Gib niemals kampflos auf

von Hiiri
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Kuramochi Youichi Miyuki Kazuya Narumiya mei Sawamura Eijun
07.03.2017
13.06.2017
50
63033
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"Is it the sense of responsibility as captain? Or the ego as the player? If you're that hell-bent on being that obstinate, tough it out till the very end. Crumble down only after we've won!" — Kuramochi to Miyuki


24. Okt



Ein, aus, ein... Miyuki versuchte seine hektische Atmung zu beruhigen, während er gleichzeitig seine ganze Körperbeherrschung benötigte, um die Schmerzen in seinem Brustkorb auszublenden. Nur noch dieses Inning, er würde es schaffen. Jetzt ging es darum, sich irgendwie zusammenzureißen. Sie brauchten die Punkte. Er musste zur Home Plate zurückkehren, dann würden sie in Führung gehen, dann wäre der Traum der Kôshien zum Greifen nahe. Die letzten Meter kamen ihm länger vor als der gesamte Weg bis zur dritten Base. Jeder Atemzug wurde von einem Pfeifen begleitet. Weiter, ich muss weiter, war alles, was er dachte. Wenn er jetzt aufgeben würde, dann war alles umsonst.
Dieser eine Punkt könnte alles entscheiden.
Er könnte alles entscheiden.
Und so rannte er weiter, obwohl er das Gefühl hatte, dass in seinen Lungen kein Sauerstoff mehr ankam.
Er lief weiter, obwohl sein Sichtfeld verschwamm. Nur noch ein paar Meter …

„Back Home!“

Miyuki wusste, dass die Zeit gegen ihn lief. Er wünschte, dass seine Beine ihn schneller tragen würden. Dass er einer der schnellen Läufer von Seido war. Er wünschte, dass nicht jeder Luftzug so eine Qual darstellen würde. Nur noch wenige Meter, dann hatte er es geschafft.

„Akiba!“

Er warf sich nach vorne und streckte den linken Arm nach der Home Plate aus. Als sein Körper auf dem Boden aufschlug, spürte er, wie ihm die letzte Luft aus den Lungen entwich. Jede Bewegung, jeder Atemzug wurde von einem neuerlichen Schmerzstoß begleitet. Er schnappte nach Luft. Wieso wollte kein Sauerstoff ankommen?

„Safe. 5-4! Seido hat es geschafft das Spiel zu seinen Gunsten zu drehen!“

Wieso hatte er das Gefühl, als würde ihm die Brust zerspringen? Er konnte noch nicht aufgeben. Er musste noch die zweite Hälfte es Inning durchhalten. Es war noch nicht vorbei. Noch hatten sie das Ziel nicht erreicht. Er biss die Zähne zusammen, bis ihm der Kiefer wehtat. Einmal mehr machte er den verzweifelten Versuch die Schmerzen auszublenden. Er wollte sich aufrichten, doch seine Beine brachten nicht die nötige Kraft dafür auf und er keuchte auf allen Vieren um Luft.
Panik durchflutete seine Ader.
Nein, das konnte noch nicht sein Ende sein. Er musste doch noch die zweite Hälfte spielen. Er war der Kapitän, das Team brauchte ihn! Alles, was er tun musste, war noch einige Minuten durchzuhalten. Von so einer Prellung konnte er sich doch nicht aus der Bahn werfen lassen. Sie waren so nah dran … so nah dran alles zu erreichen.

Miyuki machte einen weiteren Versuch, doch seine Beine wollten ihm abermals nicht gehorchen. Gleichzeitig hatte er das Gefühl ein Fisch auf dem Trockenen zu sein. Er traute sich schon bald gar nicht mehr zu atmen, nur um diese Schmerzen zu entgegen, die jedes Mal durch seinen Körper zogen.
Wie viel Zeit war vergangen, seit er es zurück zur Home Plate geschafft hatte? Minuten oder nur ein paar Sekunden. Er wusste nur, dass er aufstehen musste, wenn er nicht wollte, dass sich das Team Sorgen machte. Sie waren so nah an den Meisterschaften, da konnte er nicht riskieren, dass das Team alles vergab, nur weil man sich um ihn sorgte. Der Fokus musste jetzt auf dem Spiel liegen und nur darauf …

Komm schon, steht auf. Steh auf! Seine rechte Hand ballte sich zur Faust und er schlug immer wieder auf den sandigen Boden unter sich ein. Die Schmerzen hämmerten in seinem ganzen Körper und störten ihm beim Denken.

„Hey, Mi-“

Weit entfernt hörte er Shirasus Stimme. Alles, was ihm durch den Kopf ging, war das Team. Die Meisterschaften, ihr gemeinsames Ziel. Er wusste nicht wie, aber er brachte die Kraft auf seinen Oberköper anzunehmen und die Faust in Luft zu strecken. Kurz darauf vernahm er ein Jubeln, welches durch das Stadium hallte. Miyuki sah in das Gesicht seines Teamkameraden und meinte, Erleichterung darin sehen zu können. Gut so, dachte er, Shirasu musste sich jetzt auf das Spiel konzentrieren. Sie lagen zwar vorne, aber noch war es nicht vorbei. Noch konnte ein Gegenangriff kommen. Es war noch nicht Zeit sich auszuruhen.
Mit all seiner Selbstkontrolle, gelang es Miyuki schließlich, seinen geschundenen Körper doch noch aufzurichten.
Er schlug sich mit Shirasu ab und begab sich in Richtung der Trainerbank.
Seine Beine fühlten sich kraftlos an und das beengende Gefühl in seinem Brustkorb hatte nicht nachgelassen. Er hatte das Verlangen zu Husten, unterdrückte den Reflex allerdings, als sein Blick den des Trainers traf. Miyuki versuchte, sein Lächeln aufzulegen und nickte Kataoka zu, ehe er sich dann langsam hinunterbegab.

„Miyuki, starker Run!“ Kuramochis laute Stimme hallte in seinen Ohren wieder, kurz darauf spürte er, wie sich von seiner Schulter aus eine erneute Schmerzwelle durch den ganzen Körper ausbreitete, nachdem Kuramochi ihm einen leichten Klaps gegeben hatte. Er konnte nicht vermeiden, dass er leicht aufstöhnte. Seine Beine drohten einmal mehr nachzugeben, doch irgendetwas oder irgendwer hielt ihn aufrecht.
„Wir gehen unsere Unterhemden wechseln!“, hörte er leicht verwaschen die Stimme seines Freundes und ließ sich mitziehen in die Kabine. Er hatte nicht mehr die Kraft Kuramochi Widerstand zu leisten.
Nur kurz darauf ließ ihn der Shortstop auf die Bank nieder. „Denkst du nicht, dass Ono jetzt übernehmen sollte? Du bist ganz nass geschwitzt und kannst dich kaum auf den Beinen halten …“

Miyuki richtete sich schnell wieder auf. Er konnte spielen! Er musste verhindern, dass der Fokus des Teams in dieser entscheidenden Phase durch die Sorge um ihn zerstört würde. Er war der Kapitän, er musste Kampfgeist beweisen. Doch mit einem Mal verließ ihn alle Kraft. Ihn durchfuhr ein unerträglicher heißer Schmerz und er spürte einen eigenartigen, metallischen Geschmack auf seiner Zunge. Sein Körper fiel nach vorne, er landete aber einmal mehr nicht auf dem Boden, da Kuramochi ihn auffing. Er merkte, wie seine Atmung immer hektischer wurde. Er geriet ihn Panik, da plötzlich überhaupt keine Luft mehr in seinen Lungen ankommen wollte. Sein Kopf lag kraftlos auf der Schulter seines Freundes. „Kuramochi“, flüsterte er leise, „es tut mir leid, ich habe das Versprechen nicht halten können.“
„Miyuki!“ Kuramochi ließ ihn sanft zu Boden gleiten. „Bleib wach, ja?“ Er tätschelte seine Wangen, rüttelte ihn sanft. „Du wirst doch wohl jetzt nicht einfach so umkippen, oder?“
Miyuki riss die Augen auf, versuchte, sich zu konzentrieren, aber der Schmerz war allgegenwärtig. Er war zu müde, konnte keinen klaren Gedanken fassen. Da waren nur diese Schmerzen, diese fürchterlichen Schmerzen. Und das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.
„Ich … bekomme … keine Luft …“, keuchte er leise hervor. Irgendwas stimmt nicht. Es fühlte sich an, als würde er ertrinken. Er musste husten. Etwas Warmes floss aus seinem Mundwinkel und er sah, wie sich Kuramochis Pupillen vor Schreck weiteten.

„Nicht einschlafen, hörst du? Ich bin gleich zurück!“, sagte sein Freund mit angespannter Stimme. „Nur nicht einschlafen!“
Nur am Rande nahm Miyuki wahr, wie Kuramochi aufgesprungen war und verschwand. Er sah an die Decke und versuchte sich darauf zu konzentrieren zu atmen. Ein, aus, ein … er war so müde. Die Schwärze breitete sich aus. Ganz langsam. Ich darf nicht einschlafen, wiederholte er in Gedanken, ich darf nicht, darf nicht, darf nicht … seine Augen schlossen sich und er tauchte ab in wohltuende Schwärze.
„He, he, schön wach bleiben, hörst du!“ Kuramochi klatsche mit der rechten Hand auf seine Wange und er öffnete die Augen wieder. Wann war er zurückgekommen? Er hatte ihn nicht gehört. War er vielleicht gar nicht weggewesen?
„Es kommt gleich Hilfe, ja? Du musst nur noch etwas durchhalten.“
Er wollte schlafen, nur schlafen. Alles andere war ihm egal. Er war so fürchterlich müde, wollte nichts anders als sich der bleienden Ohnmacht geschlagen geben. Wieso war er hier? Er konnte sich nicht konzentrieren, was er hier machte oder wie er hierhergekommen war.
„Miyuki, versuch noch ein ganz Kleines bisschen wach zu bleiben. Nicht wieder einschlafen, hörst du?“ Kuramochi wischte ihm den kalten Schweiß von der Stirn. „Du kannst das doch besser, willst du wirklich jetzt aufgeben?“
Miyuki wollte ihm sagen, dass er sich seinetwegen nicht zu sorgen brauchte. Er musste ihn nur etwas schlafen lassen. Dann würde er bald wieder wach sein und voller Energie. Er war nur müde. Er bemühte sich, die Augen offen zu halten und fixierte das Gesicht von Kuramochi, der sich über ihn beugte. „Versuch ruhig zu atmen, ja?“
Wovon redete er? Miyuki konnte ihm nicht folgen. Atmete er denn nicht ruhig?
Wieder tätschelte Kuramochi seine Wange. „Wach bleiben, Miyuki. Komm mach es mir nach: Ein, aus, ein, aus …“
Seine Lider fühlten sich an, wie mit Mühlensteinen beschwert. Er wollte nichts mehr als sich der Dunkelheit geschlagen geben, die sich um ihn ausbreitete. Ein letztes Blinzeln, dann sank sein Kopf zur Seite. Von ganz weit weg vernahm er die aufgeregte, fast hysterische Stimme von Kuramochi, die in immer weitere Ferne rutschte, ehe sie verstummte.
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