Von guten Menschen und Todessern

von Yavannaa
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Andromeda Tonks Draco Malfoy Narzissa Malfoy Nymphadora Tonks Severus Snape
26.02.2017
12.05.2018
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67.770
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26.02.2017 1.551
 
Prolog

Es war noch früh am Morgen, als Narcissa im Kaminzimmer am Fenster stand, den parkähnlichen Garten des Manors betrachtete und ihren Gedanken nachhing. Dies war ihr Lieblingszimmer, ihr Rückzugsort in Zeiten wie diesen. Es lag im Westflügel des Familienanwesens und gehörte zu ihren eigenen privaten Räumlichkeiten. In letzter Zeit war sie oft hier. Lucius war häufig unterwegs, um Befehle des Lords auszuführen und nicht selten hatte Narcissa einfach nur Angst, dass er nicht zurückkehren würde. Die Aufträge häuften sich, genau wie die Streitereien der Eheleute.

Narcissa seufzte leise und betrachtete eines der Gemälde über dem Kaminsims. Es war ein Portrait, das an ihrem Hochzeitstag angefertigt worden war. Ein Gemälde aus friedlicheren Zeiten, bevor Lucius ... Nein, darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken.

Sie selbst war den Todessern, wie sie sich nannten, nie beigetreten. Selbstverständlich hatte sie ähnliche Ansichten wie der Dunkle Lord. Was sich heute alles als Zauberer und Hexen bezeichnen durfte, war eine Schande und sie war sehr stolz auf ihre Herkunft. Das Haus Black gehörte schließlich zu einer der ältesten und angesehensten Reinblutfamilien. Die Verbindung mit der Familie Malfoy war tadellos und durch ihre Heirat vor zwei Jahren wurde sie selbst endgültig zum Stolz ihrer Eltern. Trotz allem gab es in ihrem Hinterkopf eine kleine Stimme, die ihr immer öfter zuflüsterte, dass dieser Krieg nicht der richtige Weg war, um die Muggel und Schlammblüter auf ihren Platz in der Gesellschaft zu verweisen.

Sie beobachtete die weißen Pfauen, die von Lucius’ Vater gezüchtet worden waren. Abraxas Malfoy war es auch, der seinem Sohn, ihrem Mann, bereits während seiner Schulzeit vom Dunklen Lord berichtet und ihn überzeugt hatte sich diesem anzuschließen.
‚Zu dumm, dass er vergessen hatte, die Grausamkeiten und Brutalität dieses Kreises zu erwähnen’, dachte Narcissa verbittert, aber es war zu spät sich darüber Gedanken zu machen. Lucius war mittlerweile die rechte Hand des Dunklen Lords und auch wenn Narcissa diesem Wesen gegenüber eher misstrauisch war, unterstützte sie ihren Mann in allem was er tat.

Es war ruhig im Manor. Eine friedliche Stimmung, die das Gefühl vermittelte, als wäre die Welt vollkommen in Ordnung. Ein Hohn, wenn man daran dachte, in was für Zeiten sie lebten.
Sie wurde jäh aus ihren Tagträumen gerissen, als die Tür aufging und ein fröhlich vor sich hin brabbelnder Draco auf sie zu tapste. Narcissa lächelte bei diesem Anblick. Sie hob ihn hoch und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Alles Gute zum Geburtstag, mein kleiner Schatz“, sagte sie.
Sein erster Geburtstag. Wie schnell doch die Zeit verging. Sie erinnerte sich noch sehr gut an den Tag, an dem sie Draco zum ersten Mal im Arm gehalten hatte. Und an die stolze Miene von Lucius, der den Kleinen voller Liebe angeblickt hatte. Wie gerufen erschien schließlich der Hausherr und gesellte sich zu ihr, eine Hand hatte er hinter seinem Rücken verborgen.
„Was versteckst du da, Lucius? Die Geschenke für Draco liegen doch alle im Salon.“
„Lass dich überraschen, Cissy“, zwinkerte er ihr zu und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe, bevor er Draco ebenso herzlich begrüßte. Das war einer der Augenblicke, in denen Narcissa einfach nur glücklich war. Sie und Lucius, zusammen mit Draco. Eine perfekte kleine Familie.
Vielleicht ist die Welt ja doch in Ordnung’, ‚dachte sie sehnsüchtig.

Die kleine Hauselfe, die Draco hergeführt hatte, stand noch immer im Türrahmen. „Twinky, geh in die Küche und sorge dafür, dass das Frühstück im kleinen Salon serviert wird“, befahl Lucius in seinem üblichen arroganten Tonfall.
„Jawohl, Herr“, piepste Twinky, verbeugte sich und verschwand beinahe lautlos aus ihrem Sichtfeld. Draco zappelte währenddessen auf dem Arm seiner Mutter, sodass sie ihn behutsam wieder absetzte. Er konnte einfach nicht lange still sitzen, dafür war die Welt um ihn herum einfach viel zu interessant und gerade in diesem riesengroßen Manor gab es viel zu entdecken. Bevor er allerdings aus dem Raum laufen konnte, hielt Lucius ihn auf und holte ein längliches Päckchen hinter seinen Rücken hervor.
„Lucius Abraxas Malfoy, wehe das ist das, was ich denke, was es ist!“, brachte Narcissa wütend hervor.
Draco bekam große Augen und riss das Papier auf. Er liebte es Dinge aufzureißen. In dem Alter waren die eigentlichen Geschenke noch eher nebensächlich. Zum Vorschein kam, ganz wie Narcissa es befürchtet hatte, ein kleiner Spielzeugbesen.
„Lucius, was soll das?“ Narcissa war wütend. Ihr Sohn war erst ein Jahr alt, Fliegen war ihrer Meinung nach noch viel zu gefährlich, er konnte schließlich seit kurzem gerade mal Laufen.
„Cissy, beruhig dich. Es ist ein Spielzeug. Er fliegt nicht schnell und auch nicht hoch. Was soll schon passieren? Außerdem muss er früh anfangen, wenn er mal in der Hausmannschaft spielen will.“
„Hausmannschaft? Er ist erst ein Jahr alt!“, fuhr Narcissa ihren Mann an. „Wir hatten uns darauf geeinigt, dass er noch zu klein für einen Besen ist!“
Doch Lucius schien ihr gar nicht zuzuhören. Stattdessen setzte er Draco, der das Geschenkpapier in der kurzen Zeit bereits komplett zerfetzt hatte, auf den Besen. Er lächelte breit, als sich der Besen in Bewegung setzte und Draco damit quer durch das Zimmer flog. Narcissa konnte gar nicht hinsehen und schlug die Hände vor das Gesicht, solch eine Angst hatte sie davor, dass er gegen die Wand oder ein Möbelstück flog.
„Lucius, das reicht!“
„Merlin, Cissy, nun beruhige dich doch. Du siehst doch, dass er Spaß hat.“
Wie zur Bestätigung quiekte Draco auf als er eine steile Rechtskurve flog und Narcissa dabei nur knapp verfehlte. Seine Augen strahlten vor Freude.
“Darüber reden wir noch“, knurrte sie.
„Natürlich Liebling, aber wir sollten jetzt erst mal zum Salon gehen. Das Frühstück wartet und Severus müsste auch jeden Moment eintreffen.“
„Severus? Hast du ihn für heute Morgen eingeladen? Die Gäste kommen doch alle heute Nachmittag. Ich habe nicht einmal meine Schwester früher eingeladen.“
„Und ich nicht meine Eltern. Das liegt wohl daran, dass sie alle drei, sagen wir mal, leicht verschroben sind“, sagte Lucius trocken. „Severus dagegen ist mittlerweile ein sehr guter Freund und falls du es vergessen haben solltest, auch Dracos Pate. Also ja, ich hab ihn eingeladen.“
Narcissa seufzte. Sie hatte das dumpfe Gefühl, dass das nicht der einzige Grund war, weshalb Severus Snape schon früher als alle anderen Gäste hier auftauchen würde.
„Du hast mir versprochen, dass wir diesen Tag zusammen verbringen werden“, sagte sie und sah ihrem Mann in die Augen. „Für Draco. Du hast mir versprochen, dass wir wenigstens heute über dem Dunklen Lord stehen.“
Lucius hatte Draco in der Zwischenzeit, unter lautem Protest seitens seines Sohnes, vom Besen geholt. Mit Draco auf dem Arm näherte er sich seiner Frau und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn.
„Du weißt, dass ihr immer an erster Stelle steht, Cissy. Lass uns endlich frühstücken und den Tag genießen.“
Er drehte sich um, setzte Draco auf dem Boden und folgte diesem aus dem Kaminzimmer. Er musste sich beeilen, denn trotz seiner kurzen Beine, legte Draco ein ganz schönes Tempo vor.
Narcissa blieb noch einen Moment regungslos am Fenster stehen und blickte traurig Richtung Garten. „Ich wünschte es wäre so, Lucius", murmelte sie.

Langsam ging Narcissa Richtung Salon, welcher im Erdgeschoss lag. Auf dem Treppenabsatz blieb sie jedoch abrupt stehen. Am Fuß der Treppe standen Lucius und Draco und direkt vor ihnen der Dunkle Lord höchstpersönlich. Narcissa erbleichte und eilte die Treppe hinab, um zu Draco zu gelangen. Warum stand Lucius denn nur daneben, anstatt ihren Sohn vor diesem Monster zu verbergen?

„Ah, Narcissa. Es ist schön dich zu sehen.“
Sie blieb am Fuß der großen Freitreppe stehen und konnte sich keinen Meter mehr bewegen. Beim Klang seiner Stimme lief es ihr eiskalt den Rücken herunter und sie ballte leicht die Hände, um das Zittern zu unterdrücken. Ihr kleiner, blonder Junge stand derweil direkt vor dem schwarzen Magier und blickte diesen mit vor Schreck geweiteten Augen an.
Der Dunkle Lord sah auf ihn hinab und ein unheimliches Lächeln zierte dabei sein Gesicht. „Sieh an, der kleine Malfoy-Erbe. Ich freue mich schon darauf, dich in ein paar Jahren in unserem Kreis willkommen zu heißen“, schnarrte er, während er seine langen bleichen Finger ausstreckte und Draco durch seine weißblonden Haare strich. Draco zitterte heftig und in seinen großen, grauen Augen glänzten die Tränen, welche sich nach und nach ihren Weg über seine Wangen bahnten. Vor lauter Angst brachte er nicht einen Ton hervor, sondern stand stumm und wie paralysiert vor diesem dämonischen Mann. Die schwarze Aura, die den Dunklen Lord umgab, war nahezu erdrückend.
Mit einem letzten fiesen Grinsen wandte er sich schließlich von Draco ab und schritt auf Lucius zu.
„Mir wurde berichtet, dass es Neuigkeiten über den Orden gibt. Wie es aussieht gibt es eine undichte Stelle in ihren Reihen.“ Seine Stimme klang belustigt. „Ich erwarte deine Anwesenheit im Haus der Macnairs um die genauen Einzelheiten zu besprechen. Heute Abend. Als meine rechte Hand, wird es deine Aufgabe sein, diesen neuen Hinweisen nachzugehen.“
Damit drehte er sich um und verschwand. Lucius nickte nur und deutete eine leichte Verbeugung an, während Narcissa starr auf ihrem Platz stand und ihm hinterher schaute, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Erst Dracos Schreien riss sie aus ihrer Trance. Narcissa rannte zu ihrem Sohn und zog ihn in ihre Arme. Er war noch immer heftig am zittern und weinte und schrie wie am Spieß.
‚So viel zum Thema die Welt ist in Ordnung’, dachte Narcissa verbittert und versuchte vergeblich ihren Sohn zu beruhigen.
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