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Es ist was es ist sagt die LIebe

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
03.03.2017
18.05.2018
7
20.445
16
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
31.07.2017 2.371
 
Hallo ihr Lieben!
Vielen Dank für eure Reviews, es geht hier auch endlich mal weiter!
Viel Spaß mit dem Kapitel!



MONTAG

ELLEN
Ich sitze an meinem Schreibtisch und lese in einer Akte, doch meine Gedanken schweifen ab zum Wochenende. Genauer gesagt, zum Samstagabend.  Es hat mich gefreut zu sehen, wie gut Nikolas und Emily sich verstehen, wie einfach sie miteinander umgehen. Irgendwie hat Nikolas einen Draht zu Kindern und Jugendlichen, um den ich ihn beneide. Es hat fast gewirkt, als sei er nie weg gewesen. Wobei er für Emily ja ohnehin nur auf einer Art längerem Auslandseinsatz war. Ich habe es damals nicht fertiggebracht, ihr zu sagen, dass er einfach gegangen ist, sondern ihr erzählt, dass er eine Art Austausch mache und dafür jemand aus den Niederlanden zu uns gekommen sei.
Als Emily zu Bett gegangen war, haben wir uns weiter unterhalten, dabei Bier getrunken und es hat sich einfach so richtig und gut angefühlt. Nicht so wie mit Stefan, eher wie zwei Personen, die ihre Territorien abstecken, sich vorsichtig kennen lernen... wobei es um die Vorsicht auch mehrfach fast geschehen war.
Der Moment, als Emily meine Hand auf seinen Oberkörper gelegt hat, ich dachte, ich müsse zerspringen vor Verlangen und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, ging es Nikolas nicht besser.
Vielleicht hat Dr. Holle Recht... ich habe in seinem Krankenhausbett geschlafen, mich wegen ihm von Stefan getrennt und mit ihm auf meiner Couch gesessen. Da ist ein Kuss jetzt wirklich nicht mehr der Gipfel der Unmöglichkeit.
Oder überfordere ich ihn damit? Er ist so zurückhaltend, vorsichtig und bemüht, nicht zu schnell und zu überhastet in irgendeine Situation hineinzustolpern. Ich glaube, er will es dieses Mal einfach richtig machen, sollte ich das nicht auch?
Andererseits, was ist richtig? Was ist vernünftig? Was würde Kant jetzt tun?
Ich muss über mich selbst schmunzeln und schlage die Akte zu.  Vernünftig wäre es, den größtmöglichen Abstand zwischen Nikolas und mich zu bringen, ihn zu vergessen und am besten nach Neuseeland zu ziehen zu diesem Zweck.  Ich bin auf dem besten Weg, wieder genauso für ihn zu fühlen wie vor seinem Abgang, ihm wieder zu vertrauen, mich auf ihn einzulassen und mich ihm zu öffnen.
Richtig wäre, meinen Gefühlen nachzugeben. Zu sehen, wo wir stehen, was wir wollen und wie wir es wollen.

Grün betritt mein Büro und reißt mich aus meinen Gedanken. Ich muss mich dringend konzentrieren, richtig und vernünftig und Kant hin oder her, meinen Job als Staatsanwältin kann ich wohl kaum schleifen lassen.


MITTWOCH
Seit zwei Tagen warte ich jetzt auf eine Gelegenheit. Irgendwas, das ich nutzen kann, um Heldt näher zu kommen.
Das wurde jedoch bisher abwechselnd von Herrn Grün, Herrn Korthals, Frau Dr. Holle und meiner Zögerlichkeit erfolgreich verhindert und ich bin der Raserei nahe.
Die ganze Zeit, als ich es wahrlich nicht brauchen konnte, gab es so viele Momente, in denen Nikolas und ich irgendwie alleine waren und jetzt ergibt sich kein einziger.
Mir fehlt jedoch auch der Mut, ihn um eine Verabredung zu bitten, das käme mir vor wie ein einziger, furchtbar unangenehmer Countdown. Aber Nikolas wird sich mir von sich aus nicht nähern, es steht einfach noch zu viel Unausgesprochenes zwischen uns und er geht im Moment nur soweit, wie ich ihm signalisiere, gehen zu können.
Ich schließe die Augen und mich überkommen die Erinnerungen an ihn. Wie es ist, von ihm umarmt zu werden, meistens zum Trost oder um mich zu beruhigen.  Ihn zu küssen, während dieser unsäglichen Paartheraphie, im Pool vor ihm zu stehen, seinen Körper zu spüren, gemeinsam dem Verlangen nachzugeben und einige Wochen später in meinem Büro, einfach zu wissen, dass Nikolas genauso für mich empfindet wie ich für ihn.

Es klopft an meiner Tür und ich stöhne genervt auf, ich wette, es ist Herr Grün, der sich in irgendeiner Sachfrage rückversichern will.
„Hereiiiin“, ich glaube, es ist in dem Versuch, nicht genervt zu klingen allzu positiv geworden.
Heldt steht in der Tür und grinst. „Was ist denn der Grund für diese gute Laune?“
Ich atme tief durch. Wenn nicht jetzt, wann dann?  „Es reicht. Es reicht wirklich“, murmle ich leise an mich selbst gerichtet, während ich aufstehe. Nikolas sieht mich verwirrt an und setzt an zu fragen, was reicht. Ich ignoriere ihn fürs Erste.
Im Vorzimmer sitzt mein Sekretär, ich gehe an Heldt vorbei und bitte ihn, in der nächsten Zeit keine weiteren Besucher oder Telefonate durch zu lassen, da ich mit Herrn Heldt ein dringendes, dienstliches Gespräch führen müsse.  Nikolas steht unterdessen immer noch bei der Tür und sieht aus, als wäre er bereit, jederzeit die Flucht anzutreten.
Ich atme noch einmal ein und aus um mir selber Mut zu machen, mich zu beruhigen und schließe die Tür fest hinter mir, bevor ich auf Nikolas zugehe.
„Es reicht, dass ich mir seit Monaten Gedanken um irgendwelche hypothetischen Situationen mache, dass ich mir seit Wochen verbiete, mir dich emotional zu nähern und es reicht verdammt nochmal, dass ich seit Tagen ständig daran denke, dich zu küssen“
„Tut es das?“, fragt er und sein Gesichtsausdruck verändert sich sekündlich von besorgt zu belustigt zu zweifelnd.
Er versucht Zeit zu gewinnen, mich weiter reden zu lassen um sich selbst klar zu werden, was er will. Ich weiß nicht, ob ich anders reagiert hätte, aber es vereinfacht die Durchführung meines Plans nicht gerade.
„Mir jedenfalls. Ich kann dir nicht versprechen, dass von heute an alles rosarot harmonisch wird, aber ich habe verdammt nochmal keine Lust, mich irgendwann zu fragen, was wäre gewesen, wenn ich damals den Mut gehabt hätte und ich habe ganz aktuell auch keine Lust, weiter so zu tun, als würde ich nicht seit Tagen nur noch daran denken, wie ich dich fünf Minuten für mich alleine haben könnte“
Nikolas grinst mich an und kommt mir näher. Oh Gott. Ellen, beherrsch dich.
„Rosarot ist eh nicht meine Farbe“, murmelt er und legt seine Hände auf meine Hüfte, schiebt mich in Richtung der Tür. Oh Gott, ja! Diese simple Berührung versetzt meinen Körper in den Alarmzustand und als er beginnt, mit den Daumen kleine Kreise zu beschreiben, bin ich verloren. „Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob fünf Minuten nicht zu kurz sind.“  Er sieht mir in die Augen und ich ziehe ihn an mich heran, mit einem hörbaren Wumms landen wir in der Tür.
Ich kann nicht fassen, was hier passiert, hätte mir irgendjemand das vor ein paar Monaten oder auch Stunden prophezeit, derjenige wäre vermutlich in der Ausnüchterungszelle gelandet. Aber jetzt? Jetzt ist es einfach nur die logische Konsequenz von allem, wobei logisch vermutlich auf derartig vielen Ebenen falsch ist, wenn es um Nikolas und mich geht.
„Ellen, können wir versuchen, fünf Minuten nicht zu denken?“
„Ich denke, darauf könnten wir uns verständigen“, wispere ich. Meine Fingerspitzen streichen über seine Wangen, sein kratziger Dreitagebart löst ein Kribbeln in mir aus, das sich überall ausbreitet. Ich ziehe ihn so nah an mich heran, wie es geht, genieße den Körperkontakt, die Vorfreude, ihn.
„Ellen“, er wirkt ungläubig aber lächelt schwach, seine Mundwinkel ziehen sich ein ganz bisschen nach oben als er seine Hände über meinen Rücken wandern lässt. Es fühlt sich so richtig an, so unfassbar richtig, hier in seinen Armen zu stehen, ihn zu spüren, zu riechen.
Wir stehen hier, einander umarmend und sehen uns einfach nur an. Dieses Gesicht, ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Seitdem ist unfassbar viel passiert, wir haben zusammen gelacht und geweint, uns gestritten und wieder versöhnt, uns verliebt und ich habe ihn dafür gehasst, dass er mich verlassen hat, gehasst dafür, dass er zurückgekommen ist, mich wieder in ihn verliebt...  und jetzt stehe ich hier und er füllt mein ganzes Denken und Fühlen aus.
„Du denkst“ Heldt hebt meinen Kopf, sodass ich ihm direkt in die Augen sehe.
Ich setze zu einer Antwort an aber Nikolas legt mir einen Finger auf die Lippen, bedeutet mir zu schweigen

NIKOLAS
Ellens Lippen fühlen sich immer noch so weich an, wie ich sie in Erinnerung habe und ich spüre ihren warmen Atem an meiner Hand. Sie sieht mich auf eine Art und Weise an, von der ich geglaubt habe, dass ich sie endgültig verspielt hatte, verliebt, verlangend und vertrauensvoll und ich schwöre mir, von jetzt an alles daran zu setzen, diesen Blick jeden Tag zu sehen.
Langsam senke ich meinen Kopf und küsse ihren Hals, nur ganz leicht, doch Ellen ist so unfassbar empfänglich für meine Berührungen, ihre Hände finden ihren Weg in meine Haare und sie atmet jedes Mal, wenn meine Lippen ihre Haut berühren, scharf ein. Es ist, als hätte jemand einen Schalter zwischen uns umgelegt, in diesem Büro könnte ein Posaunenchor spielen und ich würde es nicht hören. Alles, was für mich in diesem Moment zählt, ist Ellen, ihre Berührungen, das Gefühl, wie unsere Körper ineinander übergehen. Langsam löse ich mich von ihrem Hals und sehe sie an, sie sieht so zufrieden und glücklich aus, hat ein leichtes Lächeln auf den Lippen... jetzt öffnet sie ihre Augen. „Nicht aufhören“, murmelt sie und sieht mich forschend an.
„Ich glaube, darum musst du dir auf absehbare Zeit keine Gedanken machen“, entgegne ich und meine Lippen finden ihre.  
Ellen lächelt bevor sie meinen Kuss erwidert und sich an mich schmiegt. Ich kneife mich selbst, ungläubig, ich muss doch eigentlich träumen oder unter Drogeneinfluss stehen, es kann nicht real sein, dass Ellen Bannenberg hier in meinen Armen steht und mich küsst.
Dafür fühlt es sich jedoch eindeutig viel zu real an. Ellens Lippen wandern über meinen Hals, zurück zu meinem Mund und sie küsst mich schwindlig, die Grenze zwischen der puren Unschuld und der absoluten femme fatale sind fließend und ihr Wechselspiel versetzen mich in einen Zustand des Taumels. Es ist die pure Erlösung für uns beide, endlich dem Verlangen nacheinander nachzugeben, für ein paar Minuten alles hinter uns zu lassen.
Ich spüre Ellen in unseren Kuss hinein grinsen und frage mich, was sie vorhat.
„Heldt, ich hoffe, du stehst gut“ Sie gibt mir keine Chance zu antworten oder auch nur zu reagieren, bevor sie auf meine Hüfte springt und mich mit ihren Beinen umklammert.
Ihr Blick wird herausfordernder, ihre Lippen öffnen sich und ihr Atem hat sich beschleunigt. Die femme fatale ist auf dem Siegeszug.
„Ich stand noch nie besser“, murmle ich und lasse meine Hände unter ihrer Bluse über ihren Rücken gleiten, während ich sie durch ihr Büro zu ihrem Schreibtisch trage und mich mit ihr in den Bürostuhl sinken lasse.
Ellen entweicht ein leises Wimmern als ich ihre Bluse zur Seite schiebe und die freigelegte Haut ihres Schlüsselbeins küsse. Sie biegt sich mir entgegen und meine Fingerspitzen gleiten abwärts, ich spüre ihren Herzschlag, die sanfte Rundung ihrer Brust in meiner Hand, nur verdeckt von ihrer Seidenbluse und einem Nichts von BH. Wir sehen einander in die Augen und mein Verlangen spiegelt sich in ihrem Blick. Ihre Hände sind in meinen Haaren, auf meinen Wangen und sie beugt ihr Gesicht zu meinem herunter, quälend langsam, sieht mich aus halbgeschlossenen Augen an. Sie schätzt ab, lasse ich sie weiter das Tempo bestimmen? Oh ja, lasse ich. Es ist fast genauso faszinierend, sie einfach anzusehen, ihre Reaktionen auf mich, ihre zunehmende Erregung, wie sie tatsächlich zu küssen. Aber auch nur fast.

Ich weiß weder wann, noch wie, aber mich erreicht irgendwann ein kleines bisschen Vernunft.
„Ellen, das hier wird gefährlich“
„Für deine oder meine Jungfräulichkeit?“, fragt sie neckisch.
Oh Ellen. Ich will doch nur einmal alles richtig machen, nichts überstürzen, den Dingen ihren Lauf lassen...
Irgendwie scheint sie meine Gedanken gelesen zu haben, denn sie legt ihre Stirn an meine und lächelt. „Du musst mich nur wieder aus diesem Stuhl rausheben“, stellt sie nüchtern fest und wir müssen beide lachen.

Etwas ratlos stehen wir an ihrem Schreibtisch voreinander, können die Finger nicht gänzlich voneinander lassen und sehen uns schweigend an.
Wer sagt jetzt was zuerst?
Wir fangen beide gleichzeitig an zu reden und sie überlässt mir das Wort.
„Würdest du am Wochenende mit mir ausgehen?“, frage ich sie, nachdem ich tief durchgeatmet habe.
Oh Gott, ich fühle mich, als wäre ich 14 und würde ein Mädchen aus meiner Klasse zum ersten Mal nach einer Verabredung fragen.
„Unter Umständen“
Mein Herz rutscht mir in die Hose, doch Ellen lächelt mich an und greift nach meinen Händen. „Erstens, ich hole dich ab und nicht umgekehrt, zweitens wir gehen irgendwo hin, wo ein Koch das essen kocht und drittens, wir gehen Freitag“
„Ich denke, mit diesen Umständen kann ich mich arrangieren“
„Beruhigend“
„Solange es keine Salatbar ist“ Ich kann es nicht ganz lassen, sie ein wenig zu necken.
„Ich dachte eigentlich an eine Smoothiebar, geeignet für Frutarier“
„Genau mein Geschmack“
Ich ziehe Ellen noch einmal an mich heran, damit hat sie nicht gerechnet und gibt einen erschreckten Laut von sich.
„Herr Heldt“
„Dein Namensgedächtnis ist ja sensationell“, murmle ich, bevor ich sie küsse. Es ist einfach nur verrückt, hier in ihrem Büro zu stehen und über eine Verabredung zu sprechen.
Unser Kuss verselbstständigt sich rasant, Ellens Hände sind plötzlich unter meinem Pullover, und meine Selbstbeherrschung lässt zunehmend zu wünschen über. Sie bringt mich an den Rand der Raserei und den Dingen ihren Lauf zu lassen verliert langsam aber sicher gegenüber dem Besprechungstisch an Attraktivität.
„Nikolas“ Ihre Lippen verharren Zentimeter vor meinen und sie sieht mich in einer Weise an, die mir verrät, dass es um ihre Disziplin nicht besser steht.

„Seid ihr bald fertig oder soll ich in einer Stunde nochmal wiederkommen?“ Emilys Stimme reißt uns aus unserer Parallelwelt und Ellen sieht mich halb schuldbewusst, halb belustigt an.
„Nee, ist schon okay, Emily. Nikolas und ich mussten noch einen... Fall besprechen“
Ellen und ich lösen uns voneinander und ich weiß nicht, wie ich Emily ansehen soll. Was sie wohl davon hält? Vor ein paar Wochen war Ellen noch mit Stefan zusammen und Emily hatte das Idealbild einer intakten Familie.
„Besprichst du mit Herrn Korthals die Fälle auch so?“, fragt sie.
Ellen hustet und ich muss bei der Vorstellung grinsen.
„Mal ehrlich, Mama. Ich bin dreizehn, ich weiß, wie sowas läuft. Und außerdem seid ihr super durchschaubar!“
„Emily, was weißt du, wie was läuft?“ Ellen bemüht sich um Contenance und einen pädagogischen Tonfall.
„Na mit den Jungs, Mama. Du bist auch echt sowas von 2016“
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