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Flammende Kälte: Gegenwart

von chu-chu8
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Tragödie / P18 / MaleSlash
09.03.2017
09.03.2017
17
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Interlude: Abendliche Geschäfte


Mit zielstrebigen, ausholenden Schritten lief der Hellblonde durch die Gassen Ul'dahs, hatte die wohlhabenden, sicheren Viertel schon längst hinter sich gelassen.
Finstere Blicke begegneten ihm aus beinahe jeder Ecke, einschüchternde Gestalten hatten sich zu kleinen Grüppchen zusammen gerottet und lungerten an den Rändern der staubigen Wege herum.
An den ruhigeren Flecken schliefen die Kranken und Armen, die keinen Platz für die Nacht gefunden hatten.
Dennoch fühlte er sich in keinem Winkel der Stadt so wohl und sicher wie an diesem und tatsächlich blieb er trotz seines offensichtlichen Mangels an Waffen und Körperkraft frei von dem Ärger, den die meisten Passanten mindestens in Form von Drohnungen und Beleidigungen auf sich zogen:
Einige der düsteren Gesichter hellten sich bei seinem Anblick gar auf, Pfiffe wurden laut und hin und wieder verirrte sich an den engeren Passagen, an denen er sich vorbeidrängen musste, eine Hand auf seinen Hintern.
Doch Numeaux bemerkte es kaum, erwiderte die Blicke mittlerweile geradezu mechanisch mit anzüglichem Lächeln, während er sich seinen Weg durch die Gassen bahnte.

Erst, als die riesenhafte Hand eines Roegadyn nach seinem Handgelenk griff, ihn herumwirbelte und dann lachend an sich drückte, als wären sie Tanzende, wurde er aus seinen Gedanken gerissen.
„Was für'n hübscher Anblick, Nume! Warst ja ewig nicht mehr hier, hab' schon gehört, dass'de wieder in der Gegend bist! Na, hast'e mich gesucht?“
Er wehrte sich nicht gegen den Griff der graugrünen Arme des selbst für seine Art enormen Seewolfs, lächelte stattdessen zuckersüß und ließ sich noch einmal um die eigene Achse wirbeln.
„Eigentlich war ich gerade auf dem Weg, um Besorgungen zu machen. Hast du mich etwa vermisst, Swyr?“
Die Antwort war ein bellendes, raues Lachen, das einen hageren, alten Mann auf der anderen Seite der Straße aus dem Schlaf schrecken und sich verstört umsehen ließ.
„Das kannst'e mal glauben! Du bist heut' aber ganz schön platt.“
Ein Zeigefinger, der beinahe so groß war wie Numaux' gesamte Hand, stubste ihm gegen die Brust.
„Ich trage auch noch meine Reisekleidung. Wenn du morgen früh vorbeikommst, putze ich mich vorher ein wenig heraus.“
Wieder dröhnte das Lachen des Riesen durch die Gasse, dann wurde der Hellblonde endlich aus dem eisernen Griff entlassen, mit einem sanften Klaps auf das Hinterteil, dessen Kraft den viel Kleineren dennoch kurz taumeln ließ, wieder in die Dunkelheit entlassen.
„Ich nehm' dich beim Wort! Wehe, ich land' wieder auf 'ner Warteliste!“
Mit einem letzten, verheißungsvollen Blick über die Schulter, machte der Eleze sich wieder auf den Weg, schlängelte sich noch einige Minuten durch die Bewohner der nächtlichen Straßen, ehe er schließlich eine Holzplanke beiseite schob und in den dahinter versteckten Laden schlüpfte.

Nach dessen Besitzer musste er nicht lange suchen: Ein Hochländer im mittleren Alter, der mit seinem vollen, seidigen blonden Haar und der dunklen Haut sicher attraktiv gewesen wäre, würde ihm nicht die halbe Nase fehlen, schnarchte geräuschvoll im Raum hinter dem Tresen.
Auf lautlosen Sohlen schlich der Magiewirker in den kleinen Wohnraum, ließ sich auf die Bettkante fallen und gönnte sich einen Moment des Durchatmens, ehe er wieder die lächelnde Maske auf seine Gesichtszüge zwang.
„Zach, wach auf...“
Sich hinabbeugend ließ er das leise Säuseln am Ohr des Hyurans erklingen, registrierte, dass auch hier neuerdings ein Stück Fleisch fehlte, während er die Finger hauchzart die gestählte, vernarbte Brust hinauftanzen ließ.
Er hatte allerdings nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, mit wem der Dunkelhäutige sich diesmal angelegt hatte: Einen Lidschlag später drückte der Größere ihn unsanft mit dem Gesicht in das Kissen, während er ihm den Arm auf den Rücken presste.
„Eine falsche Bewegung und-“ „Zach!“
Die nicht im geringsten erschrockene oder eingeschüchterte, sondern vielmehr genervte Stimme des nächtlichen Eindringlings verwirrte den Blonden einen Moment lang sichtlich, ehe er wie vom Wüstenskorpion gestochen zurückzuckte.
„Nume!“
Der Kleinere setzte sich wieder auf, befühlte prüfend seinen Arm und stellte beruhigt fest, dass nichts verletzt war.
„Ja.“
„Warum bei Bahamuts glühenden Eiern schleichst du hier rum?! Ich hätte dich fast versehentlich umgebracht!“
Der Hochländer blinzelte, noch immer sichtlich überrumpelt.
„Seit wann bist du überhaupt wieder in der Stadt?“
„Seit ein paar Tagen. Zach, ich brauche etwas.“
Der Händler gab ein genervtes Stöhnen von sich.
„Ist das dein Ernst? Du jagst mir den Schreck des Monats ein und DAS ist deine Begrüßung?“
Numeaux schenkte dem Größeren ein entwaffnendes Lächeln.
„Ich wollte dich netter begrüßen, aber da hast du schon versucht, mir den Arm auszukugeln.“
Darauf rollte der Goldblonde nur mit den hellbraunen Augen.
„Du bist unmöglich. Absolut unmöglich!“
Einen Moment lang war der ehemalige Soldat verschwunden, dann wurde dem Elezen ein dampfender Becher in die Hände gedrückt.
„Hier, trink.“
Der Hellblonde gönnte sich einen zufriedenen Blick, während er nickte und über den heißen, süßlich-würzig duftenden Tee pustete.
Das war eins der Dinge, die er an Zacharias Scrimgeour am meisten schätzte: Trotz all seiner unmöglichen Eigenheiten und seiner Angewohnheit, sich mit allem und jedem zu prügeln, war ihm Gastfreundschaft heilig.
„Also, was willst du?“
„Ich brauche zwei Steine.“
„Wie, Steine? Willst du mich verarschen?“
Wieder konterte der Kleinere den gereizten Blick des Dunkelhäutigen mit einem sanften Lächeln.
„Besondere Steine.“
Die braunen Augen blinzelten verwirrt.
„Meinst du- Ist das dein Ernst? Du weißt, dass ich so einen Mist nicht habe.“
„Ja. Du musst sie für mich besorgen.“
Dem Hochländer entkam ein unwilliges Knurren.
„Und dann noch gleich zwei? Du hast besser ein gutes Angebot für mich.“
Der Eleze nickte sacht, ehe er an dem zimtig schmeckenden Tee nippte.
„Ich brauche einen Sonnenstein und einen Goshenit. Für jeden einzelnen bekommst du zwei Stunden.“
Der Zorn fiel förmlich aus Zacharias' vernarbtem Gesicht.
„Zwei Stunden? Also insgesamt vier?“
„Für einen Hehler bist du verblüffend langsam mit Zahlen.“
Der Ärger kehrte mit einem abfälligen Schnauben zurück, wenn auch eher gespielt.
„Ich bin Händler!“
„An wie vielen Tagen der Woche?“
Ein weiteres Schnauben erklang, mit dem der Hochländer aufsprang, um sein Grinsen zu überspielen.
„Verschon mich mit deinem Schandmaul! Ich sehe, was ich tun kann – und dann wirst du hoffentlich meine armen Ohren in Ruhe lassen und dich anderen Dingen widmen!“
Sacht lächelnd nickte der Hellblonde, sah dem Größeren noch einen Moment lang dabei zu, wie der sich leise vor sich hinmeckernd in seine Kleider kämpfte und anschließend aus dem versteckten Laden stapfte.
Er machte sich nicht die Mühe, Numeaux hinaus zu scheuchen oder ihm zu drohen: In ihren Kreisen gab es wenig dümmere Dinge, als einen Verbündeten zu bestehlen.
So trank der Eleze in Ruhe seinen Tee aus, ehe auch er wieder hinaus schlüpfte, sich erneut seinen Weg durch die Gassen bahnte.
Diesmal hatte er es nicht weit: Nur wenige Straßen entfernt steuerte er diesmal auf eine Tür zu, die das absolute Gegenteil von Zachs Brettchen war: Dickes, stabiles Holz, massive Beschläge und Schlösser schützten das Gebäude vor Eindringlingen.
Er hob die schlanken Finger, um mit der gesunden Hand ein kurzes Passwort gegen die Tür zu klopfen, worauf sie sich selbst zu dieser späten Stunde ohne Verzögerung öffnete.

Als er über die Schwelle trat, war es, als hätte er den Fuß in ein anderes Land gesetzt: Die Einrichtung war prunkvoll und bequem, die Gäste gewaschen und zumindest für die Verhältnisse der Gosse gepflegt.
Dennoch stachen die Bewohner des Hauses zwischen ihnen hervor, was nicht nur an dem ordentlichen Äußeren, sondern hauptsächlich dem Verhältnis von nackter Haut zu Kleidung lag.
Ein ähnlicher, süßlicher Duft wie der, den er selbst stets in einem Fläschchen mit sich führte, lag in der Luft, vermischte sich mit dem Geruch der Leckereien, die von zwei leicht bekleideten Miqo'te-Mädchen in der Eingangshalle verteilt wurden.
Wieder wurde er freundlich gegrüßt, sowohl von den Gästen, als auch von den Tänzerinnen und leichten Mädchen, an denen er vorbei ging, während er auf die Treppe zusteuerte und schließlich das obere Stockwerk betrat.
Das vorletzte Zimmer an der linken Seite des Gangs würde er mittlerweile im Schlaf und mit verbundenen Augen finden; als er es schließlich betrat und die Tür hinter sich schloss, floh ein lautloses Seufzen über seine Lippen.
Nur wenige Schritte trennten ihn von dem einladenden, riesigen Himmelbett, auf das er sich sogleich fallen ließ, einen Moment lang die Augen geschlossen hielt und die Eindrücke, die auf ihn einströmten, zu sammeln versuchte.
Der Raum hatte beinahe wieder gänzlich den Geruch seines eigenen Parfums angenommen und in der Ferne vermischten sich der Lärm der Straße und die Laute aus den Nebenzimmern zu einer steten Geräuschkulisse.
Numeaux spürte, wie das erste Mal, seitdem er den Raum am frühen Morgen verlassen hatte, jede Anspannung von ihm abfiel.
So merkwürdig der Gedanke auch klingen mochte: Madame Nalanas Bordell war der einzige Ort für ihn, in dem er seit der Katastrophe so etwas wie ein Zuhause gefunden hatte.
Es störte ihn nicht, dass er sein Zimmer oft insgesamt den halben Tag mit seinen Freiern teilen musste: Diese vier Wände waren sein sicherer Hafen.
Noch einen Moment lang genoss der Eleze die ungewohnte Faulheit, dann richtete er sich wieder auf und begann, sich umzuziehen.
Als er sich schließlich an den Schminktisch setzte, war er bereits kaum mehr von den anderen Mädchen des Hauses zu unterscheiden: Der Kimono, den er seit seiner ersten Tage in dem Etablissement penibel gepflegt hatte, hatte die perfekte Form, um ihm ein paar Kurven auf den reizlosen Körper zu gaukeln und das lederne Geschirr, das er sich darunter um den Oberkörper geschnallt hatte, trug den Rest zu der Illusion bei.
Mit ruhigen Händen griff er nach den dezenten Farben, die er nach seiner Ankunft vor dem Spiegel aufgereiht hatte.
So, wie er Zacharias kannte, würde er nicht viel Zeit haben.
 
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