You belong with me

OneshotRomanze / P12 Slash
Dr. Heinrich Faust Mephistopheles
09.03.2017
09.03.2017
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Das frühmorgendliche Morgenrot tränkte bereits den Himmel. Zwei schwarze Hengste galoppierten durch das Dorf und trugen dabei zwei zwielichtig aussehende Gestalten auf ihren Rücken. Aus der Entfernung betrachtet wirkte es so, als ob die Hufe nicht den Boden berühren würden und dort, wo sie es scheinbar taten, stieg geschwärzter Rauch auf. Ein Kleriker hätte behauptet, dass aus ihren Nüstern die Flammen der Hölle züngelten und das Gesamtbild sowieso ein schlechtes Omen war und die beiden Pferde mit ihren Reitern eine Ausgeburt aus der reinen Hölle. Sie ritten mit lautem Getöse durch das Dorf, aber dennoch erblickte sie keiner. Denn die Menschen schliefen alle noch aus, immerhin war es Sonntag. Außerdem würde sich an diesem Tage ein besonderes Ereignis abspielen: Eine Kindermörderin, im Volksmund Gretchen genannt, sollte heute gehängt werden. Und dieses lustige Ereignis wollte sich natürlich niemand entgehen lassen. Nur die beiden Männer schienen scheinbar davor zu flüchten.
Faust war tief in Gedanken versunken und dachte sich alle möglichen Szenarien durch. Als sich mit Gretchen vereinigt hatte, hatte er es endgültig gewusst. Er stand auf Männer, das war nicht zu leugnen. Er fand Gretchen an sich ja ganz nett, aber da war auch nicht viel mehr dahinter. Er hatte ihr das ganze Gesülz nur erzählt, weil er echt nicht gedacht hätte, dass Frauen so naiv waren. Aber das waren sie. Und deswegen war sie direkt in seine Falle gegangen. Dennoch hatte er sie vor dem Galgen retten wollen. Dass sie für seine Taten und Gedanken hängen musste, war ihm dann doch etwas zu brutal gewesen. Hätte er Gretchen retten können? Was hätte er anders machen können? Fakt war, wegen ihm würde eine Unschuldige sterben. Und obwohl er sie nicht liebte, machte ihr bevorstehender Tod ihm doch zu schaffen. Aber umkehren und ihr helfen konnte er auch nicht, denn sonst würde er selbst sterben. Das wollte er jetzt auch nicht unbedingt, denn dann würde er dem Teufel für immer gehören. Obwohl, Mephisto selbst sah ja gar nicht so schlecht aus, oder?
Mephisto betrachtete Faust von der Seite. Der arme Kerl hatte sein Liebchen zurücklassen müssen, weil er ihn dazu gezwungen hatte. Aber es war besser so. Mephisto wollte noch nicht, dass Faust für das naive Flittchen starb. Die ganze Nacht, in der Faust mit dieser Dirne verbracht hatte, hatte er sich wie eine richtige Furie benommen. Er konnte nicht ruhig schlafen, machte sich die ganze Zeit sorgen um Faust und hoffte, dass er nur ja nicht erwischt wurde. Denn ihn aus den Fängen der Dorfrichter zu retten, hätte sich enorm schwer erwiesen und Mephisto wollte einfach nicht, dass dieser weise Mann starb. Noch nicht, jedenfalls. Der verwirrte Professor lag ihm schon mehr am Herzen, als ihm lieb war. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er sagen er war in ihm verliebt. Aber so etwas durfte nicht sein. Der Teufel konnte sich doch nicht verlieben! Und schon  gar nicht in eines seiner Opfer. Oder etwa doch?
Mürrisch betrachtete Faust den Boden, der unter ihnen vorbeizog. Obwohl die Pferde galoppierten, fühlte es sich für ihn eher so an als würden sie schweben, oder jedenfalls nicht richtig den Boden berühren. Er war früher schon über längere Strecken galoppiert und danach hatte ihm immer alles wehgetan, weil er sich nach einer Weile verkrampfte. Doch heute war dem nicht so. Als sie schließlich den Wald erreichten, zügelte Mephisto sein Pferd und Faust tat es ihm gleich. Sie ritten im zügigen Schritt, doch Faust wagte es immer noch nicht, einen Blick auf ihn zu werfen. Zu viel Angst hatte er davor, was ihm in Mephistos Blick begegnen würde. Wut, Spott, Verachtung? Als sie an ein kleines Bächlein kamen, saßen sie ab. Faust lief sofort zum Bächlein, um sich erst einmal zu tränken. Der lange Ritt hatte ihn durstig gemacht. Außerdem hatte er so etwas Abstand zu Mephisto.
„Nun ist Gretchens Schicksal besiegelt. Sie wird sterben.“ Mephisto trat von hinten an Faust heran. „Aber du konntest sie ja nicht retten. Dein Versuch war schon von vorn herein dem Untergang geweiht.“ Faust richtete sich auf und drehte sich zu ihm herum. „Das arme Gretchen tut mir schon leid. Ich hätte sie retten können!“ „Aber du hast es nicht getan!“, stichelte der Schwarzhaarige. Faust trat einen Schritt näher zu ihm. „Du gabst mir nicht genug Zeit!“ Mephisto fasste ihn energisch an den Unterarmen und spuckte ihm die Wörter förmlich ins Gesicht. „Blödsinn. Ich glaube, wenn du sie wirklich geliebt hättest, hättest du sie überzeugen können, mit dir zu kommen. Aber das hast du nicht.“ In Fausts Augen glimmerte ein Schein von Misstrauen. Er befreite sich aus Mephistos griff. „Ach, lass mich doch einfach. “. Faust kehrte Mephisto den Rücken zu und blickte über den Bach hinweg in den Wald. „Jetzt sage ich dir mal, wie ich glaube, dass es wirklich ist.“ Mephisto stellte sich dicht hinter Faust. „Du liebst sie nicht“, flüsterte er ihm ins Ohr. Faust lief ein wohliger Schauer über den Rücken. „Du liebst generell keine Frauen, ich glaube du findest Männer viel attraktiver.“ Mephistos Hände schlangen sich von hinten um Fausts Taille und er knabberte an Fausts Ohrläppchen. „Du findest Männer anziehen und du kennst zufälligerweise einen, der noch nicht vergeben ist und auch anders orientiert ist.“ Jetzt arbeitete Mephistos Mund sich küssend von seinem Ohr hinunter zu seinem Hals. Faust entfuhr ein wohliges Stöhnen. Er drehte sich zu Mephisto herum, um ihm endlich in die Augen blicken zu können. Und er sah das Feuer der Leidenschaft darin brennen. Faust begann zu lächeln, woraufhin Mephisto ihn noch enger an sich zog. Auch er grinste. Faust fielen zum ersten Mal die weichen Gesichtszüge auf. Bis jetzt hatte er immer nur die Narben betrachtet, doch das große Ganze war wunderschön, wie ein frischer, saftiger Apfel. „Warum musst du eigentlich immer Recht haben?“ „Mein Gott, ich glaub ich liebe dich!“ Dann küssten sie sich beide, nein, sie fraßen sich schier auf. Denn mit diesem Kuss merkten beide, dass sie ihren Seelenverwandten gefunden hatten. Beide, endlich, nach so langem Suchen.

Und hoch oben im Himmel lachte Gott. Er hatte nicht nur die Wette gewonnen, sondern auch das Böse wieder zum Guten bewegt.
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