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Von guten Menschen und Todessern

von Yavannaa
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
Andromeda Tonks Draco Malfoy Narzissa Malfoy Nymphadora Tonks Severus Snape
26.02.2017
12.05.2018
24
67.770
9
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03.07.2017 4.389
 
Kapitel 11 – Umbridge

Der nächste Morgen fing gut an, als Dracos Adlereule Iris beim Frühstück erschien und ein großes Paket von seiner Mutter brachte. Seit dem ersten Schuljahr schickte sie ihrem Sohn regelmäßig Pakete mit Plätzchen und anderen Süßigkeiten. Zwar kamen diese Pakete nicht mehr täglich, wie es während der ersten beiden Schuljahre gewesen war, aber trotzdem immer noch mindestens ein Mal pro Woche.
Blaises Augen begannen beim Anblick des Paketes an zu glänzen. Er liebte Narcissas Care-Pakete, bekam er doch für gewöhnlich das Meiste davon ab.

Die erste Doppelstunde wurde gleich genutzt, um noch ein wenig zu dösen, zu mehr waren sie in Zaubereigeschichte nicht in der Lage. Professor Binns einschläfernde Stimme wirkte beinahe besser als jeder Schlaftrunk. Dabei war der Geist so in seinem Element, dass er gar nicht bemerkte, dass 90 Prozent seiner Schüler nur rein körperlich anwesend waren.
Während Blaise, Theo und Draco es sich so gut es ging auf ihren Sitzen bequem machten und den Kopf auf den Tisch legten, schaute Daphne sie mit einem verärgerten Blick an. Sie hatte leider vor der Stunde beim Losen verloren und musste somit aufpassen und mitschreiben, während die Jungs vor sich hindösten. Draco sah ihr an, dass sie ihre Arbeitsteilung in diesem Moment einfach nur hasste. Er schaute noch rüber zu Pansy, die am Nebentisch saß und ebenfalls kein Glück gehabt hatte. Diese sah kurz zu Daphne, verzog ihr Gesicht und begann dann auf ihrem Pergament rumzukritzeln.
Es war ein offenes Geheimnis, dass Daphne und Pansy sich leiden konnten wie Fußpilz. Pansy war in Daphnes Augen ein oberflächliches, nerviges, kleines Kind, während diese in Daphne nur eine Streberin und heuchlerisches Ding sah, welche sich an ihren Draco ranmachte.

Daphne hatte irgendwann aufgegeben ihr zu erklären, dass Draco lediglich ihr bester Freund war und sie ganz bestimmt nichts von ihm wollte. Stattdessen machte sie sich öfter mal den Spaß und umgarnte Draco, wenn Pansy gerade hinsah. Dass Draco das Spiel gerne mitspielte, machte die Sache für Pansy nicht gerade besser und so war es kein Wunder, dass sie sich, immer wenn sie dieses Schauspiel mit ansehen musste, sicherlich die schlimmsten Flüche ausmalte, die sie Daphne nur zu gern entgegenschleudern würde.
Daphne seufzte und versuchte sich auf das Gerede von Professor Binns zu konzentrieren. Wenigstens war in der nächsten Stunde jemand anderes dran mit aufpassen. Draco hatte mal versucht seine Feder zu verzaubern, sodass sie von selbst alles mitschrieb, das war nur leider völlig schief gegangen. Daphne schaute auf ihr Pergament und ihre drei geschriebenen Wörter und nahm sich augenblicklich vor, diesen Zauber zu üben. Es musste doch möglich sein, so eine dumme Feder dazu zu bringen irgendwelche Notizen aufzuschreiben.

Nach Zaubereigeschichte folgte eine Doppelstunde Zauberkunst. Flitwick wiederholte dasselbe wie McGonagall am Vortag und betonte immer wieder, wie wichtig doch die ZAG Prüfungen seien. Zu allem Überfluss ließ er dann auch noch den Aufrufzauber wiederholen.

Nach der Mittagspause hatten sie Pflege magischer Geschöpfe – mit den Gryffindors. Wenigstens hatten sie in diesem Jahr Unterricht bei Professor Raue-Pritsche und nicht bei diesem Troll Hagrid.
Es war kühl geworden und obendrein sah es schwer nach Regen aus, als die Slytherins vor Hagrids Hütte ankamen.
„Seht mal, da kommt der Vertrauensschüler des Jahres und sein armseliges, ungeliebtes Anhängsel“, sagte Draco und deutete auf Weasley und Potter, womit er die Lacher der anderen Slytherins auf seiner Seite hatte.
Sie versammelten sich um den großen Zeichentisch, der vor der Hütte aufgebaut worden war und machten weiter Witze über die beiden Gryffindors.
„Was glaubt ihr, wurden die Vertrauensschüler von denen danach ausgewählt, wer die jämmerlichsten Gestalten des Jahrgangs sind? Kein Wunder, dass das Wiesel da gewonnen hat“, lachte Draco.
„Ja, so muss es gewesen sein. Und Potter liegt wahrscheinlich jeden Abend im Bett und heult, weil ihn keiner mehr lieb hat, nicht mal Dumbledore“, fügte Blaise mit einem breiten Grinsen hinzu.
Draco wollte etwas erwidern, wurde aber von Professor Raue-Pritsche unterbrochen, die mit dem Unterricht angefangen hatte. Noch bevor sie die erste Frage ganz ausgesprochen hatte, war Grangers Hand schon in die Höhe geschossen, was Draco dazu nutzte sie nachzuäffen, indem er wild auf und ab hüpfte, so wie sie es tat, wenn sie ganz versessen darauf war, ihren Senf abzugeben. Daphne versuchte noch ihr Lachen zu unterdrücken, während Pansy beinahe kreischte vor Lachen. Im gleichen Moment waren die Zweige auf dem Tisch aufgesprungen, was Pansys Lachen in einen Schrei verwandelte und Daphne damit endgültig zum Lachen brachte.

Draco ging los, um einen Bowltruckle zu holen, den sie zeichnen sollten und bekam dabei gerade noch mit, wie Potter Raue-Pritsche nach dem Halbriesen fragte. Die Gelegenheit konnte er nicht verstreichen lassen und lehnte sich rüber zu Potter.
„Wer weiß, wahrscheinlich ist dem Trottel ja was Ernstes passiert“, feixte er.
„Halt die Klappe, Malfoy, sonst passiert Dir gleich was Ernstes“, fauchte Potter.
„Wer weiß, vielleicht hat sich in Sachen eingemischt, die größer sind als er“, erwiderte Draco nur und nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass Potters Gesicht rot angelaufen war. Er drehte sich um und ging mit dem größten Bowltruckle, den er finden konnte und einem breiten Grinsen im Gesicht zu seinen Freunden zurück.
Bei ihnen angekommen, wurde das Thema natürlich noch weiter ausgeschlachtet und Draco erinnerte sich an die Worte seines Vaters.
„Das Ministerium meint es wohl Ernst mit dem Aufräumen der Schule und dem Ende des niveaulosen Unterrichts hier. Sollte dieser zu groß gewordene Schwachkopf also noch einmal hier auftauchen, dann sicher nur, um seine Sachen zu packen“, sagte er gerade so laut, dass die Gryffindors ihn hören konnten. Crabbe und Goyle brüllten vor Lachen, welches noch lauter wurde, als sie sahen, dass Potters Bowltruckle ihm erst die Hand aufschlitzte und anschließend Richtung Wald wackelte.
Draco grinste noch breiter. Es machte einfach Spaß, Potter auf die Palme zu bringen.

Die letzten Stunden würden interessant werden. Doppelstunde Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Umbridge. Sie alle waren gespannt darauf zu erfahren, ob diese Ministeriumskröte überhaupt mit dem Zauberstab umgehen konnte, denn danach sah sie ganz und gar nicht aus.
Die Tür zum Klassenzimmer war bereits offen, doch von Umbridge war weit und breit nichts zu sehen. Die Freunde setzten sich in die hinteren Reihen, Sicherheitsabstand zu neuen Lehrern war immer gut. Außerdem hatten sich die Ravenclaws sofort ganz vorne niedergelassen. Sie hatten ihre Köpfe zusammengesteckt und diskutierten eifrig, wobei Draco sich einbildete, Potters Namen gehört zu haben. Nur Sekunden später wurde diese Einbildung von Blaise bestätigt, der kurz mit Anthony Goldstein gesprochen hatte.

„Potter hat sich bei der Alten gleich am ersten Tag eine Woche Nachsitzen eingehandelt“, sagte er, während die anderen ihn nur aus großen Augen anstarrten.
„Eine ganze Woche? Wie zur Hölle hat er das denn geschafft“, fragte Pansy. „So dumm kann man doch gar nicht sein, oder?“
„Jetzt bin ich wirklich neugierig auf die. Weißt du, weshalb genau er nachsitzen muss? Gestern beim Abendessen wurde nur erzählt, dass er sich mit ihr angelegt hat“, fragte Draco seinen besten Freund.
„Anscheinend hat er nur gesagt, dass Du-weißt-schon-wer zurück sei und er Cedric Diggory ermordet hat, weshalb wir lernen müssten uns zu verteidigen. Daraufhin soll sie ihn fast schon angeschrien und der Lüge bezichtigt haben.“
„Also stimmt es, dass das Ministerium da komplett dicht macht? Das wird Fudge nicht überleben“, sagte Theo.
Draco dachte an den Tag zurück, als sie Severus und seine Eltern belauscht hatten. Da hatte sein Pate doch auch erzählt, dass Fudge alles abstreitet, weil er viel zu viel Angst um seinen Posten hat. Theo hatte recht, damit würde der Minister sein eigenes Grab schaufeln. Früher oder später würde die Wahrheit rauskommen und spätestens dann war es das mit seinem Ministerposten.

„Ich glaube auch nicht, dass diese Umbridge nur da ist, um uns zu unterrichten“, fügte Blaise hinzu.
„Draco, was sagst du dazu?“, fragte Daphne.
Draco sah sie für einen Moment leicht verwirrt an, da er einen Moment überlegen musste, was sie meinte. „Ich würde sagen, das werden wir gleich rausfinden.“

Kaum hatte er den Satz ausgesprochen, betrat Professor Umbridge den Raum. Wie am ersten Abend, hatte sie eine rosa Strickjacke, sowie einen Rock in derselben Farbe an. Sie breitete ihr gekünsteltes Lächeln auf ihrem Gesicht aus, als sie zum Pult ging und dabei durch die Reihen blickte.
„Guten Tag, Klasse“, sagte sie mit zuckersüßer Stimme. Zur Antwort bekam sie lediglich vereinzeltes Gemurmel.
„Das heißt Guten Tag, Professor Umbridge, also noch einmal. Guten Tag, Klasse!“
„Guten Tag, Professor Umbridge!“, schall es ihr entgegen. Die Freunde sahen sich alle gegenseitig an und verzogen das Gesicht. Das war ja schlimmer als im Kindergarten.
Bevor sie Platz nahm, schwang sie ihren Zauberstab und an der Tafel erschienen drei Zeilen unter der Überschrift: Ziele des Kurses.
„Ich musste in den bisherigen Stunden zu meinem größten Bedauern feststellen, dass es um das Niveau des bisherigen Unterrichts noch schlechter steht, als ich und das Ministerium, bisher befürchtet haben. Es sei Ihnen versichert, dass das Ministerium für Zauberei alles in seiner Macht stehende tun wird, um ihnen eine angemessene Ausbildung zu ermöglichen.“ Sie blickte wieder durch die Reihen und fuhr anschließend fort.
„Des Weiteren möchte ich Ihnen ans Herz legen, sich an mich zu wenden, sollte Ihnen jemand vollkommen unbegründete Angst einjagen, indem davon geredet wird, dass ein gewisser schwarzer Magier zurückgekehrt sei. Da es sich hierbei offensichtlich um eine eiskalte Lüge handelt, hat es sich das Ministerium zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung vor solchen Falschmeldungen zu beschützen, also scheuen Sie sich nicht, die betreffenden Unruhestifter zu melden.“

„Ich hatte recht, sie soll hier aufräumen und alle mundtot machen, die nicht die Meinung des Ministeriums vertreten“, raunte Blaise seinem besten Freund zu. Draco nickte nur, genau dasselbe hatte er in dem Moment auch gedacht. Das war in Ansätzen ja bereits ihrer Rede am ersten Abend zu entnehmen gewesen. Nicht nur das, denn wie es aussah, sollten sich die Schüler auch noch gegenseitig ausspionieren.

„Sehr schön! Da dieser Punkt nun geklärt wäre, möchte ich noch betonen, dass ich in meinem Unterricht Disziplin und Ordnung erwarte! Sollten Sie Fragen haben, heben Sie die Hand und warten, bis ich Sie dran nehme. Des Weiteren erwarte ich, dass Sie meine Fragen deutlich mit Ja, Professor oder Nein, Professor beantworten, haben Sie das verstanden?“
„Ja, Professor Umbridge“, antwortete die Klasse, wobei die leicht genervten Blicke einiger Schüler einfach ignoriert wurden.
„Stecken Sie nun bitte ihre Zauberstäbe weg und schlagen Sie die Bücher auf Seite fünf auf. Für den Rest der Stunde werden Sie das Kapitel lesen. Fangen Sie an.“

Mit verwirrten Blicken packten die Schüler ihre Zauberstäbe in ihre Taschen und schlugen die Bücher auf. Der Text war langatmig und langweilig, weshalb Blaise schon nach kurzer Zeit angefangen hatte auf einer Rolle Pergament herumzukritzeln. Professor Umbridge schien das bemerkt zu haben, denn sie schaute ihn aus grimmigen Augen an. Draco stieß seinem Freund in die Seite und deutete auf das Buch. Irgendetwas sagte ihm, dass es nicht klug war, Umbridge gegen sich aufzubringen.
„Wieso zaubern wir nicht? Verteidigung lernt man durch Praxis, nicht durch das Lesen von langweiligen Büchern“, flüsterte er.
„Was weiß ich, wahrscheinlich will sie, dass erst alle die Theorie lernen, bevor sie uns aufeinander loslässt. Ist vielleicht gar nicht mal so schlecht, wenn man bedenkt, dass Crabbe nicht mal einen einfachen Entwaffnungszauber hinkriegt“, sagte Draco leicht genervt.
„Das bremst alle anderen aus. Außerdem müssen wir in den ZAGs doch auch zaubern.“
„Stellen Sie ihre Privatgespräche ein. In meinem Unterricht haben Sie nur zu reden, wenn Sie dazu aufgefordert werden“, meldete sich Umbridge vom Pult aus.
„Lies einfach das dumme Kapitel, ich wette, dass wir ab den nächsten Stunden zaubern werden“, sagte Draco und widmete sich wieder seinem Buch.
Irgendwann konnte Blaise allerdings nicht mehr still sitzen bleiben. Kurz vor Ende der Stunde sah er auf und hob die Hand.
„Entschuldigen Sie Professor, ich hätte da eine Frage.“
„Ja, Mr.?“
„Zabini“, sagte er.
„Nun, war eine Stelle im Kapitel unklar?“
„Ähm, nein. Ich habe mich nur gefragt, was genau der Sinn dahinter ist, wenn wir nur über die Zauber lesen, anstatt sie auch zu üben.“
„Sie üben?“, fragte Professor Umbridge mit säuerlicher Miene. „Sie sind hier in der Schule, es wird daher wohl kaum nötig sein, hier Zauber anzuwenden. Der Sinn ist doch, dass Sie ihre ZAG Prüfungen bestehen, um eines Tages eine gute Arbeitsstelle antreten zu können, wofür eine theoretische Ausbildung vollkommen ausreichend ist.“
Die Schüler schauten sich verdutzt an. Sie hatten zwar schon Gerüchte darüber gehört, dass Umbridge keinen Wert auf das Zaubern in ihrem Unterricht legte, aber es von ihr selbst noch einmal zu hören, war etwas anderes.
Blaise wollte etwas erwidern, aber Draco trat ihm unter dem Tisch so hart gegen das Schienbein, dass Blaise sich mit wütender Miene zu diesem umdrehte.
„Halt die Klappe, verdammt“, raunte er Blaise zu. Zum Glück klingelte es in dem Moment und nachdem Umbridge ihnen die Hausaufgaben mitgeteilt hatte, beeilten sich die Slytherins aus dem Klassenraum zu kommen.

„Was sollte das Draco?“, fuhr Blaise ihn an, sobald sie ihren Schlafsaal erreicht hatten. Im Gemeinschaftsraum gab es zu viele Zuschauer, weshalb sie ihren Streit lieber nicht dort austrugen. „Du willst mir doch nicht erzählen, dass das normal ist, wenn wir ausgerechnet in Verteidigung gegen die dunklen Künste nicht zaubern dürfen.“
„Wer hat denn was von normal gesagt? Du hast sie doch selbst gehört, sie ist hier, um die Schüler im Auge zu behalten!“, erwiderte Draco. „Hast du nicht bemerkt, wie sich ihr Gesicht verzogen hat, als du die Frage gestellt hast? Ich glaube, es wäre klüger, sie nicht gegen uns aufzubringen. Denk doch mal nach!“
„Also willst du es einfach so hinnehmen? Wir wissen, dass Potter keine Scheiße erzählt und du willst einfach die Klappe halten, wenn uns die Chance genommen wird, zu lernen, wie wir uns verteidigen?“ Blaise war aufgebracht, was Theo und Daphne, die ihnen gefolgt waren, dazu veranlasste sich rauszuhalten.
„Ich habe nicht gesagt, dass wir nichts lernen sollen, ich habe dir nur gesagt, dass wir uns nicht mit dieser Umbridge anlegen sollten. Sie wurde nicht umsonst vom Ministerium hierher geschickt.“
„Bist du auf einmal auf der Seite des Ministeriums? Findest du es gut, dass die sich in die Angelegenheiten von Hogwarts einmischen? Hast du Angst, dass sie sich bei deinem Vater beschwert? Der geht doch ständig im Ministerium ein und aus.“
„Ich warne dich, lass meinen Vater aus dem Spiel!“, fauchte Draco.
„Warum? Ist doch wahr. Er hat verdammt gute Kontakte zu Fudge und nicht zu vergessen zu Du-weißt-schon-wem. Stellst du sie deshalb nicht in Frage? Weil du sowieso bald auf seiner Seite stehen wirst und keine Verteidigung mehr nötig hast? Stell dir vor, nicht alle von uns wollen als Todesser enden, so wie Du!“
„Ich habe nie gesagt, dass ich das will!“
„Brauchst du nicht, du wolltest schon immer deinem Vater gefallen, bitte, jetzt hast du ja die Gelegenheit dazu. Vielleicht war es für Cyrus besser, dass er das nicht erleben muss!“
Draco starrte seinen eigentlich besten Freund sprachlos an, bevor er sich umdrehte und ohne ein weiteres Wort aus dem Zimmer stürmte.

„Ist das dein Ernst, Blaise?“, fauchte Daphne. „Er ist dein bester Freund und du hast nicht Besseres zu tun, als ihm solchen Schwachsinn an den Kopf zu werfen? Wann fängst du endlich mal an nachzudenken, bevor du den Mund aufmachst? Du weißt ganz genau, dass er es mit Lucius als Vater nicht leicht hat, warum musst du da auch noch drauftreten? Und dann ausgerechnet Cyrus da mit reinzuziehen! Manchmal bist du echt das Letzte, Blaise!“
„Das... das wollte ich nicht. Es ist mir einfach rausgerutscht“, stammelte er und es war ihm anzusehen, dass er das Gesagte am Liebsten sofort rückgängig gemacht hätte.
„Dann sieh zu, dass du das wieder gerade biegst, du Volltrottel! Und sieh zu, dass du dein Temperament in den Griff kriegst“, fügte sie hinzu, bevor sie aus dem Zimmer verschwand, um nach Draco zu suchen.
„Ich hab’s verkackt, oder?“, fragte Blaise mit schuldbewusster Miene und sah Theo an.
„Wenigstens siehst du es selber ein. Am liebsten würde ich dir eine reinhauen, aber ich schätze das wird Draco noch übernehmen, also lasse ich ihm den Vortritt.“
Blaise schloss die Augen und seufzte. Er hasste sich manchmal selbst dafür, dass er teilweise wegen Kleinigkeiten an die Decke ging. Was noch schlimmer war, war die Tatsache, dass Draco recht hatte. Es würde wahrscheinlich sogar von Vorteil sein, wenn sie sich gut mit Umbridge standen. Wer wusste schon, was sie in Zukunft noch anstellen würde.
„Na komm, wir sollten zum Abendessen gehen. Das mit Draco wird sich schon wieder einrenken“, sagte Theo und zog seinen Freund mit zur großen Halle.

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Draco ging nicht zum Abendessen. Stattdessen hatte er sich in den hinteren Bereich der Bibliothek zurückgezogen, da die meisten Schüler beim Abendessen in der großen Halle waren, war außer Madame Pince niemand dort. Draco zog ein Exemplar von Heiltränke der Antike, ein Buch über fortgeschrittenes Brauen in der Heilkunst, aus dem Regal und machte es sich in der Leseecke gemütlich. Es dauerte allerdings nicht lange, bis Daphne ihn gefunden hatte.
„Hey Draco“, sagte sie leise, wartete jedoch vergeblich auf eine Reaktion. „Ich wusste, dass ich dich hier finden würde. Willst du mit zum Abendessen kommen?“
„Danke, ich habe keinen Hunger“, sagte Draco kurz angebunden und vermied es Daphne anzusehen.
„Hör mal, Draco. Blaise hat es nicht so gemeint. Du warst noch nicht ganz aus dem Raum, da hat er es sofort bereut.“
„Das ändert nichts an dem, was er gesagt hat.“
„Ich versteh dich, Draco. Aber du weißt doch wie er ist. Manchmal redet er, bevor er überhaupt darüber nachdenkt, was er da für einen Trollmist labert. Er ist dein bester Freund.“
Draco wich ihrem Blick weiterhin aus. Er war nicht einmal wütend auf Blaise, eher verletzt und enttäuscht, was im Endeffekt noch viel schlimmer war als Wut. Wäre er nur wütend, hätte er Blaise eine reingehauen und dann wäre es gut gewesen. Tief im Inneren musste Draco sich eingestehen, dass sein bester Freund vielleicht gar nicht mal so Unrecht hatte. Er war sich sicher, dass sein Vater von ihm erwarten würde, in seine Fußstapfen zu treten. Genauso wie Draco wusste, dass er alles tun würde, um endlich die Anerkennung zu bekommen, die er immer wieder suchte.

Blaise hatte leicht Reden. Er war zwar auch in einer konservativen Reinblüterfamilie aufgewachsen, hatte aber nie die strengen Umgangsformen lernen müssen. Seine Eltern hatten auch nie in denselben Kreisen verkehrt, wie Dracos oder Theos. Nachdem sein Vater recht früh gestorben war, hielt seine Mutter sich aus allem raus und außer ihrem Ruf als schwarze Witwe, lebte sie eher ein zurückgezogenes Leben. Dracos Familie war anders, allein durch Lucius Einfluss im Ministerium hatte er früh lernen müssen, wie man sich in der gehobenen Gesellschaft zu verhalten hatte.
Seine Eltern gaben die Richtung vor und Draco hatte sich dem zu fügen, genau so war es bei Theo. Genauso würde es wahrscheinlich mit den Todessern passieren. Es war klar, dass er, genau wie Theo, nach seinem Schulabschluss früher oder später in diese ‚Gesellschaft’ eingeführt werden würde. Und wenn er ehrlich war, hatte er Angst davor. Gleichzeitig wusste er, dass sein Vater unglaublich stolz auf ihn wäre und das wünschte er sich mehr als alles andere, da hatte sein bester Freund absolut recht.

Aber dass Blaise ausgerechnet Cyrus da mit reinziehen musste. Unwillkürlich musste Draco daran denken, wie es ihm wohl gerade ging, allein in diesem verdammten Muggelhaus. Ob seine Tante wirklich so nett war, wie sie gewirkt hatte und ob sie sich wohl gut um ihn kümmerte? Sein Unterbewusstsein sagte ihm, dass es das Beste für Cyrus war, aber er wollte es nicht wahrhaben. Sein Bruder gehörte nach Hause, zu seiner Familie, wo er als der aufwachsen konnte, der er war, als ein Mitglied der reinblütigen Obrigkeit und nicht in der Umgebung von Schlammblütern und Blutsverrätern.

„Draco?“
„Ich würde gerne noch etwas allein sein. Ich komm schon klar, Daphne“, fügte er hinzu, als er Daphnes besorgten Blick bemerkte.
„Vielleicht solltest du einfach mal darüber reden. Es ist auch für dich nicht gut, alles nur in sich hineinzufressen. Wenn schon nicht mit uns, dann rede wenigstens mit Professor Snape darüber.“
Daphnes Bitte erinnerte Draco daran, dass er um 19 Uhr bei seinem Paten erscheinen sollte. Er dachte kurz über ihre Worte nach, ging aber nicht darauf ein. „Danke, Daphne“, sagte er stattdessen nur.
Sie wusste, dass es keinen Sinn machte, Draco zu etwas überreden zu wollen und erhob sich.
„Wartet nicht auf mich. Ich muss nachher noch zu Severus“, sagte Draco und fügte aufgrund ihrer fragenden Miene hinzu, „Wir sind in den Ferien nicht dazu gekommen zusammen zu brauen, wie wir es sonst immer machen. Er hat mir angeboten das nachzuholen.“ Das war eine plausible Erklärung und würde keine weiteren Fragen nach sich ziehen. Daphne nickte nur und ging langsam Richtung großer Halle zum Abendessen.

Wie schon am Vortag, stand Draco um 19 Uhr vor dem Büro des Tränkemeisters. Auch an diesem Tag führte dieser sein Patenkind direkt weiter in seine Privaträume.
„Du warst nicht beim Abendessen“, begrüßte ihn Severus.
„Ich hatte keinen Hunger“, erwiderte Draco nur. Sein Pate musterte ihn aus seinen fast schwarzen Augen, seine Miene war dabei, wie fast immer, unergründlich.
Draco hasste es, wenn er derartig beäugt wurde, er hatte dabei immer das Gefühl, dass Severus ihn allzu leicht durchschauen konnte.
„Es tut mir leid, wie ich mich gestern aufgeführt habe. Ich war einfach sauer“, sagte er.
„Das habe ich bemerkt. Dein Verstand war jedenfalls nicht anwesend.“
Draco zuckte kurz zusammen, als er den scharfen Unterton in Severus’ Stimme wahrnahm. Es war nie gut, diesen zu verärgern und nur aufgrund der Tatsache, dass er sein Patenkind war, konnte er sich mehr erlauben als sämtliche Menschen in ihrem Umfeld. Das hieß aber nicht, dass Severus ihm alles durchgehen ließ.
„Setz dich, Draco. Wir sollten anfangen, ich will wissen, wie es um deine Fähigkeiten in Okklumentik steht. Versuch dich zu entspannen und deinen Geist zu leeren. Ich werde gleich in ihn eindringen und du versuchst, dem zu widerstehen, verstanden?“
Draco nickte und tat wie ihm geheißen. Seine Mutter hatte ihm schon als Kind beigebracht, wie er sich von der Außenwelt abschotten konnte.
Severus richtete seinen Zauberstab auf seinen Schüler und sagte: „Legilimens.“

Augenblicklich spürte Draco, wie versucht wurde in seine Gedanken einzudringen. Er verstärkte seine mentalen Wände und schaffte es tatsächlich den Angreifer abzuwehren. Es dauerte jedoch nicht lange, da hatte Severus eine Schwachstelle entdeckt und Bilder fluteten seine Gedanken.

Er sah sich selbst im Alter von vier Jahren, als er zum ersten Mal Severus beim Brauen zuschauen durfte. Er war so versessen darauf gewesen ihm zu helfen, dass er die nächste gelegene Zutat gegriffen und einfach in den Kessel geworfen hatte. Zum Glück hatte Severus schnell reagiert und den Kessel mit einer Schutzblase umgeben, da dieser nur einen Moment später in die Luft geflogen war. Die Blase hatte zum Glück alles abgehalten, sodass nichts weiter passiert war, aber an den bösen Blick seines Paten konnte sich Draco noch heute allzu gut erinnern.

Severus zog sich aus seinem Geist zurück und ließ ihm einen Moment, um sich zu sammeln.
„Das war schon nicht schlecht, aber versuch nicht, mich aktiv von einer Stelle deiner Mauer fernzuhalten. Dadurch vernachlässigst du automatisch andere Orte und ermöglichst es mir, leichter einzudringen. Konzentrier’ dich. Noch mal, Legilimens.
Wieder schaffte es Draco anfangs sich abzuschotten, doch nach einigen Momenten sah er wieder Bilder an sich vorbeiziehen, was ihm zeigte, dass Severus seine Verteidigung wieder durchbrochen hatte.
Er sah Umbridge, die ihnen sagte, dass sie nicht zaubern durften ... Blaise und ihren Streit ... Das war der Moment, in dem Draco sich wehrte und es tatsächlich schaffte, Severus aus seinem Kopf zu verbannen.
Sein Pate sah ihn kurz aus seinen durchdringenden Augen an. „Bist du deswegen so schlecht drauf? Du hast dich mit Mister Zabini gestritten?“
„Und wenn schon“, sagte Draco mürrisch.
„Wegen Umbridge?“
„Nur eine Meinungsverschiedenheit“, Severus musste ja nicht alles wissen. „Ich hab einfach das Gefühl, dass wir es uns nicht mit ihr anlegen sollten.“
„Das klingt ausnahmsweise mal sehr vernünftig“, sagte Severus.
„Was genau will sie hier?“, fragte Draco. „Ich meine, es ist klar, dass sie Potter und Dumbledore im Auge behalten soll und wie es aussieht, will sie außerdem, dass wir für sie spionieren. Aber warum dieser Unterricht? Warum will sie nicht, dass wir zaubern?“
„Die Frage beantwortet sich von selbst, meinst du nicht? Warum sollte das Ministerium das wohl nicht wollen?“, sagte Severus ruhig.
„Willst du damit sagen, dass das Ministerium nicht will, dass wir vernünftig ausgebildet werden? Das ist doch Schwachsinn, was sollte der Sinn dahinter sein?“
„Ich habe nicht gesagt, dass es Sinn macht. Aber denk doch endlich mal nach. Wovor hat das Ministerium Angst?“
„Vor dem Dunklen Lord? Aber sie glauben doch gar nicht daran, dass er zurück ist.“
„Merlin, Draco, du bist doch sonst nicht so langsam im Denken. Das Ministerium hat Angst, dass die Schüler von Hogwarts im Kämpfen ausgebildet werden.“
„Ist das dein Ernst?“
„Du weißt selbst, dass Fudge unter Verfolgungswahn leidet. Er versucht alles, um seine Position zu festigen. Umbridge ist noch ein anderes Kaliber. Sie nutzt ihre Position aus, um allen, die ihrer Meinung nach keine Berechtigung haben zu existieren, das Leben so schwer wie möglich zu machen.“
„Das wären?“
„Halbblüter – Werwölfe, Wassermenschen, Zentauren. Die Liste kannst du beliebig verlängern. Sie steht auf der Seite der Reinblüter und da sie früher selbst im Haus Slytherin war, solltet ihr mit ihr keine Probleme bekommen. Also hütet euch davor, in irgendeiner Weise die Aufmerksamkeit auf euch zu ziehen, es sei denn es ist zu eurem Vorteil!“, sagte Snape eindringlich.
„Steht sie dann auch der Seite von Du-weißt-schon-wem?“
„Nein. Sie steht treu zum Ministerium. Aber das ist auch vollkommen egal. Wir beenden das für heute. Sieh zu, dass du das mit Zabini wieder gerade biegst, ihr werdet euch noch brauchen. Und denk an das, was ich dir gerade zu Umbridge gesagt habe. Verhaltet euch ruhig!“
„Ja, Sir“, sagte Draco und ging langsam Richtung Gemeinschaftsraum. Er hätte nie gedacht, dass sein Pate so offen mit ihm reden würde.

Als er den Gemeinschaftsraum erreichte, ging er direkt Richtung Schlafsaal. Theo und Blaise waren ebenfalls schon dort. Draco merkte, dass Blaise etwas sagen wollte, aber ohne diesen eines Blickes zu würdigen, ging Draco ins Badezimmer, machte sich für die Nacht fertig und zog, bevor er sich hinlegte, die Vorhänge seines Bettes zu. Er hatte keine Lust, sich heute noch einmal mit Blaise auseinanderzusetzen, egal was sein Pate gesagt hatte. Mit diesem letzten Gedanken, schlief er schließlich ein.
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