Somnus

von Caidh
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
23.02.2017
07.07.2017
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Namen... Namen sind Schall und Rauch heißt es. Mit der Zeit vergessen die Menschen Namen, und wenn sie sich doch erinnern, finden sie in ihrem Gedächtnis kaum noch einen Schemen, einen Schatten, nur den Hauch einer Existenz. Dabei definieren Namen so viel mehr als die meisten begreifen. Somnus etwa... Somnus heißt Schlaf. Somnus heißt aber auch Ruhe. Hilfsbereitschaft. Ausgeglichenheit. Anpassungsfähigkeit. Schüchternheit. Überlegtheit. Detailverliebtheit.

Angst vor Veränderung...

Noctis. Nacht. Caelum. Himmel. Lucis. Des Lichtes. Die Lichter. Licht im Nachthimmel.

Gladiolus. Kleines Schwert. Amicitia. Freundschaft. Schwert der Freundschaft.

Ignis. Feuer. Scientia. Wissen. Feuer des Wissens.

Prompto. Entschlossen. Bereit sein. Schnell. Argentum. Silber. Schnelles Silber.

Zu Beginn waren wir nur zu Dritt. Drei Kinder, die sich nicht darum kümmerten, was das Schicksal für sie bereithielt, sondern hofften, dass am Abend ihre Leibspeise auf dem Tisch stand. Drei Kinder, die nicht verstanden, dass alles um sie herum nur dazu diente, sie auf die schwierigste Aufgabe ihres Lebens vorzubereiten. Drei Kinder, wie drei Brüder, die in den Tag hinein lebten, unbeschwert, als sei alles nur ein Spiel; als sei das Leben ein ewig währendes Geschenk, erfüllt von Gelächter und Abenteuer.

Doch dann geschah etwas, was uns aus unserem Glück riss, uns mitten hinein in die Fänge des Schicksals schleuderte und uns an uns selbst zweifeln ließ. Das drohte, uns und unsere Freundschaft in Stücke zu reißen.

Lasst uns davon erzählen. Aber seid gewarnt. Es ist keine schöne Geschichte, sondern eine voller Schmerz, Angst und Opfern. Es ist eine Geschichte, die uns zu dem gemacht hat, wer wir heute sind.

Zu einem Nachthimmel erfüllt von Licht. Zu einem Schwert, das unsere Freundschaft verteidigt. Zu einer brennenden Flamme in der Dunkelheit. Für euch hat der Name Somnus vielleicht nur eine Bedeutung. Schlaf. Somnus bedeutet für uns alles. Aber vor allem eines...

Angst vor Veränderung.



Grillen zirpten träge in der Sommerhitze eines Tages, der sich langsam seinem Ende entgegen reckte. Ein Windhauch fuhr durch die langen Grashalme und ihr Aneinanderreiben rief ein Geräusch von Weite hervor. Ignis schaute von seinem Buch auf, schloss die Augen und genoss einen Moment lang die Ruhe. Ganz weit weg war der Lärm von Autos. Ganz weit weg war das Krachen im Geäst der Bäume über ihm. Nur das leise Rauschen der weiten, wild gewachsenen grünen See vor ihm, das ließ er in sein Bewusstsein dringen. Wie schön so etwas Einfaches ist. Er holte tief Luft und hielt sie an, um den Moment noch ein bisschen länger andauern zu lassen, um ihn festzuhalten.

Dann drang ein anderes Geräusch an seine Ohren. Ein Rasseln, ein Röhren, tief in seinem Inneren. Er musste husten und es klang nicht gerade appetitlich. Seit Tagen schon schlug er sich mit den Symptomen einer Sommergrippe herum und er war an dem Punkt angelangt, an dem er regelmäßig von Hustenanfällen geschüttelt wurde. Unschön, dachte er während er noch zweimal nachhusten musste, bis er nicht mehr das Gefühl hatte, sein Brustkorb würde explodieren.

"Alles okay?" kam es über ihm aus dem Baum, gegen den er mit dem Rücken lehnte. Zwischen einigen Ästen tauchte Gladios Gesicht auf, verschwitzt und verschmiert. Irgendwie sah der Junge mit den störrischen, schwarzen Wuschelhaaren in letzter Zeit immer verschwitzt und verschmiert aus.

"Ja, danke", erwiderte Ignis mit einem Lächeln, während er die Hand an der Decke abwischte, auf der er saß.

"Sag' nicht danke wenn jemand wissen will, ob du grad deine Lunge auskotzt", erwiderte Gladio mit einem Lachen und verschwand wieder aus Ignis' Blickfeld.

Der Jüngere griff gedankenverloren in eine Plastikschale, um sich eine Möhre zu schnappen und daran zu knabbern, während er wieder das Buch aufnahm. Er wollte das Kapitel noch abschließen, damit er später eine Zusammenfassung machen konnte. Man weiß ja nie, wofür man's gebrauchen kann. Spätestens für Prüfungen, ja. Er nickte bedächtig vor sich hin und las weiter.

Ignis war zufrieden. Er hatte keinen Grund zur Klage. Gut, die Erkältung musste nicht sein - aber sie hielt ihn auch nicht davon ab, draußen mit seinen Freunden in den Parks herumzustreifen. Die beiden anderen kraxelten durch die Bäume auf der Suche nach dem idealen Platz für eine Holzhütte, und ließen regelmäßig Späne und Blätter auf ihn herunterregnen. Wenn er ehrlich war... war er sogar ganz glücklich über den Husten. Der erlaubte es ihm, unten zu bleiben und sich nicht von oben bis unten einzusauen.

Er grinste. Sie hatten sich wieder einmal aus dem Palast geschlichen und würden bei ihrer Rückkehr wie gewohnt in Erklärungsnot kommen. Vielleicht war es diesmal von Vorteil, dass er nicht verdreckt war. Dann konnte er sich heimlich aus dem Staub machen, ohne wie üblich das Donnerwetter abfangen zu müssen. Wobei, schweiften seine Gedanken von den Buchstaben vor seiner Nase ab, der König ist milder gestimmt, wenn er weiß, dass ich dabei war. Und es ist eh grade keine Schule. Warum also böse sein, wenn wir lieber draußen sind, statt drinnen zu versauern?

Er schlug das Buch zu und legte es auf seine Beine. Es waren Ferien. Die wollten sie genießen, bevor der Trott aus Schule und Studieren wieder losging. Ignis hatte seine Jahresabschlussprüfung im Frühjahr mit Bravour gemeistert und besuchte seit ein paar Monaten die Mittelschule. Er ging auf eine private Schule für Hochbegabte, schon seit seiner Ankunft in Insomnia. Was ihn nicht davon abgehalten hatte, bereits zwei Klassen zu überspringen. Die anderen zogen ihn natürlich damit auf. Gladio würde ab August sein letztes halbes Jahr an der Grundschule beenden. Noctis hatte noch ein bisschen länger vor sich. Die beiden kamen zurecht, waren aber keine erstklassigen Schüler.

Ignis galt selbst an seiner Schule als Sonderling, weil er anders sprach. Sein Dialekt war den anderen suspekt, dazu drückte er sich manchmal ziemlich kompliziert aus. Im-Arsch-stockig nennt Gladio das. Es hieß es, er sei besserwisserisch - schlaumeisterich - starrköpfig - sturböckig - und hochnäsig - körrogant; Gladios erfundener Wortmischmasch, der so viel aussagen sollte wie 'königliche Hoheit der Arroganz'. Außerdem verstand Ignis das Konzept von Sarkasmus nicht, schaffte es aber immer wieder, mit seinen trockenen und ungewollt lustigen Kommentaren die Lehrer zu verblüffen. Es gab niemanden, der sich mit ihm nach dem Unterricht treffen wollte und in der Mittagspause saß er meistens allein. Das war okay fand er. Er war das Alleinsein von damals gewohnt; vor Insomnia.

Außerdem hatte er 'zu Hause' zwei Freunde, die ihn ausreichend auf Trab hielten. Das war genug. Noctis schleifte ihn immer auf seine Erkundungstouren mit. Wobei... eigentlich lass' ich mich schleifen. Irgendwer muss ja auf ihn aufpassen. Insbesondere wenn Gladi dabei ist... Gladio war ein Jahr älter als Ignis, Noctis zwei Jahre jünger. Die beiden machten nichts lieber als Unfug auszuhecken. Und Ignis war irgendwie immer derjenige, der den Blödsinn ausbadete. Natürlich, er galt ja auch als der Vernünftige, mit seinem brav gekämmten braunen Haar, der akkuraten Bügelfalte in seiner Schuluniform und den immer blitzblank polierten Brillengläsern.

Noctis und Gladio nahmen ihn so wie er war, ohne Wenns, ohne Abers. Im Gegenzug nahm er sie, wie sie waren. Noctis, von königlichem Blut, der Thronfolger ohne jegliche royale Zurückhaltung oder Manieren. Sie nannten ihn gerne königliche Frechheit, wieder eine Amicitia-Erfindung. Und Gladio, Sohn des Leibwächters des Königs. Laut, aufbrausend, ungemütlich direkt und dabei doch ungemein herzlich - wenn er jemanden an sich heranließ. Sie waren ein Trio von Eigenbrötlern, die sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort getroffen hatten. Es hat einfach gepasst. Fünf Jahre war das her.

Der König nannte sie infernale Rasselbande, wenn sie nach ihren Ausflügen vor ihm standen und er sie mit einem nachdenklichen Lächeln betrachtete. Mal kamen sie zurück zur Zitadelle, über und über mit Staub bedeckt. Manchmal mit Schlamm. Blaue Flecken gab's so gut wie immer. Hin und wieder auch Schnittwunden und Kratzer.

Und dann gab der König Noctis und Ignis Hausarrest, dazu jedem seine individuelle Strafe. Der Prinz musste meistens die Zeit mit Lernen verbringen. Ignis bekam Teleskopverbot. Noctis wurde immer pampig, weil er die Strafe seines Freundes nicht als gleichwertig betrachtete. Für Ignis hingegen war das ein kleiner Weltuntergang. Der König wusste genau, wie gerne der Junge nachts an dem Teleskop in der Bibliothek herumspielte und sich die Sterne ansah.

Natürlich durchschaute Regis ihn; wenn Ignis sich vor die beiden anderen stellte und sagte, dass alles seine Idee gewesen war. Ignis wusste das. Spätestens dann, wenn der König auf den Jungen zutrat und ihm bedauernd die Hand auf die Schulter legte, nachdem er das Verbot ausgesprochen hatte. In seiner Stimme schwang immer Mitleid mit. Aber Strafe musste eben sein.

Ignis seufzte. Er hatte noch fünf Tage Teleskopverbot. Und es würden später wohl noch zwei weitere Wochen hinzukommen. Wenn das so weiterging, dann würde er das Gerät das nächste Mal anfassen, wenn er volljährig war. Gladio hatte es im Vergleich gut. Er wohnte nicht im Palast und deswegen war es an seinem Vater Clarus, angemessen zu reagieren. Die Reaktion bestand aus zusätzlichem Schwertkampf-Training. Gladio liebte Training. So viel zum Thema Strafe... 

Es krachte abermals im Baum über ihm. "Ohhhhhhhhhhhh", hörte er Noctis rufen und dann kam von Gladio ein "ahhhhhhnoctnicht". Ein trockenes Knarzen ertönte, dann regnete es Holzsplitter und mit einem Rummsen landete Gladio vor Ignis' Füßen. Einen Moment später polterte Noctis mit einem "uuuffffff" auf Gladios Rücken.

Ignis lachte laut los und wurde erneut von einem rasselnden Husten geschüttelt. Früher hätte er nicht so reagiert. Früher wäre er panisch aufgesprungen um sich zu vergewissern, dass sich niemand ernsthaft verletzt hätte. Inzwischen wusste er, dass alle Stürze aus weniger als zwei Metern Höhe auf etwas Weicheres als Beton oder Stein für nicht viel mehr als ein paar Beulen sorgte. Und sollte doch etwas Schlimmeres passieren... nun, bei einem ihrer zahlreichen Besuche in der palasteigenen Krankenstation hatte er irgendwann mal ein Hi-Elixier stibitzt. Nur für den Notfall natürlich!

"Boah Noct, runter da", brummte Gladio in die Decke und versuchte, sich unter dem anderen hervorzurollen. "Mein Musikknochen", jammerte er auf dem Rücken liegend und rieb sich den Arm.

"Weiß gar nicht, was du hast, ist doch alles super", erwiderte der Prinz mit einem Glucksen und guckte dann zum wild hustenden Ignis rüber. "Naja, abgesehen davon, dass wir Specs kaputtgemacht haben." Er krabbelte auf allen Vieren zu seinem Freund und legte ihn die Hand auf die Schulter. "Alles raus was keine Miete zahlt."

Ignis holte keuchend Luft und nahm die Brille ab, um sich die Tränen aus den Augen zu wischen. "Ich streiche dann mal 'Akrobat' von eurer Berufswunschliste", keuchte er mit hochrotem Gesicht.

Gladio hob den Kopf an. "Mist, bleiben ja nur noch Eisverkäufer, Maurer oder Versicherungsfutzi." Er lachte quiekend, setzte sich auf und schaute hoch in den Baum. "Würde sagen, dass der nicht für ein Geheimversteck geeignet ist."

"Mission gescheitert", diagnostizierte Noctis trocken. "Mal wieder." Er entdeckte Ignis' Gemüsedose und warf einen Blick hinein, nicht ohne angewidert das Gesicht zu verziehen. "Bäh, hast du nicht Anständiges zum Knabbern?"

"Musst du grade sagen, Vielfraß."

"Bin halt so'n Süßer", schmollte Noctis.

Ignis schaute auf seine Uhr und seufzte. "Gibt doch eh bald Abendessen." Dann griff er in seine Tasche, tastete nach dem Elixier und weiter, bis seine Finger eine Tüte berührten. Er griff danach und warf Noctis den halbgefüllten Beutel mit gebrannten Erdnüssen in den Schoß.

"Wohooo, ich wusste du enttäuschst mich nicht", rief er und riss die Tüte auf, um sich eine Handvoll ihres Inhalts in den Mund zu schieben.

"Hey, wenn du mich schon als Trampolin missbrauchst, dann gib' mir wenigstens was ab, Lusche." Er boxte Noctis in die Seite, so dass der sich lachend fallen ließ.

"S'wird dunkel", murmelte der Prinz, während er sich eine Erdnuss nach der anderen reinschob und den Himmel über ihnen betrachtete. "Vermisst du das eigentlich?" fragte er leise.

"Hm?" erwiderte Ignis, der eine letzte Möhre vor Gladio hatte retten können und herzhaft reinbiss.

"Du hast immer noch Teleskopverbot vom letzten Mal, Iggy."

"Hrm", entgegnete er kauend. "Hmja, ffoon."

"Sorry."

"Macht nix, hab' ja noch Augen im Kopf", antwortete er nach einem Schlucken.

"Doppelaugen quasi", fügte Gladio grinsend hinzu und riss Noctis die Tüte aus der Hand.

"Hey, nicht dass du sie alle auffrisst", maulte Noctis beleidigt und rollte sich auf den Bauch.

Gladio stutzte und lachte, als er die leere Tüte umdrehte. "Zu spät, unsere Hoheit Monsieur Futterluke hat schon alles in sich reingestopft." Sein Magen knurrte zur Bestätigung des Dramas.

Noctis und Ignis sahen sich an und kicherten.

"Sag' mal Gladi", sagte der Prinz als er sich wieder eingekriegt hatte, "willst' nicht im Palast übernachten? In meinem Zimmer ist Platz genug für euch beide. Könnten Gruselgeschichten erzählen."

"Könnten was für Iggy machen..." murmelte Gladio und grinste Noctis an. "Deal, muss nur meinen Vater fragen. Und den find' ich bestimmt bei deinem." Von neuem Tatendrang erfüllt sprang er auf. "Hopp, einpacken. Wer zuletzt im Gewächshaus ist, muss 'nem Butler ein Bein stellen."

"Errr, hallo? Der Preis für Unfairness an dich?" grummelte Ignis, der die Plastikschale in seine Tasche packte und Noctis von der Decke scheuchte.

"Huh, wieso?" fragte Gladio, der sich ein feistes Grinsen nicht verkneifen konnte.

Ignis starrte ihn an. "Weil ich Husten hab' und so?" erwiderte er, unsicher ob Gladio seine Frage nur rhetorisch gemeint hatte.

"Und wir sind vom Baum geplumpst!" entgegnete er lachend. "Keine Angst, Iggsybigsy." Er kam auf seinen Freund zu und wuschelte ihm durch das unverschämt ordentlich sitzende Haar. "Kein Wettrennen... Also, nicht dass du es nicht gewöhnt wärst, zu verlieren." Er kicherte und fing sich einen Ellenbogenstoß in die Rippen ein. "Au, deine spitzen Knochen kannste schön bei dir behalten."

Noctis kicherte in die Decke, die er zusammengelegt hatte und in Ignis' Tasche stopfte. "Vielleicht kommen wir ungesehen rein und niemand ist sauer."

Ignis griff nach seiner Tasche und trottete hinter den beiden her. "Was hast du eigentlich gemacht, dass keinem auffällt, dass du weg bist?"

"Jaha", rief Noctis triumphierend, drehte sich um und ging ein Stückchen rückwärts. "Kissen unter die Decke. Dann glauben sie, ich penne."

"Biste ja gut drin", meinte Gladio mit einem Gackern.

Ignis nickte anerkennend. Immerhin hatte er Noctis so weit gebracht, sich vor seinen Abenteuertouren Gedanken um Schadensabwendung zu machen - ganz davon abgesehen, dass er sich viel wohler fühlen würde, wenn sie einfach Bescheid sagten, wo sie hingingen. Aber dann hatten sie immer einen Tross von Begleitern an der Backe. Alles, was potenziell gefährlich sein könnte, wurde ihnen verboten. Das Problem war, dass alles was potenziell gefährlich sein könnte eben auch potenziell Spaß machte. Das sah selbst er ein. Sie mussten eben auch ab und zu einfach mal Kinder sein. Deswegen war Noctis ein so großer Fan davon, sich heimlich, still und leise aus der Zitadelle zu verdrücken.

Es dauerte nicht lange bis sie zum Gewächshaus an der westlichen Seite des Palastes kamen und immer noch waren keine Königsgardisten zu sehen, die nach ihnen suchten. Ignis Hoffnung stieg, dass sie diesmal keinen Tadel einstecken müssten. Sie kletterten durch ein angelehntes Fenster in der hinteren Ecke des Glashauses, das den Erwachsenen nie auffiel, weil ein großer Busch davor wuchs. Gladio und Noctis duckten sich hinter den Rhododendron und schauten, ob die Luft rein war. "Keiner zu sehen", flüsterte Noctis und winkte Ignis zu. Betont gemütlich kamen sie zwischen den Büschen hervor und sprangen auf den Kiespfad, der zwischen den tropischen Bäumen hindurchführte und sie zum gepflasterten Hauptweg brachte.

"Wartet", murmelte Ignis und zog ein sauberes Taschentuch hervor. "Gesicht abwischen."

Noctis schnappte sich das nach Lavendel duftende Tuch und rieb sich damit über die Wangen.

Er reichte es an Gladio weiter, der es skeptisch ansah. "Ich wisch' mir doch nicht deinen schlonzigen Dreck in die Fresse." Stattdessen zog er sein Shirt hoch und rubbelte sich damit über den Kopf. Noctis zuckte mit den Schultern und gab Ignis das Tuch zurück, das der in seine Tasche schob. "Jetzt nur noch zu meinem Zimmer kommen", sagte der Prinz und setzte sich wieder in Bewegung.

"Wo waren wir eigentlich? So offiziell. Falls uns doch jemand erwischt?" fragte Ignis während sie nebeneinander den Gang durch die königlichen Quartiere hinuntergingen und in einen Seitenflur abbogen.

Noctis seufzte. "Du musst auch immer einen Plan B haben, was?"

"Ich mein' ja nur..."

"Hier ist doch keiner", erwiderte Noctis, drehte sich zu Ignis und legte die Hand auf die Klinke. "Also brauchen wir keinen Plan B." Er drückte die Tür zu seinem Zimmer auf. Grade drehte er den Kopf als ihm ein "plouf" entfuhr, weil er in jemanden reinlief. Gladio und Ignis, die gleich hinter ihm gewesen waren, rammelten nacheinander in den Prinzen.

"Oh oh", murmelte der. Er kannte den Geruch der Person, die vor ihm stand. Und auch die Schuhe, die er sah. Und die Jacke. Er schaute hoch. "Hi Dad."
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