Auf dünnem Eis

OneshotDrama, Familie / P12
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers OC (Own Character) Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
10.03.2017
10.03.2017
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Auf dünnem Eis


„Mutterliebe ist warm, – auch der eisigste Schnee tut ihr nichts.“
- Felicitas Rose (1862 – 1938)

Das Streichholz entzündete sich nach dem dritten Versuch und erzeugte eine helle Flamme, die Steve ein wenig blendete, weil er genau hineingesehen hatte. Etwas erschrocken hielt er sich seinen Unterarm vor die Augen und lachte unbeholfen.
Er blinzelte ein paar Mal und lächelte milde, während Charlotte die Kerzen auf dem Kuchen nacheinander anzündete. Buckys Schwester hatte ihre dunklen Locken heute zu einem eleganten Knoten gebunden, was Steve offensichtlich recht ansehnlich fand.
Bucky wusste von der heimlichen Schwärmerei, die Steve schon seit Jahren für seine Schwester hegte, doch hatte er nie verstanden, warum er nicht einfach versuchte etwas mehr daraus zu machen als diese Freundschaft, die sie aktuell hatten.
Seufzend blickte er zwischen Steve und seiner Schwester hin und her, bis ihn jemand an der Schulter fasste und kurz drückte.
„Du musst die Kerzen auspusten, James!“ rief seine Mutter und Mary, die ein Jahr jünger war als Charlotte, klatschte ein paar Mal die Hände zusammen, während sie ihn beobachtete.
„Sie sind ja kaum angezündet und schon soll ich sie auspusten?“ fragte er, um seine Mutter ein wenig auf den Arm zu nehmen, denn sie konnte es nicht leiden, wenn sie jemand so sehr auf die Folter spannte.
James Buchanan Barnes, tu deiner Mutter einfach den Gefallen, ja?“ sagte sie gekünstelt verärgert und klopfte ihm mit dem Tortenheber auf die Schulter. Er beugte sich herunter, um ihrem 'Angriff' aus dem Weg zu gehen, woraufhin sie wenigstens lachte.
„Na los, man wird nur einmal sechsundzwanzig“, forderte sie ein zweites Mal, doch hörte er eindeutig Wehmut aus ihrer Stimme. Ihre Haare waren mittlerweile etwas ergraut, doch knotete sie sie immer noch in derselben Art und Weise wie immer.
Sie hatte sich kaum verändert, bis auf das Alter. Bei seinen Schwestern genau dasselbe Phänomen. Sie wurden höchstens schöner mit der Zeit und er wunderte sich, dass noch keine von ihnen verheiratet war.
Bucky holte Luft und wollte gerade die Kerzen auspusten, da klopfte es am Türrahmen. Er drehte sich um, was Mary dazu veranlasste enttäuscht zu raunen, weil die Kerzen immer noch brannten. Dort stand Henry, der Jüngste der Geschwister.
„Ich hab's doch nicht etwa verpasst!?“ rief er und Bucky musste grinsen, weil auch sein Bruder sich nicht wirklich verändert hatte – er kam immer noch zu spät.
„Nein, du kommst genau richtig!“ rief ihre Mutter und holte ihn am Türrahmen ab, um ihn ungeduldig zum Esstisch zu schieben. „Setz dich, mein Junge.“
Henry schob sich auf den Platz neben Steve auf der Eckbank unter dem Fenster und begrüßte den schmächtigen Jungen, den er mittlerweile an Größe und Statur überholt hatte, obwohl er vier Jahre jünger war.
„Hey Steve!“ hörte Bucky ihn noch sagen, da unterbrach seine Mutter schon wieder die Unterhaltungen am Tisch, indem sie mit dem Tortenheber dieses Mal auf die rot-weiß-karierte Tischdecke klopfte.
„Können wir endlich zum Wesentlichen kommen? Sonst brennt der Kuchen gleich!“ rief sie und machte eine einladende Handbewegung, die Bucky seinen Einsatz zeigte und er holte erneut tief Luft, um die Kerzen endlich auszupusten.
Es dauerte ein wenig, aber er brauchte nur einen Ansatz und alle sechsundzwanzig Kerzen waren erloschen. Aufgeregt applaudierte seine Mutter und nahm sich dann das große Schneidemesser, mit dem sie den Kuchen nach und nach zerteilte.
„So, Steve, reichst du mir mal bitte deinen Teller?“ fragte sie dann und schaufelte ihm das erste Stück darauf.
„Hey, ich bin hier das Geburtstagskind!“ rief Bucky empört und sie nahm ihm unwirsch den eigenen Teller aus den Fingern. Mit hochgezogenen Augenbrauen stellte sie ihn weg und beförderte erst allen anderen etwas von dem Gebäck auf die Teller, damit er als letzter das Vergnügen hatte.
„Das ist übertriebene Härte, Mutter!“ echauffierte er sich weiter und nahm missmutig sein Stück als letzter entgegen, während seine Mutter ein zufriedenes Lächeln aufsetzte, mit dem sie ihn auch unverhohlen bedachte.
„Tja, man kann halt nicht alles haben, nicht wahr?“ fragte sie niemand bestimmtes und neckte ihn noch etwas weiter, während er sich über den Kuchen hermachte, der im Inneren noch warm war und leider viel zu süß.
Backen hatte noch nie zu den Stärken seiner Mutter gezählt, aber es beschwerte sich niemand, also würde er für gut befunden werden. Da das seit Jahren der Fall war, störte es auch niemanden, wenn der Kuchen tatsächlich nichts geworden war.
Sie alle rechneten fest damit. Doch nur einer war in der Lage so überzeugend zu flunkern, dass es seiner Mutter niemals in den Sinn gekommen wäre, dass ihre Backkünste zu wünschen übrig ließen – Steve.
„Der ist ganz hervorragend geworden“, brachte Steve wie gerufen mühsam hervor, während er sich sichtlich damit abmühte die zähe Teigmasse in seinem Gaumen zu zähmen. Auch Bucky spürte, wie ihm der warme Kuchen mit aller Hartnäckigkeit im Mund kleben blieb und kaute angestrengt weiter.
„Danke dir, Steve. Du kannst dir auch gerne noch etwas mitnehmen, falls etwas übrig bleibt bei den ganzen Geiern hier“, erwiderte sie freudlos und schob einen großen Krümel auf ihrem Teller herum.
Ihre Hochstimmung war auch nur aufgesetzt, so wie die einstimmige Begeisterung für den Kuchen. Und Bucky wusste genau warum.
„Habt ihr noch Kaffee? Oder möchte jemand einen Tee?“ unterbrach seine Mutter die kurze unangenehme Gesprächspause und sah sich in der Runde um.
„Ich koche noch Kaffee“, stellte sie nach ein paar Sekunden angespannten Schweigens nüchtern fest und erhob sich, um das Esszimmer zu verlassen. Charlotte warf ihrer Mutter einen besorgten Blick hinterher und ließ dann ihre Augen auf Bucky ruhen.
Sie wirkte vorwurfsvoll.
„Du könntest wenigstens so tun, als würde es dir etwas ausmachen“, zischte sie ihm zu und verließ das Esszimmer ebenfalls, um ihrer Mutter zur Hand zu gehen.
„Ist sie immer noch so wütend?“ fragte Henry ohne seinen Blick von seiner halbvollen Tasse zu nehmen und rührte ziellos mit seinem Löffel in seinem Kaffee.
Offensichtlich“, presste Bucky hervor und stützte seinen Kopf in seiner Handfläche ab, wobei er kurz die Augen schloss, um der absurden Situation zu entgehen. Doch stellte er fest, als er die Augen öffnete, dass er immer noch in dem kleinen Wohn- und Esszimmer saß.
Die Tapeten mit kitschigen Blumenmotiven und die große Standuhr, das war alles, was ihnen nach der Wirtschaftskrise übrig geblieben war.
Die Inflation hatte letztendlich seinem Vater erst den Job und dann das Leben gekostet und nun saßen sie hier. Er konnte ein leises Schluchzen aus der Küche nebenan hören und warf einen gequälten Blick auf Steve, der sich auf der Eckbank zurückgelehnt hatte und ihn nicht aus den Augen zu lassen schien.
„Du meinst, ich sollte hingehen, oder?“ fragte Bucky, weil das Gesicht seines besten Freundes genau das zu ihm gesagt hatte, ohne überhaupt etwas zu sagen. Statt zu antworten, nickte Steve schlicht.
Bucky atmete schnaufend durch die Nase aus und schob seinen Stuhl nach hinten, während er aufstand und sich in die Küche begab. Da stand Charlotte, die ihre Mutter in den Armen hielt. Die so starke Rebecca Barnes sah gerade gar nicht nach ihrem eigentlichen Selbst aus.
Er nickte seiner Schwester zu, die sanft von ihrer Mutter abließ und sie zu ihm drehte. Dann verließ sie den Raum unauffällig und zog die Tür ins Schloss, sodass sie alleine wären und ungestört.
„Es tut mir leid, mein Sohn“, schniefte sie, wischte sich mit dem Baumwolltaschentuch über die nassen Augen und stemmte die Hände in die Hüften.
„Nein, es... Es tut mir leid“, entschuldigte er sich nun doch für etwas, für das er sich nicht entschuldigen wollte. Es war schließlich seine Pflicht.
„Das sollte es aber nicht, ich weiß, dass du das machst, weil du deinem Land dienen willst. Ich bin deine Mutter, es macht mir eben etwas aus, wenn du in den Krieg ziehen willst“, brachte sie lächelnd, aber immer noch weinend hervor.
„Verstehst du, ich denke ständig daran, dass das der letzte Geburtstag sein könnte, den wir mit dir feiern“, brachte sie erstickt hervor und fing wieder an zu weinen. Bucky fühlte sich vor den Kopf gestoßen.
Er redete sich selbst die ganze Zeit ein, dass er unbeschadet zurückkehren würde und nun sagte seine Mutter, dass sie Angst hätte, er würde sterben... Dabei hatte er schon genügend Angst zu sterben.
„Mom, ich...“, begann er, doch gebot sie ihm zu schweigen und ging auf ihn zu, um ihn in den Arm zu nehmen. Sie war ein ganzes Stück kleiner als er und weinte gerade an seine Schulter. Sein Hemd wurde allmählich feucht.
Sie drückte ihn so fest an sich, dass er sich richtig schlecht fühlte, als sie von ihm abließ.
„Hat Steve wenigstens diesen Gedanken begraben?“ wollte sie dann wissen und putzte sich danach die Nase.
„Nein, leider nicht“, gestand er ihr und sie ließ erschöpft die Schultern hängen.
„Er ist viel zu gut und naiv für diese Welt. Wenn er in den Krieg zieht, dann missbrauchen die ihn als Kanonenfutter, ich weiß es doch...“, sagte sie ehrlich erschrocken und trocknete sich die Wangen von ihren Tränen.
„Ich weiß es auch, doch bekomme ich ihn nicht davon überzeugt.“
„Wenn einer von euch geht, dann ist das Verlust genug. Wenn aber beide gehen... Ich bin froh, dass ich Henry abhalten konnte. Ihr seid doch noch Kinder, müsst ihr denn wirklich-“, fing sie wieder das leidige Thema an und Bucky spürte ein wenig Ärger in sich aufsteigen.
„Mom, wenn wir es nicht machen, dann macht es niemand. Dort herrscht Krieg und es ist unsere Pflicht etwas gegen die Deutschen zu unternehmen. Wenn ich nicht ginge, dann wäre ich doch bloß ein Feigling“, behauptete er und sie verzog das Gesicht vor Zorn.
„Haben die dir das in Wisconsin eingeredet? Ich sag dir mal was, James, diese Generäle und sonstigen wichtigen Würdenträger, die sind doch bloß froh, dass sie Frischfleisch wie euch durch die Hölle schicken können und nicht selbst dort hin müssen. Erzähl mir, dass es nicht so ist, dann bin ich vielleicht überzeugt“, rief sie aufgeregt.
„Meinst du, es fällt mir leicht nach Europa zu gehen? Meinst du, ich hätte bei dieser Grundausbildung Spaß gehabt oder nicht mindestens einmal darüber nachgedacht, dass ich besser hier bleibe?“ entfuhr es ihm lauter als beabsichtigt.
„Ich gehe dort hin, weil ich es so entschieden habe und nicht, weil mich irgendjemand dazu überredet hat, Mom. Dessen sei dir bitte gewiss“, schob er versöhnlicher hinterher und sah ihr ins Gesicht.
Sie schwieg für einen Moment und sah ihm dann in die Augen.
„Versprich mir, dass du wieder zurückkommst.“
„Mom, ich kann nicht-“
Versprich es mir, James Buchanan Barnes!“ insistierte sie und ihre Augen schwammen erneut in Tränen, doch hatte sie ein ernstes Gesicht.
Er nickte verdrossen und wusste im Inneren eigentlich ganz genau, dass er ihr dieses Versprechen niemals hätte geben sollen. Er wusste nämlich nicht, ob er es einhalten konnte.

„Hast du dir auch etwas eingepackt, Steve?“ fragte Rebecca mit einem halben Lächeln auf den Lippen und hielt ihn gerade davon ab, seine Jacke anzuziehen. Er hatte ihr absichtlich nichts davon erzählt, dass gerade sein gesamter Kreislauf verrücktspielte, weil er viel zu viel Zucker gegessen hatte.
„Ja, hier“, sagte er wahrheitsgemäß und hielt ihr das kleine Kehrpaket unter die Nase, das Charlotte ihm zusammengestellt hatte.
„Sehr gut! Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder“, verabschiedete Rebecca ihn dann und er winkte ihr noch vom Bürgersteig aus zu, während er mit Bucky an seiner Seite die Straße entlang ging. Sein Freund hatte darauf bestanden noch mit raus zu kommen.
„Euer Gespräch vorhin war wohl nicht besonders erfreulich, oder?“ fragte Steve behutsam in Buckys Richtung, der einen Stein vor sich wegkickte, welcher klappernd in den nächsten Gullydeckel fiel und in der Kanalisation verschwand.
„Nein“, erwiderte Bucky nach einer kurzen Pause kleinlaut und steckte die Hände in die Hosentaschen.
„Wie war es in Wisconsin eigentlich? Es ging doch sicher darum“, fuhr Steve fort und trug das Kehrpaket vorsichtig in seiner Hand.
„Natürlich ging es darum“, spuckte Bucky verärgert aus und Steve sah zu ihm rüber. So wütend kannte er seinen Freund eigentlich nicht, zumindest nicht so verzweifelt wütend. Er konnte sich nur ansatzweise vorstellen, wie es sich anfühlte bald in den Krieg zu ziehen.
Dabei wollte er selbst nichts anderes lieber. Er wollte seine Pflicht tun, so wie Bucky es tat. Er hatte aber auch niemanden, den er zurücklassen würde.
„Und jetzt fang nicht wieder damit an, dass du selbst gehen willst, dann hast du nämlich dasselbe Problem wie ich. Sie hört einfach nicht damit auf“, regte Bucky sich ein wenig auf, aber wirklich übel nahm er es seiner Mutter wohl nicht.
„Ich musste versprechen, dass ich lebend zurückkomme, Steve... Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dann hätte ich meiner eigenen Mutter nicht frecher ins Gesicht lügen können“, gestand Bucky mit einem Mal ziemlich zerknirscht.
„Du wirst aber zurückkommen“, pflichtete Steve Rebecca bei und blieb stehen. Bucky ging ein paar Schritte weiter und drehte sich dann zu Steve um. Er wirkte abwehrend, richtiggehend verschlossen, fand Steve.
„Wer garantiert das?“ stellte Bucky die Frage, auf die er keine Antwort erwarten durfte und Steve schwieg. Was sollte er auch dazu sagen? Er kannte die Antwort ja auch nicht. Er wünschte nur, dass er sie kannte.
„Ich sag dir wer: Niemand“, schnauzte Bucky ungehalten und holte tief Luft. „Entschuldige“, setzte er dann hinterher und ließ den Kopf hängen. Steve wünschte sich, dass er etwas sagen könnte, doch wäre alles irgendwie falsch und abgedroschen.
Also sagte er nichts.
„Glaubst du mir, dass ich Angst habe?“ fragte Bucky unvermittelt und sah Steve gequält an.
„Ja, aber das hätte jeder“, antwortete Steve so neutral wie möglich, denn er wollte nicht, dass Bucky dachte, dass er ihn lediglich trösten wollen würde – und das mit einer Notlüge.
„Du scheinst sie nicht zu haben“, sagte Bucky und lachte schnaufend auf.
„Wieso?“
„So oft wie du dich zu verpflichten versuchst, würde es mich wundern, wenn du Angst hast“, meinte er dann freudlos und doch etwas amüsiert, es war eine seltsame Mischung.
„Natürlich habe ich Angst. Aber es ist nun einmal meine Pflicht etwas zu tun. Genau wie mein Vater oder wie du jetzt. Ich will auch meinem Land dienen so wie jeder andere auch. Nur darf ich nicht. Und das wegen Nichtigkeiten. Da sowieso alle davon ausgehen, dass in Europa alle sterben, wieso darf ich mit meinem Asthma nicht dort hin? Ob ich mit oder ohne Asthma dort falle, das tut doch im Grunde nichts zur Sache“, redete sich Steve in Rage und er wusste gar nicht, dass er tatsächlich schon so viel Frust angestaut hatte, dass er nun so etwas sagte.
Normalerweise würde er sich zurückhalten in diese Richtung auch nur zu denken, aber nun war es gesagt und Bucky sah ihn entsetzt an.
„Du willst doch wohl nicht in den Krieg ziehen, um zu sterben, oder?“ würgte Bucky hörbar hervor. „Sag mir, dass es nicht so ist.“
Steve hielt die Luft an und sah Bucky ins Gesicht.
„Nein. Ich will in diesen Krieg ziehen, weil ich nicht bereuen will, nichts getan zu haben. Ich will in diesen Krieg ziehen, weil ich Unterdrückung nicht ausstehen kann und was machen die Nazis gerade? Genau, die Leute unterdrücken. Versteh mich nicht falsch, Bucky, aber ich weiß nicht, was ich sonst für eine Rolle in diesem Krieg übernehmen soll, wenn ich nicht daran teilhaben darf. Was ich da gerade gesagt habe, tut mir leid. Ich wollte dich nicht verunsichern.“
Bucky schien nicht wirklich überzeugt, aber er nickte gestelzt und setzte sich wieder in Bewegung. Steve folgte ihm ungefragt und sie gingen weiter in Richtung seines kleinen Apartments, in dem er immer noch wohnte.
Sie schwiegen eine Weile, bis Bucky irgendwann wieder das Wort übernahm.
„Charlotte sah heute wirklich nett aus, nicht wahr?“
Steve spürte, wie er nervös wurde. In seinem Magen flogen jetzt auch noch Schmetterlinge, zusätzlich zu dem überzuckerten Kuchen, der ohnehin schon dort rumorte.
„Ja, wieso?“
Bucky grinste breit und behauptete: „Na ja, Mary hat behauptet, sie hätte sich nur die Haare so aufwendig frisiert, weil sie wusste, dass du heute da bist.“
Steve spürte, wie er rot anlief, weil seine Wangen plötzlich heiß wurden und er versuchte sich gegen diese Behauptung zu wehren, doch bekam er kein gerades Wort aus dem Mund.
„Nein, das wäre doch... Nein, das ist Blödsinn. Und das weißt du!“ widersprach er Bucky heftig, doch stammelte er immer noch zu sehr, als dass er es als Wahrheit verkaufen könnte.
„Steve, du solltest... Du solltest es ihr vielleicht sagen“, schlug Bucky etwas ruhiger und ernster vor und sie bogen in die Seitenstraße ein, in der sich auch ihr Ziel befand.
Steve begann derweil nervös in seinen Hosentaschen zu wühlen, um den Haustürschlüssel zu finden. Nach mühsamer Suche hielt er ihn auch endlich in den Händen, doch hielt er einen Moment inne.
Bucky schwieg und sah ihn einfach an, die Hände immer noch in den Hosentaschen. Steve ließ den Kopf hängen und starrte auf Buckys geputzte Schuhe, die im Licht der Hoflampe etwas glänzten, aber nicht zu aufdringlich wirkten.
„Steve, ich finde, das solltest du langsam mal klären. Sie wird vielleicht nicht ewig auf dich warten“, gab Bucky dann noch zögerlich zu bedenken und Steve biss sich auf die Unterlippe. Bei einem so hübschen Mädchen wie Charlotte hätte er doch niemals eine Chance.
Er hatte ihr im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu bieten. Nicht einmal groß war er oder sonst wie betucht oder begabt. Außer Zeichnen... Aber davon konnte man nicht unbedingt leben. Er wollte ihr keine aussichtlose Zukunft in Aussicht stellen.
„Ich weiß. Und das ist vielleicht auch gut so“, murmelte Steve entrückt und drehte den Haustürschlüssel in seinen Fingern.
„Alles Gute zum Geburtstag, Buck“, sagte er noch mit einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen und schloss die Tür endlich auf, während Bucky sich leise umdrehte und in der Nacht verschwand.
Seufzend warf Steve hinter sich die Tür ins Schloss. Mit dem Kehrpaket in der Hand stand er mehrere volle Minuten so da und starrte in die dunkle Wohnung. Egal, was heute gesagt worden war und welches Thema angesprochen wurde – sie alle hatten sich pausenlos auf dünnem Eis befunden.
Unter Umständen war es besser, wenn man sich gar nicht mehr unterhielt. In so unbeständigen Zeiten wie diesen könnte nämlich jedes Wort das letzte sein. Und man konnte froh sein, wenn diese Worte nicht Teil eines Streites waren.
Sonst bliebe das Wichtige nämlich für immer ungesagt.

Anmerkung: Da Bucky heute 100 Jahre alt wird (stolzes Alter, Mr. Barnes), dachte ich mir, dass ich seinen 26. Geburtstag im Jahre 1943 aufgreife, kurz bevor er also in den Krieg gezogen ist. In Wisconsin ist das Lager, in dem Bucky für seinen Einsatz ausgebildet wurde, nur als kleine Info am Rande.
Was meint ihr allerdings zu diesem Text? Eure Denkanstöße und Meinungen sind wie immer herzlich willkommen! :)
LG, Erzaehlerstimme

P.S.: Ich weiß, dass eigentlich Buckys Schwester Rebecca heißt, doch ist es in den Filmen immer etwas anderes. Laut Marvel-Wikia ist Bucky in diesem Falle sogar der Älteste von vier Kindern, statt von zwei. Welches Geschlecht oder welche Namen die haben, steht nirgendwo. Deshalb heißt jetzt seine Mom Rebecca und das habe ich ganz eigenmächtig und alternativ entschieden ;D Für alle, die sich vielleicht gewundert haben.
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