Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Von guten Menschen und Todessern

von Yavannaa
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
Andromeda Tonks Draco Malfoy Narzissa Malfoy Nymphadora Tonks Severus Snape
26.02.2017
12.05.2018
24
67.770
9
Alle Kapitel
46 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
09.05.2017 3.710
 
Kapitel 8 - Rückkehr nach Hogwarts

Die letzte Woche war schrecklich gewesen. Nachdem seine Mutter und er wieder ins Manor zurückgekehrt waren, hatten seine Eltern sich den ganzen Tag angeschrien und am liebsten hätte Draco mitgemacht und seinen ganzen Frust rausgelassen.
Aber er konnte nicht.

Seine Mutter hatte ihm klar gemacht, dass sie über diesen Schritt nicht diskutieren würde und er sich zu fügen habe. Wie Draco es hasste, so unter der Fuchtel seiner Eltern zu stehen. Er war eigentlich davon ausgegangen, dass sein Vater sich mit Leichtigkeit durchsetzen würde, aber es war schnell klar geworden, dass er in dieser Sache gegen Narcissa den Kürzeren zog, unter anderem auch durch die Tatsache, dass sie Severus’ Unterstützung hatte.

So bekam sie Lucius auch dazu, endlich nach einem geeigneten Illusionszauber für den Familienstammbaum, der sich über eine Wand in der Bibliothek erstreckte, zu suchen, der kurz darauf von den Malfoys und Severus ausgeführt wurde. Unter Cyrus’ Namen war ein Todesdatum erschienen und dieses wurde laut seinem Vater automatisch auf sämtliche Stammbäume der Familie, übertragen. Durch Narcissas Herkunft schloss das wohl auch den Stammbaum der Blacks mit ein. Ihr Plan schien wasserdicht zu sein. Ein Zauber, der durch vier Zauberer ausgeführt wurde, war nicht leicht zu entlarven, geschweige denn zu brechen.

Das war aber auch das einzig Gute. Severus hatte sich daraufhin recht schnell wieder verabschiedet. Während Lucius entweder unterwegs war oder in seinem Arbeitszimmer saß und alten Scotch trank, stand seine Mutter die meiste Zeit des Tages in der Bibliothek und starrte stumm auf Cyrus’ Portrait auf dem Stammbaum.

Die Nachricht über den vermeintlichen Tod des jüngsten Malfoys hatte in den Reinblüterkreisen natürlich die Runde gemacht. Beleidsbekundungen überschwemmten sie. Wahrscheinlich mehr geheuchelt als wirklich aufrichtig. Aber so war das nun mal unter Reinblütern, Hauptsache die Etikette wurde gewahrt.
Blaise und Theo schrieben ihm fast jeden Tag. Sie wären auch sofort ins Manor gefloht, aber Draco wollte sie nicht sehen. Sogar Daphne hatte eine Eule aus Südfrankreich geschickt. Am Liebsten hätte Draco sie alle angeschrien, ihnen gesagt, dass das alles nicht echt war. Aber er durfte nicht. Er war dazu verdammt dieses Schauspiel mitzuspielen.

In der ganzen Woche hatte Draco sich die meiste Zeit des Tages in seinem Zimmer verschanzt. Ein richtiges Familienleben fand im Manor momentan sowieso nicht statt. Seine Eltern redeten kaum zehn Wörter miteinander. Zu den Mahlzeiten herrschte Schweigen und sein gesamtes Zuhause versprühte eine angespannte Stimmung. Es war zum Kotzen.
Also lag er meist auf seinem Bett und malte sich aus, wie er Potter und dem Wiesel am Besten einen reinwürgen konnte. So erbärmlich es war, aber das war etwas, was seine Laune zumindest zeitweise ein wenig heben konnte. Es lenkte ihn davon ab, darüber nachzudenken, dass sein kleiner Bruder nun bei diesen Blutsverrätern und einem Schlammblut leben musste.
Seine Mutter hatte klar gemacht, dass sie diesbezüglich nicht mit sich reden lassen würde. Draco wusste, wann er besser schweigen und die Tatsachen hinnehmen musste. Man widersprach seinen Eltern nicht. Auch, wenn es ihm in diesem Punkt nicht passte.

Nicht einmal sein Vater stellte sich noch gegen Narcissa. Wenn sie wollte, wusste sie, wie sie ihren Willen bekommen und damit sogar einen Lucius Malfoy in Schach halten konnte. Draco war unglaublich wütend auf seine Eltern. Auf seine Mutter, weil sie die Familie auseinanderriss und auf seinen Vater, weil er es nicht schaffte, sich dagegen durchzusetzen. Jedes Mal, wenn er versuchte, das Thema auch nur anzuschneiden, wurde er zurechtgewiesen und das Thema gewechselt. Als hätte er es nicht verdient, eine ausführliche Erklärung zu bekommen. Verdammt, er war doch kein kleines Kind mehr!

Draco lag bereits im Bett und dachte über die Worte nach, die sein Vater beim Abendessen gesagt hatte. Er war erneut im Ministerium gewesen. Wahrscheinlich hatte er Fudge mal wieder glauben lassen, dass ein neues Gesetz seine eigene Idee gewesen sei. Dabei war es Lucius, der seit Jahren die Fäden im Ministerium zog.
Was hatte er nochmal gesagt? Es wird einige Änderungen für das neue Schuljahr geben. Da Dumbledore nicht fähig ist, geeignetes Lehrpersonal zu finden, wird dies nun von qualifizierten Leuten übernommen. Es wurde auch mal Zeit, dass etwas gegen das sinkende Niveau der Schule unternommen wird.

Was genau das heißen sollte, hatte sein Vater natürlich nicht gesagt. Somit blieb Draco nichts anderes übrig, als sich bis zum nächsten Tag zu gedulden. Wie er so Etwas hasste! Er drehte sich auf die Seite, zog die Decke über seine Schultern und schloss die Augen. Sein Vater. Ohne es zu wollen, musste er an letzte Woche zurückdenken. Nicht mal in seinen schlimmsten Albträumen hätte er sich vorstellen können, dass sein eigener Vater den Zauberstab gegen ihn richten würde. Draco seufzte leise.
Sein Vater war schon immer streng gewesen, hatte Leistung gefordert und ihn, seinen Sohn hart rangenommen. Aber er war gleichzeitig immer Dracos Idol gewesen – war es auch heute noch. Sein Vater war ein großer Zauberer, sehr einflussreich und egal wo er einen Raum betrat, die Menschen drehten sich zu ihm um. Man hatte allgemein Respekt vor ihm, vielleicht sogar Angst. Und Draco bewunderte ihn.

Allerdings war er sich nicht sicher, was er von den vergangenen Wochen halten sollte. Seit der Dunkle Lord anscheinend zurückgekehrt war, war er reizbar geworden. Beinahe unberechenbar, das hatte er am eigenen Leib zu spüren bekommen. Aber hatte sein Vater ihm nicht in seiner Kindheit immer erzählt, dass die Welt unter dem Lord eine Bessere gewesen wäre? Warum fühlte es sich dann nicht so an? Vielleicht, weil er noch nicht an der Macht war und sich noch nichts geändert hatte? Das wird es wohl sein. Wenn das vorbei war, würden sie Cyrus wieder holen. Dann würden seine Eltern sich nicht weiterhin wie Fremde behandeln und alles wäre so, wie er es gewohnt war – hoffentlich!
Er war noch nie so froh gewesen, endlich wieder nach Hogwarts fahren zu können. Weg von dem Ort, den er zur Zeit nicht mehr wirklich als Zuhause bezeichnen konnte und wollte. Mit diesem Gedanken schlief er schließlich ein.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Am nächsten Morgen war es endlich soweit. Es war der erste September und er war auf dem Weg zum Bahnhof Kings Cross. Seine Eltern begleiteten ihn. Sie hatten beim Frühstück sogar miteinander geredet. Nur Belangloses, aber wenigstens ein Anfang. Trotzdem war Draco froh endlich wegzukommen. Narcissa trug an diesem Tag ein langes, schwarzes Kostüm und ihr Blick strahlte, seit Cyrus weg war, nur noch Trauer aus. Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, ihren Sohn am Bahnhof zu verabschieden. Lucius dagegen war wie eh und je die pure Arroganz in Person.

Auf dem Bahnsteig angekommen, schaute er sich direkt nach seinen Freunden um, was in dem Gedränge auf dem Bahnsteig gar nicht so einfach war.
„Hey, Draco“, hörte eine Stimme rufen.
Er drehte sich um und fing Daphne auf, die ihn sogleich umarmte. Sie sah gut aus. Ihre sonst eher helle Haut war gut gebräunt, was nach dem Urlaub ja zu erwarten gewesen war. Ihre langen blonden Haare trug sie offen und es fiel glatt über die Schulter.
„Wie geht’s dir, Draco? Ich hab gehört, was passiert ist. Du weißt ja, wenn du darüber reden willst, stehe ich immer zur Verfügung!“
„Ähm, ... ja, danke, Daphne.“
Damit war das Thema für ihn erledigt. Er wusste genau, worauf sie anspielte und er hatte nicht die geringste Absicht auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Zum Glück wussten seine Freunde, dass er generell nicht gern über Privates redete. Alle anderen hatten entweder Angst vor ihm (oder besser gesagt vor seinem Vater) und gingen ihm lieber aus dem Weg. Draco konnte sich also sicher sein, dass ihn niemand auf seinen kleinen Bruder ansprechen würde, wenn er nicht mit dem Thema anfing.
Daphne nickte ihm kurz aufmunternd zu und begrüßte anschließend Lucius und Narcissa, zu denen sich mittlerweile auch Daphnes Eltern gesellt hatten. Von ihrer kleinen Schwester Astoria war keine Spur zu sehen, was hieß, dass sie wahrscheinlich schon im Zug saß.

„Hast du die anderen schon gesehen?“, wandte sich Draco nun erneut an seine beste Freundin.
„Nur Blaise. Er ist gerade in den Zug gestiegen, als wir ankamen. Er hat mich aber nicht bemerkt. Ich schätze mal, der Rest ist auch schon drin. Wir sollten auch gehen.“ Damit drehte sie sich um und verabschiedete sich von ihren Eltern.
Draco tat es ihr gleich. Seine Mutter gab ihm noch einen Kuss auf die Wange, was Draco nur widerwillig über sich ergehen ließ, bevor er seinem Vater kurz zunickte. Ihr persönlicher Kontakt beschränkte sich, besonders in der letzten Woche, auf das Nötigste.

Lucius sah sich kurz um und sein Blick blieb auf einer größeren Gruppe hängen. „Na sieh mal an. Potter reist mit Extrapersonal an.“
Draco folgte seinem Blick. Er erkannte Mad-Eye Moody, verrückter Ex-Auror und natürlich die Weasleys. Auch seine fürchterliche Cousine gehörte der Truppe an.
„Ein Hund. Interessant. Ich wusste ja, dass dein Cousin ein Trottel ist, Cissy, aber das ist die dümmste Aktion, die ich je erlebt habe“, lachte er.
Draco horchte auf. Cousin seiner Mutter? Regulus war tot, aber sein Vater redete ja wohl nicht von Sirius Black. Oder doch? Draco sah wieder zu der Gruppe und musterte den großen, schwarzen Hund an Potters Seite. ‚Nein, so dumm kann nicht mal der sein’, dachte er.

„Merlin, Draco, beeil dich mal“, rief Daphne.
„Ich komm ja schon“, antwortete Draco. Er nickte seinen Eltern kurz zu, nahm seinen Koffer und folgte Daphne in den hinteren Teil des Zuges, in welchem die Slytherins für gewöhnlich einen Waggon für sich hatten. Es war gleichzeitig der einzige Teil, in dem es keine abgetrennten Abteile, sondern kleine Sitzgruppen gab. So saß jeder Jahrgang geschlossen zusammen.
Der Rest ihres Jahrgangs war bereits versammelt. Crabbe und Goyle teilten sich einen Viererplatz. Dahinter saßen Tracey, Millicent und Pansy, wobei Letztere ihn erwartungsvoll anschaute. Wahrscheinlich wollte sie, dass er sich zu ihr setzte. Draco schaute sich aber schnell weiter um. Blaise und Theo hatten ihnen Plätze freigehalten.
‚Merlin sei Dank’, dachte Draco. Dann musste er wenigstens nicht neben Pansy sitzen. Nicht, dass er sie nicht mochte, aber sie konnte verdammt anstrengend und nervig sein. Besonders seit er mit ihr zum Weihnachtsball gegangen war, war sie sehr anhänglich geworden. Dabei hatte er von vornherein klar gemacht, dass aus ihnen nichts werden würde.

„Hey Kumpel, wir dachten schon, du kommst nicht mehr“, sagte Blaise und gab ihm einen Klaps auf die Schulter.
Er hatte Draco sofort neben sich auf den Sitz gezogen, sodass Daphne sich neben Theo setzen musste. Bei dem Anblick hatte der Dunkelhäutige ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht.
‚Der nimmt seine neue Aufgabe ja sehr ernst’, dachte Draco und grinste wissend. Dann fiel ihm ein, dass er ja noch etwas zu erledigen hatte.
„Hey, ich muss leider noch ins Abteil der Vertrauensschüler. Es geht wohl um irgendwelche Instruktionen von den Schulsprechern. Mal sehen, was die zu sagen haben.“
„Ach ja, unser lieber Vertrauensschüler“, feixte Blaise. „Sag mal, kannst du dann nicht auch anderen Leuten Punkte abziehen und so was?“, wollte er gleich wissen.
„Gute Frage. Ich befürchte, das geht nur bei Leuten aus dem eigenen Haus. Aber Strafarbeiten sind, glaube ich, möglich“, sagte Draco und ein dreckiges Grinsen hatte sich auf sein Gesicht geschlichen.
„Dann musst du sicher auch los, Daphne“, sagte Theo.
„Nee, muss ich nicht.“
„Wie jetzt? Ich dachte, du wärst auch Vertrauensschüler“, sagte Blaise und schaute sie aus ungläubigen Augen an.
„Leider nicht“, sagte Daphne und sah dabei leicht enttäuscht aus.
„Aber wer ...?“

„Draco, wir müssen los“, sagte da jemand.
Die vier drehten sich um und schauten zu Pansy, die sich in dem Moment ihr Abzeichen ansteckte.
„Im Ernst jetzt?“, fragte Blaise verdutzt. Ihren Gesichtern nach zu urteilen, dachten alle Vier dasselbe, aber keiner wagte es, das laut auszusprechen. Draco seufzte auf und ergab sich seinem Schicksal. Vertrauensschüler zusammen mit Pansy. Na klasse!
„Also, wir sehen uns später, Leute. Ach ja, Blaise. Falls der Servierwagen kommt, kannst du mir...“
„’Ne Packung Schokofrösche und Lakritzzauberstäbe kaufen?“, beendete Blaise seinen Satz und grinste. „Ja, ist notiert.“
„Danke. Bis später.“
Er hörte noch ein gekichertes „Viel Spaß“ von Daphne und ging, gefolgt von Pansy, Richtung Vertrauensschülerabteil.

Dort angekommen musterten sie gleich die Vertrauensschüler der anderen Häuser. Da waren Ernie Macmillan und Hannah Abbott aus Hufflepuff, sowie Anthony Goldstein und Padma Patil aus Ravenclaw. Potter und das Schlammblut waren noch nicht da.
Einige Augenblicke später öffnete sich die Abteiltür und Granger trat ein, gefolgt von ... Weasley?
‚Was will der denn hier?’, dachte Draco.
„Hey Weaselbee, hast du dich verlaufen? Das ist das Abteil für Vertrauensschüler“, blaffte er den Rothaarigen an, was Pansy neben ihm zum Kichern brachte.
Dessen Miene verfinsterte sich sofort, als er Draco erkannte. Ehe er etwas sagen konnte, kam Granger ihm zuvor.
„Nun, Malfoy, dann hat er ja jede Berechtigung hier zu sein, da er genau das ist. Einer der Vertrauensschüler!“
Draco starrte sie mit offenem Mund an. Das war doch nicht ihr Ernst. Doch anstatt etwas zu erwidern, brach er in schallendes Gelächter aus.
„Du ... du willst uns ernsthaft erzählen, dass ... dass dieser Troll da zum Vertrauensschüler gemacht wurde?“, brachte er zwischen dem Lachen hervor.
Auch Pansy hatte angefangen zu lachen und hatte bereits Tränen in den Augen. Weasleys Gesichtsfarbe hatte in den letzten Minuten annähernd denselben Ton erreicht wie seine Haare und er starrte halb wütend, halb beschämt auf den Boden.
„Halt die Klappe, Malfoy“, fauchte Granger.
Draco sah sie belustigt an. „Kann das Wiesel nicht mehr reden oder warum musst du ihn verteidigen? Ich hatte eher mit Potter gerechnet. Was ist, hat Dumbledore das Interesse an ihm verloren, nach dem, was der Tagesprophet so alles geschrieben hat?“
An den Mienen der anderen Schüler im Abteil konnte er erkennen, dass er nicht der Einzige war, der sich diese Frage stellte. Auch Granger und Weasley schienen das bemerkt zu haben.
„Das geht niemanden etwas an“, fauchte Granger.
‚Sie wird sauer', dachte Draco, noch immer belustigt. ‚Das könnte ein sehr amüsantes Jahr werden.’
„Lasst uns endlich anfangen“, sagte Ernie und versuchte das Thema zu wechseln.
Schade eigentlich. Draco hätte das Wiesel gerne noch mehr erniedrigt. Andererseits, je schneller sie ihre komische Besprechung hinter sich brachten, desto weniger Zeit musste er mit diesen unwürdigen Personen in einem Raum verbringen.

Die kleine Versammlung dauerte fast eine Stunde und somit deutlich länger, als er gehofft hatte. Die beiden Schulsprecher, ein Junge aus Ravenclaw und ein Mädchen aus Hufflepuff, deren Namen er aber schon wieder vergessen hatte, informierten sie über ihre Aufgaben – Einführung der Erstklässler, Patrouillieren durch die Gänge nach Sperrstunde. Sie durften tatsächlich Strafen verteilen, sollte sich jemand daneben benehmen. 'Na, das ist doch mal eine gute Nachricht', dachte Draco und grinste.
Er sah sich zwischen den anderen Vertrauensschülern um. Die Schüler aus den oberen Jahrgängen, die bereits in den Vorjahren das Amt innehatten, hörten nicht wirklich zu. War ja klar, da sie die ganzen Informationen bereits im letzten Jahr zu hören bekommen hatten. Das Wiesel sah ebenfalls so aus, als würde er gleich einschlafen. Granger war die Einzige, die wie gebannt an den Lippen der Schulsprecher hing. Sie hatte sogar eine kleine Rolle Pergament dabei und machte sich eifrig Notizen. Bei diesem Anblick konnte Draco nur den Kopf schütteln. Dass sie es aber auch immer übertreiben musste. Kein Wunder, dass sich alle über sie lustig machten.
Als sie endlich mit der Anweisung, während der Zugfahrt von Zeit zu Zeit die Abteile zu kontrollieren, entlassen wurden, waren Draco und Pansy die Ersten, die aus dem Abteil verschwanden.
„Warte, Draco, ich muss mal schnell auf die Toilette.“
„Oh, Merlin! Dann beeil dich! Ich will zurück zu den Anderen.“
„Ok, ok!“
Granger und Weasley gingen, teils mit bösen Blicken, an ihm vorbei und verschwanden im übernächsten Abteil.
Draco grinste wieder. ‚Das Wiesel und Vertrauensschüler. Dumbledore wird wirklich senil!'

„Wir können gehen“, sagte Pansy, die wieder an seiner Seite erschien und ihm ein strahlendes Lächeln schenkte. Draco verdrehte die Augen. Sie schien es immer noch nicht verstanden zu haben. Sie machten sich auf den Weg zu den Slytherins und liefen dabei Crabbe und Goyle über den Weg.
„Was macht ihr denn hier? Warum seid ihr nicht bei den Anderen?“
„Ähm ... wir sind dem Servierwagen nachgelaufen. Unsere Kürbispasteten sind schon alle weg.“ Das konnte doch nicht wahr sein. Die Beiden waren manchmal verfressener und obendrein dämlicher, als ihnen gut tat. Dummerweise waren ihre Väter im selben Verein wie sein Vater. Es wäre also nicht sehr klug es sich mit ihnen zu verscherzen.
Draco wollte schon weitergehen, als ihm eine Idee kam. „Hey, Pansy, geh schon mal vor. Ich muss noch was erledigen“, sagte er und grinste fies.
„Was hast du denn vor?“
„Später! Crabbe, Goyle, kommt mit. Wir gehen Potter mal einen Besuch abstatten. Sicher heult er in seinem Abteil rum, weil er mittlerweile weniger wert ist als Weasley“, sagte Draco und lachte. Die beiden breitgebauten Slytherins schauten sich nur ahnungslos an, folgten Draco aber widerspruchslos.

Sie kamen zu dem Abteil, in welchem die beiden Gryffindors vorher verschwunden waren. Da saßen die beiden Vertrauensschüler, bei dem Gedanken musste Draco fast wieder lachen, dann der Lahmarsch Longbottom, das Miniwiesel und Loony Lovegood. Das wurde ja immer besser.
Potter saß am Fenster und starrte die drei angriffslustig an. „Was willst du, Malfoy?“
„Sieh zu, dass du dich benimmst, Potter. Du willst doch sicher keine Strafarbeiten bekommen, oder etwa doch?“, feixte Draco. Granger warf ihm einen wütenden Blick zu, doch das störte ihn nicht im Geringsten. „Tja, Im Gegensatz zu Dir bin ich Vertrauensschüler, also pass lieber auf, was du sagst.“
„Im Gegensatz zu mir , bist du ein Mistkerl, Malfoy, also verpiss dich!“ Die anderen im Abteil lachten. Na schön, wenn sie Krieg wollten, den konnten sie haben.
„Na na, muss schon hart sein, wenn sogar deinem lästigen Anhängsel mehr Vertrauen entgegen gebracht wird als dir!“
„Halt die Klappe, Malfoy“, sagte Granger scharf.
Oha, das schien ein wunder Punkt zu sein, was Dracos Grinsen noch breiter werden ließ.
"Du solltest aufpassen, Potter. Ich denke, ich werde dir auf den Fersen bleiben. Wie ein Hund“, fügte er noch hinzu, da ihm in dem Augenblick die Beobachtung vom Bahnhof und der Kommentar seines Vaters wieder einfielen.
„RAUS!“, schrie Granger.
Nicht nur Potters, sondern auch ihre Miene waren bei der Erwähnung des Hundes kurz erstarrt. Er versetzte ihnen noch einen bösen Blick und ging kichernd, gefolgt von Crabbe und Goyle den Gang entlang zu den Slytherins.
Das war ein voller Erfolg gewesen. Dieses Jahr würde wirklich sehr lustig werden.

Zurück im Abteil, ließ er sich auf den Sitz neben Blaise fallen.
„Ist es wahr, dass Weasley Vertrauensschüler ist und nicht Potter?“, fragte dieser sofort, während Theo und Daphne ihn neugierig ansahen.
„Wie es aussieht, hat Pansy wohl schon geplaudert. Aber ja, es ist so“, sagte Draco und fing gleich wieder an zu lachen. Die anderen taten es ihm gleich. Es dauerte einige Minuten, bis sie sich wieder so weit im Griff hatten, dass ein Gespräch zustande kommen konnte. Als nächstes erzählte Draco ihnen von seinem kleinen Besuch im Abteil der Gryffindors.
„Moment, die saßen wirklich mit Loony Lovegood in einem Abteil? Die Verrückte aus Ravenclaw?“, fragte Daphne.
Draco nickte, was einen neuen Lachanfall bei Blaise hervorrief. „Die können tatsächlich noch tiefer fallen. Aber zurück zu dem anderen Thema. Warum zu Hölle macht jemand Weasley zum Vertrauensschüler? Der ist dümmer als ein Plumpudding!“, sagte er.
„Tja, das haben sich wohl alle gedacht. So wie die anderen Vertrauensschüler aussahen, hat wohl jeder mit Potter gerechnet“, sagte Draco. Gleichzeitig erfüllte ihn ein Gefühl von Genugtuung. Er selbst hatte ein wichtiges Amt bekommen und stand damit klar über Potter.
„Jungs, Es war doch klar, dass Potter es nicht wird!“
„Wieso das denn, Daphne?“
„Glaubt ihr wirklich, dass irgendjemand Potter ernst nehmen würde, nach dem, was der Tagesprophet den ganzen Sommer über ihn geschrieben hat?“
„Woher weißt du, was der Tagesprophet geschrieben hat? Du warst im Urlaub“, fragte Blaise.
„Manchmal bist du echt dämlich. Stell dir vor, man kann ihn sich auch ins Ausland liefern lassen. Wie auch immer. Potter ist komplett unglaubwürdig. Jeder hält ihn für irre. Da ist es nur logisch, dass ihm kein wichtiges Amt übertragen wird!“
Daphne hatte Recht. Aus dem Winkel hatte Draco das noch nicht betrachtet, aber es machte Sinn.

„Es scheint ihm auf jeden Fall ganz schön zu treffen, dass er jetzt die Nummer Zwei hinter Weasley ist“, schmunzelte Draco.
„Gut zu wissen“, lachte Blaise. Er schaute sich kurz im Waggon um und senkte den Kopf zu Draco. „Übrigens, seit du wieder hier bist, schaut Pansy alle fünf Minuten hier rüber.“
Draco seufzte. „Dann lass sie gucken, ist mir egal.“
„Ich hab dir gesagt, du hättest nicht mit ihr zum Weihnachtsball gehen sollen“, sagte Daphne.
„Mit wem hätte ich denn stattdessen hingehen soll? Millicent? Die ist doppelt so breit wie ich.“ Blaise und Theo versuchten vergeblich ein Lachen zu unterdrücken. „Und du warst bereits mit Blaise verabredet.“
„Ja, weil er mich lieb gefragt hat“, sagte Daphne und zwinkerte Blaise zu, was Theo dazu brachte sein Gesicht zu verziehen. „Du hättest ja mit meiner Schwester gehen können. Astoria hätte dich sicher gerne begleitet.“
„Deine Schwester? Das ist noch ein Kind!“
„Sie ist nur eineinhalb Jahre jünger als du, also stell dich nicht so an!“
Draco erwiderte nichts. Stattdessen öffnete er eine der Schokofroschpackungen, die Blaise ihm gekauft hatte und lehnte sich zurück.
Blaise war irgendwann eingeschlafen und Draco beobachtete Theo und Daphne, die in ein Gespräch vertieft waren und die Welt um sich herum gar nicht mehr wahrzunehmen schienen. Wenn das so weiter ging, musste Blaise ja nicht einmal nachhelfen. War vielleicht auch besser so. Wer weiß, was der sich alles einfallen lassen würde, wenn er versuchte Amor zu spielen.

Es wurde bereits dunkel und die Tropfen auf den Fenstern deuteten an, dass es noch immer regnete. Lange würde es sicher nicht mehr dauern, bis sie Hogwarts erreichen würden. Draco sah aus dem Fenster und versuchte die Gedanken an zu Hause zu vertreiben. Er wollte nicht an seinen Vater denken und erst recht nicht an Cyrus.
„Jungs, aufwachen!“, sagte Daphne. „Wir sollten uns langsam unsere Umhänge anziehen.“
Dankbar für die Ablenkung, stand Draco auf. Sie zogen sich um und fingen gleichzeitig an, ihre Sachen zusammenzupacken.
„Wir müssen wieder raus und das Chaos ein wenig beaufsichtigen. Treffen wir uns bei den Kutschen?“
„Klar, geh ruhig, ich nehme deine Sachen schon mit.“
„Super, danke, Blaise. Bis später. Pansy, beweg dich, wir müssen die anderen beaufsichtigen!“
Pansy lief sofort zu ihm und zusammen verließen sie das Abteil.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast