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Die Schattenseite der perfekten Welt

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
OC (Own Character) Sophie Koch Sören Petersen
24.02.2017
24.01.2021
47
78.881
16
Alle Kapitel
169 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
27.12.2020 2.357
 
Hallöchen meine Lieben,

Ich wünsche euch ein frohes und besinnliches Fest und als kleines nachträgliches Weihnachtsgeschenk hab ich heute ein neues (relativ langes) Kapitel für Euch!
Ich hoffe, es gefällt euch! Ich wollte die Gelegenheit nutzen und mich bei ALLEN Lesern bedanken - die Geschichte hat mittlerweile mehr als 20.000 Aufrufe und ich habe immer noch keine Ahnung, was hier so der Standard ist, aber trotzdem freut es mich ungemein :D Besonderer Dank natürlich wieder an die Reviewschreiber - es bedeutet mir unglaublich viel, dass ihr alle so geschlossen hinter mir steht und mich beruhigen konntet!  

@Zimtstern18 (du bist einfach sooo lieb!!)
@jess93 (Ich freue mich immer über neue Reviewschreibern!! Schön, dass es Dir so gut gefällt!)
@Berlinerbaerchen (AHHH!!! Du bist immer noch so aufmerksam dabei wie immer!! Danke!!)
@FinjaShila (Schön zu wissen, dass Du auch noch mitliest!)
@fleissigeLeserin (danke für deinen Hinweis und toll, dass du immer noch mit dabei bist!!!)
@fairytale-gone-bad (Danke auch Dir für dein Verständnis und natürlich deine Review!!)

****
Stella:

Als Sophie und ich am Montag Nachmittag endlich zu Hause ankamen, war ich müde - vielleicht war es die fehlende Mittagspause oder der Sportunterricht, der heute besonders anstrengend gewesen war, aber irgendwie fühlte ich mich ausgelaugt.

Wie jeden Tag jedoch holte ich brav meine Hausaufgaben heraus und setzte mich an den Küchentisch - ein Ritual, das ich langsam zu lieben gelernt hatte. Bei meiner Mutter hatte ich immer lieber ungestört in meinem Zimmer gelernt, wo ich von ihren kritisierenden Blicken und negativen Kommentaren verschont geblieben war. Doch Sophie hielt sich immer zurück und wenn sie etwas sagte, dann war es entweder, um mir zu helfen, oder um mich daran zu erinnern, dass bald Zeit war, die Bücher zu schließen.

Ich versuchte mich auf die Spanischhausaufgaben zu konzentrieren, die zugegebenermaßen nicht wirklich schwer waren, aber irgendwie konnte ich mich nicht an die unregelmäßigen Verben erinnern. Mein Kopf war wie leer gefegt - zurückgeblieben war nur ein pochender Kopfschmerz, der immer stärker wurde.

“Alles okay, Süße?”, fragte Sophie nach einer Weile. Sie musste wohl bemerkt haben, dass ich seit einiger Zeit nichts mehr aufs Papier gebracht hatte. “Ähm, ja”, sagte ich schnell, “Tut mir Leid, ich habe gerade nur nachgedacht.” Sophie sollte nicht denken, dass ich faul war.

Ich versuchte meinen hämmernden Kopf zu ignorieren und füllte die Lücken im Text, aber ich war deutlich langsamer als sonst. Ich seufzte und schlug mein Arbeitsheft zu, als ich endlich fertig war. “Fertig für heute?”, fragte Sophie und ich schüttelte den Kopf. “Nein, ich wollte mir Chemie nochmal anschauen.”

“Vielleicht machst du für heute mal Schluss, Süße”, sagte Sophie sanft und legte eine Hand auf mein noch geschlossenes Buch. “Du hattest heute fast non-stop Schule und Chemie kannst du Dir auch noch morgen anschauen.”

Normalerweise hätte ich protestiert, aber da meine Kopfschmerzen immer schlimmer wurden und ich langsam auch noch ein kratzendes Gefühl im Hals bekam, nickte ich nur und packte das Chemiebuch wieder weg.

“Was hältst du von einer leckeren Bolognese heute Abend?”, fragte Sophie, “Warum legst du dich nicht noch kurz aufs Sofa, während ich koche?”

“Ich kann dir auch helfen, Sophie”, sagte ich, aber meine Stimme hörte sich irgendwie kratziger an als sonst. “Ich krieg das schon hin, Süße!”  

Ich nickte nur und ausnahmsweise versuchte ich nicht, Sophie doch noch zu helfen, sondern legte mich einfach aufs Sofa. Sobald ich meine Beine hochlegte, merkte ich, wie müde ich eigentlich war. Ich zwang mich jedoch meine Augen offenzuhalten und an etwas anderes als meine Kopf- und Halsschmerzen zu denken. Meine Mutter hatte immer gesagt, dass Mittagsschläfchen für Nichtsnutze waren und das eine Mal, als sie mich dabei erwischt hatte, wie ich tagsüber geschlafen hatte, ist sie wirklich wütend geworden. Sophie hatte zwar gesagt, ich sollte mich eine Weile entspannen, aber sie hatte nichts vom Schlafen gesagt - sie wäre bestimmt auch nicht begeistert, wenn ich jetzt einschlafen würde.

Meine Augen brannten vom Offenhalten und ich versuchte mich abzulenken, in dem ich die heutige Probe durchging. Frau Schneider hatte gesagt, Lily und ich sollten uns auf YouTube verschiedene Versionen von “Do you want to build a snowman” anschauen. Ich hatte zwar das Handy, das Sophie mir geschenkt hatte, aber sie hatte gesagt, dass es “zur Kommunikation” gedacht war und sie wollte bestimmt nicht, dass ich mir darauf YouTube Videos ansah - aber wie sollte ich sonst die Lieder lernen und mir Inspiration holen? Ich musste es wohl doch wagen, sie danach zu fragen. Aber nicht heute: Heute hatte ich es sicherlich nicht verdient - ich lag hier faul auf der Coach herum, hatte nicht mal Alles für heute erledigt, und Sophie kochte! Am Besten wartete ich bis sie in einer guten Stimmung war und nutzte dann den Moment. Aber wann war Sophie eigentlich mal besonders gut gelaunt? Bis jetzt war Sophie eigentlich immer in der gleichen Stimmung gewesen, aber war das eine gute oder schlechte Stimmung?

Bei meiner Mutter hatte ich eigentlich immer gewusst, in welcher Stimmung sie gerade war. Wenn sie einen anstrengenden Tag hatte oder ein Fall vor Gericht schlecht gelaufen war, hatte ich schon beim Heimkommen gemerkt, dass es kein guter Abend werden würde. Wenn ich allerdings eine sehr gute Note geschrieben hatte oder Mama shoppen gewesen war, konnte sie auch mal gut gelaunt gewesen sein. Sophie war viel schwieriger einzuschätzen. Warum nur musste nur alles so kompliziert sein?

****
“Stella, Süße. Wach auf!”, hörte ich Sophie flüstern und sofort war ich wieder hellwach. War ich etwa wirklich eingeschlafen?

„Sophie, tut mir Leid - ich wollte nicht einschlafen. Tut mir wirklich Leid!“ Ich erwartete fast, dass Sophie ausholen würde und mir eine Ohrfeige geben würde, aber sie sah mich nur besorgt an. „Alles gut, ich bin nicht sauer. Du warst ziemlich erschöpft und hattest einen anstrengenden Tag - da ist es total in Ordnung auch einmal einen kleinen Mittagsschlaf zu machen.“

Sophie überraschte mich mal wieder mit ihrem Verständnis - es war okay, dass ich mitten am Tag geschlafen hatte, obwohl ich doch schon immer nachts so viel schlief?

„Okay.“, sagte ich nur, weil mein Hals jetzt noch mehr wehtat und sich eng anfühlte. „Das Essen ist fertig.“, Sophie nahm meine Hand und führte mich langsam zum Esstisch.

Sobald ich aufstand verstärkten sich meine Kopfschmerzen - wenn das überhaupt möglich war, aber als ich die gefüllten Teller sah, zwang ich mich jedoch zu einem Lächeln. Sophie hatte extra für mich gekocht - da wäre es undankbar jetzt nichts zu essen.

Die Bolognese schmeckte zwar, aber trotzdem musste ich nach jedem Biss fast würgen. Ich aß so viel und schnell wie ich konnte - trotzdem war mein Teller nach einer halben Stunde nur zur Hälfte geleert. „Was ist los, Süße?“, fragte Sophie schließlich und ich zuckte zusammen. Verlor Sophie jetzt die Geduld mit mir?

„Tut mir Leid, Sophie“, antwortete ich und starrte auf die Nudeln auf meinem Löffel. Ich war undankbar, eine Zumutung für Sophie und jetzt musste ich auch noch über ein bisschen Hals- und Kopfschmerzen herum jammern?

„Du musst dich für nichts entschuldigen, Stella“, sagte Sophie und sie klang so geduldig wie immer. „Ich will nur wissen, ob alles in Ordnung ist. Wir sitzen hier schon fast eine halbe Stunde und du hast kaum etwas gegessen. Schmeckt es Dir nicht? Das wäre völlig okay - man muss nicht alles mögen.“

Ich überlegte kurz - vielleicht sollte ich Sophie einfach sagen, dass es mir nicht schmeckte? Wenn sie wirklich die Wahrheit sagte, dann wäre das nicht schlimm. Alles war besser als Sophie zu sagen, dass ich krank wurde.

„Ich... Es... tut mir Leid. Ich bin einfach nicht so der Fan von Bolognese.“ Ich zuckte mit den Schultern und traute mich nicht, Sophie in die Augen zu schauen. Sie würde die Lüge bestimmt sofort durchschauen.

„Das ist doch nicht schlimm, Liebes. Möchtest du lieber etwas Anderes? Ich könnte Dir noch ein Brot machen.“

Schnell schüttelte ich meinen Kopf. Wenn ich die Bolognese schon kaum herunter kam, dann wäre ein Brot noch schlimmer. „Nein, danke, Sophie. Ich hab auch eigentlich keinen Hunger mehr.“

Sophie nickte, stand dann auf und nahm unsere beiden Teller. Ich folgte ihr in die Küche und nahm die Pfanne, die neben der Spüle stand und begann sie zu spülen.

Ich war sauer auf mich selber: Ich wurde krank, war einfach so eingeschlafen und hatte Sophie dann auch noch angelogen. Meine Mutter hätte mich schon längst bestraft - vielleicht hatte ich es ja verdient, dass ich nun krank wurde.

„Stella?“, Sophies Stimme riss mich aus meinen Gedanken, „wirklich alles gut bei dir?“

Ich nickte nur und versuchte den Kloß, der sich in meinem Hals bildete, herunterzuschlucken. Ich durfte jetzt nicht auch noch anfangen zu weinen. Nicht heute. „Ich denke du hast die Pfanne genug gespült“, sagte Sophie, die schon mit einem Handtuch bereit stand, um abzutrocknen. „Ja, tut mir Leid“, antwortete ich nur und reichte ihr die Pfanne.

Sobald wir die Küche aufgeräumt hatten, verschwand ich leise in mein Zimmer. Normalerweise schaute ich abends noch mit Sophie fern oder wir spielten ein Gesellschaftsspiel oder lasen auf dem Sofa gekuschelt, aber heute wollte ich einfach nur noch ins Bett fallen und Sophie so weit wie möglich aus dem Weg gehen.

So schnell wie möglich machte ich mich bettfertig und kuschelte mich dann in meine Decke. Mein Kopf pochte, meine Hals brannte und dazu war mir jetzt auch noch schlecht. Tränen traten mir in die Augen und dieses Mal hielt ich sie nicht auf. Im Leise in den Schlaf Weinen hatten ich genug Erfahrung, sodass ich trotzdem relativ schnell einschlief.

****
Sophie:

Sophie saß auf dem Sofa und versuchte sich auf den Krimi zu konzentrieren, der im Fernsehen lief, aber immer wieder schweiften ihre Gedanken zu Stella. Das Mädchen war, nachdem sie die Küche aufgeräumt hatte, ohne ein Wort verschwunden. Sophie fühlte sich in die erste Woche zurückversetzt, in der Stella nur selten aus ihrem Zimmer herausgekommen war.

Was war heute bloß los mit dem Mädchen? Sophie seufzte und entschloss, Stella heute Abend den Freiraum zu geben, den sie anscheinen brauchte, und erst einmal bis zum nächsten Morgen abzuwarten.


****
Sophie wurde von einem lauten Poltern aus dem Schlaf gerissen. Was war das gewesen? Ging es Stella gut? Bei dem Gedanken an Stella war Sophie sofort hellwach und so schnell sie konnte, schaltete sie ihre Nachtischlampe an und war schon auf dem Weg zu dem Mädchen. Doch sie fand Stella nicht schlafend in ihrem Zimmer, wie sie gehofft hatte, sondern hörte nur leise Würgegeräusche aus dem Badezimmer. War das Mädchen etwa krank?

Sophie klopfte an die Türe, um sich ankündigen, wartete allerdings nicht auf eine Einladung, sondern öffnete einfach die Türe - wenn Stella wirklich krank war, dann waren Förmlichkeiten wie diese jetzt nicht wichtig.

Sie sah das Mädchen vor der Toilette kniend, stumme Tränen liefen über ihr Gesicht. „Sophie!“, rief das Mädchen aus, sobald sie Sophie entdeckt hatte. Stella machte sich, wenn möglich, noch kleiner, Angst in ihren Augen. „Ich schwöre, ich wollte Dich nicht wecken. Ich bin nur aus Versehen über den Stuhl gestolpert, der im Flur steht. Es tut mir Leid. Wirklich. Und ich verspreche Dir auch, ich mache die Toilette gleich sauber! Es tut mir Leid!“

Das Mädchen zitterte jetzt - ob vor Angst oder Kälte war Sophie unklar - und Sophies Herz brach, als sie Stella so aufgelöst sah.

Sophie kniete sich ebenfalls neben Stella auf den harten Badezimmerboden und streichelte vorsichtig ihren Rücken. „Ich bin nicht sauer, Süße. Ganz ruhig.“ Noch mehr Tränen liefen dem Mädchen übers Gesicht und langsam schien sie sich unter Sophies gemurmelten Versicherungen und beruhigenden Berührungen zu entspannen.

„Schh... Alles gut“, sagte Sophie zum Schluss und fragte dann vorsichtig: „Hast du Dich übergeben, Süße?“ Stella nickte leicht. „Ja, tut mir Leid“, murmelte Stella und Sophie malte weiterhin kleine Kreise auf ihren Rücken. „Kein Grund, sich zu entschuldigen.“

„Denkst du, es kommt noch was?“ Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Ich denke nicht, dass ich noch etwas im Magen habe.“

„Okay, denkst du kannst aufstehen? Dann kann ich Dir wieder ins Bett helfen?“ Stella nickte unsicher und Sophie half ihr langsam wieder auf die Beine. Das Mädchen war schweißgebadet und fiebrig, gleichzeitig zitterte es. „Willst du Dir noch kurz den Mund ausspülen?“, fragte Sophie ruhig und Stella nickte. Sie hielt sich am Waschbecken fest und putzte sich kurz, aber gründlich die Zähne.

„Danke“, murmelte Stella, als Sophie ihr wieder ins Bett geholfen hatte. „Es tut mir wirklich Leid, dass ich geweckt habe.“

Sophie schüttelte den Kopf. „Alles gut, Süße. Hast du sonst noch irgendwelche Symptome außer dass du Dich übergeben hast? Und sag mir nicht, dass ‚Alles gut‘ ist!“ Sophie versuchte strenge zu gucken und gleichzeitig Liebe in ihren Blick zu legen. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was gewesen wäre, wenn sie nicht aufgewacht wäre.

„Ich habe Kopf- und Halsschmerzen“, sagte das Mädchen so leise und schnell, dass Sophie es fast nicht verstanden hätte. „Kopf- und Halsschmerzen?“, fragte Sophie, um sicherzugehen, dass sie Stella richtig verstanden hatte. Das Mädchen nickte und Sophie fragte weiter: „Wie schlimm? Auf einer Skala von 1-10?“

Stella zuckte mit den Schultern. „Nicht so schlimm. Vielleicht eine 4?“ Sophie streichelte dem Mädchen über die Haare und zwang sich zu einem sanften Lächeln - sie wusste, dass eine vier bei Stella wahrscheinlich eine Acht bei jedem Anderen bedeutete.

„Möchtest du eine Schmerztablette haben?“, fragte Sophie Stella, doch diese schüttelte nur vehement den Kopf. „Bitte Sophie - ich brauche nichts.“

Die Sozialarbeiterin schüttelte nur den Kopf und streichelte dem Mädchen abermals über die Haare. „Dann mach ich Dir aber jetzt wenigstens einen Tee und messe mal Fieber. Ich bin gleich wieder da.“

Sophie beeilte sich und stellte den Wasserkocher bereits an, während sie ihr Fieberthermometer suchte. Fünf Minuten später war alles soweit fertig, aber als die in Stellas Zimmer ging, stellte sie fest, dass das Mädchen wieder eingeschlafen war. Erneut streichelte Sophie dem Mädchen die Haare aus dem Gesicht, drückte ihr einen leichten Kuss auf die Stirn (nicht ohne zu bemerken, wie warm diese war) und machte dann das Licht aus. Der Tee und das Fieberthermometer könnten auch noch bis morgen früh warten.


****
Das wars - ich hoffe, es hat euch gefallen! Wie immer würde ich mich RIESIG (ihr glaubt nicht wie sehr!!) über Reviews freuen! Lasst doch einfach eine kleine Nachricht da, wie euch die kranke Stella so gefällt... Ich dachte, es ist mal wieder Zeit für ein bisschen Drama :D
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