Auf den Dächern von Paris

OneshotRomanze, Angst / P16 Slash
12.03.2017
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Sorrynotsorry. xD
Aber... Vanoé ist Angst, also lasst mich bitte alle, ok? xDD

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Wo war oben und wo war unten?

Er wusste es wirklich nicht mehr. Irgendwie war alles weg.
Er wusste auch nicht, wo er selbst war, den seine Augen waren geschlossen.
Alles war aus seinem Blickfeld verschwunden, Paris, die aufgehende Sonne und der Boden unter seinen Füßen – oder wohl eher das Dach unter seinen Füßen.

Verschluckt von Dunkelheit und einem hellen, warmen Licht.

Als Noé sich von ihm löste, raste sein Herz und sein Mund war trocken. Wie von selbst wanderte seine Hand zu seinen Lippen und versteckte diese unter seinen Fingern.

Was war gerade überhaupt passiert?

Noé neben ihm blieb still und sah auf Paris herab, dass sich weit unter ihren Füßen erhob.
Vanitas versuchte, sein Gesicht unter den dunklen Strähnen zu verstecken, er fühlte sich, als würde er gleichzeitig lachen und weinen wollen.
Stattdessen aber blieben seine Gesichtszüge hart.

„Tut mir leid“, ertönte es auf ein Mal ganz leise neben ihm.
Der Kleinere brauchte noch einen ganzen Moment, um sich zu fassen.
„Ach, Noé. Alles gut.“ Er sagte es mit dem gewöhnlichen Grinsen, alle Überraschung war wieder aus seinem Körper gewichen.
Er hatte sich schließlich oft genug verstecken müssen. Und so hatte er irgendwann gelernt mit den Masken umzugehen, als wären es seine eigenen Gesichter.

„Nein...! Es ist nicht alles gut! Ich habe dich geküsst. Und du wolltest das nicht... und das... das tut mir ganz ehrlich leid!“

Vanitas selbst war das egal. Er war in seinem Leben schon oft genug missbraucht worden, sodass ihn das irgendwann nicht mehr interessierte. Er hatte sich an das Gefühl gewöhnt, dreckig zu sein, etwas zu sein, was keiner mehr wollte.
Ein Spielzeug, eine Puppe, ein Sklave.
Aber dieser Kuss war keinesfalls Missbrauch oder sonstiges. Noé war die Unschuld in Person. Er meinte das wahrscheinlich komplett ohne Hintergedanken.
Und wenn er die hatte, dann hatte er Gefühle für Vanitas. Und das war einfach mehr als absurd.

Vanitas erinnerte sich daran, gesagt zu haben, dass er kein Interesse in Leute haben würden, die sich in ihn verlieben würden.
Ganz richtig war das nicht. Er würde nie wirklich in irgendjemanden die Person für sein Leben finden.
Es war nicht so, als würde er nie glücklich werden wollen.
Außerdem würde sich nie jemand in ihn verlieben. Er hatte keinen Zweck mehr zum Leben.
Außer Rache.

Aber wenn man ein Mal aufgab, dann war man schwach.
Und schwache Leute konnte man nicht lieben, weil sie jegliche Schönheit verloren.

Ihm selbst würde es ja reichen, lieben zu können. Aber nicht einmal dazu war er in der Lage. Mit Jeanne hatte er es versucht, aber es hatte nicht geklappt.
Sein Herz war mittlerweile so schwarz, dass er nicht wusste, wie er überhaupt noch etwas fühlen konnte, außer Rache, Trauer und Wut.
Angst war schon zu viel.
Und Verzweiflung sowieso, denn Hoffnung und Verzweiflung konnte ohne das jeweils andere nicht existieren.

„Ist gut Noé, ehrlich. Ich will nicht mehr darüber sprechen. Es macht mir nichts aus, weil das sowieso nichts bedeutet, verstehst du?“
Der Vampir neben ihm versteifte sich merklich.

„Und... wenn es mir doch etwas bedeutet hat? Ich meine... wenn mir... d-dieser Kuss wirklich wichtig war?“

Vanitas zuckte nur die Schultern, obwohl ihn irgendwie leichte Schuldgefühle überkamen, warum auch immer.
„Vielleicht, weil es dein erster war. Keine Ahnung, ich kann nicht Gedanken lesen.“

Es blieb eine Weile stumm.
Der Schwarzhaarige musterte den Dunkelhäutigen, die weißen Haare fielen chaotisch über sein Gesicht und die kantige Nase, sowie die purpurnen Augen.
Das hellgelbe Licht der Sonne spiegelte sich auf der Haut, in den Pupillen und auf den Strähnen wieder.
Er hatte durchaus etwas schönes an sich und Vanitas wusste, dass wenn er lieben könnte, würde er diesen Mann vor sich lieben.

Denn Noé war die Sorte von Mensch – oder eben Vampir -, die zu naiv für diese Welt war, zu und unschuldig und nett.
Er würde irgendwann daran kaputt gehen.

Vanitas hatte an diesen Personen schon immer Gefallen. Sie waren das komplette Gegenteil von ihm.
„Nein... so meine ich das nicht...!“ Noé fuhr sich durch die Haare und sah dann Vanitas in die Augen, welcher den Blick erwiderte.

Der Kleine wusste nicht, dass da Angst in seinen Augen war; Angst, verletzt zu werden, schon wieder, angelogen zu werden von dem einzigen Menschen, der ihm wirklich etwas bedeutete.
Alle Anderen waren nur Werkzeuge.
Er hatte wirklich gehofft, dass er das nicht tun würde.
Gehofft?
Konnte er das anscheinend doch?

„Ok, wie meinst du es dann?“ Aber seine Stimme war gefühllos.
„Ich... ich bin mir nicht sicher, weil ich davon keine Ahnung habe, aber ich glaube, ich... ich habe mich in dich verliebt.“

Und da war die Lüge schon.
Man konnte sich nicht in ihn verlieben.
Es tat weh.

„Aha“, kam es gequält über seine Lippen.
„Vanitas, verdammt was ist denn los mit dir?“
Es war ein Schrei, Noé zog ihn in eine Umarmung und anhand des Zitterns konnte Vanitas erkennen, dass er entweder wütend war oder weinte. Wahrscheinlich sogar beides.

„Tut mir leid. Ich... habe doch schon mal gesagt, ich hätte kein Inte-“
„Ich weiß. Ich weiß nicht, warum ich überhaupt gehofft habe, dass du etwas anderes sagst.“
Er wurde wieder losgelassen und die Taubheit überdeckte alle anderen Gefühle – das Herzrasen und die Wärme in seinem Körper, das leichte Zittern – er bekam nichts davon mit.
„Es tut mir leid... nein... du tust mir leid, dass du so bist wie du bist. Wenn es etwas geben würde, womit ich dich retten könnte, ich würde es tun.“

Der Mann stand auf, ein schwarzer Fleck erschien auf seinem Herzen, breitete sich immer weiter aus, bis die Dunkelheit ein weiteres Herz verschluckt hatte, erobert hatte.
Die Enttäuschung wurde in seine Blutbahnen gepumpt und bald konnte er sie in seinem ganzen Körper spüren.

Er war im Begriff zu gehen, doch aus einem Impuls sprang auch Vanitas auf, rannte auf den Vampir zu und griff nach seinem Handgelenk.
Plötzlich war da Angst – eine unheimliche Angst, ihn zu verlieren.

„Noé... ich... weißt du, wenn ich etwas fühlen könnte, dann würde ich dich lieben, ich würde wirkli-“
„Danke, dass du mich aufbauen willst. Ich bin mir sicher, du meinst das gut, aber lüge nicht, was so etwas angeht.

Diese Panik.

Er begann zu zittern, schnappte nach Luft und ihm wurde schlecht.
Konnte er wieder fühlen?
Die Wärme von Noé kroch durch seinen ganzen Körper, und als sich der Größere abschütteln wollte, verstärkte Vanitas den Griff.

„Nein... Noé... ich kann wieder fühlen ich... ich kann es alles... Noé...! Ich...“
Der Vampir entwand sich dem Griff und starrte den Zitternden tieftraurig an.
„Bitte. Vanitas... ich komme damit klar... wirklich.“

Etwas zeriss in seinem Herzen. Vanitas ging wieder einen Schritt auf ihn zu.
„Noé... Noé bitte... ich... Ich liebe dich, Noé! Ich kann es spüren! M-mein ganzer Körper kribbelt und... ich liebe dich...!“

„Bitte lass uns nicht mit dem Begriff Liebe rumhantieren, wenn wir gar nicht wissen, was das bedeutet.“
Vanitas verstand die Welt nicht mehr.
Er liebte Noé und Noé liebte ihn, also wo war das Problem?

„Noé... du hast doch gesagt... dass du mich retten würdest, wenn du könntest. Und du kannst es, einfach, wenn du mir nahe bist! Komm, wir haben nichts zu verlieren!“
Er wusste selbst, dass das nicht stimmte. Noé hatte alles zu verlieren.

„Vanitas... sei doch ehrlich, du hast Angst vor dir selbst.“
„Ja, ja das habe ich! Aber ich liebe dich! Noé, ich liebe dich und ich weiß auch sehr wohl, was Liebe bedeutet! Du! Du bist Liebe, weil du alles bedingungslos liebst und schön findest und anscheinend sogar mich...!“

Noé seufzte und atmete dann tief durch.
Und dann brach er in Tränen aus.

„Es geht nicht! Vanitas, es ge-“

„Ich liebe dich verdammt noch mal, also geht es!“
Er beugte sich zu ihm hoch und küsste ihn und er wusste, dass alles gut werden würde.
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