Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

hold me tight in your arms

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / FemSlash
Jo Portman Ros Myers
28.02.2017
28.02.2017
1
1.387
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
28.02.2017 1.387
 
Ficathon: crushcrushcrush
Prompt: Du hältst mich, ich halte Dich -
Wir halten uns auf Distanz.

Pairing: Ros Myers x Jo Portman
Wordcount: 1343


+

hold me tight in your arms



Schweigend beobachtet Ros Jo, die zitternd in einer Ecke hockt, die Arme eng um die angezogenen Knie geschlungen hat und schweigend in die Dunkelheit starrt. Ros hat das Gefühl ab und an ein leises Wimmern aus ihrem Mund zu hören, doch sie ist sich nicht sicher, vielleicht bildet sie sich das auch nur ein, weil sie ihre eigene Angst auf Jo projiziert.
Kurz denkt sie darüber nach zu ihr zu gehen, um sie zu beruhigen, um ihr wieder ein bisschen Mut zu machen. Doch was soll sie schon sagen? In Wirklichkeit hat sie ja selbst keine Hoffnung mehr, dass sie hier doch noch rauskommen werden.  

-

Sie hat keine Ahnung, wie lange sie schon hier in diesem verfallenen Lagergebäude hocken. Sie kann nicht einmal sagen, ob es Stunden oder schon Tage sind. Seit die schwere Eisentür mit einem ohrenbetäubenden Quietschen hinter ihnen zugefallen ist, gleich nachdem sie das Gebäude betreten hatten, sind sie gefangen in einem schummrigen Dämmerlicht, erzeugt von zwei Glühbirnen, die von der rissigen Decke über ihnen herabhängen.
Weitere Lichtquellen gibt es nicht, nicht einmal ein schmaler Streifen Sonnenlicht würde es schaffen, sich durch die mit Brettern vernagelten Fenster herein zu quetschen.

-

»Jo?«, fragt sie leise, um die junge Frau aus ihrer Starre zu holen. Doch abgesehen davon, dass sie ihre Knie noch etwas fester anzieht, zeigt Jo keinerlei Reaktion auf Ros' Worte.
Mit einem leisen Seufzen rappelt Ros sich widerwillig auf. Sie lehnt sich mit dem Rücken an die kalte, raue Wand hinter ihr und verbirgt einen Moment das Gesicht in den Händen und denkt nach. Doch je mehr sie sich anstrengt doch noch irgendeinen Ausweg zu finden, desto ferner scheint er ihr. Desto schneller scheint auch ihre Hoffnung zu schwinden.
»Jo?«, fragt sie noch einmal, etwas lauter dieses mal.
Weiterhin ist alles, was sie zur Antwort bekommt Schweigen.

-

Sie weiss, dass sie irgendetwas tun muss, um Jo abzulenken, damit sie sich nicht in der Dunkelheit ihrer Gedanken, ihrer Angst, verliert. Irgendetwas um Jo vielleicht doch noch ein letztes bisschen Hoffnung zu geben. Nur wie sollte sie das tun, wenn ihre Rettung doch so aussichtslos scheint.
Vielleicht spielt es aber auch gar keine Rolle, vielleicht reicht es ja auch einfach, wenn sie Jo zeigt, dass sie nicht alleine ist. Dass Jo immer noch auf sie zählen kann, egal was auch geschieht.

-

Also geht sie schließlich zu ihr und lässt sich schweigend neben ihr auf dem Boden nieder.
Unsicher sieht sie Jo an und weisst nicht wirklich, was sie sagen geschweige denn, was sie tun soll.
Eine Weile sitzen die Beiden einfach stumm nebeneinander in der Dunkelheit und in der Stille kann Ros noch immer Jos leises Schluchzen hören, obwohl sie gedacht hatte Jo niemals wieder weinen sehen zu müssen. Und dieser Klang hallt viel lauter und schmerzhafter in ihren Ohren, als jede Explosion es könnte.

-

»Lass mich nicht allein«, wispert Jo leise und wendet sich mit flehendem Blick zu ihr um.  Erschrocken über die Tränen auf Jos Wangen, legt Ros ihr einen Arm um die Schultern und zieht sie an sich.
»Ich lass Dich nicht allein, Jo«, versucht sie Jo zu beruhigen, doch sie ist sich nicht sicher, ob ihr das gelingt.  
Langsam schlingt Jo ihre Arme um Ros und sieht sie an. »Versprichst Du es?«
»Ich verspreche es«, erwidert Ros ernst, auch wenn sie nicht weiss, ob das sie dieses Versprechen wirklich halten kann.
Doch Jo scheint es zu reichen, denn mit einem erleichterten Seufzen lässt sie ihren Kopf an Ros' Schulter sinken.

-

Erleichtert lauscht Ros den immer ruhiger werdenden Atemzügen der jungen Frau in ihrem Arm und ohne genauer darüber nachzudenken, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, beginnt sie damit ihr beruhigend über das Haar zu streichen.
Ein leises, wohliges Brummen dringt aus Jos Kehle und sie entspannt sich ein wenig, als sie sich ein wenig fester an Ros drückt und die Augen schließt.

-

Im ersten Moment will Ros, erschrocken über Jos Reaktion, ihre Hand sinken lassen und ein wenig von ihr abrücken, doch Jos gibt sie nicht frei und wie schon so oft in der Vergangenheit ist Ros erstaunt über die Kraft, die in Jos zierlichem Körper steckt.

-

»Bitte Ros, kannst Du mich einfach festhalten? Ich habe Angst, dass ich mich selbst verliere«, sagt Jo und Ros kann ihren Atem ganz nah an ihrem Ohr spüren.
Noch immer wie benebelt von dem Gefühl Jo so nah an sich zu spüren, zu spüren, wie ihr Atem über ihr Gesicht streift, nickt Ros unsicher, nicht in der Lage zu sprechen.
Sanft streichen Jos Finger über ihre Wange und hinterlassen ein sanftes Brennen auf ihrer Haut, als würden sie beide in Flammen stehen. Als würde tief in Jos Herzen noch immer ein Feuer lodern.

-

Ros weiss, dass sie es nicht zulassen sollte, weil Jo nicht wirklich Herrin ihrer Sinne ist. Sie ist verwirrt und die Angst hier niemals wieder rauszukommen, die Angst hier drinnen zu sterben, sitzt ihr noch immer im Nacken. Ros weiss das ganz genau und dennoch kann sie nichts tun, um Jo zurückzuhalten.
Dazu ist das Gefühl, die schiere Explosion, die Jo in ihr auslöst einfach viel zu überwältigend.  
Also ergibt sie sich mit einem leisen Stöhnen, vergräbt die Hände in Jos kurzen Haaren und presst sie an sich.

-

Verzweifelt klammern sie sich aneinander, wie Ertrinkende, während Jos Lippen über Ros' Hals streifen und eine Spur feuchter Küsse hinterlassen.
Und irgendwann schafft Jo es schließlich sämtliche Schutzwälle, die Ros sich im Laufe ihres Lebens aufgebaut hat, nieder zu reissen und somit auch das letzte Bisschen an emotionaler Distanz zwischen ihnen einfach in Rauch aufzulösen. Sodass Ros nicht mehr willens ist zu warten und zu hoffen und sich einfach fallen lässt und Jo und dem Moment vollends hingibt.

-

Jo lässt ihre Fingerspitzen Ros' Nacken auf und ab tanzen, und entlocken ihr ein ungeduldiges Knurren, bevor sie ihre Lippen auf Jos presst und sie küsst. Wild und verzweifelt und sehnsüchtig.
Jo hat das Gefühl, sie hätte niemals zuvor in ihrem Leben eine solche Süße und Lieblichkeit gekostet, auch wenn Süße und Lieblichkeit genau die Dinge sind, die ihr als letztes einfallen würden, wenn sie an Ros denkt.
Doch irgendwie ist das in diesem Moment vollkommen egal, denn jetzt und hier, fühlt sich all das einfach genau richtig an.

-

Zeit und Raum scheinen still zu sehen, als die beiden Frauen noch immer eng umschlungen mitten im Raum sitzen, nicht in der Lage, oder vielleicht auch nicht willens, sich voneinander zu lösen.
Zärtlich streicht Ros über Jos Arm und verteilt eine Vielzahl leichter Küsse auf ihrem Hals.
Irgendwann, sie hat keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen ist, sieht Jo sie an und ein neckisches Grinsen umspielt ihre Lippen.
»Ich wusste gar nicht, dass Sie so gut küssen können, Ms. Myers.«
Ros lacht und ergreift ihre Hand. »Es gibt da so einiges, das Sie noch nicht über mich wissen, Miss Portman.«    

-

Schweigend liegen sie nebeneinander in der Dunkelheit, beide dem Herzschlag und den ruhigen Atemzügen der jeweils anderen lauschend, als ein dumpfes Poltern die Stille um sie herum zerreisst.
»Was ist das?«, fragt Jo alarmiert und richtet sich auf.
»Ich weiss nicht«, murmelt Ros und schließt die Augen, um sich besser auf das Geräusch konzentrieren zu können. »Ich glaube, das sind Schritte. Da kommt jemand.«
Dann ertönt ein ohrenbetäubendes Kreischen und erschrocken pressen die beiden Frauen sich die Hände auf die Ohren.
»Ros? Jo?«, erklingt eine männliche Stimme von der anderen Seite der Eisentür.
»Lucas! Wir sind hier!«, schreit Ros und springt auf.
Sie sieht Jo an und ergreift ihre Hand. »Wir sind gerettet. Sie holen uns hier raus.«
Glücklich schlingt Jo die Arme um ihren Hals und lehnt den Kopf an ihre Schulter.
»Ja.«

-

Lächelnd stehen die Beiden sich gegenüber, bevor sich ihre Lippen zu einem letzten Kuss treffen.
»Du wirst es doch niemandem sagen, oder? Was zwischen uns passiert ist, meine ich«, fragt Jo und beisst sich unsicher auf die Lippe.
Ros schüttelt den Kopf. »Nein.«
»Gut.«
Erleichtert sehen sie sich an und Jo presst Ros einen letzten Kuss auf die Lippen, bevor sich die Tür öffnet und die beiden Hand in Hand zu ihren Kollegen in die Freiheit gehen.      


+
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast