Was wäre wenn?

GeschichteRomanze / P16
Tarja Turunen Tuomas Holopainen
07.03.2017
04.06.2017
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Nightwish, gegründet im Jahre 1996 von Tuomas Holopainen und Emppu Vuorinen, war eine Finnische Heavy Metal Band aus Kitee, Nordkarelia. Im Jahre 1997 trat der erste Sänger bei, ein weiterer finnischer Mann namens Marco Hietala. Nightwish wurde bald auf der ganzen Welt berühmt. Zehn Jahre später trat eine zweite Sängerin bei, die Schwedin Anette Olzon. Sie war der Grund für Tuomas, etwas ruhigere Lieder zu probieren; oder symphonische Parts während härteren Klängen. Tuomas, Keyboarder und Liedschreiber, war 34, glücklich, und niemals hätte er gedacht dass etwas in seinem Leben fehlte. Nicht mal eine Frau.



Tarja Turunen studierte klassisches Singen an drei verschiedenen Universitäten, eine von ihnen in Deutschland. Nun war sie 33, fast 34, und an der Spitze ihrer Karriere. Sie sang in ausverkauften Konzerthallen und hatte beinahe jeden Tag Konzerte und das überall in Finnland, Schweden und Russland. Jedoch vermisste sie etwas in ihrem Leben. Jemanden.Sie wollte einen Ehemann und Kinder mehr als alles andere, war sich aber nicht sicher, wie sie den Mann ihrer Träume kennenlernen konnte. Sie hatte bereits versucht zu daten, doch diese Männer hatten sie nur die Absicht gehabt mit ihr zu schlafen. Oder sie waren davongerannt als sie ihnen beichtete, dass sie klassische Sängerin war. Oder sie kannten sie bereits und ließen sie wissen, dass „Opernmusik“ out war.Tarja war glücklich mit ihrer Karriere und unglücklich mit ihrem Liebesleben. Bis, eines Tages im Jahre 2010, ihr Leben komplett durcheinandergewirbelt wurde.



Es begann mit Tuomas, um ehrlich zu sein.Seine Mutter war gerade 60 geworden und Tuomas hatte ihr versprochen, sie zu einem Konzert zu begleiten. „Aber bitte schleif mich nicht zu einer Metal Band!“ hatte Kirsti Holopainen gebettelt und Tuomas hatte gelacht, bevor er seinem Vater gerufen hatte und die drei zu der Konzerthalle in Savonlinna gedüst waren.Und Kirsti war verzaubert.Da waren Opernsänger, Männer die Klavier spielten wie sonst keiner, ein sechzehnjähriges Mädchen, das Geige spielte als hätte es nie etwas anderes getan … und Tarja.

Tarja.

Natürlich kannte Tuomas diese Tarja, er wusste dass sie Finnlands Stolz der klassischen Musik war, hatte sich jedoch nie recht für sie interessiert. Darum war er plötzlich hellwach, als Leute rund um ihn herum zu flüstern begannen.

„Ich kanns nicht mehr erwarten …“

„Auf Tarja warte ich schon den ganzen Abend!“

„Tarja ist toll, du wirst sehen“, flüsterte auch Kirsti, just in dem Moment, in dem Tarja die Bühne betrat und jeder zu klatschen begann, mehr als für das Geigenmädchen.

Und Tuomas konnte nur starren.

Sie war … sie war hinreißend. Sie war atemberaubend.

Sie trug ein langes, weißes Kleid, das bis zum Boden reichte und ein ärmelloses, schwarzes Boleroähnliches Jäckchen mit weitem Kragen.

Ihr Haar war lang, tiefschwarz und reichte in großen Locken bis zu ihrer Taille. Sie winkte dem Orchester zu und dieses begann zu spielen.

Tuomas erkannte das Lied in nur einer Sekunde. Er konnte sich nicht bewegen, schon gar nicht als sie den Mund öffnete, um zu singen.

„Bed! Bed! I couldn’t go to bed. My head’s too light to try to set it down. Sleep! Sleep! I couldn’t sleep tonight, not for all the jewels in the crown.”

Ihre Stimme.

IHRE STIMME!

Tuomas‘ Haut war plötzlich übersäht mit Gänsehaut.

„I could have danced all night, I could have danced all night and still have begged for more. I could have spread my wings and done a thousand things I’ve never done before …”

Ihre Gesichtsausdrücke während sie sang waren zum Niederknien. Sie hatte so viel Spaß!

Plötzlich wollte er mehr über sie wissen. War sie verheiratet? Wie alt war sie? Woher kam sie?

Sie war bezaubernd.

„I’ll never know what made it so exciting. Why all at once my heart took flight … I only know when he began to dance with me, I could have danced, danced, daaanced … all night.”

„Sie ist wirklich der Wahnsinn“, flüsterte Tuomas seiner Mutter zu, welche Tarja mit demselben Blick anstarrte.

Tuomas sah sie erneut an, sie winkte einigen Fans in der ersten Reihe zu, die sie wohl erkannt hatte.

War das ein Ring, der da an ihrem Finger funkelte? Ja, es war ein Ring, jedoch befand er sich an ihrem Zeigefinger. Da war kein anderer Ring, weder an ihrer rechten noch ihrer linken Hand. Sie war weder verlobt noch verheiratet.

„Danke! Ihr seid die Besten. Ehrlich!“ sagte sie nach dem Lied und Tuomas schmolz dahin. Ihre Sprechstimme klang zu süß. Und irgendwie bekannt … sein Herz begann zu rasen.

„Hi! Hallo Silvia!“ kicherte Tarja und winkte einer Frau aus der dritten Reihe, die ihren Namen gerufen hatte. „Lass uns später reden, okay?“

Tuomas musste lächeln. Sie war wirklich etwas Besonderes.

„Mein nächster Song … oh, diesen kennt ihr sicher auch.“ Tarja sah das Orchester an. „Haut rein!“

Tuomas grinste. Und auch das nächste Lied raubte ihm den Atem.

„I feel pretty, oh so pretty, I feel pretty and witty and bright! And I pity any girl who isn’t me tonight. I feel charming, oh so charming! It’s alarming how charming I feel! And so pretty that I hardly can believe I’m real!”

Tuomas schluckte schwer. Wusste sie überhaupt wie sehr dieser Text zu ihr passte?

„See the pretty girl in that mirror there, who can that attractive girl be? Such a pretty face, such a pretty dress such a pretty smile, such a pretty ME! I feel stunning and entrancing, feel like running and dancing for joy, for I’m loved by a pretty wonderful boy!”

Ob es wahr war?

Ob sie von einem wundervollen Jungen geliebt wurde? Mann, höchstwahrscheinlich. Was für ein glücklicher Mann dieser Kerl sein musste. Tuomas‘ Herz zog sich etwas zusammen. Was für eine süße, wunderschöne Wahnsinnsfrau. Noch niemals hatte Tuomas das Aussehen einer Frau so sehr bewundert wie das ihre.

Sie beendete das Lied mit einer kleinen Pirouette und das Publikum lachte mit ihr. Ja, sie lachte lauthals. Und ihr Lachen … es war atemberaubend. Tuomas fühlte sich komisch wenn er sie ansah – diese fremde Frau anstarrte wie ein Stalker.

„Mein nächstes Lied ist etwas langsamer“, sagte Tarja und kratzte sich am Kopf. „Ich – ich war mir nicht sicher ob ich es überhaupt singen sollte aber dann entschied ich: ja! Das Lied bedeutet mir viel, also …“

Erneut nickte sie dem Dirigent zu. Das Orchester begann zu spielen und die Haare an Tuomas‘ Armen standen zu Berge als ein Schauer über seinen Rücken lief. Natürlich erkannte er das Lied.

Und als sie zu singen begann, dachte er, er würde zu weinen beginnen.

„Who can say where the road goes? Where the day flows? Only time. And who can say if your love grows as your heart chose? Only time. Dee dah dah day …”

Tuomas bemerkte, dass ihm eine Träne entwichen war. Was? Er weinte?

„Who can say why your heart sighs as your love lies? Only time.”

„So traurig“, murmelte Kirsti und Tuomas nickte.

Und während sie sang, wanderten ihre Augen über den Saal.

Und schienen für einige wundervolle Sekunden auf ihm zu rasten.

Tuomas versuchte, den Blickkontakt zu halten, doch Tarja war professionell und brach den Kontakt schnell, um sich wieder aufs Singen zu konzentrieren.



„Tarja!“

Tarja drehte sich um und umarmte ihre Freundin mit einem kleinen Schrei.

Ihre „Freundin“ Silvia war genau wie die anderen, die Tarja nur mochten weil sie berühmt war. Aber Tarja hatte sonst niemanden, darum versuchte sie, nicht zu viel darüber nachzudenken.

„Silvia! Oh Mann, hab ich dich vermisst. Was machst du hier? Ich dachte, du musst auf die Kinder aufpassen!“

„Ich wollte dich über Antti ausfragen“, sagte Silvia grinsend und Tarja seufzte.

„Da ist nichts mehr zwischen uns. Er konnte nicht küssen, also durfte er nicht in mein Schlafzimmer.“

„Also habt ihr nicht …? Schade. Denkst du nicht, du solltest dich mehr umsehen?“ fragte Silvia und Tarjas Gesicht verdunkelte sich. Wenn Silvia erfuhr, dass sie Antti bereits vor MONATEN aus ihrer Wohnung geworfen hatte…

„Glaub mir. Ich sehe mich um.“

Doch nicht gut genug. Just in dem Moment kam Tuomas näher, drehte sich jedoch wieder um, als er neben ihr zu stehen kam, um sich ein paar Sandwiches vom Buffet zu nehmen.

Er beäugte Tarja aus den Augenwinkeln. Sie war recht klein … sie trug High Heels und sah immer noch klein aus. Wie groß war sie? Er schätzte sie auf knappe 1,60. Ohne Schuhe.

Tuomas sprach sie nicht an. Er war zu schüchtern.

Er hatte noch nie im Leben so etwas gefühlt, hatte sich noch niemals so von einer Frau einschüchtern lassen. Doch … einmal. Vor beinahe zwanzig Jahren. Oh, wie schön sie nur war …

„Du warst großartig!“ sagte da eine Männerstimme und Tuomas sah zu, wie ein großer Mann die kleine Frau umarmte.

„Danke“, sagte Tarja.

Tuomas bemerkte, dass Tarja wohl eines dieser „it-girls“ in der klassischen Musikszene sein musste. Jeder nannte sie beim Namen, jeder kannte sie persönlich, machte ihr Komplimente zu ihrem Aussehen und ihrer Stimme.

Und er sah Tarja an, dass sie all dies wohl schon zur Genüge gehört haben musste. Sie lächelte nur halbherzig, ihre Dankeschöns klangen steif. Sie sah nicht glücklich aus. Sie sah … genervt aus. Und traurig.

„Tuomas, kommst du? Wir wollen fahren.“

„I – ich will noch mit Tarja sprechen“, sagte Tuomas leise und Kirsti verschwand mit einem wissenden Nicken.

Doch Tuomas war wie gelähmt. Er beobachtete sie mit kalten Händen und bald wusste er:

Sie war nicht verheiratet, hatte keine Kinder. Sie wurde bald 34, in weniger als einem Monat. Sie hatte Zöliakie (jemand hatte ihr ein Brötchen angeboten), sie färbte ihr Haar. Ihre natürliche Haarfarbe war hellbraun. Ihre Fans (oder Freunde?) wussten einfach alles über sie. Sie sprachen zu viel über ihr Privatleben und manchmal kam es Tuomas so vor, als ob sie nicht zuhören würde. Frühere Beziehungen, andere Privatsachen, ihre Mutter …

Was war mit ihrer Mutter? Tuomas konnte es nicht herausfinden.

Er wartete weitere zehn Minuten, doch er hatte nicht mal die Chance ihr zuzunicken.

Sie war immer von Leuten umgeben und sah von Minute zu Minute unglücklicher aus.

Jemand brachte ihr ein Glas Rotwein, welches sie ohne zu zögern hinunterkippte (nun wusste er auch, dass sie Rotwein mochte). Es war sinnlos.

Tuomas machte kehrt und ging zum Auto. Seine Eltern warteten im Inneren des Autos und Pentti fuhr los, sobald Tuomas Platz genommen hatte.

„Hast du mit ihr reden können?“ fragte Kirsti.

„Nein“, sagte Tuomas. „Das scheint unmöglich. Sie ist recht beliebt.“

„Nun, was glaubtest du?“ fragte Kirsti lachend. „Doch vielleicht siehst du sie, wenn du noch in Kitee bleibst!“

Ihre Worte ergaben keinen Sinn. „Was?“

„Sie lebt in Kitee“, erklärte Kirsti.

„Sie lebt in Helsinki“, widersprach Pentti, doch Kirsti schüttelte ihren Kopf.

„Nein. Sie LEBTE in Helsinki. Dann starb ihre Mutter und sie zog zurück nach Kitee, um bei ihrem Vater zu sein. Ihm zu helfen und so weiter.“

„Ah, okay.“

„Sie … sie lebt in Kitee??“ Tuomas war sprachlos. „Das wusste ich nicht.“

„Nicht? Aber ihr seid gemeinsam zur Schule gegangen“, sagte Kirsti und Tuomas‘ Mund klappte auf.

„Was -?!“

„Tarja … Tarja wie noch? Sie spricht niemals über ihren Nachnamen, ihr Pseudonym ist Tarja Soile.“

„Tarja S- es gab nur eine Tarja Soile in meinem Jahrgang“, sagte Tuomas und errötete leicht. Diese Tarjan war seine erste große Liebe gewesen. „Sie war in meinem Chor.“

„Diese meine ich ja auch.“ Kirsti nickte.

„Diese Tarja ist dieselbe Tarja als die Tarja, die in meinem Chor war??“ fragte Tuomas schnell. „Mutter, wie viel hast du getrunken?“

„Sie hat recht“, sagte Pentti plötzlich. „Hießen sie nicht Turunen? Die Turunen-Familie aus Puhos?“

Tuomas‘ Herz blieb fast stehen. Tarja Soile. Tarja Soile Susanna Turunen.

„Das ist unmöglich“, murmelte Tuomas.

„Dann besuch sie doch“, schlug seine Mutter vor.

„Mutter – du weißt schon, dass ich in sie verliebt war als ich fünfzehn war, oder?“

„Warst du echt??“ rief Kirsti. „Wow, wie süß!“

„Ich erinnere mich“, sagte Tuomas‘ Vater, „du sprachst ständig über sie und was für eine tolle Sängerin sie war. Das war Tarja? Und du warst verknallt in sie?“

„Ja, vor beinahe zwanzig Jahren, also wagt es ja nicht zu viel darüber nachzudenken“, drohte Tuomas seinen Eltern. Doch, um die Wahrheit zu sagen, er konnte selbst nicht aufhören, an sie zu denken. An die kleine, hinreißende Tarja, in welche er so sehr verliebt gewesen war. Sie hatte dunkelblondes/brünettes Haar gehabt und das süßeste Gesicht, dass er jemals gesehen hatte. Und wie grün ihre Augen gewesen waren …

Tuomas‘ Herz fing an zu rasen. Wenn seine Tarja wirklich dieselbe Tarja war wie die, die er heute gesehen hatte, würde das seine Gefühle für die Sängerin erklären. Und wenn er sie tatsächlich immer noch liebte, würde er alles machen, um sie für sich zu gewinnen.

Er würde sie besuchen. Sie waren Freunde gewesen, sie würde ihn nicht wegschicken.
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