Chains around your heart

von AnjaAve
GeschichteRomanze / P18
HIM OC (Own Character)
08.03.2017
04.02.2020
28
76.394
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08.03.2017 1.894
 
Chains around your heart

Ein paar Worte vornweg:

Ich schreibe schon seit einer Weile an dieser Story, aber da sie noch nicht ganz fertig ist, wollte ich sie noch nicht veröffentlichen.
Die Ankündigung der Abschiedstournee der Band H.I.M. sehe ich nun jedoch als Anlass an, dies jetzt zu tun.
H.I.M. begleiten mich mit ihrer Musik nun schon seit einigen Jahren auf all meinen Wegen und ich finde es schade, dass nun musikalisch nichts neues mehr in dieser Konstellation kommen wird.
Dennoch besteht ihre Musik natürlich auch weiterhin und das ist auch gut so. Lasst uns den Love Metal feiern, statt traurig zu sein!

Genau dies möchte ich mit dieser Story tun. Sie spielt nach der Veröffentlichung von Venus Doom und ist komplett aus der Sicht von Franziska (OC) verfasst.
Ich hoffe sie gefällt euch und nun viel Spaß beim Lesen!

Eure Anja

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Disclaimer:

Alle in dieser Geschichte handlungstragenden Personen gehören ausschließlich sich selbst oder wurden von mir als Autor frei erfunden.
Sämtliche Songtexte werden als solche im Text gekennzeichnet und stammen nicht von mir, sondern vom jeweiligen Verfasser, der am Ende des jeweiligen Kapitels angegeben sein wird.
Auch verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld, sondern sie dient lediglich der Unterhaltung von euch Lesern.

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Chains around your heart

Kapitel 1

Laute Musik strömt mir entgegen.
Bibbernd stehe ich in der Schlange vorm Tavastia und schlinge meinen Schal noch ein drittes Mal um meinen Hals. Schritt für Schritt geht es näher an den Türsteher und Kartenkontrolleur heran, doch diese Bewegung reicht nicht aus, um meinen Körper warm zu halten.
Es ist der 31. Dezember. Das Helldone Festival steht an und schon seit ich im September hierher nach Finnland gekommen bin, haben alle um mich herum davon gesprochen, dass das hier die beste Art und Weise ist, das neue Jahr willkommen zu heißen.
Das neue Jahr, in dem ich nur noch wenige Monate hier bin. Dann ist mein Auslandssemester vorbei und ich habe bis September Zeit, dann geht mein Studium in Deutschland weiter. Dann ist die schöne Zeit hier im hohen Norden vorbei.
Eigentlich wollte ich mit meinen Freundinnen, in deren WG ich im September untergekommen bin, gemeinsam hierher gehen, doch ihre Familien bestehen darauf, dieses Jahr mit ihnen gemeinsam die Silvesternacht zu verbringen. Beide werden im nächsten Jahr nicht zum Jahresende hier in Finnland sein und… naja, Familie halt.

Ich habe diese Zeit auch immer mit meinen Eltern verbracht, im Gegensatz zu meinem Bruder, der feiert jedes Jahr woanders mit anderen. Aber dieses Jahr geht das nicht. Ich kann ja schlecht einfach so mal zwischendurch nach Hause fliegen. Zu Weihnachten habe ich ausführlich mit ihnen geskypt und ich werde ihnen morgen auch auf diesem Wege meine Neujahrsglückwünsche überbringen.
Aber heute… heute Abend lasse ich es mir mal so richtig gut gehen. Meine Freundinnen haben ihre Karten wieder verkauft, denn wir mussten sie schon früh kaufen, damit wir noch welche für heute Abend und nicht nur für gestern oder vorgestern bekommen haben. Also bin ich heute allein hier.
Etwas mulmig ist mir schon, schließlich sind die Finnen nicht dafür bekannt besonders wenig zu trinken, aber ich werde mich einfach vorsehen, keine Drinks von Fremden annehmen und zur Not kann ich mich noch grob an ein paar Hebelgriffe erinnern, die ich vor vielen Jahren einmal von meinem Bruder gezeigt bekommen hab.
Innerlich lache ich über diesen Gedanken und wohl auch äußerlich, denn nun schauen mich einige Leute etwas komisch an. Ich ignoriere sie und schließe die Lücke, die sich vor mir gebildet hat.
Ich schaue zurück und staune über die Menschenmassen, die noch hinter mir auf den Einlass warten. Normalerweise ist das hier ein ziemlich angesagter Club, aber heute werden nochmal über zehnmal so viele Leute wie sonst da sein. Trotzdem stehen hier noch weitaus mehr Leute.
Meine Freundinnen wollten nur aus einem einzigen Grund hierher: sie wollten einen kurzen Blick auf Herrn Ville Valo höchstpersönlich erhaschen. Wahrscheinlich nur, um dann in Ohnmacht zu fallen und im nächstgelegenen Krankenhaus wieder aufzuwachen. Beide sind vollkommen vernarrt in ihn.
Stundenlang ist er und manchmal auch der Rest seiner Band H.I.M. das einzige Gesprächsthema. Ich sitze stets daneben, nicke immer mal wieder zwischendurch und versuche ansonsten ihre Stimmen auszublenden, während ich in meinem Kakao rühre.
Ich will wirklich nicht wissen, warum er sich welches Tattoo hat stechen lassen, wie oft und wie lange er schon in welcher Entzugsklinik saß und wie viele Zigaretten er am Tag raucht. Zugegeben, seine Musik ist echt gut, aber ich verstehe diesen riesigen Hype um seine Person einfach nicht.
Meine Freundinnen wollten natürlich nur heute hierher, denn nur heute wird H.I.M. die Leute mit ihrer Musik und Ville Valo seine Anbeter mit seiner puren Anwesenheit beglücken, doch mir wäre es ehrlich gesagt egal. Drei Tage lang wird hier Musik gespielt, die sich in der Stimmung ähnelt und es geht doch größtenteils nur darum, zu feiern und das Ende des Jahres zu genießen! Doch viele der Leute um mich herum würden mir da sicher zumindest teilweise widersprechen…

Jetzt ist aber Schluss, der junge Mann hinter mir holt mich aus meinen Gedanken, indem er mich leicht nach vorn schiebt. Ich zeige dem Türsteher meine Karte zusammen mit meinem Ausweis, ich habe beobachtet, dass er ausnahmslos jeden kontrolliert und das ist wahrscheinlich auch besser so.
Endlich kann ich das Gebäude betreten und somit der Kälte hier draußen entfliehen. Sorgfältig verstaue ich Ausweis, Geld und Handy zusammen mit einem Paar Kopfhörern, welche ich stets bei mir trage, etwas tiefer in meiner Handtasche, ehe ich meine Jacke an der Garderobe abgebe und die Marke, die ich dafür erhalte, ebenfalls sicher verstaue.
Der Bass der Musik wummert laut, bringt meinen Brustkorb rhythmisch zum Beben. Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht und ich mache mich auf den Weg, näher an die Bühne heran. Mit jedem Schritt wird mein Lächeln etwas breiter.
Oh ja, das wird gewiss eine tolle Nacht.

Immer enger wird die Menschenmenge, je weiter nach vorn ich gelange. Dennoch stehen die Finnen nicht annähernd so eng beieinander wie die Deutschen, wenn es darum geht ihre Lieblingsband zu sehen und zu hören. Noch ist die Bühne bis auf einige Instrumente leer, also begebe ich mich zuerst an die Bar.
Ich warte bis der Barkeeper sich mir zuwendet, erwidere sein Lächeln und schöpfe aus dem vollen Angebot… der alkoholfreien Getränke.
„Vorsichtig?“, fragt mein Gegenüber schief lächelnd.
„Ja und nein. Antialkoholiker“, erkläre ich etwas schüchtern.
„Und du bist dir sicher, dass das hier heute dann der richtige Ort für dich ist?“, er stellt das bestellte Getränk vor mir ab.
„Nein“, gebe ich zu und nehme einen ersten Schluck.
„Soll ich anschreiben oder willst du jedes Mal einzeln bezahlen?“, irgendwie ist mir der Typ sympathisch.
Er ist der Erste, der einfach so hinnimmt, dass ich keinen Alkohol trinke und das obwohl er dadurch am Ende wahrscheinlich weniger Einnahmen vorweisen kann.
„Anschreiben. Ich heiße Franziska“, er notiert sich meinen Namen auf einem kleinen Zettel.
„Und wo kommst du her, Franziska?“
„Du bist nicht von hier, das hört man deutlich“, erklärt er sich lächelnd.
Nebenbei wickelt er die Bestellung eines Mannes neben mir ab. Anscheinend ist er bereit, mir mehr als den notwendigen Anteil seiner Aufmerksamkeit zu schenken, um mich zu bedienen und damit sein Geld zu verdienen.
Ich lächle.
„Deutschland. Ich mache ein Auslandssemester“, ich nehme noch einen Schluck.
„Ich bemühe mich immer besser zu werden, aber…“
„Du bist echt gut“, unterbricht er mich grinsend.
„Ich bin übrigens Jesse“, er reicht mir über den Tresen die Hand.
Ich ergreife sie und erwidere den angenehmen Händedruck.
„Ich habe immer noch Schwierigkeiten beim Verstehen von einigen Leuten“, weise ich sein Kompliment so gut es mir möglich ist zurück und werde wohl trotzdem etwas rot.
Ich schaue in sein Gesicht, er schaut wissend zurück. Er deutet ein Nicken an und wendet sich dann ab, um eine Gruppe von jungen Frauen zu bedienen, die allesamt HIM-T-Shirts tragen und die ganze Zeit über nur kichern, lauthals lachen oder anscheinend grundlos kreischen.

„Na da kann sich Ville ja heute wieder richtig austoben!“, sagt er zwinkernd, als er zurückkommt und bemerkt, dass ich die Szene mehr oder weniger beobachtet habe.
„Tut er denn sowas?“, frage ich stirnrunzelnd.
Ich hab ja gezwungenermaßen viel über ihn gehört. Auch, dass er hier in Finnland anscheinend so etwas wie ein Sexsymbol sein soll, aber führt er wirklich dieses Klischee-Leben eines Rockstars?
„Was? Sex, Drugs and Rock’n’Roll?“, ich nicke zustimmend.
„Weißt du, ich arbeite schon lange hier und die Jungs sind quasi Stammgäste hier. Anfangs war es wohl wirklich so, aber heute… Er flirtet einfach gern und das nicht unbedingt nur mit Frauen“, er lacht.
„Aber soweit ich das mitbekomme, läuft da eigentlich nie etwas. Er ist wahrscheinlich einfach nur ein typischer Gentleman mit einem Gespür für schöne Frauen“, ich spüre seinen Blick über meinen Körper wandern.
„Wo-wo-woh, langsam“, ich hebe abwehrend die Hände, kann jedoch nicht verhindern, dass ich erneut erröte.
„Warum bist du heute Abend eigentlich so allein hier?“, entgeistert schaue ich ihn an.
Hat er meine Warnung nicht verstanden?
„Das geht dich nichts an!“, zische ich und wende mich vom Tresen ab.
„Hey, so war das doch gar nicht gemeint!“, ich spüre seine Hand, die über den Tresen hinweg nach meiner Schulter greift.
Trotzig ziehe ich sie weg, drehe mich jedoch etwas zu ihm um.
„Ach ja? Klang aber ganz anders!“, ich starre ihm genau ins Gesicht und er schaut nach unten.
Mit seiner Hand fährt er sich durch seine Haare, welche lang genug sind, um anschließend ungeordnet von seinem Kopf abzustehen, eine Geste, die mein verrücktes Gehirn im Allgemeinen als extrem süß ansieht.
„Das tut mir leid. Ich verfalle manchmal in diese Ironie und das hört sich dann leicht mal falsch an…“, vorsichtig schaut er wieder auf. Ich schaue ihn verwirrt an.
Ich glaube, meine Sprachkenntnisse machen mir gerade einfach einen Strich durch die Rechnung, denn ich verstehe nur Bahnhof, um es auf gut Deutsch zu sagen!
„Um mich brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich… steh eher auf…“
„Du bist schwul?“, frage ich erstaunt.
Auf mich wirkt er eigentlich nicht so… Aber was sagt das schon. Er nickt und lächelt unsicher.
Ich grinse ihn an und lasse mich auf den Barhocker nieder, der gerade frei geworden ist.
„Na wenn das so ist“, sage ich mit einem Zwinkern und deute an, dass ich einen weiteren Drink haben will.
Er tut mir den Gefallen.
„Also, warum bist du allein hier?“, wiederholt er seine Frage, welche ich zugegebenermaßen bereits wieder vergessen hatte.
„Eigentlich wollte ich mit zwei Freundinnen kommen, aber die feiern nun mit ihren Familien“, erkläre ich bereitwillig.
Mir gefällt Jesse wirklich gut. Nicht nur, weil er schwul ist und mir nichts antun wird, sondern einfach, weil er nett ist. Netter als die meisten Kerle, die ich in Deutschland in den letzten Studien- und Arbeitsjahren so getroffen habe und hier habe ich mich bewusst vom anderen Geschlecht so gut es geht ferngehalten.
Vielleicht baut sich hier zwischen uns ja gerade eine spontane Freundschaft auf, die für länger als nur einen Abend mit drei Bands anhält…
„Ich hab sonst eigentlich niemanden, mit dem ich hier feiern könnte. Also dachte ich, ich gebe der Sache einfach mal eine Chance, vielleicht treffe ich ja einen netten Barkeeper“, ich grinse ihn breit an und er erwidert es.
„Danke“, sagt er überraschenderweise auf Deutsch, was mich noch breiter grinsen lässt.
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