Tore zu Möglichkeiten der Zukunft

DrabbleAllgemein / P12
Abby Maitland Stephen Hart
26.02.2017
26.02.2017
1
1303
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 


Fandom-Infos für die Jury: In Primeval geht es darum, dass sich Portale zu anderen Zeiten, Anomalien genannt, zu öffnen beginnen. Diese können in die Vergangenheit oder Zukunft führen. Die Serie handelt von den Gefahren, die durch hindurchkommende Lebewesen entstehen, sowie darum, die Ereignisse vor der Bevölkerung geheim zu halten. In meinen Drabbles entwerfe ich zum einen eine Welt mit einem verantwortungsvollen Umgang mit den Anomalien, zum einen ein Szenario, in der aus den Anomalien kommende Raubtiere aus der Zukunft das Ende des menschlichen Zeitalters einläuten.



Tore zu Möglichkeiten der Zukunft




I.

Trididemnum Solidum


Rex flüstert ihr seine leise klickenden Geräusche ins Ohr und Abby streichelt ihm zärtlich, wenn auch geistig abwesend, über den schuppigen Rücken als sie die Treppe herunter rennt, nahezu tänzelt. Manchmal passiert es noch, dass sie alles vergisst, was geschehen ist – dann überkommt sie ein Schrecken, wenn Rex auf dem Weg zu einem Meeting auf ihrer Schulter setzt, sie scheucht ihn fast fort, im Glauben, immer noch alles verheimlichen zu müssen: dass es Anomalien gibt und, noch schlimmer, dass ihr liebstes Haustier seit Jahrmillionen ausgestorben ist. Doch dann immer, fast in der gleichen Sekunde folgt die erleichternde Erkenntnis, dass die Menschheit eben doch nicht immer alles falsch macht, dass unglaubliche wissenschaftliche Möglichkeiten manchmal auch geteilt werden statt verborgen und versteckt.

Mit einem strahlenden Lächeln tritt sie durch die Tür, hinter der die Vertreter des neugegründeten Anomaly Research Center British Columbia aus Canada schon auf sie warten. „Entschuldigen Sie das Wetter – willkommen in England und, vor allem, natürlich willkommen beim internationalen Anomaly Research Project!“

Es ist ein fruchtbares Meeting, die Forschenden aus Canada sind jung, motiviert und, was Abby besonders freut und erleichtert, haben große Ehrfurcht vor den Kreaturen, die aus den Anomalien kommen. Während sie beharrlich die Forschung vorantreiben, entgeht ihnen doch niemals, dass sie mit Lebewesen umgehen, die eine Welt wie die heutige noch nie gesehen haben, und dass jede allzu große Veränderung der Vergangenheit in hintergründigen Weisen in die Gegenwart eingreifen kann.

Als eine große, blonde Wissenschaftlerin beginnt, in einer Power Point Präsentation die Details der im Hafen von Nanaimo auf Vancover Island neu entdeckten Anomalie darzulegen, überläuft sie eine Gänsehaut, als ihr das immense Ausmaß der Entdeckung bewusst wird. „Die Entdeckung urzeitlicher Kolonien der Trididemnum Solidum lassen hoffen, dass eine Wiederaufnahme der Forschung daran, sie als Mittel im Kampf gegen den Krebs zu verwenden, auf erfreulichere Ergebnisse ohne die toxischen Nebenwirkungen, die wir leider bei der zeitgenössischen Spezies entdecken mussten, kommt.“

Abbys Herz klopft rasch, sie hätte am liebsten einen Jubelschrei ausgestoßen, doch sie bemüht sich um ruhige Seriosität als sie der Vortragenden die Hand reicht und zu dem Fund der anscheinend besonders ergiebigen Anomalie gratuliert.

Hätten die einzelnen ARCs immer noch, im Glauben, das Phänomen sei auf ihr spezifisches Gebiet beschränkt, sich hauptsächlich auf das rasche Schließen der Anomalien konzentriert und ihre Entdeckungen für sich behalten, nie wären sie an diesen Punkt gekommen an dem ein Konglomerat aus Forschenden diverser Länder die unglaublichen Erkenntnisse gemeinsam analysiert.


II.

Auf diese Art geht die Welt zugrund ... mit einem Kratzen auf den Oberlichtern


Ein Kratzen, ein Klackern, das Weinen eines Kindes. Heiser zieht Stephen Luft ein und umklammert sein Gewehr mit beiden Händen. Instinktiv versucht er, kein Geräusch zu machen. Dabei weiß er doch, dass Herzschlag und Körperwärme eines Menschen genug wären, der Kreatur die Richtung zu weisen.

Doch es geht ja nicht nur um ihn. Er befindet sich in einem verdammten überfüllten Einkaufzentrum, voll schreiender, panischer Menschen. Gefundenes Fressen für die wer-weiß-wie-vielen Prädatoren auf dem Dach.

Wieder ein Kratzen. Wie Kreide, die über eine Tafel gezogen wird. Nur etwas weniger harmlos. Beim Gedanken an die Krallen der Kreaturen wird ihm übel. Als das Geschrei um ihn herum lauter wird schaut er nach oben: Auf den Oberlichtern zeichnet sich nun deutlich die Silhouette eines Tieres ab. Wüsste er nicht, dass es aus der entfernten Zukunft stammt, würde er es für ein Alien halten. Dieses Wort ist es auch, was um ihn herum oft gerufen, geflüstert, gestammelt wird. Doch nun ist keine Zeit für wissenschaftliche Aufklärungsarbeit. Es geht nur darum, möglichst viele der Menschen im Gebäude zu retten. Er beruhigt seine Atmung so gut es geht und richtet das Gewehr auf den schwarzen Umriss vor dem grauen Himmel.

Doch es ist nicht lange nur einer. Von allen Seiten treten nun Prädatoren auf das Oberlicht. Als besäßen sie die geistige Kapazität, zunächst mit der Angst der Menschen zu spielen, bevor sie sich in ihrer Schrecklichkeit zeigen.

Als die Biester schließlich mit harten Schlägen die Oberlichter zerstören und in das Einkaufzentrum stürzen, wird die Kakophonie um Stephen herum ohrenbetäubend. Manche Prädatoren erwischt er noch während ihres Falles mit einigen Kugeln. Leider jedoch braucht es mehr, als ein paar Schüsse, um diese großen, schnellen Kreaturen umzulegen.

Es ist ein Blutbad. Rennende, schreiende Menschen. Kinder werden niedergetrampelt. Prädatoren, springen so schnell hin und her, dass es unmöglich ist, inmitten der Menschenmassen sicher auf sie zu zielen. Der Duft warmen Blutes liegt in der Luft, Stephen würgt. Immer weniger Menschen schreien oder flüchten. Immer weniger Menschen sind am Leben. Auch Stephen weiß, dass er dieses Einkaufzentrum nicht verlassen wird. Er lässt seinen Blick über das Schlachtfeld um ihn herum schweifen. Einer der Prädatoren wendet sich in seine Richtung. Als er sich nähert, erfüllt das unheilvolle Klackern die Luft, das Stephen nur allzu bekannt ist.

In seinen letzten Sekunden gesteht er sich ein, dass es unabwendbar ist: in kürzester Zukunft wird die Menschheit ausgerottet sein, von diesen grauen, gefühlslosen Horrorwesen.

--
Drabble-Turnier 2017, Runde 1

Vorgaben:

- 2 Quadrabbles (= 2 x 400 Wörter)
- eines soll die Welt in einem utopischen, eines in einem dystopischen Zustand darstellen
- eines soll überwiegend aus kurzen Hauptsätzen bestehen, eines aus vielen, ineinander verschachtelten Nebensätzen
Review schreiben