Afterwards (George Weasley Lovestory)

von Ileynah
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
11.03.2017
15.03.2019
35
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Es geht weiter!! Viel Spaß beim Lesen <3

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(Charlotte POV)

Das hätte sie echt nicht gedacht.

Sie musste sich eingestehen, dass der Abend bisher wirklich ganz gut lief. George brachte sie in die Gespräche am Tisch immer mehr mit ein, während sie sich selbst im Hintergrund hielt und sich darum kümmerte, dass Lucy und Claire sich wohlfühlten. Es war gut, dass Claire neben ihr und Arthur saß, der eine Engelsgeduld aufbrachte und sie letztendlich zum Reden brachte. Lucy hingegen verfolgte die Gespräche zwischen den Weasley Geschwistern ganz genau. Irgendwann wurde die beiden aber der Erwachsenen Gesellschaft überdrüssig und zogen sich ins Wohnzimmer zurück, um Mensch-ägere-dich-nicht zu spielen. Für ein paar Minuten unterhielt sie sich dann mit Arthur, bevor dieser seine Neugierde nicht mehr zügeln konnte und ebenfalls aufstand, um sich das Muggelspiel anzuschauen. Charlotte wandte sich wieder dem anderen Teil des Tisches zu, von dem sie nun da Lucy, Claire und Arthur aufgestanden waren, etwas abseits saß. Die anderen waren so in ihre Gespräche vertieft, dass sie es nicht über sich brachte sich ihnen aufzudrängen.

Sie konnte sich kaum vorstellen, wie merkwürdig es für George sein musste, denn ihr letzter Besuch im Fuchsbau lag auch schon etwas zurück. Aber wenn sie George so beobachte, wirkte er mittlerweile ziemlich gelöst. Kein Wunder, dachte sie dann, es war ja immer noch seine Familie. Plötzlich fühlte Charlotte wie sich ein Kloß in ihrer Kehle bildete. Bevor irgendjemand ihr Gefühlschaos bemerken konnte, beschloss sie noch eine kleine Portion zu essen. Ihre Hand hatte die Löffel, der in Rotkohltopf steckte fast erreicht, als Mollys Stimme über die anderen Gespräche hinwegtönte.

„Und, Charlotte…Ist es schwer so ganz alleine?“ Charlotte verharrte unbewusst in ihrer Bewegung und bemerkte sofort, dass die übrigen Gespräche am Tisch verstummt waren. „Ich meine, zwei Kinder so plötzlich bei sich zu haben und dann auch noch selbst den eigenen Vater zu verlieren…“ Sie seufzte auf, „Wie geht es dir?“

Um Zeit zu gewinnen und den Kloß in ihrem Hals unauffällig herunterzuwürgen, häufte Charlotte einen kleinen Berg Rotkohl auf ihrem Teller an.

„Ich denke es läuft ganz gut“, sagte sie schließlich. Ein kleiner Teil in ihr hoffte, dass jetzt alle wieder ihren Gesprächen nachgehen würden, aber ihr Wunsch wurde natürlich nicht erhört.

„Natürlich“, sagte Molly und nickte ihr, nach Charlottes Geschmack, viel übertrieben zu. Eine Sekunde fragte sich Charlotte, ob Molly sie beobachtet hatte, um den günstigsten Moment für die Frage zu stellen. Aber im nächsten Moment fühlte sie sich schlecht, so über Molly zu denken. Trotzdem fühlte sie sich mit jeder weiteren Frage unwohler.

„Arthur sagte, ihr habt euch letztens im Ministerium getroffen. Du hast wirklich Glück, dass du so einen guten Job im Ministerium hast. Aber wolltest du früher nicht etwas anderes machen?...Wie kommt Claire mit der Entfernung zu Lucy klar?...Wird sie auch nach Hogwarts gehen?“ Und so weiter und so sofort. Je mehr Fragen Molly stellte, desto mehr fühlte es sich wie ein Verhör an. Irgendwann hatte sie genug, und ergriff die nächste Gelegenheit, um entschuldigte sich von Tisch zu entschuldigen.

Im Badezimmer ließ sich auf den Wannenrand sinken und stütze ihren Kopf in ihre Hände. „Tief durchatmen“, flüsterte sie und versuchte ihrem eigenen Ratschlag so gut es ging Folge zu leisten. Doch ihr Herzschlag wollte sich einfach nicht beruhigen. Molly hatte es geschafft die Schublade in ihrem Herzen aufzureißen und alle Gedanken und Gefühle an die Oberfläche befördert. Sie wusste, dass diese Schublade ein Teil von ihr war, aber normalerweise öffnete Charlotte sie nur, wenn sie es wollte. Kontrolliert und behutsam ging sie dann vor, aber das eben war etwas ganz anderes gewesen. Charlotte mochte sie immer noch nicht vorstellen, dass Molly sie mit Absicht an diesen Punkt getrieben hatte. Sie wusste nicht genau wie lange sie schon so da saß, aber irgendwann hörte sie ein Klopfen an der Tür und zuckte zusammen.

„Charlotte? Bist du da drin?“

Ron.

„Bin gleich fertig“, rief sie zurück. Dann stand sie auf, betätigte die Spülung und ließ das Wasser am Waschbecken ein paar Sekunden laufen. Sie hoffte, dass es sich so zumindest zu anhörte, als wäre sie wirklich auf der Toilette gewesen. Dann öffnete sie die Tür und trat hinaus auf den Flur.

„So du kannst“, sagte sie zu Ron und deutete auf das Badezimmer.

Ron nickte, bewegte sich aber nicht von der Stelle. „Ich soll dich eigentlich fragen, ob du deinen Rotkohl noch essen willst?“, fragte er stattdessen.

„Nein, mir ist der Appetit vergangen.“ Sie warf einen Blick auf die Uhr. Halb sieben. Zu früh, um zu gehen?

„Okay“, sagte Ron und stiefelte davon. Charlotte sah im Hinterher und schüttelte den Kopf. Bei dem Gedanken wieder nach unten zu gehen, zog sich ihr Magen zusammen. Aber desto länger sie wartete, desto komischer würde es werden. Ganz langsam machte sie sich an den Abstieg. Sie hatte den letzten Treppenabsatz noch nicht erreicht als zwei Stimmen aus der Küche zu hören waren.

Es war George, der leise, aber eindringlich auf seine Mutter einredete.

„…Merlin, was sollte das?“

„Ich wollte nur fragen, wie es ihr so geht“, verteidigte sich Molly.

„Das sah für alle anderen aber ganz anders aus!“, zischte George, „Was.sollte.das?“

Innerlich versuchte Charlotte sich gegen zu wappnen für das was jetzt kam.

Nach einer kurzen Pause antwortete Molly und Charlotte konnte hören, dass ihre Stimme zitterte: „Ach, George. Warum denn ausgerechnet sie?“ Charlottes Hand um das Treppengeländer verkrampfte sich. „Sie hat dich und Fred damals einfach weggestoßen und nie wieder von sich hören lassen. Also warum jetzt? Ich verstehe das einfach nicht…“

Das war genug, beschloss Charlotte. Wen kümmerte es, ob halb sieben zu früh war, um zu gehen. Sie würde sich Lucy und Claire schnappen und mit ihnen nachhause. Sie ging an der Küche vorbei direkt ins Wohnzimmer und zwang sich Molly und George keinen Blick zuzuwerfen.

„Da bist du ja!“, rief Claire aufgeregt und lief auf sie zu. „Der Himmel ist frei!“ Mit einem breiten Grinsen hüpfte sie vor Charlotte auf und ab, die einen Moment braucht, um gedanklich hinterher zu kommen. Dann fiel der Sickel.

„Also können wir die Sterne ja doch noch sehen.“ Claire nickte mit einmal kräftig und zog sie und Lucy vorbei an den anderen dann zur Haustür. Fleur und Bill waren die einzigen, die sie nicht sprachlos anstarrten. Aber die Verwirrung der anderen war Charlotte gerade reichlich egal. „Na los! Nicht das wieder Wolken kommen.“

Der Himmel war ein wirklich atemberaubender Anblick an diesem Abend. Für eine Weile war sie so fasziniert, dass sie nur nicht einmal mitbekam, wie Lucy noch einmal kurz in den Fuchsbau huschte. Dann führte Charlotte die beiden Mädchen einmal um das Gebäude herum.

„Irgendwo hier...- Ah, da ist sie ja!“, sagte Charlotte und beschleunigte ihre Schritte. Schon immer hatte etwas vom Haus eine kleine Bank gestanden, die gerade genug Platz für die drei bot.

Eine Weile blickten sie schweigend in den Himmel, sprachlos von der unendlichen Weite und Schönheit des Weltalls und allein mit ihren Gedanken. Abertausende Sterne funkelten ihnen entgegen und, obwohl sie sich im Vergleich zum Weltall winzig klein fühlte, spürte sie wie die Anspannung aus ihren Gliedern wich und sich nicht mehr ganz so allein fühlte wie vor ein paar Minuten. Sie senkte den Blick auf den Fuchsbau. Hinter den erleuchteten Fenstern konnte sie mehrere Gestalten sehen, die in die Dunkelheit blickten. Aber sie wusste, dass sie nicht gesehen werden konnten. Dafür war es einfach zu dunkel und die Bank zu weit entfernt. Erleichtert, dass niemand diesen Moment zerstören würde, nahm sie die beiden in den Arm.

„Ich vermisse sie so sehr…“ Lucys sprach so leise, dass Charlotte sie kaum verstehen konnte.

„Ich auch, Lucy“, sagte Charlotte und drückte die beiden ein weinig enger an sich.

„Glaubst du wirklich, dass man ein Stern wird?“, fragte Lucy leise und sah sie mit großen Augen an. „In Hogwarts hat der Fast Kopflose Nick gesagt, er hätte noch etwas davon gehört.“

Charlotte zögerte einen Moment, denn Lucy würde in Astronomie bald lernen, dass Sterne im Endeffekt nur aus Gas bestanden und der Fast Kopflose Nick eigentlich Recht hatte. „Nur weil er ein Geist ist, hat der Fast Kopflose Nick ja nicht automatisch Recht.“ Sie machte eine Pause und wählte ihre Worte mit Bedacht. „Viel wichtiger ist aber, was das Herz einem sagt. Meines sagt mir, dass meine Eltern von dort oben auf mich aufpassen. Was sagt dir dein Herz?“

Lucy kuschelte sich ein wenig enger an ihre Seite. „Das Gleiche.“

„Mir auch“, flüsterte Claire und Charlotte konnte hören, dass sie dabei lächelte.

„Und, dass irgendwo von dort oben Fred auf George aufpasst“, ergänzte Lucy. Charlotte nickte und vergaß vollkommen, dass Lucy das in der Dunkelheit nicht sehen konnte.

Dann fiel plötzlich ein Lichtstrahl in den Garten, und lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Fuchsbau. Die Hintertür war aufgegangen und sie konnte die Silhouette einer großen, schlanken Gestalt ausmachen. Die Tür hinter wurde wieder verschlossen und die Gestalt verschmolz mit der Dunkelheit.

„Ich habe George gefragt, ob er nicht dazu kommen will“, gestand Lucy. Charlotte hob überrascht die Augenbrauen. „Claire hat mir erzählt, dass ihm das Bild so gut gefallen hat. Also dachte ich…“

„Das ist wirklich sehr aufmerksam von der dir, Lucy“, sagte Charlotte, doch in Wahrheit wünschte sie sich, dass sie alleine geblieben wären. Als er sie erreichte, zog er zwei leere Marmeladengläser aus den Jackentaschen.

„Ich dachte, die könntet ihr vielleicht gebrauchen“, sagte er und hielt Lucy und Claire jeweils eines hin und Charlotte erkannte Hermines Zauberkunst. Ohne es wollen, mussten sie lächeln.

„Ist das cool!“ Lucy studierte fasziniert die blauen Flammen. „Kannst du mir beibringen wie das geht?“

„Da musst du wohl eher Hermine fragen. Die hat sie nämlich erfunden.“

Charlotte hob Claire zum zweiten Mal an diesem Abend auf ihren Schoß. „Setzt dich.“

Damit quetschte sich George auf das bisschen Bank, dass übrig war und es kehrte wieder Stille ein auf der Bank. Eine ganze Weile sagte niemand etwas. Dann flüstere George: „Es tut mir leid.“

Charlotte wusste sofort was er meinte. „Es ist nicht deine Schuld“, sagte sie und sah in an. In dem schwachen Licht von Hermines Lichtern glitzerten seine Augen trotz der Dunkelheit.

„Wir sollten trotzdem darüber reden“, meinte George.

„Etwa hier und jetzt?“, fragte sie und deutete mit dem Kopf auf Lucy und Claire, die sich leise über die blauen Flammen unterhielten.

George sah an ihr vorbei zu Lucy und Claire und kehrte dann zu ihr zurück. „Dann aber später.“

Eine Weile sagte keiner von beiden etwas.

„Es tut mir auch leid“, sagte Charlotte ohne ihn anzusehen. „Ich hatte dir einen schöneren Abend gewünscht.“

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Wie die nächsten Tage bis Silvester verlaufen, erfahrt ihr in 14 Tagen :D

Bis dahin und ein schönes Wochenende,

Ileynah
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