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So Bad, It´s Fun

Aufzählung/ListeHumor / P12 / Gen
02.03.2017
25.03.2017
5
3.023
3
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
02.03.2017 590
 
Oh, Robin Hood. Das Leben und Wirken des sagenhaften Outlaws, sofern es ihn wirklich gab, wurde in unserem modernen Zeitalter der Stoff zahlreicher Film- und Serienadaptionen, von denen meist eine kitschiger als die andere ist. Was sicher auch ein wenig dem grundlegenden Stoff geschuldet ist.
Doch im Jahr 1991 bescherte Hollywood uns eine wahrhaft bemerkenswerte High-Budget-Adaption:
„Robin Hood: Prince of Thieves“, zu Deutsch „Robin Hood: König der Diebe“.

Wo andere Filme sich zumindest daran versuchen, den Robin-Hood-Stoff realistisch und historisch glaubhaft darzustellen, macht „König der Diebe“  sich gar nicht erst solche vergebliche Liebesmüh. Stattdessen serviert man dem Zuschauer einen köstlichen Auflauf aus Mittelalter-Klischees, Action-Kitsch und augenzwinkernder Selbstironie, der mit einer zentimeterdicken Schicht  Käse überbacken ist.
Kein Schurken-Moment ist zu überzeichnet, kein Helden-Stunt zu lachhaft, keine Rede zu pathetisch, kein Romanze-Klischee zu schmerzhaft; als dass es nicht Verwendung finden könnte.
Da ist Friar Tuck ein dicker Trunkenbold, der Robin im Kampf um seine Bierfässer verprügelt.
Da brüllt der Sheriff von Nottingham, dass er zur Strafe für das Volk Weihnachten abschaffen will.
Da schießen Robin und Azeem sich selbst mit einem Katapult über die Burgmauer und laden weich auf der anderen Seite, dank eines vorher völlig ungesehen Heuhaufens.
Da rennen im mittelalterlichen England noch Kelten im Klischee-Barbaren-Kostüme herum.
Der Film ist gespickt mit derart vielen Szenen dieser Art, dass ich schwören möchte dass hier tatsächlich eine Parodie auf Hollywoods klassische Abenteuer-„Historien“-Filme beabsichtigt war. Angeblich soll sich das Kreativ-Team des Films stark der TV-Serie "Robin of Sherwood" orientiert haben....
Langweilig wird es jedenfalls keine Sekunde lang, auf die oder andere Art.

Der Cast tut das seine, um den Schwulst des Drehbuchs höchst unterhaltsam umzusetzen.
Kevin Coster als dauercooler  Robin Hood, der stets glatt rasiert und mit untadeliger Föhnfrisur das harte Leben in den Wäldern anführt und irgendwie tatsächlich eine gute Balance zwischen Ernst und Selbstironie findet.
Morgan Freeman, der wohl nicht mal dann nicht charismatisch  spielen könnte wenn er es versuchte, hier als Maure Asim, welcher  nicht nur das Schwarzpulver, das Brunnenschöpfwerk, das Fernglas und den Kaiserschnitt ins mittelalterliche England bringt, sondern die einzig vernünftig-gebildet Figur zu sein scheint, in einem Setting wo jeder anscheinend zumindest einen leichten Schatten hat.
Aber die Hauptattraktion  ist und bleibt einfach Alan Rickman als Sheriff von Nottingham. Wer Rickman nur aus seiner großen Rolle als beherrschter und trockener Severus Snape kennt, der wird staunen wie er in dieser Rolle als lautstarker, grimassierender und geradezu  cartoonhafter Schurke auftritt.  Dieser Sheriff beutet nicht nur sein Volk aus, sondern er will auch King Richard den Thron rauben UND ist ein Satanist. Dieser Sheriff arbeitet methodisch die gesamte Liste fieser Filmschurkereien ab, einschließlich Blenden eines alten Mannes,  versuchter öffentlicher Hinrichtung von Kindern und versuchter Vergewaltigung. Stets begleitet von sarkastischen Sprüchen und überdrehtem Enthusiasmus, der jede dieser schrecklichen Taten und Befehle für den Zuschauer in Dark Comedy verwandelt. Wer sich einen Fan von Alan Rickman nennt, muss diese Performance einfach gesehen haben.

Zusammenfassend: Ein hübsches Hollywood-Mittelalter-Stück  mit netter Action, klasse Kulissen und Null historischen Bezügen; wo selbst die dramatischsten  Szenen zum Lachen reizen und es scheint dass der Cast beim Dreh einen Mordsgaudi gehabt hat. Was immer man auch von einer „Robin Hood“-Adaption erwartet, dies ist mit Abstand die witzigste. Und der Titelsong zum Film “(Everything I Do) I Do It for You”  von Bryan Adams ist auch nett anzuhören. Wer den Kitsch der frühen 90er in ganzer Pracht genießen möchte, der ist mit „König der Diebe“ genau richtig.
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