For aye to be in shady cloister mewed

GeschichteAllgemein / P12 Slash
Helena Hermia
26.02.2017
26.02.2017
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For aye to be in shady cloister mewed


and if I kiss you in the garden,
in the moonlight, will you pardon me?

- 'Tiptoe Thru the Tulips', Nick Lucas



Im Schatten der Bäume saßen sie einander gegenüber. Helena seitlich am Rücken der Bank lehnend, beide Füße auf dem Boden abgestellt. Hermia barfüßig im Schneidersitz, selbstvergessen mit einem Zweig, den sie von einem Busch abgerissen hatte, spielend.
Die beiden Mädchen sahen einander an, stumm und prüfend und wartend. Hermia wollte etwas sagen, aber sie wollte auch nicht, dass ihre beste Freundin mal wieder in unartikulierter Wut davonstürmte, wie in den letzten Tagen allzu oft. Das rötliche Licht des Sonnenuntergangs breitete sich über den Garten aus und tauchte die gebräunte Haut der beiden in warmen Schein. Helenas dunkle Locken verdeckten eine Hälfte ihres Gesichtes und machten es, zusammen mit der nun rasch hereinbrechenden Dunkelheit sehr schwer für Hermia, die Stimmung der Freundin einzuschätzen.

Eifersucht, konnte das alles sein? Auf Hermia, weil Demetrius, sie liebte? Da nützte es auch gar nichts, wiederholt zu erklären, dass sie keinerlei Interesse an dem Mann hatte, dem ihr Vater sie versprochen hatte. Dass all ihre Schönheit nicht für ihn war, dass sie in seinen Augen gar nicht gesehen werden wollte.

Dunkelheit senkte sich über den Garten, und nun, da sie sich nicht mehr in die Gesichter sehen konnten, konnten die beiden reden.

Helena begann, zögernd, und merklich angestrengt, sämtliche Bitterkeit aus ihrer Stimme zu verbannen: „Verzeih‘ bitte, alles, was ich in letzter Zeit sagte. Meine Eifersucht auf deine Schönheit war eine Lüge. Ja, du bist so schön, dass ich es kaum ertragen kann, doch ist das keineswegs so, weil ich lieber so wäre, wie du.“

Hermia ließ ihren Zweig fallen. „Aber wenn du nicht neidisch bist, was kümmert dich meine Schönheit? Du weißt doch, dass ich Demetrius nicht will, dass er mich so bewundert ist eher eine Last als eine Freude. Ich wünsche dir doch auch, dass er dich mit diesem träumenden Blick ansehen würde. An Schönheit stehst du mir in nichts nach, bei weitem nicht …“ Ihre Stimme verlor sich. Eigentlich wünschte sie sich nichts weniger als dass Demetrius Helenas Schönheit erkennen würde, aber sie wollte das sagen, was die Freundin möglichst glücklich stimmen würde.

Helena sah Hermia nicht an sondern hielt den Blick auf den Mond gerichtet, als suchte sie dort nach einer Antwort, wie sie ihre Empfindungen formulieren sollte. „Wenn ich dich ansehe, und nichts als Schönheit sehe, und wenn ich mit dir spreche, und mich sicher fühle wie sonst nirgends, wenn ich mit dir hier sitze, und wünsche, dass die Nacht nie endet … immer dann bin ich eifersüchtig. Nicht auf dich, auf Demetrius, der bald all dies und mehr haben kann.“

Hermia schluckte trocken. Meinte Helena …? Doch sie wollte sich keiner verbotenen Hoffnung hingeben. „Fürchtest du, Demetrius könnte sich in unsere Freundschaft drängen?“, fragte sie deshalb.

Von Helenas Ende der Bank kam nur ein verächtliches Schnauben. Sie war aufgestanden, und Hermia fürchtete kurz, dass sie wegrennen würde, doch dann lief sie nur zu Hermia hin und ging neben ihr in die Hocke. Ihre Gesichter waren nun auf gleicher Höhe und Hermia konnte im Mondlicht sehen, dass ihre Freundin so aufgewühlt war, wie sie sie noch nie erlebt hatte. „Freundschaft?“, flüsterte Helena nun tonlos und Hermia wusste nicht, was diese Frage zu bedeuten hatte. Mit einer Stimme, die gequält klang, als wäre sie schon halb dabei, das zu bereuen, was sie gleich tun würde, fuhr Helena fort: „Wirst du mir verzeihen, wenn-‚‘‘ Sie brach ab, ihr fehlten die Worte, und alles was sie tun konnte, war, Hermia einen raschen aber zärtlichen Kuss auf den Mund zu geben.

Dann stand sie schnell wieder auf, ging vorsichtshalber auch ein paar Schritte zurück, als fürchtete sie, Hermia würde sich wütend auf sie stürzen. Diese saß noch auf der Bank, regungslos, Unglauben im Gesicht. Schließlich, endlich, Helena konnte es kaum fassen, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Sie stand nun ebenfalls aus und näherte sich Helena.

„Ich würde dir nicht nur verzeihen, ich würde auch das tun.“ Mit diesen Worten beugte sie sich herunter und gab ihrer Freundin den Kuss zurück.

Zunächst war Helena irritiert in ungläubiger Freude, doch als sie ihr Glück langsam begreifen konnte, lächelte sie in den Kuss hinein und stellte sich nun ihrerseits auf die Zehenspitzen. Die beiden umklammerten einander, küssend, kichernd und atemlos.

Als dann Egeus‘ Stimme aus dem Haus ertönte, und Hermia zurück gerufen würde, lösten sich die beiden Mädchen wiederwillig von einander. „Was wird denn nun aus uns? In ein paar Tagen musst du Demetrius heiraten, ob du willst oder nicht …“ Helena klang verzweifelt, wollte nicht glauben, dass das neu gewonnene Glück schon so bald wieder ein Ende haben sollte.

Hermia jedoch lächelte schelmisch. „Ich weiß, dass mein Vater, wenn ich mich weigere, Demetrius zu heiraten, mich in ein Kloster verbannen will. Wie wäre es denn, wenn du dich mir anschließen würdest, und wir die traurige Bürde auf uns nähmen, für unseren Glauben dem Umgang mit Männern für immer zu entsagen?“

Jetzt kicherte auch Helena: "Ich weiß nicht ... eingesperrt in ein Kloster, ohne die bereichernde Gesellschaft von Männern? Das erscheint mir unerträglich, doch für dich würde ich es in Kauf nehmen!"

Belustigt gaben sie einander noch einen Abschiedskuss, dann rannte Hermia ins Haus zurück, so glücklich wie sie es lange nicht gewesen war.
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