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Alte Steine

von tasto777
OneshotHumor / P12 / Gen
Rincewind Tod Truhe
02.03.2017
02.03.2017
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dieser text entstand als eigenleistung einer belegarbeit in der 10en klasse. mein ziel war es, Pratchetts stil nahe zu kommen. inwieweit ich das erreicht habe, müsst ihr wohl selbst beurteilen. meiner lehrerin hatte es gefallen, doch sie kennt seine bücher auch nicht.

Disclaimer:  Die Figuren Tod, Rincewind und Truhe sowie sämtliche magischen Gesetze oder ähnliches stammen nicht von mir. Ich habe mir lediglich die Handlung, den Geist, Mila und Smilla ausgedacht.


Alte Steine

Man stelle sich eine dunkelrote Gestalt vor. Sie bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit vorwärts, geradewegs auf eine Schlucht zu. Plötzlich ändert sie ihre Richtung um kurz darauf abrupt gebremst zu werden. Der Grund dafür ist eine große Holztruhe. Diese sieht die Gestalt, trotz unbestreitbar hölzerner Mimik, ein wenig skeptisch an. Der Zauberer, der übrigens Rincewind heißt, rappelt sich auf und beginnt mit Truhe eine kurze, und wie er weiß, zwecklose Diskussion, bei der es vor allem um „Warum?“ geht und die schließlich darin endet, dass Truhe Rincewind schnellen¹ Schrittes in Richtung der Zwillingsstadt Ankh-Morpork rettet.

Rincewinds Gedanken drehen sich hauptsächlich um zwei Dinge, während er auf dem Gepäckstück sitzend seiner Heimat immer näher kommt. Der erste Gedanke ist: Warum trifft es immer mich?! Eine Antwort darauf ist schwierig; Rincewind versucht schon seit vielen Jahren sie zu finden. Sein zweiter Gedanke ist da schon eindeutiger: Ich brauche Urlaub. Die Frage ist nur, wo?- Doch das hat sich auch recht schnell geklärt, als Rincewind ein wenig darüber nachdenkt und ihm einfällt, dass die Spitzhornberge sehr ruhig und dünn besiedelt sind. Dort kann also nicht viel passieren. Damit ist die Sache geplant. Da der unfähigste Zauberer der Scheibenwelt kaum Besitztümer hat - er ist sowieso ständig auf der Flucht vor irgendetwas - weist er Truhe sofort an, ihn direkt dort abzusetzen.

Wir sehen nun die Panoramaaufnahme eines alten Schlosses. Im Hintergrund sind vom Nebel umschlungene Berge. Blitze zucken am Firmament entlang und fügen dadurch dem Bild eine angemessene Portion Dramatik hinzu. Jetzt tauchen wir tiefer in die Szene ein und sehen die Familie von Blutdurst diskutieren. Es geht, wie so oft bei Diskussionen, um die Frage, wer Schuld hat.
Um die ganze Situation besser verstehen zu können, müssen wir erst einmal etwas mehr über die Familie erfahren. Sie besteht aus Mion und Smilla von Blutdurst und einigen Kindern, die für unsere Geschichte jedoch keine Rolle spielen. Mion von Blutdurst stammt aus einem uralten und hochangesehenem Adelsgeschlecht aus Überwald. Er verliebte sich und, weil seine Eltern die Beziehung nicht gut hießen, gab er sein altes Leben auf, um mit Smilla zusammenzuleben. Sie kauften sich ein altes Schloss in den Spitzhornbergen, welche nicht allzu weit von Mions Heimat entfernt sind, um dort ein neues Vampirgeschlecht zu gründen. Die Immobilie musste jedoch dringend renoviert werden - auch alte Schlösser können baufällig sein - sodass die Familie verarmte und nun ihr Schloss als Pension untervermieten muss.

Dann läutet es so langsam und schaurig durch das Gemäuer, als hätte man den Glockengießer damit beauftragt, die am schaurigsten klingende Glocke, die man sich vorstellen kann, zu gießen. Die von Blutdursts können sich nicht einmal einen Igor leisten, weswegen Smilla selbst an die Tür gehen muss. Dort steht eine große, mit Messingbeschlägen verzierte Holztruhe und starrt sie grimmig an. Außerdem sieht Smilla einen schmächtigen, bärtigen Mann mit einem (noch teilweise) pailletenbesetzten, dunkelroten Umhang und einem spitzen Hut, der nach einem Zimmer fragt. Da Tourismus in den Spitzhornbergen kaum eine Rolle spielt, geschieht es eher selten, dass sich jemand in das Schloss verirrt. Deswegen ist die Familie froh, einen Gast zu haben.

Rincewind wird von einer freundlichen jungen Frau in ein großes, kerkerähnliches Zimmer gebracht. Er macht sich keine Sorgen darüber, weil ihm eine Vielzahl von Zimmern vorgestellt wurden und er freie Wahl hatte. Dieses hier schien ihm am angemessensten. Vor dem Fenster befindet sich ein großer Baum, der jegliche Sicht verhindert und auch sonst liegt es sehr abgelegen. Ein normaler Urlauber würde es hier als langweilig beschreiben, doch Rincewind sucht eben genau das: die Langeweile. „Das Bad ist die zweite Tür links. Frühstück gibt es wann immer du dich in den Speisesaal begibst. Der befindet sich im Keller. Wenn du sonst Fragen hast, findest du uns im Erdgeschoss- oder du schneidest dich einfach in den Finger.“, erklärt seine Gastgeberin kurz. Daraufhin lässt sie Rincewind allein. Dieser nutzt sogleich die Chance und legt sich auf sein Bett. Dort bleibt er den restlichen Tag über liegen und zählt die Steine, aus denen die Decke über ihm besteht.

Es ist genau so, wie er es sich erhofft hat. Es ist so wenig passiert, dass man in den Bereich der negativen Zahlen geriete, würde man die Ereignisse zählen. Nachdem auch das letzte Licht, was beim besten Willen nicht viel war, aus allen Ecken verschwunden ist, versucht Rincewind zu schlafen. Truhe steht vor dem kleinen Fenster und würde wie ein vollkommen gewöhnliches Gepäckstück wirken, wenn sie nicht schnarchen würde. Als der Zauberer schließlich in die Hemisphären seiner Gedanken und Traumwelt eingetaucht ist, wird er schon wieder heraus gerissen. Es befindet sich etwas im Zimmer. Die ewige Flucht hat ihn aufmerksam gemacht für solche Dinge. Er versucht mit aller Kraft gegen den Drang anzukämpfen seine Augen geschlossen zu halten. Als er es schließlich geschafft hat, sieht er einen kleinen, blass oktarin leuchtenden Junge direkt vor sich stehen. Man kann einen kurzen Schrei vernehmen, wie er von erschrockenen Menschen zu erwarten wäre, gefolgt von einem entnervten Aufstöhnen und einem „Warum?!“. Danach sehen wir einen Zauberer in Richtung Erdgeschoss, stürmen, um seine Gastgeber zu suchen. Schließlich findet er Smilla und beginnt sofort auf sie einzureden: „Da ist ein Geist in meinem Zimmer. Ich möchte, dass er auf der Stelle entfernt wird. Warum stand das nicht in ihrer Zimmerbeschreibung? Ich möchte doch nur endlich meine Ruhe haben. Einmal in meinem Leben soll nichts passieren. Bitte.“
„Ich kann dir da leider nicht helfen. Der Geist hat hier schon gelebt, bevor wir hier her zogen. Du solltest ihn entweder ignorieren oder vielleicht mal mit Tod sprechen, wenn du den Jungen loswerden willst. Wir können da leider nichts machen. Tod kommt nie her. Es gibt zu wenig Tote oder Sterbende hier.“, damit hat sich für Smilla die Sache erledigt und sie wendet sich ab.

Rincewind versucht erst damit klarzukommen, dass sich ein kleiner Geisterjunge mit ihm das Zimmer teilt, doch er schafft es nicht. Doch er kann und will den Geist nicht einfach hier lassen und einen anderen Ort für seinen Urlaub suchen. Auch wenn sein Überlebensinstinkt und sämtliche Nervenzellen schreien, er solle es nicht tun, bleibt ihm nur die Möglichkeit mit Tod zu reden. Doch wie findet man ihn? Richtig, man muss ihn anlocken. Das wiederum geht nur, indem man stirbt oder kurz davor ist. Also muss der schlechteste Zauberer der Scheibenwelt nur versuchen das Zeitliche zu segnen, ohne es wirklich zu machen. Er hat dies zwar schon viel öfter getan, als ihm eigentlich lieb ist, doch jetzt, wo er es beabsichtigt scheint das Ganze deutlich schwieriger. Rincewind versucht alles, was ihm einfällt. Er geht in eisigem Wasser baden, bis seine Zehen und Finger ganz blau und kalt sind, versucht sich zu ersticken und springt sogar von einer Klippe (mit einem Strick um den Bauch, den er an einem Baum befestigt hat), doch nichts funktioniert.

Irgendwo in einer Dimension zwischen der Scheibenwelt und einer völlig magiefreien Rundwelt im Multiversum blickt Tod auf.
WAS MACHT RINCEWIND DENN DA? DAS SIEHT SEHR INTERESSANT AUS. DOCH ICH HABE LEIDER GRADE KEINE ZEIT. VIELLEICHT KANN ICH IHN JA SPÄTER BESUCHEN.

Der Zauberer versucht nun das letzte, was ihm einfällt: er will sich erhängen. Eigentlich wollte er das nicht machen, da ihm das Risiko, wirklich zu sterben, zu hoch war, doch alles andere hatte er schon probiert. Er knotet sich eine Schlinge und platziert sie in seinem Zimmer. Der Junge sitzt auf seinem Bett und beobachtet das Ganze interessiert. Auch Truhe scheint nicht ganz so grimmig zu sein, wie sonst.

VIELLEICHT SOLLTE ICH DOCH MAL NACH RINCEWIND SEHEN. ER GIBT SICH SO EINE MÜHE-

HALLO!
Gerade als Rincewind seinen Plan umsetzten will erscheint Tod.

LASS DICH NICHT VON MIR STÖREN. ICH HABE MIR EXTRA EIN WENIG ZEIT GENOMMEN.
“Oh. Nein! Nein!“
DOCH, DOCH.
„Ich habe nicht vor zu sterben. Ich muss mit dir reden!“, meint Rincewind schnell.

OH. ICH WURDE NOCH NIE ZU EINEM EINFACHEN GESRPRÄCH EINGELADEN. WIE SCHÖN.

„Eh, ja. Jedenfalls ist hier ein Geist und der soll verschwinden. Ich möchte nur in Ruhe ein bisschen Urlaub machen.“

ES TUT MIR LEID, DICH ENTTÄUSCHEN ZU MÜSSEN, ABER GEISTER SIND UNTOT. ICH BIN NICHT MEHR FÜR SIE ZUSTÄNDIG. ICH KÜMMERE MICH NUR UM DIE LEBENDEN. DU KANNST IHM JEDOCH BUCKELKRUMMS „DEs PRICKELNS LÖSUNG“ VORLESEN, WÄHREND DER ALTE TOM² LÄUTET. FALLS DU MIR JETZT NOCH EINEN GEFALLEN TUN KÖNNTEST UND VON DIESEM HOCKER SPRINGEN-?

„Eh… nein. Ich hatte es jedenfalls nicht vor. Aber um zurück zum Thema zu kommen. Ich kann den Geist also nur dadurch vertreiben? Da muss ich ja zur Unsichtbaren Universität.“

DEM IST WOHL SO. DANN MUSS ICH JETZT TROTZDEM WEITER.
WIR TREFFEN UNS BESTIMMT WIEDER.

„Leider“, murmelt Rincewind, während Tod verschwindet. Schon wieder eine Aufgabe zu erledigen. Damit kann er seinen Urlaub vergessen. Also verabschiedet er sich von den von Blutdursts, packt einen Stein des Schlosses³ ein und begibt sich mit Truhe und dem Geist nach Ankh-Morpork.

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¹ und vor allem vielen Schrittes, wenn man die unzähligen kleinen Füße bedenkt, die Truhe besitzt.
² Die Glocke der Unsichtbaren Universität, die mit ohrenbetäubender Stille jede Stunde alle Geräusche verstummen lässt.
³ Das ist notwendig, damit der Junge das Schloss verlassen kann, da Geister an ihr Gebäude gebunden sind.


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