Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Es ist was es ist sagt die LIebe

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
03.03.2017
18.05.2018
7
20.445
16
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
17.09.2017 2.406
 
Huhu ihr Lieben,
vielen Dank für eure Reviews zum letzten Kapitel. Hier geht es schon weiter.
Hinterlasst mir gerne eure Kommentare/ Gedanken/ Anregungen.
Viel Spaß mit diesem Kapitel

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


FREITAG

ELLEN
Ich habe heute Morgen die offizielle Erlaubnis von Emily bekommen, mich mit Nikolas zu treffen, nachdem wir gestern Abend ein Gespräch geführt haben, in dem ich versucht habe, ihr zu erklären, was mir selbst gar nicht vollends klar ist, was zwischen Nikolas und mir läuft, ob ich ihn lieb habe, ob er mich lieb hat, ob ich möchte, dass er bei uns einzieht etc. Die einzige Frage, auf die ich eine klare Antwort parat hatte, war die nach der Quantität der Pizza.
Irgendwie bin ich erleichtert, dass ich vor Emily kein Geheimnis haben werde. Und noch viel erleichterter bin ich, dass sie Nikolas mag, ihn akzeptiert und nichts dagegen hat, dass wir „Zeit miteinander verbringen“, denn im Endeffekt steht sie für mich an erster Stelle und vor wenigen Wochen war ich noch mit Stefan, ihrem Vater, zusammen.

Ich gehe in das Büro, dass Heldt sich mit Korthals teilt und finde nur einen leeren Schreibtisch vor.
„Herr Korthals, wissen Sie, wo Heldt abgeblieben ist?“, frage ich und er sieht vom Bildschirm auf.
„Nein, aber an seinem Schreibtisch würde ich ihn immer zuletzt suchen“
„Ein wahres Wort, Herr Korthals, und noch dazu sehr gelassen ausgesprochen“
Er errötet leicht und wendet den Blick wieder seinem PC zu.
Ich bediene mich an den Weingummi, die auf Heldts Schreibtisch liegen und sehe ihn aus dem Blickwinkel, wie er gegen den Türrahmen gelehnt steht und mich beobachtet.
„Schwerer Mundraub“, stellt er fest und ich drehe mich um, stehe zwischen ihm und dem Schreibtisch, während er sich selbst an der Tüte bedient, seine Hände rechts und links von mir auf dem Schreibtisch aufgestützt.
„Ich bin mir sicher, dass hier mildernde Umstände geltend gemacht werden können“
„Aha? Aber Sie sind doch sicherlich nicht hier, um sich an meinem Süßigkeitenvorrat zu bedienen?“
Er setzt sich in seinen Stuhl und bringt so Distanz zwischen uns. Zur Hölle, ich wünschte, Mario Korthals wäre irgendwo anders. In der Pathologie, in der Kantine, bei Herrn Grün aber nicht am Schreibtisch gegenüber! Ich sehe seinen Blick vor mir, irritiert, pikiert, interessiert.
„Nein, ich...“ Der Zufall will es, dass Dr. Holle mit einem Bericht in der Hand das Büro betritt und ich somit keinen fallrelevanten Grund finden muss, aufgrund dessen ich mich in Heldts Büro verirrt habe.
„Herr Heldt, Frau Bannenberg, ich habe hier das toxikologische Gutachten des Vergiftungsopfers, es handelt sich ganz eindeutig um eine erhöhte Konzentration an...“
Ich schalte mental ab und sehe Nikolas an, der ebenfalls alles andere als konzentriert zuhört.
„Es freut mich, dass ermittlungsrelevante Ergebnisse bei Ihnen beiden derartig großes Gehör finden“, sagt sie sarkastisch und Nikolas sieht sie mit seinem Dackelblick an.
„Ich bin ganz Ohr“, er nimmt ihre freie Hand und ich spüre eine völlig idiotische Eifersucht in mir hochkochen, Neid darauf, dass er sie so einfach anfassen kann und niemand irgendeinen Verdacht schöpft.
„Jaja“, sagt sie, halbwegs besänftigt und zu mir gewandt: „Finden Sie nicht auch, dass unser Herr Heldt seit ein paar Tagen ein wenig unkonzentriert wirkt?“
„Ähm, also mir ist da noch nichts aufgefallen“ Meine Antwort fällt zu 100% in die Kategorie sehr souverän.

Ich mache äußerst pünktlich Feierabend an diesem Freitag, Grün und Korthals sitzen noch in ihren respektiven Büros und arbeiten, von Heldt fehlt jede Spur. Ich wünsche den beiden ein schönes Wochenende und setze mich in mein Auto, fahre nach Hause, fahre Emily zu Stefan, der als Babysitter einspringt.
„Dann wird’s jetzt also ernst?“, fragt er.
„Es sieht so aus“, murmle ich, nicht so recht wissend, wie ich mit der Situation umgehen soll. „Danke, dass du auf Emily aufpasst“
„Kein Problem, wir machen uns einen Vater- Tochter Abend. Viel...“, er zögert kurz, auch ihm ist es unangenehm, „Spaß“.
„Danke“

Betont lässig schreibe ich Heldt eine Nachricht: „Stehe um Punkt 8 vor der Tür“. Ich kann zwar weder glauben, dass er es vergessen hat, noch, dass er mich erneut versetzt aber... naja, ein Restzweifel bleibt. Bisher gab es immer einen tiefen Fall von der rosaroten Wolke für mich, früher oder später, tiefer oder weniger tief.
Oder um es mit meiner Großmutter zu halten: „Wer hoch fliegt, der kann tief fallen, aber der weiß auch, wie es ist, hoch zu fliegen“

Ich stehe vor meinem Kleiderschrank, was anziehen? Wohin gehen? Oh Gott, ich bin doch hier nicht auf meinem ersten Date!
Aber nichtsdestotrotz, die Fragen bleiben. Ich probiere ein Kleid nach dem anderen an, verwerfe es als zu provokant, zu prüde, zu oft getragen, zu alt, zu dies und zu das.
Mein Smartphone piept. „Oui, mon général“  
Seine Antwort lässt mich schmunzeln und ich greife zielgerichtet nach einem Kleid in meinem Kleiderschrank.

Um kurz vor acht biege ich in Heldts Straße ein, doch anscheinend ist man hier freitagabends zu Hause, denn es findet sich erst einige hundert Meter entfernt ein freier Parkplatz, der nicht deutlich als Anwohnerparken gekennzeichnet ist.
Ich sehe ein letztes Mal in den Spiegel, atme durch, lächle mein Spiegelbild an um mir selbst Mut zu machen.
Problematisch ist nur, dass während dieser Prozedur ein Regenschauer einsetzt und ich meinen Regenschirm, der eigentlich immer im Auto liegt, gestern Emily mitgegeben habe. Was tun? Ich will nicht warten, bis es aufhört zu regnen, ich will ihn jetzt. Nicht in zehn Minuten, nicht in einer Viertelstunde.
Nikolas würde jetzt einfach das Martinshorn aufs Dach setzen, den Rückwärtsgang einlegen und in zweiter Reihe parken, ich hingegen entscheide mich für den Sprint durch den Regen, die aktuelle Ausgabe von Jura heute muss dabei als Regenschirm herhalten.
Ich drücke auf die Klingel mit dem Namen Heldt und mustere mich in dem Glas der Haustür. Ich hatte mal eine Frisur, Jura heute hat sich nicht gerade als gutes Substitut eines Regenschirms erwiesen.
Nikolas öffnet mir von oben die Haustür und ich laufe hoch in den dritten Stock, wo er bereits in der Wohnungstür steht.
Als ich ihn sehe, ist meine Entscheidung gefallen. Es war bisher eher eine Option, eine Spielerei in meinem Hinterkopf, eine Idee nach dem Motto „könnte man machen“. Er trägt ein weißes Hemd. Als ich ihn zum ersten Mal in einem gesehen habe, kannte ich ihn kaum und habe ihn für einen reichlich selbstgerechten, chaotischen Polizisten gehalten, der wenig Wert auf Vorschriften und Gesetze legt. Doch dann ist er in der ganzen Nacht in der Bar quasi nicht von meiner Seite gewichen, war da, als ich mir Hannah Holles Brechmittel und mein Abendessen nochmal durch den Kopf habe gehen lassen und ich habe eine andere Seite an ihm entdeckt, besorgt, hilfsbereit.

Als sich unsere Blicke treffen gibt es kein Zurück mehr. Ich gehe auf ihn zu, mein Kopf leert sich, ich vergesse alles, das ich mir zurecht gelegt hatte, setze einen Fuß vor den anderen, mein Ziel klar vor Augen.
Ich höre entfernt, dass er etwas über den Regen sagt, doch es kommt nicht bei mir an, noch vier Schritte trennen mich von ihm, noch drei. Warum hat es eigentlich so lange gedauert, diesen Punkt zu erreichen?  Warum habe ich nicht bei den unzähligen Gelegenheiten zuvor zugegriffen?
Egal. Ich halte in meiner Bewegung nicht inne, als ich auf ihn treffe, schiebe ihn zurück in seine Wohnung, wir grinsen uns an, er weiß genau, was ich vorhabe. Meine Handtasche fällt mit einem dumpfen Knall auf den Boden, kurz darauf geht die Tür zu, von mir wenig sanft geschlossen.
Unsere Lippen treffen sich und Nikolas’ Hände vergraben sich in meinen regennassen Haaren, während ich beginne, sein Hemd zu öffnen, einen Knopf nach dem anderen, seine Haut freizulegen, zentimeterweise. Zwischen uns fällt kein einziges Wort, ich sehe ihn an, als ich sein Hemd von den Schultern streife, es fällt unbeachtet hinter ihn. In seinem Blick ist nichts Ungläubiges oder Überraschtes mehr, alles was ich sehe, ist pure Lust, Erregung, Verlangen.
Er dreht mich herum und küsst sanft meinen Nacken, ich spüre seinen warmen Atem, als er den Reißverschluss meines roten, engen Kleides herunterzieht, es mit den Fingerspitzen von meinen Schultern, meinen Brüsten, meiner Hüfte streift und mir mit dieser sanften Berührung eine Gänsehaut beschert. Es fällt genauso auf den Boden wie sein Hemd, verfängt sich an meinen Knöcheln, Nikolas hebt mich heraus und seine Hände erkunden weiter meinen Körper. Ich lehne mich mit geschlossenen Augen gegen ihn und gebe mich ihm hin, dem unfassbaren Verlangen nach immer mehr und mehr, das er auslöst mit seinen Berührungen, das er ganz genau wahrnimmt, das er solange provoziert, bis meine Beine unter mir fast nachgeben.
Mir entweicht ein Laut der Frustration als ich seine Hände nicht mehr auf meinem Körper spüre, doch er hebt mich hoch und trägt mich durch eine Tür in sein Schlafzimmer, das in sanftes Licht getaucht ist und legt mich auf sein Bett.
Meine ganze Wahrnehmung ist von Nikolas geprägt, von diesem unfassbaren Mann, der mich küsst, auf eine Weise, die mich vergessen lässt, dass es Männer vor ihm gab, mit dem ich gerne jetzt die Zeit anhalten würde.
„Nikolas“, ich seufze, dränge mich ihm entgegen, versuche, jeden Zentimeter seiner Haut mit meiner zu bedecken. „Ich brauche dich.“
Diese Worte gehen mir so leicht von den Lippen, mir, der fast nichts wichtiger ist, als ihre Unabhängigkeit von Männern.
„Ich dich auch“, seine Stimme ist rau als er die Worte ausspricht, in denen viel mehr mitschwingt, mehr Unausgesprochenes als Ausgesprochenes liegt in ihnen.
Wie im Rausch ziehe ich ihn weiter aus und genieße das Gefühl, nicht der Macht, aber des Einflusses über ihn, der ihn im Bett liegen lässt, sich am Bettlaken festhaltend, erregt, verletzlich, wunderschön.
Ich berühre seinen Oberkörper, meine Hände wandern über seine Seiten, halten ihn an Ort und Stelle während ich seinen flachen Bauch küsse, ich inhaliere seinen Geruch, berühre die Narbe seiner Schusswunde und komme ein paar Zentimeter über seinen Lippen zum Halten, atme, als hätte ich einen Sprint hingelegt. Der Anblick dieser Narbe wirft mich kurz zurück, zurück an jenen Tag, als ich für ein paar schreckliche Minuten nicht wusste, ob er lebt oder gestorben ist, als ich nicht gehen konnte, während er in dem schrecklichen Krankenhausbett lag, als meine ganze Gefühlswelt über mir zusammengebrochen ist, mich durchgeschüttelt und alles verändert hat.
Mein Verlangen nach ihm wird übermenschlich, ich muss ihn spüren, ganz und gar, vollkommen, mit ihm eins werden, es reicht nicht mehr, ihn anzufassen oder zu küssen.
Wir sehen uns in die Augen, wortlos, es gibt keinen Ausdruck, der beschreibt, wie ich mich nach ihm sehne, es braucht ihn auch nicht, denn Nikolas dreht mich, begräbt mich unter seinem Körper, sieht mich fragend, vergewissernd an und als ich nicke nimmt er mich, verbindet uns, wir werden endlich eins.

NIKOLAS
Ich liege wach, meine Gedanken rasen. Ellen liegt neben mir, ihr Mund ist leicht geöffnet, ihr Haar fällt in alle Richtungen. Sie schläft tief und fest, friedlich und ich kann meinen Blick nicht von ihr abwenden. Was passiert, wenn ich die Augen schließe und alles ein Traum war, wenn ich wieder wach werde? Wenn die vergangenen Stunden nur in meiner Phantasie existieren? Wenn ich wieder auf Mallorca bin, alleine, auf der Jagd nach etwas, das ich vermutlich nie finden werde?
Ellen bewegt sich, murrt im Schlaf, träumt anscheinend. Ihre Hand zuckt unter meiner, ich halte sie fest, sie murmelt weiter, ich versuche, irgendwas zu verstehen. „Nikolas“, murmelt sie, gefolgt von undeutlich artikulierten Wörtern. Ihr Atem geht schneller, flacher, anscheinend ist es kein schöner Traum. „Nicht...“
Nicht was? Sollte ich sie wecken? „Lass mich nicht allein“, ihre Stimme wird kräftiger, ihre Hand zuckt in meiner, sie wirft sich im Bett herum. „No me dejes“, sagt sie leise.
Die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. Sie hat Albträume, weil ich sie verlassen habe, weil ich gegangen bin, ohne ein Wort aus ihrem Leben verschwunden.
„Ellen“, sage ich leise, streichle ihre Wange. „Ich bin hier und ich gehe auch nicht weg.“ Ihre Bewegungen werden weniger, sie kommt zur Ruhe „Nunca te dejaré“
Sie schmiegt ihren Kopf an meine Hand und schlägt die Augen auf, sieht mich verschlafen an.  
„Du hast schlecht geträumt“, murmle ich und drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Ja“, murmelt sie, ihre Lider flattern wieder zu. „Küss mich“ Sie ist schon wieder im Halbschlaf, ihre Stimme nicht mehr als ein Wispern.
Ich küsse sie sanft, sie seufzt lange und tief und die Spannung in ihrem Körper lässt nach. Vorsichtig ziehe ich sie zu mir heran, decke sie zu und lasse meinen Kopf auf das Kissen sinken.
Was habe ich nur getan? Hat sie diesen Albtraum öfter? Woher nehme ich eigentlich das Recht, zum zweiten Mal in ihr Leben zu treten, sie zu lieben, ihr Hoffnungen zu machen, auf eine Zukunft, die ich ihr nicht garantieren kann? Wird dieses halbe Jahr nicht immer zwischen uns stehen, eine Blockade bilden? Kann sie mir überhaupt vertrauen? Vielleicht ist das alles hier auch einfach pure sexuelle Anziehung, die wir mit Liebe verwechseln? Vielleicht geht hier alles zu schnell, wir stürzen uns hier kopfüber in etwas, das keiner von uns durchdacht hat?

Irgendwann schlafe ich ein, tief, traumlos und wache an Ellens Seite wieder auf.  Sie ist bereits wach, hat ihren Kopf in ihre Hand gestützt und sieht mich an, lächelnd. Ich kann nicht anders, als zurück zu lächeln auch wenn mir auf der anderen Seite zum heulen zumute ist.  
„Morgen“, flüstert sie und küsst mich, sieht mich aufmerksam an. Ihr kann ich praktisch nichts vormachen, aber ich kann diese Diskussion nicht jetzt führen. Ich wüsste nicht, was ich ihr sagen sollte, wie ich es ihr sagen sollte, wie ich mich erklären könnte.
„Alles gut?“, fragt sie und legt ihre Stirn in Falten.
Ich setze mich im Bett auf und sehe sie über die Schulter an, ein bisschen Distanz hilft, die Halbwahrheit zu erzählen: „Ich frage mich nur, womit ich dich verdient habe“
Ellen sieht mich prüfend an, wägt ab, ob sie diese Frage flapsig oder ernsthaft beantworten sollte.
„Damit, der loyalste und wundervollste Mann zu sein, den ich kenne“ Während sie spricht richtet sie sich auf und kniet sich hinter mich, bedeckt meine nackten Schultern mit zarten Küssen und ihre Arme schlingen sich um meinen Oberkörper.
Es ist so leicht, mich bei ihr fallen zu lassen, alles zu vergessen, im Hier und Jetzt zu leben, sie zu lieben, körperlich, mental.
„Was hältst du von einer Dusche?“, wispert sie verführerisch in mein Ohr und ich beschließe fürs Erste meine Zweifel in eine Ecke zu packen, zu den zehntausend anderen Zweifeln und offenen Fragen meines Lebens.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast