In Erinnerung an ...

von ElliHill
GeschichteKrimi, Freundschaft / P12
04.03.2017
24.06.2018
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Semir schlug die Augen auf, als sein Handy ihn aus den schönsten Träumen riss. Er brauchte eine Weile um richtig wach zu werden, schlug die Decke zur Seite und setzte sich auf. Mit den Händen fuhr er sich über das Gesicht und grunzte leicht. Was für ein schöner Traum und wenn er in wenigen Tagen wahr werden würde, dann wäre er der glücklichste Mann den es auf Erden gab, da war er sich sicher. Nur noch zwei Wochen und er würde mit seinen Töchtern und Andrea unter einem Dach leben. So wie er es eben schon im Traum erlebt hatte. Immer noch müde schlurfte er ins Bad, stellte sich unter die Dusche und ließ sich durch das kühle Nass vollends aufwecken. Nach einer guten halben Stunde war er fertig und ging in die Küche. Hier erwartete ihn die erste Überraschung an seinem 50igsten Geburtstag. Der Tisch war bereits gedeckt. Es stand herrlich duftender Kaffee und frisches Rührei auf dem Tisch. Die Brötchen waren bereits aufgeschnitten. „Guten Morgen Papa…“ begrüßte Dana ihn mit einem Kuss. „Alles Gute zum Geburtstag,“ hängte sie an. Semir lächelte verlegen. „Wow, womit habe ich das denn verdient? Und was machst du schon auf? Du hast doch später Schule. Sonst schläfst du doch auch viel länger.“ staunte er. Dana sah ihn lächelnd an. „Heute ist nicht irgendein Tag. Ich wollte dir zu deinem Ehrentag eine Freude bereiten.“ Semir wurde leicht rot. „Das ist dir gelungen. Das sieht richtig gut aus. Hast du das Rührei gemacht?“ Dana rollte mit den Augen. „Natürlich, wer denn sonst? Wir wohnen hier allein und ich fahre sicher nicht eine Stunde durch die Stadt und hole Rührei von Andrea. Ich hoffe, der schmeckt auch annähernd so. Ich habe es nach ihrer Anleitung gewürzt.“ erklärte sie ausführlich. Semir nickte und besah sich den Tisch noch einmal genau. Etwas enttäuscht schien er doch noch zu sein. „Aber ich habe noch ein anderes Geschenk für dich. Einen Moment!“ Dana verschwand und kam nur wenig später mit einem Briefumschlag und einem Karton zurück. „Noch einmal, alles Gute zum Geburtstag. Der Karton stand gestern vor der Tür, als ich nach Hause kam.“ Semir nahm den Umschlag und den Karton fragend an. „Was ist denn da drin?“ wollte er wissen. „Mach ihn doch einfach auf.“ schlug Dana vor und Semir riss den goldfarbenen Umschlag auf. Er sah hinein und grinste. „Ein Gutschein?“ lachte er. Dana steckte ihre Hände in die Hosentaschen und nickte. „Ja, für einen Grillkurs. Ich halte es für dringend notwendig. Denk mal bitte an deinen letzten Versuch bei Andrea. Sie kann echt froh sein, dass nur die Hollywoodschaukel Feuer gefangen hat. Ich meine, wenn wir demnächst schon mit allen unter einem Dach wohnen, dann wäre es für deren Sicherheit wesentlich besser.“  Semir legte Gutschein und Umschlag auf den Tisch und bedankte sich mit einer festen Umarmung bei seiner Tochter. „Danke Dana…“ gab er von sich. „Dann werde ich mir mal den Karton ansehen.“ hängte er an und wandte sich dem kleinen Geschenk in der Größe einer Zigarrenkiste zu. Er nahm es in die Hand und bemerkte, dass kein Absender darauf zu erkennen war. Ein mulmiges Gefühl kam in ihm auf. „Das stand vor der Tür?“ Er sah Dana an und seine Tochter nickte.

Semir musterte den kleinen Karton genau und tastete ihn ab. Er spürte keine Drähte oder sonst irgendwelche Ungereimtheiten, doch er wusste auch, dass er sich in seinem Leben genügend Feinde gemacht hatte und es wäre nicht das erste Mal, dass sich jemand auf grausame Art und Weise rächen wollte. Er stellte das Kästchen auf den Tisch. „Dana, stellt dich bitte an die Tür!“ befahl er sanft und sah sie lächelnd an, doch seine Tochter schüttelte verständnislos den Kopf. „Was? Warum denn?“ „Tu bitte, was ich dir sage!“ befahl er nun etwas schärfer. Dana lachte auf. „Denkst du man schickt dir zum Geburtstag eine Bombe? In so einem kleinen Karton? Das ist doch lächerlich.“ Semir ignorierte den Einwand und tastete das Geschenk erneut akribisch ab. „Ich habe mir in meinem Leben eine Menge Feinde gemacht und davon sind einige schon auf ganz andere Ideen gekommen. Bitte Dana, wenn da etwas Gefährliches ist, dann möchte ich nicht, dass du verletzt wirst.“ Doch auch jetzt bewegte sie sich nicht. „Papa, wenn das wirklich eine Bombe drin ist, dann ist es ziemlich egal, ob ich am Tisch oder fünf Meter weiter in der Tür stehe. Nun mach schon auf und gut ist!“ Semir leckte sich nervös über die Lippen und öffnete das Geschenk sehr vorsichtig. Alles ging gut. „Siehst du, alles gut. Keine Bombe.“ grinste seine Tochter. Er öffnete den kleinen Kasten und sah, dass es ein Schwimmer war. Schnell griff Dana rein und holte ihn heraus. „Was ist das?“ wollte sie wissen. „Das ist ein Schwimmer. Ein Angelutensil. Das wird an die Sehne der Angel gelegt und unten kommt der Harken dran, mit dem der Fisch gefangen wird.“  Dana sah ihn an. „Aber du angelst doch gar nicht.“ staunte sie. Semir nickte. „Ich weiß, dass ich nicht angele, aber ich habe es mal getan.“ „Okay, und warum sollte man dir einen …das Ding da schenken?“ „Ich weiß es nicht Dana.“ gab er zu. Er nahm ihr den Schwimmer ab und legte ihn wieder in den Kasten.

Eine kurze Weile später, Dana und Semir frühstückten gerade in Ruhe, vibrierte sein Handy. Er sah, dass eine SMS eingegangen war. „Alles Gute zum Geburtstag“ las er in Gedanken und legte es wieder beiseite. „Sag mal, heute Abend bei Andrea, das steht doch oder?“ wollte Dana wissen. Semir nickte. „Ja, das bleibt dabei. Fährst du direkt nach der Schule hin und hilfst ihr?“ Er sah seine Tochter an und die lächelte entschuldigend. „Würde ich gern, aber ich muss noch für eine Klausur lernen und bin deshalb bei Jana. Kannst du mich da heute Abend abholen?“ Sie sah ihn an und legte den Kopf leicht schief. Semir grinste und nickte dann. „Klar, ich bin um sechs vor der Tür. Und bitte Dana, du sagst du willst lernen, tu es bitte auch.“ ermahnte er sie. „Was für eine Klausur ist es denn?“ Dana nahm einen Schluck aus der Kaffeetasse. „Körperberechnung und Bruchrechnung. Matte und Riko sind auch da.“ Semir wurde hellhörig. „Wer ist das?“ „Das sind zwei Klassenkameraden, die die Körperberechnung voll draufhaben und uns helfen.“ Semir nickte leicht. „Gut, ich habe die Körper- und Bruchrechnung auch drauf. Du kannst den Beiden von mir ausrichten, dass, wenn sie anfangen sollten deinen Körper zu berechnen, garantiert mit einem Bruch rechnen können! Und dass meine ich auch so!“ Seine Stimme klang bedrohlich, doch Dana lachte hell auf. „Papa, Körperberechnung, das kommt aus der Geometrie. Ich rede von Mathe und nicht vom dem, was du denkst.“ Bevor Semir antworten konnte, klingelte ihr Handy. „Hi Jana!“  --- „Was jetzt?“ --- „Okay, dann komme ich jetzt direkt zu dir. Wo bist du?“ --- „Okay, ich weiß wo das ist. Bis gleich!“ Sie beendete das Gespräch, gab ihrem Vater einen Kuss und verabschiedete sich. „Das war Jana. Sie will sich noch vor der Schule mit mir treffen. Ich bin dann weg. Ach Papa, kannst du mir noch ein bisschen Geld geben? Ich trinke noch einen Kaffee mit Jana.“ Semir nickte und steckte ihr zehn Euro zu. „Danke!“ Dana verschwand. Ihr Vater sah ihr kopfschüttelnd nach und frühstückte fertig. Anschließend räumte er die Küche auf und fuhr zum Dienst.

Er brauchte eine knappe halbe Stunde, um sein Ziel, die PAST, zu erreichen. Als er auf den Parkplatz seinen Stellplatz einnehmen wollte, sah er seinen Dienstpartner Paul Renner auf dem Kofferraum seines Wagens sitzen. Wieder trug Paul die knallig gelben Schuhe und Semir schüttelte den Kopf. Er stieg aus und ging zu ihm. „Hast du eigentlich mehr als nur ein Paar Schuhe? Was machst du denn hier? Warum bist du nicht schon drin?“ fragte er erstaunt. „1. Ja, so ungefähr acht und 2. weil die Tür zu ist.“ kam zur Antwort. Semir lachte auf. „Dann mache sie doch einfach auf oder bist du zu faul dazu?“ Paul sah ihn an. „Nein, aber sie ist verschlossen und ich finde meinen Schlüssel nicht.“ Er rutschte vom Auto und stellte sich hin. Semir stutzte. „Wie? Die Tür ist verschlossen? Die war noch nie verschlossen. Die Kollegen sind doch immer da! Hast du was eingeworfen oder nicht gefrühstückt?“ Sein Partner lachte auf. „Nein, ich habe nichts eingeworfen und brav mein Kraftmüsli gegessen. Die Tür ist verschlossen. Probier es doch selbst. Ach, bevor ich es vergesse. Alles Gute zum 50igsten Geburtstag.“ Er reichte Semir die Hand. „Danke, lieb von dir. Na komm! Ich habe zum Glück meinen Schlüssel immer dabei. Auch wenn ich denke, dass die Tür nur klemmt.“ Semir zog seinen Schlüssel hervor, doch bevor er ihn nutzte, probierte er seine Theorie der klemmenden Tür durch. Tatsächlich war die Tür verschlossen. Erstaunt drehte er sich zu Paul um. „Das gibt es doch gar nicht! Ich bin seit über zwanzig Jahre hier und die Tür war noch nie verschlossen!“ stieß er aus und steckte den Schlüssel ins Schloss. Er öffnete die Tür und sah Paul an. Dieser stellte sich an die andere Seite und hielt ihm nun die Tür auf. „Alter von Schönheit!“ Paul verbeugte sich tief. „Idiot!“ meinte Semir nur und betrat das Büro. Da die Jalousien alle unten waren, musste er Licht machen, um etwas zu sehen. Es flammte auf und auf einmal ertönte „Herzlichen Glückwunsch!“ aus allen Richtungen. Semir zuckte vor Schreck zusammen und drehte sich um. Alle seine Kollegen standen im Raum und sahen ihn strahlend an. Er spürte Röte aufsteigen und senkte seinen Kopf. Dann lachte er leise und sah zu Paul. „Das wusstest du oder?“ Paul schlug ihm auf die Schulter. „Natürlich wusste ich es. Aber dein Gesicht, als du bemerkt hast, dass die Tür tatsächlich verschlossen ist, war köstlich.“ Kim Krüger trat aus der Menge der Kollegen auf Semir zu. „Alles Gute zum Geburtstag, Herr Gerkhan.“ Sie reichte ihm die Hand. „Danke Chefin…“ „Es liegen bereits ein paar Geschenke auf Ihrem Schreibtisch, aber denken Sie bitte daran, dass wir heute auch noch arbeiten müssen.“ lächelte sie. Semir nickte und ging mit Paul ins Büro.

Im Gemeinschaftsbüro erwartete ihn die nächste Aktion seiner Kollegen. Sein Schreibtisch war festlich geschmückt und eine goldene „50“ hing an seinem Monitor. Er lachte auf. „Auch eine gute Idee.“ meinte er, nahm die „50“ ab und setzte sich. Auf dem Schreibtisch lagen jede Menge kleine Geschenke und er fing an, die Gaben auszupacken. Es kam einiges an Süßkram, welchen Semir liebte, zu Vorschein. Aber auch nützliches, wie ein Schraubendreher-Set und anderes Werkzeug. Nach und nach leerte sich der Schreibtisch. „Da hast du einiges zu schleppen, wenn du nach Hause fährst.“ meinte Paul. Semir zog die Schultern hoch. „Das ist noch zu stemmen. Aber jetzt sollten wir…“ Es klopfte an der Tür und Kim Krüger kam rein. „Sind Sie bereit, Ihren Dienst anzutreten?“ fragte sie. Semir zerknüllte das Geschenkpapier und warf es in den Papierkorb. „Was ist denn mit den anderen Geschenken? Da liegen ja doch noch einige Dinge.“ wollte Paul wissen. „Die packe ich später aus. Denkt bitte daran, dass die Bösen sicher keine Pause machen, weil ich 50 geworden bin.“ Kim lächelte und sah zu Paul „Das sehe ich auch so. Sie werden jetzt auf Streife gehen und zum Mittag wieder hier sein, dann gibt es noch eine Überraschung meinerseits.“ gab Kim Krüger von sich. Semir sah sie erstaunt an. „Ähm, was denn?“ fragte er. Kim Krüger lachte leise. „Später, Herr Gerkhan, später.“ Sie verschwand und ließ Semir mit Paul allein. „Ja, dann… auf geht es!“ „Gut, du hast heute Fahrdienst.“ Paul sah ihn erstaunt an. „Wieso ich? Ich habe doch schon gestern Fahrdienst gehabt.“ „Na und? Ich habe heute Geburtstag und einen Wunsch frei. Das steht in den …. ähm…. in den ...“ Semir dachte nach. Paul verschränkte die Arme vor der Brust und lachte. „Ja, auf die Vorschrift bin ich jetzt gespannt.“ Semir stöhnte leise auf und legte den Kopf schief. „Ach komm! Ich habe ein halbes Jahrhundert hinter mir. Du willst doch nicht mit einem alten Mann am Steuer auf der Autobahn sein, oder?“ Pauls Lachen erstarb. „Aus der Sicht habe ich das noch nicht betrachtet. Okay, ich fahre!“

Die Fahrt startete über die A4 in Richtung Aachen und es herrschte eine Weile Schweigen zwischen den Hauptkommissaren. „Was ist mit heute Abend? Sieben Uhr war das, oder?“ unterbrach Paul die Stille im Auto. „Genau, um sieben essen wir bei Andrea. Danach können wir noch ein Bier trinken, das dann aber bei mir zuhause, denn Andrea muss früh raus, genau wie die Kleinen. Dana schreibt noch eine Klausur und braucht ihren Schlaf.“ legte Semir den Abend fest. „Ah okay. Und die richtige Party ist am Wochenende. Ich habe gehört, dass es trocken sein soll und so könnten wir ja grillen.“ Semir nickte. „Das hatte ich vor.“ Paul sah ihn kurz an. „Und was ist mit deiner Verwandtschaft? Kommt da auch jemand? Lerne ich vielleicht jetzt mal Bruder, Schwester, Tante, Onkel und so kennen?“ Semir zog die Schultern hoch. „Wenn dann wäre das eine Party mit 1000 Personen. Die meisten davon, sind in der Türkei aber mein Bruder Kemal wird sicher kommen. Mit den Anderen feiere ich in der Türkei, wenn ich meinen Urlaub mache.“ Paul lachte auf. „Das ist auch eine schöne Idee. Okay, dann fahren wir später zu dir und trinken noch ein Bier. Ich kann mich doch sicher bei dir auf die Couch packen, oder?“ Semir grinste und nickte. „Klar, ist Platz genug.“ Paul konzentrierte sich wieder auf die Straße, doch heute war es sehr ruhig. „Was hast du denn schon für Geschenke bekommen?“ unterbrach er erneut das Schweigen. „Dana hat mir einen Grillkurs geschenkt. Sie meinte, nach meinem letzten Versuch wäre es nötig. Schon allein zum Schutz von Ayda und Lilly. Und von denen erfahre ich es erst heute Abend. Bin schon gespannt darauf. Auch was die Kollegen mir da auf den Tisch gelegt haben.“ Das kleine Angelutensil verschwieg er. „Na, ich glaub, das was du von deiner Familie bekommst, ist gut getroffen. Und das von mir auch.“ grinste Paul leicht. Semir sah ihn an. „Weißt du was Andrea gekauft hat?“ Paul nickte. „Was ist es denn?“ Die Neugier war in Semirs Stimme deutlich zu hören. „Ich werde es dir nicht verraten. Du musst schon bis heute Abend aushalten.“ Semir stieß ihn an. „Na komm, einen Tipp, einen Hinweis. Ich sage auch niemanden, dass ich es von dir hab.“ bettelte er. Paul lachte laut auf. „Ja klar. Andrea killt mich. Semir, die weiß doch, dass wir zusammen auf Tour sind. Was ist denn das für eine blöde Idee?“ Sein Partner grinste und zog die Schultern hoch. „Ein Versuch war es wert.“

Die Fahrt verlief ruhig und so traten sie kurz vor Mittag wieder die Rückfahrt zur PAST an, wo Kim Krüger bereits auf sie wartete. Semir sah sie neugierig an. „Was ist denn das für eine Überraschung, die Sie für uns parat haben?“ Kim lächelte. „Also gut, zunächst lade ich zu einem gemeinsamen Essen an. Und das gilt für alle, die hier sind. Und für Frau Dorn habe auch noch eine Überraschung, die ich im Rahmen unseres gemeinschaftlichen Essens bekannt geben werde. Bitte lassen Sie uns alle in die Küche gehen!“ Als alle am Tisch versammelt waren, stand Kim auf. „Das ist meine kleine Aufmerksamkeit anlässlich Ihres Geburtstages, Herr Gerkhan. Ich habe auch darauf geachtet, dass kein Schwein auf dem Tisch ist und so bitte ich Sie und auch die Anderen zuzugreifen.“ Sie setzte sich wieder und schon ging das Essen los. Semir durfte als Ehrengast als erstes den Teller befüllen. Es gab Hähnchen, Pommes, gemischten Salat und sogar der Nachtisch war vorhanden. Vanillepudding in kleinen Schälchen. „Das schmeckt sehr gut.“ meinte Semir und leckte sich die Finger ab. „Das könnte man ruhig öfter machen“, warf ein uniformierter Kollege ein. „Nun, wir wollen es nicht übertreiben. Der Tag ist noch jung und nun kommen wir auch zu der Überraschung für Sie, Frau Dorn, auch wenn Sie nicht Geburtstag haben. Sie werden einen neuen Partner erhalten.“ erklärte Kim. Jenny sah sie an. „Bitte was? Ähm wen denn?“ Kim stand auf und kam nur wenig später mit einem jungen gutaussehenden Mann wieder in die Küche. „Das ist Thilo Sandberg. Er kommt von der Dienststelle 48 aus Köln und wird, wie eben schon gesagt, der neue Dienstpartner von Ihnen, Frau Dorn werden. Herr Sandberg, ich darf Ihnen die Kollegen vorstellen. Fangen wir mit unserem Geburtstagskind an. Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan…“ Semir stand auf und verneigte sich etwas. „Herzlich willkommen bei der Autobahnpolizei“ Er reichte dem Mann die Hand, der sie nur zögerlich griff. „Danke und alles Gute zum Geburtstag“ gab er leise zurück. „Vielen Dank…“ Kim Krüger stellte den Rest der PAST vor, lud auch den neuen Kollegen ein, zuzugreifen und man unterhielt sich noch angeregt, bevor alle wieder an die Arbeit gingen. Für Semir hieß es jetzt, den Schreibtisch aufräumen. Gemeinsam mit Paul ging er in ihr Büro.

Bevor die beiden jedoch ihre Schreibtischarbeit fortsetzen konnten, schob Jenny einen fahrbaren Tisch in den Raum. Semir sah sie erstaunt an, als er die große längliche Torte sah, auf der jede Menge Kerzen brannten. „Ich hoffe, du hast genügend Luft, die Kerzen alle auszublasen.“ lächelte sie. Semir schüttelte den Kopf und lachte laut auf. „Oh man, ihr seid doch alle wahnsinnig!“ Er holte tief Luft und blies die Kerzen aus. Insgesamt brauchte er drei Anläufe, bis alle Kerzen gelöscht waren. Der Raum wurde von einem Duft aus Wachs und Rauch erfüllt. „Also ich hätte dir schon mehr Puste zugetraut.“ scherzte Paul. Er schlug seinem Partner freundschaftlich auch die Schulter. Semir erwiderte seinen Blick. „Komm du in mein Alter. Das waren bestimmt mehr als 50 Kerzen.“ grinste er. Die Kollegen lachten alle auf.  Semir bekam ein Messer in die Hand gedrückt und teilte die Torte in gleichmäßige Stücke. Alle bekamen ein Stück und auch Thilo Sandberg, der sich lediglich in der Tür aufhielt und sich nicht traute, näher zu kommen, erhielt ein Stück des Gebäcks. Jenny ging zu Thilo und lächelte ihn an. „Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit.“ Thilo nickte nur. Er sah zu Semir, der immer noch damit beschäftigt war Torte zu verteilen. „Ist er wirklich 50 geworden, oder ist das nur ein Scherz?“ Jenny schüttelte den Kopf. „Semir ist wirklich 50. Aber er hasst Feiern und mag es eigentlich überhaupt nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Was können Sie denn an Erfahrung aufweisen?“ Thilo zog die Schultern hoch. „Ich habe ein paar Einbrecher gestellt und der Gerechtigkeit zugeführt und mehrere Ehestreitigkeiten versucht zu schlichten. Das übliche halt. Und Sie? Haben Sie schon was Aufregendes während der Streife erlebt?“

Jenny verzog das Gesicht und nickte. „Leider ja.“ sagte sie ehrlich. Sie musterte ihren neuen Partner sehr gründlich. Er war einen halben Kopf größer als sie selbst, hatte eine drahtige Figur und graublaue Augen. Die Haare waren dunkelblond und leicht gewellt. Er trug einen kleinen Bart am Kinn, der sehr gut getrimmt war und seinem leicht spitzen Gesicht das gewisse Etwas verlieh. Wenn er lächelte, dann zeigte sich ein Grübchen auf der linken Wange. Thilo setzte sich. „Erzählen Sie es mir?“ wollte er von ihr wissen. „Ich weiß nicht, es tut immer noch weh und ich glaube, ich bin noch nicht darüber hinweg.“ Jenny sah ihren neuen Kollegen entschuldigend an. „Okay, dann muss es schon echt hart gewesen sein. Wenn Sie dann irgendwann darüber weg sind, dann würde ich es gern erfahren.“ Jenny sah ihn an. Er lächelte sanft und irgendwie fühlte sie, dass eine Zusammenarbeit mit diesen Thilo etwas Gutes sein konnte. „Ich denke, wenn wir schon Dienst zusammen machen, dann sollten wir uns duzen. Ich bin Jenny.“ Sie reichte ihm die Hand. „Ich bin Thilo.“ nahm er das Angebot an. „Gut Thilo, dann zeige ich dir jetzt mal unser Revier.“ Sie nahm ihre Schlüssel und verließ mit Thilo zusammen die PAST. „Sag mal, dieser Gerkhan… der ist schon lange da oder?“ Jenny nickte. „Ja, schon seit über 20 Jahren. Er ist ein sehr guter Kollege. Wenn du Hilfe brauchst, dann musst du ihn nur ansprechen. Er weiß meistens Rat.“ Jenny setzte sich ins Auto und wartete bis Thilo auch seinen Platz eingenommen hatte. „Wie lange bist du schon an der Autobahn?“ wollte er wissen. Seine Kollegin reihte sich in den Verkehr ein. „Ich habe vor vier oder fünf Jahren Jahren hier als Urlaubsvertretung gearbeitet und als dann eine Stelle frei wurde, habe ich mich beworben und wurde genommen.“ gab sie von sich. Thilo nickte. „Und wie ist das Verhältnis unter den Kollegen? Ich meine, gemeinsames Essen, nette Gespräche…“ Jenny lachte auf. „Nur keine Sorge, dass ist nicht immer so.“ beruhigte sie ihn.

Semir setzte sich, als die Kollegen sich wieder an die Arbeit machten, auf seinen Stuhl. Er nahm sich ein weiteres Geschenk und packte es aus. Paul sah ihm gespannt zu. Nur wenig später hielt Semir ein Kennzeichen in der Hand. „Ach, diese Scherzdinger. Kriegst du auf jeder Kirmes und in vielen Farben. Was für eine Lebensweisheit steht drauf?“ grinste Paul. Semir drehte das Kennzeichen so, dass Paul es sehen konnte. „NE – LK 3470? Was soll das denn?“ Semir atmete tief durch. „Dieses Kennzeichen, oder besser die Buchstaben-Zahlenkombination, trug das Dienstfahrzeug von Tom Kranich und Jan Richter. Zwei meiner Partner vor dir. Weit vor dir um genau zu sein.“ Er legte das Geschenk auf den Tisch. „Und wer schickt dir die Erinnerung?“ hakte Paul nach. „Ich weiß es nicht. Es kann nur von Jan kommen, aber mit dem habe ich seit er hier weg ist, keinen Kontakt mehr.“ „Und was ist mit diesem Tom?“ wollte sein Partner wissen. Semir sah ihn traurig an. „Er ist tot. Vor vielen Jahren schon gestorben.“ Nachdenklich sah er auf das Kennzeichen. „Ist sonst nichts mehr in dem Papier? Keine Grußkarte oder so?“ Semir schaute nach. Tatsächlich fand er einen kleinen Briefumschlag. Er grinste leicht und öffnete ihn. Er las ihn zunächst in Gedanken und sein Gesicht wurde ernster. Paul bemerkte es sofort. „Was steht da drin?“ „Lass uns gemeinsam anstoßen. Du weißt wo du mich findest, Tom.“ Semir las es noch einmal und schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein!“ stieß er aus. Paul sah ihn fragend an. „Diese Grußkarte ist von Tom. Das ist seine Handschrift. Aber der ist tot! Er kann mir keine Karte geschrieben haben! Das geht nicht!“ Zweifel war in der Stimme zu hören.
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