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Wilde Times

KurzgeschichteSuspense / P12 / Gen
Judy Hopps Nick Wilde
21.02.2017
21.02.2017
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Hallo zusammen^^

Es ist wirklich schön, hier endlich mal wieder etwas zu veröffentlichen, das letzte Mal ist ja leider schon etwas her.

Dieser OS spielt nicht in der Version von Zoomania, die wir alle kennen und lieben sondern in dem Original-Konzept, der Disney nicht gefallen hat (ich bin mir immer noch nicht sicher, welche Version ich lieber mag, ich meine, die, die wir bekommen haben war toll, aber das Original-Konzept…vielleicht tatsächlich etwas zu düster für Kinder). Was ihr über das Original-Konzept wissen müsst, um die Geschichte zu verstehen, ist lediglich, dass irgendwann vor den Ereignissen des Films die Beutetiere beschlossen haben, dass die Raubtiere zu gefährlich waren, um neben ihnen wohnen zu können, also wurden die Raubtiere per Gesetz dazu gezwungen ab einem bestimmten Alter (das laut einer Szene bedenklich niedrig war) Schockhalsbänder zu tragen.

Lange Rede, kurzer Sinn, viel Spaß beim Lesen:

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Wilde Times

Wild Times war ein seltsames Gerücht, ein groteskes, beängstigendes Gerücht und doch nichts weiter als ein Gerücht. Alle redeten davon und doch wusste niemand etwas, zumindest etwas, was aufschlussreich war. Die Informationen hatten zwei Gesichter. Eines davon erzählte von einem barbarischen, wilden Ort, an dem Raubtiere ihre Krallen ausfuhren und ihre Zähne fletschten. Einem Ort an dem sie ahnungslose Beutetiere lockten um sie zu verspeisen, die scharfen Fänge in das für sie so köstliche Fleisch schlugen und, ihrem Blutrausch völlig verfallen, in die Nacht heulten. Ein Ort, an dem sie ihre von der Gesellschaft auferlegten Ketten abstreiften und das Böse in ihren Herzen entfachten. Das zweite erzählte von einem Ort der Freiheit und der Hoffnung. Einem Ort, an dem ein Raubtier den zum Schutze der Beutetiere eingeführten Schockhalsbändern entkommen und aus voller Brust lachen konnte, frei von der stechenden Bitterkeit des Alltages. Die Hölle oder das Paradies.

Als Leutnant Judy Hopps sich hinter einer weißen Wieseldame in die lange Schlange vor der kleinen, abgeschabten Klinik einreihte, wusste sie nicht, welchen der beiden Orte sie besuchen würde. Sie war kein Kind mehr, kein naives Mädchen vom Lande, das jedes Mal nach dem Fuchsspray griff, wenn ein Fuchs sie auch nur ansah. Sie war schon sehr lange ein Cop, sie war nicht umsonst ein Leutnant. Sie teilte nicht die irrationale Angst vor Raubtieren, die ihre Beutetiermitbürger Tag für Tag mit sich herumtrugen. Man brauchte keine scharfen Zähne und Krallen, um gefährlich zu sein, ein Elefant oder ein Nashorn könnte ein kleines Tier mit Leichtigkeit zerquetschen, die Hörner von Antilopen und Elchen könnten jemanden Aufspießen, eine Maus könnte sich in ein größeres Tier hineinschleichen und sich durch dessen Innereien knabbern. Ein kleines Kaninchen wie sie könnte, mit dem richtigen Training, jedem einzelnen Tier vor ihr in der Schlange mit den Tritten ihrer kräftigen Beine das Genick brechen. Man musste kein Raubtier sein, um jemanden zu verletzen. Doch die Angst war größer als Rationalität, sie war zerstörerisch und verdarb alles, was sie berührte, nistete sich schon seit Jahrzehnten im Herzen Zoomanias und kroch von dort auch in die Herzen ihrer Bewohner.

Würde man Judy fragen, was sie von dem Gesetzt zur Aggressionskontrolle von Raubtieren hielt, würde sie knapp antworten, es wäre eine unangenehme Notwendigkeit zur Erhaltung der Ordnung. Als das Gesetzt in Kraft getroffen ist, war Zoomania ein brodelndes Pulverfass aus Angst und Anschuldigungen, der sicherlich früher oder später in einen Bürgerkrieg eskaliert hätte. Es half nicht, dass die frisch gewählte Bürgermeisterin mit gezielten Worten das Feuer unter dem Fass schürte. Es brodelte immer noch, auch wenn das Feuer nur noch lauwarm war, es war gefährlich, sich gegen das Gesetz zu äußern. Doch würde diese Frage von jemandem kommen, dem Judy vertraute, so würde sie sagen, sie mochte es nicht, sie würde sogar so weit gehen als zu sagen, sie war nicht damit einverstanden. Es war sehr einfach, dieses Gesetz auszunutzen. Die Halsbänder verhinderten nicht nur, dass ein Raubtier jemanden angriff, nein, es verhinderte auch, dass sich ein Raubtier gegen einen Angriff zu Wehr setzen konnte. Ein leichtes Ziel für Raubüberfälle oder Hassverbrechen. Doch trotz alldem zählte Judy sich nicht zur aktiven Opposition dieses Gesetztes. Der Grund dafür war einfach und vernünftig, wenn auch außerordentlich egoistisch: Sollte das Gesetz außer Kraft gesetzt werden, würde das Feuer unter dem Pulverfass wieder entfachen. Also schwieg das Kaninchen um der Ordnung willen.

Dann kam das Gerücht über Wilde Times, einem Ort, an dem die Schockhalsbänder entfernt wurden. Noch war es nichts weiter als ein Gerücht, ein Widerhall der Wahrheit, den die meisten nicht ernst nahmen. Doch Judy nahm ihn ernst, sie ermittelte und ihre Suche brachte sie an diesen Ort, in diese lange Schlange bestehend aus Raubtieren, unter die sich einige vereinzelnde Beutetiere gemischt hatten. Ihre Ermittlungen tat sie nicht für die Polizei, Chief Bogo hatte mehr als deutlich gemacht, dass er diese Gerüchte nicht ernst nahm und seine Leute sich lieber um echte Fälle kümmern sollen statt Märchen nachzujagen. Sie ermittelte selbstständig und alleine, jagte den kleinsten Gerüchstfetzeln nach und landete schließlich hier. Die Klinik war ein kleines, rechteckiges Gebäude mit Wänden, die vor lange Zeit wohl weiß gewesen sind, von denen sich nun, an manchen Stellen leicht gelblicher an manchen rußgeschwärzter, Putz bröckelte. Die Tiere in der Schlange waren allesamt ruhig, vereinzelnde Gesprächsfetzen flogen in der Luft, doch alles in allem war der Ort von Stille erfüllt. Judy würde hineingelangen und selbst herausfinden, ob der Ort nun Himmel oder Hölle war, der Herr hier ein Monster oder ein Heiliger, dann würde sie entscheiden, ob sie handeln würde.

*~*~*

Der Tunnel, durch den die freundliche Krankenschwester in der Klinik Judy geschickt hatte, war stickig und, wenn sie ein größeres Tier gewesen wäre, ziemlich eng. Die Wände waren uneben, eindeutig selbst gegraben. Ein Maulwurf oder ein Dachs? Auf jeden Fall jemand, für den es wesentlich einfacher sein würde, den Tunnel selbst zu graben als Hilfsmittel hier herunter zu schaffen. Es war staubig in dem Tunnel doch gleichzeitig ordentlich, die Erde unter ihren Füßen über die Zeit eingetrampelt, der Ort war somit viel besucht. Sie folgte immer noch der Wieseldame, die vor ihr in der Schlange gestanden ist, auch wenn nicht mehr so dicht. Sie konnte ihr weißes Fell in der Ferne schimmern sehen. Als sie schließlich zu dem Raubtier aufschloss, sah sie noch rechtzeitig, wie ein pummeliger Gepard mit einer dicken Brille auf der Nase und einem breiten Lächeln auf den Lippen einen Plastikchip an das kleine Metallkästchen an dem Halsband des Wiesels hielt. Es sprang problemlos auf, der Gepard befestigte eine Marke daran und reichte der Kundin ein identisches Stück Plastik. Sie bedankte sich bei ihm und ging schließlich. Judy atmete tief ein und aus, als sie ein freundliches Lächeln aufsetzte und an die Theke trat, hinter der der Gepard saß.

„Guten Abend“, grüßte sie und seine Augen suchten verwirrt nach ihr bis er sich schließlich über die Theke beugte. Seine Augen weiteten sich in einem seltsamen Ausdruck des Entzückens, er beugte sich vor, bis es schließlich mehr über der Theke hing als hinter ihr saß.

„Oh my goodness!“, rief er aus, „Ein Kaninchen! Du bist ja noch niedlicher, als ich es mir je erträumt hatte!“

Judys Lächeln entgleiste ihr und sie verzog in einem Ausdruck aus Beleidigung und leichtem Zorn das Gesicht. Es war äußerst unhöflich ein Kaninchen als niedlich zu bezeichnen und äußerst schlecht für die Gesundheit, es bei Leutnant Hopps zu tun. Der Gepard schien seinen Fehler sofort zu erkennen und prasse sich die Pfoten entrüstet an die Schnauze.

„Nein, nein, tut mir leid, so habe ich das nicht gemeint“, entschuldigte er sich hastig, „ich habe nur noch nie ein Kaninchen von so nahem gesehen“, er gab ein seltsames Quietschen von sich und steckte ihr die Pfote entgegen, „Ich bin Ben, willkommen in Wilde Times“, Judy bedachte ihn mit einem weiteren missbilligenden Blick und ergriff schließlich die Pfote.

Ben plapperte ununterbrochen auf sie ein, während sie in ihrer Tasche nach dem Portmonee kramte und ihm schließlich das Eintrittsgeld reichte. 11,99 Dollar, ein bisschen wenig für das Risiko, welches sie mit all dem hier eingingen. Sie verabschiedete sich hastig von Ben und ging weiter. Sie bezweifelte es, dass der Gepard hier das Sagen hatte, ein Angestellter also. Das Kaninchen bog um die Ecke und fror in der Bewegung ein. Sie war in einer Lagerhalle mit rostigen Metallwänden und einer dunklen, hohen Decke über die sich ein Netzt aus Lichterketten zog, unzählige, bunte Sterne. Es gab eine breite Straße mit bunten Ständen, die in die Mitte führte. In die Mitte, in der sich eine hohe Achterbahn befand. Leutnant Judy Hopps hatte vieles erwartet, ein Schlachthaus, eine Selbsthilfegruppe, einen Club, aber garantiert keinen Vergnügungspark. Vor dem ersten Stand befand sich ein Pappaufsteller, ein breit grinsender Fuchs in einem lächerlichen Pawaiihemd und einer Sprechblase mit der Aufschrift. „Willkommen in Wilde Times!“. Er sah aus wie ein Gebrauchtwagenverkäufer, ein Gebrauchtwagenverkäufer, der dir ein Auto aufschwatzte, dessen Räder noch während der Rückfahrt abfielen. Eindeutig kein Heiliger.

*~*~*

Wild Times war ein hektischer und lauter Ort aber auch ein fröhlicher. Die große Achterbahn, die Judy schon von weitem sehen konnte, war nicht die einzige Attraktion, es gab ein Riesenrad, mehrere Karussells, Luftschaukeln, Autoscooter, eine Überkopfschaukel und sogar einen Free Fall Tower, doch das war noch nicht alles, es gab Kaffes und, in dem hinteren, etwas abgeschirmten Bereich der Lagerhalle, eine Lounge mit schallundurchlässigen Wänden, in der man entspannen konnte. Eine seltsame, für sie schon lange nicht mehr typische Euphorie erfüllte Judy als sie sich, noch etwas wackelig auf den Beinen von ihrem dritten Mal Free Fall Tower, mit Zuckerwatte vollstopfte und sich mit einer netten Otterdame unterhielt, die ihre drei kleinen Kinder auf dem nahen Karussell beobachtete. Ihr Name war Clara und ihr Mann war Florist. Plötzlich fühlte sich das Kaninchen in ihre Kindheit zurückversetzt, sorgenfrei und fröhlich, die Welt erschien, zumindest in dieser alten Lagerhalle, wieder heil, eine Welt, in der alle Tiere sich verstanden und zusammen Kumbaya sangen. Vielleicht kein Paradies aber unter keinen Umständen eine Hölle. Doch sie musste sicher sein, sicher, dass dies nicht einfach eine Fassade war für etwas hässliches und böses, die Räder an einem Gebrauchtwarewagen, die bei der Rückfahrt abfielen. Also kämpfte sie ihre Euphorie gemeinsam mit der Zuckerwatte herunter und verabschiedete sich von Clara.

Es war leicht, sich in die Angestelltenräume zu schleichen, sie war klein und sie war gut, eine der Besten. Die Gänge waren eng und dunkel, in ihrem Rücken konnte sie das laute Getümmel des Parks hören. Mit leisen, fähigen Schritten enddeckte sie einen schäbigen Aufenthaltsraum, in dem es stark nach Zigaretten und Kaffee stank, dann einen großen, dunklen Raum mit Kontrollpulten hinter denen ein Dachs saß und die Anlagen bediente und schließlich das, was sie gesucht hatte: ein Büro. Die nackte Glühbirne schaukelte sachte an den Kabeln und tauchte den Raum in ein mattes Licht, der Schreibtisch, eines der kleineren Modelle, ertrank schon fast unter dem Gewicht von Papieren, die ihn, in einem wilden Chaos verstreut, unter sich begruben. Die Aktenschränke an den Wänden blieben ebenfalls nicht verschont, einige von ihnen waren offen und quollen von…Dingen über. Der hintere Bereich des Büros war durch einen Kleiderständer mit lächerlichen Pawaiihemden abgetrennt.

Sie schlich um den Tisch herum. Die Papiere auf ihm waren Rechnungen, Schadensberichte an den Maschinen im Park, Mitarbeiterlisten, mehrere Exemplare derselben Arztlizenz, jede eine bessere Fälschung als die Vorherige. Nicholas P. Wilde, jetzt hatte sie einen Namen, vorausgesetzt, er war echt. Das Einzige, was von dem Chaos unberührt geblieben ist, war ein altes, gerammtes Foto: ein Fuchs in einem ordentlichen Anzug und einer dünnen Brille, nicht der von dem Pappaufsteller, eine hübsche Füchsin in einem Blumenkleid und ein breit lächelndes Fuchsjunges in einer Pfadfinderuniform. Wahrscheinlich seine Familie. Judy fischte ein Exemplar der Mitarbeiterliste und der Arztlizenz aus dem Haufen und steckte sie ein. Dann schob sie die Hemden beiseite und betrat den hinteren Bereich. Die riesige Kommode, Eisbären- oder sogar Nashorngröße, nahm den größten Teil des so entstandenen Zimmers ein. Eine von den Schubladen war herausgezogen und in ihr befanden sich Kissen und Decke. Wohne er etwa hier? Auf der Kommode befanden sich weitere Bilder, einige von derselben Familie, wie die auf dem Schreibtisch, doch es gab auch neuere, der Fuchs von dem Pappaufsteller gemeinsam mit einem vergnügten Ben mit einer Donatschachtel in den Pfoten, einem grimmig dreinblickenden Fennek mit einer Zigarette im Mundwinkel und einer breiten Dachsdame in einer Militäruniform. Seltsame Truppe. Die Bilder gaben dem spärlichen Zimmer einen sentimentalen Touch und Judy fühlte sich plötzlich wie ein Eindringling. Ihre Ermittlungen waren nicht offiziell und sie hatte keinen Durchsuchungsbefehl, das Büro war in ihren Augen in Ordnung aber das Hinterzimmer war zu persönlich, beschloss das Kaninchen und schob die Hemden wieder an ihren Platz. Sie ließ sich in dem, für sie etwas zu großen, Stuhl nieder und wartete.

Sie musste nicht lange warten, nicht einmal eine halbe Stunde, bis sich die Tür öffnete und der Fuchs von dem Pappaufsteller den Raum betrat. Bei ihrem Anblick fror er in der Bewegung ein, die Augen einen Moment lang weit aufgerissen, dann fing er sich wieder und setzte das Gebrauchtwarenverkäuferlächeln auf.

„Hast du dich verlaufen, Möhrchen?“, fragte er locker, so als würden sie sich schon seit Ewigkeiten kennen und schloss wie beiläufig die Tür hinter sich, „hast du deine Eltern verloren? Kleine Kinder sollten nicht alleine rumlaufen“.

War das etwa sein Ernst?, dachte Judy ungläubig.

„Ich bin kein Kind“, meinte sie trocken.

„Ach, ja?“, er zuckte mit den Schultern, „für mich siehst du wie eins aus, aber ganz ehrlich, ihr Kaninchen seht doch alle aus wie kleine Kinder“, er schlenderte, die Pfoten lässig in den Hosentaschen, auf sie zu und stützte sich schließlich an dem Tisch vor ihr ab, „also, Erwachsene, was machst du in meinem Büro? Und ich warne dich gleich, die Ausrede, ich habe nur das Klo gesucht zieht bei mir nicht“

„Ich war neugierig“, entgegnete Judy ruhig und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ach neugierig? Eins muss ich dir lassen, Möhrchen, so ein mutiges Kaninchen habe ich noch nie gesehen, keine Angst vor dem großen, bösen Fuchs?“, sein grinsen wurde breiter, eine stumme Drohung. Echt oder ein Bluff?

„Als ich das letzte Mal Angst vor einem Fuchs gehabt habe, da war ich neun, dann habe ich ihm zwei Zähne ausgeschlagen“, das Spiel konnten auch zwei spielen auch wenn ihre Drohung definitiv echt war, „jetzt bin ich dran mit den Fragen“, sie grinste breit mit einem Tick gespielter Naivität, wenn sie es richtig anstellte, konnte sie sich für eine Reporterin ausgeben und wenigstens etwas aus ihm herausbekommen.

„Fragen also? Ein riskantes Spiel, ich bin ein Fuchs, ich lüge“, er fegte ein paar Papiere beiseite und legte einen wackeligen Besucherstuhl frei den Judy zuvor bei all dem Chaos nicht bemerkt hatte, und ließ sich darauf nieder, „jetzt hast du mich, neugierig gemacht, ich höre“

„Was ist das für ein Ort?“

„Sollte es nicht offensichtlich sein? Es ist ein Vergnügungspark, also wirklich, Möhrchen, du enttäuschst mich“

„Das meinte ich nicht, was befindet sich hinter dem Vergnügungspark?“, sie würde langsam ungeduldig. Er spielte mit ihr.

„Was sich dahinter befindet? Die Wand einer Lagerhalle natürlich“, mit Fragen auf Fragen antworten, sie hasste es, wenn sie es taten.

„Sie wollen mir also weißmachen, Sie brechen mindestens fünf Gesetze um einen illegalen Vergnügungspark zu führen?“

„Wer weiß das schon? Es könnte auch eine Tarnung für ein Schlachthaus sein“, da, genau das hatte sie gemeint, ihre Augen verengten sich zu Schlitzen und ihre Pfote wanderte automatisch zu ihrer Seite, wo sich unter der Jacke ihr Pistolenholster befand. Doch dann grinste der Fuchs und fuhr spöttisch fort, „das ist doch genau das, was du hören wolltest, oder?“.

Judy beschloss, dass sie keine Lust mehr auf das Spielchen hatte, wenn er kein Interview geben wollte, dann würde sie ihn eben verhören. Statt nach der Pistole zu greifen, griff die Polizistin nach den Handschellen an ihrem Gürtel. Ehe der Fuchs auch nur zucken konnte, war sie mit einem gezielten Sprung hinter ihn gelangt und hatte seinen Arm nach hinten gedreht. Noch bevor er die erste Silbe des Protestes herausbringen konnte, hatte sie schon die Handschellen über seine Pfoten zuschnappen lassen.

„Mr. Wilde, wenn das tatsächlich Ihr richtiger Name ist, ich gebe Ihnen hiermit zehn Minuten, um mich davon zu überzeugen, Sie nicht zu verhaften“, meinte sie kalt und trat ruhig zurück hinter den Schreibtisch.

„Du bist ein Cop?“, fragte er ungläubig und sie zückte ihre Marke, „hast du überhaupt einen Dursuchungsbefehl?“

„Nein“, zuckte Judy mit den Schultern, „aber ich bin ein Cop, ich missbrauche mein Amt und ganz ehrlich, Wilde, Sie sind ein Raubtier ohne ein Schockhalsband, ich könnte Sie jetzt auf der Stelle erschießen und man würde mir dafür eine Auszeichnung verleihen, Sie sollten anfangen zu reden, die Uhr tickt“

„Dann tue es doch!“, knurrte Wilde, eher verzweifelt als bedrohlich, „na los, erschieß mich, ich bin schließlich so gefährlich, an einen Stuhl gefesselt und unbewaffnet!“

„Ist es echt?“, fragte Judy ruhig, von seinem Ausbruch völlig unbeeindruckt, schließlich hatte er vollkommen recht, von ihm ging nicht die geringste Gefahr aus.

„Was?“

„Wilde Times?“, nach diesen Worten ließ er den Kopf hängen und gab schließlich eine leise, kraftlose Antwort:

„Ja“

„Wie lange ist es schon offen?“

„Fünf Jahre“

„Gab es Vorfälle?“

„Bis auf ein paar kleinere Diebstähle, keine“.

Judy lächelte in sich hinein und lehnte sich in dem Stuhl zurück. Es war echt, dieses seltsame, wundervolle Märchen war echt. Die Freude und das Lachen wurden von keinem grausamen Hintergrund überschattet, es war das, was es auf den ersten Blick auch erschien. Wilde war vielleicht kein Heiliger aber auch kein Monster.

„Sie sollten in Zukunft besser aufpassen, wen Sie hier reinlassen, Mr. Wilde“, meinte sie schließlich, „das nächste Mal könnte es auch einer von den Razorbacks sein und die werden garantiert nicht reden wollen“

„Was soll das den heißen?“, fragte er entrüstet, „Hör zu, Puschel, du kannst von uns halten, was du willst, aber selbst jemand wie du sollte genug im Kopf haben, um zu verstehen, dass diese verdammten Dinger völlig sinnlos sind. Wilde Times ist schon seit fünf Jahren offen und es ist nichts geschehen, es gab keine Aggressionsausbrüche, keine Angriffe oder dergleichen ich weiß, dass ihr es euch gerne einredet, dass wir gefährlich sind und ohne diese Dinger auf alles losgehen würden, was sich bewegt, aber es stimmt nicht! Du warst da drin und hast es gesehen! Du warst in einem Raum voll mit Raubtieren ohne Schockhasbänder und keiner von ihnen hat dir auch nur ein Haar gekrümmt!“

„Sie haben vollkommen Recht“, zuckte Judy mit den Schultern.

„Du kannst nicht einfach…warte, was?“, es sah fast schon komisch aus, wie er sie mit vor Verwirrung offenem Mund anstarrte, so als wäre ihr ein zweiter Kopf gewachsen.

„Sie haben Recht“, wiederholte sie, „ich bin schon ziemlich lange ein Cop, ich habe schon sehr viel gesehen. Gewalt ist nicht etwas, was sich nur auf eine bestimmte Spezies oder Gruppe beschränkt, jede Spezies kann Gewalt ausüben und jede Spezies kann ihr Opfer werden. Die Halsbänder schützen nicht die eine Gruppe, sie machen die andere zu Opfern und man kann nichts dagegen tun“, sie sprang von dem Stuhl auf, trat hinter Wilde und löste die Handschellen, „Es ist nicht einfach, etwas daran zu ändern, die Tiere haben sich schon viel zu sehr daran gewöhnt, doch nur, weil etwas nicht einfach ist, ist es nicht unmöglich und Wilde Times ist der erste Schritt. Ich werde Sie im Auge behalten“, sie winkte ihm zum Abschied mit den Handschellen und verließ den Raum.

Judy lächelte in sich hinein, als sie sich am Ausgang von Ben verabschiedete und den Park verließ. Ein angenehmes, warmes Gefühl, das Richtige getan zu haben. Wilde Times war weder ein Paradies noch eine Hölle, es war eine Bastion, ein stummer, friedvoller Protest, der erste Tropfen Wasser, das das Pulverfass zum Erlöschen bringen wird und verdammt noch mal, sie mochte es.

~Fin~

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So, Job’s done^^, bevor ihr geht, möchte ich allerdings noch etwas loswerden. Vielen wird Judy hier vielleicht OOC erscheinen. Im Film ist sie idealistisch und direkt und hat, wenn auch auf der Ebene des Unterbewusstseins Angst vor Raubtieren, besonders Füchsen und im Original-Konzept war sie, von den wenigen Informationen die wir haben ausgehend, ein knallharter Cop und legte sehr rassistisches Verhalten an den Tag. Ich gehe hier eher von der Film-Judy aus, die in einer solchen Gesellschaft aufgewachsen ist. Hier ist sie schon etwas länger bei der Polizei, sie hat all diese bösen, unfairen Dinge gesehen, ich finde, sie ist intelligent genug, die dystopiesche Version von Zoomania als das zu sehen, was es auch tatsächlich ist, nämlich eine Dystopie. Es ist ein Gedankenexperiment: was wäre, wenn eine nicht rassistische Judy Wilde Times entdeckt.

Mit diesen Worten, danke für die Aufmerksamkeit, ich würde mich über jede Art von Feedback freuen.

LG Miya
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