Undone

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
19.02.2017
13.01.2019
30
129440
6
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UNDONE

~Prolog~

Es war ein kalter Wintertag, fast schon Mitternacht, als der junge Mann der dunklen Straße entlang ging. Die Hände hatte er tief in seinen Jackentaschen vergraben, das Gesicht fast gänzlich hinter einem dunklen Schal verborgen, durch den man seinen Atem sehen konnte, wenn er in der Luft zu rauchartigen Wölkchen kondensierte. Er bewegte seine, vor Kälte taub gewordenen Finger, um eine Zigarette aus einer Schachtel zu kramen. Kurz darauf führte er die Zigarette zu seinen Lippen, zog dafür den Schal etwas nach unten. Er blieb stehen, um sich die Zigarette anzuzünden, steckte das Feuerzeug zurück an seinen Platz. Flüchtig ließ er seinen Blick nach vorn wandern. Sanftes Licht ging von einer Straßenlampe aus. Der fallende Puderschnee tanzte darunter, glänzte, als das Licht auf ihn fiel. Es wurde nur noch kälter.

Der Mann setzte seinen Weg fort, nahm das Knirschen des Schnees unter seinen Schuhsolen kaum wahr. Er warf einen kurzen Blick in die noch dunklere Seitengasse, konnte undeutlich die Silhouetten von zwei Personen aus machen, die sich eng aneinander schmiegten, in ihren Bewegungen und ihrem Stöhnen gefangen zu sein schienen. Mit einem abwertenden Lächeln führte er seine Zigarette wieder zu seinen Lippen und zog an ihr. Kurz darauf entließ er den Rauch wieder aus seiner Lunge. Wie von selbst führten ihn seine Füße weiter durch die Straße, deren Licht von der finsteren Nacht geschluckt wurde.

Kurz bevor die befestigte Straße endete, fiel sein Blick auf eine Person, die mit ihrem Rücken an einer Steinmauer lehnte, ihn interessiert musterte. Er sah zweifelsohne ziemlich jung aus. Vielleicht so um die 17, vielleicht auch 18. Trotz des kalten Wetters trug er nicht sehr viele Sachen, die warm hielten. Da schuf auch der  zwei Meter lange Schal keine Abhilfe.

„Du kommst spät!“, durchbrach der junge Mann die Stille und stieß sich von der Wand ab.

„Und du siehst aus, als würdest du dich für ´nen Scheinchen vögeln lassen.“

„Job ist Job!“, tat es der Großgewachsene ab und trat unmittelbar vor den anderen, wodurch ihr erheblicher Größenunterschied sichtbar wurde.

„Ich wüsste nicht, dass dieser Job deiner wäre!“, keifte der Kleinere, dessen Hut ihm frech vom Kopf entwendet wurde. Ersetzt wurde er umgehend durch eine Hand, die ihm durch die blonde Mähne wuschelte. Vielleicht lag mehr Zuneigung in dieser vertrauten Geste, als es ihm lieb war.

„Lass das!“ Sein Zigarettenstummel fiel neben ihn in den Pulverschnee und das Glimmen verschwand. Mit einer wirschen Handbewegung schlug der Blonde das aufkeimende Übel weg und entriss seinem Gegenüber seinen Hut, den er sich wieder aufsetzte. Dennoch war das Gefühl nun nicht mehr das Gleiche wie zuvor.

„Ich habe nicht erwartet, dass du heute kommst“, gestand der Größere und nahm seine Position neben dem anderen ein, der sogleich den Weg fortsetzte.

„Wieso sollte ich nicht kommen? Ich bin wegen ihm hier, nicht wegen dir.“ Der Pulverschnee knirschte unter seiner Sohle, als er langsam weiterging.

„Nur so ein Gefühl…“

„Es ist das fünfte Mal, dass sich dieser Tag jährt. Natürlich komme ich!“ Der Nachdruck in der Stimme des Kleineren war leicht herauszufiltern. Selbst wenn er Mühe hatte, die Fassade aufrecht zu erhalten. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen, setzte den ersten Schritt auf die heruntergekommene Steintreppe, die von Moos und einer dünnen Schicht Schnee überdeckt war. Es war glitschig und kostete beiden etwas Mühe, sicher den Sand zu erreichen. Hier an der offenen See wehte der kalte Wind noch stärker um ihre Nasen. Dennoch setzten Sie ihren Weg fort, hüllten sich in Schweigen, bis sie nahe am Wasser stehen blieben.

Beide sahen in die schwarze Nacht. Das Meer rauschte, der Wind blies ihnen um die Ohren. Aber all das schien unwichtig in Hinblick auf den eigentlichen Grund, weswegen sie sich zum fünften Mal hier eingefunden hatten.

Leises Rascheln war zu vernehmen, gefolgt von den geflüsterten Worten. „Es ist 00:02.“

Der Kleinere nickte und der Kloß in seinem Hals schwoll schier unendlich an, nahm ihm die Luft zum Atmen. Trotzdem versuchte er gefasst zu bleiben und zog seine Umhängetasche seitlich nach vorn. Heraus holte er eine einzelne Blume und ein Foto.  Erst als er einen Blick auf die nur schemenhaft sichtbaren Silhouetten auf dem Papier warf, schien das Gefühl, welches sich in seiner Brust gesammelt hatte, zu bersten und sich unmittelbar in seinem gesamten Körper zu verteilen. Kompensiert wurde es von den heißen Tränen, die über seine Wangen liefen und unaufhaltsam zu Boden stürzten. Er verlor seine Fassung und die Fassade fiel, hinter der er immer wieder versuchte seinen Kummer und Schmerz vor der Öffentlichkeit zu verbergen.  

„Ich vermisse ihn…“, flüsterte der Kleinere die unaufgeforderte Erklärung. Unter dem knirschenden Sand ging er ein paar weitere Schritte auf das Meer zu. Kommentarlos hockte er sich hin und übergab seine Geschenke den tosenden Wellen des Meeres. Erst machte es den Anschein, als würden diese wieder zurück an Land gespült werden, doch das Meer nahm sie mit und nach ein paar weiteren Sekunden waren sie aus seinem Blickfeld verschwunden und vom Meer verschlungen. Genau so verschlungen wie seine aufkeimenden Gefühle von vor fünf Jahren, deren Ursprung weiterhin tief in seiner Seele vergraben lagen.

„Taka… Lass uns gehen…“  


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