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Blanche und die Handschellen

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
25.02.2017
25.02.2017
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Blanche und die Handschellen

Rating: P12

Genre: Humor, Freundschaft

Wörter: 958

Geschrieben: Februar 2017

Inhalt: Blanche hat ein kleines Problem mit ihren Handschellen.


* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *



Es war ein ruhiger Freitagnachmittag, während Dorothy im Wohnzimmer auf dem Sofa sass und in einer Zeitschrift blätterte. Ihre Mutter und Rose waren ausser Haus und Blanche rumorte in ihrem Schlafzimmer, was Dorothy nicht als störte empfand. Sie genoss die Ruhe und Stille des Wohnzimmers, nachdem sie die ganze Woche als Vertretung bei einer lauten und flegelhaften Schulklasse verbracht hatte. Sie war nur froh, dass sie diese Schulklasse nicht dauerhaft unterrichten musste. Das hielten ihre Nerven nicht länger als zwei Wochen aus.

Dorothy hatte gerade einen Artikel in der Zeitschrift gefunden, der sie interessierte, als die Schlafzimmertür von Blanche sich öffnete und diese mit zögerlichen Schritten in Richtung Wohnzimmer kam. Sich nahe an der Wand haltend, als wolle Blanche etwas Peinliches verbergen.

„Dorothy?“ Ungewohnt leise und zaghaft versuchte Blanche Dorothys Aufmerksamkeit von der Zeitschrift auf sich zu lenken. Was ihr nicht sofort gelang.

„Mmh?“, kam es von Dorothy, während ihre Augen über den Artikel in ihrer Zeitschrift glitten. Momentan konnte man ihre Aufmerksamkeit nur schwer erringen, da sie die ganze Woche mit dieser unmöglichen Schulklasse verbracht hatte. Wenn nicht gerade ein Knallfrosch neben ihr explodierte, sah Dorothy nicht mehr auf. Was Blanche vor Probleme stellte.

Blanche trippelte näher zu dem Sofa, auf dem Dorothy sass. „Dorothy?“, versuchte sie es erneut. Deutlich lauter. Als das nichts nützte, schrie Blanche: „Dorothy!“

Dorothys Kopf ruckte hoch und ihre Augen richteten sich auf Blanche. „Was ist, Blanche?“, verlangte Dorothy zu wissen. „Ich dachte, du bereitest dich für dein Date heute Abend mit diesem John vor?“ Ein fragender Blick huschte über Blanches Gestalt, die noch die gleiche Kleidung wie am frühen Morgen trug. Wobei Dorothy auffiel, das Blanche ihre Arme hinter ihrem Rücken versteckte. „Und eins sage ich dir, solltest du hinter deinem Rücken einen Knallfrosch oder eine Stinkbombe verstecken…“, Dorothy fügte hier eine unheilvolle Pause ein und sah Blanche mahnend an. „…dann lass es sein. Ich hatte diese Woche das Vergnügen und es reicht mir. Ein Knallfrosch und ich werde zur Berserkerin.“

Ein verdutzter Blick aus Blanches Augen traf Dorothy, bevor sie deren Verdacht vehement entkräftete. „Ich bin kein Kind, das üble Scherze mit seiner Lehrperson macht! Nicht mit Kinderkram wie Stinkbomben und Knallfröschen. Das überlasse ich Spinnern und Analphabeten.“

„In Ordnung“, zeigte sich Dorothy erleichtert. „Und nun zeig mir, was du hinter deinem Rücken versteckst.“ In Dorothys Stimme lag die Art von Strenge, die nur eine Lehrerin vermitteln konnte.

Blanche seufzte leise. Sie ergab sich ihrem Schicksal mit einem ‚Das‘ auf den Lippen, als sie sich umdrehte. Nun war es an Dorothy, verdutzt auf Blanches Rückenansicht zu blicken. Was sie sah, konnte sie im ersten Augenblick nicht glauben.

„Sind das Handschellen, Blanche?“, kam es über Dorothys Lippen, nachdem sie sich von der Überraschung erholt hatte.

„Jahaa!“ Mit vor Scham geröteten Wangen drehte sich Blanche zu ihrer Mitbewohnerin um. „Ich wollte nachschauen, ob sie noch funktionieren. Für mein Date mit John. Du verstehst?“

Nicht wirklich. Dorothy nickte dennoch. „Gewiss. Wenn ich mit einem Mann verabredet bin, überprüfe ich immer hinter meinem Rücken, ob meine Handschellen richtig funktionieren“, kam es sarkastisch aus ihrem Mund. Und insgeheim dachte sich Dorothy, dass sie solch ein Anblick nicht mehr wundern sollte. Blanche hatte ihre sexuellen Vorlieben, bei denen Handschellen und Kleidung, die man mit einem nassen Lappen putzen konnte, eine grosse Rolle spielten.

Blanche amüsierte sich unterdessen köstlich über den vermeintlichen Witz. „Mach keine Scherze, Dorothy“, sagte sie, während ihre Arme hinter ihrem Rücken mit den Handschellen aneinander gekettet waren. „Als ob du Verabredungen mit Männern hättest“, setzte sie vernichtend einen oben drauf.

Zorn trat in Dorothys Augen, während sie ihre Zeitschrift zur Seite legte und ihre Arme vor der Brust verschränkte. „Rede nur weiter, Blanche“, meinte sie zu ihrer Mitbewohnerin. „Wenn ich das richtig sehe, brauchst du meine Hilfe und nicht ich deine. Irgendetwas sagt mir, dass du dich nicht alleine von den Handschellen befreien kannst. Und da Rose und Ma nicht hier sind…“

„Sei nicht eingeschnappt“, versuchte Blanche zu retten, was noch zu retten war. „Greif mir lieber in den Ausschnitt und hol den Schlüssel für die Handschellen aus meinem BH.“ Mit hervor gestreckten Brust und gehobenen Kinn, stellte sich Blanche nah zu Dorothy.

Reflexartig wich Dorothy mit dem Kopf nach hinten aus. Was nicht weit war, sie auf dem Sofa sass. „Warum zum Teufel versteckst du den Schlüssel für deine Handschellen in deinem BH?!“, fragte sie verblüfft nach.

Als wäre diese Frage unnötig und der Aufenthaltsort des Schlüssels nur zu verständlich, meinte Blanche: „Weil ich ihn immer dort hin tue. Damit ich ihn in Griffnähe habe, wollte ich ihn brauchen.“

„Das hat super geklappt, wie man gerade sieht.“

„Jaja! Ich habe mich dumm benommen, als ich nachprüfte, ob meine Arme gelenkig wie mit achtzehn Lenzen sind. Das kann jedem passieren.“ Ein Blick auf Dorothy reichte Blanche, um zu wissen, dass das nicht jedem passieren konnte. Das wollte sie momentan nicht hören, weshalb sie Dorothy entschieden von einer Erwiderung abhielt. „Und nun hilf mir. Ich würde das bei dir ebenfalls machen, wärst du an meiner Stelle.“

Dorothy verbiss sich die Bemerkung, dass ihr das niemals passieren würde. Stattdessen erhob sie sich vom Sofa und griff zaghaft in Blanches Ausschnitt. Das war ein eigenartiges Gefühl, einer anderen Frau auf diese Weise nahe zu kommen. Dorothy verbot sich jeden Gedanken über den Anblick, denn sie gerade abgeben mussten und tastete stattdessen nach dem Schlüssel im BH.

In diesem Augenblick öffnete sich die Haustür und hinein spaziert kamen Rose und Sophia.

„Dorothy!“, rief Sophia mit vor Entsetzen kreischender Stimme, bei dem Anblick, den sich ihr bot.

„Blanche!“, kam es überrascht aus Roses Mund.

Dorothy und Blanche blieben stumm und erstarrten zur sprichwörtlichen Salzsäule. Mit grossen Augen sahen sie sich an – Dorothys Hand noch in Blanches Ausschnitt – und überlegten angestrengt, wie sie DAS hier ihren Mitbewohnerinnen erklären konnten.


ENDE
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