lachen musste.

Diese Frau machte mich fertig. Anders konnte ich es nicht formulieren. Juna machte mich einfach nur fertig.

„Ja, besser“, lächelte ich sanft und wank sie zu mir.

Sie folgte glücklich meiner Handbewegung, kniete sich vor mich und schmiegte ihren wärmenden Körper dann an meinen klitschnassen, kalten Körper.

„Du hast wirklich nichts falsch gemacht…Mach dir keine Sorgen, Juna…“, seufzte ich erleichtert und strich sanft durch ihr Haar.
„Sind wir jetzt ein Paar?“, fragte sie leise und wurde noch etwas roter.
„Wenn du damit leben kannst, dass ich Zeit brauche, um mich dir körperlich an zu nähern, dann ja“, hauchte ich und küsste ihren Scheitel.
„Ich lasse dir Zeit, Kian…Wäre ich nicht bereit dazu dir Zeit zu lassen, dann hättest du nicht meinen ersten Kuss bekommen“, gab sie fast lautlos zu.
„Das war dein erster Kuss?!“, fragte ich überrascht und wunderte mich wirklich über ihr offensives Verhalten.
„Ja…Ich vertraue dir“, schmunzelte sie und grinste mich dann frech an.
„Du bist unglaublich, Kleine…“, seufzte ich, da ich es nicht fassen konnte, dass ich, gerade ich, tatsächlich eine Beziehung führen wollte, keine Fickbeziehung, sondern eine richtige Beziehung mit einem Menschlein, wie Juna…
„Ich bin nicht klein, ich werde am Freitag sechzehn“, schmollte sie.
„Ich bin trotzdem fast ein Jahr älter“, ärgerte ich sie und zog sie dann mit mir auf die Beine.
„Wann sehe ich dich wieder, Kian?“, fragte sie leise, als ich zum Fenster ging und dieses öffnete.
„Ich weiß es nicht…Spätestens Freitag, wenn nicht früher“, lächelte ich und schrieb ihr meine Handynummer auf, ehe ich unbemerkt aus dem Fenster sprang und zusah, dass ich es nach Hause schaffte.

Ich spürte, dass sie mir noch lange nachsah und ich war unbeschreiblich glücklich, auch dann noch, als ich heim kam und meine Eltern mir erneut eine Standpauke hielten.  

„…Und überhaupt, warum bist du nass bis auf die Knochen?!“, fragte meine Mutter scharf.
„Ich war bei meiner Freundin, komm runter, Mum…Und nass bin ich wegen meiner Freundin“, grinste ich frech, woraufhin sowohl mein Vater, als auch meine Mutter mich irritiert anblickten.
„Sie hat mein Verlangen mit einem Eimer kaltem Wasser gestoppt“, antwortete ich der Wahrheit entsprechend.
„Du hast eine Freundin? So eine richtige Beziehung? Du hast sie nicht flachgelegt?“, fragten meine Eltern beide ungläubig.
„Für wen oder was haltet ihr mich?!“, rief ich empört.
„Sie halten dich für den Schwanzgesteuerten Idioten, der du nun mal bist“, bemerkte meine Schwester trocken, die vor dem Fernseher saß und mich herausfordernd anfunkelte.
„Fresse Jungfrau! Nach deiner Meinung hat niemand gefragt!“, fauchte ich böse.

Meine Worte trafen mich selbst wie ein Schlag…Jungfrau…Wenn es Junas erster Kuss gewesen war, war sie auch noch Jungfrau…Ich schlug meinen Kopf feste auf die Tischplatte und stand am Rand der Verzweiflung. Ich konnte mich so schon kaum zügeln und sie war eine Jungfrau?! Das Leben war gerade eindeutig zu unfair zu mir. Wie sollte ich denn bitteschön sanft zu Juna sein, bei ihrem ersten Mal, wenn ich mich so schon kaum im Griff hatte?! Sanft und vorsichtig sein war echt nicht meine Spezialität. Ich hatte noch nie eine Jungfrau im Bett gehabt und sie war noch dazu eine Menschenfrau. Was sollte ich nur tun?

„Alles okay, Kian?“, fragte meine Mutter vorsichtig, die sich Sorgen wegen meiner Reaktion machte.
„Nichts ist okay, Mum…Meine Freundin ist eine Jungfrau...“, seufzte ich verzweifelt.

Eigentlich war es mir peinlich mit meinen Eltern über sowas zu sprechen, zumal ich den gehässigen Blick meiner Schwester auf mir spürte, dafür musste ich sie nicht mal ansehen, aber vielleicht wussten meine Eltern ja Rat. Wir waren ja eh eine komische, chaotische Familie, aber wenn es drauf ankam, waren wir füreinander da.

„Fynn, das ist dein Part…Kian kommt da eindeutig nach dir…“, meinte meine Mutter etwas ratlos zu meinem Vater.

Beide kannten mich gut genug, um zu wissen, dass das ein großes Problem für mich darstellte, da ich einfach nicht die Geduld und die Vorsicht für sowas hatte. Wenn ich Sex wollte, hatte ich einfach Sex, so war es immer gewesen.

„Ich hatte auch nie eine Jungfrau“, meinte mein Vater ehrlich und er wirkte so, als würde er tausende Bettgeschichten nochmal durchdenken.
„Warum schockt mich das nicht?“, brummte meine Mutter, ehe sie sich an mich wandte: „Versuch dich zu kontrollieren egal wie, oder lass ihr die Führung, auch wenn sie unsicher ist.“
„Das ist gar keine schlechte Idee, Mum…Sie wird sich selbst ja wohl nicht weh tun…Und sie selbst kann sich auch nicht zu schnell sein oder so…“, murmelte ich tatsächlich aufgeheitert und verzog mich dann motiviert ins Bad, um zu duschen und mich um zu ziehen.
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