Leadership | Followership

von Asmodeus
DrabbleDrama, Freundschaft / P12
Reaper Soldier:76
27.02.2017
27.02.2017
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27.02.2017 1.109
 
Vorgaben für die 1. Runde des Drabbleturniers 2017 :
- 2 Quadrabbles
-eines soll die Welt in einem utopischen, eines in einem dystopischen Zustand darstellen
-eines soll überwiegend aus kurzen Hauptsätzen bestehen, eines aus vielen, ineinander verschachtelten Nebensätzen
- Anm.: chico - Junge (span.); Überschriften aus "Take me to Church", Hozier

- 2  * 400 W. laut bluedoc


Länger als gedacht ausgefallene Fandom-Einführung für die Jury:
Overwatch spielt auf einer hoch fiktionalisierten Zukunftsversion der Erde und in einer Zeit, in der Menschen und Roboter, welche Omnics genannt werden, zusammenleben. Es wurde angedeutet, dass in der Geschichte nach 30 Jahren die Systeme der Roboter durchbrannten und sie alles angriffen, was sich bewegte. So mussten die verschiedenen Nationen ihre stärksten Elite-Soldaten sammeln, die dann Overwatch gründeten.
Ihr Job war es, die Welt von den Omnics zu beschützen, was ihnen auch gelang und den Frieden auf der Welt zurück brachte. Für die nächsten 30 Jahre waren sie die Beschützer des Planeten, doch nach Vorwürfen bzgl. Korruption, Missmanagement, Menschenrechtsverletzungen und Waffenhandels löste sich Overwatch auf und die darin verwickelten Helden gingen wieder ihre eigenen Wege. Darunter auch Jack Morrison (später „Soldier76“) und Gabriel Reyes (später „Reaper“), ehemals beste Freunde und zwei der Begründer von Overwatch.
Nachdem Jack anstelle von Gabriel befördert worden war, kam es zu ersten Spannungen zwischen den beiden, bis die beiden eines Tages nach einer Auseinandersetzung im Schweizer HQ für tot erklärt worden waren. Jack überlebte, tauchte aber unter. Gabriel starb, an ihm wurde jedoch experimentiert, bis dieser zu Reaper wurde – ein Söldner und Terrorist, der auch auf ehemalige Overwatch-Agenten Jagd macht.



~*~





The only heaven I'll be sent to
Is when I'm alone with you



Jack fand ihn spät nachts auf der Schießanlage. Seit ihrer gemeinsamen Zeit im Supersoldatenprogramm waren Schlafstörungen nichts Neues gewesen.

Angstzustände. Nebenwirkungen der ihnen verabreichten Chemikalien. Harter Trainingsalltag. Verlustreiche Einsätze. Mehr Angstzustände.

Zumindest waren die körperlichen Beschwerden weitestgehend zurückgegangen.

Vorsichtig näherte sich Jack. Gabriel schien in seine Schießübungen vertieft zu sein. Mehrmals hatte er Jack für das Anschleichen schon eine Standpauke gehalten. Hätte er in den letzten Jahren nur öfter auf ihn gehört. Vieles wäre ihnen allen erspart geblieben.

Die Waffe sinken lassend, drehte er sich herum. Von seiner Ankunft hatte er also doch längst Notiz genommen. Dem anderen schien auch nichts zu entgehen. In die Karten ließ er sich ebenfalls nie schauen. Hervorragende Eigenschaften für einen hervorragenden Anführer.

„Morrison... Solltest du dich nicht noch erholen?“

Seit der Auseinandersetzung im Hauptquartier war fast ein Monat vergangen. Damals waren sie beide mit schweren Blessuren noch glimpflich davongekommen. Ihr ehemaliger Kamerad Liao hatte für seinen Verrat hingegen mit dem Leben bezahlt. Daran hatte Jack die UN mehrmals erinnert. Genauso wie an sein eigenes Versagen auf ganzer Linie.

„Mir geht's gut, Boss.“

„So siehst du aus.“

Mit seiner aktuellen Leistung beim Schießen schien Gabriel unzufrieden zu sein. Schmunzeln über die Sticheleien mussten beide dennoch. Es fühlte sich fast so vertraut an wie früher. Bevor Gabriel zugunsten seiner eigenen Karriere übergangen worden war. Bevor Leute begründete Vorwürfe gegen Overwatch erhoben hatten. Bevor er blind für die Missstände in ihren Reihen geworden war.

„Ich muss mich morgen nicht als neuer Kopf von Overwatch der Presse vorstellen, Gabe.“

Die Augen seines Gegenübers verengten sich. Rasch versuchte Jack die angespannte Situation zu entschärfen.

„Nun endlich abzutreten, ist wohl meine beste Entscheidung seit Jahren. Wir lösen uns doch nicht auf“, gab er leise zu. „Und du musst dir meinen Unsinn nicht mehr anhören.“

Augenblicklich entspannten sich die Gesichtszüge des anderen. Sekundenlang rang Gabriel nach passenden Worten.

„Mir endlich zu glauben. Das war deine beste Entscheidung bisher.“

Betreten sah Jack zu Boden. Des Öfteren hatte er sich für die anfänglichen Zweifel entschuldigt. Warum er ihm dafür nicht länger grollte, begriff er nicht. Selbst konnte er es sich so schnell verzeihen.

„Deine dümmste Entscheidung“, fuhr er unheilvoll lächelnd fort. „War den Posten als mein künftiger Stellvertreter anzunehmen.“

Verständnisloses Schweigen war die einzige Antwort Jacks. Kopfschüttelnd boxte ihm der andere leicht in die Schulter.

„Ich werde dich so oft wie möglich mit Papierkram überschütten, chico.“

Beide lachten leise.

Strafe muss sein.





I'll worship like a dog at the shrine of your lies
I'll tell you my sins and you can sharpen your knife



Stöhnend versuchte Jack sich in seinem Bett aufzurichten, kam jedoch nicht weit, ehe er aufgeben musste. Damals, als man ihm im Supersoldatenprogramm ohne Rücksicht auf Verluste irgendwelche Gifte in den Körper gepumpt hatte, hatte er sich bereits die schlimmsten Nebenwirkungen ausgemalt. Damit, dass er so bald sein Augenlicht und seine Mobilität einbüßen würde, hatte er jedoch nicht gerechnet. Zuletzt stellte er sich oft vor, ob es Gabriel genauso ergangen wäre.

„Du zerbrichst dir schon wieder den Kopf über Belanglosigkeiten“, sprach die raue, kälter gewordene Stimme seines ehemals besten Freundes. „Das war schon immer dein Problem gewesen.“

Vielleicht schlossen die Nebenwirkungen auch eine Verschlechterung seines Geisteszustandes nicht aus, dachte er. In den letzten Wochen hatte er wie jetzt das Gefühl, dass Gabriel, oder das, was noch von ihm übrig geblieben war, sich mit ihm im gleichen Raum befand. Wann immer er jemanden darauf und den unverkennbaren Geruch des Todes ansprach, versuchte man ihn auf andere Gedanken zu bringen oder tätschelte mitfühlend seine Schulter. Gabriel war schon vor Jahren für tot erklärt worden, aber daran, dass er ihn immer noch vermisste, änderte das noch lange nichts.

„Ich wusste, du würdest wiederkommen“, lächelte er schwach. „Bis du hier, um es zu Ende zu bringen?“

Die Stille zog sich eine Weile lang hin und fast war sich Jack gewiss, dass er doch einem seiner Hirngespinste zum Opfer gefallen war. Als sich ihm schwere Schritte näherten, und das Bett auf einer Seite absank, musste er schlucken.

„Das soll's dann also gewesen sein, Morrison? Kein letztes Aufbäumen und keine Rechtfertigungen mehr? Ich soll dich einfach so über den Jordan schicken, wie ich es mit dem ganzen verlogenen Abschaum getan habe?“

Vielleicht irrte er, aber Jack meinte neben Wut auch Enttäuschung in der Stimme des anderen mitschwingen zu hören. Kein Wunder, bedachte man, dass Gabriel damals die Annehmlichkeit eines so sauberen Abgangs nicht zu Teil geworden war. Nicht einmal ihrer beider Namen reinzuwaschen und der Welt zu beweisen, dass sie nicht in die ihnen vorgeworfenen Verfehlungen von Overwatch verwickelt gewesen waren, war Jack gelungen.

„Es tut mir alles so leid, Gabe, aber“, murmelte er, den den Kloß in seinem Hals herunterschluckend. „Strafe muss sein.“

Sein alter Freund lachte verbittert auf und das Letzte, was Jack hörte, bevor er erschöpft die Augen schloss und erneut in einen ruhelosen Schlaf fiel war:

„Ich kann nicht... Sind wir beide für unsere Unfähigkeit nicht schon mehr als genug gestraft worden?“
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