Hexenjäger

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 Slash
Eduard Gretel Hänsel OC (Own Character)
28.02.2017
06.12.2017
9
19609
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Müde streckte ich mich auf meinem Bett, blinzelte und linste aus dem Fenster zu meiner Rechten. Es war hell geworden, die Sonne erhellte die dreckigen Straßen des kleinen Dörfchens. Energisches Gezwitscher brachte mich zum Lächeln, ich schlug die kratzige Decke zurück und schwang die Beine über das grobe Holz meines Bettes. Es war eigentlich kein richtiges Bett. Mein Vater hatte es mir vor unzähligen Jahren aus unbehandeltem Holz zusammengezimmert und einen Jutesack, welcher mit Heu gefüllt worden war, als Matratze drapiert. Ein kleinere Jutesack, ebenfalls mit Heu gefüllt, diente mir als Kopfkissen. Als Decke nutze ich ein weißes Lacken, welches in der aktuellen Jahreszeit völlig ausreichte. Es war warm, auch jetzt schon. Natürlich gab es bereits richtige Matratzen und Kissen, doch ich hegte keinerlei Interesse daran. Unsanft strich ich mir mein langes, blondes, leicht gelocktes Haar aus dem Gesicht, klemmte es hinter die Ohren und erhob mich, um das kleine, ovale Fenster meines Zimmers zu öffnen und den Morgen zu begrüßen. Prompt wurde ich begrüßt – der kleine, unsagbar laute Vogel, welcher jeden Morgen vor meinem Fenster zwitscherte, sobald die Sonne aufging, sprang fröhlich auf und ab, wackelte mit seinen Flügeln und sprang auf mich zu.
Seit Monaten schon kam er zu mir, ließ sich füttern und manchmal durfte ich ihn sogar streicheln. Ich wusste nicht, weshalb er zu mir kam, doch genoss ich es, diesem kleinen Wesen etwas Gutes tun zu können und ich mochte die Routine. Eilig holte ich aus einem kleinen Versteck unter dem Fensterbrett einige Körner eines Maiskolbens hervor, welche ich am Abend zuvor aus der Küche hatte verschwinden lassen und reichte dem Vogel meine Flache Hand. Er zwitscherte dankbar und pickte auf meiner Hand herum, bis alle Körner verschwunden waren. Ich streckte nun meinen Zeigefinger aus, streichelte dem Tier über den Kopf und blickte ihm verträumt hinterher, als er seine Flügel ausbreitete und davon flog. Einige Minuten lang genoss ich die Ruhe und die frische Luft, wurde jedoch kurz darauf unsanft aus meinen Gedanken gerissen, als es laut an meine Zimmertür hämmerte.
„Junipa, steh auf!“, dröhnte die Stimme meines Vaters durch das dicke Holz der Tür. Heute würde ein schrecklicher Tag werden, das konnte ich spüren. Mein Magen zog sich zusammen und schnell antwortete ich auf die Forderung.
„Ja, Vater. Ich kleide mich ein.“
Schnellen Schrittes zog er von dannen. Ich wusste, dass es ihm unangenehm war, zu wissen, dass sein kleines Mädchen unlängst eine Frau geworden war. Er hatte sich immer einen Burschen gewünscht, das hatte er mich jeden Tag meiner Kindheit spüren lassen. Ich hatte den Umgang mit Waffen gelernt, hatte gelernt, im Wald zu überleben und hatte gelernt, wie ich mich verteidigen konnte. Auch das Reiten wurde mir näher gebracht, in welchem ich wohl ein Naturtalent gewesen war, denn dies zeigte mir mein Vater lediglich ein einziges Mal. Leise seufzend widmete ich mich meinem Kleid zu, welches mir meine Mutter am gestrigen Abend über die Bank gelegt hatte, welche ihren Platz am Fußende meines Bettes fand. Der Stoff war aus weichem Leinen. Ein weißes Unterkleid, welches locker an meinem knochigen Körper herunter hing,  zog ich als erstes an. Die langen Ärmel umspielten meine Handgelenke. Das Oberkleid hatte kurze, geraffte Ärmel und eine tiefrote Farbe. Weinrot, würde ich es fast schon nennen. Meine Mutter nähte jedes unserer Kleider mit ihren eigenen Händen. Lächeln zog ich es an, rückte alles zurecht und betrachtete mich im Spiegel. Der weiße Stoff des Unterkleids passte hervorragend zu dem roten Oberkleid und schmeichelte meine Taille ungemein. Der weiße Stoff schaute an meinem Busen unter dem roten Stoff hervor und wirkte wie Spitze. Das Oberkleid säumte sich direkt unter meinem Busen, sodass dieser noch ein wenig mehr zu Geltung kam. Ich hatte einen größeren Busen, als die anderen Frauen hier, weshalb ich gern schräg angeschaut wurde. Auch Getuschelt wurde über mich, doch ich konnte es mittlerweile ignorieren. Ich war die Tochter des Bürgermeisters, weshalb niemand sich traute, seine Gedanken laut auszusprechen und mich öffentlich zu beleidigen. Schnell legte ich mein Haar zurück, bürstete es und band es teilweise zusammen, nur um anschließend mein Zimmer zu verlassen und die hölzernen Stufen nach unten zu schreiten. Durch die kleinen Fenster drang nur wenig Licht in das große Wohnzimmer, welches kalte, steinerne Wände besaß. Holzbalken waren an allen Ecken zu sehen. Alles in allem wirkte das große Haus kleiner als es war. Meine Mutter begrüßte mich mit einem Lächeln und bot mir Frühstück an, welches ich jedoch ablehnte. Ich hatte kaum Hunger in den letzten Wochen. Anfangs wollte sie mich noch zwingen, doch mittlerweile wusste sie, dass es keinen Zweck hatte.  In diesem Moment platze mein Vater mit einem lauten Knall der Tür ins Haus und donnerte:
„Los, Junipa! Wir müssen los. Auf dem Markplatz ist etwas geschehen.“
Schnell raffte ich meine Kleider, küsste meine Mutter auf die Wange und rannte meinem Vater hinterher. Wir gingen zu Fuß zum Marktplatz, denn dieser war nicht weit von unserem Haus entfernt, höchstens 10 Meter. Schon jetzt erkannte ich, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste. Die Menge, welche sich bereits jetzt, zu solch früher Stunde, versammelt hatte, redete wirr durcheinander, wurde immer lauter und fordernder. Nur mit größter Mühe konnten wir uns einen Weg durch die aufgebrachten Menschen bahnen und nur mit seiner lautesten Stimme konnte mein Vater sie alle zum Schweigen bringen.
„Ruhe!“, brüllte er aus tiefster Kehle und machte eine Handbewegung in Richtung eines alten, verbitterten Mannes, welcher anklagend auf eine zierliche alte Dame deutete.
„Wie kannst du es wagen, Englemann?! Ich klage hier gerade eine Hexe an!“
„Ruhe!,“ brüllte mein Vater abermals, als sich erneut die Stimmen aus der Menge erhoben hatten, „Was ist hier los?!“
Amtsrichter Berringer lächelte kurz und fuhr fort:
„Heute Morgen wurde dieses Weib in meine Stube gebracht und wurde beschuldigt, Hexenwerk auszuüben! Es sind so viele Kinder verschwunden, jetzt hat das endlich ein Ende. Wir haben die Schuldige gefunden. Jetzt müssen wir Rache üben und sie hinrichten!“
Der Amtsrichter bedeutete seinen Gehilfen, die alte Dame erneut unter Wasser zu drücken, doch ich schritt ein. Ich schnellte nach vorn, hielt eine Hand vor die Frau und blickte die Männer finster an. Adrenalin schoss durch meinen Körper und ich wusste, ich könnte dafür ebenfalls der Hexerei angeklagt werden. Die Menschen waren leichtgläubig und würden, sofern man es ihnen richtig anpries, alles glauben, was man ihnen erzählte. Der Amtsrichter beherrschte dies besonders gut. In den letzten Monaten, seit das erste Kind verschwunden war, wurden unzählige Frauen ermordet, weil sie als Hexen bezeichnet worden waren.
„Stopp!“, murmelte ich energisch, so leise, dass es gerade noch die Männer hören konnten. Entsetzt blickten sie ihrem Boss, dem Amtsrichter entgegen, welcher sich empört an meinen Vater richtete.
„Was soll das? Siehst du, was dein Biest von Tochter da tut? Sie behindert die Justiz!“
„Welche Justiz?!“, sagte ich nun lauter, „ Die Justiz, die 16 unschuldige Menschen ermordet hat, 16 unschuldige Frauen?! Die Justiz, die aufgrund von Gerüchten handelt und keinerlei Beweise fordert?“
„Ja genau diese Justiz, Weib! Was kann den aussagekräftiger sein, als ein Augenzeuge?!“
Amtsrichter Berringer starrte mich an und plötzlich jagte es mir einen Schauer über den Rücken. Da war etwas in seinen Augen, was mich zurückschrecken ließ. Es war, als funkelte mir dort Verlangen und Gier entgegen. Gier wonach? Was besaß ich, was er begehren könnte? Nach meinem kurzen Zögern ließ ich von seinen Gehilfen und der Angeklagten ab und stellte mich dem zerzausten, grauhaarigen Mann entgegen.
„Rühre diese Frau noch einmal an und…“
„Und was?“ Die kalten, grauen Augen des alten Richters glitzerten böse und sein Gesicht strahlte vor Erwartung. Ich hasste diesen Mann. Er war grausam und kalt und herzlos. Er hatte so viele Menschen auf dem Gewissen, dass es mir fast hochkam, sobald ich ihn sah. Sein Schnauzbart wackelte leicht, als er seine Mundwinkel zu einem Lächeln verzog.
„Niemand wird hier irgendetwas tun!“
Mein Vater stellte sich zwischen uns und blickte abwechselnd von mir zu seinem Richter. Sein Blick sagte eindeutig, wir sollten beide endlich den Mund halten und zuhören und das taten wir. Er wandte sich an sein Volk, hob die Arme und deutete auf die arme Frau, mit den triefend nassen Haaren und den nassen Kleidern, welche immer noch gewaltsam an den Armen gehalten wurde.
„Diese Frau ist unschuldig“, ungläubiges Raunen ging durch die Menge auf dem Markplatz, „ solange, bis es Beweise gibt. Ich weiß, was in unserem Dorf geschieht und glaubt mir, es geht nicht spurlos an mir vorbei. Meine Tochter hat ihre beste Freundin verloren. Wir haben eine kleine Tochter verloren. Viele von euch haben Kinder, Enkelkinder oder Geschwister verloren. Ich weiß das. Aber es bringt nichts, wahllos Frauen zu ermorden. Wir brauchen Beweise, wir brauchen Erfahrung. Deshalb habe ich zwei erfahrene Hexenjäger zu uns gerufen.“
Wie aufs Stichwort machte die Menge für zwei fremde Gestalten Platz. Die Köpfe der Menschen drehten sich in die gleiche Richtung, beobachteten die Fremden und murmelten Unverständliches daher. Ich nahm die Fremden ebenfalls unter die Lupe. Eine Frau und ein Mann, beide komplett in Schwarz gekleidet.  Die Frau trug ihr langes braunes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ihr Blick war hart und auf ihrer Schulter ruhte eine Armbrust. Sie trug eine schwarze lederne Jacke, welche vorn mithilfe zweier Riemen zusammen gehalten wurde. Ihr Dekolletee war zu sehen. Sie trug enge, lederne Hosen und, wie sollte es anders sein, schwarze Stiefel, denen man ansah, dass sie seit langer Zeit getragen worden waren. An ihrer Hüfte hing ein brauner Gürtel, welcher zahlreiche Waffen und Munition trug. Ihre blauen Augen blickten stur auf meinen Vater und sie sah aus, aus würde sie keinerlei Widerspruch dulden.  Mein Blick glitt hinüber zu dem Mann. Er trug ebenfalls eine Waffe auf der Schulter, doch dies war keine Armbrust, sondern eine dicke, eiserne Kanone mit zahlreichen Verzierungen. Auch er war hauptsächlich in Leder gekleidet. Ein schwarzer, langer Ledermantel mit stehendem Kragen kleidete ihn, darunter war eine schwarze Stoffhose, vermutlich aus gefärbten Leinen, sowie dunkelbraune Stiefel zu sehen. Braunes Leder und darunter ein weißes Leinenhemd kleideten seinen Oberkörper. Seine Hände waren von schwarzen Lederhandschuhen mit fehlenden Fingerspitzen umhüllt. Sein Zeigefinger ruhte am Abzug seiner Waffe. Ein klobiges, goldenes Armband zierte sein Handgelenk und ich wusste nicht recht, was das sein sollte.  Braunes Haar stand ihm leicht zu Berge, war an den Seiten jedoch fein säuberlich glatt gekämmt. Er runzelte die Stirn. Ich erkannte einen Drei-Tage-Bart und strahlend blaue Augen in seinem grimmigen Gesicht.
Die Fremden waren inzwischen auf das Podest vor dem Amtsgericht auf dem Markplatz gestiegen und hatten sich der angeklagten angenommen. Die fremde Frau begann zu sprechen, während der Mann die Angeklagte ausführlich untersuchte. Er zog an ihrem nassen Haar, schob die Lippen beiseite, um ihre Zähne sehen zu können, hob grob ihren Kopf und senkte ihn wieder und betrachtete jeden Zentimeter ihrer Haut ganz genau. Ich vernahm die Worte der Fremden nur leise im Hintergrund und bildete mir ein, sie und mein Vater hätten dieselbe Rede einstudiert.
Jetzt sagte auch der fremde Mann etwas.
„Sie ist unschuldig. Sie ist keine Hexe. Jeder Blinde würde das erkennen. Sie weist keinerlei Anzeichen auf.“ Wie beiläufig fragte er die Angeklagte nach ihrem Namen, erhielt jedoch keine Antwort und redete weiter. „Hexen weisen Zeichen von Fäulnis auf. Ihre Haut verfärbt sich und sie stinken bestialisch. Ihre Zähne werden gelb oder schwarz und fallen aus. Ihre Haare fallen aus. Das hier ist eine normale ältere Frau. Lasst sie gehen.“
Er ließ von ihr ab und bedeutete den Gehilfen des Amtsrichters, sie gehen zu lassen. Sie ergriff sofort die Flucht und war schneller weg, als ich sehen konnte. Stimmen wurden laut, doch wurden sie sofort von meinem Vater erstickt.
„Das sind Hänsel und Gretel. Sie sind seit über 15 Jahren Hexenjäger und sehr erfolgreich. Sie haben uns versprochen, unser Problem zu lösen. Sie fangen morgen damit an.“
Damit drehte er sich um, verließ das Podest und ging von dannen.
Wütendes Schnauben drang aus der Nase des Amtsrichters und er wandte sich an mich.
„Irgendwann…“
Meine Gesichtszüge verhärteten sich, ich raffte meine Kleider und blickte ihn an. Leise zog ich all meine Spucke zusammen und spuckte ihm ins Gesicht. Ich traf direkt an die Stirn. Die Spucke klebte dort, tropfte hinunter auf seinen schwarzen Mantel und er wischte sich angeekelt über die Stirn.
„Du Biest. Das zahle ich dir heim. Was bildest du dir ein, dreckige Schlampe? Ich werde dich grillen und dabei lachend zusehen!“
Ich hörte sein Gezeter noch einige Meilen weiter und lächelte nur, jedoch verstand ich nicht, weshalb er immer noch sein Amt ausüben durfte, nach allem was geschehen war. Die Ereignisse zerrten an mir und meinen Nerven, ich aß nur noch wenig und fühlte mich schlapp und ausgebrannt. Erschöpft wollte ich zurück auf mein Zimmer und mich auf mein geliebtes Bett aus Heu niederlegen, doch eine Hand auf meiner Schulter hielt mich auf. Erschrocken fuhr ich herum, wich zurück und blickte in die blauen Augen der Fremden – Gretel.
„Du bist die Tochter des Bürgermeisters? Man hat versäumt, uns einen Schlafplatz zu erteilen.“
„Natürlich. Verzeiht. Ich bringe Euch in unser Gasthaus. Die Betten sind wunderbar bequem und es gibt Trank und Speis bis zum Umfallen.“
Gretel nickte, nahm ihre Hand zurück und folgte mir zu dem örtlichen Gasthaus. Es hatte einen merkwürdigen, fast schon lustigen Namen  - „Zum betrunkenen Baum“. Seine Bauart unterschied sich nicht sonderlich von all den anderen Gebäuden der Stadt und wirkte auch nicht viel einladender. Schon einige Meter vor dem Eingang konnte man den Lärm der Trunkenbolde und das Gekicher der Huren hören. Ich blickte kurz über meine Schulter, um zu überprüfen, ob auch Gretels Bruder anwesend war. Das war er, doch er beachtete uns wenig. Er blickte interessiert an uns vorbei, schien mehr Interesse für die Huren und den Alkohol zu hegen, als für ein warmes und bequemes Bett.
Ich öffnete also die hölzerne Tür, trat über eine kleine Schwelle, duckte mich ein wenig, ging hinein und hielt inne um die beiden Fremden zu warnen, doch da war es schon geschehen. Hänsel stieß sich die Stirn am Eingang und fluchte leise vor sich hin.
„Achtung, könnte knapp werden.“, sagte ich mit einem Schmunzeln und konnte Gretel ein belustigtes Schnauben entlocken. Sie schlängelte sich an mir vorbei, ging zum Tresen und legte ihre Waffe ab, ließ sie jedoch nicht aus den Augen. Hänsel gesellte sich zu ihr und tat es ihr gleich. Immer noch rief er sich die rote Stirn und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Das rötliche Licht erweckte den Eindruck eines Freudenhauses.  Begeistertes Raunen ging durch den Raum, als die betrunkenen Männer meine Wenigkeit erblickten. Viele von ihnen wollten mir an die Kleider. Ich würdigte sie keines Blickes, entfernte mich etwas von den Fremden und redete mit der Frau hinter dem Tresen über eine Unterkunft. Schnell war etwas Passendes gefunden und ich zahlte sofort für einige Nächte im Voraus. Zufrieden ging ich zurück zu Hänsel und Gretel, fand jedoch nur Gretel an ihrem Platz.
„Er betrinkt sich und versucht, Frauen aufzureißen.“, beantwortete sie meine stumme Frage. Nickend erzählte ich ihr von ihrer Unterkunft.
„Es ist ein mittleres Zimmer mit zwei Betten. Bequeme Matratzen, Kissen und Decke. Alles was man benötigt. Ein Tisch gibt es auch, mitsamt Stühlen. Ich denke das sollte genügen.“
„Ja, vielen Dank. Ich werde den Rest selbst machen.“
Ich verstand den Wink und verabschiedete mich. Schnell ließ ich meinen Blick durch den Gastraum gleiten, vorbei an all den betrunkenen und lachenden Männern, vorbei an den halbnackten Huren, auf der Suche nach Hänsel. Ich entdeckte ihn an einem Tisch in der hintersten Ecke des Raumes. Er sprach mit einer Frau, doch diese schien nicht besonders großes Interesse an dem zu besitzen, was Hänsel erzählte. Sie wandte sich ab, erhob sich und ging. Frustriert knallte Hänsel seinen leeren Krug auf Tisch, erhob sich ebenfalls und murmelte:
„Was ist nur mit den Weibern los…“
Mit gesenktem Kopf ging er an mir vorbei, leicht schwankend und gekränkt. Wir stießen an den Schultern zusammen und erst als sein Bierkrug zu Boden fiel, blickte er auf. Schnell bückte ich mich, hob den Krug auf und hielt ihn dem Mann vor mir hin.
„Ihr solltet das nächste Mal besser aufpassen. Und ein kleiner Tipp: Keine Frau möchte ausgeschmückte Abenteuer, besser gesagt, Lügengeschichten hören.“ Ich zwinkerte ihm zu und wandte mich zum Gehen. Hänsel kam gar nicht dazu, irgendetwas zu erwidern, so schnell war ich weg. Ich hinterließ einen mäßig verwirrten und angetrunkenen Mann, welcher nicht so recht wusste, was er denken sollte.
Review schreiben