Ägypten

von Freya 64
KurzgeschichteDrama / P12
Newt Scamander
19.02.2017
18.04.2017
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Es war trotz des frühen Vormittags schon warm. Die Sonne stand nicht mal halb über dem Zenit, und spendete bereits sommerliche Temperaturen. Auf dem Marktplatz des kleinen Örtchens war dennoch viel los. Heute war Viehmarkt und die Menschen, die größtenteils in weite Gewänder aus Leinen gekleidet waren, ließen sich von den Temperaturen nicht beeindrucken. Es war laut und unruhig. Ein bunter Trubel aus Ziegen, Hühnern, Kühen, Eseln und weiter hinten waren sogar ein paar Kamele zu erkennen. Ab und an wehte der Wind ein paar Sandkörner auf, die unruhig durch die Menge flogen um sich dann wieder zu beruhigen.

Auf einem schmalen Gang zwischen Ziegenpferchen gab es neben dem üblichen Rufen der Händler die Kundschaft anlocken wollte und den Leuten die um einen möglichst günstigen Preis feilschten, aufgeregtes Gemurmel und besonders bei den Kindern Staunen.

Ein Ausländer schritt durch das Gemenge. Er war schon von weitem an der andersartigen Kleidung zu erkennen. Der junge Mann trug ein leichtes Hemd, das mal weiß war, aber durch den vielen Staub auf den Straßen inzwischen einen beigen Ton angenommen hat und eine braune Weste aus leichtem Stoff. Darunter saß eine braune Hose, die in hohen Lederstiefeln steckte. Auf dem Kopf trug er einen Stoffhut um sich etwas vor der Sonne zu schützen, allerdings hatte seine helle Haut trotzdem einen stark rötlichen Ton angenommen, der sich fürchterlich mit seinem rot-braunem Haar biss, dass um seine Wangen wucherte und bezeugte, dass er regelmäßige Rasuren für Beiwerk hielt. Die hellen Augen blitzten unter dem Schatten der Hutkrempe hervor und beobachteten die Umgebung aufmerksam.

Newton Scamander hatte sich längst daran gewöhnt, dass der Großteil der Welt augenscheinlich noch nie einen so offensichtlichen Europäer zu Gesicht bekommen hat. Am Anfang seiner Reise war er noch überrascht gewesen allerdings, so dachte er milde, hätte er auch damit rechnen können.
So schlug er sich tapfer durch die Mengen, ertrug die Hände die ihn wie zufällig berührten und schenkte dem einen oder anderen Kind ein Lächeln.
Als er selber noch klein war liebte er solche Märkte, er war schon immer Feuer und Flamme für Tiere gewesen und bei solchen Veranstaltungen gab es immer etwas zu entdecken. Heute taten ihm die Tiere eher leid, wie sie so zusammengepfercht auf einen neuen Besitzer warteten. Aber die meisten Menschen hier waren auf ihr Vieh angewiesen und hatten sonst nichts, daher behandelten sie oft ihre einzige Ziege fast besser als die eigenen Kinder.

Er lief mit offenen Augen über den Markt. Nicht wegen einer Ziege, nein, er hatte einen Tipp bekommen, dass hier auch illegal ‚besondere‘ Tiere verkauft werden würden. Welche die noch nie zuvor gesehen wurden. Oft handelte es sich dabei einfach um Tiere von anderen Kontinenten, aber manchmal waren auch magische Tierwesen dabei. Und genau danach suchte er hier.

Scamander war ein Magizoologe, nebenbei bemerkt der erste und einzige in seinem Berufsstand was wohl daran lag, dass er diesen erfunden hatte. Er reiste durch die gesamte Welt um magische Wesen zu erforschen und eine Abhandlung über sie zu verfassen. Doch nebenbei tat er sein Bestes um vom Aussterben bedrohte oder unterdrückte Wesen zu schützen. Das Buch sollte ihm helfen seine Magierkollegen über diese Wesen aufzuklären.

Er gelang zu einem etwas abgelegeneren Teil, des Marktes in dem es ruhiger wurde. Hier wurden bereits Tiere angeboten, die sich die Masse ohnehin nicht leisten konnte. Tauben, Papageien und Sittiche in allen Größen und Farben, er sah mehrere Becken mit gold gesprenkelten Kois. Prachthühner stolzierten in ihren Gattern auf und ab.
Die Menschen die sich hier umsahen wirkten wohlhabend, die Männer trugen weiße oder farbenfrohe Gewänder, ab und an sah man hier auch einen anderen Europäer. Trotzdem viel er mehr und mehr auf je lichter die Menschenmasse wurde. Ihn streiften viele misstrauische Blicke, manche Verkäufer riefen ihm zu im Glauben das er weil er weiß war viel Geld besaß, was nicht stimmte, als Forscher lebte er eher mit dem was er hatte in den Tag hinein. Er lehnte lächelnd ab und blieb stets höflich interessiert.
Aufmerksam beobachtete Newt im Vorbeigehen die Verkäufer, versuchte zu ermitteln ob sie auch mit Illegalem handelten.

Am Anfang noch wäre er einmal fast im Staatsgefängnis von Dubai gelandet, weil er sich zu offensichtlich nach Occamys erkundete und die örtliche Muggelpolizei dachte er wolle diese wertvollen Stachelschwanz Eidechsen außer Landes schmuggeln. Er konnte gerade noch aus der brenzligen Situation heraus apparieren und die Beamten oblivieren, allerdings bekam er daraufhin Ärger mit den magischen Behörden, da es in Dubai tatsächlich nur wenige ausgebildete Magier gibt die oblivieren dürfen. Im Nachhinein hatte er erfahren, dass er als ausländischer Zauberer bereit die ganze Zeit beobachtet wurde, man aber natürlich nichts gegen die örtliche Muggelpolizei unternahm, schließlich würde diese gute Arbeit machen und ihre Gründe haben. Im Endeffekt hatte ihn das englische Zaubereiministerium dort herausgeholt, allerdings erst nach 5 Tagen in dem Loch, das sich Gefängnis nannte, weil die teure Eileule sich als unnütz erwies und ungewöhnlich lange zu dem nächsten britisch-kolonialem Stützpunkt brauchte. Man hätte meinen können die Leute hätten etwas gegen Europäer.

Im Nachhinein musste er schmunzeln. Nein, inzwischen war er vorsichtiger geworden. Er entdeckte einen Stand mit jungen Pythons, gelbe, braune und graue. Scheinbar interessiert musterte Newt sie. Der misstrauische Blick des Verkäufers, wechselte zu professionell und er pries die Felsenpythons an. Newt dachte an seine Occamys
„Ein bisschen klein und nicht sehr beeindruckend“, vermittelte er seinem Gegenüber nüchtern. Dieser wurde lauter:
„Nicht doch..nicht doch jets‘ noch klein, aber werden groß… gans sicher sehr groß!“ beeilte er sich zu sagen, „schauen…hier wir haben gaans besonder‘ Farbe!“
Er zeigte Newt ein tatsächlich prächtig gelbes Exemplar.
„Ich weiß nicht. Ich möchte meiner Frau etwas Besonderes mitbringen. Schlangen gibt es doch überall, “ seufzte er gespielt und zuckte hilflos mit den Schultern.
„Ah, die Frauen, ja… die Frauen, “ nickte der Verkäufer verstehend, „Frau sich bestimmt freuen über Schlangensuppe! Hier ich haben …“
Newt wimmelte ihn höflich ab. Der Schlangenhändler schien nicht zu haben wonach er suchte.

Als nächsten erregte ein Stand seine Aufmerksamkeit, der zwar nur sehr farbenfrohe Vögel, wie Prachthühner und Pfauen verkaufte, an dem sich aber drei sehr dubios ausschauende Männer aufhielten. Also, dubioser als die Leute hier ohnehin aussahen, mit ihren seltsamen Gewändern.
Scamander näherte sich, interessiert die Pfauen betrachtend. Es waren wunderschöne Geschöpfe, so farbenfroh und stolz. Allerdings lange nicht so interessant, wie die Tiere die er für gewöhnlich studierte.
„Interessieren sich für ‚toauwles‘?“ „Sie sind wunderschön, aber doch ein bisschen reizlos im Alltag“, antwortete er wahrheitsgemäß leicht verträumt und dachte an sein Nundujunges, was er vor kurzem in der Afrikanischen Steppe vor dem Verdursten gerettet hatte. Es dürfte gerade einmal ein halbes Jahr alt sein und hatte erst die Größe eines gewöhnlichen Löwen. Er hatte von einem seltsamen Jaguar gehört, das mitten in der Wüste auftauchte und sein Unwesen trieb, was natürlich sehr verdächtig war, da Jaguare Tropenwälder bevorzugten. So hatte er das Arme gefunden, dehydriert und desorientiert, wahrscheinlich ausgesetzt von irgendwelchen Wilderern, denen es doch zu unheimlich wurde. So nahm er es bei sich auf und es zeigte eine enorme Anhänglichkeit und Dankbarkeit, was nicht unbedingt vorteilhaft war, da klein Alan in Kürze beginnen würde sein Gift zu entwickeln.

„Wenn so ist das, “ sagte der Händler mit gesenkter Stimme, „vielleicht du hast Interesse an ‚kabiir fah’ir‘“
Das Interesse des Magizoologen war geweckt. Er hatte keine Ahnung was das sein sollte, seine arabischen Sprachkenntnisse beruhten auf reinen Grundlagen, immer in der Hoffnung, dass es genug Leute gibt die englisch sprechen, aber diese Ungewissheit war es die seine Neugier weckte.
„Ich würde es mir gerne einmal anschauen, “ gab er mit leuchtenden Augen zu.
Der Händler grinste ein schmieriges Lächeln und winkte ihn um die Pferche herum in einen hölzernen Schuppen. Die beiden anderen Kerle, die bis jetzt stumm geblieben waren, flankierten ihn als er das Dämmerlicht des heruntergekommenen Gebäudes betrat. Seine Augen sahen schemenhaft eng zusammengepfercht weitere Exemplare der draußen artgerechter zur Schau gestellten Tiere. Kleine Drahtkäfige voller Vögel reihten sich an und übereinander, dass es Newt ein Stich ins Herz gab. Aber er folgte dem Mann ohne sich etwas anmerken zu lassen, selbstsicher aber doch auf der Hut, in ständiger Vorsicht.

Er erinnerte sich noch gut an seine allererste Begegnung mit solcher Art Kriminellen vor ein paar Jahren, es war seine erste Reise, die er alleine antrat, kurz vor seiner ersten Anstellung im Ministerium. Er wollte Hippogreife in freier Natur erleben und entschied sich für eine sehr abgelegene Alpenregion. Allerdings hatten auch Kleinganoven aus Deutschland sich die gleiche Region ausgesucht um Greifeneier zu stehlen. Was durch die sehr kurze Brutzeit besonders effektiv ist, da man ohne viel Aufwand teure junge Hippogreife verkaufen kann, die natürlich nicht mit den prachtvollen Exemplaren zu vergleichen waren die seine Familie großzog. Vor allem da ihnen die mütterliche Fürsorge der ersten Woche fehlten. Die Kurzfassung: Als er von dieser Sache hörte, überkam ihn jugendliche Wut. Er wollte die Bande in die Luft jagen und die Eier und Jungtiere möglichst zurückbringen oder zumindest Fachgerecht aufziehen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Gruppe aus 5 deutlich erfahreneren Zauberern bestand, von denen zwei kriegserfahrene Söldner waren.
Natürlich hatten sie ihn innerhalb Sekunden überwältigt. Hätte ihn nicht sein treuer Begleiter, der Hippogreif Artemis, gefunden wäre es wohl schlecht für ihn ausgegangen. Er hatte sich dann an die zuständige Schweizer Behörde für magische Strafermittlung gewandt, die die Gruppe ausgenommen hatte. Damals war er leichtsinnig ohne groß nachzudenken losgestürmt. Inzwischen war er viel zurückhaltender und aufmerksamer geworden, redete sich Newt zumindest gerne selber ein.

Er folgte dem Mann weiter in das Dämmerlicht, an dass sich seine Augen inzwischen soweit erholt hatten, dass er mit Schrecken vor sich Fwuuper in verschiedenen Farben erkannte, die stumm in ihren Käfigen saßen, dann zwei Jobberknolle, deren blaues Gefieder hier grau wirkte und die ängstlich aneinander gekuschelt dahockten. Aber da war etwas anders was seine gesamte Aufmerksamkeit fesselte. Ganz hinten hinter Stahlgittern, saß ein riesiger Vogel. Im ersten Moment dachte Newt es wäre ein Hippogreif, aber dem Wesen fehlte der Pferdeleib. Beim Näherkommen entdeckte der Brite 2 Flügelpaare, ein großes und ein kleines, das weiter unten saß und beinahe von den großen Schwingen verdeckt wurde. Der Schwanz bestand aus 2 langen Ruten, die in großen Federbäuschen endeten.
Beide der gewaltigen Krallen steckten in je einer Metallschelle, die mit einer kurzen Kette an einem Baumstamm verankert war, auf dem der Vogel hockte Aber das was den Blick des Forschers fesselte und ihm das Herz brach, war der tote gebrochene Blick in den Augen des Tieres.

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So hier also  nun endlich das erste Kapitel meiner bescheidenen Story. 3 weitere werden noch folgen, je nachdem wann ich es schaffe die zu überarbeiten und fertig zustellen.
Ich hoffe ihr hattet Spaß beim lesen und lasst mir ein kleines Review da *Schokokekse hinstell*

PS. Ich habe keinen Betaleser, also wenn jemand Lust hat ich würde mich freuen,  mache  gerne Unnötige Rechtschreibfehler...
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