Two Face - Die Grausamkeit

KurzgeschichteFantasy / P16
OC (Own Character)
07.03.2017
21.03.2017
6
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Guten Abend, schön dich wieder zu sehen ;)
Nach so schnellen und schönen Revs  kann ich nicht anders, als das nächste Kap
zu dir zu bringen :P

Ach, ehe ich es vergesse: Es gibt Textpassagen (die langen Abschnitte, nicht einzelne Wörter), die in kursiv gesetzt sind. In diesem Text
redet die Grausamkeit mit dir ;)







Flashback – Viele hundert Jahre zuvor

An meinem Namen erinnere ich mich nicht mehr. Doch zu der Zeit wurde ich von allen nur Darling genannt. Ich war siebzehn Jahre alt und durfte noch ein Jahr im Waisenhaus leben. Mit achtzehn war ich gezwungen es zu verlassen, mir ein eigenes Leben aufzubauen. Doch ich freute mich. In der Welt, war sie noch so hart, kam ich gut zurecht. Jeder mochte mich. Mit jedem kam ich auf Anhieb gut zurecht. Everybodys Darling sagten die Erzieherinnen oft zu mir. Mein Leben war in Ordnung. Ich hatte genug zu Essen, gute Zukunftsaussichten und ein jeder im Dorf hätte mich sofort bei sich angestellt. Ich war zufrieden, glücklich.
Ich war naiv.

Es geschah des Nachts. Ich lag in meinem Bett, als sich meine Zimmertür leise aufschob. Das gedämmte Licht einer Laterne stahl sich seinen Weg zuerst hinein, gefolgt von mehreren Schatten. Sie schlichen sich an mein Bett und stülpten mir einen alten Sack über den Kopf. Kalter Stahl an meiner Kehle ließ jeden aufkommenden Ton verstummen. Stillschweigend wurde ich hinaus gezerrt. Hinaus in die dunkle Nacht. Ich spürte feuchtes Gras unter meinen Füßen und der kühle Nachtwind ließ mich in meinem weißem Schlafkleid frösteln. Aber ich blieb stumm, wollte nichts riskieren. Erst Stunden später endete der Marsch. Man griff nach meinen Armen und band sie zusammen. Der Sack wurde mir abgenommen. Blinzelnd sah ich mich um. Eine Gruppe junger Erwachsener, nicht viel älter als ich es war, hatten sich um mich versammelt. „Jonathan? Erik? Mathilde?“, verblüfft schaute ich zu meinen Zimmernachbarn. Die anderen waren ebenfalls aus dem Waisenhaus. „Was soll das?“, verlangte ich zu wissen. „Was wohl?“, lachte Erik und einige fielen in sein dunkles Lachen mit ein. „Du bist uns im Weg mit deiner ach so tollen Niedlichkeit, mit deinem super Benehmen und deinem unschuldigen Lächeln.“, zischte Mathilde. „Mathilde, ich verstehe das nicht. Wir waren doch so gut befreundet. Wir alle! Meint ihr nicht, wir sollten in Ruhe darüber reden? Wir finden schon eine Lösung. Versprochen!“, entschlossen sah ich jedem einzelnen in die Augen. „Dich am Leben zu lassen bringt uns nichts. Neben dir sieht jeder andere schlecht aus.“, meinte Jonathan und kam einige Schritte auf mich zu. Er stellte sich neben mich und spielte mit meinen langen kupferroten Locken. „Jonathan“, hauchte ich. „Bitte.“ Er ließ von mir ab. „Du willst doch immer jedem Helfen, nicht wahr?“, es war keine Frage, sondern vielmehr eine Feststellung. „Du kannst jetzt mit einer einzigen Tat uns allen helfen. Jeder wird mehr Essen bekommen, jeder hat eine bessere Chance eine Lehre zu bekommen.“ Lachend drehte er sich zu der Gruppe hinter ihm und grölte: „Keiner wird verglichen!“ Mit einem gefährlichen Blitzen in den Augen wandte er sich wieder mir zu. „Keiner wird mehr in deinem Schatten stehen, Darling.“ Tränen stiegen mir in die Augen. „Bitte“, hauchte ich. „Ich werde dafür sorgen, dass es besser wird.“ Mit einem Satz war er bei mir und zog mich in eine fast schon zärtliche Umarmung. „Ich weiß, dass du es machen wirst. Dafür sorge ich.“, säuselte er und griff nach meinem Kinn, sodass ich gezwungen war ihm in die Augen zu sehen. „Mit diesem hübschen Messerchen wird es auch ganz schnell gehen. Du wirst nichts spüren, meine Liebe.“ Ich entriss mich seinem Griff und brachte ein paar Schritte Abstand zwischen uns. „Hey, du hast versprochen, dass wir uns alle an ihr rächen dürfen!“, kreischte Mathilde. Gekünstelt erschrocken sah er sie an. „Oh, wie Recht du hast.“ Er wandte sich wieder mir zu und hob entschuldigend die Arme. „Entschuldige Darling, aber Versprechen darf man nicht brechen.“

Sie waren lange mit mir zugange. Sie folterten mich, brachen mir viele Knochen, schnitten mir die Haut auf. Meine Schreie verhallten im Wald. Ich konnte nicht fliehen, ich konnte nicht sterben. Ich durfte nur leiden. Die ersten Sonnenstrahlen stahlen sich durch das dichte Blätterdach. Mit blutverschmierten Händen warfen sie meinen Körper einen steilen Abhang hinunter. Da lag ich. Dem Tode nahe.

„Du armes Ding.“, hörte ich dumpf eine Stimme über mir. Zarte Hände tasteten nach meine Puls. „Interessant.“, murmelte die Stimme. Mit aller Kraft öffnete ich meine Augen einen Spalt weit.

Die Sonne schien mir entgegen, wodurch ich den Mann nur schemenhaft erkennen konnte. „Willst du Leben?“, kam plötzlich die Frage. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten die Stirn kraus ziehen. „Willst du Leben? Ich werde nicht noch einmal fragen.“ „J-ja.“, es war nicht mehr als ein Hauchen, doch der Mann schien mich verstanden zu haben. Er senkte meine Augenlider. „Das wird weh tun.“, sagte er noch. Ehe ich auch nur einen Gedanken fassen konnte, brach der Schmerz über mich hinein. Es gab keine vergleichbare Qual. Ich stöhnte auf und die Dunkelheit empfing mich herzlichst mit ihren tauben Armen.







Fragen, Anregungen, Kochrezepte? Über Revs freue ich mich wie ein Honigkuchenpferdchen ;)
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