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Es ist was es ist sagt die LIebe

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
03.03.2017
18.05.2018
7
20.445
16
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
16.12.2017 3.805
 
Hallo ihr Lieben,

hier bin ich wieder mit einem neuen Kapitel! Ich hoffe, ihr habt  viel Spaß damit und lieben Dank für eure Reviews, die mich immer zum weiterschreiben ermutigen!


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MONTAG

Ich bin zu früh dran, eine ganze Viertelstunde im Präsidium, an einem Montagmorgen. Ellen und ich haben uns seit Samstagabend nicht mehr gesehen, seit sie Emily von Stefan abgeholt hat. Wir haben den Tag zwischen Spaziergängen im Park und meinem Bett verbracht und meine Wohnung war den Sonntag über leer, gähnend leer ohne sie. Ich bin laufen gegangen, ins Fitnessstudio und schließlich zu Carlo aber nichts hat mich wirklich von ihr abgelenkt.

Ich betrete das Gebäude und die Kollegen an der Aufnahme sehen mich perplex an, wünschen mir einen guten Morgen und werden in ihrer Verwirrtheit von Hauptkommissar Grün begleitet. „Herr Heldt! Ich darf doch nicht etwa annehmen, dass es in Ihrer Wohnung zu einem Brand gekommen ist, aufgrund dessen Sie jetzt im Präsidium residieren?“
„Herr Grün, ein Brand, gefolgt von einem Wasserschaden, einer Gasexplosion und einer Hausbesetzung, ich weiß einfach nicht wohin und habe in Ihrem Büro mein Zelt aufgeschlagen“
„Nun, Herr Heldt, dann wollen wir mal hoffen, dass Ihre Wohnung bald wieder instand gesetzt werden kann, nicht, dass Sie auch noch in meinem Büro Ihre Zelte aufschlagen“
Ellen.
Ich drehe mich zu ihr um und sehe sie an. Ihre blonden Haare fallen links über ihre Schulter auf ihren roten Blazer, sie trägt eine unfassbar enge, schwarze Hose unter der sich ihre langen Beine perfekt abzeichnen, wirft mir einen leicht spöttischen, herausfordernden Blick zu als sie merkt, dass ich sie anstarre.
Bei unserem ersten gemeinsamen undercover Einsatz, zu dem ich sie praktisch genötigt habe, trug sie einen roten Schal, roten Lippenstift und hat allen Männern reihum den Kopf verdreht mit ihrer Ausstrahlung. Sie sollte definitiv mehr rot tragen.
„Vielleicht sollte ich umziehen, Ihr Büro ist ohnehin viel größer und voller spannender Gesetzestexte, da wird mir garantiert auch nicht langweilig, wenn ich nach Feierabend auf der Luftmatratze liege“ Themenwechsel, ich sollte nicht allzu viel über Ellens Attraktivität nachdenken, wenn sie direkt vor mir steht und wir von Kollegen umgeben sind.
„Vielleicht sollten Sie das“
Würde Grün nicht circa anderthalb Meter von uns entfernt stehen, ich würde sie an mich reißen und küssen. Ich wette, diese Hose ist Absicht, sie trägt sonst immer Stoffhosen. Aber ihr Plan geht voll auf, wenn sie bisher nicht jede Synapse in meinem Gehirn beschäftigt hat, so hat sie es spätestens jetzt geschafft und meinen Plan, nicht allzu sehr über sie nachzudenken, vom Tisch gefegt.
„Halten Sie jetzt Ihre Besprechungen in der Eingangshalle ab? Oder sind sämtliche Ihrer Büros unbenutzbar?“
Dr. Holle.
Ellen und ich wenden unsere Blicke gleichzeitig voneinander ab und ihr zu, sie sieht einmal zwischen uns hin und her und hat den Braten gerochen.
Jedenfalls grinst sie wie ein Honigkuchenpferd und sieht mich an, ich weiß genau, dass ich nicht wieder von diesem Haken runterkomme. Wenn Hannah einmal in Fahrt ist, dann will sie alles wissen.
„Dürfte ich erfahren, was Sie alle drei zu so einer Heiterkeit verführt, noch dazu an einem Montagmorgen?“
Grün wird leicht ungehalten, er merkt, dass irgendetwas an ihm vorbei geht und das gefällt ihm offensichtlich nicht.
„Herr Grün, vielleicht liegt ja etwas in der Luft?“, antwortet Hannah Holle, zieht ihre Augenbrauen hoch und marschiert in Richtung der Kriminaltechnik.
„Nun. Ich nehme an, wir sehen uns gleich zur Fallbesprechung in Ihrem Büro, Frau Staatsanwältin. Herr Heldt, wenn Sie bitte mitkommen mögen“
„Herr Grün, wohin würde ich lieber mit Ihnen gehen, als in unser gemeinsames Büro?“
Grün entschließt sich dazu, im Stechschritt vorweg zu stampfen und lässt mir so die Gelegenheit, Ellen in aller Seelenruhe dabei zuzusehen, wie sie die Treppen in Richtung ihres Büros hochläuft, auf der Ebene haltmacht und mir zuzwinkert.

Sollte ich eifersüchtig werden?
Keine drei Minuten, nachdem Korthi, Grün und ich uns in seinem Büro niedergelassen haben, um Vorkommnisse des Wochenendes zu besprechen, vibriert mein Handy.
Worauf? Tippe ich und grinse.
Auf Herrn Grün und dein Zelt in seinem Büro?
Ellen scheint nicht völlig ausgelastet und ich verliere den Faden hier in der Unterhaltung.
Ellen. Zwischen Detlef und mir... unsere Beziehung ist einmalig, geprägt von gegenseitiger, kultureller Befruchtung ;)
„Herr Heldt! Was verleitet Sie denn nun schon wieder zu einem Ausbruch derartiger Heiterkeit? Ich hoffe inständig, Sie mögen sich bald dem Geschehen hier zuwenden und Ihre... Kontakte bis zum Feierabend ruhen lassen“
Ich drücke schnell auf den Aus- Knopf meines Handys, ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn Grün meine Nachrichten an Ellen liest.

Es dauert ohnehin keine halbe Stunde, bis wir alle in Ellens Büro sitzen, ich am Kopf des Tisches, Ellen rechts von mir und daneben Hannah, links Grün und Korthi.  Der Blick, mit dem sie mich ansieht, als ich das Büro betrete, lässt mich nichts Gutes ahnen, schelmisch, vorfreudig, ich bin jedoch ahnungslos auf was. Auf diese Besprechung jedenfalls bestimmt nicht.
Korthi präsentiert, was wir eben besprochen haben, neue Erkenntnisse, neue Fälle, Hannah trägt mit Untersuchungsergebnissen zur Plauderei bei. Und Ellen? Irgendwann, als Grün in eine seiner hochtrabenden Faselattacken gerät, spüre ich ihren Fuß. Langsam lässt sie ihn an meinem Bein hochgleiten, sieht dabei interessiert Grün an, blättert in einer Akte, beißt sich auf ihre Unterlippe.
Warum sitze ich auch so dicht an der Tischkante? Ich halte mich an meiner Tasse Kaffee fest und versuche so zu wirken wie immer, als würde Ellen mich nicht reizen bis zum Gehtnichtmehr.
„Nikolas, fühlen Sie sich nicht gut?“ Hannah Holle sieht mich vordergründig besorgt und prüfend an, doch ihr Pokerface ist nicht so gut wie das von Ellen, verrät, dass sie genau weiß, was unter dem Tisch vor sich geht.
„Bestens, bestens“, erwidere ich. „Jetzt konzentrieren wir uns mal wieder auf unsere Fälle“
Ich bin dankbar für die Ignoranz und Ahnungslosigkeit von Korthi, der jetzt Ellen fragt, wie er weiter vorgehen soll und sie damit kurzzeitig ablenkt, eine Gelegenheit, die ich nutze, um vom Tisch abzurücken.

„Heldt, haben Sie noch fünf Minuten?“, fragt Ellen mit Unschuldsmine, als sich die Runde auflöst.
„Sofern Herr Grün mich entbehren kann“
„Selbstverständlich“, antwortet er postwendend. „Nichts liegt mir ferner, als Sie an einer dienstlichen Besprechung zu hindern“
Ich glaube, man kann wortwörtlich sagen, dass Hannah Holle jetzt zum Lachen in den Keller geht.


ELLEN

Ich weiß, wir sollten unser Glück hier nicht weiter strapazieren. Mein Büro ist immer noch ein relativ öffentlicher Ort, in das gerne Personen hineinkommen, die entweder gar nicht klopfen (Oberstaatsanwalt Böger) oder nach dem Klopfen direkt die Tür aufreißen (ein aufgeregter Herr Korthals). Weder vom einen noch vom anderen und eigentlich ohnehin von niemandem möchte ich dabei erwischt werden, wie ich am helllichten Tag mit Nikolas herummache als sei ich 14.
Andererseits habe ich ihn anderthalb Tage nicht gesehen, da kann man ja durchaus mal eine kleine Ausnahme machen.
„Frau Bannenberg, worum geht es denn?“, fragt er mich plötzlich.
Ich brauche drei Sekunden, um mich von meiner Verwirrung zu erholen.
„Um den Fall vom Freitag und Samstag, ich glaube, der war noch nicht ganz abgeschlossen.“
Nikolas’ Blick flackert von meinen Hüften über meine Brüste zu meinen Lippen bis er mir schließlich in die Augen schaut.
„Stimmt, da stecken die Ermittlungen noch im Anfangsstadium“ Er grinst mich herausfordernd an und ich beschließe, kurzen Prozess mit ihm zu machen. Meine Hände finden seine und ich ziehe in abrupt an mich heran, unsere Oberkörper berühren sich und mein Körper wird in Antizipation abwechselnd von Hitze und kalten Schaudern durchfahren.
Ich grinse in mich hinein als Nikolas aus seiner momentanen Schockstarre erwacht und mich hart und verlangend küsst. Endlich. Ich seufze, gebe mir erst gar keine Mühe, den Effekt zu vertuschen, den er auf mich hat. Viel länger hätte ich es ohne ihn nicht ausgehalten. Ich muss in Zukunft dringend lernen, tagsüber die Hände bei mir zu behalten. Aber erst in Zukunft. Es ist viel zu gut, hier zu stehen, mit ihm, versunken in einen Guten- Morgen- Kuss.
Wir stöhnen beide leise, seit Freitag sind zwischen uns alle Barrieren gebrochen und nur ein Kuss ist bei Weitem nicht mehr genug, um mein Verlangen nach ihm zu befriedigen. Ich setze mich auf den Besprechungstisch und schlinge meine Arme um Nikolas’ Hals, sodass ich ihn auf mich ziehe, als ich mich mit dem Oberkörper auf den Tisch sinken lasse.  Meine Beine finden ihren Weg um seine Hüfte doch er löst den Kuss, stützt sich mit den Armen hoch und sieht mich fragend an.
„Ellen, wir sind in deinem Büro, hier könnte jederzeit der Oberstaatsanwalt reinmarschieren. Oder noch schlimmer, Herr Grün“
„Spielverderber“, schmolle ich und stütze mich auf meine Unterarme.
Fragend sieht mich Heldt an, versucht herauszufinden, ob ich ihm wirklich böse bin oder ihn nur necke.
„Was hältst du davon, wenn ich es heute Abend wieder gut mache? Ein, zwei Bier auf deiner Couch, ganz harmlos, keine halben Sachen, nur guter Sex?“
„Hm“, sage ich, als müsste ich mir das Ganze noch gut überlegen. Dabei gäbe es eigentlich wirklich viele Dinge, die ich mir überlegen sollte. Wie kriege ich Nikolas und Emily unter einen Hut? Ich will weder Emily überfordern, noch Nikolas das Gefühl geben, er sei nicht willkommen. Aber kann ich die Beiden einfach kommentarlos an einen Tisch setzen, wir essen zusammen, spielen ein Spiel, Emily geht schlafen und wir machen auf der Couch rum? Kann es wirklich so einfach sein?
„Ellen?“
Na toll. Jetzt ist er ernsthaft besorgt, ich sehe es in seinen Augen und höre es an seiner Stimme. Ganz toll gemacht, wirklich gelungen, Ellen.
Er zieht sich von mir zurück, löst meine Beine von seinen Hüften und tritt ein paar Schritte zurück um mir Freiraum zu geben.
Den ich nicht will. Ich richte mich auf, schaue kurz, ob die Knöpfe meiner Bluse alle geschlossen sind und stelle mich dann hin. Der Versuch, meine Gedanken zu ordnen scheitert. Warum kann ich, sobald es um Nikolas geht, nicht mehr rational denken? Ich sollte jetzt wirklich klar sagen, dass ich ihn in meinem Leben haben möchte, ihn, Emily, zusammen auf der Couch. Dass mir nichts zu viel ist, dass es nicht zu schnell geht. Aber ich kriege keinen Ton heraus, sehe ihn nur an, vielleicht hat er ja telepathische Fähigkeiten und errät meine Gedanken.
„Es ist okay, Ellen. Wir müssen nichts überstürzen, wirklich.“ Er fasst sich mit der linken Hand in den Nacken und vergräbt die Rechte in der Hosentasche, eine typische Pose, die er macht, wenn er nervös ist, mit einer Situation nicht umzugehen weiß.
In diesem Moment klopft es von außen an der Tür und Oberstaatsanwalt Böger darin. Richtig, mit ihm habe ich jetzt einen Termin.
Und verdammt nochmal. Nikolas geht scheinbar völlig unbeteiligt aus dem Büro und ich weiß, dass es ihn ihm rumort und er sich Gedanken macht und ich bin für mindestens eine Stunde in diesem Meeting gefangen.

Der ganze Tag wird nicht besser, als ich mir ausreichend lange Oberstaatsanwalt Bögers Vorstellungen zur Optimierung staatsanwaltschaftlicher Fallbearbeitung angehört habe, ist Heldt im Außeneinsatz, als ich zu Gericht fahre, parkt er gerade auf dem Hof wieder ein und vor Gericht zwinge ich mich, alles auszublenden, was nicht zum Fall gehört. Ich darf mich auf nicht so von meinen privaten Problemen vereinnahmen lassen, dass ich meinen Job nicht mehr verantwortungsvoll ausüben kann. Es ist der zweite Verhandlungstag eines Falles schwerer häuslicher Gewalt und mein Job hier ist es, dafür zu sorgen, dass der Mann eine angemessene Strafe bekommt, die der Schwere seiner Schuld gerecht wird. Ob Nikolas und Emily sich gut auf die neue Situation einstellen können hat hier wirklich nichts verloren.  

Als die Sitzung unterbrochen wird, ist es bereits 19 Uhr. Normalerweise würde ich jetzt nicht mehr im Präsidium vorbei- sondern direkt nach Hause fahren. Doch die Chancen stehen gut, dass ich Nikolas dort treffe, denn auch, wenn er es Grün gegenüber niemals zugeben würde, sitzt er häufig nach Dienstschluss noch an seinem Schreibtisch und liest Akten oder schreibt seine Berichte.
Sein Auto steht noch auf dem Parkplatz und ich gehe direkt in das Büro, das er sich mit Korthals teilt. Es ist dunkel, nur die Lampe auf Nikolas’ Schreibtisch brennt.
Ich atme tief durch, bevor ich das Büro betrete, klopfe sogar an. Nikolas sitzt gedankenverloren an seinem Schreibtisch, den Kopf aufgestützt und dreht eines seiner Spielzeuge in der Hand, während er einen Bericht liest.
„Hi“, sage ich vorsichtig und bleibe einen Meter von ihm entfernt stehen.
„Was machst du denn noch hier? Ich dachte, du bist lange zu Hause?“ Nikolas dreht seinen Stuhl herum, sieht mich an.
„Bei Gericht hat alles etwas länger gedauert als gedacht“, erwidere ich und atme erneut bewusst ein und aus. Ich sollte es nicht nochmal so gegen die Wand fahren wie heute Morgen.
„Außerdem hast du mir Bier und Sex versprochen, glaub nicht, dass ich dich so einfach vom Haken lasse“
Sein Mund fabriziert ein halbes Lächeln, doch der Zweifel bleibt in seinem Blick.  „Ellen, es ist okay, wir haben alle Zeit der Welt“
„Ich weiß. Aber ich möchte dich auf meiner Couch, an meinem Esstisch, in meinem Bett...Also ich meine, generell in meinem Leben, nicht, ich meine, ich phantasiere nicht über...“ Ich fange an, völligen Unsinn inkohärent vor mich hin zu stammeln. Elegant, Ellen.  Nikolas grinst so halb, wirkt amüsiert, was ich vermutlich auch wäre, wenn er mir gerade erklärt hätte, keine sexuellen Phantasien von mir auf seinem Küchentisch... wobei das eher Erinnerungen als Phantasien wären. Ich kann förmlich spüren, wie ich rot anlaufe. Nikolas ignoriert das gekonnt, merkt, dass jetzt nicht die Zeit für einen lockeren Spruch ist und nimmt meine Hände in seine.
Immerhin etwas. Unsere Finger verhaken sich miteinander und mich durchströmt ein wohliges Gefühl der Erleichterung, wenigstens dieses Problem aus der Welt geschafft zu haben.
Und als ich Nikolas’ Lippen sanft auf meinen spüre, seine Hände, wie sie über meine Schultern und meine Arme streicheln und auf meinen Hüften zur Ruhe kommen, glaube ich, dass wir es zusammen wirklich schaffen können.
Ich lächle in unseren süßen Kuss hinein und murmle: „Wie lange brauchst du hier noch?“
„Ich denke, die Akten laufen mir bis Morgen schon nicht weg“
Nikolas löscht das Licht seiner Schreibtischlampe, zieht seine Lederjacke an und nimmt auf dem Weg nach draußen meine Hand.

Wir fahren mit zwei Autos zu mir und ich habe kurz Panik, dass Nikolas es sich anders überlegt haben könnte, als ich seinen roten Mercedes für einen Moment nicht mehr im Rückspiegel sehe. Wir parken schließlich hintereinander in meiner Straße und Nikolas steigt aus seinem Auto, läuft auf mich zu. Ich merke ihm an, dass er nervös ist.
„Was ist los?“, frage ich ihn, trete auf ihn zu. Er fährt sich mit den Händen durch die Haare. „Ich... also... ich meine, was sagen wir denn Emily?“
Kann ich ihm sagen, dass er süß ist, wenn er nervös ist? Unruhig verlagert er sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und zerstrubbelt seine Haare.
„Naja, sie weiß, dass ich Freitag bei dir war und wir haben offiziell ihre Erlaubnis, uns zu treffen. Und sie hat uns in meinem Büro erwischt. Ich glaube, da müssen wir nicht mehr viel erklären“ Meine Gedanken driften ab. Der Moment in meinem Büro, als wir uns endlich geküsst haben. Es war so eine Erleichterung, so ein verrücktes Gefühl.
„Aber bis vor Kurzem...“, setzt Nikolas erneut an und ich unterbreche ihn, stelle physischen Kontakt her, indem ich meine Hände auf seine Hüften lege.
„Ja, bis vor Kurzem hat Stefan hier gewohnt. Aber wir haben uns im Guten getrennt, für Emily ist nichts anders, als es den Großteil ihres Lebens war und vor allem mag sie dich. Sie kennt dich, findet dich cool und freut sich schon darauf, das Pizza-und-Mensch-ärgere-dich-nicht-Team mit dir zu bilden“
Ich glaube, ich habe es ausnahmsweise mal geschafft, die richtigen Worte zu finden. Die tiefe Furche zwischen Nikolas’ Augenbrauen hat sich verringert und wirkt weniger nervös.
„Okay. Also bestellen wir Pizza?“
„Träum weiter“ Um meine Worte zu unterstreichen, gebe ich ihm einen Klapps auf den Hintern, was Nikolas ein empörtes „hey“ entlockt und dazu führt, dass wir uns gegenseitig bis zum Hauseingang und das Treppenhaus herauf jagen und eher in die Wohnung poltern als sie angemessenen Schrittes zu betreten.
„Nikolaaaas, hey!“ Emily steht aus dem Nichts im Flur und begrüßt ihn mit einem High- five. Ich halte mich absichtlich im Hintergrund und beobachte, wie Emily Nikolas nach seinem Tag ausfragt.  Die Beiden gehen vor mir in die Küche und meine Tochter widmet mich keines müden Blickes. Auch gut. Immerhin habe ich so die Gelegenheit zu sehen, wie die beiden miteinander interagieren und Nikolas’ Unsicherheit von Emilys Selbstverständlichkeit einfach weggeblasen wird.

Wir kochen und essen zu dritt und um viertel vor zehn schicke ich Emily zum Zähneputzen, damit sie pünktlich um zehn im Bett liegt. Ich decke sie zu und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. „Nicht mehr ewig am Handy bitte, Emily. Du musst morgen früh aufstehen“, sage ich mahnend.
„Jaja, Mama“, ist die Erwiderung, im üblichen pubertären Tonfall.
„Gute Nacht, Schatz“
„Nachti, Mama“
Ich drehe mich schon zu Tür, als Emily sagt: „Ich find’s übrigens cool, dass Nikolas jetzt öfter hier ist“
„Schön. Schlaf schön“ Äußerlich bin ich cool, innerlich mache ich zehntausend Kreuze, Freudensprünge und umarme die ganze Welt.

Während ich Emily ins Bett gebracht habe, hat Nikolas anscheinend die Küche zu Ende aufgeräumt, jedenfalls ist das Licht gedimmt und die Küche verlassen. Langsam gehe ich die Treppe zum Wohnzimmer hinauf und sehe, wie Nikolas vor dem Fenster steht und auf die um diese Zeit menschenleere Straße schaut.
Ich nehme mir die Zeit, ihn in aller Ruhe anzuschauen. Seine Silhouette wird von der Straßenbeleuchtung illuminiert und meine Gedanken wandern zu dem Gefühl seiner nackten Haut unter meinen Händen, seinen breiten Schultern...
Wie auf Kommando dreht er sich um und offenbart zwei Bier, die er in den Händen hält.
„Perfekt“, murmle ich und nehme ihm ein Bier ab, als er näherkommt. „Emily sagt, sie findet es „cool“, dass du jetzt öfter hier bist“
Nikolas lächelt mir zu, ein volles Nikolas- Lächeln, erleichtert, erfreut. „Und du?“
Dein Einsatz, Ellen. „Ziemlich cool.“ Für den dramatischen Effekt nehme ich einen Schluck Bier. „Genau genommen sogar wirklich schön“ Ich lasse mich auf den dicken Teppich sinken und Nikolas folgt mir. Einige Minuten lang trinken wir schweigend unser Bier, jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach und zwischen uns herrscht eine angenehme Stille. Zumindest solange, bis ich es nicht mehr aushalte. Ich stelle die Flaschen auf den niedrigen Couchtisch und bewege mich langsam auf ihn zu, beobachte, wie sein Gesichtsausdruck wechselt und finde mich plötzlich rücklings auf dem Teppich wieder, unter ihm, aber er hält sein Gewicht mit seinen Unterarmen. Immer der Gentleman.
„Nikolas“, wispere ich, ziehe ihn komplett auf mich, fühle seine Wärme, seine Muskeln, ihn. Wir küssen uns verlangend, neckisch und zärtlich und ich blende alles um mich herum aus, höre nicht das hupende Auto, das die Straße entlangfährt oder den Regen, der gegen die Scheibe prasselt.
Wir liegen auf dem Teppich, weiß Gott wie lange, streicheln uns, küssen uns oder sehen uns für einen Moment schweigend und ungläubig gegenseitig an.
Es ist immer noch ein einziges Rätsel und Wunder, dass Nikolas so selbstverständlich auf meinem Teppich liegt, in meiner Wohnung ist, mit meiner Tochter kocht und meine Gedanken infiltriert. Na gut, Letzteres nicht gerade. Das tut er schon ziemlich, ziemlich lange. Das Gefühl seiner warmen Haut unter meinen Fingerspitzen, die Entdeckung, wie kitzelig er tatsächlich ist und sein Bart, der an meinen Wangen kratzt. Es fühlt sich so richtig an. Ich glaube, insgeheim warte ich immer noch auf den Hammer der Realität und der Reue, auf die Frage „was zur Hölle mache ich hier eigentlich?“, aber mit jedem Kuss, jeder Berührung wird es realistischer, schwerer zu leugnen, dass wir genau hier hin gehören, in die Arme des jeweils Anderen, auf meinen Teppich, dass er trotz allem, was in der Vergangenheit passiert ist, meine Zukunft darstellt.
Neckisch und vielleicht ein ganz kleines bisschen provokant setze ich mich breitbeinig auf seine Hüften, öffne meinen Zopf, lasse meine Haare über meine Schultern fallen und ziehe langsam meine Bluse aus der Hose, ohne den Blick von ihm abzuwenden. Er schluckt und ballt seine Hände neben seinem Körper zu Fäusten, greift nach den Fasern des Teppichs.  Ich öffne meine Bluse, einen Knopf, den nächsten und spüre und sehe sein Verlangen. „Ellen“, murmelt er, seine Lippen leicht geöffnet.  
Ich lächle ihn an und berühre seine Hände, seine Unterarme, seine Oberarme bevor ich antworte: „Ja?“
„Ich will dich, verdammt“ Seine Hände bewegen sich in Richtung meiner Oberschenkel und ich drücke sie wieder in den Teppich. Oh wie ich es liebe, ihn so zu sehen, so erregt, so ungeduldig.
„Geduld, Nikolas“ Ich bin noch lange nicht fertig mit ihm. Meine Hände finden den Saum seines T-Shirts und ich ziehe es langsam hoch, lege seine Bauchmuskeln frei, berühre ihn fast unmerklich und doch drängt er sich mir entgegen.
„Hände über den Kopf“ Ganz kann ich mir das Schmunzeln bei diesem Satz nicht verkneifen.
„Mein Satz“, murrt er, gehorch aber und ich beuge mich vor, um das Shirt über seinen Kopf zu ziehen, lasse es fallen und verharre absichtlich deutlich länger als nötig in dieser Position.
Sein gemurmeltes „es reicht“, ist meine einzige Warnung, bevor ich mich unter ihm wiederfinde, seine Hand beschützend auf meinem Hinterkopf, damit ich mich bei der abrupten Drehung nicht verletze.
Nikolas’ Gesicht ist so nah, ich kann seinen Atem auf meiner Haut spüren und werfe meinen Kopf in den Nacken, seufze, denn er macht keine Anstalten, mich zu küssen.
„Rache ist süß“ Er bleibt genauso weit entfernt wie vorher nur wirft mir jetzt einen Blick zu, der ganz klar sagt „so einfach gebe ich nicht nach“, und ich beschließe, dass es an der Zeit ist, einen Gang zuzulegen. Spielerisch lasse ich meine Hüfte gegen seine rollen, einmal, zweimal, dreimal und als er Anstalten macht, sich von mir zu lösen, halte ich ihn mit meinen Fersen an Ort und Stelle.
Ich schließe die Augen, als ich seine Lippen auf meinem Schlüsselbein spüre, kaum merklich und es reicht doch, um mich in Ekstase zu versetzen, mich die Kontrolle verlieren zu lassen, mich dazu zu bringen, seinen Namen zu wimmern, immer und immer wieder.
Was macht er mit mir? Wie kann es sein, dass ich beim ihm derartig die Kontrolle verliere? Eines der Dinge, auf die ich immer stolz war und bin, meine Fähigkeit, alles zu kontrollieren, stets die Contenance zu wahren.
Stattdessen liege ich jetzt auf meinem Wohnzimmerteppich, kann nicht genug von ihm bekommen, wecke wahrscheinlich über kurz oder lang auch noch meine Tochter auf und stelle fest, dass es mir eigentlich ziemlich egal ist, hier nicht die Oberhand zu haben.
„Ellen“, er sagt meinen Namen, spricht ihn eher eindrücklich aus und meine Augen flattern auf.  
„Wir sind hier und jetzt, okay?“
„Okay“
Danach küsst Nikolas mich und mein Denken fokussiert sich alleinig auf die Frage, wie ich ihn am schnellsten aus seiner überflüssigen Kleidung herausbekommen kann.
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