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Revenge of Fire

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P6
15.03.2017
24.03.2017
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15.03.2017 933
 
„… Teepo.“
Ein Flüstern durchbrach die bisher unüberwindbar erscheinende Stille um ihn herum und schlich sich direkt in seinen Kopf hinein, was ihn sofort aus seinem Schlaf weckte. Ob er den Zustand, in dem er sich bis gerade eben noch befunden hatte, überhaupt als solchen bezeichnen konnte, wusste er selbst nicht so recht. Er hatte sich leicht gefühlt, sogar beinahe schwerelos. Behütet von einer Macht, die in gleichmäßigen Wellen von innen aus ihm heraus geströmt war, um ein unsichtbares Schutzschild zu bilden.
Es hatte ihm Freiheit von sämtlichen Bedürfnissen verschafft, wie in einem Traum. Zusätzlich war sein Geist vollkommen befreit von jedem lästigen Gedanken und unantastbar für äußerliche Reize gewesen. Ja, es war ganz sicher nur ein Traum. Nichts hatte diesen Schlaf, dieses angenehme Dasein ohne jegliche Verpflichtungen oder Leid, stören können, außer dieser Stimme. Erst als jemand seinen Namen flüsterte, wurde das Schild durchbrochen.
„… Teepo“, ertönte abermals leise eine Stimme, wobei er bemerkte, dass es sich nicht wirklich um ein Flüstern handelte.
Vielmehr klang es danach, als käme die Stimme aus weiter Ferne zu ihm geflogen. Durch ihren verzerrten Klang war es nicht möglich einzuschätzen, ob sie einer Frau oder einem Mann gehörte, auch ließ sich keine bestimmte Stimmung aus ihr heraushören. Wer oder was versuchte da gerade zu ihm zu sprechen?
Als der Junge, Teepo, langsam seine Augen öffnete und endgültig erwachte, konnte er anfangs nichts anderes außer Schwärze sehen, von der er gänzlich umgeben war. Kurze Zeit später erstrahlte dann direkt über ihm plötzlich ein grelles Licht und schloss ihn kegelförmig ein. Dabei war kurz ein kaum vernehmbares, metallisches Geräusch zu hören. Seltsamerweise blendete ihn das Licht nicht, kein bisschen, aber er war sowieso zu abgelenkt von all seinen Bedürfnissen und Gedanken, denen er nun leider wieder unvermeidlich ausgesetzt war. Da blieb keine Zeit, sich über dieses Licht zu wundern.
Mit seinem Erwachen hatte sich diese geistige Macht wieder in den hintersten Winkel seines Inneren zurückgezogen, daher war auch die schützende Hülle in sich zusammengefallen, wie ein Kartenhaus. Ohne diesen Schutz kehrten nicht nur die angestauten Bedürfnisse und Gedanken zurück, sondern auch das Gefühl der Schwerelosigkeit schwand. Wieso nur hatte es jemand gewagt, ihn aus seinem Schlaf zu wecken, in dem es so perfekt gewesen war?
Noch ein weiteres Mal erklang die Stimme und es gelang ihr immer mehr, seine Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. „Sag, hast du ein Ziel? Etwas, das du in deinem Leben unbedingt erreichen willst, meine ich. Ein Lebensziel sozusagen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, eines zu haben. Findest du nicht auch?“
Teepo richtete sich nach diesen Worten aus seiner liegenden Position auf. Statt seinen Blick durch die Umgebung schweifen zu lassen, blieb dieser sofort an der Schattengestalt haften, die er geradeaus vor sich in vielen Metern Entfernung stehen sehen konnte. Sie war zwar ebenfalls von einem Lichtkegel eingehüllt, dennoch konnte er so gut wie nichts erkennen, außer einer menschlichen Silhouette. Irgendwie war er sich trotzdem sicher, dass diese Person ihm den Rücken zuwandte. Der Grund für diese Annahme war ein Gefühl, das er bei diesem Anblick empfand, denn er fühlte sich abgewiesen und fast ein wenig verlassen.
„Denkst du, Rache ist ein erstrebenswertes Ziel?“, fuhr die Gestalt fort. „Würdest du dafür auch dein eigenes Leben einsetzen, wenn es sein muss?“
„Was?“, erwiderte Teepo nun verwirrt.
Ehrlich gesagt hatte er nicht mal ansatzweise eine Ahnung, was hier überhaupt geschah und wo er sich befand, geschweige denn wer diese Person war, jedoch machte es ihn wütend. In ihm keimte Wut auf, auch wenn er nicht sagen konnte, warum genau. Dass diese seltsame Erscheinung noch dazu über eine derart große Entfernung hinweg mit ihm sprach, als wollte sie ihn nicht zu nahe bei sich haben, sorgte bei ihm zusätzlich für Unmut.
„Was laberst du da? Wer bist du?“
„Ich finde es einfach nur bedauerlich, Teepo.“
Einen Augenschlag lang war ein kühler Windzug zu spüren, bevor der Schatten von einer Sekunde zur nächsten mit der Schwärze verschmolz, da der Lichtkegel über diesem erlosch. Einfach so. Erneut mit einem metallischen Geräusch, einem Klacken, dessen Echo ruhelos durch das weite Nichts wanderte, bis es schließlich erstickte und ihm sagte, dass Teepo nun vollkommen alleine war.
„Hey, warte! Komm gefälligst zurück und sag mir ins Gesicht, was du für ein Problem mit mir hast! Hörst du?!“, platzte es aus ihm heraus und er sprang auf.
Gerade als er zu der Stelle rennen wollte, wo vorhin noch diese geheimnisvolle Person gestanden hatte, weitete sich das Licht über seinem Kopf auf einmal explosionsartig aus und verdrängte innerhalb eines Atemzuges problemlos die Schwärze. Noch bevor Teepo auf irgendeine Weise reagieren konnte, wollte ihn eine vertraute Kraft wegzerren, fort von diesem merkwürdigen Ort.
In seinem Kopf glaubte er ein letztes Mal jemanden flüstern zu hören, nur war er nicht sicher, ob es dieselbe Stimme war wie zuvor oder nicht doch jemand anderes. Im Gegensatz zu vorhin war es ihm dafür nun möglich, anhand der Tonlage ein Gefühl wahrzunehmen, denn es kristallisierte sich trotz des verzerrten Klangs besonders stark heraus: Trauer.
„Rache bringt nur noch mehr Schmerz mit sich. Weißt du warum? Sie sorgt dafür, dass deine Wunden nicht heilen können.“
„Rache?“, wiederholte er ratlos. „Warum redest du von so etwas?“
Wieder fragte Teepo sich, ob das hier nur ein Traum war. Sollte es einer sein, wollte er ihn einfach nur vergessen. Es verwirrte ihn zu sehr und die Schuldgefühle, die auf einmal überall in der Atmosphäre zu spüren waren, machten es nicht besser. Eigentlich sollte er gar nicht hier sein. Rei. Ryu. Teepo musste endlich aufwachen, also ließ er sich freiwillig von dieser Kraft leiten und fiel. Diesmal landete er hoffentlich in der Wirklichkeit.
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