Die Schattenseite der perfekten Welt

GeschichteAllgemein / P16
OC (Own Character) Sophie Koch Sören Petersen
24.02.2017
10.08.2019
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Hallöchen,
die Geschichte ist ein bisschen anders, aber ich hoffe euch gefällt sie trotzdem:)
Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen!
PS: Wenn euch die Geschichte bzw. das Kapitel gefallen hat, würde ich mich sehr über Rückmeldung freuen:)

Stella:

Ich starrte auf das Blatt Papier vor meinen Augen, das immer wieder verschwamm. Das konnte doch nicht sein, oder? Das durfte einfach nicht sein!

Warum musste Spanisch auch so schwer sein? Warum lernte ich überhaupt Spanisch?

Ich rollte mit den Augen. Die Antwort lag natürlich auf der Hand: Ich lernte Spanisch, weil meine Mutter das von mir verlangte. So wie ich immer tat, was sie verlangte.

Aber gerade, als ich die 2- sah, die am Ende meiner Spanischarbeit in Herr Voigts schöner, roter Schrift geschrieben stand, wollte ich gar nicht wissen, was sie als nächstes von mir verlangte und was sie mit mir anstellen würde, wenn sie von der 2- erfuhr.

Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, während ich – immer noch mit zitternden Händen -  die Arbeit Wort für Wort durchlas.

Warum musste Herr Voigt auch so unglaublich streng sein? Warum musste meine Mutter so unglaublich streng sein?

Als ich hörte, wie Herr Voigt anfing zu sprechen, konzentrierte ich mich wieder voll und ganz auf ihn. Ich wollte bloß nichts verpassen, damit ich es wenigstens in der nächsten Arbeit besser machen konnte.

„Also“, sagte mein Spanischlehrer gerade, „für viele von euch ist die Klausur nicht wirklich erfreulich gewesen, aber das seid ihr selber Schuld! Wie oft habe ich euch erklärt, wann ihr das Subjunktivo verwenden müsst. Ich habe das Gefühl niemand von euch hat mir wirklich zu gehört!
Kein Wunder also, dass die Klausur so schlecht ausgefallen ist! Nächstes Mal möchte ich nicht nur eine Zwei und eine Drei sehen, sondern mehr!
Ihr alle müsste euch einfach mehr anstrengen! Kapiert?“

Mein Kopf schmerzte und der letzte Satz hallte in meinem Kopf wider. Wie oft hatte meine Mutter mir schon gesagt, dass ich mich nicht genug anstrengte. Wie oft hatte sie gesagt, dass ich einfach nur faul und dumm und zu nichts zu gebrauchen wäre.

Langsam wurde die Stimme meiner Mutter immer und immer lauter und alles um mich herum drehte sich. War das Herr Voigt, der vor mir stand, oder meine Mutter?
Ich hielt mir die Ohren zu und drückte meine Augen fest zu, damit der Schmerz und die Hitze, die mich überkommen hatten, endlich aufhörten.

Gedämpft und irgendwie auch verzerrt hörte ich, wie Herr Voigt mich fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich wollte antworten, dass alles gut war und dass ich einfach nur ein bisschen Ruhe bräuchte, aber ich konnte nicht. Ich konnte weder meinen Mund öffnen, noch meine Zunge dazu bringen, sich zu bewegen.

Stattdessen bekam ich nur am Rande mit, wie mein Lehrer mich aus der Klasse brachte und leise auf mich einredete.
Als ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, saß ich schon in einem Stuhl und als ich bemerkte wo, wäre ich am liebsten wieder weggerannt, doch bewegen konnte ich mich immer noch nicht...


Sophie:

Das dünne, schlanke, blonde und irgendwie verloren wirkende Mädchen, saß vor Sophie auf einem Stuhl. Sie sah panisch aus, als sie endlich realisiert hatte, wo sie war und blickte sich hektisch um.
Sophie wollte wirklich versuchen ihr zu helfen, denn sie war noch nicht lange Sozialarbeiterin an dieser Schule und wollte ihren Job gut machen.

Das Problem dieses Mädchens wäre ihr erster „Fall“ und sie wollte bei Direktor Martin einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

Um dem Mädchen zunächst einmal ihre Angst zu nehmen, sagte sie: „Hey, ich bin Sophie und die neue Schulsozialarbeiterin an deiner Schule. Wer bist du?“

Sophie beobachtete, wie das zierliche Mädchen ihre Hände in den Schoß legte, sich gerade hinsetzte und mit fester, aber dennoch ängstlicher Stimme sprach: „Freut mich wirklich sehr Sie kennenzulernen, Sophie. Ich bin Stella Sofia Collins.“

Sophie runzelte die Stirn. Ihr war nicht entgangen, wie förmlich das Mädchen mit ihr kommuniziert hatte.

„Ist es okay, wenn ich dich nur Stella nenne oder möchtest du lieber Stella Sophia genannt werden?“

Stella verzog ihr Gesicht, als sie ihren Zweitnamen hörte und sagte dann wieder mit unbeweglicher Miene: „Nein. Stella, wenn es für Sie okay ist.“

Sophie nickte kurz und überlegte dann wie sie weiter verfahren sollte. Schließlich entschied sie sich zu einer Frage: „Also, Stella. Warum warst du gerade eben in deinem Spanischunterricht so panisch. Dein Lehrer hat mir erzählt, dass ihr die Klassenarbeit, die ihr heute zurück bekommen habt, besprochen habt. Hattest du eine schlechte Note?“

Sophie beobachtete das Mädchen scharf, das jetzt unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschte. „Na ja,“, fing sie an, „ich habe eine 2-. Es hätte wirklich besser laufen können. Normalerweise weiß ich wirklich, wie man das Subjunktivo im Spanischen bildet. Eigentlich ist es ganz einfach. Man muss nur auf die unregelmäßigen Verben achten.“

Das Mädchen wollte sich weiter rechtfertigen, doch Sophie unterbrach sie: „Hey, hey. Ganz ruhig. Ich glaub Dir, dass du alles gekonnt hast. Und eine 2- ist doch keine schlechte Note. Ich finde sie sogar sehr gut.“

„Es ist aber nicht „sehr gut“. Es ist „noch gut“. Was glauben Sie, wie meine Mutter reagieren wird, wenn ich ihr das erzähle?“, murmelte das Mädchen ängstlich, während sie den Blick auf ihre immer noch im Schoß liegenden Hände richtete.

Sophie war zu geschockt, um irgendetwas zu sagen. War für die Mutter der Kleinen eine 2- etwa schon schlecht? Hatte sie deshalb so panisch reagiert?

Leise und einfühlsam fragte sie: „Hattest du deshalb Angst, als du die Note gesehen hast? Hast du Angst wie deine Mutter reagiert?“

Fast unmerklich nickte Stella und ihre blonden Locken wippten dabei auf und ab.

„Wenn du willst, kann ich einmal mit deiner Mutter sprechen. Sie wird sowieso bald hier sein. Herr Voigt wollte sie anrufen, damit sie dich abholt.“

Mit vor Entsetzen geweitete Augen starrte Stella Sophie an. Dann allerdings schien sie sich zu beruhigen und es war keine Gefühlsregung mehr zu erkennen. „Okay.“, sagte sie trocken und setzte sich in ihrem Stuhl noch gerader hin.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, fragte Sophie: „Hast du sonst irgendwelche Probleme? Vielleicht mit deinen Klassenkameraden?“

Sophie blickte das Mädchen scharf an und sah, dass diese auf ihrer Lippe herum kaute. Dann sagte sie mit fester Stimme: „Eigentlich nicht. Es ist manchmal nur ein bisschen schwer.“ Stella seufzte und schlug die Augen nieder.

„Was meinst du mit schwer?“ Das Mädchen blickte Sophie mit traurigen Augen an und flüsterte: „Ich bin nicht so wie Sie.“ Sophies Gedanken überschlugen sich. Was meinte Stella, wenn sie sagte, dass sie nicht so wie ihre Mitschüler war? Noch leiser murmelte sie: „Wissen Sie das ich drei Jahre Jünger bin als der Älteste Schüler in meiner Klasse? Und selbst Michelle, die wirklich noch jung ist, ist mehr als ein Jahr älter.“

Sophie nickte nur. Das musste wirklich schwer sein für das Mädchen, was so klein und ängstlich vor ihr auf dem Stuhl saß. „Wie alt bist du denn?“

„13“, hauchte Stelle nur. Das war wirklich jung, besonders, wenn man bedachte, dass Stella schon in der Zehnten Klasse war. Doch dann musterte Sophie das Mädchen nochmals. Eigentlich sah Stella sogar noch jünger aus. Es musst wirklich schwer für sie sein, in einer Klasse, in der bestimmt alle schon viel weiter entwickelt waren.

„Ich verstehe, dass das schwer für Dich sein muss“, sagte Sophie und schaute Stella mitleidig an. „Aber warum bist du denn schon in der Zehnten Klasse?“

Sophie beobachtete, wie das Kind mit den Augen rollte und dann sagte: „Ich habe eine Klasse übersprungen und wurde schon mit fünf eingeschult.“
Wow, dachte Sophie. Dann hatte sie ja so etwas wie ein Wunderkind vor sich sitzen.

„Also bist du wohl besonders schlau für dein Alter, oder?“, lächelte sie, um Stella eine Freude zu machen. Doch diese zuckte nur mit den Schulter und sagte niedergeschlagen: „Wohl eher nicht.“

Wohl eher nicht? Sophie wunderte sich. Das Mädchen musste wirklich gut sein, wenn es in diesen jungen Jahren schon Spanisch lernte und doch hatte sie so wenig Selbstbewusstsein.

Sophie wollte es noch nicht zugeben, doch allmählich schien sie sich Sorgen um das Mädchen zu machen...
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