PROJEKT 880 , die Deutsche Übersetzung des Avatar-Drehbuches von 1995

von HoDari
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
05.03.2017
05.03.2017
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PROJEKT 880



































Die Erde, 2098 n. Chr.

Willkommen in JOSH SULLY'S Welt. Ein Jahrhundert ist vergangen und die Weltbevölkerung unseres ermüdeten Planeten hat sich verdreifacht. Schließlich hat sich die Bevölkerung – ertrinkend in ihrem eigenen giftigen Abfall, Hunger und Armut – bei einer guten 20 Milliarden ausbalanciert.

Die Erde stirbt, bedeckt mit einem grauen Schimmel menschlicher Zivilisation. Sogar der Mond ist mit einem Geflecht von Stadtlichtern überzogen, die seine dunkle Seite erhellen. Überbevölkerung, Überentwicklung, nuklearer Terrorismus, hoch spezialisierte Umweltkriegsführung, austretende Strahlung aus Kernkraftwerken und Mülldeponien, giftige Abfälle, Luftverschmutzung, Entwaldung, Verschmutzung und Überfischung der Ozeane, globale Erwärmung, Ozonabbau, Verlust der Biodiversität durch Aussterben ... all diese Punkte haben sich kombiniert, um aus dem einstmals grünen und schönen Planeten eine Kloake zu schaffen. Endstation.

Josh lebt in einer Zersiedlung, die wie Unkraut über die gesamte östliche Hälfte der USA gewachsen ist.

Seine Heimat in diesem undifferenzierten konkreten Rattenkäfig gehörte einst zu Charlotte, NC, aber du könntest überall sein. Überall das gleiche überfüllte, graue, mit Müll übersäte HighEnd-Elend. Die Wände sind grau, der Himmel ist grau ... die Menschen sind grau.

Sie schlurfen in dichten Massen aneinander vorbei, Schulter an Schulter, schmutzig wegen der Wasserknappheit, Kränklich aussehend aufgrund der Spärlichen Versorgung aus billigen Kohlenhydraten und synthetischen Proteinen. Es wirkt ganz wie ein Mix aus dem Film THX-1138 und einem Kalkutta-Bahnhof.

Josh hat es ein wenig schlechter als die meisten wegen seiner Beteiligung an einem dummen kleinen Krieg, an dem man sich kaum mehr erinnert. Er ist von der Taille abwärts gelähmt und seine nutzlosen Beine hängen verdreht und verkümmert in seinem Rollstuhl. Josh trägt noch immer seine Armeejacke und mit seinem ungepflegten Bart und Haaren und den müden Augen wird er von den Massen gleichsam ignoriert, was ihn freilich kein Stück interessiert. Nur ein weiterer verbitterter Veteran; ein Stück verworfenen menschlichen Abfalls. Josh kämpft sich jeden Tag durch die überfüllten U-Bahnen zu seiner Arbeit. Und jeden Abend kehrt er zurück zu einer winzigen Zelle die sich Apartment schimpft, teil eines gigantischen Behausungsprojekts der Regierung. Der Raum erinnert erschreckend an eine Zelle in einem Staatsgefängnis (im Grunde genommen ist es eine Gefängniszelle). Das Ambiente sieht aus als käme es von einer Boing 747, soll heißen es ist effizient, Platzsparend und etwa hundert Jahre alt.

Es gibt eine einzelne fluoreszierende Befestigung, die ein Steriles Licht über die schmutzigen Wände tanzen lässt. Es flackert beständig.

Eine ganze Wand (immerhin zweieinhalb Meter) ist ein einziger TV-Bildschirm. Auf ihm bekommen wir einen weiteren Blickwinkel auf die Welt und es ist nichts, dass man seine Heimat nennen will. Es gibt eine Herzzerreißende Geschichte über ein Feuer in einer Bostoner U-Bahn, das über hundert Menschen den Erstickungstod brachte. In diesen Tagen nichts ungewöhnliches. Darauf folgt ein Bericht über den Tod, in Kenia, des letzten Löwen der außerhalb der Gefangenschaft gelebt hatte. Dies führt uns vor Augen wie es um den Zustand der Umwelt insgesamt steht und es ist alles andere als schön.

Die Ozeane sind überfischt und öde, vergiftet durch toxische Nebenabfälle. Sämtliche Walarten und mindestens die Hälfte aller Fischspezien auf unseren Planeten sind ausgestorben. Auf dem Land ist über die Hälfte aller Tiergattungen, die bereits am Anfang des Jahrhunderts vor dem aussterben standen nun für immer verschwunden und die wenigen die noch verblieben sind, sind nunmehr eine Bedrohte Art.

Die menschliche Rasse, mit ihrem technischen Einfallsreichtum, hat gelernt sich selbst am Leben zu erhalten, hat aber so gut wie jeglichen Kontakt zur natürlichen Welt verloren, die sie effizient bis zur Unendlichkeit stranguliert und ausgequetscht hat. Es gibt keine Nationalparks mehr, nur noch Wohnprojekte und Proteinfarmen. Yosemite-Nationalpark hat sich zu einem gigantischen Projekt entwickelt, dort Eigentumswohnung zu errichten. Die meisten Küstengebiete werden für Meereskulturen verwendet, da die einzig Effiziente Nahrungsquelle dieser Tage in Spirulina besteht um alle durchzufüttern. Es ist schon erstaunlich was man alles mit Algen-Protein-Konzentrat anstellen kann, wenn du deine Gewürze richtig einzusetzen weißt.

Josh Sully ist ein hoffnungsloser Kerl in einer hoffnungslosen Welt, ein kleiner Man den die große Maschinerie gründlich durchgekaut und ausgespuckt hat.

Josh bekommt einen Anruf von einem Computer des städtischen Verwaltungskomplex. Die automatisierte Stimme sagt ihm höflich, dass sein Bruder, Thomas Sully, in einem Transit-System während eines Unfalls in Boston umgekommen ist und er dazu verpflichtet sei, den Körper morgen um Punkt 12 Uhr offiziell zu identifizieren. Sein Bruder starb aufgrund der Rauchentwicklung eines ausgebrochenen Feuers in der besagten Bostoner U-Bahn, die Sully in den Nachrichten gesehen hatte.

SCHNITT ZU SULLY im Bostoner Krematorium. Er sitzt neben einem großen Karton, etwa zweieinhalb Meter lang, der auf einer Rollschiene darauf wartet in den Ofen geschoben zu werden. In der Box liegt der Körper seines Bruders.

Wir sehen, dass es sich um identische Zwillinge handelt. Keine weiteren Familienangehörigen. Josh beobachtet wie der Mitarbeiter des Krematoriums den Körper seines Bruders mit dem Deckel des Kartons bedeckt, und den Karton dann effizient mit zwei Plastikriemen zubindet, als würde er ein Paket verschnüren. Er rollt die Schachtel in den Ofen und startet den Verbrennungsvorgang.
Als Josh sich durch die überfüllten Hallen des Städtischen Komplexes rollt, hört er jemanden seinen Namen rufen und sieht zwei Kerle in Anzügen, die sich ihren Weg durch die Menge bahnen um zu ihm aufzuschließen. Sogleich wird Sully argwöhnisch, fragt sich welcher Inkasso-Gesellschaft die wohl angehören. War sein Bruder etwa verschuldet gestorben?

Sie erzählen ihm, dass sie für die RDA, die RESOURCES DEVELOPEMENT ALLIANCE, arbeiten. Dies ist ein internationales Konsortium von Großkonzernen, deren einziger Sinn und Zweck darin besteht die Ressourcen anderer Planeten zu finden und abzubauen, sowohl innerhalb des Sonnensystems als auch, in den letzten 25 Jahren, in den näheren Sternensystemen. Stell dir die niederländische West India Company vor, die von Microsoft, Matsushita und einem Dutzend weiterer Megakonzerne finanziert wird. Jeder nennt es einfach „DAS KONSORTIUM“.

Die RDA hat einen offiziellen Freibrief von der ICA, der Interplanetary Commerce Administration (ausgesprochen eye-Kah). Die ICA ist eine internationale handelsregulierende Einheit die sehr ähnlich wie EG heute geführt wird. Der Freibrief erlaubt der RDA die Ausbeutung von Ressourcen die sie auf Planeten, Monden, Asteroiden finden ... auf was auch immer sie gerade stoßen ... solange sie die Regeln des Internationalen Weltraum-Ressourcen Abkommens folge leisten, sowie den weiteren Abkommen, die Massenvernichtungswaffen verbieten und eine militärische Macht im All einschränken.

Diese beiden Jungs fragen Josh nun ob er wüsste was sein Bruder im letzten Jahr gemacht hatte. Er sagt nur, dass sie nicht besonders eng miteinander waren. Er wüsste, dass Tom einen Vertrag abgeschlossen hatte um im All zu arbeiten, konnte aber nicht viel darüber reden weil er angeblich eine Art von Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnet hatte. Es stellt sich heraus, dass die Schlipsträger seiner Gene wegen an Josh interessiert sind. Tom Sully hatte sich für etwas eingetragen was in dieser Branche als Avatar-Programm bezeichnet wird. Im Avatar-Programm unterschreibst du einen Zehnjahres-Vertrag der dich zur Arbeit auf Pandora verpflichtet, einem Planeten des Alpha Centauri Sternensystems.

Wie alle anderen hat auch Josh von Pandora gehört, oder besser gesagt Alpha Centauri B-4. Entdeckt von der ersten interstellaren Expedition vor gut fünfundzwanzig Jahren, stellt Pandora die gewichtigste Entdeckung in Jahrzehnten für die menschliche Zivilisation dar. Die Nachrichtendienste lieben es über die Wildnis dort zu berichten und Aufnahmen von der Landschaft Pandoras und seiner bizarren Flora und Fauna zu zeigen. Für eine Kultur die jeglichen Kontakt zu einer natürlichen Welt verloren hat, ist Pandora etwas geheimnisvolles – urzeitlich und furchterregend.

Also, was zum Teufel, hatte Tom dazu getrieben nach Pandora zu gehen? Die Schlipsträger laden Josh zum Abendessen ein und er kann sogar ein echtes Steak bestellen. Sie erklären ihm was los ist.

Es gibt natürlich eine primitive humanoide Spezies auf Pandora, müsste eigentlich jeder der die Nachrichten verfolgt, wissen. Sie selbst nennen sich die NA'VI, eine Eigenbezeichnung ihrer Sprache. Die Menschen beziehen sich in der Regel auf objektivere Bezeichnungen und nennen sie einfach Pandoraner oder umgangssprachlicher „die Einheimischen“. Menschen können auf Pandora nicht ohne ein ausgeklügeltes Atemzubehör überleben, da die Atmosphäre giftig ist. Tödliche Mengen an Ammoniak, Methan und Chlor.

Das Konsortium ist bemüht die kulturelle Schlucht zu überbrücken die sie von der primitiven Bevölkerung trennt, mit der es äußerst schwierig ist zu Kommunizieren und zu Verhandeln. Sie haben vor kurzem ein Programm namens AVATAR gestartet. Sie nehmen die DNS von einem Na'vi und einem Vertraglich angeheuerten menschlichen Freiwilligen. Auf der Erde, in den Genetiklaboratorien des Unternehmens, erschaffen sie einen in-vitro-Embryo, der eine genetische Komposition des Außerirdischen und menschlichen Spenders ist. Der rekombinante Embryo wächst während des dreijährigen Fluges (Raumzeit/ 5 Erdenjahre ... irgend so ein Relativitätszeug) heran. In dieser Zeit erreicht er beinahe seine volle Größe, die Einheimischen wachsen extrem schnell. Wenn er als heranwachsender „geboren“ wird (oder besser gesagt aus dem Glas geholt wird), ist er praktisch ein Na'vi und kann dementsprechend auch gut auf Pandora überleben, hat aber noch genug menschliche Neurophysiologie um als Avatar oder Leihkörper verwendet zu werden.

Der menschliche Freiwillige steuert seinen Avatar dank modernster PSIONISCHER VERBINDUNGSTECHNOLOGIE durch die Wildnis von Pandora, wird umgangssprachlich zu einem CONTROLLER aus dem Englischen von Kontrollieren/ Steuern. Der Controller empfängt alle sensorischen Reize und liefert sämtliche Motorik für den Körper. Im Wesentlichen lebt der Controller durch den Avatar und ist, während einer Verbindung, sich seinem eigenen Körper nicht bewusst. Und jeder Avatar ist genetisch auf seinem jeweiligen menschlichen Controller gepolt.

Dank dieser Avatare kann man einigermaßen mit den Einheimischen kommunizieren da sie ihnen weniger fremdartig erscheinen, und die RDA konnte bereits ein paar Erfolge verbuchen in dem sie ihnen sowohl unsere Sprache beibrachten, als auch einige menschliche Grundkenntnisse.

Also war Tom einer von diesen Controllern? Das sei richtig sagen sie. Sein Embryo wächst in-vitro seit mehren Monaten im Labor heran. Ein Bedeutendes Ereignis, tatsächlich produziert nur einer von hundert Freiwilligen einen lebensfähigen Embryo. Und jeder lebensfähige Embryo ist eine Investition von über 20 Millionen Dollar.

So bieten sie Josh den gleichen Vertrag an den einst sein Bruder unterschrieben hat. Da er genetisch identisch ist kann er in die Fußstapfen seines Bruders treten und ein Controller werden. Die nächste Mission würde in drei Wochen starten daher müsste er ein Crash-Training durchlaufen, doch das sei immer noch besser als einen guten Avatar zu verschwenden.

Die beiden grinsen wie Schakale. Die Bezahlung ist großartig und es wäre eine Chance, Teil eines großen Abenteuers zu sein.

Josh sagt ihnen, dass er auf diesen Satz schon einmal eingegangen ist, es wäre doch kein simpler Job sondern ein großes Abenteuer ... und das hat ihm seine Beine gekostet. Und zehn Jahre ist ihm ebenfalls zu lang. Die Armee hat ihn einiges eingebläut. Er sagt ihnen sie sollen verschwinden.

Einer der Konsortium-Agenten lehnt sich herüber. Er sagt, dass er als Avatar Beine haben wird. Lange kräftige Beine mit denen er wieder laufen kann.

ZENTRIERT AUF JOSH. Er denkt darüber nach und man sieht es in seinen Augen ... er wird es tun.