Von guten Menschen und Todessern

von Yavannaa
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Andromeda Tonks Draco Malfoy Narzissa Malfoy Nymphadora Tonks Severus Snape
26.02.2017
12.05.2018
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Kapitel 17 – Ein alter Diener

„Was ist so dringend, dass Sie mich mitten in der Nacht herbestellen, Dumbledore?“, fragte Severus Snape leise und mit deutlich missgelauntem Unterton in der Stimme.
„Es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe“, sagte Dumbledore nur.
„Die Prophezeiung? Ich glaube kaum, dass er nach den Misserfolgen so schnell sein Ziel erreicht hat.“
„Nein, nicht die Prophezeiung“, erwiderte Dumbledore, der noch immer, sich mit beiden Armen abstützend, an seinem Denkarium stand und auf dessen schimmernden Inhalt starrte.
„Arthur Weasley hatte heute Nachtwache im Ministerium. Er wurde von Voldemorts Schlange angegriffen, Harry hat es beobachtet.“
„Eine Vision?“
„Mehr als das. Viel mehr, wie mir scheint. Er war im Geist von Voldemort selbst und hat, wie er sagt, durch die Augen der Schlange geblickt, als der Angriff stattfand.“
„Das heißt Nagini müsste im Ministerium gewesen sein. Ist es denn überhaupt sicher, dass so ein Angriff stattgefunden hat?“, fragte Snape, der eher skeptisch schaute.
„Ich befürchte ja. Sie haben Arthur bereits ins St.Mungos gebracht. Seine Frau ist bei ihm und seine Kinder habe ich eben per Portschlüssel in das Haus von Sirius geschickt. Ebenso Harry, doch von der Schlange fehlt jede Spur.“
„Sie sagten eben, dass Potter im Geist des dunklen Lords gewesen sein muss. Das würde heißen, diese Verbindung, die Sie bereits vermutet hatten, existiert tatsächlich.“
„Ja, allerdings. Und ich hoffe, dass sich Voldemort dessen noch nicht bewusst ist, obwohl ich sicher bin, dass er Harrys Anwesenheit gespürt haben muss.“
„Sie meinen, der dunkle Lord könnte diese Verbindung zu seinen Gunsten nutzen? Nun, das klingt auf jeden Fall ganz nach ihm.“
„In der Tat. Deswegen werde ich Sie um einen Gefallen bitten müssen, Severus.“
„Soll ich herausfinden, ob er sich dessen bereits bewusst ist?“
„Nein, das ist für den Moment eher nebensächlich. Ich möchte, dass Sie Harry in Okklumentik unterrichten. Er muss lernen, seinen Geist zu verschließen, um Voldemort dadurch keine Chance zu geben, diese unbewusste Verbindung vertiefen und von ihm Besitz ergreifen zu wollen. Und um sich selbst zu schützen natürlich“, fügte er nach einer kleinen Pause noch hinzu.

„Ich soll Potter unterrichten? Mit Verlaub, Dumbledore, aber wieso übernehmen Sie diese Aufgabe nicht selbst, wenn Ihnen so sehr daran gelegen ist?“
„Ich habe meine Gründe.“
„Dieselben Gründe, weshalb Sie dem Jungen seit Monaten aus dem Weg gehen und ihn ignorieren? Dieses Verhalten hat sich mir noch nicht ganz erschlossen.“
„Es ist recht simpel. Ich befürchte, dass Voldemort diese Verbindung zu Harry noch eher ausnutzen wird, wenn er denkt, dass es eine enge Verbindung zwischen dem Jungen und mir gibt. Stellen Sie sich vor, was passieren könnte, wenn es Voldemort gelingt, Harry durch diese Verbindung zu kontrollieren, ihn als Spion auszunutzen, ohne dass jemand, nicht einmal Harry selbst, etwas davon merkt. Diesen Anreiz will ich ihm nicht geben, weshalb die Aufgabe den Jungen zu unterrichten, Ihnen zukommt, Severus.“
Der Angesprochene sah noch missgelaunter aus, als am Anfang des Gesprächs. „Was lässt Sie annehmen, dass ausgerechnet ich der richtige Lehrer für Potter sei? Der Junge ist genauso arrogant wie sein Vater und unfähig und faul obendrein. So sehr ich ihren Wunsch nachvollziehen kann, glaube ich kaum, dass Potter der Kunst der Okklumentik gewachsen ist.“
„Sie sind ein Meister darin, ihren Geist zu verschließen. Selbst Voldemort kann ihre geistigen Mauern nicht durchdringen. Wie ich außerdem hörte, sind Sie seit einiger Zeit dabei den jungen Mr. Malfoy Okklumentik zu lehren und das anscheinend sehr erfolgreich. Das sollte Sie als Lehrperson doch genug qualifizieren.“
„Man kann Potter wohl kaum mit Mr. Malfoy vergleichen“, sagte Severus verächtlich. Es wunderte ihn kaum, dass Dumbledore von den Privatstunden wusste. „Draco hat die Grundlagen der Okklumentik bereits seit Kindesbeinen an beigebracht bekommen, in der Beziehung war Narcissa sehr gründlich. Potter dagegen schafft es ja noch nicht einmal eine Seite im Buch richtig zu lesen, geschweige denn einfachste Anweisungen zu befolgen. Ihm mangelt es ganz offensichtlich an der richtigen Einstellung.“
„Severus, aus Ihnen spricht die Verbitterung über die Vergangenheit. Aber bedenken Sie: Harry ist nicht James. Vergessen Sie nicht, dass er bereits in der Lage war den Imperiusfluch abzuschütteln. Ich denke das sind doch perfekte Voraussetzungen.“
Severus schien davon jedoch keineswegs so begeistert zu sein, wie Dumbledore.
„Ich weiß, ich verlange bereits sehr viel von Ihnen, indem ich sie zurück in die Kreise von Lord Voldemort geschickt habe, aber erfüllen Sie diese Bitte, denn sie ist von größter Wichtigkeit“, sagte Dumbledore.

Severus schnaubte kaum hörbar auf. Zusatzstunden mit dem Potterbengel, was für hervorragende Aussichten für das neue Jahr. Auf Draco hingegen war er beinahe richtig stolz. In der letzten Woche hatte er dessen Geist zu den unterschiedlichsten Zeiten angegriffen, beispielsweise während der Mahlzeiten in der großen Halle oder sogar während des Zaubertrankunterrichts. Anfangs hatte sein Patenkind sich noch übertölpeln lassen, aber am Ende der Woche hatte er es tatsächlich geschafft, dem überraschenden Angriff standzuhalten und Severus von seinem Geist fernzuhalten, sodass sie nach den Ferien mit der neuen Lektion beginnen konnten. Er bezweifelte, dass Potter auch nur annähernd an Dracos Leistungen herankommen würde.

„Ich deute Ihre Schweigsamkeit als stumme Zustimmung“, sagte Dumbledore schließlich mit einem Zwinkern, bei dem Severus innerlich beinahe rasend vor Wut wurde. Äußerlich verzog er jedoch keine Miene und schaute gleichgültig zu seinem Mentor.
„Was ist mit Umbridge?“, fragte er mit monotoner Stimme.
„Das wäre ein weiterer Punkt, weshalb ich den Unterricht an Sie abgebe. Professor Umbridge hat ihre Nase schon viel zu weit in meine Angelegenheiten gesteckt, da würde Privatunterricht für Harry nur noch mehr Aufsehen erregen. Sie war bereits hier und hat sich darüber echauffiert, dass die Kinder vor ihrer Nase die Schule verlassen haben.“
„Das kann ich mir vorstellen. Ich nehme an, sie weiß über den aktuellen Vorfall Bescheid?“
„Nein, glücklicherweise noch nicht. Ich werde jedoch gleich noch zum Ministerium reisen und ihnen einen plausiblen Grund dafür geben, weshalb man Arthur in der Nähe der Mysteriumsabteilung gefunden hat. Es ist sicher das Beste, ihre Neugier sofort im Keim zu ersticken. Immerhin wurde der Unsägliche Broderick Bode erst vor zwei Wochen in der Abteilung gefunden, bevor er ins St. Mungos gebracht wurde, weil er sich selbst für eine Teekanne hielt. Ich glaube zwar nicht, dass Fudge anfängt Parallelen zu ziehen, aber das Risiko werden wir nicht eingehen.“
Severus nickte nur. Es war unnötig zu erklären, weshalb das Ministerium, Fudge und Umbridge im Besonderen, besser nicht mitbekamen, was der Orden rund um Dumbledore alles wusste und plante. Bode war ein interessanter Fall und er war sich sicher, dass Lucius da seine Finger im Spiel hatte.

„Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt, Severus“, sagte Dumbledore. „Wie Sie sicher wissen, gehört Voldemorts Schlange zu einer seltenen Giftschlangenart. Die Heiler im St. Mungos tun was sie können, aber für das Gegengift müssen sie genau wissen, mit was sie es zu tun haben.“
„Mit anderen Worten: sie brauchen eine Probe von Naginis Gift“, sagte Severus. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. „Ich werde sehen, was ich tun kann.“
„Ich bin sicher, das werden Sie“, erwiderte Dumbledore. „Das wäre dann alles, Severus. Es wird Zeit ins Ministerium zu flohen, damit die Angelegenheiten schnell geklärt werden. Wir wollen doch nicht riskieren, dass Arthur dasselbe Schicksal erleidet wie Sturgis Podmore.“
Severus nickte nur kurz und verließ das Büro des Schulleiters. Wenn er ehrlich war, war es ihm herzlich egal, ob Arthur Weasley in Askaban landete oder nicht. Er würde lediglich dafür sorgen, dass Naginis Gift ihn nicht umbringen würde. Allerdings würde er dafür Hilfe benötigen und er wusste auch schon, wen er in dieser Angelegenheit hinzuziehen konnte.

~~~~~~~~~


„Corki, die Tische müssen ein wenig weiter auseinander stehen, diese Hälfte des Saals sollte vollständig ausgenutzt werden“, sagte Narcissa, die die Dekoration des Festsaals überwachte und einige Punkte auf ihrem Pergament durchstrich. Der kleinere Saal wurde für das Festmahl genutzt. Im ganzen Raum standen, wohl geordnet, kleinere runde Tische, an denen acht Personen Platz nehmen konnten, zu viele Personen an einem Tisch, störten schließlich die gepflegte Konversation. Diese wurden eingerahmt von kleineren, festlich geschmückten und mit einzelnen Schneeflocken bedeckten Tannenbäumen. Auf dem Schnee lag natürlich ein Zauber, der dafür sorgte, dass die weiße Pracht nicht schmolz.
Der anliegende, größere Saal diente als Tanzparkett, auf welchem Lucius und Narcissa als Gastgeber nach dem Mahl den Ball offiziell eröffnen würden. Die Räumlichkeiten wurden in elegantem Silber, mit grünen Akzenten, ganz nach den Farben ihres Hauses und allgemein eher schlicht geschmückt, doch schon an den kleineren Dekorationen, wie den hohen, schlanken Kerzenhaltern auf den Tischen, war der Reichtum der Malfoys zu erkennen. Narcissas persönliche Handschrift sorgte dafür, dass es dennoch nicht protzig wirkte, denn sie wusste, dass das bei der gehobenen Gesellschaft gar nicht gut ankäme.

Es sollte ein stilvoller Abend werden, der die einflussreichsten Mitglieder der Zaubererwelt in einem Haus vereinte. Eine Kunst, die Narcissa bis ins kleinste Detail perfektioniert hatte, der Ball an Heiligabend war ein Ereignis, das sich kein Zauberer und keine Hexe entgehen ließ. Jeder hoffte auf eine Einladung zu diesem Event. Es war eine regelrechte Zurschaustellung der eigenen Familie und des eigenen Wohlstandes und nicht selten waren vor allem Mütter daran interessiert für ihre Kinder einen geeigneten Heiratspartner zu finden.

„Jinx, wo sind die Tischkarten? Und wo, bei Morgana, steckt Twinky?“
Narcissas Hauselfe, Jinx, verbeugte sich tief und hielt ihrer Herrin einen kleinen Kasten mit Karten entgegen. „Hier sind die Karten, Herrin. Twinky bereitet derweil die Gemächer des jungen Herrn vor.“
Narcissa sah auf ihre Elfe herab und nickte. Draco würde am Abend im Manor eintreffen, bis dahin musste alles vorbereitet sein. „Verteil die Karten, auf den Tischen, wer wo sitzen soll, steht auf dem Pergament, das dort auf dem ersten Tisch liegt."
Jinx verbeugte sich abermals und begann mit der Arbeit.

Es dauerte nicht lange, bis auch der Hausherr sich blicken ließ. „Du steckst mal wieder zu viel Arbeit in diesen Ball, meine Liebe.“
„Ich würde eher sagen, ich sorge dafür, dass unsere Gäste sich hier wohlfühlen. Du sagst doch selbst immer, dass es wichtig ist, seinen Stand zu zeigen.“
„Natürlich, Narcissa, aber doch nicht um sieben Uhr morgens. Die Hauselfen sollten das Frühstück zubereiten, für den Saal haben sie auch später noch Zeit. Es ist doch sicher nicht notwendig, dass du jeden einzelnen Elfen hierfür beanspruchst.“ Er sah sich im Raum um und griff nach einer der Karten, die Jinx verteilte.
„Tischkarten? Auch noch von dir handgeschrieben? Ich sag doch, dass du allmählich übertreibst.“
„Eine Tischordnung ist nur von Vorteil.“ Lucius ging weiter und besah sich den Plan, den Narcissa für die Verteilung der einzelnen Personen angefertigt hatte.
„Edward und Emilia Fawley? Du setzt die schwarze Witwe ausgerechnet an unseren Tisch? Ich wusste noch nicht mal, dass sie überhaupt eingeladen wurde.“
„Auch wenn es mir selbst nicht gefällt, gehört sie dennoch zur gehobenen Reinblütergesellschaft. Ihr Mann ist außerdem der Vorsitzende eines einflussreichen Unternehmens. Ich nahm an, dass geschäftliche Beziehungen einen großen Nutzen für dich hätten. Du kannst diesen Abend nutzen, um dich bei ihm ein wenig einzuschmeicheln. Wie du siehst, hat diese Veranstaltung auch für dich nur Vorteile.“
„Ich schätze deine Aufmerksamkeit, Liebes, aber was soll das bringen? Seien wir ehrlich, der Mann wird kaum lange genug leben, um diese Beziehungen auch nutzen zu können. Ich hätte nicht einmal gedacht, dass er Weihnachten noch erlebt.“
Narcissa warf ihrem Mann daraufhin einen missbilligenden Blick zu. Manchmal konnte er wirklich unsensibel sein.
„Selbst wenn er von uns gehen sollte, er hat einen Sohn, der das Unternehmen weiterführen wird. Du kannst deinen Charme also auch bei ihm spielen lassen. Er wird mit seiner Frau am Nachbartisch Platz nehmen“, sagte sie und schritt durch den Saal, um zu überprüfen, dass nun alles am richtigen Platz stand.

„Was ist mit Draco“, fragte Lucius nach einer kleinen Pause.
„Was genau meinst du? Wenn du dich fragst, wo er sitzen wird, ich habe die Jugendlichen alle zusammen an einen Tisch gesetzt. Die Greengrasses werden nicht nur Daphne, sondern auch ihre jüngere Tochter Astoria mitbringen. Die beiden sind sehr hübsch und aus gutem Haus.“
„Zweifelsfrei eine vorteilhafte Partie für unseren Sohn“, sagte Lucius, der die Anspielungen seiner Frau natürlich sofort verstanden hatte.
„In der Tat. Ich weiß, dass Draco sehr gut mit Daphne befreundet ist, aber ein bisschen Nachhelfen, damit daraus noch etwas mehr wird, hat noch nie geschadet.“
„Und falls das nicht klappt, gibt es ja noch die jüngere Tochter. Hast du etwa schon mit Anora darüber gesprochen?“, fragte Lucius.
„Nein, wo denkst du hin. Ich möchte, dass Draco seine zukünftige Frau selber aussucht. Ich helfe lediglich ein bisschen nach“, sagte sie mit einem leichten Schmunzeln. „Ich wage aber zu behaupten, dass sowohl Anora als auch Oswin sich sehr über die Verbindung unserer beiden Häuser freuen würden.“
„Wie immer überlasse ich die Planung dir, meine Liebe“, sagte Lucius nur und folgte ihr in den größeren Tanzsaal. Während Narcissa kontrollierte, ob die Kerzen alle an ihrem Platz standen und die Tanzfläche trotz der Weihnachtsbäume noch groß genug war, zog Lucius langsam seinen Zauberstab und schaltete mit einem Wink das riesige, antike Grammophon ein, welches neben dem großen, schwarzen Flügel stand und am nächsten Abend für die musikalische Unterhaltung sorgen sollte. Ursprünglich wollte seine Frau ein Streichorchester haben, aber das hatte er ihr zum Glück ausreden können, denn das fiel, seiner Meinung nach, eindeutig in die Kategorie Übertreibung.

Es erklangen die ersten Töne einer Violine und zauberten Narcissa ein kleines Lächeln ins Gesicht. Sie blieb mitten auf der Tanzfläche stehen, während Lucius sich ihr langsam näherte und von hinten seine Arme um die Hüfte seiner Frau schlang.
„Darf ich um diesen Tanz bitten, meine Schöne“, flüsterte er ihr ins Ohr, was bei Narcissa eine leichte Gänsehaut verursachte. Wie sehr sehnte sie sich in diesen Tagen nach ihrem Mann, nach demjenigen, den sie vor 17 Jahren geheiratet und der sie stets auf Händen getragen hatte. Es waren seltene Momente geworden, in denen er so zärtlich war. Seit ihrem kleinen Obliviate-Zauber war sein abweisendes Verhalten teilweise noch schlimmer geworden.

Sie drehte sich langsam zu ihm und Lucius gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. Sie legte ihre Hand in seine und ließ sich von ihrem Mann im Takt der Musik führen. Narcissa vergaß alles um sich herum, das einzige, was sie wahrnahm, waren Lucius und sie, allein in diesem Raum, der erfüllt war von den Klängen des Gramophone-Walzers. Lucius graue Augen strahlten eine Wärme und Zuneigung aus, die sie lange vermisst hatte.
Sie tanzten weiter und Narcissa genoss diesen Moment, diesen Tanz, von dem sie sich wünschte, dass er ewig andauern würde. Zwar war am nächsten Tag der offizielle Ball, aber sie wusste, dass sie Lucius an jenem Abend nicht für sich allein haben würde, nicht so wie jetzt. Er würde sich früher oder später mit seinen sogenannten Freunden zurückziehen und sie würden wieder Pläne für den dunklen Lord schmieden.
Diesen Gedanken schob Narcissa ganz schnell wieder von sich fort. Daran wollte sie nicht denken, stattdessen hoffte sie, dass die Musik nicht aufhören würde zu spielen, während Lucius sie weiter über die Tanzfläche führte.
„Ziehst du morgen das Kleid an, welches ich dir zu unserem letzten Hochzeitstag geschenkt habe“, fragte Lucius.
„Natürlich, wenn du das wünschst“, antwortete Narcissa. Sie hatte dieses Kleid bereits im Voraus ausgewählt, aber das brauchte sie ihm ja nicht zu erzählen. Sie sahen sich in die Augen, vollführten eine weitere Drehung und ...

PLOPP

Die Eheleute drehten sich erschrocken um und starrten auf den alten, runzligen Hauselfen, der soeben in ihrem Saal erschienen war und ihre traute Zweisamkeit zerstört hatte. Sie waren so perplex, dass sie kein Wort über die Lippen brachten, während der Hauself sich ihnen zuwandte und sich so tief vor ihnen verbeugte, dass seine Nase den Boden berührte.
„Herrin, Kreacher ist froh Sie gefunden zu haben.“
Lucius konnte sein Erstaunen nur schwer zurückhalten und sah Narcissa an. „Weißt du, wessen Hauself das ist?“
Narcissa sah ebenfalls geschockt aus, fing sich aber schnell wieder. Sie ging einen Schritt auf den Hauselfen zu, der seinen Kopf noch immer gesenkt hatte.
„Kreacher. Ich erinnere mich. Du bist der Hauself von Tante Walburga.“
„Jawohl Herrin, Kreacher diente schon immer dem fürnehmen Haus der Blacks und zuletzt der großartigen Herrin Black.“ Bei diesen Worten verneigte er sich noch ein wenig tiefer.
„Wem dienst du seit dem Tod deiner alten Herrin?“, verlangte Lucius zu wissen.
„Laut der Erbfolge müsste er in Sirius’ Besitz übergegangen sein.“ Narcissa sah zu dem Hauselfen zu ihren Füßen. „Ist es wahr? Ist Sirius Black dein Besitzer? Hat er dich geschickt, um hier zu spionieren?“
„Der Herr war ein gemeines Schwein. Beschmutzt das Andenken seiner wundervollen Mutter, verkehrt mit Schlammblütern und Blutsverrätern, wertloses Pack, zerstört alles. Armer Kreacher ist untröstlich, diesem Abschaum dienen zu müssen.“ Kaum hatte er das gesagt, fing er an, seinen Kopf hart auf den Boden zu hauen.
Anstatt ihn von der Selbstbestrafung abzuhalten, drehte Lucius sich zu Narcissa um. „Wie es aussieht, bist du für dieses Ding immer noch ein vollwertiges Mitglied der Familie Black.“
„Warum sollte ich nicht? Meine Heirat mit dir ändert nichts an meiner Herkunft“, erwiderte Narcissa.
„Selbstverständlich nicht, das habe ich auch nicht behauptet. Ich meinte lediglich, dass der Hauself dich als Herrin zu akzeptieren scheint, wenn er sogar aus eigenem Antrieb hier aufzutauchen scheint.“
Narcissa sah zu Kreacher. „Ist das wahr? Du bist hier, um mir zu dienen? Ich warne dich, versuche bloß nicht zu lügen und mich zu hintergehen, hast du das verstanden?“
„Kreacher dient seit jeher dem Hause Black, dem Haus ihrer Vorfahren, meine Herrin“, erwiderte der Elf. „Kreacher fühlt sich geehrt, der Nichte seiner alten Herrin und ihrem hochgeschätzten Gemahl zu Diensten sein zu dürfen.“

Das ließ Lucius sich nicht zweimal sagen. „Wo sind sie?“, fragte er. „Black, wo versteckt er sich?“
Kreacher sah Lucius aus seinen großen, blutunterlaufenen Augen an. „In... er ist... Kreacher kann es nicht sagen, Sir“, sagte er und schluchzte auf.
Narcissa sah zu ihrem Mann und runzelte die Stirn. „Wahrscheinlich ein Fidelius-Zauber. Er kann es nicht verraten“, sagte Lucius leicht verärgert.
„Wie bist du hierhergekommen, Kreacher? Hat Sirius dir erlaubt ihn zu verlassen?“, fragte Narcissa den noch immer jammernden Hauselfen.
„Der Herr hat Kreacher gesagt er solle rausgehen. Kreacher hat sich erst auf dem Dachboden versteckt und dann ist er heute Morgen der Anweisung gefolgt und hat das Haus verlassen.“
Lucius lachte beinahe laut auf. „Ich wusste, dass Black ein Volltrottel ist.“
„Was genau hat Sirius zu dir gesagt, Kreacher?“ fragte Narcissa argwöhnisch, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass Sirius so dumm war und dem Hauselfen erlaubte das Haus zu verlassen, selbst wenn er über den Aufenthaltsort nichts verraten konnte, wusste er im Allgemeinen wahrscheinlich viel zu viel.
„Der Herr hat geschrien: ‚Raus hier!’, also ist Kreacher rausgegangen“, sagte die kleine Kreatur.

Diese Erklärung brachte Lucius erst recht zum Lachen. „Wie es aussieht, hat der Hauself die Anweisung zu seinem eigenen Vorteil ausgelegt, ohne sie zu missachten, nicht schlecht“, sagte er mit einem hämischen Grinsen.
„Was kannst du uns über Black erzählen? Mit wem verkehrt er?“, fing Lucius an den Hauselfen auszufragen.
„Der Herr ist ganz vernarrt in sein Patenkind, den jungen Harry Potter“, sagte Kreacher mit einem listigen Ausdruck in den Augen.
„So, so, das scheint Blacks Schwäche zu sein. Gilt dieselbe Anhänglichkeit auch für Potter?“
„Oh ja, biestiger Potter hängt sehr an dem Herrn. Elender Blutsverräter, hat keinen Respekt, verkehrt mit Schlammblütern. Wenn meine arme Herrin das wüsste, armer Kreacher.“

Lucius wandte sich wieder Narcissa zu, die noch immer auf den, sich nun wieder selbst bemitleidenden Hauselfen starrte. Sie hatte eine Ahnung, wo Sirius sich versteckte, aber sie hielt den Mund. Es würde sowieso nichts ändern, da sie das Haus, sollte es tatsächlich mit dem Fidelius geschützt sein, nicht würden sehen können. Jetzt blieb nur die Frage, was sie mit Kreacher anstellen sollte. Ihrem Mann konnte sie ansehen, dass er diesen Umstand sehr gerne zu seinem eigenen Vorteil nutzen wollte. Wer wusste schon, was der alte Diener ihrer Familie ihnen alles verraten konnte.
„Kreacher, ich wünsche, dass du den anderen Elfen vorerst in der Küche hilfst. Du wirst mit niemandem darüber sprechen, wo du herkommst und verrichtest still deine Arbeit.“, sagte sie.
„Dann darf Kreacher der hochgeschätzten Mrs Malfoy dienen?“, fragte Kreacher, der einen hoffnungsvollen Blick aufgesetzt hatte.
Narcissa sah zu Lucius, der zustimmend nickte, bevor sie sich wieder an den Hauselfen wandte. „Soweit es möglich ist, ja, auch wenn ich nicht den gleichen Stand habe, wie dein Herr. Du wirst irgendwann zu ihm zurückkehren müssen, aber du wirst mit keinem Wort und keiner Geste sagen, wo du gewesen bist. Wenn er fragt, dann lüge. Über den Rest sprechen wir später und nun tu, was ich dir aufgetragen habe.“

Narcissa hätte  Kreacher einfach wegschicken können, aber sie wusste, dass Lucius sich diese Gelegenheit, etwas über Sirius und womöglich auch über Potter herauszufinden, nicht entgehen lassen würde. Ihr Gewissen sagte ihr, dass es falsch war, aber ihr Herz gehörte nun einmal Lucius und so würde sie sich nicht dagegenstellen. Andererseits war es nicht ihre Schuld, dass ihr Cousin so dumm war, ausgerechnet denjenigen, der ihn ans Messer liefern konnte, so schlecht zu behandeln, dass er jedes Schlupfloch nutzte, um nicht seinem eigentlichen Herrn, sondern vorrangig seiner Familie, egal um welches Mitglied es sich handelte, zu dienen.
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