Von guten Menschen und Todessern

von Yavannaa
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Andromeda Tonks Draco Malfoy Narzissa Malfoy Nymphadora Tonks Severus Snape
26.02.2017
12.05.2018
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Kapitel 16 – Slytherin müsste man sein

„Saubere Arbeit, Malfoy“, sagte Montague am nächsten Morgen im Gemeinschaftsraum und klopfte Draco auf die Schulter. Dieser sah ihn nur verständnislos und verärgert an, da er keine Lust hatte, für das verlorene Quidditchspiel verantwortlich gemacht zu werden. „Was soll das heißen?“, fragte er daher nur.
„Hast du es noch nicht gehört? Potter und die Weasley-Zwillinge haben lebenslanges Spielverbot, weil sie auf dich losgegangen sind“, sagte Montague und lachte.
„Spielverbot? Wieso sollte McGonagall denen ein Spielverbot auferlegen? Das sind ihre besten Spieler“, sagte Blaise ungläubig.
„Oh, das war nicht McGonagall, die Strafe kam von Umbridge. Wie es aussieht, gibt es einen neuen Ausbildungserlass, der sie dazu befugt, Strafen für die Schüler festzulegen“, antwortete Montague. Er drückte ihnen einen Zettel in die Hand, der zuvor am schwarzen Brett gehangen hatte. Es handelte sich um einen Aushang, der am Morgen dort angebracht worden war und auf dem der neue Erlass Nr. 25 verkündet wurde.
„Schon wieder ein Ausbildungserlass? Will das Ministerium jetzt etwa jeden Monat einen neuen verabschieden, oder was?“, fragte Daphne leicht angesäuert. „Wenn sie jetzt schon über die Strafen entscheiden darf, dauert es anscheinend wirklich nicht mehr lange, bis sie auch Schüler rausschmeißen darf. Ich hab’s euch doch gesagt!“
„Ja, hast du, aber noch ist es nicht so weit“, sagte Draco. „Außerdem, was regst du dich so auf? Es betrifft uns doch nicht. Die Kröte liebt uns, also haben wir auch nichts zu befürchten.“
„Kann ja sein, aber es gefällt mir trotzdem nicht.“
„Und mir gefällt es nicht, dass die Löwen, allen voran Potter, bisher von allen Lehrern ständig den Hintern gepudert bekommen haben. Jetzt sind wir an der Reihe, also sollten wir was daraus machen, anstatt uns über etwas aufzuregen, was uns sowieso nicht betrifft“, erwiderte Draco.
„Ich hoffe, dass du dich da mal nicht irrst“, sagte Daphne leise, aber Draco beschloss, es einfach zu ignorieren. Schon allein durch seinen Vater hatte er bei Umbridge einen Stein im Brett, also brauchte er sich keine Gedanken über irgendwelche Strafen machen, die er von ihr sowieso nicht kriegen würde. Viel interessanter fand er die Neuigkeit über das Spielverbot für Potter und die Weasleys. Da hatte seine Show am Vortag ja doch noch was gebracht. Gut, sie hatten ihn teilweise echt heftig erwischt, aber im Nachhinein gesehen, war es das allemal wert gewesen!

Montagmorgen beim Frühstück gab es die nächste, diesmal unerfreuliche Überraschung. Bereits beim Betreten der großen Halle konnten sie sehen, dass dieser Bergtroll Hagrid wieder da war. Hieß das etwa, dass sie demnächst wieder bei ihm Unterricht haben würden? Hoffentlich nicht...

Aber natürlich hatten sie mal wieder Pech, denn Dienstagmorgen stand nicht Raue-Pritsche, sondern der Riesentölpel vor ihnen.
„Was hat der mit seinem Gesicht veranstaltet?“, fragte Daphne die anderen im flüsternden Ton. Bevor jemand irgendwelche Vermutungen anstellen konnte, verkündete Hagrid, dass die Stunde im verbotenen Wald stattfinden würde, weil SIE, was auch immer das sein sollte, lieber im Dunkeln waren.
„Was will lieber im Dunkeln sein?“, fragte Draco Crabbe und Goyle, in der kaum vorhandenen Hoffnung, dass wenigstens die beiden zugehört hatten, was natürlich nicht der Fall war. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihrem sogenannten Professor in den Wald zu folgen und zu hoffen, dass sie lebend wieder rauskamen. Bei ihm wusste man ja nie, was für Monster er so alles in seinem Unterricht anschleppen würde.

„Wird ’ne tolle Stunde“, sagte Hagrid und lächelte dabei dümmlich vor sich hin. „Bin der einzige, der es geschafft hat, diese Tiere zu dressieren, die sin’ ziemlich selten, müsst ihr wissen.“
„Und da sind sie sich sicher, ja?“, fragte Draco und versuchte seine Panik zu überspielen. „Wäre ja nicht das erste Mal, dass sie uns gefährliche Viecher vorsetzen.“ Um sich herum konnte er zustimmendes Gemurmel hören.
„Natürlich sin’ die dressiert, absolut harmlos“, sagte Hagrid mit finsterem Blick, während er sich einen Kuhkadaver über die Schulter schmiss.
„Das werden wir ja sehen“, erwiderte Draco, der das schlimmste befürchtete. „Und was ist eigentlich mit ihrem Gesicht? Waren das auch diese ‚harmlosen’ Tiere, die sie dressiert haben?“
„Das geht dich 'n Dreck an“, brummte Hagrid wütend. „Und nun folgt mir alle.“ Damit drehte er sich um und ging geradewegs in den Wald hinein.

Nach ein paar Minuten blieben sie an einer Stelle stehen, an der die Bäume besonders dicht standen, sodass kaum Sonnenlicht durch das Blätterdach gelangen konnte.
„Der Fleischgeruch zieht sie an und ich werde noch nach ihnen rufen“, sagte Hagrid. „Bleibt einfach hier stehen und beobachtet alles.“ Er stieß ein paar Mal einen schrillen Schrei aus, aber nichts passierte.
„Meint ihr, dass uns wirklich nichts passieren kann“, fragte Daphne und klammerte sich ängstlich an Theo fest.
„Wir sind im verbotenen Wald, was meinst du wie sicher es hier ist?“, fragte Draco, und sah sich nervös um, aber außer Bäumen war da weit und breit nichts zu sehen. Auch die anderen sahen sich um, nur Theo starrte auf einen Punkt direkt vor ihnen.
„Wer sie sehen kann, hebt bitte die Hand“, sagte Hagrid auf einmal, woraufhin Theo, ebenso wie Longbottom und Potter, seinen Arm hob. Die anderen sahen ihn verdutzt an.
„Entschuldigen Sie, aber was sollen wir denn sehen?“, fragte Draco Hagrid mit einem spöttischen Unterton. Doch statt etwas zu sagen, zeigte der nur auf den Kuhkadaver am Boden, von dem ein großes Stück wie durch Zauberei abgerissen wurde. Draco, Daphne und Blaise machten große Augen und wichen augenblicklich einen Schritt zurück. Nur Theo blieb seelenruhig stehen und schaute weiterhin in die gleiche Richtung.
„Was ist das?“, kreischte ein Gryffindormädchen. Sie sah aus, als würde sie jeden Moment losheulen.
„Thestrale“, antwortete Hagrid. „Wer kann mir sagen...? Ja, Hermine, dann mal los.“

Die Antwort bekamen sie nicht mit, sie würden ihre Antwort später sowieso wortwörtlich im Schulbuch wiederfinden. Stattdessen drehten sie sich zu Theo um, der die Thestrale anscheinend sehen konnte.
„Theo, was sind das für Viecher?“, fragte Daphne.
„Thestrale, hat der Troll doch gesagt.“
„Ich hab gehört die bringen Unglück. Wie kann man die dann in der Nähe der Schule halten?“, meinte Blaise und sah sich stirnrunzelnd um.
„Das ist Blödsinn, das sind nur Märchen, weil die Leute keine Ahnung haben. Es kann sie nur nicht jeder sehen, sondern nur die. ..“
„... die den Tod gesehen haben“, beendete Draco den Satz und sah dann Theo an. Der verstand die Frage in dem Blick und antwortete: „Meine Mutter. Ich war dabei, als sie gestorben ist.“

Sie alle wussten, dass Theos Mutter an Drachenpocken gestorben war, als er sechs Jahre alt gewesen war, aber darüber gesprochen hatten sie noch nie. Er war nie der Typ gewesen, der viel von sich erzählte. Dementsprechend sahen sie alle betreten zu Boden und wussten nicht, was sie tun oder sagen sollten.
Es war Theo selbst, der die Stimmung wieder lockerte. „Es ist ok, Leute. Es ist bald zehn Jahre her. Ich vermisse sie jeden Tag, aber ich komme damit klar. Außerdem wisst ihr jetzt, dass ich all die Jahre recht hatte, was die angeblich selbst fahrenden Kutschen angeht“, sagte er mit einem Grinsen, wodurch die Anspannung bei seinen Freunden nachließ.
„Und, sind sie wirklich nicht gefährlich?“, fragte Daphne, der das Ganze noch immer nicht geheuer war.
„Nein, keine Angst. Ich gebe es nicht gerne zu, aber die scheinen wirklich gut dressiert zu sein“, sagte Theo und versuchte sich seine Bewunderung über diese Tatsache nicht anmerken zu lassen. „Da steht übrigens eins direkt hinter dir, Daphne“, fügte er hinzu und lachte, als Daphne vor Schreck einen Satz nach vorne machte und in Dracos Arme sprang.

„Chrm, chrm.“

Sie drehten sich um und sahen Professor Umbridge hinter ihnen stehen, die mit ihrem pinken Kostüm mitten im Wald absolut fehl am Platz aussah. Hagrid bemerkte sie erst nach dem zweiten Räuspern.
„Sie haben meine Mitteilung über den Unterrichtsbesuch erhalten?“, fragte sie mit honigsüßer Stimme.
„Ähm, ja. Schön, dass Sie hergefunden haben. Wie Sie sehen – können Sie sie sehen? – Ähm, ja, auf jeden Fall nehmen wir heute Thestrale durch“, stotterte Hagrid.
„Wie bitte?“, fragte Umbridge und streckte ihm ihren Kopf entgegen, als ob sie schwerhörig sei.
„Ähm... Thestrale. Sie wissen schon, große,... geflügelte Pferdewesen“, er wedelte unbeholfen mit den Armen, woraufhin die Slytherins sich ein Lachen nur schwer verkneifen konnten, er sah noch lächerlicher aus als gewöhnlich.
„Muss auf... primitive Zeichensprache... zurückgreifen“, murmelte Umbridge und machte sich Notizen auf ihrem Klemmbrett
Es dauerte nur diese paar Sätze, bis ihnen klar war, dass Umbridge alle Register zog, um den Halbriesen lächerlich zu machen, auf die Weise war es für sie wahrscheinlich leichter, ihn so schnell wie möglich loszuwerden. Auf Dracos Gesicht breitete sich ein diebisches Grinsen aus. Wie es aussah, würden sie schon bald wieder ordentlichen Unterricht bekommen.
„Sie wird mir fast sympathisch“, flüsterte Draco Blaise feixend zu und auch sein bester Freund beobachtete die Szene mit großer Genugtuung.
„Ähm... wo war ich stehen geblieben?“, sagte Hagrid und wandte sich wieder der Klasse zu.
„Schlechtes... Kurzzeit... gedächtnis“, murmelte Umbridge wieder, natürlich so laut, dass jeder es hören konnte und machte sich weiter Notizen.
„Das ist besser als Weihnachten und Ostern zusammen“, gluckste Draco, der schon beinahe Lachtränen in den Augen hatte. Im Gegensatz zu ihm konnte Pansy sich nicht mehr zusammenreißen, sie bekam kaum noch Luft vor Lachen.
„Bitte fahren Sie mit dem Unterricht fort. Ich werde dann umhergehen... und einzelne Schüler befragen“, sagte Umbridge sehr langsam und unterstrich ihren Satz mit Zeichensprache, damit Hagrid sie auch wirklich verstand.
„Wie ist es bei Ihnen“, wandte Umbridge sich daraufhin an Pansy. „Können Sie verstehen, von was Professor Hagrid spricht?“
Pansys Antwort war kaum zu verstehen, da sie noch immer unter einem Lachanfall litt. „Nein... das... hört sich eher... an... wie Gegrunze.“
Umbridge kritzelte weiter auf ihrem Klemmbrett rum, fragte Longbottom auf uncharmante Weise, wen er hätte sterben sehen und nahm dessen Antworten zum Anlass davon auszugehen, dass die Schüler Angst im Unterricht hätten. Dann zog sie auch schon von dannen und ließ eine wütende Granger, einen aufgebrachten Longbottom und laut lachende Slytherins zurück.

„Ich würde sagen, den Kerl sind wir bald los“, fasste Draco das Ganze zusammen, als sie nach der Stunde gemeinsam zum Schloss hochgingen.
„Wenn wir bei ihr auch noch was lernen würden, dann könnte ich mich vielleicht sogar mit der Kröte anfreunden“, sagte Blaise und die anderen stimmten sofort zu.
„Ich rede mal mit Severus, vielleicht kann er uns ja helfen“, schlug Draco vor. „Immerhin hat er Ahnung von den dunklen Künsten.“
„Glaubst du ernsthaft, dass er uns helfen würde? Wie soll er das machen? Einen abgelegenen, verlassenen Raum suchen und uns gegenseitig Flüche an den Hals hexen lassen?“, fragte Theo mit einem spöttischen Unterton.
„Keine Ahnung, aber irgendwas wird uns schon einfallen“, sagte Draco und damit war das Thema erst einmal erledigt.

Der November neigte sich dem Ende zu und der darauffolgende Dezember brachte so viel Schnee wie lange nicht.
Draco hatte noch immer Okklumentikstunden bei seinem Paten und mittlerweile war er richtig gut geworden. In den meisten Fällen war er bereits in der Lage Severus von seinem Geist fernzuhalten, aber das reichte noch nicht.
„Du musst dich konzentrieren, Draco“, sagte Severus. „Der dunkle Lord wartet nicht, bis du dich gesammelt und deinen Geist geleert hast. Du musst in der Lage sein, deinen Geist permanent zu verschließen.“
„Ich versuche es ja. Aber du musst zugeben, dass ich schon verdammt gut geworden bin.“
„Pass lieber auf, dass deine Arroganz dir nicht noch den Kopf kostet. Den Geist zu verschließen ist nur der Anfang. Du wirst außerdem lernen müssen, andere Personen durch deine Gedanken zu leiten, um ihnen das zu zeigen, was sie sehen sollen. Das ist wichtig, wenn du dem dunklen Lord gegenüberstehen solltest.“
„Das heißt ich soll ihn hereinlassen?“
„Er ist ein Großmeister in der Kunst der Legilimentik, wenn er vor dir steht, wirst du keine andere Wahl haben, als ihn in deinen Geist vordringen zu lassen. Aber was du ihn sehen lässt, das liegt an dir.“
„Warum haben wir nicht damit angefangen?“
„Wie wäre es, wenn du mal nachdenkst, bevor du so eine Frage stellst. In deinem fünften Schuljahr solltest du langsam wissen, dass man erst einmal die Grundlagen beherrschen sollte, bevor man sich den schwierigeren Lektionen zuwendet. Außerdem brauchst du nicht davon ausgehen, dass der dunkle Lord darauf achtet, seinen Opfern keine Schmerzen zuzufügen, ganz im Gegenteil, er liebt es, sie leiden zu sehen.“
„Tolle Aussichten“, murmelte Draco. „Erklär mir nochmal, warum ich das überhaupt lernen muss? Ich bin noch in der Schule, da wird er wohl kaum Interesse an mir haben.“
„Das mag sein, Draco, aber dein Vater ist die rechte Hand des Lords. Ich will nicht, dass du ihm irgendwann unvorbereitet gegenüber stehst, nur weil ihr zufällig zur selben Zeit am selben Ort seid. Und jetzt reiß dich zusammen, damit wir bald zur nächsten Lektion übergehen können. Ich will nach den Ferien damit beginnen, vorausgesetzt du beweist mir bis dahin, dass du die Grundlagen wirklich beherrschst.“
„Bringst du mir dann auch Legilimentik bei?“, fragte Draco hoffnungsvoll.
„Wenn du es schaffst die Okklumentik zu meistern, werde ich es mir überlegen“, sagte Severus leise, was Dracos Augen zum Strahlen brachten. Es war bestimmt verdammt nützlich die Gedanken von anderen lesen zu können, vor allem wenn man, wie Severus so talentiert war und in den Geist eindringen konnte, ohne dass die andere Person es bemerkte. Vorausgesetzt natürlich, dass diese Person keine Ahnung von Okklumentik hatte, aber das traf auf die meisten Menschen zu. Severus hatte ihm erklärt, dass die Okklumentik ein fast vergessener, unbekannter Zweig der Magie war.

„Ich will den Schwierigkeitsgrad in Zukunft erhöhen. Du hast es zwar bereits geschafft, mich erfolgreich von deinen Gedanken fernzuhalten, aber wie sieht es aus, wenn du nicht damit rechnest, dass jemand deinen Geist angreift?“, sagte Severus. „Wir werden das bis zu den Weihnachtsferien testen, dann sehen wir wie gut du wirklich bist.“
„Und wie genau soll das aussehen?“, fragte Draco eher skeptisch.
„Sei einfach auf der Hut und schließe deinen Geist von der Außenwelt ab, egal, was du gerade machst. Deine Okklumentikschilde sollten immer ein Teil von dir sein, egal wo du bist oder was du gerade machst. Soweit ich informiert bin, versucht dein Vater dir schon lange einzutrichtern, dass du deine Emotionen im Griff haben solltest, sobald du im öffentlichen Raum bist. Da sich dies sehr gut mit Okklumentik komibinieren lässt, werden wir deinem Vater den Gefallen tun und dein öffentliches Auftreten ebenfalls trainieren, da deine Fähigkeiten in diesem Bereich doch sehr zu wünschen übrig lassen. Ich brauche dich noch nicht einmal anschauen und weiß genau, was in dir vorgeht. Dein Vater hat also nicht ganz unrecht.“

„Und wann genau soll dieses weitere Training stattfinden?“, fragte Draco genervt, da sein Vater ihm damit bereits seit Jahren in den Ohren lag. Er war der Meinung, dass es unabdinglich sei, in der Öffentlichkeit stets eine Maske zu tragen, um anderen Leuten keine Angriffsfläche zu bieten. Draco hasste es, wenn ihm dauernd gesagt wurde, wie er sich zu benehmen hatte, er war doch schließlich kein Kind mehr.
„Das wirst du schon merken“, erwiderte Severus mit einem leicht hinterhältigen Grinsen auf den Lippen, welches Draco mit einem mulmigen Gefühl wahrnahm. „Es ist schon spät, du kannst jetzt gehen, Draco.“

Draco wollte schon zur Tür hinausgehen, blieb aber einen Moment unentschlossen stehen, bevor er sich noch einmal zu seinem Paten umdrehte.
„Was gibt es denn noch?“
„Ähm,... ich hatte dich doch beim letzten Mal gefragt, ob du uns mit Verteidigung gegen die dunklen Künste helfen kannst. Du weißt schon,... weil wir doch im Unterricht selber überhaupt nichts lernen.“
„Ja, das habe ich nicht vergessen. Aber ich habe dir beim letzten Mal schon gesagt, dass ich wohl kaum das ganze Haus unterrichten kann. Ich habe keine Zeit dafür und ich bin nicht gerade erpicht darauf, die Aufmerksamkeit des Ministeriums noch weiter auf mich zu lenken.“
„Noch weiter? Du bist doch nicht auf Bewährung, oder?“
„Selbstverständlich bin ich das nicht, obwohl meine Vergangenheit ihnen genug Gründe gibt, um mich im Auge zu behalten“, sagte Severus. „Ich denke nicht, dass ich noch einmal wiederholen muss, weshalb sie hier ist, das hatten wir doch bereits geklärt.“
„Natürlich“, murmelte Draco, der enttäuscht war, dass sein Pate ihnen nicht helfen konnte.

„Ich werde mir etwas für euch einfallen lassen, Draco. Für den Anfang“, er ging auf sein übervolles Bücherregal zu und zog zwei alte, dicke Bücher heraus. „Nimm die hier mit. Da stehen alle Zauber drin, die für eure ZAGs wichtig sind. Ich selbst habe noch einige Kommentare hinzugefügt. Das sollte euch erst einmal helfen.“
Dankbar nahm Draco die Bücher entgegen und strahlte.
„Aber ich warne euch“, fügte Severus hinzu, als er Dracos Gesicht sah. „Lasst euch bloß nicht erwischen, wie ihr irgendwelche Zauber übt. Umbridge scheint einen Narren an den Slytherins gefressen zu haben, setzt das nicht unnötig aufs Spiel. Und behalte die Bücher für dich, ich will nicht, dass irgendwelche Idioten, die ihren Zauberstab nicht halten können, sie in die Finger bekommen.“
„Ich passe darauf auf“, sagte Draco schnell und drückte die Bücher fest an seine Brust. Jede Wette, dass er mit den unfähigen Idioten Crabbe und Goyle gemeint hatte.
„Danke, Sev“, fügte er noch hinzu und verließ, glücklich wie er war, die Privaträume seines Paten. Er musste die Bücher sofort seinen Freunden zeigen, endlich würden sie was lernen, denn er war sicher, dass die Bücher seines Paten sehr viel lehrreicher waren, als der Mist, den Umbridge ihnen vorsetzte.

„Was habe ich dir eben über die öffentliche Zurschaustellung von Gefühlen jeder Art gesagt?“, fragte Severus mit einem genervten Unterton in der Stimme.
„Entschuldige. Ich werde natürlich daran arbeiten“, sagte Draco hastig, konnte sein Grinsen auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum aber nur schwer zurückhalten.

Im Moment lief alles wie am Schnürchen, Potter hatte lebenslanges Quidditchverbot, Hagrid würde bald hochkant rausfliegen und sein Pate würde ihnen in Verteidigung gegen die dunklen Künste helfen. Er hatte es zwar nicht explizit gesagt, aber Draco kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er für seine Schüler sein möglichstes tat. Er selbst hatte sich in den letzten Wochen etwas beruhigt und aufgehört seinen eigenen Ärger an dem Tränkemeister auszulassen und wenn er ehrlich war, war er erleichtert darüber.

Und um das Beste nicht zu vergessen, war in einer Woche bereits Weihnachten. Wahrscheinlich stellte seine Mutter bereits das ganze Manor auf den Kopf, damit auch ja alles am richtigen Platz stand, wenn sie an Heiligabend den alljährlichen Weihnachtsball ausrichtete. Draco war froh, dass er erst einen Abend vorher anreisen würde, dann wäre der Großteil schon erledigt. Seine Mutter konnte wirklich anstrengend werden, wenn die Vorbereitungen nicht so liefen, wie sie es gerne hätte. Bei dem Gedanken, wie seine Mutter sämtliche Hauselfen durch den Raum scheuchte, weil ein Tisch nicht millimetergenau in derselben Linie stand, wie die anderen, musste er erneut ein Grinsen unterdrücken. Kein Wunder, dass sein Vater sich vor Weihnachten immer in seinem Arbeitszimmer einschloss und erst wieder rauskam, wenn die ersten Gäste eintrafen.
Im nächsten Moment wurde seine Stimmung aber schon wieder getrübt. Er hatte für Weihnachten nur einen Wunsch und er hoffte sehr, dass seine Mutter ihm diesen erfüllen würde.
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