Sunshine on Mars

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Shannon Leto
19.02.2017
22.09.2019
22
37073
4
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Und weil das 20. Kapitel etwas kurz war und als mein zuletzt online gegangenes Kapitel schon ewig her ist, gibt es gleich noch eins obendrauf.

Viel Spaß euch!

21.



Ach, war das ein verdammter Tag. Jared hatte sie früh aus ihrem Bett geklingelt, weil er unbedingt wollte, dass sie mit zu einem Folgetermin von Mr. Van Buren kam. Das erste Treffen hatte ohne sie stattgefunden und beide Seiten waren noch dabei sich abzutasten, ob eine kreative Zusammenarbeit zustande kommen sollte.
Warum hätte er nicht ein paar Stunden warten können, dann wäre sie eh im Lab gewesen. Nein, er musste sie um sechs Uhr früh anrufen und aus ihren süßen Träumen wecken. Der Mann kannte scheinbar die Uhr wirklich nicht, so wie Emma es ihr bereits angedroht hatte.
Nun saß sie auf dem Sattel ihres Fahrrades und strampelte sich mühselig die Straße hinauf. Verfluchte Hills! Eigentlich wollte sie den Kopf freibekommen, ehe sie bei Jared auftauchte, aber das Gegenteil war der Fall. Er rauchte noch mehr, weil sie so dumm war mit dem Fahrrad zu fahren, anstelle des Autos. Sie war stocksauer.
„Memo an mich! Nie wieder mit dem Fahrrad zu Arbeit fahren! Aaaaarrrrggghhhh!“ Amy stieg noch einmal feste in die Pedale. In der Ferne hörte sie das Motorengeräusch eines Motorrades, das schnell näherkam. So ein Glückspilz! Der konnte sich ganz in Ruhe zurücklehnen. Sie nicht, sie musste ackern, um diesen verdammten Berg hinaufzukommen. Das Geräusch kam näher und wurde langsamer. Ziemlich langsam sogar. Es kam hörbar näher und irgendwann war es genau hinter ihr.
Warum überholte dieser Idiot nicht langsam? Natürlich würde der Typ sie nicht überholen, schließlich gab sie einen Anblick ab, der sicherlich nicht jeden Mann kalt ließ. So wie sie hier ihren Allerwertesten präsentierte. Abrupt blieb sie stehen. Hinter ihr kamen die Reifen des Motorrades zum Stehen.
„Warum in Dreiteufelsnamen überholst du I…“, doch der Idiot blieb ihr im Halse stecken, grinste sie doch jemand ganz breit an.
„Guten Morgen!“ Trotz Helm und Brille war es unverkennbar Shannon, der das Motorrad fuhr. Hinter ihm saß jemand. Na eigentlich war es nicht jemand, sondern vielmehr eine Frau. Sie trug ebenso einen Helm und eine Brille wie er, hatte ihre Arme um ihn geschlungen und war ihm ziemlich nah auf die Pelle gerückt, wenn man das so nennen konnte. Sie hatte einen Fummel an, der relativ wenig Freiraum für Fantasie ließ. Wo hatte er denn die aufgegabelt? An einer roten Ampel? Von irgendwoher kam sie ihr bekannt vor, aber sie wusste nicht wo sie das Gesicht schon einmal gesehen hatte.
Amy grummelte sich irgendwas in ihren nicht vorhandenen Bart, stieg wieder auf ihr Fahrrad und versuchte mit aller Macht diesen Berg hochzukommen.
„Süße, was machst du da?“ fragte Shannon und sein Grinsen war überdeutlich aus seiner Stimme zu hören.
„Ich fahre Rad! Soll sehr belebend sein und fit halten!“ keuchte Amy. Warum musste der Typ sich auch noch mit ihr unterhalten, so hatte sie noch weniger Luft.
„Halt dich einfach an mir fest, dann zieh ich dich hoch!“ Shannon klopfte sich auffordernd auf die Schulter.
„Nein, ich schaff das schon!“
„Warum denn so stur? Na los, sei nicht so, dann bist du schneller oben.“
„Nein, ich kann das ganz allein. Ich brauch dazu keine Hilfe!“ Allmählich pfiff Amy aus dem letzten Loch.
„Gut, dann werden wir dir solange Gesellschaft leisten, bis du oben bist.“
„Shannnnnnni, lass sie doch, sie will nicht!“ quiekte dieses überschminkte Etwas hinter ihm und blickte abschätzig über ihre Sonnenbrille hinweg auf Amy. Meine Güte, diese Frau sollte lieber den Mund geschlossen lassen, für die Stimme brauchte sie aber einen Waffenschein.
Ohne Vorwarnung hielt Amy wieder. Es gab einen augenrollenden Blick für diese Schnepfe und einen bösen für Shannon. Was blieb ihr anderes übrig, es würde auf dasselbe hinauslaufen, wie damals auf dem Parkplatz. Shannon würde gewinnen. Mal wieder!
Sie ließ also ihr Fahrrad ein Stück zurückrollen, legte ihre eine Hand auf seine Schulter, versuchte sich mit der anderen Hand an ihrem Fahrrad festzukrallen und gab Shannon ein Zeichen loszufahren.
Der Schnepfe entwich ein Laut des Unmutes und Shannon fuhr langsam los. Amys Blick fiel zufällig in den Rückspiegel des Motorrades und sie konnte sein triumphierendes Grinsen sehen. Seine Lippen formten ein 3:0. Wenn sie nicht langsam angefangen hätte ihn zu mögen, hätte er nicht so schnell das Amen in der Kirche beten können, wie sie ihm dieses Grinsen vom Gesicht gewischt hätte. Grimmig sendete Amy eine Unmenge von Blitzen aus und irgendwann war ihm das Grinsen vergangen.

Keine drei Minuten später waren sie die Auffahrt zu Jareds Haus hinaufgefahren und hielten vor der Tür. Amy stieg vom Fahrrad und parkte es in dem dafür vorgesehenen Ständer.
„Hey, Sonnenschein, nun mach doch mal ein besseres Gesicht und nicht wie drei Tage Regenwetter!“ redete Shannon, doch Amy fühlte sich nicht angesprochen.
„Hey! Amy? Was ist los?“
Weitere Giftblitze wurden Richtung Shannon gesendet.
„Ohje, dir muss ja jemand dermaßen den Tag vermiest haben!?“
„Keine Ahnung, wie du darauf kommen konntest!“
„Stimmt’s? Jared ist dir über die Leber gelaufen?“
Amy brummte.
„Ach Amy! Schieß los, was hat er gemacht?“ Shannon ließ zuerst seine Begleitung absteigen, bevor er selber vom Motorrad stieg.
„Sechs Uhr!“ presste sie zwischen ihren geschlossenen Zähnen hervor.
„Was war sechs Uhr?“ Sein Blick sah besorgt aus. Er stellte sein Motorrad ab und sicherte es.
„Um sechs hat er mich aus dem Bett geklingelt, weil er mir unbedingt mitteilen wollte, dass ich zu dem nächsten Termin mit Mr. Van Buren mitkommen soll! Um sechs! Ich bin erst heute Morgen um halb drei im Bett gewesen und ich hatte verdammt nochmal noch keinen Kaffee, weil ich es noch nicht geschafft habe, mir eine Kaffeemaschine zu kaufen. Ich werde den ganzen Tag unausstehlich sein, weil mein Tag beschissen gestartet ist, also quatsch mich nicht dumm an.“ Forsch kamen ihr die Worte über die Lippen, aber da musste er jetzt durch.
„Ich habe dich auch lieb!“ sprach Shannon nur und nahm sie plötzlich in den Arm, um sie fest an sich zu drücken. Der Blick der Schnepfe war Gold wert, wie sie plötzlich total angefressen zu ihnen hinüberblickte. Das milderte das ganze Desaster von heute Morgen wenigstens ein bisschen.
Amy entfuhr ein erleichtertes Seufzen, als wäre ihr ein kleiner Stein vom Herzen gefallen.
„Besser?“ fragte Shannon leise.
„Etwas!“
„Gut! Ich besorg dir den besten Kaffee auf der Welt und du wirst sehen, dass die Welt dann schon wieder besser aussieht.“ Seine tiefe Stimme brummte seltsam angenehm an ihrem Körper und hüllte sie warm ein.
„Versprochen?“ Ein wenig zweifelte sie noch.
Shannons Körper bebte vor Lachen.
„Ganz fest versprochen!“ Shannon zog sich aus der Umarmung zurück. Oh bitte nicht, das tat gerade so gut, ging es ihr durch den Kopf.
„Lass uns reingehen!“ forderte Shannon seine Motorradbegleitung auf und trat ins Haus seines Bruders. Die Schnepfe stöckelte ihm hüftschwingend hinterher, nicht ohne Amy ein zähnezeigendes Lachen zuzusenden. Die glaubte allen Ernstes, dass sie gewonnen hatte. Kopfschüttelnd folgte Amy den Beiden ins Haus.

Im Flur hing sie ihre Jacke auf und zog sich ein paar der bequemen Schuhe an, die Jared dort deponiert hatte. Scheinbar war sie immer noch die Einzige, die entdeckt hatte, wie warm und kuschelig sie waren. Emma hatte mal was davon erzählt, dass Constance, die Mutter der beiden Brüder, diese gestrickt hätte, aber keiner sie anziehen wollte. Ausgenommen Shannon. Er trug sie ebenso bei jeder Gelegenheit, wie Amy.
Sie schlüpfte gerade eben in den zweiten Schuh, als sie Emma entdeckte, die plötzlich im Flur stehen geblieben war und irgendetwas anstarrte.
Oh, Emma hatte auch schlechte Laune. Ihr Mund hatte sich zu einem schmalen Strich zusammengepresst.
„Du siehst auch aus, als hättest du einen schlechten Start gehabt?“ fragte Amy nach.
„Ganz im Gegenteil, ich hatte einen super Start, der Fortlauf des Tages wird nur schlechter.“
„Wieso?“
„Darum!“ Emmas Kopf nickte zu etwas, dass Amy noch nicht sah und so blickte sie um die Ecke ins Wohnzimmer hinein.  Dort entdeckte sie die quietschende Schnepfe, die sich soeben mit Jared unterhielt. Naja, unterhalten beschrieb das Ganze nicht richtig. Vielmehr textete sie Jared zu, den das aber völlig kalt ließ.
„Habe mich auch schon gefragt, wo er die aufgegabelt hat. Für die Stimme braucht die Frau einen Waffenschein!“ entfuhr es Amy höhnisch.
„Glaub mir, die ist nicht zum Reden da!“ Emmas Blick war fest auf die Frau geheftet.
„Ah ja, so eine ist das also!“
„Genau, und zwar eine der ganz schlimmen und besonderen Art! Ich versteh nicht, warum Shannon die jedes Mal mitbringt, dabei könnte er zehn an jedem Finger haben, die wesentlich witziger und vor allen Dingen intelligenter sind als diese da! Aber in dem Fall mag das noch nicht mal viel heißen. Ein Stück Zucker besitzt einen höheren Intelligenzquotienten. Die da will nur berühmt werden durch Shannon, mehr nicht. Nur Shannon kapiert es nicht.“ Emma wirkte, als wäre sie das Thema allmählich überdrüssig.
„Altes Thema mit einem langen Bart?“ fragte Amy nach.
„Ganz altes Thema und ein kilometerlanger Bart! Vor allen Dingen jucken die immer so und sind so störend wie ein fieser Pickel auf der Stirn.“
„Das sind die schrecklichsten!“ platzte es Amy heraus. Emma kicherte. Sie mochte Amys Art von Humor.
„Manchmal denke ich, dass Shannon das Leben seines Bruders ausgleichen muss.“
„Wieso?“
„Was Jared zu wenig an Frauengeschichten hat, hat Shannon manchmal zu viel! Wo Jared als Mönch lebt, ist Shannon da eher extrovertierter!“
„Das wäre mir nie im Leben aufgefallen, wenn du mir das nicht gesagt hättest!“ scherzte Amy, aber so etwas hatte sie sich schon denken können, nachdem Shannon die letzten paar Tage immer wieder mit einer anderen Frau an seiner Seite im Lab aufgetaucht war.
„Shannon müssen wir beide also etwas im Zaum halten mit seinen Frauengeschichten, damit kein dummes Gerede aufkommt.“
„Alles klar! Habe verstanden. Wir spielen also Feuerwehr, wenn’s brennt?“ hakte Amy nach.
„Richtig! Ich sehe, wir verstehen uns!“
„Blind!“ bestätigte Amy.
„Behältst du sie im Auge? Ich habe noch was im Lab zu erledigen! Jared will, dass ich Fotos aussuche für… wie hieß es doch gleich? Ach ja, ‚Notes from the outernet‘ Projekt 1.3 nannte es Jared“, sprach Amy ruhig, während sie dieses Etwas in dem knappen Fummel beobachtete, wie sie gerade über etwas lachte, das so gar nicht lustig war. Dennoch konnte sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie sah, dass selbst Shannon peinlich berührt zu sein schien über das Verhalten seiner Begleitung.
„Lass dich nicht unterkriegen! Ich bin dann mal in den Weiten des Fotosammelsuriums verschwunden!“
„Alles klar! Bis später!“
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