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.`~°~´. Little Tales from Gaya

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Alanta Boo Bramph Galger OC (Own Character) Zino
19.02.2017
19.06.2021
96
70.098
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19.02.2017 909
 
Ein alphabetisches Desaster I
Das Fettnäpfchen

Als Boo und Zino nach der Siegesfeier in die Werkstatt des Erfinders zurückkehrten, konnte Boo nicht mehr an sich halten. Wie jedes Mal war es Zino gewesen, der gefeiert wurde, obwohl die Mission ohne seine Erfindungen und sein technisches Geschick zum Scheitern verurteilt gewesen wäre. Von dem kleinen gayanischen Genie hatte aber niemand Notiz genommen, während sich der große blonde Held des Landes wie üblich in der Anerkennung gesonnt hatte.
      Während der Festlichkeit hatte Boo sich bemerkenswert zurückgehalten; jetzt stand er kurz davor zu platzen. „Langsam reicht es mir! Warum kann ich nicht einmal ein bißchen Anerkennung bekommen für unsere Erfolge? Nur ein kleines bißchen vom Ruhm abbekommen, ist das zu viel verlangt?“
      „Ach, du weißt doch, wie die Leute sind!“ winkte Zino gutgelaunt ab. „Ich nehme die Anerkennung stellvertretend für uns beide entgegen.“
      „Na, toll! Das hebt jetzt meine Stimmung kolossal!“ Boo konnte den Sarkasmus in seiner Stimme nicht stoppen.
      „Ich meine es ernst, Boo!“ Zino drehte sich mit gewinnendem Lächeln zu seinem Freund um. „Ich weiß doch, daß du der eigentliche Held bist, und wesentlich mehr zu unserem Erfolg beiträgst als ich. Daß ich mehr im Vordergrund stehe… dafür kann ich nichts, die Leute sehen eben nur, was ich leiste, aber nicht, was für eine Arbeit im Hintergrund dahintersteckt. Es ist aber eine Gemeinschaftsarbeit, die nur mit uns beiden zusammen funktioniert, und deswegen gilt der Applaus immer uns beiden, auch wenn…“
      „… auch wenn alle immer nur »Zino«, »Zino« jubeln?!“ beendete Boo frustriert den Satz.
      Der blonde Nationalheld hielt kurz inne. Dann räusperte er sich kurz und wich Boos Blick aus. „Ja. Aber das ist doch nicht schlimm! Wir wissen ja, wie es wirklich ist.“
      „Du hast leicht reden! Du mußt dir um so etwas ja keine Gedanken machen! Der große, starke Superheld bekommt ja von allein Anerkennung genug, im Gegensatz zu dem technischen Genie, das sich die Nächte um die Ohren schlägt, um Dinge zu erfinden, damit der große Superheld überhaupt seinen großen Erfolg durchführen kann!“
      Langsam wußte Zino nicht mehr, was er noch dagegensetzen sollte und sah seinen Kameraden betrübt an, während der aufgewühlt durch die Werkstatt lief.
      Boo machte eine verzweifelte Geste. „Warum kippe ich immer über die Kante, wenn es darum geht, unsere Erfolge zu honorieren? Was habe ich der Welt getan, daß ich neben dir keinerlei Bedeutung beigemessen bekomme? Wir sind doch ein Team! Warum sieht niemand, daß ich mindestens genauso viel leiste wie du?“
      Zino machte eine hilflose Geste und schüttelte leicht den Kopf. „Ich weiß es nicht, Boo. Vielleicht liegt es einfach an der Ausstrahlung. Es ist einfacher für die Menge, einem strahlenden Superhelden zuzujubeln, als einem…“ Der kräftige Gayaner spürte den Blick des Kleineren unangenehm auf sich ruhen und zog leicht die Luft ein. „… hochbegabten, dafür aber unscheinbaren Genie.“
      „Das ist nicht fair!“ Boo schlug frustriert gegen den Arbeitstisch. Nach einem Moment der Stille fügte er an: „Ich verlange ja nicht viel! Ich muß bestimmt nicht so groß gefeiert werden wie du. Es reicht mir schon, zumindest mal erwähnt zu werden! Aber selbst das scheint ja schon zu viel verlangt zu sein.“ Er lehnte sich an die Arbeitsplatte und verschränkte die Arme vor dem Körper. „Anscheinend macht sich niemand Gedanken darüber, wieviel meine Arbeit überhaupt wert ist, und wieviel ich zum Erfolg unserer Missionen beitrage.“ Er starrte vor sich hin und schob bald trotzig nach: „Selbst im Alphabet komme ich weit vor dir!“
      Zino hielt inne und musterte seinen Freund verhalten.
      „Es ist doch so!“ ereiferte sich der kleine Erfinder. „Noch weiter auseinanderliegen könnten wir da fast nicht! Da bin ich ganz vorne!“ Plötzlich stutzte er, als er den Eindruck hatte, sein Freund wäre den Tränen nahe. „Zino? Alles in Ordnung?“
      „Du wolltest mir jetzt aber nicht damit sagen, daß ich das allerletzte bin, oder…?“
      Boo stockte verblüfft. Dann begriff er, worauf Zino hinauswollte. „Was? Nein!“ Der Erfinder hielt geschockt den Atem an. Diesmal hatte ihm sein Kumpel eindeutig zu drastisch geschaltet, und ihn gedanklich überholt. „Natürlich nicht! Das war blöd, ich weiß…“ Er atmete tief durch. „Ich wollte doch nur sagen…“
      „Daß das »B« für »etwas Besonderes« steht?“ Zino lächelte verlegen.
      Boo hielt inne. Dann seufzte er leicht, als er einmal mehr registrierte, daß er bei Zino mit seinem Ärger an der falschen Adresse war. Wenn es jemanden gab, von dem er die Anerkennung bekam, die er verdiente, dann war es sein bester Freund. Als Dank durfte der sich jedes Mal mit seinem Frust auseinandersetzen, obwohl die Ursache wo ganz anders lag. Auch das war nicht fair. „Ja, vielleicht!“ lenkte er nun wesentlich ruhiger ein. „Und das »Z« steht für… steht für…“ Der kleine Erfinder biß die Zähne zusammen, als er nichts fand, womit er sich revanchieren konnte. Alles, was ihm mit Z in den Sinn kam, war jenseits dessen, was er mit Zino assoziierte, Worte wie »zimperlich«, »zierlich«, »zänkisch«, »zaghaft«, »Zombie«… Und so blieb er die Antwort auf seiner verzweifelten Suche schuldig.
      „Laß gut sein, Boo.“ kürzte Zino die Sache ab, schien aber zum Glück nicht mehr enttäuscht darüber zu sein. Er lächelte fast liebevoll und klopfte seinem Kameraden aufmunternd auf die Schulter, bevor er die Werkstatt wieder verließ, um das Equipment, das sie auf dem Vorplatz zwischengelagert hatten, aufzuräumen.
      Boo holte tief Luft, hielt sie einen Augenblick an und atmete resigniert wieder aus. Warum nur konnte er so wahnsinnig schlecht mit dem Alphabet umgehen, im Gegensatz zu seinem Freund, der eigentlich mehr für Kraft- und Mutfragen prädestiniert war…?
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