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A King's Game

von Nevi
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18
Gilgamesh OC (Own Character)
26.02.2017
25.05.2017
42
132.943
22
Alle Kapitel
67 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
26.02.2017 4.555
 
Hallo und willkommen zu meiner ersten FF :)
Es freut mich, dass ihr euch hierher verirrt habt und wünsche euch viel Spaß, sie zu lesen und dabei, Gilgamesh mit seinem neuen Master im Gralskrieg zu begleiten. Die beiden werden vor einige Proben gestellt, doch ob und wie sie dies meistern, lest ihr am besten selbst :)
Seit dem 27.06.2017 sind die ersten 28 Kapitel auch vom Schreibstil her ein wenig angepasst, inhaltlich ist jedoch alles gleich geblieben :)
*Kekse hinstell*
Viel Spaß!

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Kapitel 1- Known as



Als chemische Elemente: Silber und Eisen.


Als Fundament: Steine und der Vertrag eines Großherzogs.


Meinen Vorfahren schicke ich meinen großen Willen.


Alle vier Tore schließen sich.


Dreifach gegabelter Weg, der von der Krone ins Königreich führt, zirkuliere!


Erfülle dich, erfülle dich, erfülle dich, erfülle dich, erfülle dich!


Wiederhole dich fünf Mal.


Sobald du erfüllt bist, zerstöre dich!


Ich verkünde: Du sollst unter mir dienen.


Und mein Schicksal soll zu deinem Schwert werden.


Beständig durch die Beschwörung des Heiligen Grals:


Wenn du dem Willen und dem Grunde zustimmst, so antworte mir!


Hiermit schwöre ich:


Ich werde alles sein, was gut ist in dieser Welt,


Ich werde all das Böse in dieser Welt vernichten.


Steig aus den sieben Himmeln herab, die einen Ring der Abschreckung bilden und hülle dich in die Macht deiner drei großen Wortzauber.


Offenbare dich mir, Wächter der Waage: zeige dich!




Ein goldenes Licht durchzuckte den Raum, erhellte alles um mich herum mit einer unbeugsamen Erbarmungslosigkeit und es war so hell, dass ich mein Gesicht kurz abwenden musste, um nicht geblendet zu werden. Ich seufzte innerlich, war dieses Licht doch auch mit hoher Wahrscheinlichkeit von außen zu erkennen. Dennoch hoffte ich inständig, dass es niemand, wenn auch nur durch Zufall, wahrgenommen hatte, vor allem meine Nachbarn waren sehr gut darin, mein Leben zu beobachten und mir unnötige Fragen zu stellen. Es wäre nicht sonderlich effektiv gewesen, wenn ich ihnen auch noch erklären musste, was es mit dieser Helligkeit auf sich hatte, zudem ich damit schon zu Anfang gegen die oberste Regel des Gralskrieges verstoßen würde. Noch während ich meinen Körper kurz abwandte, spürte ich einen leichten Schmerz auf meiner rechten Hand und ich wusste, dass sich in diesem Augenblick drei zuvor nur angedeutete, rote Zeichen nun vollständig materialisierten. Meine Befehlszauber. Ich merkte, wie das Licht in langsamen Wellen verebbte und vernahm im selben Augenblick das Geräusch eines sanften Klirrens, welches wie Musik in meinen Ohren klang, so angenehm war es. Und obwohl mich sowohl ein neuartiges Kribbeln als auch eine unstillbare Neugier durchzuckten, konnte ich meine Augen noch immer nicht öffnen und hob deshalb schützend meinen Arm vor mein Gesicht, um mich dem Geräusch zumindest leicht zuzuwenden. Stille, dann ein erneutes Klirren und ich zog meine Augenbrauen ungeduldig zusammen. Verdammt noch mal, wann konnte ich ihn endlich sehen? Meinen eigenen Servant, der mich während des gesamten Krieges begleiten und an meiner Seite kämpfen würde.

Nach ein paar weiteren Sekunden, die mir vorkamen wie eine unangenehme Ewigkeit, wagte ich es schließlich, den Arm vor meinem Gesicht herunterzunehmen und etwas zu blinzeln. Meine Neugier war mittlerweile so groß, dass ich mich kaum noch zügeln konnte, hatte ich doch das Gefühl, dass in diesem Moment etwas passiert war, was mein gesamtes Leben verändern würde. Innerlich tadelte ich mich für diesen Gedanken, war es doch eigentlich selbstverständlich, dass der bevorstehende Krieg um den Heiligen Gral einiges verändern würde und doch konnte ich nicht mit Bestimmtheit sagen, was mein Innerstes da fühlte. Als meine Augen schließlich wieder in der Lage waren, etwas zu erkennen, konnte ich eine Gestalt vor mir erkennen, wenn auch nur schemenhaft. Sie stand regungslos da und blickte auf mich, als würde sie irgendetwas erwarten und das zuvor ertönte Klirren war in diesem Moment verschwunden. Sekunde für Sekunde verstrich, bis meine Augen sich wieder langsam an die normalen Lichtverhältnisse gewöhnt hatten und ich blickte die Gestalt vor mir erneut an. Meine zuvor blinzelnden Augen weiteten sich in dem Moment, als sie diesen großen, zugegebenermaßen sehr attraktiven, jungen Mann erblickten und ich war für einen Moment tatsächlich sprachlos. Seine leuchtend roten Augen blickten mich mit einer Selbstsicherheit an, die ich noch nie zuvor bei jemandem gesehen hatte und seine Arme waren vor seiner Brust verschränkt. Während er einfach nur dastand und in irgendeiner Art und Weise auf mich herabzublicken schien, ließ ich meinen fassungslosen Blick über seinen gesamten Körper wandern. Dieser war komplett in eine goldene Rüstung gehüllt, die hier und dort mit blauen Ornamenten verziert wurde und das leichte Licht der kleinen Lampe auf dem danebenstehenden Tisch zurückwarf. Unter der Rüstung konnte man dunkelblauen Stoff erkennen, der sich nahezu perfekt an die Körperzüge des Rotäugigen anzuschmiegen schien und ab der Hüfte abwärts zierte einen rote Tunika die Lücken des goldenen Stahls. Um seine Taille hing ein ebenfalls blaues Band, welches an seinem Ende eine dreieckige Spitze trug und so wirkte, als wäre es ursprünglich nicht für diese Rüstung geschaffen.

Allein das körperliche Erscheinungsbild war unglaublich, dann fielen mir die ebenfalls goldenen, rechteckigen Ohrringe auf und kurz war ich verwundert, fand ich dies für einen Mann doch recht ungewöhnlich. Doch es passte zu ihm und seinen blonden, nach oben stehenden Haaren, welche sein Erscheinungsbild noch weiter abrundeten und seinem Aussehen den letzten Schliff verliehen. Es kam mir vor, wie eine kleine Ewigkeit, in der ich einfach nur dastand und ihn anstarren konnte und ich fühlte mich kurz wie ein kleines Schulmädchen, welches zum ersten Mal seine große Liebe sah. Sofort schüttelte ich leicht den Kopf aufgrund dieses Vergleichs und richtete meinen Blick wieder auf seine magischen Augen, die direkt in mein Innerstes zu sehen schienen. Sein durchdringender Blick war die ganze Zeit über auf mich gerichtet und schien jede meiner noch so kleinen Reaktionen zu vernehmen, jedes noch so kleine Zucken meiner Muskeln. Es wirkte gerade so, als könnte ihm nichts entgehen und als könnte man nichts vor ihm verheimlichen und genau das jagte mir einen kurzen Schauer über den Rücken. Schließlich fand ich in all dem emotionalen Wirrwarr in meinem Inneren meine Stimme wieder und wollte gerade ansetzen, als seine Stimme zuerst den Raum durchdrang. „Ein Weib wagt es, mich zu beschwören? Maßt du dir etwa an, mein Master zu sein?“ Ich zog meine Augenbrauen zusammen und legte den Kopf mit einem ungläubigen Blick schief, während ich leise hörte, wie mein majestätisches Bild von ihm geradewegs zusammenbrach und in einem Scherbenhaufen endete. Scheinbar hatte ich da einen ganz angenehmen Zeitgenossen erwischt, der zudem auch noch äußerst charmant zu sein schien. Ich seufzte laut auf. „Sieht so aus. Ich frage dich nun auch: Bist du mein Servant?“ Er musterte mich herablassend, erhob dann dennoch noch einmal seine –ich musste zugeben, angenehme- Stimme, die etwas Majestätisches an sich hatte. „Kannst du mich denn ausreichend unterhalten und amüsieren, Weib?“ Ich atmete noch einmal tief und deutlich hörbar durch, um nicht direkt den ersten Befehlszauber auf meiner Hand zu verwenden. Der Kerl hatte echt Nerven, wer genau dachte er, war er? An Selbstbewusstsein schien es ihm jedenfalls nicht zu mangeln, dafür aber eindeutig an einem guten Umgangston. Ich wartete einen Augenblick, während er mich weiterhin ausgiebig musterte, was jedoch kein angenehmes Gefühl in mir hervorrief, fühlte ich mich doch in gewisser Weise nackt. Ganz offensichtlich schien es ihm nicht zu gefallen, dass ich eine Frau war und scheinbar auch noch die Dreistigkeit besaß, mich sein Master zu nennen. Noch einmal seufzte ich genervt. „Ich denke, dir wird schon nicht langweilig werden, schließlich befinden wir uns im Krieg um den Heiligen Gral. Und so wie es aussieht, bist du es gewohnt, eine Schlacht zu schlagen.“, während ich sprach deutete ich auf ihn und seine Rüstung. Er schwieg erneut einen Augenblick und wieder kam es mir so vor, als würde eine halbe Ewigkeit vergehen, in welcher mich dieser schöne Mann ansah.

Er blickte auf die Gestalt vor sich, die schützend den Arm vor das Gesicht hielt, um nicht von dieser widerlichen Helligkeit geblendet zu werden, die auch ihm leicht in den Augen schmerzte. Doch anders als sie, ließ er sich nichts anmerken und blickte die ganze Zeit geradewegs zu ihr und was er dort erblickte, ließ ihn kurz aufschnauben. Eine Frau! Erneut wagte es ein einfaches Weibstück, IHN, den großen König der Helden zu beschwören und sich sein Master zu nennen. Er betrachtete sie dennoch in der Zeit, in der sie nicht in der Lage war, ihn zu erblicken und prägte sich ihre Gestalt genau ein. Sie war mittelgroß, schlank und hatte lange, nachtschwarze Haare, die ihr bis unter ihre Taille reichten. Sie trug ein paar einfache Klamotten, nichts Besonderes, was ihm sofort ins Auge gefallen wäre, doch als sie endlich den Arm von ihrem Gesicht senkte, erblickte er das Erste, was ihm wirklich zusagte: Sie hatte eisblaue Augen, die in einer Tiefe erstrahlten, wie er es selten gesehen hatte und welche wirkten, als würden sie einige Geheimnisse bergen. Sie sahen ihn mit einer Mischung aus Überraschung und Bewunderung an und es schien, als würde sie einen gewissen Respekt vor seiner Erscheinung empfinden. Und dennoch missfiel ihm die Tatsache, dass er erneut von einer Frau aus seinem vermeintlich ewigen Schlaf gerissen wurde. Und zusätzlich besaß sie die Frechheit, sich tatsächlich ohne Scham und Unsicherheit als sein Master auszugeben. Erneut ließ er seinen scharfen Blick über die zierliche Gestalt dieser Frau wandern und beschloss, sie nun nach ihrem Inneren zu beurteilen. Er konzentrierte sich auf die leichten Fäden der Magie, die sich bereits geknüpft hatten und die nur darauf warteten, sich engültig zu vervollständigen und nahm eine unglaubliche Kraft an magischer Energie wahr. Eine so große Kraft hatte er schon sehr, sehr lange nicht mehr bei einem Master gespürt, nicht einmal sein letzter Master konnte diese aufbringen und diese Magie war mit nichts vergleichbar, was er bisher kannte.

Er überlegte kurz und wägte die Argumente sorgfältig ab. Dieser Krieg könnte vielversprechend werden und er hatte bereits in den vergangenen Gralskriegen gelernt, dass selbst sein erster Eindruck durchaus falsch sein konnte. Nun, vielleicht eignete sich diese Frau zumindest dazu, ihn angemessen zu unterhalten und bei Laune zu halten. Unter dieser Voraussetzung würde er es vorerst sogar akzeptieren, ihr Servant zu sein. „Nun gut. Vorerst werde ich dich wohl akzeptieren, Weib.“, sprach er mit herablassender Stimme, um ihr ihre Stellung noch einmal deutlich zu machen. Es amüsierte ihn, zu sehen, wie ihr diese Ansprache offensichtlich missfiel und sie sich beherrschen musste, nicht gleich eines der drei wertvollen Zeichen auf ihrer Hand zu gebrauchen. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen und er schaute sie weiterhin unverwandt an. Anfangs schaffte sie es, seinem Blick standzuhalten, eine Tatsache, die andere in der Regel sofort mit ihrem Leben bezahlten, doch er würde sie vorerst verschonen und Gnade zeigen. Dann nach ein paar Sekunden jedoch, senkte sie verlegen ihren Blick, versuchte ihre Gefühle aber so gut es ging zu verbergen. Doch seine Augen konnte sie nicht täuschen, ihm entging nichts, keine noch so kleine Regung, sei es körperlich oder emotional.

Nach ein paar Sekunden schien sie sich wieder so weit gefasst zu haben, sodass sie ihre Stimme erhob. „Also gut. Dann werde ich mich nun hinlegen. Den Rest können wir ja morgen besprechen. Es tut mir Leid, doch die Beschwörung hat mich einiges an Magie und somit an Kraft gekostet.“, sagte sie und ging zielstrebig zu dem großen Himmelsbett, welches sich hinter ihm befand. Er drehte sich um und als sie sich gerade darauf setzen wollte, schritt er wie selbstverständlich auf die andere Seite des Bettes und legte sich mitsamt seiner goldenen Rüstung auf dieses. Er stützte seinen Kopf auf seine rechte Hand, winkelte sein linkes Bein an und schaute sie mit einem auffordernden Lächeln an. Doch sie schien nicht ganz zu verstehen, denn statt sich zu ihm zu legen und damit zu beginnen, ihn zu amüsieren, stand sie wieder auf und schaute ihn unbeholfen und verwirrt an. Schon jetzt keimte eine leichte Genervtheit in ihm auf, als er sie mit zusammengekniffenen Augen ansah. „Nun, wenn du mich amüsieren willst, kannst du damit beginnen, heute Nacht dein Bett mit mir zu teilen.“, sagte er wie selbstverständlich, schließlich war er genau dieses Verhalten gewöhnt. Die Frauen, denen er bisher begegnet war, vor allem zu Lebzeiten, waren in seiner Gegenwart willig und unterwürfig und schienen geradezu darum zu betteln, dass sie ihm dienen durften. Doch dieses Mädchen zog stattdessen beide Augenbrauen hoch und guckte ihn noch ungläubiger an als zuvor. „Danke, aber unter diesen Umständen werde ich dann wohl nach unten auf die Couch gehen.“, sagte sie und drehte sich auf dem Absatz um. Kurz stockte er, hatte er doch am allerwenigsten mit dieser Reaktion gerechnet. „Ein Servant sollte immer in der Nähe seines Masters sein, Weib.“, rief er mit leichtem Zorn in der Stimme und sie blieb mitten in der Bewegung im Türrahmen stehen. Dann drehte sie sich noch einmal zu ihm um und setzte ein wunderschönes Lächeln auf. „Du hast natürlich Recht.“, sagte sie mit einer lieblichen Stimme, kam in großen, langsamen Schritten zu ihm zurück und stützte sich schließlich mit beiden Händen auf die ihm gegenüberliegende Seite vom Bett ab. Innerlich lachte er triumphierend, während seine Lippen sich zu einem Grinsen verzogen. Diesen Kampf hatte er schon einmal gewonnen. So und nicht anders sollte es laufen, schließlich war er der König und niemand hatte sich ihm zu widersetzen, schon gar nicht das, was er als sein Eigentum betrachtete. Mal sehen, wie die ihm bevorstehende Nacht werden würde und ob sie es weiterhin schaffte, ihn zu amüsieren. Bis jetzt hatte er schon einmal seinen Spaß. Alleine ihre verschiedenen Gesichtszüge zu beobachten, wie sie auf seine Aussagen reagierte, unterhielt ihn schon ungemein. Sie blickte ihm direkt in seine roten Augen, eine Tatsache, die ihn in diesem Moment erfreute und sein Feuer traf auf ihr Eis, als sie wieder mit dieser lieblichen Stimme ansetzte. „Wenn du also unbedingt in meiner Nähe sein möchtest: Der Boden neben der Couch bietet sicherlich genügend Platz für dich und dein Ego.“

Was genau dachte sich dieser eingebildete Typ überhaupt? Dass ihm alles gehörte, mich mit eingeschlossen? Aufgebracht ging ich die Treppen hinunter in das große und eigentlich einladende Wohnzimmer, wäre es nicht so spärlich eingerichtet und aktuell von Dunkelheit durchflutet. An der Schwelle zu dem Zimmer blieb ich jedoch noch einmal stehen und ließ meinen Blick durch den fast leeren Raum wandern. Das einzige Licht wurde durch den durch das Fenster scheinenden Mond verursacht und erhellte das mittendrin stehende Sofa leicht. Und dann sah ich ihn wieder, den Jungen, der hinter einem kleinen, lachenden Mädchen hinterherrannte und so tat, als würde er sie nicht fangen können. Ein Mann und eine Frau saßen lächelnd auf dem sich noch immer an der gleichen Stelle befindenden Sofa und beobachteten das wilde Treiben der beiden Kinder. Es machte den Anschein, als wäre dies vor meinen Augen die perfekte, kleine Familie, als ich vehement den Kopf schüttelte. Meine Gedanken spielten mir mal wieder einen Streich und seufzend ging ich zu dem Sofa, legte mich darauf  und zog die Decke, die sich zu meinen Füßen befand, mit einer Bewegung über meinen gesamten Körper. Als ich so dalag und an die Decke starrte, schlich sich der junge Mann in der goldenen Rüstung erneut in meine Gedanken. Wenn er nicht so unglaublich unhöflich und selbstverliebt wäre, wäre er vermutlich ein Servant, wie man ihn sich nur wünschen konnte. Aber unter diesen Umständen schien es ein schweres Unterfangen zu werden, mit ihm zusammenzuarbeiten und zu kooperieren. Er sagte zwar, dass er mich zumindest vorerst als seinen Master akzeptieren würde, jedoch wirkte er nicht allzu überzeugend auf mich. Und dann wollte er auch noch mein Bett mit mir teilen. Bei dem erneuten Gedanken daran schüttelte ich den Kopf, merkte aber dennoch, wie ich leicht rot im Gesicht wurde. Er sagte das ohne jegliche Zweifel und mit einer Selbstsicherheit, die schon fast beängstigend war. Scheinbar war er es gewohnt, seinen Willen zu bekommen, er konnte seinem Verhalten nach zu urteilen sogar ein König gewesen sein. Nun lag es wohl an mir, herauszufinden, welcher König er war und was seine Fähigkeiten als Servant waren. Ich merkte, dass ich vor lauter Aufregung nicht einmal wusste, welcher Klasse er angehörte, doch das würde ich morgen mit ihm besprechen. Schließlich mussten wir uns für den bevorstehenden Krieg entsprechend wappnen und die anderen Master waren mit Sicherheit auch schon erwählt worden und hatten ihre Servants beschworen. Das bedeutete für mich, in Zukunft äußerste Vorsicht walten zu lassen, wenn ich nicht schon zu Beginn sterben wollte. Nein, ich würde nicht zulassen, dass es so weit kam. Es war meine Pflicht als Magierin, das Vermächtnis unserer Familie fortzuführen und ich würde diesen Krieg um jeden Preis gewinnen. Langsam merkte ich, wie meine Augenlider bei den vor sich hinfließenden Gedanken immer schwerer wurden und sich die Dunkelheit langsam mit ihren unnachgiebigen Fingern um mich schloss. Zwar hatte ich Angst vor dem, was kommen würde, doch ich musste schlafen, ansonsten würde ich diesen Kampf nicht bestreiten können.

Ich fiel in einen unruhigen Schlaf und erneut sah ich die Familie von vorhin, wie sie auf dem Sofa saß und die Kinder sich jagten. Außerdem stand dort eine kleine Kerze auf dem Tisch, welcher sich vor dem Sofa befand, doch diese schien da aus irgendeinem Grund nicht hinzugehören. Das Bild vor meinem inneren Auge verschwand und in einer plötzlichen Zeitverschiebung war es Nacht. Ich konnte das kleine Mädchen auf ihrem Bett liegend sehen, wie sie plötzlich aufwachte und aufstehen wollte, doch da es so dunkel war, machte sie eine kleine Kerze an. Besser gesagt, die gleiche Kerze, die soeben noch auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer stand. Sie hatte schlecht geträumt, das konnte man ihr deutlich ansehen und sie machte sich auf, um zu ihren Eltern zu gelangen. Langsam ging sie aus ihrem Zimmer, hinaus auf den Flur und direkt auf die Tür zum Schlafzimmer ihrer Eltern zu. Noch drei Schritte trennten sie von dieser, doch kurz bevor sie sie erreichte, stolperte sie über ihr eigenes, viel zu langes Nachthemd und fiel hin. Und mit ihr fiel die Kerze, die sie in ihrer kleinen Hand gehalten hatte. Binnen Sekunden leckten die heißen, roten Flammen am Boden und sprangen sofort auf Wände und Türen über. Das Mädchen war unfähig, sich zu bewegen oder einen Laut aus ihrem weit aufgerissenen Mund zu bringen, als sie sah, wie das Haus in einem hellroten Schein erleuchtet wurde. Es wurde heiß, unerträglich heiß und die Flammen leckten nun auch an ihrer eigenen Haut und bissen sie an den unbedeckten Stellen. Sie griffen nach ihr, wollten sie einnehmen und verschlingen und sie hatte Angst. Noch immer wie gelähmt stand sie dort und konnte lediglich stumm schreien, als eine Hand sie von hinten packte. Zwei Arme, die sie festhielten. Sie kannte diese Arme, mochte ihre Umarmung. Wieder wandelte sich das Bild und im nächsten Augenblick sah sie von außen auf das Haus. Es stand komplett in Flammen und mit ihm ihre Familie, die sie nicht hatte warnen können. Die sie nicht hatte retten können.

Mit einem lauten Schrei wachte ich auf und hielt mir die Hand an meine Stirn, auf welcher sich leichte Schweißtropfen befanden. Es war schon wieder passiert. Ich zitterte am ganzen Körper und versuchte, tief durchzuatmen und mich zu beruhigen. Fast jede Nacht verfolgte mich dieser Traum und ließ nicht zu, dass ich mich seinen grausamen Fängen entzog. Immer wieder führte er mir diese Szenen vor Augen und ließ mich sowohl körperlich als auch psychisch erschöpft aufwachen. Als ich die Hand von meiner Stirn auf die Decke fallen ließ, merkte ich, dass sanfte Sonnenstrahlen mein Gesicht wie zur Beruhigung mit ihren Fingern streichelten. Leicht drehte ich meinen Kopf in Richtung des Fensters und stellte fest, dass die Sonne schon lange aufgegangen sein musste. Ich riss erstaunt die Augen auf, hatte ich doch nicht wirklich vor, so lange zu schlafen. Mit einem Sprung stand ich auf, bezahlte dafür kurz mit einem in sich zusammenbrechenden Kreislauf und ging dann zielstrebig in Richtung Badezimmer und machte mich fertig. Dann ging ich nach oben in mein Zimmer, wo ich gestern den goldenen Servant zurückgelassen hatte, doch das Zimmer war entgegen meiner Erwartung leer. Kurz stockte ich, dachte mir jedoch nichts weiter dabei und ging schließlich zu meinem Schreibtisch und holte ein blaues Amulett aus der sich darauf befindenden Schatulle. Sanft ließ ich meine Finger über die glatte Oberfläche des Steines gleiten und legte es mir dann um den Hals und als ich mich herumdrehte, um das Zimmer wieder zu verlassen, lehnte er plötzlich lässig am Türrahmen. Erneut betrachtete er mich mit einem selbstgefälligen Grinsen auf den Lippen.

„Guten Morgen, Master. Ich hoffe, du hattest eine angenehme Nachtruhe ohne meine direkte Anwesenheit.“, sagte er provokant und sprach das Wort Master dabei recht komisch aus. Herablassend. Verspottend. Ich seufzte, ging zu meinem Bett, setzte mich darauf und blickte ihn schließlich an. „Guten Morgen. Nun, ich lebe zumindest noch, also scheinst du deine Aufgabe erfüllt zu haben.“ Er lachte bei meinen Worten auf, doch dieses Lachen klang weder echt noch herzlich. „Denkst du wirklich, jemand kommt an MIR vorbei?“, fragte er und ich konnte den leichten Zorn deutlich heraushören. Ich schloss die Augen und atmete innerlich tief durch. Ich hatte mir vorgenommen, mich auf keinerlei Diskussion mit ihm einzulassen und so betrachtete ihn ausgiebig und wechselte das Thema. „Du trägst weder ein offensichtliches Schwert noch einen Speer, jedoch eine auffallende Rüstung. Daraus schließe ich, dass du der Archer-Klasse angehörst, richtig?“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah mich prüfend an, scheinbar überraschte ihn meine Schlussfolgerung. „Das ist richtig.“, antwortete er zu meiner Überraschung recht freundlich. „Dann nenne mir deine wahre Identität. Schließlich möchte ich mich auf meinen Servant verlassen können.“ Er schwieg wieder, schien zu überlegen und wollte gerade ansetzen, als er es sich scheinbar noch einmal überlegte. Dann lächelte er mit zusammengekniffenen Augen, ansonsten war keine Regung auf seinem makellosen Gesicht zu erkennen. Generell konnte man nicht wirklich viel aus seinem Gesicht lesen, schon gar nicht das, was er dachte. Schließlich erhob er wieder die Stimme und ich konnte einen deutlich beabsichtigten Unterton heraushören. „Mein Name ist Gilgamesh.“ Als er seinen Namen aussprach, weiteten sich meine Augen vor Staunen. Konnte das wirklich sein? Hatte ich tatsächlich ohne die Hilfe eines Katalysators einen Halbgott beschworen? Einen kleinen Augenblick war ich stolz auf mich selbst, hatte meine Familie doch noch nie Katalysatoren verwendet, um einen Heldengeist zu beschwören. Lediglich die bestehende Verbindung von uns zu diesen Geistern war ausschlaggebend, was jedoch bedeuten musste, dass der vor mir stehende König von Uruk und sogenannter König aller Helden in irgendeiner Verbindung zu mir stehen musste. Welche das sein sollte, war mir aktuell jedoch mehr als unklar. Was ich aber wusste war, dass mein Servant unglaublich mächtig sein musste. „Deiner Reaktion nach zu urteilen, weißt du, wer ich bin.“ Ich nickte. „Natürlich, König von Uruk. Da ich jetzt deinen Namen kenne, ist es nur gerechtfertigt, wenn du auch meinen kennst. Ich bin Yuri. Yuri Kusanagi.“

Er hörte, dass sie dabei war, aufzuwachen und dematerialisierte seine physische Form. Sie musste nicht wissen, dass er sie beobachtet hatte, während sie schlief. Er vermutete, dass sie keinen allzu angenehmen Traum gehabt zu haben schien, denn sie war unruhig und wachte schließlich mit einem Schrei auf, bevor sie sich aufsetzte und kurz versuchte, sich zu beruhigen. Es wunderte ihn, dass sie ihn nicht bemerkte, als er ihr in seiner Geisterform hinauf in ihr Zimmer folgte. Doch wahrscheinlich hing sie mit ihren Gedanken noch in ihrem Traum fest. Er folgte ihr in ihr Zimmer, in welchem sie ihn gestern tatsächlich einfach so zurückgelassen hatte, als er sie dabei beobachtete, wie sie sich eine Halskette umlegte. Gerade als sie sich umdrehte und den Raum wieder verlassen wollte, materialisierte er sich und versperrte ihr somit den Weg nach draußen. Er würde nicht zulassen, dass sie sich ihm wieder entzog und so sah er sie durchdringend an. Sein Blick schien ihr sichtlich unangenehm zu sein, doch das machte ihm recht wenig aus. Er wollte sie reizen, wollte mit ihr spielen und sich somit seine Zeit in diesem erneuten Gralskrieg vertreiben.

Nachdem sie einige Worte getauscht hatten, nannte er ihr schließlich mit einem Seufzen seinen Namen, nachdem er genau darüber nachdachte. Normalerweise sah er es als unangemessene Beleidigung an, wenn ein Individuum vor seinen Augen nicht in der Lage war, seine Identität trotz seiner glorreichen Erscheinung zu identifizieren, doch bei ihr machte er eine Ausnahme. Warum jedoch, wusste er selbst nicht so genau. Sie schien zu wissen, wer er gewesen war und das verwunderte ihn kurz, dies ließ er sich jedoch nicht anmerken. Sie lächelte ihn kurz an, er musste gestehen, dass es ihm durchaus gefiel, und setzte dann mit einer sicheren Stimme an. „Da ich jetzt deinen Namen kenne, ist es nur gerechtfertigt, wenn du auch meinen kennst. Ich bin Yuri. Yuri Kusanagi.“ Yuri… Der Name passte zu ihr, wie er fand. Sie war hübsch, das konnte er ihr zugestehen und ein hübsches Mädchen sollte einen hübschen Namen tragen, doch diese Gedanken sprach er nicht laut aus. „Ich verstehe.“, sagte er deshalb knapp und lockerte seine Haltung dann ein wenig. Langsam und mit klirrender Rüstung ging er jeden Schritt auskostend auf sie zu und betrachtete sie erneut durchdringend und mit einem selbstsicheren Lächeln auf den Lippen. Sie blickte zu ihm auf und rutschte automatisch ein paar Zentimeter auf dem Bett nach hinten, doch das würde ihr nichts bringen, hatte er doch nicht vor, sie entkommen zu lassen. Langsam beugte er sich zu ihr herab, seinen Blick noch immer auf sie gerichtet. Erneut traf Feuer auf Eis und umgarnte sich in einem schier endlosen Kampf und er war gespannt, welches Element letztendlich siegen würde. Vorsichtig bettete er seine Hände direkt neben ihre Beine und kam ihrem Gesicht langsam näher. Sie wurde sichtlich rot und versuchte, seinem Blick nun auszuweichen, doch das stachelte ihn nur noch weiter an. Es amüsierte ihn, ihre Reaktion in dieser für sie unangenehmen Situation zu beobachten und in seinem Handeln bestätigt zu werden. Nur noch wenige Zentimeter trennten sein Gesicht noch von ihrem, als er lächelte und langsam begann, sie mit seinem Oberkörper nach hinten zu drücken. Dadurch war sie gezwungen, sich auf ihre Ellbogen fallen zu lassen und sie nutzte diese Position sofort, um weiter nach hinten zu rutschen und so eine Distanz zwischen sich und ihn zu bringen. Doch noch immer hatte er nicht vor, ihr diesen Sieg zu gönnen und so zog er zuerst ein Knie auf das Bett, dann das Zweite, um ihr folgen zu können. Sie wich immer weiter vor ihm zurück und als sie schließlich merkte, dass das Bett hinter ihr zu Ende war, hatte sie keine Möglichkeit mehr, vor ihm zu fliehen. Er lächelte. Sie beide wussten, dass er gewonnen hatte und nichts anderes hatte er erwartet. Langsam beugte er sich immer weiter zur ihr hinab, bis er ihren aufgeregten Atem auf seinen Lippen spüren konnte. Kurz bevor seine Lippen die ihren schließlich berührten, ließ er seinen Mund zu ihrem Ohr wandern und hauchte lächelnd über dieses. Er spürte, wie es sie berührte, wie sich tief in ihrem Inneren Gefühle regten und auch ihn ihm entfachte diese Nähe zu ihr ein angenehmes Prickeln, wie er es noch nie zuvor gespürt hatte. Er lachte innerlich, hatte er sich doch wahrlich die richtige Person zum Spielen herausgesucht. Sein Mund war nun direkt neben ihrem Ohr, als er schließlich flüsternd seine Stimme erhob. „Dann werde ich dich in Zukunft Yuri nennen.“ Mit diesen Worten dematerialisierte er sich und ließ sie verwirrt zurück.
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