Eines Tages

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P6
Ban Elaine
07.03.2017
07.03.2017
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Eines Tages


Das Land schimmerte golden in der Abendsonne. Ein kleiner Schwarm von Vögeln zog über den Himmel, wie dunkle Pinselstriche auf einem Gemälde. In der Luft lag der süße, hoffnungsvolle Duft des Frühlings. Ein kleiner Bach plätscherte fröhlich in der Nähe. Verlieh der malerischen Atmosphäre eine angenehme Geräuschkulisse.

Doch er hatte wenig Sinn für die Landschaft um ihn herum. Es gab nur eine Sache, auf die er seine Aufmerksamkeit richtete. Auf die er wartete. Mit jeder Faser seines Seins. Auch wenn er sich nach außen hin natürlich nichts davon anmerken ließ. Dafür war er nicht der Typ.

Schließlich war er Ban, ein Mitglied der Seaven Deadly Sins! Und er war nicht nur irgendeine beliebige Sünde! Er war die Sünde des Fuches. Der Gier. Kurzum: Der beste von allen. Aber daran zweifelte ja ohnehin niemand.

Und falls es doch jemand tat, sollte dieser arme Irre ruhig kommen. Ban würde kurzen Prozess mit ihm machen. Mit jedem, der sich ihm in den Weg stellte.

Aber heute… heute war er ausnahmsweise nicht zum Kämpfen aufgelegt. Heute zählte nur eine einzige Sache auf dieser mehr als verkorksten Welt.

Sie.

Kaum hatte sich dieser Gedanke in seinen Geist geschlichen, nahm er eine Bewegung wahr. Ban musste sie nicht erst sehen, um zu wissen, dass sie es war. Die, auf die er wartete. Und immer warten würde.

Elaine.

Das Lächeln war warum und ein wenig schüchtern. Die Wangen leicht gerötet. Das Haar machte der strahlenden Abendsonne Konkurrenz. Und ihre Augen… in ihnen lag so viel Freude und Hoffnung. So viel ehrliche Zuneigung. So viel…

„Du bist gekommen.“ Sie klang erleichtert. Dabei war ihre Stimme noch genauso, wie er sie in Erinnerung hatte. Sanft wie de Flügelschlag eines Schmetterlings. Ihr Lächeln wurde noch eine Spur breiter, während sie näherkam.
„Natürlich bin ich das.“ Auch er konnte nicht anders, als unwillkürlich zu lächeln. Etwas, was nur für sie bestimmt war.

„Ich… ich habe dich so vermisst!“ Die letzte Distanz zwischen ihnen überbrückte sie rennend. Dann schlangen sich zarte Arme um seine Brust. Ein leichtes Zittern ging durch Elaines winzigen Körper, während sie ihr Gesicht in seinem Oberkörper vergrub. Sie klammerte sich an ihm fest. Wie eine Ertrinkende am rettenden Ufer.
Konnte er gut nachvollziehen. Wenn es nach Ban gegangen wäre, hätte er sie nie wieder losgelassen. Wäre ewig in diesem Moment verweilt. Seine ganze Unendlichkeit lang.

Doch natürlich war das ein törichter Gedanke. Eine Unmöglichkeit. Genauso, wie diese Situation hier…

„Erzähl mir was Neues“, sagte Ban schließlich mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Er wollte die Stimmung auflockern. Wollte nicht, dass sie den Boden mit ihren Tränen tränkte. „Aber nur weil ich so toll bin ist das kein Grund, gleich zu weinen.“
„Du… du… du bist ein Idiot…“, gab sie atemlos und halb flüsternd von sich. Dennoch hörte er deutlich ein kleines Lachen dabei heraus.
„Dein Idiot, um genau zu sein.“
Sie hob ihren Kopf ein wenig an, um ihn anschauen zu können. Dann sagte sie mit einem fröhlichen Lächeln: „Ja“.


Ban setzte sie vorsichtig auf dem Boden ab. Er vergaß jedes Mal, wie Winzig sie war. Elaine ging ihm gerade mal bis zur Hüfte, wenn sie sich nicht ihre Kräfte zunutze machte, um mit ihm auf Augenhöhe zu schweben.
Dann ließ er sich im Gras nieder. Klopfte einladend auf seine Oberschenkel und die Fee kam dem Angebot mit Freuden nach.

Sie bettete ihren Kopf in seinem Schoß. Wie automatisch wanderten seine Finger zu ihren Haaren. Fuhren sanft durch die blonden Strähnen. „Und? Was hast du so getrieben ohne mich?“
Sie kicherte leise. Dann warf sie ihm von unten einen neckenden Blick zu. „Als ob ich dir das sagen dürfte.“
„Pff. Immer diese Geheimnisse…“
„Irgendwie muss ich dich ja bei Laune halten, Ban.“
Daraufhin musste er unwillkürlich auflachen. Als ob sie sich dafür anstrengen musste… sie beide wussten, dass er ihr gehörte. Ewig.
Dennoch sagte er schließlich: „Na los, dann halt mich bei Laune, Elaine…“ Dazu zierte ein warmes Lächeln seine Lippen.

Sie zögerte kurz, streckte dann eine ihrer kleinen Hände aus, um seine Wange zu berühren. Einen Wimpernschlag lang schauten sie sich einfach nur an. Zwei Augenpaare, die schon unzählige, besondere Dinge gesehen hatten… und in diesem Augenblick doch nichts anderes sahen, als sich.
Dann drückte sie ihre weichen Lippen auf seine. Endlich…

Und die Welt stand still.

Wie sehr er das vermisst hatte. Dieses unbeschreibliche Gefühl. Den süßen Geschmack ihrer Lippen auf seinen. Sie… bei ihm. Den einzigen Ort, an den Elaine gehörte.


Irgendwann löstet sie sich wieder voneinander. Lächelten sich gegenseitig an. Und dann begann die Zeit wieder ihrem normalen Fluss zu folgen.

„Schau mal. Ich hab dir war mitgebracht.“ Verschmitzt kramte Ban in seinem alten Beutel herum, ehe er eine dunkle Flasche zutage förderte und sie triumphierend in die Höhe hielt. Die gewünschte Wirkung trat sofort ein. Ein Rotschimmer legte sich um Elaines Wangen und sie wirkte peinlich berührt. „Ban!“, stieß sie dann empört aus und wich ein wenig zurück, so als ob sein Mitbringsel sie jeden Moment beißen könnte.

„Ja ja, ich weiß schon. Ist nichts für kleine Mädchen.“ Er grinste herausfordernd und schwenkte lässig die Flasche hin und her, die randgefüllt war mit Ale. Doch es war nicht nur irgendein billiger Fusel. Dieses Ale hatte eine Besonderheit an sich, denn es enthielt die süßen Cranberries aus ihrer Heimat, dem Fairy King's Forest. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich eine solche Flasche teilten und Ban erinnerte sich immer mit Freuden daran, welche Wirkung Alkohol auf seine Fee haben konnte. Was ihr zutiefst peinlich war, erfüllte ihn mit unglaublichem Amüsement.

Elaine verschränkte die Arme in gespielter Beleidigung, aber der dezente Rotton auf ihren Wangen störte das Bild ein wenig. Dann murmelte sie zerknirscht: „Kleines Mädchen? Von wegen!“, und zog ärgerlich ihre Augenbrauen zusammen. „Ich bin hunderte Jahre älter als du!“ Damit versuchte Elaine ihm die Flasche aus der Hand zu reißen, so als ob sie ihre Worte untermauern musste. Ban lachte amüsiert und hielt den Alkohol ein wenig höher, um zu verhindern, dass sie herankam. Dann streckte er seinen Zeigefinger vor ihrem Gesicht aus, um sie zu stoppen und mahnte: „Aber nicht zu viel auf einmal.“ Dazu grinste er breit und sichtlich zufrieden mit sich.
„Ban!“

Sie war zu niedlich, wenn sie versuchte wütend zu sein. Und es machte einfach so viel Spaß, sie ein wenig zu necken und aufzuziehen. Aber trotzdem gab Ban sich geschlagen und übergab ihr schließlich die Flasche. In weiterhin gespieltem Ärger würdigte sie ihm keines Blicks, während sie den Korken umständlich herausholte und schließlich den ersten Schluck nahm.
Während er sie dabei beobachtete, verwandelte sich sein hämisches Grinsen zu einem warmen, zufriedenen Lächeln.


So teilten sie sich die Flasche. Redeten. Scherzten. Lachten.
Dachten nicht an die Vergangenheit. Oder an die Zukunft. Verweilten stattdessen im wundervollen Hier und Jetzt. Einem Ort, an dem sie zusammen sein konnten. Losgelöst von allem anderen.  

Der Himmel hatte sich mittlerweile in Dunkelheit gehüllt. Vereinzelte Sterne erleuchteten die Nacht. Funkelten und strahlten um die Wette, dabei war es doch eindeutig, dass sie niemals an das Leuchten der Fee neben ihm herankommen würden. Seiner Fee. Die neben ihm im hohen Gras lag. Den Kopf auf seinen Brustkorb gelegt. Dem beständigen Schlagen seines Herzens lauschend.
Ban hatte seine Arme dabei fest um ihren zierlichen Körper geschlungen.

„Hier möchte ich bleiben…“, murmelte Elaine schließlich in die Nacht. Ban lächelte. Richtete sich leicht auf, um ihr einen sanften Kuss auf die Stirn zu drücken.
„Dann bleiben wir hier.“
Das leichte Auf und Ab ihres Kopfes zeigte ihm, dass sie nickte. Dann ließ sie ein wohliges Seufzen vernehmen. „Wenn wir es doch nur könnten…“ Sie hauchte die Worte nur. Ein leiser Wunsch, der flüchtig wie der Morgentau war. Ban sagte nichts dazu. Gab sich einfach nur mit dem zufrieden, was er in diesem Moment hatte.

Streng genommen war es nichts… und gleichzeitig alles.

Und dann, viel zu schnell nach seinem Empfinden, sagte sie die Worte. Die, von denen er wusste, dass sie das Ende ankündigten. Ein Ende, das unweigerlich gekommen wäre… und dennoch wollte er es so lange wie möglich herauszögern.

„Sag es, Ban…“

Er drückte sie noch ein wenig enger an sich. Setzte sich auf und zog Elaine auf seinen Schoß, damit sie sich gegenübersaßen. Damit er sie ansehen konnte. Noch ein letztes Mal küssen konnte.
Mit einem Seufzen, das schwerer wog als jede Stille, löste er sich schließlich von ihren Lippen. Während eine seiner Hände auf ihrer Wange verweilte, sagte er sanft: „Eines Tages werde ich – “

„Ban! Hey, Ban!“
„Wo steckt du schon wieder?“
„Baaaaan!“
„Wir wollten weiter!“

Resigniert schloss er für einen Moment die Augen. Als Ban sie wieder öffnete war Elaine verschwunden. So, als ob sie niemals hier gewesen wäre. Aber er war noch da. Sah die Sterne vor sich. Hörte den Fluss in der Ferne. Spürte das feuchte Gras unter seinen Fingern. Alles war so wie eben… und doch vollkommen anders.

In der Ferne hörte er, wie seine Kameraden weiter nach ihm riefen. Der Captain. Diane. Elizabeth. Hawk. Selbst King.

Damit war der Zauber des Augenblicks vorbei. Endgültig. Und Ban wusste aus Erfahrung, dass er nicht mehr wiederkommen würde. Wobei, nein… das stimmte nicht ganz. In einem Jahr würde er wieder hier sein. Genauso wie Elaine. So war es schon immer gewesen.

Es war der Tag, an dem er seine Unsterblichkeit erlangt hatte.
Der Tag, an dem Elaine gestorben war.
Der Tag, an dem er ihr endgültig verfallen war… und sie ihm.

Aus einem Impuls heraus war er vor einigen Jahren das erste Mal an diesen Jahrestag hierhergekommen. Und da war etwas ähnliches wie gerade eben passiert. Sie war hier gewesen. Elaine. So, als ob sie auf ihn gewartet hatte.
Ban wusste bis heute nicht, ob es nur seine Einbildung war. Eine Wunschvorstellung aus den Tiefen seines Unterbewusstseins. Oder aber, ob es die wahre Elaine war, die eine Möglichkeit gefunden hatte ihm in seinen Träumen zu erscheinen und so bei ihm zu sein. Wenigstens an diesem einen, besonderen Tag.
Vielleicht gab es ja eine Möglichkeit dafür… was wusste er schon über das Totenreich? Oder er wurde eben einfach bekloppt. War genauso gut möglich.

Aber worin die Wahrheit auch immer bestehen mochte: Er wertschätzte jede einzelne Sekunde, die er so mit ihr verbrachte. Sehnte sich stets nach diesem Tag, so sehr ihm gleichzeitig davor graute. Schließlich zeigte es ihm jedes Mal auf grausame Weise, wie es sein könnte. Was er haben könnte… und niemals haben würde.

Nein. Das war falsch. So durfte er nicht denken. Immerhin hatte er ihr ein Versprechen gegeben. Und wie sollte er die Unendlichkeit besser nutzen, als dafür? Denn irgendwann… irgendwann würde er ihr diesen Wunsch erfüllen.
Auch wenn er die Worte erneut nicht bis zum Ende hatten sagen können…

Ban streckte sich ausgiebig und sprang dann auf. Die leere Flasche Cranberry-Ale packte er ohne weiter darüber nachzudenken wieder ein. Dann war er im Begriff zu den anderen zu gehen, hielt aber noch einmal inne. Drehte sich um und warf einen letzten Blick auf die Szenerie vor ihm.

„Eines Tages, Elaine…“, murmelte er dann mit einem warmen Lächeln in die Nacht. „Eines Tages.“

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Hallo an alle, die sich hierher verirrt haben!
Ich bin ja der Meinung, dass es eindeutig zu wenige Stories zu Nanatsu no Taizai gibt - und noch viiiiel weniger zu diesem wundervollen Pairing. Dabei sind Ban und Elaine einfach nur toll, es war damals echt um mich geschehen, als ich ihre Backgroundstory gesehen habe.
Deswegen wollte ich den Mangel an Geschichten zu den beiden wenigstens ein bisschen beheben - auch wenn es nur ein kleiner OS ist :)

Tatsächlich war das eine total spontane Idee. Ich wollte schon immer mal etwas zu Nanatsu no Taizai schreiben und dann kam mir das hier in den Sinn. Ich hoffe mal, dass es stellenweise nicht zu kitschig geworden ist xD

Na ja, ich würde mich auf jeden Fall freuen, mehr zu den beiden zu lesen! :3

Liebe Grüße
Electra Heart
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