Aus dem Tagebuch Old Shatterhands

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Nscho-Tschi Old Shatterhand Winnetou
03.03.2017
23.11.2019
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Vorwort




Liebe Leser,

mit dieser Veröffentlichung komme ich einem Wunsch nach, der wieder und wieder von Ihnen an mich herangetragen worden ist.

Nur kurz habe ich in meinem Buch „Winnetou I“ über meine erste, ereignisreiche Zeit bei den Apachen berichtet. Der Fokus dieser Erzählung lag auf anderen Dingen. Natürlich waren aber gerade die ersten Wochen im Pueblo prägend für die Beziehung zwischen mir und Winnetou. Wir lernten einander kennen und schätzen, mit unseren Stärken und Schwächen, in Freud und Leid.

Aus gutem Grund habe ich all dies damals für mich behalten wollen und es nur meinem Tagebuch anvertraut. Auch heute noch sind mir jene sehr persönlichen Aufzeichnungen beinahe heilig, offenbaren sie doch die ersten Gehversuche einer unvergleichlichen Freundschaft mitsamt ihren Hürden und Zweifeln.

Winnetous und meine Geschichte zeigt aber auch, was Menschen möglich ist, die einander achten und lieben, unabhängig von ihrer Rasse, Sprache, Religion und Kultur. Mögen wir denen als Beispiel dienen, die von der Überlegenheit der weißen Rasse sprechen und jene bestärken, die Ähnliches erstreben.

Soviel zumindest weiß ich genau: Es wäre im Sinne meines unvergleichlichen Winnetou!



Ihr Old Shatterhand





Wie alles begann




Ich kann es kaum glauben, wie sehr sich alles verändert hat. Vor wenigen Tagen noch wurde ich mit meinen weißen Gefährten, dem Kleeblatt, als Todfeind betrachtet und behandelt, jetzt bin ich ein Häuptling der Apachen, und nicht nur das: Ich bin quasi Familienmitglied geworden und habe einen eigenen Raum im Pueblo bezogen, gleich neben der Wohnung der Häuptlingsfamilie! Familienmitglied? Ja, tatsächlich, ich bin der Blutsbruder Winnetous, des Häuptlingssohnes geworden. Winnetou, der Mann, den ich von Anfang an so sehr bewundert habe und dem ich mich gleich so nahe fühlte!

Nach meinem Zweikampf mit Intschu tschuna konnte ich ihn durch die Haarlocke davon überzeugen, dass ich nie sein Feind, sondern immer sein Freund war. Er schien sehr überrascht zu sein und beinahe ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich bin aber sicher, dass er dieselben Gefühle auch für mich hegte, denn sonst hätte er diesen Vorschlag mit der Blutsbrüderschaft nicht gemacht.

Es war ein ergreifender Moment! Intschu tschuna sagte: „Die Seele lebt im Blute. Die Seelen dieser beiden jungen Krieger mögen ineinander übergehen, daß [sic!] sie eine einzige Seele bilden. Was Old Shatterhand dann denkt, das sei auch Winnetous Gedanke, und was Winnetou will, das sei auch der Wille Old Shatterhands.“ (Vgl. Winnetou I)

Und obwohl ich nicht abergläubisch bin, und Winnetou gewiss ebenso wenig, so fühle ich doch, dass etwas Wahres darin liegt.

Die Zukunft wird das zu beweisen haben. In der nächsten Zeit werde ich meinen schweigsamen Blutsbruder so gut als möglich kennen zu lernen versuchen. Ich spüre, dass da eine lehrreiche und aufregende Zeit auf mich zukommt!
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